Skip to main content

Full text of "Christliche und jüdische Ostertafeln"

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books white helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 








Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



ABHANDLUNGEN 
DER KÖNIGLICHEN GESELLSCHAPT DER WISSENSCJHAFTEN ZU GÖTTINGBN 
PHILOLOGISCH -HISTORISCHE KLASSE. "^ 

NEUE FOLGE BAND Vin. Nro. 6. 



Cliristliche und jüdische Ostertafeln 



Von 



E. Schwartz 



Mit 3 Tafeln 



Serlin, 

Weidmannsch e Bachhandlang. 

1905. 



Digitized by 



Google 




^J, tH^ 



Digitized by 



Google 



^ o3 



ChristKche und jüdische Ostertafeln 

Von 

K Schwartz 



Vorgelegt in der Sitzang vom 22. Juli 1905 



Der alexandrinische Cycliis 

Nach einem Gebrauch der znerst bei dem 'grossen' Dionysins [Feltoe p» 
64 fp.] sich nachweisen lässt, zeigten die alexandrinischen Patriarchen den Bischofen 
ihres Sprengeis jährlich durch eine 'EjnötoXij iogtaöuxij das Datum des Oster- 
festes an. So sind durch die Festbriefe des Athanasius, des Theophilus, des 
Cyrill eine grosse Anzahl von alexandrinischen Osterdaten erhalten. Daneben 
ist aber im Patriarchat eine offidelle Liste der gefeierten Osterfeste geführt; 
denn die KstpdXauc der athanasianischen Osterbriefe verzeichnen die Festdaten 
auch für die Jahre in denen Athanasius keinen Brief hatte schreiben können 
oder für welche sie verloren waren; ja sie notiren auch eine falsche Osteran- 
setzung, mit der sich der arianische Bischof Gregor im Jahr 340 blamirte. 
Seitdem die alexandrinische Enneakaidekaeteris ihre feste Form angenommen 
hatte, besass das Bureau des Patriarchats selbstverständlich Tabellen aus denen 
das Fest für jedes Jahr berechnet werden konnte : aus derartigen Tabellen sind 
die Angaben entlehnt, die in den Ksfp&Xma und den XJeberschriften der Fest- 
briefe des Athanasius jedem Osterdatum hinzugefügt sind. Es sind: 

1. Die charakteristischen Merkmale des Jahres, nämlich die Indictionsziffer 
xmd das Jahr der Aera Diodetians, die vom 1. Thoth [29. August] 284 ab läuft. 
Die Consulate und die Namen der Praefecti Aegypti gehören naturlich den 
historischen, nicht den cyclischen Listen an^). Die Aera Diodetians kommt, 
mit wenig Ausnahmen, nur in den XJeberschriften vor. 



1) Ich habe de in den Nachrichten 1904, 838 ff. ausführlich behandelt. 

1* 



Digitized by 



Google 



G. SCHWABTZ 



2. Das Mondalter des Ostersonntags, welches erweist dass Ostern im richtigen 
Abstand vom Frühlingsvollmond gefeiert ist. In den KstpdXaia ist diese Rubrik 
standig ansgefüllt, während die üeberscbriften das Mondalter nicht regelmässig 
angeben. Es erscheint zuerst in der Ueberschrift des 5. Osterbriefs vom Jahr 333, 
nicht ohne Grund ; denn dies Osterfest war, um die XJebereinstimmung mit Rom 
festzuhalten, von dem Datum welches der alexandrinische Cyclus verlangte, ver- 
schoben : das Mondalter ist dem entsprechend im KstpdXcuov und in der Ueberschrift 
gefälscht. In den Ueberschriften der folgenden Briefe wird dann die Rubrik beibe- 
halten; sie fehlt nur im 11. 13. und 14. Brief. Nothwendig war die Angabe im 18. 
Brief [346], da auch dieses Osterfest den Römern zu Gefallen verlegt wurde; wie- 
derum haben Ksfpdlcciov und Ueberschrift übereinstimmend ein Mondalter das dem 
Cyclus widerspricht und nur aus der historischen Liste entnommen sein kann: 
wenn die Politik es verlangte, corrigirte man im alexandrinischen Patriarchat auch 
den Mond. Merkwürdig sind femer noch zwei Angaben. Zum Ostersonntag von 
338 führt das Ks^pAXcuov das regelrecht berechnete Mondalter 10 auf; die 
Ueberschrift hat IH xal fn^letiu [o^^^^e |m\>viv>l]. Zum zweiten Mal taucht 
eine solche scheinbare Genauigkeit auf in dem KatpiXaiov zu 350 — der Brief 
selbst ist verloren — : das Mondalter des Ostersonntags soll gewesen sein IE 
[so ist sicher für W zu lesenj iv ßgai Ssimdgcci. Die Erklärung dieser Kotizen 
kann erst in einem anderen Zusammenhang versucht werden; ich warne nur 
schon jetzt vor dem dilettantischen Einfall dass wirkliche Beobachtung dahinter 
stecken könnte. 

3. Die Epakte durch die der Ostervo^mond berechnet wird. Sie erscheint 
nur in den Eephalaia. 

4. Die Terie', um den technischen Ausdruck der lateinischen Computisten 
zu acceptiren : mit ihrer Hülfe soll der Wochentag des Ostervollmonds bestimmt 
werden, ohne den der richtige Ostersonntag nicht gefunden werden kann; auch 
diese Rubrik ist auf die Kephalaia beschränkt. Der syrische Ausdruck lautet 
regelmässig {6iäSt ^^ folgender Zahl ^ {^4^, &^Jl {ö^t a. s. f., was griechisch 
nur heissen kann ts&v a, ts&v y u. s. f. Unter den 'Göttern' sind natürlich 
die Planetengötter der Woche zu verstehen, aber dass der Syrer statt des ge- 
wöhnlichen Wortes JbJl = 6&ßßaxa zu {öC^ = ^bol greift um die Woche zu be- 
zeichnen, ist kaum anders als so zu erklären, dass im Original der Wochentag 
noch mit dem Planeten und nicht, wie später durchweg, mit der Zahl be- 
zeichnet war. 

Die Ostervollmonde des alexandrinischen Cyclus selbst werden nicht mit 
aufgeführt; sie würden die Incorrectheit der Ostersonntage die mit Rücksicht 
auf die Römer angesetzt waren, zu deutlich gezeigt haben. Umgekehrt waren 
sie in der Tafel der Osterfeste von 380 — 479, die der alexandrinische Patriarch 
Theophilus zwischen 388 und 395^) dem Kaiser Theodosius dedicirte, neben den 

1) Wie die Dedicationsepistel zeigt, war TheophUos Patriarch, als er den CycloB dem Kaiser 
Theodosius abersandte. Er wurde es 384, vgl. y. Gutschmid, Kl. Sehr. 2,450; dodi ist der Urmimm^ 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTEBTAPELN 

Ostersonntagen angegeben*). Denn diese Tafel war streng nach dem Cyclus be- 
rechnet, nnd sollte dafür wirken dass die alexandrinische Ansetzung im ganzen 
Reich als die correcte angesehen wurde. 

Ehe ich nxmmehr die Liste der Osterfeste welche in Alexandrien und den 
dem alexandrinischen Bischof unterstellten aegyptischen und libyschen Provinzen 
von 328 — 373 gefeiert sind, nach den Angabjen der Ksqxikma und Ueberschriften 
der athanasianischen Festbriefe vorlege, schalte ich einige Bemerkungen über 
den alexandrinischen Ostercyclus ein. Ich hätte ja diejenigen welche mit Epakte, 
Ferie, xsööaQeöxaidsxdvri oder XIV lunae nicht zu hantiren verstehen, auf die 
landläufigen Handbücher, oder wenn umständliche Gründlichkeit erwünscht ist, 
auf des alten van Hagens OhservaHones und Dissertationes^ verweisen können 
und bin mir wohl der Gefahr bewusst, dass ich die kleine Anzahl von Lesern 
auf die ich ohnehin nur rechnen kann, nicht sonderlich für mich einnehme, wenn 
ich ihnen in Aussicht stelle dass eine Auseinandersetzung über den trivialen 
compuius paschdlis über sie ergehen wird. Aber ich halte den Versuch nicht für 
überflüssig, den alexandrinischen Cyclus nicht nach Dionysius Exiguus, Beda und 
den Kalendermachern darzustellen, sondern nach den alexandrinischen Urkunden, 
der Ostertafel die in den Hypotheseis der athanasianischen Briefe steckt, dem 
Prolog des Patriarchen Theophilus^, dem einzigen was von seiner Ostertafel 
übrig geblieben ist, und dem Brief des Patriarchen Proterius an Papst Leo*); dazu 
kommt das Excerpt in Eusebs KG [7, 32 **fi^.] aus Anatolius Buch über das Pascha, 
das sich freilich nicht auf den kanonisch gewordenen Cyclus, sondern auf dessen 
Vorstufe bezieht. Andere Documente echt alexandrinischen Ursprungs giebt es 
nicht, aber auch diese wenigen geben bei scharfer Literpretation schon viel aus. 
Die meisten Resultate liefert die Betrachtung des Cyclus selbst, vorausgesetzt 
dass man ihn nicht durch die Umrechnung in den römischen Kalender verdirbt; 
seine Klarheit und, ich möchte sagen, künstlerische Geschlossenheit kommt erst 



po8t quem etwas hinanterznschieben, da Theophilus als Ausgangsjabr das erste Consalat des 
Kaisers [380] nennt, also das zweite [388] schon erlebt bat. Der Cyclus, der mit 380 beginnt, weil 
ee das erste Jahr einer Enneakaidekaeteris ist, wnrde demgemäss erst nach dem controYersen 
Osterfest Ton 387 yeröffentlicht und weist die Eigentümlichkeit aller yorausberechneten Ostertafeln 
des Alterthums auf, dass die Anfangsjahre schon abgelaufen sind. Der iermintis ante querrij 395, ist 
durch das Todesjahr des Theodosius gegeben. 

1) Erusch, Studien z. christlich-mittelalterlichen Chronologie p. 226: his igitur adprobcudonibus 
mediocriter praemissis, cdlculum etiam compatacionis ipsius subter adnexut^ ex primo conaulatu 
omatons dei nominis tut, o imperaior^ usque in centutn annos digesta per ordinem tarn quartarum 
dedmarum lunarum^ quam dominicarum dierum plena noticia. 

2) Observationes in veterum patrum et ptmtificum prologos et epistolas paschäles etc. Amsterdam 
1743. Lissertationes de cydis paschalibus etc. Amsterdam 1736. 

3) Vollständig nur in lateinischer Uebersetzung erhalten; ein interpolirtes Excerpt aus dem 
griechischen Original steht im Prolog der Paschalchronik. Der Text ist am besten edirt von Krusch, 
Studien p. 220 ff. 

4) Er ist nur in der lateinischen Uebersetzung des Dionysius Exiguus erhalten. Krusch hat 
ihn ebenfalls a. a. 0. p. 269 f. nach den Handschriften neu herausgegeben. 



Digitized by 



Google 



E. SCHWARTZ 



zur Greltung, wenn man ihn auf das Jabr stellt, für welches er bestimmt ist, 
das feste aegyptische Sonnenjahr, die praktischste and verständigste Zeitrechnung 
die jemals von Menschen erfanden ist. 

Die Regeln welche die kirchliche Osterfeier an einen bestimmten Tag knüpfen, 
drehen sich bei aller Verschiedenheit im Einzelnen um zwei centrale Fragen, 
um das Verhaltniss des Osterfestes zum OstervoUmond und um die Bestimmung 
des Ostervollmondes selbst. Viel deutlicher als im Dogma spiegelt sich in diesen 
Fragen der Festordnung der historische Process ab, durch den sich die christ- 
lichen Gemeinden von den Synagogen der Juden ablösten, und die Geschichte des 
Osterfestes zeigt ebenso unmittelbar, dass die Anfänge dieses Processes uralt, 
wie dass sein Verlauf ein sehr allmählicher und langsamer gewesen ist. Das 
christliche Pascha ist mit Nichten als Feier des Leidens und der Auferstehung 
des Herrn geschaffen, sondern es ist seinem Ursprung nach das jüdische Fest 
des Pascha und der Azyma, das als jüdisches Fest in den ältesten Christenge- 
meinden festgehalten ist. Der altchristliche Cultus war in seinen wesentlichen 
Elementen von den Gemeinden in Jerusalem und Judaea schon fertig ausgebildet, 
ehe die Mission in nennenswertem Umfang über Palaestina hinausgriff, und jene 
Gemeinden hatten andererseits mit dem Judenthum keineswegs schon so ge- 
brochen, dass sie das Fest das damals in der Judenschaft der Oikumene die 
Empfindung der nationalen und religiösen Einheit jedes Jahr neu befestigte, in 
die Rumpelkammer hätten werfen können. Allerdings war durch die Erinnerung 
daran dass Jesus kurz vor dem Pascha gestorben war, den Christen der Anlass 
gegeben das Fest nicht nur als Juden, sondern auch als Christen zu feiern; die 
Aetiologien welche das Fest christianisiren sollten, lagen den Evangelisten schon 
vor. Wie die Christen sehr früh den Tag nach dem Sabbat als den ausersahen, 
an dem jede Woche der auferstandenene Herr mit ihnen ass und trank, so 
richteten sie es auch schon sehr früh so ein, dass sie fasteten, während die 
Juden das Pascha assen, aber mit dem Brechen des Fastens die siebenwöchige 
Freudenzeit einleiteten, die für das alte Israel die ^Freude des Schneidens' und 
der Ernte gewesen war^), für die Christen die Freude des erstandenen Herren 
bedeutete. Noch in den alexandrinischen Osterbriefen *) ist das christliche Pascha 
immer der Anfang der freudigen Pfingstzeit, und der letzte nicaenische Kanon 



1) Wellhausen, Prolegomena 86. 

2) Vgl. z. B. Athanasios am Schluss des zweiten Osterbriefes [p. 25, ich übersetze ins 
Griechische]: %al ioQxdöccvrsg riiv ayiav xv^tax^v xf^i %d nQoadtJfOfisv tag ^nxa sßäoitddtcg tag 
tfjg y,sydXri9 nsvtri%oati)g, xaiQovtsg xara ndvxa %al dYaXliSy,svoi iv X^icnrdi 'Iriao^ t&i xv^/bi 
i^^i', oder im vierten [p. 85] xal i^ dy^a %vQia%ii intq>A<f%Bt ijfiiv r^t t iv t&i a^&t ^ccQfiov^i,^ 
dtp* T)g xal Tccg itps^i^g i^fiigccg tag tilg dyCag nivtri%o<tt^ ioQtdaofisv (pigoptsg SC a^äiv ti^p 
inayyBUav to^ 7i6a(iov tov fiiXXovtog^ mgd'iiäri övtsg dsl <fhv tau XQtöt&i^ do^d^oitteg ^ibvtbv nav- 
tonQdtoQu iv XQiotmi 7?]tfov, oder im 19. [p. po] inupmaxovtrrig ii\uv tf^g xv^iax^? rj}t i£ toO 
^aq^ov&i pkr\v6g' ifpe^fjg di xal tag sntd dyCag eßdoiuidag tag tfjg nsvtri%oötfjg ngoodtl^Ofiev xaiQov» 
tsg xal do^dj^ovtsg tbv ^ebv di6ti xttl diä tovtov nQOsai/jfirivsv i}fi(v tr^v ;|roe9dfr %al ti^v dvdnavatv 
t^v aliiviov. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHK UND JÜDISCHE 08TEBTAFBLN 7 

schärft nachdrücklich ein dass in der ganzen Pentekoste, die nicht den Pfingst- 
tag, sondern die gesämmte Zeit vom Oster- bis znm Pfingstsonntag bedeutet, 
beim Gottesdienst nicht gekniet werden darf^), wie anch am Sonntag nicht: 
denn das Enieen ist das Zeichen der Knechtschaft, das angehörig ist, wenn 
der siegreiche nnd auferstandene Messias bei den Seinen weilt. So weit und so 
hoch unsere Kunde reicht, ist die ixiXvöig tilg vr^6XBlag immer und fiberall das 
Kennzeichen des christlichen Pascha: eine solche Gleichmässigkeit, wie sie sich 
nur bei den Einrichtungen der Taufe, des GFemeindegebets, des Sonntags wieder- 
findet, ist unerklärlich, wenn dieser Gebrauch nicht schon von den Missionaren 
als etwas Festes und Gegebenes hinausgetragen wurde. Es versteht sich von 
selbst, dass die Zerstörung des Tempels und die Vernichtung des vom Gesetz 
vorgeschriebenen Opfercultus den Process der Yerchristlichung des Pascha un- 
gemein erleichtert hat ; hervorgerufen ist er nicht dadurch, und neben dem ein- 
heitlichen Brechen des Fastens stehen grosse Verschiedenheiten ; die schweigsame 
Difi^erenz der Bräuche predigt lauter als die geschwätzigste Speculation, dass 
nur der erste Anstoss zur Christianisirung des jüdischen Restes gemeinsam war, 
nachher aber die Gemeinden gesonderte Wege giengen, deren Vereinigung wieder- 
holt die grössten Schwierigkeiten gemacht hat. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die kleinasiatischen Gemeinden, 
die das Osterfasten an demselben Abend brachen, an dem die Judenschaft des 
Orts das Pascha begieng und 'den Sauerteig wegräumte', sich damit nichts un- 
kirchliches zu Schulden kommen Hessen, auch nicht durch die besondere Dar- 
stellung der Passion in einem Evangelium dazu veranlasst waren, sondern 
einfach die älteste Sitte festhielten. Sie sind nur darum unter die Ketzer ge- 
rathen, weil sie sich in conservativem Eifer einer Entwicklung widersetzten, die 
schon in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, wenn nicht noch früher, 
dazu führte, das christliche Pascha auch äusserUch von dem jüdischen dadurch 
zu lösen, dass das Brechen des Fastens auf die Vigilie des Sonntags^, der 
Ostergottesdienst auf den Sonntagmorgen verlegt wurde. Mit dieser Verlegung 
erhob sich die Frage wie weit sich der Ostersonntag von der tB66aQB6xai8s9iitri 
des Pascha entfernen dürfe, oder was dasselbe ist, nach dem correcten Mond- 
alter des Ostersonntags : denn mit den Juden hielten die Christen — man muss 
sagen, leider — daran fest, dass das Pascha an den Mondlauf gebunden sei. 
Die vemünftigeii Versuche, das durch den julianischen Kalender aus dem bürger- 
lichen Leben elimimrte Mondsonnenjahr auch vom Kirchenjahr fernzuhalten und 
Ostern nur nach dem bürgerlichen Sonnenjahr zu bestimmen *), sind nicht durch- 



1) Kanon 20: inndij xivh £^<riv ^v tfji xvptax^i y6pv xUvovttg xal iv taCg tfjg nBvtrpMOtfjg 
iifiif^tgy ^hQ ro€ ndvra iv nderii nagoitUai by^oimg tpvXdtxBa^a^, ict&tag ido^B tfji äyCai ow6dan 
Taff tbxag &nodid6vat t&t ^ed». 

2) üeber die Stande war Streit, vgl. Dionysius Brief an Basileides p. 94 ff. Feltoe. 

3) Die kleinasiatischen Montanisten setzten den alttestamentlichen Vollmond des 7. Monats 
— das bürgerliche and das kirchliche Neajahr der Jaden lagen 6 Monate aas einander — gleich dem 14. 



Digitized by 



Google 



8 £. SCHWARTZ 

gedroBgen, ein Zeichen wie zäh das Band war, das trotz bitterer Feindschaft 
Jadenschaft und Christenheit zusammenhielt. 

Der kirchliche Sprachgebrauch richtet sich nach Num. 28, 16. 17 [vgl. Exod. 
12, 1. 2. 6 Lev. 23, 6] : xal iv %&i ^rjvl x&i »gänmi rs66€CQ£6xäid£xdvi]i 'f^fiigai xov 
Hi^v6gj xdöxa xvQini. Xid %%i, xsvtsxaidsxäxrji '^(ligai xov (ifivbg tovtov iopri}, 
ixxä ii(/kiQas &iv(i€c idee^s. Der Abend des Pascha ist der an welchem der Mond 
voll ist; und nicht aus astronomischen Gründen, sondern wegen des A. T. wird 
von der Kirche, in Alexandrien wie in Rom, der VoUmond als xsööaQsöxcu- 
dsxdxfi xf^g ösXi^i^g^ XIV lunae bezeichnet und gerechnet. Dagegen machen die 
Christen den rabbinischen Usus den Tag mit Sonnenuntergang beginnen zu lassen 
nicht mit: immer ist der Abend des ^gesetzlichen' Pascha der 14., der folgende 
Tag, der erste der 'Ungesäuerten^ der 16. des Mondmonats. Durch die Datirung 
Mt. 26, 17. Mc. 14, 12. Luc. 22, 7 ist die, in Alexandrien nicht nachweisbare, 
Manier veranlasst, den cyclisch berechneten Vollmond mit den azyma oder der 
nQmxri x&v i^v^v zu identificiren ^), was nicht dazu verführen darf an wirk- 
liche Daten der jüdischen Mazzot zu denken. Fiel die XIV auf die Ferie 11— VI, 
Montag bis Freitag, so machte es keine Schwierigkeiten das christliche Pascha 
auf den folgenden Sonntag zu verschieben, der dann die Mondalter von XX — ^XVI 
haben musste. Aber es gab Verlegenheiten, wenn die xB66aQi6%ak8sxixfi ein 
Sonntag war. Wann sollte dann das Fasten gebrochen werden? Am Sonntag 
Abend gieng es nicht, denn es galt für unkanonisch am Tag des Herrn zu fasten; 
und brach man es am Samstag Abend, so fiel das christliche Pascha vor den 
Termin der X2F, der vom Gesetz ausdrücklich vorgeschrieben war. So wurde, 
schon im S. Jahrhundert, der Ausweg eingeschlagen dass in solchen Fällen der 
Ostersonntag um eine Woche hinausgeschoben wurde und das Mondalter XXI 
erhielt. Dagegen fand die alexandrinische Kirche nichts darin, wenn die XIV 
auf einen Samstag fiel, am unmittelbar darauf folgenden Sonntag Ostern zu 
feiern. In dieser nur scheinbar nebensächlichen Observanz, nach der XV ein 
unbedingt correctes Mondalter des Ostersonntags ist, prägt sich mit fast brutaler 
Deutlichkeit die AufPassung aus, dass das christliche Pascha die Erfüllung des 
'typischen' Pascha des Gesetzes ist. Denn wenn auch das Osterfest inmier auf 



des 7. Monats nach der in der Provinz Asien geltenden Modification des julianischen Kalenders: 
das. Datum entspricht dem 6. April, und Ostern fiel regelmässig auf den nächsten Sonntag nach 
diesem Tag [Ps. Chrysost. t. 8,276. Sozom. 7, 18^* ff.]. £piphaniu8 [haer. 50, 1] erzählt Ton Secten 
die Ostern durchweg am 25. März, genauer wohl am Sonntag nach dem 25. März feierten, weü dies 
das Passionsdatum sei. Dass diese Sitte einmal in Gallien geherrscht hätte, wie mittelalterliche, 
gefälschte Ostertractate behaupten, dürfte eine Schwindelei sein, vgl. Erusch, p. 90. 

1) Chron. min, 1,740 wird eine lateinische Ostertafel beschrieben, die enthielt 1) das Mond- 
alter des 1. Januar, 2) azyma etiam quatus Kalendas ud Nonas uel Idus agcUur^ 3) das Datum 
des Ostersonntags. Hier kann unter azyma nur die XIV lunae verstanden werden. Chrys. c. Jud. 8 
[t. 1, 618 e] will mit den Worten ^ ng^itri t&v dcivfuiv sig %vQitc%iiv iifiigav fynintBi nur sagen dass 
die ts<f6aQ86%aiÖBxdtri im Jahr 387 auf einen Sonntag fiel, Ostern also um 7 Tage verschoben 
werden musste ; von dem wirklichen Judenpascha ist keine Rede. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 9 

den Sonntag verlegt werden moss % so gilt doch in allen Cyden theoretisch der 
Ostersonntag als der eigentlich reguläre, der das früheste Mondalter hat: die 
anderen treten nur für ihn ein, weil nnn einmal der Mond sich nicht an den 
Sonntag kehrt. So ist die alexandrinische Theorie daraof gegründet, dass in der 
Nacht vom 14. auf den 15. des Mondmonats das Fasten gebrochen, am Morgen 
des 15. der Ostersonntag gefeiert werden soll. Das entspricht genau dem jüdi- 
schen Gesetz, welches das Pascha auf den Abend des 14., den ersten Tag der 
Mazzot auf den 15. des 'ersten Monats' legt, nnd dies Zusammentreffen ist den 
Alexandrinern viel wichtiger als die Daten der Passion und Auferstehung. Die 
officielle alexandrinische Meinung, wie sie von den Patriarchen Theophilus und 
Proterius ausdrücklich ausgesprochen wird und in der Paschalchronologie des 
Annianos, die bei dem Synkellos Georg und im Cmnputm des Maximus erhalten 
ist, mit souveräner Verachtung der profamen Geschichte niedergelegt ist *), setzt 
mit den Synoptikern die Passion auf die XF, die Auferstehung auf die XVII 
lunae. Daraus wird nicht etwa erschlossen dass XV ein unzulässiges Mondalter 
für den Ostersonntag sei, weil Christus erst an der XVII auferstanden wäre, 
sondern es wird nur damit bewiesen dass die Christen Recht thäten, wenn sie 
ihr Pascha nicht an der teeöagsöxaidextkri feierten. 

So früh man angefangen hatte durch die Verlegung des Festtages den Gegensatz 
der Kirche zur Synagoge zu demonstriren, so lange dauerte es, bis man sich in 
der Bestimmung des Vollmonds selbst von dem jüdischen Festkalender eman- 
cipirte; man wagte sich an die Berechnung des Mondes nicht heran. Ich werde 
an der Hand einer noch nicht veröffentlichten Urkunde in einem besondern Capitel 
erörtern dass in manchen Provinzen und einzelnen Secten der alte Brauch, 
Ostern am Sonntag nach dem Pascha der Juden zu feiern, sich bis in die Zeit 
des Theodosius hinein erhalten hat: die führenden Kirchen der beiden Beichs- 
hälften, Alexandrien und Rom, fiengen im 8. Jahrhundert, schwerlich unab- 
hängig von einander, an, Ostercyclen aufzustellen. Freilich war man sogar in 
Alexandrien , dem Centrum der 'christlichen Wissenschaft' , unter dem 
Regiment des 'grossen' Dionysius , des feinst gebildeten von allen die 
auf dem Thron des h. Marcus gesessen haben, noch so unwissend in 
den Dingen des sichtbaren Hinmiels, dass man glaubte mit einer so 
rohen lunisolaren Schaltperiode, wie es die Oktaeteris ist, auskommen zu 
können % und es musste erst in der Person des Anatolius ein leidlich unter- 
richteter Mathematiker — Hipparch würde ihn kaum als övöxoXaötiig anerkannt 
haben — sich in die Herde Christi verirren, damit die alexandrinische Kirche 
den Gebrauch von Elalendem wieder lernte, die in der Zeit des Hellenismus, ja 



1) Hippolyt in der Ostertafel Anovriax^iBC^ai dh dsV ol dtv i(inicrit xv^iaxf{. 

2) Vgl. Pauli-Wissowa RE 8, 2466. 

3) EttS. KG 7, 20 xi^v Sh Joit€t£at xal JMfun , ip ^i %al %av6va l%xC^Bxai dxtastriQidos^ 
4kl fiil &XXote rj fkstic vriv iccQtifiiif IcrifkSQÜicv «^otfifxoi tiiv roi» xdcxf» iofftiiv initsX$i:vy noQi' 

Abbdlgn. d. K. Ges. d. Wim. zd GAttingen. PhiL-hist. Kl. K. F. Band 8.«. 2 



Digitized by 



Google 



10 B. SCHWABTZ 

schon vorher zu den allbekannten Dingen gehört hatten. Er schlug vor, die 
76 jährige Periode des Kallippas, in der 28 mal ein Schaltmonat in das Mondjahr 
eingelegt wurde ^), zur Osterberechnnng zu benutzen. Es war nicht die genaueste, 
aber sie war praktisch, weil sie sich dem julianischen Kalender ohne Weiteres 
fugte, und bis zum gregorianischen E^alender hat die ^christliche Wissenschaft' 
nichts besseres hervorgebracht; ja es mussten schon viel günstige ümstä^^de zu- 
sammenkonmien, damit die Kirche auch nur dies Beutestück hellenischer Himmels- 
kunde intact erhielt. Wenn nun auch der alexandrinische Ostercyclus keine 
selbständige wissenschaftliche Leistung ist, so soll doch nicht verkannt werden 
dass er, in seiner echten und unverfälschten G-estalt, ein Meisterstück der 
Kalendertechnik ist, das schon darum die Betrachtung lohnt. Man geht am 
besten von der ausgebildeten Form aus, wie sie nach dem nicaenischen Concil 
in Alexandrien gehandhabt wird: sie allein ist vollständig bekannt, und wenn 
überhaupt, so ist nur von ihr aus in die Details der Entstehungsgeschichte ein- 
zudringen. 

Der alexandrinische Ostercyclus ist aufgebaut auf einer Periode von 76 
julianischen Jahren = 27 759 Tagen. Nun ist es für alle Bemühungen den Mond- 
lauf kalendarisch mit dem festen Sonnenjahr zusammenzubringen wichtig und 
wesentlich, dass die Differenz von 11 und 19 Tagen, um welche die durchschnitt- 
lichen Mondjahre von 354 oder 384 Tagen kürzer oder länger als das Sonnen- 
jahr von 365 Tagen sind, so viel wie möglich stabil bleibt; denn auf ihr beruht 
die Epaktenrechnung, die ermöglicht rasch und sicher einen Tag mit vorge- 
schriebenem Mondalter im bürgerlichen Sonnenjahr zu finden. Es leuchtet aber 
ein, dass die julianischen Schaltjahre mit ihren 366 Tagen diese Rechnung stören 
und daher eliminirt werden müssen ohne dass doch der Schalttag cassirt wird. 
Im alexandrinischen Ostercyclus ist das dadurch erreicht, das jedes einem 
julianischen Schaltjahr entsprechende Mondjahr, sei es nun ein Gremeinjahr von 
354 Tagen oder ein Schaltjahr von 384 Tagen, um 1 Tag verlängert wird, sodass 
die Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr sich durch den Schalttag nicht 
verschiebt. Da der alexandrinische Schalttag auf die 6. Epagomene [29. August] 
fallt, weit ab von den für Ostern in Frage kommenden Monaten, und man sich 
nicht die überflüssige Mühe machte ein vollständiges Mondsonnenjahr zu con- 
struiren, sondern sich verständiger Weise darauf beschränkte mit Hülfe eines 
theoretischen Mondsonnenjahrs die Ostervollmonde cydisch zu berechnen, so 
brauchte man sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, welcher Monat des 
Mondmonates im julianischen Schaltjahr zu verlängern war ; es genügte die einfache 
Regel dass für die Epakte des Paschalmonds der jnlianische Schalttag nicht 
gerechnet wird. Mit diesem ingeniösen Kniff erreichte man aber noch mehr. 
Wenn es zwar nicht für das lunisolare Jahr selbst, wohl aber für die Oster- 
rechnung gleichgiltig war, in welches Jahr der 76jährigen Periode die Schalttage 



1) Gensorin. de die nat IS^S est et , . . annus . . . Callippi Cyjsiceni ex annis septuaginta 
sex, üa wt menses duodetriginta intercalentur. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 11 

fielen, konnte man die Periode in 4 Cyclen zu je 19 Jahren zerlegen nnd 
sich für den Ansatz der Ostervollmonde mit einem 19jährigen, sich stets wieder 
emenemden Cydus begnügen. Daher wird der alexandrinische Ostercyclus 
Enneakaidekaeteris genannt nnd die 76jährige Periode, ohne die er sich nicht 
constroiren lässt, nicht durchgezählt: man darf sich aber durch den, streng ge- 
nommen, incorrecten Namen nicht verführen lassen ihn mit dem metonischen 
Cyclos zu identificiren, welcher dem jnlianischen Kalender inconmiensurabel ist. 

Nach Abzng der 19 Tage die zur Bilancinmg der 19 jnlianischen Schalttage 
verwandt sind, bleiben noch 4x6935 Tage von der 76 jährigen Periode übrig, die 
in folgender Weise in Mondmonate eingeteilt werden. 4x228 Mondmonate zu 
29 V2 Tag absorbiren 4 x 6726 Tage, der Rest von 4 x 209 Tagen bildet 4x7 Schalt- 
monate; jeder 19 jährige Cyclns hat also 11 gemeine nnd 7 Mondschaltjahre. 
Die Schaltmonate werden durchweg zu 30 Tagen gerechnet ; nur moss einmal in 
19 Jahren ein Schaltmonat zn 29 Tagen angesetzt werden. Das pflegt im letzten 
Jahr einer jeden Enneakaidekaeteris zu geschehen, und es ist klar dass anter 
allen Umständen dann die Jahresdifferenz gegen das Sonnenjahr nicht 11, 
sondern 12 Tage beträgt; die Epakte steigt vom 19. zum 1. Jahr des Cyclns 
nicht nm 11, sondern nm 12, was die lateinischen Compntisten den saltus lunae 
nennen. 

Berechnet man schliesslich, natürlich mit Einrechnnng der jnlianischen Schalt- 
tage, den durchschnittlichen synodischen Monat, welcher der 76jährigen Periode 
zu Grunde liegt, so ergiebt sich dass er 29.53085 Tage = 29^ 12^ 44. 457» be- 
trägt ; unsere Astronomen rechnen ihn zu 29.63059 Tagen = 29*^ 12*» 44. 06™. 
Der Cyclus muss also auf die Dauer die Vollmonde zu spät ansetzen, doch ist 
der Fehler viel kleiner als der des julianischen Jahres im Verhältnis zum 
mittleren tropischen Jahr, und er kann sich im 4. und 6. Jahrhundert noch nicht 
in fühlbarer Weise geltend gemacht haben. 

Der Neu- oder Vollmond mit welchem der Cyclus beginnt, muss natürlich 
durch Beobachtung gefunden werden; von da an tritt die cyclische Rechnung 
ein, indem die gleiche Mondphase in jedem folgenden Jahr um 11, im letzten 
Jahr um 12 Tage zurückbleibt. Wann Schaltung nöthig ist, wird dadurch bestimmt, 
dass eine feste, durch das reine Sonnenjahr gegebene Grenze von der Mondphase 
nicht überschritten werden darf; ist es der Fall, so wird nicht die Phase an- 
gesetzt, welche gegen das Vorjahr um 11 Tage früher fiiUt, sondern die 
um 30 Tage spätere des nächsten Mondmonats. Im ausgebildeten alexan- 
drinischen Cyclus fällt der ursprünglich empirisch bestimmte Ostervollmond des 
ersten Jahres auf den 10. Pharmuthi [5. April]; es wird angenommen dass dies 
Datum jedesmal im 1. 20. 39. 68. usw. Jahre der diocletianischen Aera zutrifft. 
Die Grenze die der Vollmond erreichen, aber nicht überschreiten darf, ist der 
25. Phamenoth [21. März]. Aus diesen Praemissen ergeben sich die Ostervoll- 
monde des Cyclus, und da der Cyclus mit einer Aera julianischer Jahresrechnung 
«orrespondirt, auch jedes beliebigen julianischen Jahres mit absoluter Bestimmt- 
heiti Ich setze zur Veranschaulichung die Daten des Cyclus her, mit i(iß{6Xiiiog) 

2* 



Digitized by 



Google 



12 E. 8CHWARTZ 

die Schaltjahre bezeichnend, und füge für zwei Perioden, 304 — 341 = 20 — B7 
diodetianischer Aera, die wahren Vollmonde bei. Sie sind von mir nach Schrams 
^HiKstafeln für Chronologie' [Denkschr. d. Wien. Akad. Math.-naturw. Classe, 
45, SB9] berechnet für mittlere bürgerliche Zeit von (Jreenwich, die gegen die 
Zeit von Alexandrien nm fast genau 2 Standen zurück ist; ich habe die Re* 
daction nicht ansgeführt und nur durch einen Stern die Fälle angedeutet, 
in denen sie das Datum verschiebt. Nach Wislicenus ^Astronomischer 
Chronologie', einem Buch für das Chronologen und Historiker dem Verfasser 
gar nicht dankbar genug sein können, sind die nach den Schramschen Tabellen 
gewonnenen Daten im Durchschnitt bis auf eine halbe Stunde genau. 

(S. TabeUe auf S. 13.) 

Vergleicht man die cyclischen und die astronomischen Daten mit einander, 
so bestätigt sich dass der Cyclus selbst vortrefflich construirt ist, denn die um 
19 Jahre von einander abstehenden astronomischen Vollmonde fallen thatsächlich 
mit der beim Monde überhaupt möglichen Regelmässigkeit auf die gleichen Tage; 
zugleich aber stellt sich heraus dass die Einstellung des Cyclus, die den 10. 
Pharmuthi auf das 1. Jahr setzt, an Grenauigkeit zu wünschen übrig lässt; die 
cyclischen Vollmonde treten fast durchweg 1 — 2 Tage zu früh ein, was mit dem 
sehr geringen Constructionsfehler des Cyclus nicht zusammenhängen kann; auch 
ist es keine so schwierige Sache das genaue Tagesdatum einer Opposition empirisch 
zu finden, dass man mit der Annahme mangelhafter Beobachtung diese Ab- 
weichungen entschuldigen könnte. 

um die tsööccgsöxaiSexcitri in jedem Jahr des Cyclus sofort bestimmen zu 
können, ist die Epaktenrechnung erfunden. iTtaxti^ ist die Zahl von Tagen^ 
welche das Mondalter eines bestimmten, sich stets gleichbleibenden Tages im 
Sonnenjahr bezeichnet. Sie ninunt selbstverständlich in jedem Jahr um 11, nur 
im 19. des Cyclus um 12, zu; sobald sie 30 übersteigt, wird ein SOtägiger Monat 
ausgeworfen. Der Tag auf den sie gestellt ist, ergiebt sich aus der Tabelle der 
Epakten und den cyclischen Vollmonden ohne weiteres ; es ist der 26. Phamenoth 
(22. März). Nicht ganz unwichtig ist es, dass die Ostertafel der athanasianischen 
Festbriefe als Epakte des 1. Jahres 30 angiebt. Durch dieses älteste Zeugnis 
wird nämlich bewiesen, dass die alexandrinische Epakte wirklich das Mondalter 
des 26. Phamenoth anzeigen soll, nicht etwa das der 4. Epagomene des vorher- 
gehenden Jahres, wie van Hagen meinte ^). Denn wenn es auch richtig ist, dass 
die 4. Epagomene und der 26. Phamenoth um 207 Tage = 7 Mondmonaten von 
einander abstehen und daher das gleiche Mondalter haben müssen, so trüFt das 
doch in einem Fall nicht zu, wenn nämlich aaf den Tag der Epakte der letzte 
des Mondmonats fällt. Im Mondjahr müssen bekanntlich die Monate abwechselnd 
29 und 30 Tage haben oder, wie der technische Ausdruck lautet, hohl oder voll 
sein. Die Alexandriner rechnen den Ostermonat hohl, aus praktischen Gründen; 



1) Es ist eine seiner Lieblingstheorien and er kommt oft auf sie zu sprechen; es genügt 
Dissert. de cycl. pasch, p. 827. Observ. in Heradii method. pasch. 64 ff. zu citiren. 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHE UND JtDISCBG OSTGBTaFELN 



13 



I 
|2 



O 

a 

I 



I 



i. ^« ..r> R. na K. ^r^ n _ 



<JJ S ^ <j S <1 S <sj <sj S 



S S 03 

CD 



W 00 _-, » 



lO 






CO lÖ 



ri^r^H n::^ feQr;^ 

^ p p (4 ^ ;h 

<j -«tj a <jj ::? <1 

GQ ^ GQ Ö Ö CX5 



«joy 



CO CO CO cocococococoooco:ocococococococo 



§ 



iS 



I 

I 



«J9y 



00 



00 

TS 

P 

CO _ 

COqÖ 
^ CO 

S 

Pu:a9 



-3 Sa M) 



^. 



CO 



1^ "^ ^ g ( 

' 5S 00 o '^ I 

wa j3 - ja ^ wa ^ O '^ ^^ 
OOoiG^&COiO^i-HrH 



00 <E> ^ p; <u .t:^ 



^ o 

-53 



I. 



^ß 



5S? 



CD IC^ 



"^CD g 



00 

B §£)a 



lO) 2r- 



4 <M. a 

^ 05 (M ^ ^^: 

,-HrH^CDi-H^a<ia,CD 
Ph O^tcd p^l^ p4 Ph^ p4 P^oj P4 p^tcd p.:od CU 



CDlViO'^CO^rHOiQOQOCDcDiOCOGVKNOQOO 
^- -' ' — - '- (M 1-H CO iH 



* (N i-H (N tH CO tH 



V^ 



(M ^ 



.00050i-»{MCO'^iOCDI>00050"r-l(3q 
CO COCO^OCOCOCOCOCOCOCOCO CO CO CO CO CO CO CO 



^o< 



I 



oi^a 



r3 NrzJrd Nra «rsra N?ri3 n::3::J Nr:3 «rij 
ld»dc6(^^(^JÖöodc>l>ld'^'^(^Ir^^*a505l> 

(M tH CQ t-H CO rH 3g 1-1 G<1 rH G^ G^ tH 



•^ i-ä «1-1 »rH iJ3 «iH »»H »iH »rH -f- -i-i -i-^ .— -.-^ 



"T »»^ ••-• »^ •'^ "»-l lÄ »^ «iH »fH 

^ o^^ o HJ -e ^ ■♦^ ^ -»^ ^ ot^!^ o^^^ 

IIec .^„ 

P-iöhPhPhOhPhOhPhPhP-^PhPhPhPLiPLiPLiPhPliPh 
öa5(X)i>cD'ijd'^"coG^T-Hp05cx5i>cD>d'^cÖG4 



assessagsseagaaa 



O^OacOrlHlOCDt^QOO^OrHGgCO'^lOCDt^QO 
COrH'M tHGM tHCM G^l r-^GVl t-nOH rH 



!!• 






nm '■Ml 









4- -3- 



^i«,|;^niWi^,si:n5l(^|..ßl5i£:l3|W|^|EJl5lS 



Digitized by 



Google 



14 E. SCHWARTZ 

es erleichtert die Rechnung, wenn der dem Ostermonat vorhergebende Monat 
immer 30 Tage hat, mag er nun ein gewöhnlicher oder ein Schaltmonat sein, der 
stets unmittelbar vor dem Ostermonat eingelegt wird und stets voll ist. Ist aber der 
Ostermonat, der 8. des alexandrinischen Jahres, hohl, so moss es der letzte auch 
sein ; es durfte also die £pakte, wenn die 4. Epagomene gleich dem letzten Tag 
des letzten Mondmonats ist, nicht 30, sondern nur 29 betragen, wodurch der 
Epaktencyclus zerstört wird. Van Hagen setzt deshalb die Epakte des 1. Jahres = 0; 
er ist dazu verführt durch Beda, dieser wiederum durch Dionysius Exiguus ^) ; 
beide aber sagen ausdrücklich, dass sie die Epakte an Stelle von 30, nicht von 
29 setzen, bestätigen also, wenn es nöthig wäre, das Zeugnis der echtalexandri- 
nischen Ostertafel, die in den K€q)dXaLa der athanasianischen Festbriefe steckt. 
Die Epakte ist also wirklich und von Anfang an auf den 26. Phamenoth gestellt. 
Denn wenn dieser zum letzten Tag des Mondmonats wird, der dem Pascha- 
monat vorausgeht, so muss er unter allen umständen das Mondalter 30 haben, 
da sowohl der 7. Monat wie der Schaltmonat volle sind. Auf den ersten Blick 
sieht es so aus als handelte es sich um ein müssiges Computistentheorem; es 
steckt aber mehr dahinter. Rückten die Alexandriner die Epakte nicht an das 
bürgerliche Neujahr des 1. Thoth, sondern an die Ostergrenze heran, so ist 
ihr Cyclus nur für die Osterberechnung erfunden und soll nicht dazu dienen, 
das Mondalter eines jeden beliebigen Tages im Sonnenjahr zu finden. Solche 
thörichten Spielereien konmien erst im Occident auf. 

Wenn nun aus der Epakte die tsööaQBöxaidexdxri berechnet werden soll, so 
darf nicht übersehen werden, dass der 26. Phamenoth, dessen Mondalter die 
Epakte anzeigt, gleich der Ostergrenze + 1 ist. Er fällt also, wenn sein Mond- 
alter 14 + 1 oder weniger beträgt, in den Ostermonat selbst, und die zsööaQBöxai" 
dsxdrri wird nach folgender Formel gefunden, in der e die Epakte bezeichnet: 
Ad = 26 + (14-c) = 40-e. Uebersteigt der Rest 30, so sind diese abzuziehen 
und das gefundene Datum in den Pharmuthi zu stellen. Ist aber die Epakte 
höher als IB, so fallt der 26. Phamenoth in den Monat der dem Ostermonat 
vorangeht, und die Rechnung stellt sich so : td = 26 + (30 — e) + 14 = 40 — e + 30, 
Da nun aber der Phamenoth, wie alle aegyptischen Monate, 30 Tage hat, braucht 
man die Addition von 30 nicht auszuführen, sondern kann die Formel 40 — c 
beibehalten, indem man das durch die Subtraction erhaltene Datum stets in den 
Pharmuthi setzt. Wie diese einfache Rechnung durch die Umsetzung in den 
römischen Kalender complicirt und verballhornt wird, mag man im 14. argu- 
menttim paschdle des Dionysius Exiguus selbst nachlesen. 



1) Beda de temp. rat. 42 p. 229 Gües: propter quod idem ulHtnus (annus) epacUis, id est 
{idiectiones lunares^ XVIII tunc reiinens primo cmno non XI ut in ceteris annis fieri solet^ sed 
XII dies accomtnodat, et quia XXX dierum fine uoluufUur, nuüa epacta in principio ipsius cycU 
ponuntur (lies poniiur), Dionys. epist. de rat. paschaL p. 111 Jan. propUr quod idem uHimus 
epactaSf id est adiectiones lunares octodenas tunc retinens primo anno non undecim, ut in ceteris 
annis fieri solet, sed duodecim dies accommodat, et quia triginta dierum fine uoluuntur, nuüa epacta 
in principio ipsius cycli ponitur. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 15 

Da die Epakte des 1. Jabres 30, des 2. 11 nsw. beträgt, Jässt sie sich leicht 
finden, wenn man die Nummer, welche das Jahr im Cyclns hat, um 1 vermindert 
und mit 11 multiplicirt; die Vielfachen von 30 müssen ausgeworfen werden; ob 
man für das 1. Jahr e == 30 oder = setzt, ist für die Rechnung einerlei. 
Nun läuft aber die Enneadekaeteris mit der diocletianischen Aera genau parallel, 
und so braucht man nur das laufende Jahr Diodetians durch 19 zu dividiren, 
dann ergiebt der Rest die Nummer, welche das Jahr im Cyclus hat und damit 
zugleich die Epakte. 

Es ist von vornherein nicht wahrscheinlich, dass ein so bequemes Ineinander- 
greifen von Epaktencyclus und Aera gleich beim ersten Anlauf gefunden sei; 
wunderlich bleibt auch immer, dass die Epakte nicht an die Ostergrenze selbst 
geheftet ist, was am nächsten gelegen hätte. Endlich bleibt die ungenaue Ein- 
stellung des Cyclus noch zu erklären. Wenn überhaupt, so ist nur von der Vor- 
stufe der kanonischen Enneakaidekaeteris , wie sie bei Anatolius vorliegt, Auf- 
klärung zu hoffen, und der Versuch muss wenigstens gemacht werden den 
spärlichen Angaben über sie so viel wie irgend möglich abzugewinnen. Anatolius 
setzt den Neumond des 'ersten' Monats im ersten Jahre der Enneakaidekaeteris 
auf den 26. Phamenoth; dann muss die tsööaQBöxatSsxdtri auf den 9. Pharmuthi 
fallen. Da für Anatolius das julianische Jahr genau so gegeben war wie für 
die welche der Enneakaidekaeteris die definitive Gestalt gaben, da der saltus 
lunae im 19. Jahr ebenfalls feststeht, so muss sein Cyclus sich reconstrniren 
lassen, vorausgesetzt das Anatolius Ostergrenze sicher bekannt ist. Er selbst 
sagt darüber [Eus. KG 7, 32 "• '*] : 1%$^ (die Enneakaidekaeteris) toCwv iv t&i 
itQihxfDi hsi titv vovyLfivCav xov ngAtov fi'qvög, fjrt^ htdörig iötlv igxij tfjg iwsa- 
xaiSsxastriQiSog y tijv xai Alyvnxiovg fiiv 0()c(isya>d' xq, xatä Sh toi>g JUaxsd&i/mv 
[iflvag (im Kalender von Antiochien) zfiiötgov x/J, dyg d' &v Bticoiev ^Pofi^xtoi , xqo 
la KaXavS&v 'AxqModv, Bigiöxstcu Sl 6 i^kiog iv t&i nQoxsi(idva>i 0af^€V(od' xc oi 
}i6vov iitißäg rot) ^gatov tinj^atog^ iXX^ iidrj xal tstdgrriv f^iigav iv adr(5t Sia- 
jcoQSvöuBvog. Der erste 'Abschnitt' des Thierkreises beginnt also nach Anatolius 
am 23. Phamenoth [19. März], einen Tag später als nach dem jnlianischen Kalender, 
in dem die Sonne am 18. März in das Sternbild des Widders tritt Den Früh- 
lingspunkt setzt er auf den 4. Grad dieses Zeichens, während Caesar ihn auf 
den 8. = 25. März gelegt hatte ^). Richtig beobachtet ist das nicht; das Aequi- 
noctium fiel in der Mitte des 3. Jahrhunderts nicht auf den 22., sondern auf den 
20. März^: Anatolius dürfte ältere Ansätze benutzt haben. Dass er aber 



1) Colum. 9, 14* ab aequinoctio primo mense Mariio circa VIII Kalendas Aprilia in octaua 
parte Arietis conficitur. Plin. 18, 246 aequinociium uemum a. d, VIII Kai Aprilis peragi uidetur, 
Lyd. de mens. 4, 61 tfji ngb dxta KaXavd&v IcrifMQÜt iagivifj. 

2) Zur Yeranschanlichang mögen folgende Daten des Aequinoctiums dienen, die ich nach 
Schrams Zodiakaltafeln [Denkschr. d. Wien. Akad. 45, 289 iL] berechnet habe ; sie sind auf mittlere 
bürgerliche Zeit von Greenwich gestellt: 150 n. Chr. 22. März 2)> 31 S» Nachts, 200 21. M&rz 
5>» 18.7» Morgens, 260 20. März 5>» 56.4"» Abends, 312 20. März 8^ ll.Sni Morgens. Der 26. Pha- 
menoth ist das Datum des Ptolemaeos [Apparitiones p. 247 Wachsmuth]. 



Digitized by 



Google 



16 E. SCHWARTZ 

wirklich den 26. Phamenoth zur Ostergrenze gemacht hat, scheint mir aus seinen 
Worten mit zwingender Evidenz hervorzngehn: es ist chronologisch richtig und 
conseqnent gedacht, dass die Ostergrenze zum Neujahrstag der nennzehnjährigen 
Innisolaren Periode gemacht wird; nnr so kann der vom A. T. verlangte ^erste' 
Monat gefunden werden. Es fragt sich nnn weiter, welchem Jahr des kanonischen 
Cydns das erste des Anatolins zu gleichen ist. Setzt man beide Cyclen parallel, 
80 werden die Vollmonde des kanonischen Cyclos durchweg um einen Tag zurück- 
geschoben; der Fehler der in diesem Cyclus constatirt wurde, wird also schlimmer. 
Dagegen verringert er sich, wenn man das 1. Jahr von Anatolins Enneakai- 
dekaeteris mit dem 12. des kanonischen identificirt; denn dann verschiebt sich 
der Sdltus lunae und die Vollmonde des 1. — 11. Jahres des kanonischen Cyclus 
fallen sämmtlich einen Tag später, was der astronomischen Wirklichkeit erheblich 
naher kommt. Die Tabelle einer Enneakaidekaeteris die aus der Zeit genommen 
ist, in welche Anatolins Wirksamkeit hauptsächlich fallen muss, zeigt am deut- 
lichsten wie sein Cyclus im Vergleich zum kanonischen ausgesehen hat: 

(S. TabeUe auf S. 17.) 
Es giebt ausser den inneren Gründen auch noch ein äusseres Indicium dafür 
dass der Cyclus des Anatolins mit einem Jahr begann, das dem 12. des kanonischen 
entsprach. Victorius erwähnt in der Vorrede zu seinem 457 veröffentlichten 
Cursus paschalis einen nach der Enneakaidekaeteris constmirten Ostercyclns von 
96 Jahren. An und für sich wäre es nicht unmöglich diesen Ostercydus mit 
dem zu identificiren, den Dionysius Exiguus unter den Namen des CyriU kannte : 
er lief von 437 — 531. Aber eine Notiz im Cursus paschalis selbst verbietet diese 
Combination. Zum 326. Jahr [= 353 n. Chr.] wird angemerkt: Inüium paschalis 
Grecorum post annos XCV seu Machedonumj in ähnlicher Weise wie zu den Jahren 
380 und 480 bemerkt wird dass Theophilus Ostertafel beginne und schliesse. 
Dass dies im Jahre 353 neu beginnende na6%iXmv^ welches die Daten in alexan- 
drinischen und Makedonischen' d. h. antiochenischen Monaten gab, eben das- 
jenige ist, welches Victorius in der Vorrede erwähnt, kann füglich nicht bestritten 
werden. Nun ist aber das Jahr 353 nicht das erste, sondern das 12. der 
kimonischen Enneakaidekaeteris. Die Analogie der Ostertafel des Theophilus, 
die mit einem Anfangsjahr des Mondcyclus begann, spricht dagegen dass ein 
Ostercydus der nach der Enneakaidekaeteris aufgestdlt war, nicht mit dem 
1. Jahr anfing; der alle 19 Jahr eintretende saitus lunae musste praktischer 
Weise auch im 20. 39. 58. usw. Jahr der Tafel auftreten, wie es bei Victorius 
heisst: ii uero qui anno quinto et nonagensimo cycli obseruantiam coniprehendunt^ 
post decem et neuem annos Aegyptiorum more continuato ordine, quod est uerius, hoc 
augmentuim lunare subiäunt. Somit dürfte dieses 95 jährige IlaöxAXiov nicht nach 
der kanonischen, sondern nach der Enneakaidekaeteris des Anatolins aufgestellt 
worden sein und die Jahre 258 — 352 umfasst haben : die Notiz besagt ja geradezu, 
der Cyclus habe 95 Jahre früher begonnen. Sie involvirt allerdings den Irrtum 
als wenn in einer 95jährigen Periode die alexandrinischen Ostersonntage ebenso 
wiederkehrten, wie im 84- und 112 jährigen Cyclus der Ocddentalen; aber dieser 



Digitized by 



Google 



CHBI8TUCBB UND JÜDISCHE OSTBBTAFELN 



17 



a 

I 



9 






«JI9V 



'S 

s 



o 

s 



snpio 



I 
1 

f 



& 



1 



g tCS d §, 
?« *^ 08 * «7 



§ 



CO ^ l> tH C5 ^ 



.-- <5^ S «0 

ja ^ Oä 
^ 10 "»^ ^ 



OD « 



C0g.l>,H05 






Q) 2 "^ Ja »^ rrt ^ 

?ߧ fl o a rt-s^ 



ja O-^ (Njts ^ G^*^-« 

Nr73:;3 n ;:?? :pj r;3 :;h Nn:;3 

._^ UUUUf^tiUU^iUU 

i6coc6(N^co '-^öi>i>f^'^^"^c4i-Ha>oc)05coio 
* * 



SS^' 



(M(M<M(M(N 



co'^iocDt^ooa:>0^<McO'^iOcot^ 

03(M<M(N(N(M(N^(Md(lGQ(M<M(M<M 



I 



d d 
g Q? g g d^ 

es 00 OS 00 m 
^^^^^ 
Ph (Xi PL| P-i Ph 




•jaaaaaaa 



0000000 

a r : r r r r 
pi ^ Pi M ^ i^ Pi 

GS oO 00 g8 00 o3 o3 
^^^^^^^ 

PM Ph P-i Ph Ph Ph Ph 



^gSS^i^S 



T|HCC53005QOI>CDiO'^CO(M^OOi 



I5IE:I3I£2|^ IS 15 1? 1^1«» 1«^ in M ii' IN (tu 1« 1^13 15 



-^ O -H HJ -»^ 


ä Od 3 ä c8 

PLiPhPhP^Ph 






. Oil> 



.<^ 









•^ »n "53 "^ '^ 

00000 

00 o({ 00 09 od 

^^^^^ 
PhPhP^PMPM 




PhP^P^^ 



O5 00l>CDiO 



Tl^c6o3r^QO5 00^*cpld3(ico(^iTHo5 



Tf<CO(MrHQO500l>COJO'^CO( 



^bkandloBgtn d. K. Got. d. WiM. ni Odtiing«n. PhUolog.-hiftor. Kl. N. F. Bind 8, «. 8 



Digitized by 



Goog le 



18 K. SCHWARTZ 

Irrtmn war weit verbreitet*), nnd Victorias selbst stellt in der Vorrede die 
drei Cyclen einander völlig gleich: paschales cycli^ sine qui post odoginta et quattuor 
seu qui post quinque et nonaginta annos uel etiam qui centum et dfwdecim annorum 
spcUiis propagati eodem quo praeterierant ordine in principium sui atque originem 
redire creduntur. So gut ferner wie Victorias in der Mitte des 5. Jahrb. noch 
römische Cyclen kannte, die seit 200 Jahren antiqoirt waren, kann ihm aach 
ein Exemplar der Ostertafeln des Anatolias in die Hand gefallen sein; zu. be- 
achten ist jedenfalls, dass in dem Bmchstück des Anatolias neben dem alexan- 
drinischen auch das 'makedonische' Monatsdatam angegeben ist, wie es für den 
cyclus paschcdis Graecorum seu Macedonum vorausgesetzt werden muss. 

Der Cyclus des Anatolias weicht ausser dem schon angegebenen Unterschied 
von einem Tag, der in den Jahren 1 — 11 des kanonischen Cyclus durchläuft, am 
stärksten im 16. Jahr ab. Denn wenn der 26. Phamenoth far Anatolias die 
Ostergrenze war, kann er keine tsööaQsöxcudexdvri des ^ersten' Monats auf den 
25. Phamenoth gelegt, sondern muss dafür den 25. Pharmuthi genommen haben. 
Vielleicht — ich weiss dass der Boden auf den ich trete, unsicher ist — zeigt 
sich in der Ostertafel der Eephalaia zu Athanasius Festbriefen noch eine Spur 
davon dass der 25. Phamenoth als OstervoUmond erst später eingeführt wurde 
und als Neuerung Bedenken erregte. Vor nichts fürchtete man sich in Alezandrien 
so sehr wie vor dem 'jüdischen' Grreuel das Pascha im 'letzten' statt im 'ersten^ 
Monat zu feiern, was geschah, wenn der cyclische Vollmond vor die Ostergrenze 
rückte. Wie schon erwähnt wurde, steht in der Ueberschrift zum Festbrief 
von 338 als Mondalter des Ostersonntags, der in diesem Jahr auf den 30. Pha- 
menoth [26. März] fiel, angegeben 18^2 Tage statt der 19, die richtig im 
Kephalaion notirt sind. Das sieht nach einem Versuch aus die tsööoQsöxai'- 
Sexdvfi von dem nicht ganz einwandsfreien 25. Phamenoth wegzurücken und der 
älteren, von Anatolius festgesetzten iirenze des 26. zu nähern; nach meiner 
Eenntniss verfolgen diese scheinbaren Genauigkeiten immer Nebenzwecke. Trifft 
diese Vermuthung nicht vorbei, so muss man weiter schliessen dass im Jahr 
338 zum ersten Mal Ostern nach dem Vollmond des 25. Phamenoth angesetzt 
wurde: die kanonische Enneakaidehaeteris kann also frühestens 320 eingeführt 
sein. Damit trifft eine andere Beobachtung zasammen. Im Jahr 319, das 
cyclisch dem Jahr 338 entspricht, fällt der 25. Pharmathi, die T9€6aQB6xaidsxiitfi 
des Anatolias, auf einen Montag, tmd damit rückt das Osterfest aus dem Phar- 
muthi hinaus auf den 1. Pachon [26. April]. Es muss wenigstens auffkllen, dass 



1) Cbron. Pasch. 19, 14 tivlg dh <piXotiji6tBQOv (ps(f6ii8voi x^Mov nivts iwsanaidsnaBvriQC- 
dtov hc^avj hv nganttäts ifpaöav flg iavtbv icsl &ifa%viilov(t^vov oi> fk6pop xatic ticg ctiftccs i^ft^^o^ 
xoü ijXiafio^ [MTi^bg Mctiftiov ^ 'AngiXCov fpi^Bvif tr}v id roD ngditov iirivbg tfjg öili^ptig^ itXXct %al natu 
tag aitccg iifi^Qccg tfjg ißdofidSog' 8» xivsg t&w ocnXovctigmw s(>gri7i6tsg xal tolitov &Xfidij elrat 
imonts^navtsg, oi fUvov iv ßtßXoig äviyodtljavto, &lXa %al iv tdßXaig iv nlsiaxaig x&w IxxZijffU^ 
ÄvatB^B^iucö^Vy itg dg&vtag '^XXrjvdg xs nal 'lovScUovg «al xohg x&w atgicsav ngocxdxag xo^oit 
nQOTts^HSvov nXaxhv fiXioxa %axk xf^g i%%kr^9£ag w^vsiv %al dC aiixo^ iniöxdmxeiv xb ^iya xfjg s^öb^ 
ßkCag fivüxiiQiov. Die Kritik trifft auf die Ostertafel des Doms Ton RaTenna zu. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 19 

die kanonische Enneakaidekaeteris im Gregensatz zn der des Anatolius so con- 
struirt ist, dass dieser Fall nie eintreten kann; der späteste Vollmond fallt in 
ihr anf den 23. Pharmnthi [18. April] and mehr als 7 Tage kann sich nach 
alexandrinischer Regel der Ostersonntag vom Vollmond nicht entfernen. Ein 
zweites Moment kam hinzu. Es wird sich noch herausstellen, dass schon vor 
dem nicaenischen Concil Rom and Alexandrien sich, wenn möglich, über das 
Osterdatam verständigten. Dabei machen regelmässig die späten Vollmonde des 
alexandrinischen Cyclus Schwierigkeiten; es war römischer Grundsatz Ostern 
nicht später als am 21. April [26. Pbarmuthi] zu feiern. Unter solchen Um- 
ständen konnte es wünschenswert erscheinen die Reibungsfläche zu vermindern, 
und durch das Vorrücken der Ostergrenze um einen Tag wurde das späteste 
Vollmondsdatum ganz aus der Enneakaidekaeteris entfernt. Stärkere Aende- 
rungen vertrug die feste Construction des Cyclus nicht. 

So dürfte die Abweichung des kanonischen Cyclus von dem wirklichen 
Mondlauf mit leidlicher Wahrscheinlichkeit erklärt sein. Das Epaktendatum 
des 26. Phamenoth ist ein Rest des älteren Cyclus, es ist die Ostergrenze des 
Anatolius. Eine glückliche Folge der Verschiebung war dass die Epaktenzahlen 
zu den Nummern der Cyclusjahre in ein rechnerisch sehr bequemes Verhältnis 
traten, und dass das Anfangsjahr der Enneakaidekaeteris gleich dem Jahr 
19x + 1 Diocletians wurde, hat vor allem anderen dazu beigetragen diese Jahres- 
zählung in Uebung zu bringen und zu halten. 

Zur Bestimmung des Ostersonntags genügt es nicht das Monätsdatum der 
xBööccQBöxcuSsxdtri zu wissen, es muss auch ihr Wochentag bekannt sein. In 
den Ostertafeln wird regelmässig der Wochentag eines immer gleich bleibenden 
Tages notirt. Sobald für ein Jahr die Ferie dieses Tages feststeht, und femer 
feststeht wie weit dies Jahr von dem julianischen SchaltjsJir abliegt, ist es 
möglich eine Tabelle der Ferien zu entwerfen, in der die Zahlen 1—7 in regel- 
mässiger Folge auftreten ; denn das julianische Jahr zählt 7 x B2 -|- 1 Tag, so dass 
in jedem Jahr der Wochentag eines Datums um 1 vorrückt. Nach dem julianischen 
Schalttag muss natürlich eine Zahl übersprungen werden. Das Datum der 
^Ferie' für die alexandrinische Osterrechnung oder wie die byzantinischen und 
lateinischen Computisten auch sagen, der 'Sonnenepakte' ist der 30. Mechir. 
Beda ^) und die modernen Handbücher behaupten zwar, es sei der 28. Phamenoth 
[24. März] : aber das ist eine Verballhomung die bei der Umsetzung der alexan- 
drinischen Daten in die römischen entstanden ist. Denn für den lateinischen 
Kalender ist der 30. Mechir nicht zu brauchen; er ist im gewöhnlichen Jahr der 
VI. [24. Februar], im Schaltjahr der bis VI. ante Kai. Mari. [25. Februar]. 



1) De temp. rat. 58 p. 250 GUes cumque suaa quaeque anni dies habeat cancwrrentea, hae 

quae in drculo adfixae eoncurrenies sunty spedaliter gutie sü nono Kalendarum Aprilium feria, 

designant, uidelicet ut propius fesHuitatis paschalis exordio positae facülime diem epadarutn ud 

decimaequartiie lunae quota aü feria, pandani ac per hoc ad paschalis inuentimem diei dommid 

planum faciant Her. 

3* 



Digitized by 



Google 



20 E. 8CHWABTZ 

Darom rückten die Occidentalen die Sonnenepakte 28 oder ftnch nur 7 Tage^) 
vor: im aegyptischen Kalender ist der 30. Mechir ohne jeden Anstoss nnd viel 
praktischer. Fällt nämlich die zeööaQsöxatdsxdti^ in den Phamenoth, so braucht 
man nnr die Sonnenepakte zn dem Datum zu addiren nnd durch 7 zu dividiren, 
dann ergiebt der Rest der Division den Wochentag der tsööaQsöxa^dsKdtti; fällt 
sie in den Pharmuthi, so müssen 2 Tage zum Datum und der Sonnenepakte vor 
der Division addirt werden, sonst gilt dieselbe Regel. Die Sonnenepakte selbst 
lässt sich aus der Jahreszahl der diocletianischen Aera finden nach folgender 
Formel, in der a das laufende Jahr, r den Rest der Division von a:4 bezeichnet: 
man dividire [a — 1] + [a : 4 — rj + 3 durch 7, der Rest ist gleich der Sonnenepakte. 
Denn das 1. Jahr der Aera ist das 2. nach einem aegyptischen Schaltjahr, und 
der 30. Mechir fällt in ihm auf einen Dienstag. 

Im julianischen Kalender müssen die Wochentage eines bestimmten Datums 
in Perioden von 7 mal 4 Jahren wiederkehren. Man kann also jede Aera in 
Abschnitte zu 28 Jahren zerlegen, und braucht dann nur für einen solchen Ab- 
schnitt oder Sonnenzirkel eine Tabelle der Sonnenepakten zu entwerfen; steht 
die Identität des 1. Jahres des Sonnenzirkels mit einem Jahr der Aera fest, so 
lassen sich aus einer solchen Tabelle die Sonnenepakten für jedes Aerenjahr ohne 
Weiteres entnehmen. Im 7. Jahrhundert, bei Heraklius *), ist ein solcher Sonnen- 
zirkel in Gebrauch: er beginnt, wenn man ihn auf die diocletianische Aera re- 
duzirt, mit dem 21. Jahr [= 304/5], welches das 2. nach einem aegyptischen 
Schaltjahr ist und in dem der 30. Mechir auf einen Samstag fällt. Für die Be- 



1) Dionysius Exignus giebt im 4. Paschalargoment folgende Regel an um die eoHcurrmUM 
d.h. die Sonnenepakte f&r jedes Jahr der Incamationsaera za finden: man nehme die laufende 
Jahreszahl (a), dividire sie durch 4 und addire den Quotienten ohne den Rest (r) zur laufenden 
Jahreszahl hinza ; das Ganze ist durch 7 zu theUen und der Rest der Division + 4 ergiebt die 
Sonnenepakte. Wenn man die Regel analysirt, so ergiebt sich, da das 1. Jahr der Incamations- 
aera das erste nach einem Schaltjahr ist and sein Nei^'ahr auf einen Samstag (feria VII) HÜlt, 
folgendes: 1) Der Tag der Sonnenepakte moss nach dem äita bissextua des lateinischen Kalenders 
angesetzt sein ; denn dieser ist in der Division a : 4 — r mitgezählt. 2) Da a = der Samme der 
abgelaufenen Jahre + 1 gesetzt ist, so muss die Rechnung einen Tag treffen, dessen Wochentag im 
Gemeiigahr dem 2., im Schaltjahr dem 3. Januar entspricht; das ist aber der III, ante KcU. 
Mari. (27. oder 28. Februar). Wird dieser um 4 Tage vorgeschoben, so kommt man in jedem 
Jahr auf den 8. März = 7. Phamenoth, der mit dem 30. Mechir den gleichen Wochentag haben 
muss. Im 10. Paschalargument wird die Rechnung auf den 31. December gestellt, passt aber nur 
für Daten die hinter den Schalttag fallen. Heraklius [Usener, de Stephane Alexandrino commen- 
tatio II Ind. Bonn. 1880 p. 23] stellt die Sonnenepakte, wenn die i^ in den April fällt, auf den 
5. Pharmuthi = 31. März, dessen Wochentag mit dem des 7. Phamenoth und des 30. Mechir zu- 
sanunenfallen muss; fäUt sie in den März, so schiebt er die Sonnenepakte durch Addition von 4 
auf den 11. oder 4. Phamenoth, der 4. Phamenoth aber ist der Tag der dem 1. März vorangeht 
Maxunus heftet in seinem Computus die Sonnenepakte an den 31. März [Hagen, Observ. in Hera- 
clii comp. 44 £f.]: es kommt im Grunde der 30. Mechir immer wieder heraus. 

2) Vgl. van Hagen, Observatt. in Heracli meth. pasch. 26. Heraklius nimmt als Ausgangspunkt 
für die Berechnung der Sonnenepakte das Jahr 612/3, das von 304/5 um 308 = 11x28 Jahre 
absteht. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFBLN 21 

recbnang der Sonnenepakte jedes der 28 Jahre des Zirkels gilt die oben ange- 
gebene Formel, nur muss die Addition von 3 unterbleiben; natürlich bedeutet a 
jetzt das laufende Jahr des Zirkels, nicht der Aera. Nun traf es sich im 4. 
Jahrhundert, dass im Jahr 360/1 sowohl eine Enneakaidekaeteris des Mondes als 
ein 28 jähriger Sonnenkreis begann, und man konnte dies Jahr zum Anfang der 
19 mal 28 = 532 jährigen Periode machen, in der die Ostersonntage des alexan- 
drinischen Cyclus genau wiederkehren müssen; man combinirte femer dies Jahr 
mit der chiliastischen Weltaera des Africanus, die Christi Fleischwerdung auf 
BBOO der Welt setzte, und nahm an dass vor diesem Jahr, 360/1, elf Osterperioden 
abgelaufen seien: somit wurde das Jahr 360/1 der christlichen Aera = 5853 der 
alexandrinischen Weltaera, welche also vom 1. Thoth 5493 v. Chr. ab läuft. So 
bequem und praktisch diese Weltaera für die Osterberechnung ist, da die Reste 
der Divisionen durch 19 oder 28 sofort ergeben das wie vielte Jahr eines Mond- 
oder Sonnencyclus ein gegebenes Jahr der Aera ist, so üble Resultate erzeugt 
sie, wenn sie auf die Berechnung der Passionsgeschichte angewandt wird^). 
Wesentlich um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist die constantinopler Weltaera 
erfunden, die vom 1. September 5509 v. Chr. ab läuft, in der also das 1. Jahr 
der 11. Osterperiode, 5853 = 344/5 n. Chr. ist. Das zieht nun freilich Ver- 
schiebungen des Sonnen- und Mondcyclus nach sich. Jene macht nur geringe 
Unbequemlichkeiten, erheblich geringere als die Umrechnung der auf die alexan- 
drinischen Monate gegründeten Formeln für das syromakedonische Jalir, das in 
Constantinopel gebraucht wurde und sich vom romischen nur durch die Namen 
der Monate und das Neujahr am 1. September [Gorpiaios] unterscheidet Da- 
gegen kann die Enneakaidekaeteris wegen des saltus lunae im Grunde keine Ver- 
schiebung vertragen. Man hat es auch wohlweislich vermieden an ihrer Con- 
struction etwas zu ändern, sondern, als die neue Weltaera eine andere Be- 
zifferung der Cydusjahre nothwendig machte, sich damit begnügt das 1. Jahr 
des constantinopler Cyclus = dem 4. alexandrinischen zu setzen: alles andere 
bleibt unverändert, so dass der saltus lunae nicht ans Ende, sondern in das 16. 
Jahr des constantinopler Cyclus fällt. Als der alexandrinische Cyclus im 6. 
Jahrhundert durch die Vermittlung der oströmischen Hauptstadt nach Italien 
gebracht wurde, wanderte die doppelte Bezifferung der Jahre des Mondcyclus 
mit. Die Osterkreise im Dom von Ravenna, welche für die Jahre 632 — 626 
entworfen sind und die schon durch die Kreisform, wie Ejrusch [N. Arch. f. 
deutsche Geschichtskunde 9,114] gesehen hat, ihren griechischen Ursprung ver- 
rathen, zählen die anni lunares nach constantinopler, die anni decemnotudes nach 
rein alexandrinischer Weise. Die gleiche Doppelbezeichnung kennt auch Diony- 
sius in seiner 525 mit den Paschalargumenten zusammen veröffentlichten Oster- 
tafel. Der für seine Zeit und für einen Occidentalen leidlich gebildete Abt 
war ein officiöses Werkzeug der römischen Curie, zu deren Politik es damals 



1) Vgl. Paoly-Wissowa, Realencyklopaedie 8, 2466 ff. Ich hätte die constantinopler Aera nicht 
mit dem Indictionscyklns zusammenbringen sollen. 



Digitized by 



Google 



22 • E. 8CHWARTZ 

passte sich mit Constantinopel gnt zu stellen ; die politischen Verhältnisse, nicht 
richtige Einsicht sind es gewesen, die in Rom der constantinopler Modification 
des alexandrinischen Cyclns znm Sieg über das Paschale des Victorins verhalfen, 
obgleich dies vor nicht langer Zeit, 457, ebenfalls in officiösem Auftrag der 
Curie zusammengestellt war um die lateinischen Eigenthümlichkeiten der Oster- 
berechnung gegenüber den Alexandrinern behaupten zu können [Krusch a. a. 0. 

101 ff.]- 

Dionysius behauptet dass seine Tafel eine ältere fortsetze, die vom alexan- 
drinischen Patriarchen Cyrill für 5 Enneakaidekaeteriden, von 1B3 — 247 Diocle- 
tians [437—531 n. Chr.], entworfen sei ; er theilt auch vor seiner Tafel die letzte 
19 jährige Periode von 22p — 247 [513—531] mit ^). Dieser Cyclus sieht nun aber 
durchaus nicht echt alexandrinisch aus. Man könnte allenfalls darüber hinweg- 
sehn, dass die Daten nur nach dem römischen Kalender gegeben sind; denn die 
alexandrinischen Tabellen haben neben den aegyptischen auch die römischen Da- 
tierungen enthalten, wie die TJeberschriften der athanasianischen Festbriefe be- 
weisen, und Dionysius könnte jene einfach weggelassen haben. Aber die Ver- 
wandlung der Epakte des 1. Jahres von 30 in und die Bezifferung der Jahre 
nach der constantinopler Manier sind schwere Indizien gegen die Echtheit. Der 
Cyclus müsste, wenn er von Cyrill herrührte, vor 444, dem Todesjahr jenes, 
publicirt sein. Trotzdem erwähnen sowohl Papst Leo als, worauf noch mehr 
ankommt, der zweite Nachfolger Cyrills, Proterius in den Briefen die sie in den 
Jahren 451—454 über das Osterfest von 455 abgefasst haben"), zwar sehr oft 

1) Traof. p. 61 f. lan: NonagitUa quinque igitur annorum [532—626] hunc cyclum,, expedire 
conUndimM, ulitmum eiusdtm b. Cyrüli, id est quintum cydum, quia sex adhuc ex eo anni super- 
erant [im Jahr 525 geschriebeD], in nostro hoc opere praeferentes ac deinceps quinque Mos iuxta 
normam eiusdem ponlificiSy imtno potius saepe dicti Nicaeni concilii nos ordintisse profUemur, quim 
uero s. Cyrülus primum cydum ab ar>no Diodetiani centesimo quinquagesimo tertio coepit et ulti- 
mum in ducentesimo quadragesimo septimo terminauitf nos a ducentesimo quadragesimo octauo anno 
eiusdem tyranni potius quam principis indioantes noluimus drculis nostris memoriam impii et per- 
secutoris innectere^ sed magis elegimus ab incamatione domini nostri lesu Christi annorum iempora 
praenotare. Dionys setzte also 248 Dioclet. = 6024 alezandrinischer Weltaera = 532 n. Chr.; 
also ist ihm 1 n. Chr. = 5493 alexandrinischer Weltaera. In dieses Jahr setzte Panodor nach 
Syncell. p. 618 die i>leischwerdang d.h. die Empfängniss; er ist mittelbar der Erfinder unserer 
Aera. Dass diese ursprünglich vom 25. März 1 n. Chr. und nicht Ton der Geburt Christi ab ge- 
zählt ¥rurde, muss immer wieder eingeschärft werden. 

2) Papst Leo an Paschasinus [24. Juni 451, Krusch. Stud. 256] iilud quoque curae tuae credi- 
dimus iniungendum ut, quia ratio paschalis festi experientiavi tuam non lotet, de eo quod in Theo- 
phili adnotatione inuenimus quodque nos permouet, diligentius requiras. Derselbe an Kaiser Marcian 
[16. Juni 453, Krusch. Stud. 258] sanctae memoriae Theophüus Akxandrinae urbis episcopus cum huius 
observationis annos centum numero coüigissety septuagensimi sezti anni [= 455 n. Chr.] paschdU 
festum longe cditer quam alii deereuerant, tenendum esse constituit .... quia ergo in iUa, ut dixi^ 
centenaria supputaHone Theophili septuagensimus sextus annus diem pasdMS contra marem ecdesi^ 
asticum statuisse mons^aiur . . ., öbsecro dementiam uestram ut Studium uestrum praestare dignemini^ 
quatenus Aegyptii uel si qui suni alii qui certam huius supptUationis uidentur habere notitiam, 
scrupulum sollidtudinis huius absoluant. Derselbe an Julian, seinen Legaten am kaiserlichen Hof 
[15. Juni 453, Krusch. Stud. 260] de paschali öbseruantia sanctae memoriae Theqphilus ad Augustmit 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 23 

die Tafel des Theophilus, aber nie die des Cyrill. Ich halte es danach fiir sicher 
dass diese cyrillische Ostertafel eine Fälschung ist, in denselben Kreisen ent- 
standen wie die ebenfalls von Dionysins colportirte Behauptung dass das 
nicaenische Concil den 19 jährigen Cyclus sanctionirt hätte. Dionysius hat diese 
Behauptung schwerlich*), die Ostertafel des Cyrill sicher nicht erfunden; denn 
diese ist, unabhängig von ihm, auch in den Osterkreisen des Doms von Bavenna 
fortgesetzt. Dagegen ist der Prolog zu dem pseudocyrilliscfaen Cyclus erst er- 
heblich später hinzuerfunden; er ist von Krusch [Studien 89 ff.] als ein wertloses 
Machwerk erwiesen. 



Theodosiutn semorem scribena, per eentum annos a primo praedicH prindpis conmlatu [380] digeasü 

ardinem fesH annus gut erit s^tuagensimus sextus [455], eam memorati episcopi adnotationem 

habere cognoscUur, quae a totiua antiquttaUs exeinplo et ab omni patrum auctoritaie discordat unde 

quia non mediocrts mihi scUieiiudo generatur ne apud Aegyptios haec persuasio röboretur^ ad, ,, 
principem scribta direxi quibtis causam scrupuli düigerUer exposui et suppliciter postulauif ut ope- 
ram suam , . . religionis cuüui dignanter impendat, ut eos gui huius supputationis perfectam ui- 
dentur habere notitiamy in unum iubeai conuenire et diligenter inquirere ne forte haec definitio tene- 
cUur. Derselbe an denselben [9. Jan. 454, Emsch. Stnd. 262] de praesentis anni pascha nulla du- 
bitoHo nöbis esse potuit, sed de futuro quaesiuimuSf quod Theophilus Alexandrinae urbis episcopus 

octauum kl Maiarum diei . . . credidit ascribendum ac ne uel apud nos uel apud Orientales nas- 

catur ex hoc parte diuersitaSf hoc instantius nostro nomine cum . . principe agere tua dignetur di- 
lectio, quamuis et ipse . . princ^ se inguiniione soUicitissima euram hanc Aegyptiis delegasse suis 
epistu/is dignatus sit indicare, Aas diesen Aensserongen Leos ergiebt sich mit Evidenz, dass 
ZQ seiner Zeit der römischen Cnrie keine alezandrinische Ostertafel ausser der des Theophilus zur 
Terf&gung stand. Dasselbe ergiebt sich aus dem Brief des alexandrinischen Patriarchen Proterius 
an den Pabst [Krusch Studien 270]: qtuipropter neglegendum non fuit quominus statim negotium 
uentüarerny quando ex ülo iam tempore quo commonitorium tuae uenerationis acc^y plurimam 
curam rei huius habuerim, nunc legales libros inspicienSy nunc antiquorum docta instüuta contingens, 
ex quibus possibile est huius modi computum inuestigare sollertius. sumens etiam et eentennalem 
cursum paschae discriptum a beaOssimo patre et episcopo nostro TheophUo omnemque decurrens^ ita 
repperi düigenter integreque compositum^ ut quicumque iile sit, audoritatem scriptur<ie huius quolibet 
modo reprehendere ac uituperare non possiL erat enim inconsequens uirum ita uigHantem deoque 
carissimum, diuinarum etiam ditatum scientia scripturarum, in negotio tam magno ac necessario, 
praetermisso diligentiae läbore, potuisse delinquere. sed forte, sicut tua sanctitas scripsit, mendosi 
codicis aut librarii error est et propterea nos oportet diem sanctae illius festiuitatis transferre [gerade 
dann hätte es nahegelegen die Tabelle des Cyrill zur Gontrolle nachzuschlagen; stimmte sie, wie 
selbstverständlich, mit der des Theophilus überein, so hatte Proterius ein neues Argument für sich ; 
aber er schweigt von einer zweiten officiellen Tabelle vollständig], quod absit. celebretur autem ita 
pottus ut centenarius annorum cursus eiusdem beatissimi patris nostri et episcopi TheophiH continet, 
qui antiquorum paginis omnino concordat. 

1) Sie findet sich auch im Chronikon Paschale [p. 18, 4 ff.], das wie ich Pauly-Wissowa Real- 
encyklopaedie 8, 2468 ff. nachgewiesen habe, die üeberarbeitung eines wahrscheinlich 507 abgefassten 
constantinopler üacxciXiov ist. Dasselbe Chronikon kennt eine Ostertafel von 95 Jahren und be- 
zeugt ihre weite Verbreitung, sowie den durch sie hervorgerufenen Irrthum dass die Osterfeste in 
Perioden von 95 Jahren regelmässig wiederkehrten [p. 19, 14 ff.]. Damit muss der ps. cyrillische 
Pinax gemeint sein; ob aber der Redactor der uns vorliegenden Ostcrchronik oder der Verfasser 
seiner Vorlage hier redet, wage ich nicht sicher zu entscheiden. — Dass das Nicaenische Concil 
sich für keinen Ostercyclus ausgesprochen hat, steht jetzt fest, vgl. Duchesne, revue des questions 
histor. 28, 40 ff. 



Digitized by 



Google 



24 



£. SCHWABTZ 



Ich lege nomnehr die ans den üeberschriften und Kephalaia der athanasia- 
nischen Osterbriefe reconstruirte Tabelle der Osterfeste vor, die in Alexandrien 
von 328 — 373 gefeiert sind; die letzten 4 Colomnen und die modernen Monats- 
daten sind von mir zugesetzt. Falls die überlieferten Notate falsch sind, habe 
ich in Klammern das Richtige danebengestellt, mich dann griechischer oder la- 
teinischer Ziffern bedienend, wenn dadurch die Cormptel aogenfaUig wird; einige 
Verschreibnngen machen es zum mindesten wahrscheinlich, dass in der Original- 
tabelle die römischen Daten mit lateinischen Bachstaben und Ziffern geschrieben 
waren. Die Jahre Diocletians sind, wenn überliefert, mit griechischen, wenn 
ergänzt, mit arabischen Ziffern geschrieben. 



g 


00 


Ostersoimtag 


Mond- 
alter 


Epakte 


Ferie 


d 

•3 


4 


XIV lunae nach 

alexandrinischer 

Rechnung 


1^ 


A 


Md 


Oag Je (ley) 


XVIII Kai Mai, = 14 Apr. 


IH 


KE 


A 


328 


VI 


Phar 15 = lOA. 


14A. 


B 


ME 


^CCQ lA 


VIII Id, Apr. = 6 Apr. 


KA 


c 


B 


329 


vn 


Phar 4 = 30M. 


6A. 


r 


Jtfc 


OaQ KJ 


XIII Kai. Mai, = 19 Apr. 


IE 


IZ 


r 


330 


VIII 


Phar 23 = IdA. 


19A. 


j 


AfZ 


^UQ I(Z 


III Id. Apr. = 11 Apr. 


IH 


KH 


4«) 


331 


IX 


Phar 12 = 7A. 


IIA. 


E 


MH 


^€CQ IZ (Z)») 


IUI Nan. Apr. = 2 Apr. 


K 


9 


c 


332 


X 


Phar 1 = 27M. 


2A 


c 


MO 


<^aQ K 


XVII Kai. Mai. = 15 Apr. 


IE*) 


K 


Z 


333 


XI 


Phar 20 = 15A. 


15A 


Z 


N 


<^aQ IB 


VII Id. Apr. = 7 Apr. 


IZ 


A 


A 


334 


XII 


Phar 9 = 4A. 


7A. 


H 


NA 


<^aQ z/») 


lU Kai. Apr. = 80 M&rz 


K 


IB 


B 


335 


XIII 


Pham28 = 24M. 


30M. 


e 


52 


<^aQ Kr 


XIUI Kai. Mai. = 18 Apr. 


K 


Kr 


J 


336 


XIV 


Phar 17 = 12A, 


IdA. 


I 


53 


^ag H 


IUI (III) Non. Apr. = 3A. 


ic 


J 


E 


337 


XV 


Phar 6 =» lA. 


SA. 


lA 


Nd 


0ai^ A 


VII Kai Apr. = 26MÄrz 


IS') 


IE 


C 


338 


XVI 


Pham25 = 21M. 


26M. 


IB 


NE 


<^aQ K 


XVII Kai. Mai. = 15 Apr. 


K 


ÄC 


z 


339 


XVII 


Phar 14 = 29A. 


15A. 


ir 


56 


^OQ Id (J)^ 


in Kai. Apr. = 30 März 


IE 


Z 


B 


340 


XVIII 


Phar 3 = 29M. 


80M. 


ij 


NZ 


<^Q KJ 


XIU Kai. Mai = 19 hpt. 


/c 


IH 


r 


341 


XIX 


Phar 22 = 17 A. 


IdA. 


IE 


NH 


4^ iQ 


III Id. Apr. = 11 Apr. 


Ic»)(20) 


KBidO)') 


j 


342 


I 


Phar 10 = 5A. 


IIA. 


A 


59 


^CCQ A 


VI Kai Apr. = 27 März 


IE (Je) 


lA 


E 


343 


11 


Pham29 = 25M. 


SA. 


B 


60 


^Q K 


XVII Kai. Mai, = 15 Apr. 


Ic 


KA (22)*) 
B (3)*) 


C(7)») 


344 


m 


Phar 18 = 13 A. 


ISA. 


r 


61 


<^aQ IB 


VII Id, Apr. = 7 Apr. 


le^) 


A 


345 


IV 


Phar 7 = 2A. 


TA, 



S. u. 



1) Für ',m>y^^ ist zu lesen ;m>h>af. 

2) Fehlt. 

3) IZ für Z steht sowohl im Eephalaion wie in der Ueberschrift. 

4) U wird verlangt, aber IE wird von Eephalaion und Ueberschrift bezeugt. 

5) So richtig in der Ueberschrift ; im Eephalaion steht falsch U. 

6) So das Eephalaion; IH ical ijiuav die Ueberschrift 

7) Das Eephalaion erzählt : ot Ugsutvol stg ^aft£M»d %g nriQviavxBs «^^ *al noUä tuttaysXaC' 
Firnes inl xo&fon t&t. etpdlfiati, ip iiiarn xr\^ vrietsüu iisd-uftditsvoi htoiricav airtb inid^ ^{i&v. Das 
Borean des arianischen Bischofs Gregor — Athanasins war im Occident — hatte sich, als es zam 
ersten Mal Ostern berechnen musste, im Parapegma der Enneakaidekaeteris versehn and den Oster- 
Vollmond des XVI. statt den des XVIIL Jahres gegriffen. 

8) Der salius lufute ist nicht beachtet; das hat auch auf die Epakte des III. and IV. Jahres 
eingewirkt. Das falsche Mondalter ist durch Wiederholung des Monatsdatums, das im Eephalaion 
unmittelbar vorhergeht, entstanden. 

9) Es ist vergessen dass 343 ein Schal^'ahr ist; erst im folgenden Jahr wird der Fehler 
ausgeglichen. 

10) So richtig in der Ueberschrift, falsch im Eephalaion IH, weil ',^^^^^^ in ;ffixAjx>l verschrieben 
oder verlesen wurde. 



Digitized by 



Google 



CBKISTUCHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 



25 



a 

1 


ll 




Ostersonntag 


Mond- 
alter des 

Oster- 
sonntags 


Epakte 


Ferie 


d 


„3 


XIV lunae nach 
alexandrinischer 


.9 
*2 5 


1 


"^ o 

2 










11 


H 


Rechnung 


C 


z/ 


.£?B 


<^ A 


III Kai. Apr. = 30 März 


KA') 


lA 


B 


346 


V 


26 Pham = 22M. 


30M. 


E 


Ar 


^9 IZ 


prid. Id. Apr. — 12 Apr. 


IE*) (/c) 


KE 


r 


347 


VI 


15 Phar = lOA. 


12A. 


« 


Ä^ 


^CCQ H 


m Non. Apr. = 3 Apr. 


IH 


c 


A (5)») 


348 


VIT 


4 Phar = 30M. 


3A. 


Z 


65 


^ft A 


VU Kai. Apr. = 26Mftrz 


19 KA^) 


IZ 


c 


349 


vm 


23 Phar = 18A. 


26M. 


H 


66 


^Q ir 


VI Id. Apr. = 8 Apr. 


19 (IE) 
iv &gai 

IH 


KH 


Z 


350 


IX 


12 Phar = 7A. 


15A. 


e 


67 


^Q E 


prid. Kai Apr. = 31 März 
XIII Kai. Mai = 19 Apr. 


9 


A 


351 


X 


1 Phar = 27M. 


31M. 


I 


68 


^aQ KA 


IH 


K 


r 


352 


XI 


20 Phar = 15A. 


19A. 


lA 


69 


^CCQ /c 


III Id. Apr. = 11 Apr. 


KA 


A 


A 


353 


xn 


9 Phar = 4A. 


IIA. 


IB 


70 


^ag A {A) 


VI Kai Apr. = 27 März 


IZ 


IB 


E 


354 


XUI 


28 Pham = 24M. 


27M. 


ir 


71 


^ag KA 


XVI Kai Mai = 16 Apr. 


IH 


KP 


c 


355 


XIV 


17 Phar = 12A. 


16A. 


ij 


72 


^ag IB 


VU Id. Apr. = 7 Apr. 


IZ{K) 


A 


A 


356 


XV 


6 Phar = lA. 


7A. 


IE 


73 


^ofi KZ 


X Kai Apr. = 23 März 


IZ (Ic) 


IE 


B 


357 


XVI 


25 Pham == 21M. 


30M.«) 


A 


74 


4>aQ IZ 


pr. Id. Apr. = 12 Apr. 


IZ 


Kz 


r 


358 


xvu 


14 Phar = 9A. 


12A. 


B 


75 


*tf9 le (9) 


pr. Non. Apr. == 4 Apr. 


K 


Z 


A 


359 


xvm 


3 Phar « 29M. 


4A. 


r 


76 


4>ctg KR 


VIUI Kai Mai = 23 Apr. 


KA (K) 


IH 


C 


360 


XIX 


22 Phar = 17A. 


16 A.^) 


A 


77 


^ag ir 


VI Id. Apr. = 8Apr. 


IZ 


K9(S0)^) 


z 


361 


I 


10 Phar = 5A. 


8A.' 


£ 


78 


^ag IE (£) 


pr. Kai. Apr. = 31 März 


KE (K) 


/(ll)») 


A 


362 


n 


29 Pham = 25M. 


31M. 


c 


79 


^ag KE 


XII Kai. Mai = 20 Apr. 


K (KA) 


KA (22)^) 


B 


363 


m 


18 Phar = 13A. 


20A. 


z 


80 


^ag e 


pr. Non. Apr. = 4 Apr. 


Ic 


r 


A 


364 


rv 


7 Phar = 2A. 


4A. 


K 


81 


^ag A 


V ( VI) Kai. Apr. = 27März 


19 


lA 


E 


365 


V 


26 Pham = 22M. 


27M. 


S 


82 


^ag KA 


XVI Kai Mai = 16 Apr. 


K 


KE 


c 


366 


VI 


15 Phar = lOA. 


16A. 


I 


83 


*«P /c (c) 


Kdl. Apr. = 1 Apr. 


Ir. 


c 


Z 


367 


vn 


4 Phar = 30M. 


lA. 


lA 


84 


^ag KE 


XII. Kai Mai = 20 Apr. 


/c 


IZ 


B 


368 


VIII 


23 Phar = 18A. 


20A. 


IB 


UE 


^ag KZ (IZ) 


pr. Id. Apr. = 12 Apr. 


IE {19) 


KH 


r 


369 


IX 


12 Phar = 7A. 


12A. 


ir 


ng 


^ag B 


IIII(V) Kai Apr. = 28 März 


IE 


9 


A 


370 


X 


1 Phar = 27M. 


28M. 


lA 


87 


^ocg KB 


XV Kai. Mai = 17 Apr. 


/C 


K 


E 


371 


XI 


20 Phar = 15A. 


17A.") 


IE 


88 


^ag ir 


VI Id. Apr. = 8 Apr. 


/Ö(IH)>») 


A 


Z*) 


372 


XU 


9 Phar = 4A. 


8A. 


A 


89 


^ag E 


pr. Kai. Apr. = 31 März 


KA 


IB 


A 


373 


xin 


28 Pham = 24M. 


24M.") 



1) So in der üeberschrift des 18. Osterbriefs; im Eephalaion war KA in KA verschrieben. 
Nach dem Cyclos ist das Mondalter des 4. Pharmuthi KB-, s. unten. 

2) So in der üeberschrift des 19. Osterbriefs und dem Kephalaion. 

3) Das Schalljahr ist wiederum vergessen. 

4) Am Anfang des Kephalaion steht 19^ das richtige Mondalter des regulären alezandrinischen 
Ostersonntags am 28. Pharmuthi = 23. ApriL KA ist im Text eingesetzt als Mondalter des fac- 
tischen Ostersonntags am 30. Phamenoth = 26. März. S. unten. 

5) S. unten. 

6) Nach der Ostertafel 354—437 [Chron. min. 1, 741] 23. März luna XVI. 

7) Nach der Ostertafel Chron. min. 1, 741 V id. Apr. l XVI, ein unmögliches Datum. 

8) Der aaUus lunae ist vergessen und der Fehler setzt sich im II. und III. Jahre fort. 

9) f«* llo = ngb fu&g (aaßßdtmv). 

10) '.dn^Kaf für '«CQxftji»!. 

11) Leo ep. 127 [Krusch. Studien zur Chronologie 262] nam in nostris annaUbua XV Kl. 
Maias dies aperliissime a pairibw nostria et consHtutua legitur et celehratus. 

12) Im Chronographen steht VIII [so] KaJ. Apr. Die Ostertafel Chron. min. 1, 741 und der 
gefälschte Brief des Ambrosius haben den 31. März l XXI (lies XXII). Die alexandrinische Oster- 
feier ist ausser dem Kephalaion durch den Brief des Patriarchen Proterius [Krusch. Studien 273] 
bezeugt 

Abhuidliuigeii d. K. Qm. d. Witt, in Oöttingen. PhU.-hlst El. N. F. Band 8^. 4 



Digitized by 



Google 



26 E. SCHWARTZ 

Die gelegentlichen Fehler die in den Epakten und den Ferien dorch Ver- 
nachlässigung des saltus lunae und des jolianischen Schalttags entstanden sind^ 
beweisen dass diese Notate ans Tabellen abgeschrieben sind. Bei den falschen 
Mondaltem der Ostersonntage kommt man mit der Annahme von Yerschreibongen 
im griechischen oder syrischen Text aus; sie kommen darum hier häufiger vor 
als bei den Ferien oder Epakten, weil die Zahlen keine fortlaufenden, die Ueber- 
lieferung schätzenden Reihen bildeten. Anders steht es mit den beiden Angaben 
zu 338 und 350. Jene habe ich oben [S. 18] zu erklären versucht, diese wird bei 
der AuseinandersetzuDg der Differenzen zwischen Alexandrien und Rom erledigt 
werden. Dreimal ist Ostern in Alexandrien nicht an dem Datum das vom Cyclus 
verlangt wurde, gefeiert: 

833. Die xsööaQsöxcudBtuitri fiel auf Sonntag den 20. Pharmuthi [16. April]; 
das correcte Osterdatum war also der 27. Pharmuthi [22. Aprilj. Die Tabelle 
verzeichnet aber den 20. Pharmuthi und corrigirt das Mondalter, um den Ver- 
stoss gegen die Regel welche die XIV lunae vom Ostersonntag ausschliesst, zu 
verdecken. Die Abweichung geschah den Römern zu Gefallen, die es für un- 
kanonisch erklärten Ostern nach dem 21. April zu feiern ; aber es ist sehr merk- 
würdig dass Athanasius in seinem Osterbrief [p. 40] sie mit keinem Wort er- 
wähnt; er kündigt das Datum des 20. Pharmuthi so an als sei es das correcte. 
Das spricht dafür dass die Eenntniss des Cyclus in der Patriarchaldioecese damals 
noch nicht weit verbreitet war ; das änderte sich mit der Verbannung des Atha- 
nasius in den Jahren 336 — 337. Unmöglich konnte der abwesende Patriarch alles 
brieflich erledigen, und es erhielten die unter ihm stehenden Kleriker mehr Zu- 
tritt zu den Geschäften als vorher. 

346. Die ts66aQe6xäi.8exdTfi fiel auf Samstag den 26. Phamenoth [22. März] ; 
statt des correcten 27. Phamenoth [23. März] ist der 4. Pharmuthi [30. März] 
notirt; wiederum ist das wahre, aber für die Alexandriner unkanonische Mond- 
alter [JTB] in das unanstössige, aber der Wirklichkeit nicht entsprechende [JT//] 
verbessert. Athanasius schreibt über diese Verlegung noch vor Ostern 345 aus 
Italien an die Presbyter und Diakonen von Alexandrien Folgendes ; ich gebe 
den Brief [p. ou^] in griechischer Uebersetzung: 

!Atavd6i.og tots nQSößvxiQOig xal diaxövoig xf^g ^jiks^avögsiag idsXq>otg xal 
iyanritotg iv xvgCmi xcUqbiv. xak&g iiton^öccve^ g>iXoL xai iyantjtol idslg>oi, imöti^ 
li'^avtsg xatä tb id^og tiiv tov icyiov nd^xa xvptox^ iv ixaCvai^g xalg ixagxiaig^). 
eldov yäg xal &nBdel^d(ifjfi/ xifv dxgißeiav. d^' Mq(ov yilv oiv yQafifbdxiov v(itv 
iicdöxsUa S^Ciog nXriQo^ivtog xov vvv hovg xijv i^flg ndkiv ixiöijfiilvfjöte^ xal vvv 
6\ z& ainä yQdq>siv dvayxalov iiyriödfitiv, Iva dxgiß&g aixijv Ix^vxsg xal (abx^ im* 
fisXsiag yQdtl^ics. Zxav Sil xiXog Xdßrii ^ ioQxii ri vvv xeXovnivri xiji Oagfio'vd'i iß 
[7. April 345], xov^ iöxl ngb (ixxä)^) eld&v HxQiXXCmv, xb Xombv ij xov nd6xa 



1) Das syrische Wort IAmj;;^«^«. das hier zweimal und p. |A. Z. 4 v. a. vorkommt, ist noch nicht 
befriedigend erklärt Ich habe das eingesetzt, was der Sinn im Allgemeinen verlangt. 

2) Im syrischen Text ausgefallen; es ist ^^] <^i^ft>xyo zu lesen. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTKRTAPELN 27 

xvQcccnii i6tai xgb y KaXavd&v jingikklmv^ wxx ''AXB%o(v6i^hlq 6\ r^t Oop^vd't d. 
Srai/ ohv i\ iogtii tiXog kdßrjij ijciöt^fiijvccvs jcdkiv iv ixiivMg tatg inaQ^iaig xatä 
To igxatov itog &d6' fi tov n&6%a xvQioxii ngb xqi&v xakavS&v ^AxQikUmv^ xoin' 
iötl x<tü' Aks^avdQStg trjL ^aQfioi}^L d (iridl ijrop^t jtsgl xi^g ^fidgag firjäelg nrjöh 
qiiXovBi,xifi6rivkiymvylyvB6^(adBlvxbxi6%atf^i^a(iBV(o^xi. iv tf^i yäg &yCcu öwödoai. 
iyivBxo iifixri6vg xal ndvxBg &Qi6av [i;^ für i^ zu lesen] xiiv ngb xgi&v Kakavd&v 
^AxQiXXiav, kiy(o ö% xf^v ^agfiov^i d, diöxi jcokv xaxmxigGj iöxlv f^ jcgb xaikfjg xvgi- 
axij. fiii oiv ydvqxai igig, äkkä xa^b xak&g i%Bi^ yiyviö^fo' avxri yäg xal xotg 
* Pofiaiotg yiyQccxxai. ixiörifiilvaxB ovv xiiv ijtBöxakuBvip/, rovr' iöxl xijv xgb xgi&v 
Kakavd&v AngikkCtov^ xax' 'AkB^avögBlg dl xr^i Oagfiovd'v d. iggäfö^ai ifiäg iv xv- 
gimi B^xopiai, q>Ckoi xal iyaxr^xol iäsktpoi. 

Der 27. Phamenoth [23. März] war den Römern zn früh, d. h. er hatte das 
nach römischer Observanz unzulässige Mondalter XV. Daher war auf dem 
Concil der Occidentalen in Sardica das alexandrinische Osterdatum für 346 ver- 
worfen; dass Athanasius, der erst durch dies Concil einen discutabeln Rechts- 
anspruch axif Wiedereinsetzung erhielt, in einer solchen technischen Frage nach- 
gab, ist ebenso selbstverständlich wie charakteristisch für seine Situation. Die 
Vereinbarung die er mit den Occidentalen auf der Synode von Sardica 342*) 
traf, ist genauer angegeben im Kephalaion zu 343: iv UBgdix^i. 6v(i(payvücg xbqI 
xov Ttdöxa yBvo(iivrig 6wi^Bvxo Big XBvxijxovxa ixtj V^vxvva xd^iv xaxä xb Id^og Big 
xAvxa xÖTCov ini6ti(iavov6iv ^Poofialov xal AkBl^avdgBtg, Daraus folgt dass schon 
seit längerer Zeit der römische und der alexandrinische Bischof das Recht bean- 
spruchten den Termin vorzuschreiben, an welchem die Christenheit das Oster- 
fest zu feiern hatte, jener in der westlichen, dieser in der östlichen ReicBshälfte, 
dass aber dieser Anspruch bis 342 nur auf Gewohnheitsrecht beruhte und erst 
durch das occidentalische Concil Rechtskraft erlangte, wenigstens für den Occi- 
dent; im Orient lag die Sache anders, da Constantius die Beschlüsse der occi- 
dentalischen Synode nicht bestätigte. Es entspricht der traditionellen Politik 
der römischen und der alexandrinischen Päbste, dass sie sich mit einander verstän- 
digten um die Doppelherrschaft über die Oikumene sicher führen zu können; so 
wurde auch damals versucht die Discrepanzen, die sich aus der Verschiedenheit 
der alexandrinischen und römischen Osterregeln und Ostercyclen ergeben, durch 
gütliche Compromisse zu beseitigen: es war politisch und diplomatisch gedacht, 
wenn der Compromiss nur auf bestimmte Zeit geschlossen wurde. Da Athana- 
sius der schwächere Teil war, musste er die stärksten Concessionen machen. 
Es darf nun aber nicht vergessen werden dass die Abmachungen von Sardica, 
als sie getroffen wurden, für Alexandrien und den Orient nur auf dem Papier 
standen und im günstigsten Falle nur in den Gemeinden ausgeführt wurden, die • 
zu Athanasius hielten; nicht er, sondern Gregor war factisch und rechtlich 
Bischof von Alexandrien, und die Arianer sowie die Bischöfe welche dem Kaiser 
•Constantius keine Opposition machten, kümmerten sich um die occidentalische 

1) Ueber die Zeit des ConcOs von Sardica vgl. Nachr. 1904, 341. 

4* 



Digitized by 



Google 



28 E. 8CHWARTZ 

Synode von Sardica nicht. Als Athanasias 346 zarückkehrte, hielt er sieh 
natürlich an die Yerabredongen von Sardica, das zeigt das Jahr 349. Da die 
id nach dem alexandrinischen Cydos aaf Dienstag den 23. Pharmnthi [18. April] 
fiel, hätte Ostern am 28. Pharmuthi gefeiert werden müssen; die Tabelle ver- 
zeichnet den 30. Phamenoth [26. März]. Das Mondalter [XXI] war nicht in- 
correct, nm so schwerer aber der Verstoss gegen den Monat ; denn aus der con- 
seqnenten Constraction des Cyclns folgt zwingend, dass diese Feier nicht in den 
'ersten' Monat, den das Gesetz des A. T. ausdrücklich verlangt, fällt, sondern 
in den letzten des vorhergehenden Jahres, wodurch der Greuel entsteht, dass 
in einem Jahr Ostern zweimal, im anderen gar nicht gefeiert wird. Das Ee- 
phalaion zu dem Jahre lautet: _ __ 

Xi^fig [passt nur auf das correcte Datum, den 28. Pharmuthi], ngb l KaXavd&v 
^AitgiXXi(oVy inaxtii i^ ^sä>v c [Epakte und Ferie führen natürlich auf den 28. 
Pharmuthi], Ivdixti&vog {;, iXX^ [es gieng also im ursprünglichen Text das cor- 
recte Datum vorher] inaiÖii ^PcofiatoL Tcccgriitiiöavto, iXsyov yäg xccQddoöiv i%Bi,v 
&xb nizQov tov &no6x6Xov fiii itsgäöcu tijv fifidgccv tiiv 0aQiiovd't x<: [21. April] 
firjäh zi^ 0a(i€va}d' Ä, tiiv xa v^g 6sXtivijg [das Mondalter des 30. Phamenoth = 
26. März], [bei Cureton p. 6 folgt eine leere Stelle von einer halben Zeile, ob 
nach der Handschrift oder nach Conjectur, giebt er nicht an] xgb ixtä KaXavd&v 
*AxQiXXi<ov usw. es folgen die Consuln und der Name des Praefecten. Falsch ist 
der Anschluss des factischen Datums mit seinem Mondalter an das Referat über 
die römische 'üeberlieferung' : dieses musste mit tiiv Oagfiov^i. xq schliessen und 
dann der Nachsatz zu iXX ixsiiij [} ft<^^ ^^^»^^ }H] folgen, etwa : &qi6^ Oa^Bvcad' 
X. Eine Lücke zwischen dem Mondalter und dem römischen Datum einzusetzen 
ist unmöglich. Am Anfang müsste statt des 30. Phamenoth der 28. Pharmuthi ange- 
geben sein. 

So weit unsere Eenntniss reicht, ist im Jahr 349 zum letzten Mal das 
Osterfest in Alexandrien den Römern zu Grefallen verlegt; die Abmachungen 
von Sardica haben dort nicht länger vorgehalten. Daran trägt die Hauptschuld die 
neue Vertreibung des Athanasius im Jahr 356 und die gänzliche Verschiebung 
der kirchlichen Verhältnisse, die durch die Alleinherrschaft des Constantius 
herbeigeführt wurde. Das Einzelne lässt sich erst erörtern, wenn die römischen 
Observanzen und Cyclen klargelegt sind. 

Aus den Concessionen die Athanasius den Römern machte, ergiebt sich, dass 
zu seiner Zeit der alexandrinische Patriarch in der Enneakaidekaeteris nichts 
anderes sah als eiu technisches Hilfsmittel dessen er sich bei der Bestimmung 
des Ostertermins gewohnheitsmässig zu bedienen hatte; rechtlich war er nicht 
daran gebunden und konnte sich von ihm emancipiren, wenn G-ründe denen er 
Wichtigkeit beimass, seiner stricten Anwendung im Wege standen. Diese 
Rechtslage wurde verändert, als Theophilus zwischen 388 und 395 seine hun- 
dertjährige Tabelle publicirte, in der die Osterfeste ausnahmslos nach dem 
alexandrinischen Cyclus berechnet waren. Man darf die Ostertafel die ein 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTBRTAPELN 29 

alexandrinißcher Patriarch dem Kaiser dedizirt, nicht mit dem Elaborat eines 
beliebigen Compntisten auf eine Linie stellen: eine solche Veröffentlichung be- 
deutet eine politische Action. Theophilus wollte die alexandrinische Observanz 
zum Gesetz erheben, das ihn des Zwanges enthob sich mit dem Pabst in Rom 
zu verständigen; er hoffte den Kaiser für sich zu gewinnen und dahin zu bringen 
dass er die von ihm entworfene Ostertafel auch dem Occident auf octroyirte : 
glückte es ihm, so zeigte sich an jedem Osterfest, dass das Regiment über die 
Christenheit ausschliesslich am Nil lag. Theophilus und Cyrill sind die alexan- 
drinischen Päbste gewesen, deren zügellosem Ehrgeiz die Weltherrschaft noch 
gerade genügte. Der Kaiser ging nicht mit: der Occident behielt die Freiheit 
seiner Observanz und Rom hat sich, so schlecht und unvollkommen, dank der 
occidentalischen Ignoranz, seine Waffen waren, gegen die 'Aegypter' mannhaft 
gewehrt; denn die Bestimmung des Osterfestes war ein Symbol der Herrschaft 
Im Orient galt Theophüus Tafel und der Cyclus der sie überdauerte, unbedingt; 
nur Secten widerstrebten, und der gefährlichste Gegner, der alte und eigentüm- 
liche Usus der antiochenischen Kirche, hatte längst, schon durch die Concile von 
Nicaea und Antiochien, den Rechtsboden verloren. 



n 

Der römische 112jährige Cyclus 
Der erste Versuch die christliche Kirche durch einen der Osterberechnung 
angepassten Mondcyclus von der Paschafeier der Synagoge unabhängig zu 
machen, begegnet in Rom, in der Sondergemeinde die der nicht sonderlich be- 
gabte, aber unternehmende und schreiblnstige Bischof Hippolyt im Gregensatz 
zum Pabst Kallistus um sich gesammelt hatte. Seine Gemeinde schätzte seine 
Erfindung so, dass sie seine Ostertafel auf der Basis seiner Statue eingraben 
liess, und so ist ihr Andenken erhalten; im praktischen Gebrauch erwies sie 
sich freilich nur zu rasch als nicht lebensfähig. Hippolyt gehört noch der Pe- 
riode an, in welcher die römische Christengemeinde fast eine griechisch-orienta- 
lische Enclave in dem Centrum der lateinischen Cultur genannt werden konnte; 
er schreibt griechisch und bezieht sein Wissen aus dem Osten. Wie sein chro- 
nologisches System, so mnss auch seine Paschaltafel von dort stammen; so thö- 
rieht der bei ihm zuerst auftauchende Gedanke ist die Pascha des A. und N. T. 
nach den Mondcyclen berechnen zu wollen, die die Christen aus diesen und 
jenen Winkeln heidnischer Kalenderwissenschaft hervorholten, es war doch 
ein Gedanke der die Erfindungskraft des sehr receptiv veranlagten Bi- 
schofs überstieg. Da ferner noch zur Zeit des grossen Dionysius in 
Aeg3^ten die Oktaeteris im Gebrauch war, so ist die Vermuthung schwer abzu- 
weisen, dass Hippolyt die Grundlagen seiner Berechnung von Alexandrien em- 



Digitized by 



Google 



30 E. SCHWARTZ 

pfangen hat; die Ausgestaltung im Einzelnen wird ihm angehören, wie ja auch 
die Regel über das Mondalter nicht alexandrinisch ist. 

Die Ostertafel Hippolyts zerfällt in zwei Tabellen, die auf der Statue ge- 
sondert stehen, die der t€66aQi6xatd€xdtcci und die der Ostersonntage. Der 
Mondcydus beruht auf der Annahme dass 8 julianische Jahre = 2922 Tagen 
mit 8 Mondjahren = 2832 Tagen + 3 Schaltmonaten = 90 Tagen geglichen 
werden könnten. In diesem Cyclus, der nur Mondjahre von 354 und 384 Tagen 
kennt, wird der julianische Schalttag in der Rechnung nicht bilancirt, was 
ebenso unbequem wie chronologisch verkehrt ist; denn der durchschnittliche sy- 
nodische Monat beträgt in dieser Oktaeteris nur 29 Tage 12^ 21.7°, und der 
Fehler ist so gross, dass er schon in 6 Jahren einen ganzen Tag übersteigt. 
Wäre der Cyclus richtig, so müssten in 112 Jahren [= 4 Sonnenzirkeln zu 
28 Jahren = 14 Oktaeteriden] die Ostersonntage wiederkehren: eine kurze 
Osterperiode blieb das Ziel der Römer, auch als sie auf die Hippolyts ver- 
zichten mussten, und es hat Jahrhunderte gedauert, bis sie sich an die 532 jährige 
der Alexandriner gewöhnten. Wenn Hippolyt seine Tafel der tsööccgsöxaLdexatcu 
nicht nach Oktaeteriden ordnete, sondern nach sedecennitates, so geschah das, 
weil deren Wochentage bei dieser Anordnung in der Querreihe aufeinander 
folgen: Epakten des Mondes und der Sonne giebt es in dieser primitiven Oster- 
rechnung nicht. Der Cyclus beginnt mit dem Vollmond 13. April 222; die Ein- 
stellung des Cyclus ist dem Bischof geglückt, wohl durch die Hülfe eines C/ioZ- 
daeus: die Phase trat wirklich am 13. April 11^ 2.4" Morgens [mittlere Zeit 
von Grreenwich] ein. 

Die Ostergrenze ist der 18. März, das julianische Datum für den Eintritt 
der Sonne in das Zeichen des Widders. Es ist ebenso zu beachten, dass nicht 
das julianische Aequinoctium des 25. März genommen ist, wie dass die Oster- 
grenze früher fällt als in den alexandrinischen Cyclen, sowohl in dem des Ana- 
tolius wie in seiner kanonisch gewordenen Modification. Denn auch diese Gre- 
wöhnung wirkt in den späteren römischen Cyclen lange fort; die frühe Oster- 
grenze ist femer, wie sich noch herausstellen wird, ein Rest der jüdischen 
Ostertermine, die im zweiten Jahrhundert auch in Rom gegolten haben müssen. 

Vergleicht man die Vollmonde des hippolyteischen Cyclus mit den Oster- 
sonntagen, so stellt sich heraus, dass die Regel die Hippolyt an die Spitze seines 
Cyclus stellt, *das Fasten zu brechen, wenn der Sonntag eintritt*, in Rom nicht 
dasselbe bedeutet wie in Alexandrien. Fällt nämlich die XIV lunae auf einen 
Samstag, so wird Ostern in Rom nicht am unmittelbar darauf folgenden Sonn- 
tag, sondern erst nach 8 Tagen gefeiert ; die correcten Mondalter sind hier nicht 
XV — XXI, sondern XVI — XXII. Diese Regel ist nicht von Hippolyt erfunden, 
sondern alt, ebenso alt wie die alexandrinische, die die XV lunae für correct 
erklärt. Weil das Mondalter des Ostersonntags nur durch Rechnung gefunden 
wird und ein Verstoss dagegen nicht so evident zum Bewusstsein kommt wie 
ein ungewohntes Kalenderdatom, ist sie im Praktischen sehr oft verletzt, wenn 
der römische Pabst dem alexandrinischen oder dem Kaiser einen Gefallen thun 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 31 

wollte oder musste; das Priscip ist zäh festgehalten und erst geopfert, als die 
Carie anfhörte in der Anerkennung des alexandrinischen Cyclns eine Schmä- 
lernng ihrer Hoheitsrechte zu sehen, vielmehr diesen als Waffe gebrauchte um 
ihre eigene Macht auszubreiten. Es kann nicht eindringlich genug vor dem Irr- 
thum gewarnt werden, als hätte man in Rom jemals, so lange es eine besondere 
römische Osterberechnung gab, an dem Satz gezweifelt^ dass am Ostersonntag 
der Mond jünger als 16 Tage sein dürfte, oder gar die Mondalter XIV — '^^ 
für kanonisch gehalten. Der Cyclus Hippolyts und der s. g. 84jährige, den die 
Bömer auf dem Concil von Sardica 342 ins Feld führten, sind total von 
einander verschieden: wenn sie beide die XVI lunae für das christliche 
Pascha fordern, so ist das, denk ich, der stärkste Beweis für die Lebenskraft 
dieses Princips. Im Jahr 414 fiel die alexandrinische i8 auf Samstag den 25. 
Phamenoth [21. März], Ostern also axif den 26. Phamenoth [22. März] lunae XV. 
Dasselbe Datum ergab der römische 84jährige Cyclus, noch dazu mit dem für 
Rom nothwendigen Mondalter XVI. Trotzdem gerieth der Pabst Innocenz in 
Unruhe, weil vielleicht der Mond noch nicht ganz 16 Tage alt sei^): er hat 
natürlich den Mond nicht observirt, sondern in Theophilus Tabelle das bedenk- 
liche Mondalter gefunden, und dieser Tabelle, nicht ohne Grund, eine grossere 
Genauigkeit zugetraut als den römischen. Man ersieht daraus wie tief den Römern 
diese Regel im Blut sass; zugleich erklärt dieser Scrupel des Pabstes Innocenz 
die Notiz der alexandrinischen Ostertafel zum Jahr 360. Die alexandrinische 
fcd, Samstag der 12. Pharmuthi [7. April], verlangte den 13. Pharmuthi mit dem 
Mondalter XY. um ihn den Römern acceptabler zu machen, legte man 2 Stunden 
zu, als habe an dem Tage der 16. Tag des Mondmonats schon begonnen^: es 
nützte freilich nichts, denn die Römer feierten nach ihrem Cyclus Ostern 8 Tage 
später. Im Cölner Prolog zum 84jährigen Cyclus heisst es [p. 232 Erusch]: 
cuius obseruantia perenni uoto per singulos dies uicibus cangruis a nobis celebranda 
Jioc ordine siue disposüione td ki tres dies sacratis^imi qui trinitalis grcUia sandificati 
sunty passio, requies et resurredio habeant singulos sibi adscriptas lunae ebdaniadaSf 
passio a XIIII luna usque ad XXmam, requies a XV luna, in qua azema, usque 
ad XXI, resurredio, noui fermenti ingressiOf a XVI luna usque ad XXII; im Pro- 
log zur Ostertafel von 354 — 437 [Chron. min. 1,740]: dies etiam cena purae ne 
ante luna XIIII incurrat uel säbbati dies post luna uicesima prima. Ganz klar 
spricht Victorius im Prolog zu seinem Cnrsus pa^chalis [Chron. min. 1 , 679] : cuius 
luna quarta dednia^ si feria sexta prouenerit, subsequens dcnninica, id est luna sexfa 



1) Brief des Innocenz bei Mansi t. ^, 1049 hos ergo liiteraa de ratione paschali alierius, dico 
futwri, amn praescripei, nam cum ante diem XI KaJendarum AprÜiutn paene luna X VI coUigaiur, 
nam quidpiam minus est, itemque cum in a. d, IUI Kalendarum earundem ueniat XXIII, existi- 
maui XI Kalendarum memoratarum die festa paschalia celebranda, quoniam in XXIII luna nullum 
pascha unquam ante [piischa] factum esse cognoscimus. Vgl. Erusch Studien 83 f., der die Stelle richtig 
erklärt hat; nur hätte er das thörichte Gerede des Cardinais Norisius bei Seite lassen sollen. Der 
wahre Vollmond trat im Jahr 414 am 22. März Ih 26. 4^ Mittags mittlerer Zeit von Greenwich ein. 
2) Die Phase fand factisch am 9. April 4^ 48™ Morgens mittlerer Zeit von Greenwich statt. 



Digitized by 



Google 



32 K. SCHWABTZ 

decima, festiuüati pascJudi &ine ambiguo deputetur. sin autem die sahbcäi plenilunium 
esse coniigerit et continenti dominico luna quinta decima reperiri, eadem hebdomade 
transmissa in alterum diem dominicum, id est luna uicesima secunda, transferri de- 
bere pascha dixerunt (Ibc. Latini) nee minus eiusdem dominicae, quam peragendo 
mysterio destinarent, quam sextam decimam neque amplius quam uicensimam et se- 
cundam lunam aliquando recipiunt, eligentes potius in uicensimam et secundam lunam 
diem festi paschalis extendi quam dominicam passionem ante lunam quartam decimam 
tUla tenus inchoari. Wenn irgendwo, so ist hier die Tradition dauerhaft and ununter- 
brochen gewesen. 

Wie es meist bei rituellen Regeln zu gehn pflegt, so auch bei dieser: es 
ist leichter sie zu constatiren als ihren historischen G-rund zu entdecken. Es 
liegt nahe die Vorschrift Ostersonntag nicht vor der XVI lunae zu feiern mit 
der Passionsgeschichte des vierten Evangeliums zusammenzubringen, die in der 
Symbolik gipfelt, dass Jesus als das wahre Paschalamm am Paschatage ge- 
kreuzigt ist; daraus folgt von selbst, dass die Auferstehung auf Sonntag den 
16. Nisan fällt. Obgleich es nichts nützen wird, will ich leichtsinnige Leute 
davor warnen dass sie dies Zusanmientreffen benutzen um dem Verfasser des 
vierten Evangeliums eine Achtung vor der echten TJeberlieferung zu vindiciren, 
auf die er nicht den geringsten Anspruch erhebt. Noch in der Mitte des 2. Jahr- 
hunderts hat ein römischer Kleriker, der nicht Marcionit oder G-nostiker war, 
die Echtheit des vierten Evangeliums bestritten, weil es den Synoptikern wider- 
spräche^); und der Widerspruch in den es durch die Umdatirung des Todes 
Jesu mit den Synoptikern geräth, ist, wie bekannt, einer der allerschlimmsten. 
Es wäre sehr merkwürdig, wenn man grade in Kom sich in einem wichtigen 
Festbrauch nach diesem Evangelium gerichtet hätte, und noch dazu nach einer 
Stelle die dem Widerspruch so ausgesetzt war. Die Römer haben sich auch in 
späterer Zeit wohl gehütet ihre Regel gegen die Alexandriner durch Berufung 
auf den Jünger den der Herr lieb hatte, zu verteidigen. Im Gegenteil, die 
Zeitzer Ostertafel und der cölner Prolog des 84jährigen Cyclus setzen trotz 
dem römischen Usus, trotz dem Evangelium Johannis, an dessen Authentie im 
5. Jahrhundert kein Mensch zweifelte, die Passion axif die XF, die Auferstehung 
axif die XVII lunae [Krusch, Stud. z. mittelalt. Chronol. 120J. Das könnte 
alexandrinischer Einfluss sein. Meinetwegen, obgleich es immer sonderbar bleibt, 
dass zwei Documente der römischen Observanz die Theorie der Alexandriner 
unbefangen abschreiben und ihre Praxis bekämpfen; man müsste mindestens aus 
dieser Thatsache schliessen dass die römische Earche damals darauf verzichtete 
ihre Regel aus dem vierten Evangelium abzuleiten. Aber der directe Nachtreter 
Hippolyts, der Computist von 243, der mit Alexandrien nichts zu schaffen hat, 
setzt ebenfalls anstandslos die Passion auf die XF und die Auferstehung auf 
die XVII lunae % obgleich er die römische Regel streng beobachtet. Wer die 

1) Abhdlg VU 5, p. SO ff. 

2) [Cypr.] de pascha comp. 21 dominus noster lesus . . passus est luna XV et requieuü in 
corde terrae XF/, tertio autem die luna XVII intienta excussus est ab inferis de terrae fundamentis. 



Digitized by 



Google 



CHRI8TUCHK UND JÜDISCHE OSTBRTaFBLN 33 

Frage im Ganzen betrachtet, mnss es unbegreiflich finden, dass die römische 
Kirche, im G-egensatz zu der gesammten Christenheit, ihre Paschafeier nach dem 
Bericht eines EvaDgeliums orientirt haben sollte. So verschieden die Observanzen 
sind, in einem Punkt treöen sie alle zusammen, dass sie an das jüdische Pascha 
anknüpfen. Bei den Quartodecimanem bedarf das keines Beweises, ebenso wenig 
bei dem Gebrauch Ostern am Sonntag nach dem jüdischen Pascha zu feiern. 
Dass die alexandrinische Sitte sich streng nach dem A. T. richten will und die 
Passionsdaten ignorirt, ist schon gesagt. Uralt ist die irische Praxis, einen Oster- 
sonntag mit dem Mondalter XIV zuzulassen: sie widerspricht dem Pascha des 
A. T., erklärt sich aber leicht aus ihm; mit den Auferstehungsgeschichten der 
Evangelien ist sie auf keine Weise zusammenzubringen. Die Montanisten die 
urchristliches festhalten wollten, identificirten den 14. Nisan mit dem 14. des 
7. asiatischen Monats, sahen also im christlichen Pascha eine Erneuerung des 
jüdischen, nichts anderes. Andere Secten legten Ostern auf das Aequinoctium, 
weil schon nach jüdischer Theorie der *erste Monat* durch die Frühlingsnacht- 
gleiche bestimmt wird. So geht es durch ; die römische Kirche hätte, ganz gegen 
ihre Gewohnheit, revolutionär gehandelt, wenn sie mit einem Schlage, ohne sich 
um die jüdischen Bestimmungen über das Pascha zu kümmern, den Ostersonntag 
zu einem historischen Jahresfest der Auferstehung gemacht hätte. So halte ich 
es für gerathen vom Evangelium Johannis abzusehen und einen anderen Weg 
einzuschlagen. Der 16. Nisan, der zweite Tag der Azyma, hatte bei den Juden 
schon in verhältnissmässig alter Zeit eine besondere Bedeutung^). An ihm fand 
die Garbenschwinge statt und von ihm aus wurde die 60tägige Pfingstzeit ge- 
rechnet. Die Thora [Lev. 23, 11. 14. 16] nennt ihn rain mmM, den Tag nach 
dem Sabbat, und ursprünglich ist der Tag gemeint, der auf den ersten Sabbat 
der Mazzot, des Festes am Beginn der Ernte, folgt ; der siebente danach schliesst 
die Erntezeit. Das weist auf eine Zeit in der Pascha, Mazzot und Schabu'ot 
(Pfingsten) zwar durch den Monat und den Vollmond des Pascha im Allgemeinen 
bestimmt, aber noch nicht auf ein Monatsdatum fibdrt waren. Nachdem der 
Priestercodex das Pascha auf den 14., den ersten Tag der 'Ungesäuerten' auf 
den 15. Nisan gelegt hatte, machte die richtige Deutung von natDn nTHStt 
Schwierigkeiten, und man entschloss sich unter nDtDH den ersten Tag der 
Azyma zu verstehen: schon die LXX übersetzen wenigstens Lev. 23,11 t^t 
inavQiov tf^$ 7CQ6ti]g. Philo [de septen. 20. 2b] und Josephus [AI 3, 250. 252], die 
für den Gebrauch ihrer Zeit vollwichtige Zeugen sind, nennen den zweiten Tag 
der Azyma, den 16., den Tag der Garbenschwinge, von dem aus die Pfingst- 
wochen gezählt werden. In der altchristlichen Kirche leitet der Oster- 
sonntag die Pfingstzeit ein, die unter keinen Umständen etwas anderes ist als 
die christliche Umformung der Schabu'ot, und es ist jüdisch gedacht, wenn 
er axif die XVI lunae gelegt wird, weil bei den Juden mit dem 16. Nisan die 
nBvxrpco6xifi anfängt. Es ist also diese römische Regel kein Zeugniss für das 



1) Vgl. WelUiaxuen, Compos. d. Hexateach 169 ff. 

AbkudloagM d. K. G«c d. WiM. in OAMngeB. PliU.-1itot. Kl. N. F. Bud 8,t. 



Digitized by 



Google 



84 E. SCHWARTZ 

vierte Evangelium, sondern ein Ueberbleibsel aas der Zeit in der die römische 
Gemeinde dem Judentum noch so nahe stand wie der Römerbrief es in jeder 
Zeile predigt^). 

Wenn man die römische Regel über das Mondalter des Ostersonntags auf 
Hippolyts 112 jährigen Cyclus anwendet, so ergiebt sich, dass das früheste Oster- 
fest auf den 20. März, das späteste auf den 21. April fiel. Diese untere Grenze hat 
sich mit fast derselben Zähigkeit, obgleich hier der innere Grund fehlt, behauptet wie 
die Regel über die Mondalter; die sogenannte Ueberlieferung vom Apostel Petrus, auf 
die sich die Römer 342 auf dem Concil von Sardica beriefen, ist nichts anderes als 
eine Legende die sich aus dem spätesten Osterdatum Hippolyts entwickelt hat, 
umsomehr als der 84 jährige Cyclus diese untere Grenze übernahm. Es ist lustig 
zu sehn, wie eine für das alte Rom typische Eigenschaft, conservativer mit Un- 
wissenheit gepaarter Eigensinn, sich in das christliche hinübergerettet hat. 

Ich lege nunmehr Hippolyts Ostertafel vor, indem ich die modernen Da- 
tirnngen, die christlichen Jahre, sowie für die ersten 3 sedecenn'dates die Oster- 
sonntage aus der zweiten Tabelle hinzusetze. Mit EM bezeichnet Hippolyt das 
Jahr des Mondcyclus, in dem ein Schaltmonat [ffi/JöAtftog fti}v] eingelegt wird, 
cc bedeutet dlq ngb i? [= a. rf. bis VI Kai. MarL] und steht bei den julianischen 
Schaltjahren. Die griechischen Ziffern beziehen sich auf die Wochentage der 
tsööageöxaiäsxdxai ; die Notizen über die biblische Chronologie habe ich weg- 
gelassen. Die Tafel ist überschrieben: 

"Etovg a ßaöikeiag 'Ake^dvägov axftoxQatOQog iyiveto fi St tov %tt6%a EtÖoig 
UngsiXiaig öaßßdtfoi ifißoU^ov ^f^vog ysvofidvov iötai xotg i^^g iraöiv xa^aig 
inotitaxtai iv rSt mvaxi' iydvsto Öh iv totg naQmv%ri%66iv xa^cog 6e6ri(iBLaiTai 
[d. s. die Notizen über die biblische Chronologie]. iTCovi^ötit^cötai dh dal oi ctv 
ifiniöfiv xvQiaxi^. 

(Tabelle S. 86) 

Die biblische Chronologie Hippolyts auseinanderzuwickeln ist hier nicht der 
Ort; nur zwei von seinen Notaten müssen mit ein paar Worten besprochen 
werden. Er bemerkt zum 2. Jahr der ersten sedecennitas [223] ydvsöig Xqlötov^ 
zum letzten Jahr der zweiten sedecennitas [253] ndd^og Kgiötov, setzte also 
zwischen Kreuzigung und Empfängniss einen Zwischenraum von genau 30 luni- 
solaren Jahren. Das ist aus Luc. 3, 23 herausgesponnen ; der gleiche Zeitraum 
spielt auch in anderen Paschacyclen eine Rolle, wie sich noch herausstellen wird. 
Im Occident war das Datum der Passion der 25. März 29, die Frühlingsnacht- 
gleiche des IB. Jahres des Tiberius, das Luc. 3, 1 an die Hand gab ; der Tag 
war wirklich ein Freitag gewesen. Hippolyt sah natürlich eine glänzende Be- 
stätigung seines Cyclus darin dass nach ihm ein Vollmond auf diesen Tag fiel: 
denn der 25. März des Jahres 29 und der des Jahres 253 sind durch genau zwei 



1) In Rom heisst der Freitag cena pwra^ vgl. Schtirer, Zeitschr. f. neuteßtamentl. Wiss. 6, 7. 
Der Ausdruck dürfte von judaisirenden Heiden geprägt sein, die einzelne jüdische Gebräuche zeit- 
weilig mitmachten, am Sabbat nichts thaten und am Freitag Abend koscher asseo. 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHE UND JÜDIBOHS OSTEBTAFELN 



36 



1 jq^f 


00 


<» 


o 


^H 


a 


CO 


'^ »o 


CO 


l^ 


00 


o> 


o 


*-4 


CT 


CO 


^4 


^4 


(N 


CI 




(N (N 


CT 


CT 




CT 


CO 


CO 


00 




•PSUTJO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


9IJ8.4 


'^ 


w 


oq 


^ 


bq 


eq 


^ w 


^ 


'^ 


(aq 


^ 


^ 


hq 


^ 


^ 


•nr»f 


o 


o 


S 


o 


o 


g 


o o 


o 


^4 
1-4 


CT 


CO 

1-4 




kO 


CO 


1-4 


■psjjqo 


« 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


9119^ 


eq 


L^ 


t. 


OQ 


»> 


L. 


oq u- 


w 


eq 


u» 


hq 


oq 


L^ 


^ 


oq 


jquf 


CO 


r^ 




Ci 


o 


^ 


CM CO 


-^ 


o 


CD 


1^ 


CT) 


cn 


g 


^ 


00 


CO 


00 


CD 


o> 


Oi 


Oi 05 


Oi 


<Ji 


05 


Oi 


G5 


a> 


o 


■psHIO 


<N 


<N 


CM 


<N 


CM 


CM 


CM CM 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CO 


CO 


»"'.•I 


t^ 


SJ 


^ 


L. 


SJ 


^ 


l^ N 


t^ 


ts 


S) 


«> 


L. 


SJ 


u 


t^ 


jqef 


o 


1— t 


s 


CO 


"»t 

t^ 




CO t^ 


00 


C5 


s 


00 


00 


00 


s 


s 


•[^suqo 


<N 


<N 


<N 


<M 


(N 


CM 


CM CM 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


9U94 


^ 


^ 


w 


^ 


^ 


w 


^ ^ 


NJ 


^ 


^ 


KJ 


^ 


^ 


KJ 


^ 


^t 


t 


t 


1 


tl 


1 


t| 


t 


t 


1 


•-2 --2 

P< A 


1 


t 


1 


« s 


<5 


< 


>i 


< 


< 


s 


< S 


■< 


<J 


ä 


< 


< 


^ 


< 


S 


«i 


CO 

^4 


00 


S 


ei 


'^ 


^ 


CO 


S 


id 


s^ 


CO 

^4 


i-J 


CT 


ei 

•H 


S 


jq«f 


2 




CO 




00 


2 


S CO 


CT 

CO 


« 


s 


s 


CO 


CO 


00 
CO 


s 


•pswiO 


<M 


(N 


CM 


Cl 


CM 


CM 


CM CM 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


9IW,^ 


w 


QQ 


u 


Kl 


cq 


U 


bq pq 


JS_ 


(aq 


oq 


^ 


w 


oq 


^ 


w 


k^ 


PU PU 


1 


•-2 ^ 

P4 P. 


1 


t| 


t 


t 


1 


t 


1 


1 


P< 


1 


1 g 


< 


< 


s 


< 


< 


53 


< ^ 


< 


< 


^ 


< 


a 


1^ 


< 


S 


og 


kO 


t^ 


s 


1-H 


CO 


5P 


f^ ö 


a> 


'^ii 


CO 


\a 


^ 


cd 


^ 


t^ 




»H 




Ol 


fH 




CM 


CO 






CT 




CO 


CT 


^^ 


CT 


jq«f 


§ 


S 


5 


'^ 


i 


SS 


3 S 


5g 




5 


5 


s 


1-H 

kO 


s 


CO 
kO 


nspqa 


Cl 


^ 


CT 


CM 


CM CT 


CT 


cq 


CT 


CT 


CT 


CT 


(S 


CT 


eu8.^ 


1/ 


t, 


t^ 


1/ 


ts 


NI 


^ k 


pq 


u 


t, 


eq 


t^ 


ts 


m 


XA 


st 


t 


t 


1 


1 


t 


1 


•'2 e 




1 tt 

1^ A O* 


1 


=2 

P< 


=2 


o-i 


<1 


<1 


>1 


-< 


<1 


^ 


< s 


< 


< 




^ 


< 


s 


<1 


< 


1-H 


CO 


2 


t^ 


CM 


td 


2 § 


od 


ö 


kd 


■^ 


cd 


CM 


O 


CT* 




Cl 




CM 


fH 




CM 


1-H 


f-H 


CT 






CT 






jq«f 


C4 


CO 


^ 


s 


CO 


r* 


22 ^ 


Q 


1-H 


CT 


00 


"^ 


kO 


CO 


t^ 






(M 




CM 


CM 


CT C« 




CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


CO 


•pguqO 


e« 


O« 


Ol 


CM 


CM 


CM 


CT CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


CT 


9U8^ 


N) 


^ 


^ 


SI 


^ 


'^ 


Sl ^ 


ts 


t^ 


^ 


ts 


t^ 


^ 


ts 


SI 








3 














1 


















w^ 














, 












•2 


< 

CO 

1-H 


< 

ei 




II 


1 

y 


00 

II 




t 

00 

f-H 


CT 

g 


CT 

II 

.1 


II 


II 


1 

00 

f-H 

n 


1 

kd 
ZK 


II 


1 


II 

2 


1 


lä 




II 




n 


1 


lä 


1 


•^ 


1 


1 


1 


s 


•i^ 


* 


^ 
tt 


a 


'S 


^ 


1^ 


.^ 


s^ 


f 


§ 


4 


A 


1 


« 




Ol 


i*o 


1^ 


1 « 


i*o 


15 


i^ip 


» 


i*o 


1^ 


1 «> 


i*o 


13 


? 


1 IT 




i 






1 


1 


j 


§ l'i 




1 


j 


1 


1 


i 


1 




§ 




» 


s 






« 


§ 




» 


§ 






« 





i-a^ 






M 



1^ 



Digitized by 



Google 



36 S. SOHWABTZ 

Osterperioden = 224 Jahren von einander getrennt. Es ist eine Nachwirkung 
des 112 jährigen Cyclns, wenn im B. Jahrhundert die Versuche den 84 jährigen 
Cyclus zu verbessern immer wieder sich dadurch empfehlen, dass sie an ein 
acceptables, unter Umständen durch verfälschte Rechnung erzwungenes Passions- 
datxmi anknüpfen. Von seinem Passionsdatum ging Hippolyt in seinem Cyclus 
30 Jabre rückwärts und kam somit für die yivBöig Xqi6xov auf den 2. April 
2 V. Chr. an. Bas Monatsdatum disharmonirt so völlig mit dem 2B. December, 
dass auch abgesehen davon dass, wie der Name zeigt, Hippolyt Empfängniss 
und Geburt identificirte, der Schlass unausweichlich ist, dass er das Weihnachts- 
datum und das Weihnachtsfest nicht gekannt hat. Useners Resultate sind durch 
den neugefundenen Danielcommentar nicht erschüttert; die Stelle an der der 
25. December vorzukommen scheint, beweist gegen die Ueberlieferung der Statue 
nichts und ist interpolirt *). Von einer wissenschaftlichen Entwicklung Hippoly ts 
zu reden ist ein Dilettantenstreich der der Widerlegung nicht bedarf. 

Der erste Versuch Ostern nach dem 112 jährigen Cyclus zu berechnen, hätte 
von einer Wiederholung abschrecken sollen. Trotzdem ist schon an dem Cyclus 
Hippolyts mit demselben Mittel herumcurirt, wie es später, im 5. Jahrhundert, 
beim 84jährigen Cyclus geschah: man behielt die Construction des Cyclus bei 
und stellte nur seinen Anfangspunkt anders ein. Unter den Pseudocyprianea 
steht in den Ausgaben ein Computus de pascha *) der eine Ostertafel voraussetzt, 
die der Hippolyts mitsammt ihren groben Fehlern gleicht wie ein Ei dem andern; 
nur ist die erste XIV lunae nicht Samstag der 13. April, sondern Freitag der 
1. April. Das Jahr ergiebt sich aus der Notiz p. 268, 18 Hart. : a quo tempore^ 
id est a passione usque ad annum quintum Gordiani Arriano ei Papo consulibtiSy 
suppleti sunt CCXV, ab exodo autem omnes anni IDCCXCIIII. Die Schrift ist 
also 243 verfasst; der Cyclus beginnt ein Jahr früher, denn der 1. April fällt 
242 auf einen Freitag. Die Vollmonde Hippolyts sind einfach um 3 Tage vor- 
geschoben, womit übrigens nicht einmal für den Anfang dieses Cyclus der Fehler 
verbessert wird; der Vollmond des zweiten Jahres soll nach der Correctur auf 
den 21. März fallen, trat aber factisch erst am 23. März 5*^45.6" Nachmittags 
mittlerer Greenwicher Zeit ein. In Verlegenheit gerieth der Computist bei der 
hippolyteischen XIV lunae des 13. April: wenn er den 16. nahm, wurde der 
24. das späteste Osterdatum. Davor schreckte er zurück und machte lieber den 
17. März zur XIV lunae ; es ist zu beachten dass man im Occident lieber die 
frühere als die spätere Ostergrenze verschob. Nach den Angaben der Schrift 
lässt sich der pinax vollkommen reconstruiren. Er enthielt wie der Hippolyts 
7 sedecennitcUes'j an der Spitze, noch vor dem 1. Jahr der 1. sedecennitas^ stand 
das Schlussjahr der vorhergehenden 112 jährigen Periode, nach der biblischen 
Chronologie des Computisten das Jahr das in der Osterperiode dem Jahr des 
ersten alttestamentlichen Pascha entsprach. Ich lege die Tabelle, auf moderne 



1) Vgl. Abhdlg. Vn 5,88». 

2) Litteratar bei Harnack, Chronologie 2, 881 ff. 



Digitized by 



Google 



CHRI8TLICHB UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 37 

Daten reducirt xmd mit den JahreszaMen versehen, vor ^) ; für die ersten beiden 
sedecennUates füge ich znm Vergleich mit den hippolyteischen die Ostersonntage 
hinzu: 

(Tabelle S. 88) 

Die Erortemngen des Computisten über die biblische Chronologie sind ein 
vortrefflicher Commentar zn den lakonischen Notaten Hippolyts in der Oster- 
tafel ; natürlich mnssten in Folge der anderen Einstellung der Osterperiode auch 
die Faschafeste des Alten und des Neuen Testaments umgerechnet werden. Das 
Glanzstück des hippolyteischen Cyclus, die Coincidenz eines cyclischen Vollmondes 
mit Freitag dem 2B. März 29, war verloren gegangen: statt dessen wird das 
Pascha Christi auf Donnerstag den 8. April gelegt, das 11. Jahr der ersten 
sedecennitas, das dem Jahr 28 n. Chr. entspricht [p. 2B6, 18. 268, 18]. Die Passion 
fällt auf Freitag den 9. Aprü, XV lunae. Doch zieht der Computist selbst- 
verständlich die Consequenz nicht, darum mit den Alexandrinern die XV 
lunae für ein correctes Mondalter des Ostersonntags zu halten. Das Datum der 
natiuitas Christi^ d. h. der Empfängniss, nimmt er aus der 13. Zeüe [d. i. dem 
12. Jahr] der 6. sedecennüas [p. 266, 6J und erhält so Mittwoch den 28. März 
4 V. Chr. Das sieht er nun wieder als eine grosse Entdeckung an: Christus ist 
an dem Tage ins Fleisch gekommen, an dem Sonne und Mond geschaffen sind. 
Der 4. Wochentag war durch Gen. 1 gegeben; der 25. März ist das julianische 
Datum der Frühlingsnachtgleiche : dass aber die Welt am Aequinoctium geschafien 
sei, hatte der Computist in einer Osterberechnung vorgefunden, gegen die er an 



1) In der verlorenen Handschrift von Rheims stand am Schluss ein Pinax, den Hartel [p. 
269 £P.] aus der Oxforder Aasgabe hat abdrucken lassen. Die Zahlen sind nicht stark rerschrieben; 
nur die Columnen sind in Unordnung gerathen. Auszuscheiden ist zunächst eine Umsetzung der 
ersten 16 uersus (nicht anni) in eine Reihe von Epakten und Ferien, die ähnlich wie im 84 jährigen 
Cyclus auf den 1. Januar, so hier auf den 1. März gestellt sind. Der Abschnitt ist überschrieben 
Kl. Mari. l%ma et feria\ Erusch hat ihn Studien p. 189 emendirt und sich die Mühe gemacht die 
Rechnung durch den ganzen Cyclus fortzusetzen, obgleich sie dem Computisten fremd ist, der von 
Epakten nichts wissen will [p. 254, 1]. Die Liste der dominicae, die wie bei Hippolyt in die sede- 
cennitaU$ nicht aufgenommen sind, ist nur wenig verderbt: auf S. 269 stehen die der ersten 4 
uertus [für XVI kl Hart, ist zu lesen XIIII kl. itfoi.]; die Reihe auf S. 270 beginnt mit dem 
4. Jahr der 1. sedecennitM und läuft fort bis zum 15. Jahr der 7.; der Ostersonntag der den 
Cyclus schliesst, steht auf S. 269 an der Spitze. Die Tafel der XI F lunae mit den Ferien der 
1. sedecennüas unmittelbar dahinter findet sich auf S. 270 unter der üeberschrift Exodus-, es sind 
die ersten 16 uersus, also das Pascha der Exodus und {sedecennüas) I 1—15 (Jahr). Die Ferien 
I 16—11 8 stehen auf S. 269 links unten, daneben III 7—14; rechts oben II 9-16. III 1—6, dann 
ein falscher Einschub [feria VT], es folgen die Ferien VII 6—15. Die vierte Columne, am rechten 
Rand von S. 269, enthält die Ferien III 15—17 12. S. 270 oben stehen in 2 Columnen neben ein- 
ander die Ferien V 12- VI 3 und VI 16— VTI 7 [VII 6 und 7 sind falsch wiederholt]; unten, 
ebenfalls in zwei Columnen neben einander, die Ferien FV 13—16. V 1 — 11 und VI 1 — 15 [VI 
1 — 3 sind falsch wiederholt]. Das Original gab also zunächst VII 16. I 1—15 mit den Daten; 
dann I 16— VII 15 in zwei Columnen von je 48 Zeilen : dem Sinn des Computisten entspricht diese 
vereinfachte Anordnung nicht. 



Digitized by 



Google 



88 



E. SOHWABTZ 



^ 3 ^ S g S a >^ § S ^ ^ < 5 s a « 






5 SS' 5 

pr 9" p* 

?» I • 

a to S: S 
ä jg - {»■ 

N 



O ^ ,. ,. 

5 S 5 B 
5 ' 5 S 






lo B lo ►- !* 

OD O* I— • 

g 00 2 ^ ^ 

S= t> ff 3: S: 



I-» 2 o» 



6 o 

B B 

? ? 

^ 00 



g- o 6 

S i B 

. P B 

B hD K- 



sr 



g g » ß ^ 

8- ^ j> B- £ 



& 

S- 

8» 

w 

H 

O 

s 



►H 


S 


<1 


< 


H- 1 


< 


< 


HN 


^ 


;3 


H4 


E ;3 


a 




;3 


p 








fco 

Ol 

1^ 


to 

Ol 
09 


to 

g 


h9 


i 


i 


i 


^ 


ig 




CO 


i 


1 




p 


?> 


CO 


CO 


»— 


^ 


M 


1— • 


^ 


1^ 


» ? 




« 


CO 


r— 1 
00 









tOlOtOtOlOtOtOhOhSfcOtOfcOfcOlOfcOtO 

"^r^'^"^o>OiOi05oao50iO>o>Äc>ic;» 

COfcOl— OCDOO 



cofcOi-iocooD-^OJC;«^ — .^ 



lO CO 

O h- «o 



s 



K-fcO H^fcOH^fcOtOi-^fcO 

tDt^00OJ^tOCOi-»C?»^ 









IO(OIOt3tOfcOU>fcOtOfcOfcOtOfcOtO 

O00DODODOD0DO0O0O0Ä-^<l-a*l 
' ~~-^*0C|0^OC00D-a05 



«o 00 ^ C5 c;« »^ 



tO »9 



2s5:: = 2^Bg;ääa^^E 



o o ö ö ö ö 

Ci »fk CO lO H- o 



CO CO CO CO lO 

O O O Q CO _ _ 

'- '- ^ CO OD ^ 



g § ^ 



gfcO t3 KP 
CO CO CO 
- »1 >(*. CO IC 



to lO 

2 8 



= ^ - = 



-k<'-s^;5k<^ 



< a 



cococococococococococococococo 

-'OcOOO^a)C;it4^COt9i-iOCOGO<^ 



EEg-5^-Eä-S<i-E<- 



cocococococococococococococccoco 

COCOCOCOCOCOCOCOlOfcOfcOfcOtCltOfcOfcO 
<10)C7vi^COIOw^OC000^0dC7«i^C0fc0 






CO CO CO CO CO 
Ol Oi Ol O} 1^ 
00 feO 1-^ O CO 



C0C0C0C003C0C0C0C0C0C0 



annn8 



< 

D 

s 



Ferie 



& 



S ö 



Ferie 



& 



o O 

g I 

0^ 



Ferie 






Ferie 



Ferie 



>1 



Ferie 



Ferie 



1 



Digitized by 



Google 



CHBISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 89 

mehr als an einer Stelle polemisirt. Es lohnt sich, diese Polemik etwas schärfer 
anzusehen. 

p. 261,11 qui [der 1. Tag der Welt, also im vollen Wortsinn der 1. Tag 
des 1. Monats] nunc cmnjyrehendititr esse VIII KL April. [25. März], a quo die 
cwnpidantes aliqui ex nobis, qui priores uoluerunt hunc mensem nouam ostendere et 
ipsos [ipso Hss.] XI III luna inuenta dies paschae secundum ludaeos [d. h. die den 
Forderungen des Gesetzes entsprechende XIV lunae^ aus der der Ostersonntag zu 
berechnen ist] demonstrare^ dixerunt eundein mensem ah Id, Martii [15. März] incipere 
et in diem Id, April, [13. April] consumtnare et sie impegerunt, ac propterea ipsos dies 
XXX quanmis rede diuiserint in XI et XVIIII^ tindecim scilicet in communi anno 
retrorsum camputantes et ad Idus Martii peruenienteSy decem et nouem in priorem 
illum anmmi, quo embolismus incurrit^ immittentes et usque ad idus April, deue- 
nientes, in hoc errauerunt^ ut dixij cum uere primum dietn noid mensis compreJiendere 
non potuerunt. 

Der Compntist führt nunmehr aus dass Sonne und Mond nicht am 25., 
sondern am 28. März geschaffen seien, dieser Tag also der Osterberechnung zu 
Grunde gelegt werden müsse. Im zweiten Mondjahr entspricht dem 28. März 
der 17.; das ist das früheste Vollmondsdatum das er zulässt. Es versteht sich 
von selbst, dass er zu dieser Grenze aus technischen Gründen gekommen ist und 
das biblische Raisonnement, weil es zufällig paßte, nachträglich angeklebt hat: 
von allen wohlfeilen Gründen sind die der biblischen Scholastik die wohlfeilsten. 
Der Cyclus den er bekämpfte, basirte die Berechnung des Frühlingsvollmonds 
in sehr eigenthümlicher Weise auf das julianische Aequinoctialdatum. Es war 
nicht Grenze, sondern die Grenzen waren so gelegt, dass sie nach vom um die 
Differenz zweier Mondepakten = 11, nach hinten um die 19 Tage um die im 
Mondschaltjahr die gleiche Mondphase gegen das Vorjahr vorrückt, von dem 
Aequinoctium abstanden. Zweierlei ist zu beachten : erstens dass dieser Cyclus die 
Ostergrenze bis zum 15. März vorschiebt, also den 17. März als frühesten Oster- 
sonntag gehabt haben muss, zweitens dass die Grenze des 21. April genau 
respectirt ist: denn wenn die späteste XIV lunae der 13. April ist. muss 
das späteste Osterdatum nach den römischen Regeln über das Mondalter der 
21. April sein. Mit dem Cyclus Hippolyts hat dieser augenscheinlich nichts zu 
schaffen. 

An einer anderen Stelle, wo der Compntist das falsche Princip auseinander- 
setzt, dass der julianische Schalttag das Monddatum nicht um 11, sondern um 
12 Tage gegen das Vorjahr zurückschiebt, wendet er sich gegen eine Rechnung nach 
den Mondepakten, d. h. gegen das oben beim alexandrinischen Cyclus entwickelte 
Princip, nach welchem das dem julianischen Schaltjahr entsprechende Mondjahr 
zu 355 oder 386 Tagen gerechnet wurde, so dass die Epakte, vom saltus lunae 
abgesehen, immer um 11 steigt [p. 253,24]: 

hac üaque ratione non sua, sed dei sapientia instructi Hebraei circa cursum 
lunae iuxta regulam primam Crraecorum more Äegyptiorum [d. h. sie zählten den 



Digitized by 



Google 



40 E. SGHWARTZ 

Schalttag mit] et non secundum epactas lunares [bei denen der Schalttag nicht 
mitgezählt wird] etc. 

Daraas darf man schließen dass jener Cyclns dessen XIV lunae sich zwischen 
dem 16. März und 13. April hin und her bewegten, nach Epakten rechnete und 
den Schalttag in ähnlicher Weise, wie die Alexandriner, bilancirte. Das ist 
aber die Weise des 84 jährigen Cyclns. Dem echten und ursprünglichen 84 jährigen 
Cyclus sind auch jene Grenzen eigenthümlich, die freilich schon im 4. Jahr- 
hundert um des Ausgleichs mit Alexandrien willen verwischt sind. Der Com- 
putist von 243 hat ihn noch in seiner reinen Gestalt gekannt: er hat sich in 
absurder Weise bemüht durch eine im Grunde nicht verbesserte neue Auflage 
des hippolyteischen Cyclus die neue und im Vergleich zu diesem unleugbar 
bessere Rechnung aus dem Felde zu schlagen. Ob dieser Versuch jemals einen 
praktischen Erfolg gehabt hat, ist unbekannt; wenn er überhaupt einmal ge- 
braucht ist, muss sich seine Fehlerhaftigkeit ebenso rasch herausgestellt haben 
wie bei dem Hippolyts. Wo der Computist geschrieben hat, weiss ich nicht. 



m 

Der römische 84jährige Cyclus 

Der 84 jährige Cyclus der Römer, dessen Darstellung van Hagen und Ideler 
missglückt war» ist der wissenschaftlichen Behandlung erschlossen durch 
das, von mir schon öfter citirte, Buch von Krusch 'Studien zur christlich- 
mittelalterlichen Chronologie. Der 84 jährige Ostercyclus und seine Quellen*. 
E^rusch hat ein reiches handschriftliches Material herangebracht, störende 
Fälschungen weggeräumt, und die oft dunkle und barbarische Rede der lateini- 
schen Computisten mit glänzendem Scharfsinn interpretiert. Gerade weil er das 
Fundament mit musterhafter Solidität gelegt hat, kann der Bau über das was 
er begonnen, hinausgeführt werden. 

Wie in Alexandrien, so gab es auch in Rom zwei Arten von Ostertafeln *) ; 
die Listen der wirklich gefeierten Osterfeste und die cyclisch berechneten 
Tabellen, bei denen aber zu bedenken ist dass sie regelmässig — wie die 
alexandrinischen auch — einige Jahre früher anfangen, als sie abgefasst sind. 
Mit der Passion einzusetzen ist eine Unsitte die erst im 5. Jahrhundert auf- 
gekommen ist. 



1) Beide werden von Pabst Leo in dem Brief erwähnt, den er am 9. Jannar 454 an den 
Bischof Julian über das Osterfest von 455 richtete [Krusch, Studien p. 262] : nam m nostna anna- 
l%bu8 XV Kl Maias dies [17. April] apertisgime a ptxtribus nostris et consUMue legüur et 
celebratus. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHB ÜKD JÜDISOHfi OSTBBTAFELN 41 

Eine hundertjährige Liste der Osterfeste, die in Rom von 312 — 411 gefeiert' 
sind, ist im sogenannten Chronographen von 364 erhalten [Chron. min. 1,62 ff.]. 
Sie war in dem ursprünglichen Kalender natürlich nar bis 364 geführt, ist aber 
dann fortgesetzt. Die beigeschriebenen Consolate sind von 368 an verwirrt, da- 
gegen folgen sich die Osterdaten regelrecht und lückenlos. Verschreibnngen der 
Zahlen sind häufig in allen Teilen der Liste; die Fehler sind aber meist leicht 
und evident zu corrigiren: wenn wenige schwierige Fälle übrig bleiben, so ist 
das kein Grund das einzige Document zu verdächtigen. Jeder cyclische Apparat, 
XIV hmae, Epakte, Ferie fehlt, ein schwer wiegendes Indiz dafür dass die 
Liste nicht berechnet ist. Es ist für einzelne Teile oft behauptet, aber nie be- 
wiesen dass die Ostertage construirt seien: mir hat sich die historische Zuver- 
lässigkeit der Daten immer wieder bewährt. 

Die Existenz einer Tabelle von Osterfesten, die nach dem 84jährigen Cyclus 
im Voraus berechnet waren, ist für das 6. Jahrhundert bezeugt durch den 
Brief des Paschasinus an Pabst Leo über das controverse Osterdatum des Jahres 
444 [Krusch, Studien 248]: warn cum Maniana supputoHa, quae cyclo ooncludüur, 
cuius ipse de quo agitur, erit annm [444] sexagesimus tertiuSj qui coepü consulatu 
Antonü et Syagri [382], ndbis dubietatem afferret, eo quod septimo Kcdendarum 
AprUium [26. März] dies dominica et luna XXI incurreret et iterum nono Kalen- 
darum Maiarum die [23. April], ut rel ueritas habet [d. h. der alexandrinische 
Cydus], dominica dies et luna XVIIII obueniretj in hoc ambiguo fluctuantes, ad 
Bebraeorumy hoc est legalem ^ supputationem [d. h. die rsööaQSöxacSsKccrai des 
alexandrinischen Cyclus ; ihr Anspruch genau nach den Vorschriften des A. T. 
berechnet zu sein, wird anerkannt] tws conuertimus^ quae cum a Eomanis ignoratur, 
facile ef rarem incurrunt. Dieser liomana suppututio entspricht am genauesten die 
Ostertafel, die in dem Prolog des im Cod. Regln. 2077 erhaltenen Paschalcyclus 
[Chron. min. 1,740] beschrieben wird: 

ideo in laterculum siue in uolumen quae minus [diese beiden Worte sind ver- 
dorben] iuxta conputem liomanorum eas ordina>tum, cuius ratio infra scripta est ex 
die Kalendarum lammriarum Antonio et Syagrio consulibus [382], quas Kalendue 
lanuaria^ fuerunt die sabbati luna prima, qui annus in cyclo octogenario et quaier- 
nario primus est, qui cyclus diuisus per Septem duodecenniorum ordines digestusqiie 
[diijestus quae Hs.] per annos singulos hoc continet: Kalendae lanuariae qua die uel 
[= und] quota luna sit, azyma [d. i. die XIV lunae] etiam quotus Kalendas uel 
Nonas u^l Idus agcUur, pascha quoqiAC suo tempore quotu Kalendas^ Nonas uel Idus 
uel quota luna die semper dominica celebretur. 

Der Cyclus enthielt also für 84 Jahre 1) Ferie und Mondalter des 1. Januar 
zur Bestimmung der XIV lunae und ihres Wochentags, 2) die XIV lunae selbst, 
3) die Ostersonntage mitsammt ihrem Mondalter. Er war in 7 Colunmen zu je 
12 Jahren angeordnet; man kann es mit Händen greifen wie der 7 x 12jährige 
Cyclus aus dem 7 x 16 jährigen Hippolyts hervorgegangen ist. In der Form 
in der er von dem citirten Prolog beschrieben wird, ist er verloren gegangen; 
denn die Ostertafel die im Cod. ßegin. 2077 auf den Prolog folgt, ist weder in 

Abhudltmgen d. K. Gee. d. Wiw. so GötUngMi. Philolog.-hiitor. Kl. N. Fs Bftnd 8,«. 6 



Digitized by 



Google 



42 E. SOHWARTZ 

7 Columnen geschrieben, noch beginnt sie mit 382 oder einem Jahr das diesem 
cyclisch entspricht, noch enthält sie die azyma d. h. die XlVlnnae, Sie ist viel- 
mehr ein Verzeichniss der Osterfeste von 354 — 437. Da die Consnlate beige- 
schrieben sind, wird man in Versuchung geführt es für historisch zu halten und 
eine zweite Fortsetzung des Verzeichnisses im Chronographen von 354 darin 
zu sehen: doch wendet Mommsen [Chron. min. 1,739] mit Recht dagegen ein 
dass es dann mit dem Jahr 355 hätte beginnen müssen. Andererseits machen, 
von der inneren Beschaffenheit der Osterdaten abgesehen, andere Eigentümlich- 
keiten des Verzeichnisses den Eindruck als sei es keine historische Liste, sondern 
ein berechneter Cyclus : es umfasst 84 Jahre und ist mit dem cydischen 
Apparat, Epakte, Ferie und Mondalter versehen. Man darf auch nicht übersehen 
dass die Cyclen grade des 5. Jahrhunderts, die Zeitzer Ostertafel [Chron. min. 
1,608 ff. J und der Carsus pascJuiUs des Victorius ihren abgelaufenen Abschnitten 
die Consulate beizuschreiben pflegen. In der Consolliste des Chronographen von 
354 sind umgekehrt zu jedem Jahr, von 509 v. Chr. an, die nach dem 84 jährigen 
Cyclus berechneten Mondalter des 1. Januar verzeichnet. 

Dagegen ist im Cod. Ambrosian. H 160 inf. eine 84 jährige Ostertafel ent- 
halten, die den von Paschasinus und dem Prolog des Cod. Regin. 2077 ge- 
schilderten Cyclus in leichter Umarbeitung enthält. Die 7 Columnen der duo- 
decennia sind vereinigt und unter einander gesetzt, die XI V lunae weggelassen und 
das Anfangsjahr um 1 verschoben : es ist nicht mehr durch ferla VII Imm I, sondern 
durch feria I luna XII [d. h. Ferie und Epakte des 1. Januar] charakterisirt. Der 
Cyclus beginnt also statt mit dem Jahr 382 f= 298] mit dem folgenden [383 = 299]. 
Dass diese Verschiebung secundär ist, hat Krusch richtig aus der Überschrift 
der ambrosianischen Ostertafel geschlossen: conputatur... Fosto et Gallo consides\i^^] 
et impletur Siagrio et Antonino consules [382] et reddit ad capite Merohaldo et Satarnlno 
consules [383], et tertio redit ad capite Poseo et lolmnyie hunc [= nunc] consulis 
[467]. Zu dem Cyclenschluss 382, den Anfängen 383 und 467 passt die Angabe 
des Jahres 298 nicht, dies entspricht umgekehrt dem Jahr 382, das durch den 
Brief des Paschasinus als Anfangsjahr der supputatio Ilomana bezeugt ist. Krusch 
hat, im Wesentlichen mit Glück, aus einer von ihm aufgefundenen Kölner Hs., 
dem Regin. 2077 und dem Ambros H 160 inf. eine Abhandlung über den com" 
putus Paschalis reconstruirt , die mit der supputatio Romana zusammenhieng, 
freilich die Theorie des 84 jährigen Cyclus nicht rein, sondern schon in ent- 
stellter und verwischter Gestalt wiedergiebt. Diese Abhandlung bemerkt über 
das erste und das letzte Jahr des Cyclus [Krusch, Studien 236] : 

sane et hoc ad plenam instructionem insinimndum cunctis necesse fuit cyclus 
initiasse consulatu DiocliÜani septies et Maximiani sexies [299] quo tempore primus 
anntis de cyclo comptUandus esty in quo fuit luna XII die solis. superiori uero anno, 
hoc est Fausto et Gallo consolibus [298], completus est cyclus^ qui liahuit Kl. lan. 
luna prima die Saturni. sequitur ergo secundus cyclus qui continetur in annis 
LXXXIIII, cansulihus DiocUciani septies et Maximiani sexies [299] et conpleuü 



Digitized by 



Google 



CHBI8TUCHE UND JÜDISCHE OSTEBTAPELN 43 

consulcUu Antoni et Siagri [382]; et nunc necesse erit ut incipiat III. cydus consu- 
kUu Merobaudi bis et Satumini [383]. 

Hier ist wiederum das Jahr 298 ohne genügenden Q-nmd erwähnt; der 
Cydtis von 215— 298 ist fingirt. Es ist jenes Jahr vielmehr der Rest der älteren 
Anordnung; in einem Fragment jener Abhandlung, das ebenfalls in der Kölner 
Hs. erhalten ist, steht denn auch richtig [Erusch, Studien p. 244] : 

sane et hoc ad plenam instructionem insinuandum cunctis necesse fuit cyclum 
cowpletum esse Siagro et Eticerio [381]. 

Es ist auch das natürliche, mit der Epakte 1 anzufangen; Zufall dürfte es 
ausserdem schwerlich sein, dass aus dieser Epakte sich als erste XIV lunae 
der 13. April ergiebt, dasselbe Datum mit dem der Cydus Hippolyts beginnt. 

Die Theorie des 84 jährigen Cydus ist in reiner Gestalt dem Computisten 
von 243 bekannt gewesen; sie lässt sich aus dem Cyclus selbst unschwer ge- 
winnen, wenn man nur die späteren Trübungen consequent fernhält. 

84 julianische Sonnenjahre sind gleich 30681 Tagen, ebensoviel Mondjahre 
zu je 354 Tagen betragen 29736 Tage. Zu diesen 29736 werden im 84 jährigen 
Cyclus vorab 21 Tage hinzugezählt um die jnlianischen Schalttage auszugleichen, 
ebenso wie im 76 jährigen Cyclus der Alexandriner. Dann bleiben noch 924 Tage 
übrig, die zu den Mondjahren hinzugefügt werden müssen; aus ihnen werden 31 
Schaltmonate zu 30 Tagen gebildet. Um die 6 Tage die bei dieser Rechnung 
überschiessen, wieder zu entfernen, muss in 84 Jahren sechsmal ein Mondjahr 
um einen Tag vermindert oder, was dasselbe ist, die Epakte um 12 
statt um 11 vermehrt werden. Diese saltus lunae sind nun so angeordnet, dass 
sie stets am Ende eines duodecennium liegen, nur bei dem letzten, dem 7., 
unterbleibt er. Es ist evident wie die aus dem 112 jährigen Cyclus übernommene 
Anordnung in 7 Columnen mit der inneren Construction des Cyclus zusammen- 
hängt und sie bestimmt. Denn da nur 6 saltus lunas nöthig sind, läge es an 
und für sich näher, den saltus lunae alle 14 Jahre stattfinden zu lassen; es ist 
aber nicht geschehen: die Versuche die einige Computisten im 5. Jahrhundert, 
als der 84 jährige Cydus durch die Rücksichtnahme auf Alexandrien und Con- 
stantinopel in völligen Zerfall gerieth, nach dieser Richtung hin gewagt haben, 
sind theoretische Experimente ohne geschichtliche Bedeutung geblieben. 

Der synodische Mondmonat des 84 jährigen Cyclus beträgt 29* 12*^ 42.25", 
bleibt also nicht unerheblich hinter dem Richtigen zurück; immerhin ist der 
Fehler nicht so gross, dass der Cydus nicht einen Umlauf bequem, zwei allen- 
falls vertragen könnte. Die Yollmonddaten sind in ihm im Anfang des 4. Jahr- 
hunderts sogar genauer als im kanonischen alexandrinischen Cyclus, weil dieser, 
wie oben gezeigt wurde, eine Verschiebung erfahren hat, der römische Cyclus 
hingegen genau eingestellt ist. Zur Yeranschaulichung gebe ich für die ersten 
3 Cydenanfänge die alexandrinischen Daten nach dem kanonischen Cyclus und 
die astronomischen Vollmonde nach mittlerer bürgerlicher Zeit von Greenwich: 



6* 



Digitized by 



Google 



u 



B. SCUWABTZ 



Jaiir 

d. Christi. 

Aera 


XIV lunae 

des 84 jährigen 

Cyclus 


id des kanonischen 

al exandrinischen 

Cyclus 


Astronomischer 
Vollmond 


298 
382 
466 


18. Aprfl 
13. April 
18. Aprü 


17. Pharmuthi = 12. AprO 

18. Pharmuthi = 13. April 
20. Pharmuthi = 16. Aprü 


14. Aprü 12i> 14.4» Nachts 
14. April 1^ 26.4» Mittags 
16. Aprü 2h 9.6» Mittags 



Ein fondamentaler Unterschied des 84 jährigen Cyclus vom alexandrinisohen 
besteht darin dass er den Schaltmonat nicht vor den Ostermonat des Mond- 
jahres, sondern vor den 1. Janaar legt. Es hängt das damit zusammen, dass als 
Epakte das Mondalter des römischen Neujahrs genommen wird. Wenn kiämlioh 
dies Monddatnm einem Mondmonat von 30 Tagen zugerechnet wird, so muss der 
nächste Mondmonat 29 Tage betragen. Nun ergeben aber die 31 Tage des 
Jcuiuar und die 28 des Februar ebenfalls 59 Tage = zwei Mondmonaten; das 
Mondalter des 1. März ist also immer gleich der Epakte, da der juliaaisdhe 
Schalttag in der JEpaktenrechnung nicht mitzählt, und gehört, wie das des 
1. Januar, einem Mondmonat von 30 Tagen an, demjenigen nämlich, der dem 
Ostermonat unmittelbar vorhergeht. Dieser selbst ist 'hdhl' ; dagegen muss die 
Berechnung seines 14. Tages den Mondmonat, dem der 1. März angehört, auf 
80 Tage auffüllen, um den Anfang des Paschamonats zu finden. Die Formel 
muss also lauten, wenn e die Epakte bezeichnet: XIV lunae = l + (30 — e) + 14 
= 46 — e. Wie beim alexandrinisohen Cyclus, ergeben sich die Ostergrenzen aus 
der Rechnung von selbst. Da die Epakte einem Mondmonat von 30 'Tagen an- 
gehört, muss sie sich zwischen 1 und 30 bewegen. Betritt sie 1, so erreicht die 
XIV lunae ihr spätestes Datum, den 13. April [= 45 — 1—311-, ist sie auf 30 
gestiegen, so ist der Vollmond am weitesten vorgerückt, bis zum 15. März 
[= 45 — 30]. Das sind genau die Oeteirgrenzen des Cyclus gegen den der Com- 
putist von 243 streitet; seine Worte et sie impegerunt zeigen dass er ein nach 
diesem Cyclus berechnetes Parapegma der Vollmonde vor sich hatte. Es ist 
jetzt auch, denk ich, bewiesen was oben nur vorläufig angenommen werden 
konnte, dass die Epaktenrechnung, die der Computist ebenfalls verwirft, eben 
diesem 84jährigen Cyclus angebört. Ich halte es nicht nur für möglich, sondern 
sogar für wahrscheinlich dass der 84jährige Cyclus in derselben Construction 
wie im 4. und 5. Jahrhundert, schon 243 in Rom praktisch gebraucht wurde; 
nur ist damit nicht gesagt dass die Epaktenreihe an die Jahre 214—297 ge- 
knüpft war; im Gegenteil, es spricht alles dafür dass 298 oder vielmehr etwas 
später, vielleicht erst 312, der Cyclus neu eingestellt wurde. 

Wie sich dm einzelnen noch genauer herausstellen wird, ist es schon lange 
vor 342 Grebrauoh gewesen, dass sich Rom tund Alexandrien über die Oster- 
ansage verständigten. Dieser Q-ebrauch hat den 84 jährigen Cyclus zerstört. 
Denn ebenso zäh wie die Römer an dem a. d. XI Kai. Mai. als dem spätesten 



Digitized by 



Google 



CHBISTLIOHB UND JÜDISCHE 08TEBTAFELN 46 

0&tert.ermme festhielten, weigerten sich die Alexandriner vor dem 26. Phamenoth 
[22. März] Ostern zu leiern. So bildete sich das Intervall 22. März -21. April 
für die Ostersonntage heraus, das eine kalendarische Unmöglichkeit epthält: 
denn die Vollmonde müssen allein einen Spielraum von 30 Tagen haben und 
dieser Spielraum muss, da Ostern stets am Sonntag gefeiert wird, noch um einige 
Tage, je nach der Construction des Cyclus, erhöht werden. Man hat sich in 
Rom, wenn nicht der 21. April überschritten wurde, nicht gescheut zu trans- 
poniren, Ostern also nach genauer Rechnung im 'letzten Monat' des Vorjahres 
oder im 'zweiten Monat' zu feiern; aber man darf aus diesen Transpositionen 
für die Construction des Cyclus nichts erschliessen, so wenig wie aus den ge- 
legentlichen Verschiebungen des Ostersonntags, die Athanasius um der Politik 
willen zuliess, irgend etwas für die Construction der Enneakaidekaeteris folgt 
und jemals gefolgert ist. Natürlich konnte das Mondalter eines um einen Monat 
verschobenen Ostersonntags nach der Epakte berechnet werden: es wird dann 
aber regelmässig die XI V lunae der Berechnung zu Gfrunde gelegt, die 29 Tage 
später als die cyclische des Ostermonats liegt. Ganz correct, denn der Oster- 
monat ist immer hohl: aber man hüte sich solche Transpositionen Schaltungen 
zu nennen; Schaltmonate von 29 Tagen sind ein Unding. Wenn also in den 
römischen Ostercyclen Doppeldaten vorkommen, so ist das nicht ein Mangel in 
der Construction des Cyclus, sondern ein Symptom dafür dass in Folge der be- 
ständigen Compromisse mit den Alexandrinern die Einsicht in den inneren Bau 
des 84jährigen Cyclus den Rechnern verloren ging, den Päbsten. die von der 
Politik viel und vom Kalender nichts verstanden, natürlich erst recht. G-egen- 
über der festen alexandriniscfaen Aequinoctialgrenze liess sich der 16. März nicht 
halten und vom 21. April wollte man nicht lassen: so kam es immer wieder zu 
Ungereimtheiten und Schwankungen, die historisch, aber nicht theoretisch inter- 
pretiert werden müssen. 

Wie es bei den Ostergrenzen nicht ohne Transactionen abgieng, die den 
Cyclus vergewaltigten, so auch bei den Mondaltern der Ostersonntage. Nur fiel 
eine incorrecte XV lunae am Ostersonntag weit weniger auf als ein 22. April 
als Osterdatum, und so gab man hier eher nach. Um so weniger dürfen aus 
den Mondaltem der wirklich gefeierten Ostersonntage übereilte Schlüsse ge- 
zogen werden; eine vorsichtige Prüfung, die immer die Gesammtbeit der über- 
lieferten Daten im Auge behält, wird zu dem Resultat kommen dass in Rom 
das Prindp die XVI lunae als frühestes Mondalter des Ostersonntags anzu- 
setzen, wohl in einzelnen Fällen geopfert, aber nicht eher durch ein anderes er- 
setzt ist, als man dort überhaupt auf eine andere Berechnung neben der alexan- 
drinischen verzichtete. 

Die Ferie von der aus der Wochentag der XIV lunae berechnet wird, ist, 
wie die Epakte, an den 1. Januar geheftet, unbequemer Weise, da der julianische 
Schalttag die Rechnung verschieben muss. 

Ich lege nun eine Tabelle des 84jährigen Cyclus vor, die ich, der ursprüng- 
lichen Anordnung gemäss, in 7 duodecennia getheilt habe. Aus der ambrosianischen 



Digitized by 



Google 



46 



E. 8CHWARTZ 



Ostertafel, die man in der originalen Fassung bei Krnsch, Studien p. 236 ff. 
findet, habe ich entnommen: 

1. Die fortlaufende Nummerierung der 84 Jahre, die nur, weil die Ein- 
stellung in dieser Tafel, wie oben entwickelt wurde, um ein Jahr hinunter- 
geschoben ist und ich, wie Krusch vor mir, diese Veränderung aufgehoben habe, 
immer um 1 höher ist als die der Tafel. 

2. Ferie und Mondalter [= Epakte] des 1. Januar. 

3. Die Ostersonntage. 

4. Die Mondalter der Ostersonntage. 

Die evidenten Verbesserungen, durch welche van Hagen und Krusch den 
ambrosianisehen Finale in Ordnung gebracht haben, notire ich nicht; aus dem 
Paschale des Cod. Regln. 2077, das von 354 — 437 reicht, merke ich Abweichungen 
nur dann an, wenn sie nicht auf leicht zu corrigirenden Schreibfehlern beruhen. 

Zu diesen Notaten habe ich hinzugefügt: 

1. Die XIV hnae, streng nach der Epakte berechnet, ohne Rücksicht auf 
Transpositionen. 

2. Die Jahreszahlen für die beiden ersten Umläufe des Cydus, die historisch 
allein in Frage kommen. 

3. Für die Zeit von 312 — 411 die wirklich gefeierten Ostersonntage nach 
dem Chronographen von 354. Nur schwerere Verderbnisse sind angemerkt. 

4. Die nach dem alexandrinischen Cyclus berechneten Ostersonntage in 
moderner Datirung von 312 an, die lateinische Ziffer bedeutet das Mondalter. 
Für die Jahre 312—322 habe ich die Ostersonntage mit ihren Mondaltem nach 
dem von mir reconstruirten Cyclus des Anatolius in Klammem daneben gesetzt. 













[ 










1 

1 

a 


i 


Epakte 


Ostersonntag 


1 
1 


1^ 




■9 


In Rom 

gefeierter 

Oster- 

Bonntag 


Ostersonntag 
und Mondalter 

nach dem 

alexandrinischen 

Cyclus 


1 


7 


I 


17. April 


XVIII 


13. April 


[298] 


382 


17. April 


17. April XVIII 


2 


1 


XII 


9. April 


XXI 


2. April 


;299 


383 


9. Aprü 


9. Aprü XXI 


3 


2 


XXIII 


24. März 


XVI 


22. März 


[300 


384 


24. März 


24. März XVI 


4 


4 


nii 


13. April 


XVII 


10. Aprü 


[301, 


385 


18. April 


18. Aprü XVII 


5 


5 


XV 


5. April 


XX 


30. März 


r302. 


386 


5. Aprü 


5. Aprü XX 


6 


6 


XXVI 


XII. K Apr. [21. M.] ») 
8iueXIIIK.Ma,[lS.X.] 


XVI 
XV 


19. März 


[303; 


387 


18. Aprü 


25. Aprü XXI 


7 


7 


VII 


9. April 


XVI 


7. April 


[304; 


388 


9. April 


9. Aprü XVI 


8 


2 


XVIII 


!. Aprü 


XVIIII 


27. März 


[305 


389 


1. April 


1. Aprü XVIIII 


9 


8 


XXIX 


21. ApriP) 


XXI 


16. März 


[H06, 


390 


21. Aprü 


21. April XX 


10 


4 


X 


6. April 


XVI 


4. Aprü 


[307j 


391 


6. Aprü 


6. Aprü XVI 


11 


5 


XXI 


26. März 


XVIII 


24. März 


;308j 


392 


28. März 


28. März XVIII 


12 


7 


II 


17. April 


XVIIII 


12. April 


[309] 


393 


17. Aprü 


17. April XVIIII 



1) So nach der ambrosianisehen Tafel. Das Paschale des Cod. Regln hat VI [soU heissen F] 
Kai Apr. mit dem fingirten Mondalter XXI\ der 28.MänE mosste das unzulässige Mondalter XXni erhalten. 

2) So nach der ambrosianisehen Tafel und dem Paschale des Cod. Regln. Das Mondalter ist nach 
der XlVlunae am 14. Aprü berechnet. Das correcte römische Osterdatum wäre der 24.März XXII gewesen. 



Digitized by 



Google 



CHBI8TUCHB UND JÜDISCHE OSTBBTAFELN 
II 



47 



s 

'S 

TS 

S 


1 

i 
1 


Epakte 


Oster- 
sonntag 


1 




1 

•-8 


In Rom 
gefeierter 
Oster- 
sonntag 


Ostersonntag und Mondalter 

nabh dem alexandrinischen 

Cyclus 


1 


In Rom 

gefeierter 

Oster- 

Sonntag 


Ostersonntag 
und Mondalter 

nach dem 

alexandrinischen 

Cyclus 


13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 


1 

2 
3 
5 
6 
7 
1 
3 
4 
6 
6 
1 


XlIIl 

XXV 

VI 

XVII 

xxvin 

villi 
XX 

I 

Xll 
XXIII 

im 

XV 


2.April 
25. März 
13. April 

5. April 
18. AprU ») 
10. April 

I.April 
21. April 

6. April 
29. März 
17. April 

2. April 


XVI 

xvmi 

XVIIII 

xxn 

XVII 
XVIIII 
XXI 
XXII 
XVIII 
XXI 
XXI 
XVII 


31. März 
20. März 

S.April 
28. März 
17. März 

5. April 
25. März 
13. April 

2. April 
22. März 
10. April 
30. März 


[310] 
[311] 
312 
813 
314 
315 
316 
317 
318 
319 
320 
321 


13. Aprü 
29. März 
18. April 
10. April 
25. März 

14. April 
6. April 

29. März 

10. April 

2. April 


13. Apr. XX [13. Apr. XVIHI 
29. März XVI [29. M. XV] 
18. Apr. XVn [18. A. XVI] 
10. Apr. XX [10. A. XX] 

25. März XV [25. M. XVI 

14. Apr. XVI [14. Apr. XVI] 
6. Apr. XVIIII [6. A. XVIIl ] 

22. März XV [26. Apr. XX] 
10. Apr. XV [10. Apr. XV] 
2. Apr. XVm [2. Apr. XVIIIJ 


394 
395 
396 
397 
398 
399 
400 
401 
402 
403 
404 
405 


2. April 
25. März 

13. April 

5. April 
18. April 
10. April 

1. April 

14. April«) 

6. April 
29. März 
10. April») 

2. April 


2. April XV 
25. März XVni 

13. April XVIII 
5. April XXI 

18 April XV 
10 April XVIIII 

1. April XXI 

14. April XV 
6. April XVIll 
29. März XXI 
17. April XXI 

2. Aprü XVII 



ni 



l 

1 

:z5 


s 

i 
1 


Epakte 


Oster- 
Bonntag 


1 
1 




1 


In Rom 
gefeierter 
Oster- 
sonntag 


Ostersonntag und Mondalter 

nach dem alexandrinischen 

Cyclus berechnet 


1 


In Rom 
gefeierter 
Oster- 
sonntag 


Ostersonntag 
und Mondalter 

nach dem 
alexandrinischen 
Cyclus berechnet 


25 


2 


XXVII 


25. März 


XXI 


18. März 


322 


25. März 


22. Apr. XVim [22. A. XVUU] 


406 


25. März 


22. Aprü XVm 


26 


3 


Vlll 


14. April 


XXII 


6. Aprü 


323 


7. Aprü 


7. Aprü XVI 


407 


14. April 


14. Aprü XXI 


27 


4 


XVIIII 


29. März 


XVII 


26. März 


324 


29. März 


29. März XVIII 


408 


29. März?*) 


29. März XVI 


28 


6 


XXX 


18. April ») 


xvnn 


15. März 


325 


18. April 


18. April xvnii 


409 


18. Aprü 


18. Aprü xvn 


29 


7 


XI 


10. April 


XXI 


3. April 


326 


10. April 


3. April XV 


410 


10. Aprü 


10. Aprü XX 


30 


1 


xxn 


26. März 


XVII 


23. März 


327 


26. März 


26. März XVIII 


411 


26. März 


26. März XVI 


31 


2 


III 


14. Aprü 


xvn 


11. April 


328 


14. April 


14. Aprü XVni 


412 




14. Aprü XVI 


32 


4 


xnii 


6. April 


XX 


31. März 


329 


6. Aprü 


6. Aprü XXI 


413 




6. Aprü XVini 


33 


5 


XXV 


22. März«) 


XVI 


20. März 


330 


19. April 


19. April XV 


414 


22. März») 


22. März XV 


34 


6 


VI 


11. April 


XVII 


8. April ' 331 


11. April 


11. April XVIII 


415 




11. Aprü XVI 


35 


7 


XVII 


2. April 


XVIIII 


28. März ! 332 


2 April 


2. Aprü XX 


416 




2. Aprü XVm 


36 


2 


XXVUI 


25. März 


XXII 


17. März 


333 


15. April 


22. Aprü XXI •) 


417 


25. März») 


22. April XVIIII 



1) So die ambrosianische Tafel; das Mondalter ist nach der XIV lunae des 15. Aprü be- 
rechnet Das correcte Osterdatum wäre der 21. März XVIII gewesen. 

2) Der Chronograph hat XVII Kai. Mai.) XVII ist natürlich in XVIII zu ändern. Im 
Paschale des Cod. Regln, steht das cyclische Datum XI Kai. Mai. XXII. 

3) So der Chronograph: IUI Id. Apr. Das Paschale des Cod. Regln, hat wiederum das 
cyclische Datum. 

4) Im Chronographen ist überliefert IUI Non, Apr. ; man kann in IUI Kai. Apr, oder in 
Non. Apr. emendiren. Freilich wäre das zweite Datum völlig incorrect. 

5) So die ambrosianische Tafel und das Paschale des Cod. Regln., das Mondalter nach der 
XIV lunae am 13. Aprü. Correct 21. März XX. 

6) So die ambrosianische Tafel und das Paschale des Cod. Regln. 

7) Durch den Brief von Papst Innocenz bezeugt, vgl. S. 31. 

8) Verlegt auf den 15. Aprü. Vgl. o. S. 26. 

9) Bezeugt durch den Brief des Paschasinus, Erusch, Studien p. 249. Auch das Paschale des 
Cod. Regln, notirt den 25. März. 



Digitized by 



Google 



48 



K. SOHWABTZ 















im 








5» 


1 












In Rom 

2» • _A 


Ostersonntag 




Ostersonntag 


w 


*H 






1 


s 




und Mondalter 




and Mondalter 


'd 


1 


Epakte 


Oster- 


'S 


1 


gefeierter 
Oster- 


nach dem 


•2 


nach dem 


ä 


sonntag 


o 


U 




alezandrinischen 


A 


alexandrinischen 


£ 


i 






S 


S 




sonntag 


Cydos berechnet 




Cyclos berechnet 


87 


3 


X 


7. April 


XVII 


4. Aprü 


334 


7. April 


7. April XVn 


418 


7. Aprü XVI 
30. März XVIIII 


38 


4 


XXI 


30. März 


XX 


24. März 


335 


30. März 


30. März XX 


419 


89 


5 


11 


18. April 


XX 


12. April 


386 


18. Aprü 


18. Aprü XX 


420 


18. April xvnn 


40 


7 


xm 


3. April 


XVI 


1. April 


837 


3. Aprü 


3. April XVI 


421 


3. April XV 


41 


1 


XXIIII 


26. März 


XVllII 


21. März 


338 


26. März 


26. März XVIin 


422 


26. März XVIII 


42 


2 


V 


15. April 


XX 


9. April 


889 


15. Aprü 


15. Aprü XX 


423 


15. April XVIIU 


43 


3 


XVI 


6. April 


XXII 


29. März 


340 


80. März 


80. März XV 


424 


6. Aprü XXI *) 


44 


5 


XXVII 


22. März«) 


XVIII 


18. März 


341 


19. April 


19. April XVI 


425 


19. Aprü XV 


45 


6 


vm 


11 April 


xviin 


6. April 


842 


11. Aprü 


11. Aprü XX 


426 


11. April xvm 


46 


7 


XVIIII 


3. Aprü 


xxn 


26. März 


843 


3. Aprü 


27. März XV 


427 


3. Aprü XXI 


47 


1 


XXX 


15. April«) 


XVI 


15. März 


344 


16. Aprü 


15. April XVI 


428 


22. Aprü XXI 


48 


8 


XI 


7. April 


XVIII 


3. April 


345 


7. April 


7. April XVIIII 


429 


7. April XVII 





1 






lÄ 


%> 




In Rom 

gefeierter 

Oster- 


Ostersonntag 




Ostersonntag 


»H 






S 


s 




und Mondalter 




und Mondalter 


-6 


s 


Epakte 


Ostersonntag 


'S 


»2 


1 


nach dem 


1 


nach dem 


S 


'S 






ö 


^ 

^ 


A 


alexandrinischen 


»-> 


alexandrinischen 


a 

i 


£ 






^ 




sonntag 


Cyclos berechnet 




Cydus berechnet 


49 


4 


xxra 


30. März 


xxn 


22. März 


346 


30. März 


23. März XY*) 


480 


30. März XX 


50 


5 


nn 


12. Aprü») 


XVI 


10. Aprü 


347 


12. April 


12. Aprü XVI 


431 


19. Aprü XXI 


51 


6 


XV 


3. April 


xvm 


30. März 848 


3. Aprü 
26. März 


3. April xvm 


432 


3. April XVI 


52 


1 


XXVI 


26. März 


XXI 


19. März 


849 


23. April XVim«) 


433 


26. März XVmi 


58 


2 


VII 


16. Aprü 


XXII 


7. Aprü 


350 


15. Aprü 


8. April XV 


434 


15. Aprü XX 


54 


8 


xvm 


31. März 


xvm 


27. März 


351 


81. März 


31. März xvm 


436 


81. März XVI 


55 


4 


xxvnn 


XI Kai Apr. siue 22.März 
XIII Kai. Mai. 19. Apr.») 


XX 

XVIIII 


16. März 


352 


19. Aprü 


19. April XYIII 


436 


19. Aprü XVI 


56 


6 


X 


11. Aprü 


XXI 


4. Aprü 
24. März 


358 


11. Aprü 


11. Aprü XXI 


437 


11. April XX 


57 


7 


XXI 


27. März 


XVII 


854 


27. März 


27. März XVII 


438 


27. März XVI 


58 


1 


II 


16. Aprü 


xvm 


12. Aprü 


355 


16. Aprü 


16 Aprü xvm 


439 


16. April XVII 


59 


2 


XIII 


7. Aprü 


XX 


l.Aprü 


356 


7. Aprü 


7. April XX 


440 


7. Aprü XVmi 


60 


4 


xxiin 


23. März 


XVI 


21. März 


367 


30. März •) 


23. März XVI 


441 


23. März XV 



1) Das Paschale des Cod. Reg. hat III Kai, Äpr, l XFI-, es mOsste XV heissen. Die Notiz 
könnte historisch sein. 

2) So die ambrosianische Tafel, das Mondalter XVII ist in XVIII zu yerbessem. Das Pa- 
schale des Cod. Regln, hat den 19. Aprü XVII, ebenfalls ideUeicht historisch. 

8) So die ambrosianische Tafel und das Pascha des Cod. Regln., das Mondalter ist anf die 
XIV lunae des 18. Aprü gesteUt. Correct 18. März XVIL 

4) Verlegt auf den 30. März, vgl. oben S. 26. 

5) So aach das Paschale des Cod. Regln. 

6) Verlegt auf den 26. März, vgl. oben S. 28. 

7) So nach der ambrosianischen Tafel, das Paschte des Cod. Regln, hat nur das correcte 
römische Datum, 22. März XXI [lies XX]. 

8) So der Chronograph von 854; das Paschale des Cod. Regln, hat das reguläre Datum des 
28. März. 



Digitized by 



Google 



0HRI8TU0HS tTND JÜDISCHB 08TKBTAFELN 

VI 



49 



1 


1 








s 




In Born 

gefeierter 

Oster- 


Ostersonntag 




Ostersonntag 


vH 






1 

o 


1 


t^ 


und Mondaiter 




und Mondalter 


^6 


1 


Epakte 


Oster- 
sonntag 


»^ 

t:.. 


t 


nach dem 
alexandriniscben 


-3 


nach dem 
alexandriniscben 


^ 


i 






a 


>3 




sonntag 


Cyclus berechnet 




Cydns berechnet 


61 


5 


VI 


12. April 


xvin 


S.April 


358 


12. April 


12. April XVII 


442 


12. Aprü XVI 


62 


6 


XVII 


4. April 


XXI 


28. März 


359 


4. April 


4. Aprü XX 


443 


4. April xvmr 


63 


7 


XXVIII 


16. April») 


XV 


17. März 


360 


16. April 


23. April XX 


444 


23. Aprü XVIin 


64 


2 


vini 


8. April 


XVII 


5. April 


361 


8. April 


8. April XVII 


445 


8. Aprü XV 
31. März XVni 


65 


3 


XX 


31. März 


XX 


25. März 


362 


31. März 


31. März XX 


446 


66 


4 


l 


20. April 


XXI 


13. April 


363 


20. April 


20 April XXI 


447 


20. Aprü xvmr 


67 


5 


xn 


4. April 
27. März 


XVI 


2. April 


364 


4. April 


4 Aprü XVI 


448 


11. April XXI 
27. März XVII 


68 


7 


XXIII 


XVIIII 


22. März 


365 


27. März 


27. März XVim 


449 


69 


1 


im 


16. April 


XX 


10. April 


366 


16. April 


16. April XX 


450 


16. Aprü XV m 


70' 2 


XV 


1. April 
23. März«) 


XVI 


30. März 


367 


I.April 


1. Aprü XVI 


451 


8. Aprü XXI 


71 3 


XXVI 


XVIII 


19. März 


368 


20. April 


20. April XVI 


452 


23. März XVI 


72 


5 


VII 


12. April 


XVIIII 


7. April 


369 


12. April 


12. Aprü XVIIII 


453 


12. Aprü») XVn 



VII 



Epakte 



Oster- 
sonntag 



o 



^ 
b. 

Ö 



In Rom 

gefeierter 

Oster- 

Sonntag 



Ostersonntag 
und Mondalter 

nach dem 
alexandriniscben 
Cyclus berechnet 



Ostersonntag 
und MondsJter 

nach dem 
alexandriniscben 
Cyclus berechnet 



73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 



6 


xvnii 


7 


XXX 


1 


XI 


3 


xxn 


4 


ra 


5 


xira 


6 


XXV 


1 


VI 


2 


xvn 


3 


xxvm 


4 


vnn 


6 


XX 



28. März 
17. Aprü») 

8. Aprü 
31. März 
13. Aprü 

5. Aprü 

27. März 
16. April 

l.April 
21. Aprü») 
12. Aprü 

28. März 



XVI 
XVIII 
XVIIII 

xxn 

XVI 

xvim 

XXI 

xxn 
xvni 

XX 
XXI 

xvn 



26. März 
15. März 

8. Aprü 
23. März 
11. Aprü 
31. März 
20. März 

8. Aprü 
28. März 
17. März 

5. Aprü 
25. März 



370 
371 
872 
373 
374 
375 
376 
377 
378 
379 
380 
381 



28. März 

17. April 
8. Aprü 

24. März ^ 

18. Aprü 
5. April 

27. März 
16. April 

1. April 
21. Aprü 
12. Aprü 

28. März 



28. März 
17. Aprü 

8. Aprü 
31.Mäie 
13. April 

5. Aprü 

27. März 
16. April 

l.April 
21. Aprü 
12. Aprü 

28. März 



XV 
XVI 

xvm 

XXI 
XV 

xvm 

XX 

XXI 

XVII 

xvm 

XXI 

xvn 



454 
455 
456 
457 
458 
459 
460 
461 
462 
463 
464 
465 



4. 
24. 

8. 
81. 
20. 

5, 
27. 
16. 

1. 
21. 
12. 
28. 



Aprü*) XX 
April») XXI 
Aprü xvn 
März XX 
April XXI 
April XVII 
März XVim 
April XX 
Aprü XVI 
Aprü XVII 

. April xvira 

März XV 



1) Die ambrosianiscbe Tafel überliefert XV K. Mai. l, XVI^ die Zahlen sind zu vertauschen. 
Das Paschale des Cod. Regln, hat das unmögliche Dutum Vid, Äpr, l. XVI offenbar eine Fiction. 
Paschasinus notirt in seinem Brief an Papst Leo [Erusch, Studien p. 248, vgl. p. 107] Sonntag den 
26. März lumu XXI\ das Mondalter ist aus der alexandriniscben id für das Jahr 444, dem 
18. April, zurückgerechnet. Das correcte römische Datum war der 19. März. 

2) So die ambrosianiscbe Tafel, das Pascbale des Cod. Regln, hat das transponirte Datum 
•des 20. April 

8) Durch die Briefe Leos [Erusch, Studien p. 258. 260] für Rom bezeugt. 
4) Für Rom durch den Brief Leos [Krusch, Studien p. 258] bezeugt. 
6—8) 8. Seite 50. 

Abbudlnngen d. K. Gas. d. Win. n 0«tUng«ii. PhUolog.-hislor. Kl. N. F. Band 8, «. 7 



Digitized by 



Google 



60 S. SGHWABTZ 

Auf Grand dieses Materials lässt sich sowohl das Hin und Her der Ab- 
machungen zwischen den römischen und den alexandrinischen Päbsten als auch die 
allmähliche Zersetzung des 84jährigen Cyclus verfolgen. Es muss nur scharf 
festgehalten werden, dass der in Rom gebrauchte Cyclus den dortigen Bischof 
rechtlich so wenig band, wie die Enneakaidekaeteris vor der Ostertafel des 
Theophilus den alexandrinischen: beide konnten, wenn politische Gründe dafür 
sprachen, ihr technisches Instrument ignoriren. Umgekehrt beweisen solche Ab- 
machungen für die Cyclen selbst nichts. 

Für die Zeit von 328 — 354 sind die Daten der in Alexandrien und Rom 
gefeierten Osterfeste unbedingt sicher; die Zweifel die gegen die Zuverlässigkeit 
des Chronographen laut geworden sind, lösen sich bei scharfem Zusehen auf. 
Schon vor dem Concil von Sardica hat der Usus bestanden, dass Rom und 
Alexandrien sich über den Ostertermin verständigten ; ohne Compromisse welche 
die technische Chronologie vergewaltigten, ging es natürlich nicht ab. Alexandrien 
gab im Jahr 333 nach, weil die Römer den 21. April nicht überschreiten woUten, 
und nahm den 15. April an, der nach dem alexandrinischen Cyclus das Mondalter id 
hatte. Aber auch die Römer machten eine Concession. Sie gingen von ihrem Datum, 
dem 25. März ab : denn dies gehörte nach alexandrinischer Rechnung dem letzten 
Mondmonat des Vorjahres an. Dagegen acceptirten die Päbste Silvester und Julius 
gegen den römischen Cyclus die alexandrinischen Termine in folgenden Jahren: 

330. Das römische Datum, der 22. März, widersprach der alexandrinischen 
Schaltung; der 19. April wurde angenommen, obgleich an dem Tage nicht nur 
nach alexandrinischer, sondern auch nach römischer Rechnung der Mond erst 
15 Tage alt war. 

340. Ostern ist in Rom um 8 Tage früher gelegt, auf den 30. März statt 
des 6. April, da die Alexandriner das Mondalter XXII verwarfen. Auch diesmal 
hat man sich in Rom das Mondalter XV, das der römische Cyclus in Ueber- 
einstimmung mit dem alexandrinischen ergab, gefallen lassen. 

341. Wiederum erzwang die alexandrinische Schaltung ein Verschieben des 
Ostertermins um einen vollen Monat, vom 22. März auf den 19. April. 

Athanasius hatte am 23. Phamenoth [19. März] 339 Alexandrien verlassen 
und war nach Rom gegangen. Es liegt nahe zu vermuthen dass er bei der 
Bestimmung der Termine mitgewirkt hat und die alexandrinische Rechnung 
durchsetzte, damit, so lange die Rechtslage nicht geklärt war, die orthodoxen 
G-emeinden in Aegypten nicht in Verlegenheit kamen, wenn der ihnen angesagte 



5) Durch die ambrosianische Tafel, das Paschale des Cod. Regln, und die Briefe Leos [Erusch, 
Studien 257. 269. 260. 262] bezeugt. Correct 20. März 1. XVIIU. 

6) Nach langem Sträuben nahm Leo das Datum an; Krusch, Studien p. 264. 

7) Der Chronograph bietet VIII Kai. Apr., was nur in Villi Apr. Kai emendirt werden 
kann. Im Paschale des Cod Regln, steht der 81. März. 

8) So das Paschale des Cod. Regln. In der ambrosianischen Tafel steht X Kai. Ap. l. XXI^ 
was sich am bequemsten in XI Kai. Mai. l, XX emendiren lässt, wenn nicht ein Doppeldatum 
darin steckt: Villi Kai Ap. l XXI [das correcte Datum] siue XI Kai Mai l XX 



Digitized by 



Google 



CmUSTLICHE UNO JÜDISCHE OSTERTAFELN 51 

Termin von dem abwich, den der Gegenbischof Gregor ansetzte. Denn dieser 
hielt sich natürlich an die Enneakaidekaeteris und kümmerte sich um den Occident 
nicht. 

Die Sitoation wurde verändert dnrch das Concil von Sardica 342. Nach 
Athanasius Auffassung war er durch die orthodoxe Synode rehabilitirt; diese 
Auffassung wurde von dem ocddentalischen Elaiser Constans getheilt. Der 
£irchenfürst setzte mit den Occidentalen eine Ostertafel fest, in der, natürlich 
unter gegenseitigen Compromissen, die Ostertermine für die Jahre 343 — 392 be- 
stimmt waren. Da aber die Orientalen und der Kaiser Constantius die Beschlüsse 
der orthodoxen Synode nicht anerkannten, blieben die Osterabmachungen zunächst 
im Orient ohne Wirkung. Das Osterfest von 343 wurde in Rom am 3. April, in 
Alexandrien am 27. März gefeiert : Athanasius hat weder dies noch das folgende 
von 344 in Aegypten ansagen lassen. 346 war er zwar noch verbannt, aber es 
war doch wieder möglich brieflich mit den orthodoxen Gemeinden zu verkehren^ 
und 346 warde, wie schon oben [S. 26] gesagt, Ostern in Aegj^pten, wenigstens 
von den orthodoxen Gemeinden, nach dem römischen Termin gefeiert; diesmal 
mussten sich die Alexandriner zam Mondalter XXTT bequemen. Am 24. Phaophi 
[21. October] 346 kehrte Athanasius zurück. 349 zeigt sich die Wirkung der 
Abmachungen von Sardica zum zweiten Mal. Der alexandrinische Termin des 
23. Aprü war für die Occidentalen unannehmbar und Athanasius hatte auf dem 
ConcU zugegeben dass der römische, der volle vier Wochen früher fiel, fest- 
gesetzt wurde. Umgekehrt hatten die Römer ihre Ansetzung für das Jahr 3ö2 
preisgegeben und statt ihres sehr frühen, aber für die Alexandriner nicht unbedingt 
unmöglichen Termins, des 22. März, den alexandrinischen 19. April angenommen, 
der für sie noch nicht zu spät war. 

Dagegen sind im Jahr 350 gegen die Abmachung weder die Römer noch die 
Aegypter von ihren Cyclen abgewichen, so dass Ostern in den beiden Haupt- 
städten der Christenheit an verschiedenen Tagen gefeiert wurde. Seit 328 war 
das nur ein einziges Mal vorgekommen, 343, in einer Zeit als nicht nur die 
kirchliche, sondern auch die politische Spannung zwischen den beiden Reichs- 
hälften eine bedenkliche Höhe erreicht hatte. Täusche ich mich nicht, so ist in 
dem seltsamen Notat das sich über das Mondalter dieses Ostersonntags in der 
Ostertafel der athanasianischen Festbriefe findet, der Versuch noch zu erkennen, 
das alexandrinische Datum den Römern mundgerecht zu machen [s. o. S. 31]; 
weshalb er scheiterte, wissen wir nicht: ja wir wissen nicht einmal, ob Athanasius 
oder Papst Julius gegen die Abmachungen von Sardica Verstössen hat. Es ist 
sehr möglich dass die Usurpation des Magnentius [18. Januar 350] in irgend 
«iner Weise mit dieser Unregelmässigkeit der Osterfeier zusammenhängt: wie 
dem aber auch sei, es ist jedenfalls methodisch richtiger auf eine Erklärung zu 
verzichten als die Zuverlässsigkeit der Osterliste des Chronographen von 3B4 
nur darum anzuzweifeln, weil die Ueberlieferung die Gründe nicht aufbewahrt 
hat, die dazu führten die Abmachungen von Sardica einmal nicht zu halten. 

Am 24. Mechir [19. Februar] 356 floh Athanasius wiederum aus Alexandrien 

7* 



Digitized by 



Google 



52 E. SCHWABTZ 

und kelurte erst nach Constantias Tod am 27. Mechir [21. Februar] 362 znrück. 
Es ist also niobt wunderbar, wenn in dieser Zeit zweimal die Osterfeier in den 
beiden Hauptstädten nicht auf den gleichen Tag fällt. Die Termine des Jahres 
860 sind ohne Schwierigkeit zu verstehen. In Alexandrien wurde auf die Römer 
keine Rücksicht genommen; man blieb bei dem durch den Cydus gegebenen 
Datum des 23. April. Dagegen hielten die Römer den 19. März, den ihre Oster- 
tafeln verlangten, nicht fest, sondern transponirten das Fest auf den 16. April : 
der 23. war für sie unmöglich. Die Lösung entspricht genau der des Jahres 
330, und man kann muthmassen dass der 16. April im Pinax von Sardica ge- 
standen hat. Irrationell ist der römische Ostertermin von 357. Es stand nichts 
^m Wege mit den Alexandrinern den 23. März zu nehmen, auch das Mondalter 
war tadellos : trotzdem steht in der Osterliste des Chronographen von 354 der 
30. März, ein Datum das durch Rechnung nicht hätte gefunden werden können. 
Bedenkt man dass Bischof Liberius seit 3B5 verbannt, sein Nachfolger Felix 
den der Kaiser der Gremeinde aufoctroyirt hatte, nicht allgemein anerkannt 
war, so wird man weniger darüber erstaunen dass der Ostertermin falsch an- 
gesetzt wurde, auch ohne dass die Entschuldigung vorlag, man müsse sich mit 
den Alexandrinern vertragen. 

Nachdem das 'Wölkchen' der julianischen Verfolgung abgezogen war, führte 
Athanasius in Alexandrien das Regiment bis zu seinem Tode am 8. Pachon 
[3. Mai] 373. Dass die Römer 368 und 371 ihre frühen Termine, den 23. und 
gar den 20. März, der alexandrinischen Schaltung opferten, begreift sich ohne 
weiteres: weder der 20. noch der 17. Aprü waren an und für sich anstössig 
und auch die Mondalter waren unbedenklich, üeber das zweite Datum bemerkt 
Pabst Leo bei Gelegenheit des Osterstreits von 455, dem Jahr das cyclisch 371 
entspricht [Krusch. Studien p. 262]: nani in nostris annalibus XV Kl. Maias dies 
apertissime a patribus nostris et constitutus legitur et eelebratus. Festgesetzt 
war der Termin nicht nach den Regeln des Cyclus, sondern nach den Ab- 
machungen von Sardica. Dagegen liefert das Jahr 373 wieder eine irrationelle 
römische Osterfeier. Der 31. März der Alexandriner mit dem Mondalter XXI, 
an dem nach dem Brief des Proterius [Krusch, Studien p. 273] in Alexandrien 
wirklich Ostern gefeiert ist war für die Römer nicht nur acceptabel, sondern 
correct: denn er hatte in ihrem Cyclus das Mondalter XXII; dagegen war das 
Mondalter XV des 24. nach ihren Regeln falsch. Trotzdem wurde Ostern von 
ihnen an diesem Tag gefeiert; der Grund ist unfindbar. 

In die Jahre 374 — 378, während derer Athanasius Nachfolger in Rom als 
Vertriebener lebte, fallen keine Discrepanzen der Cyden. 379 wird in Rom 
wieder um der Alexandriner wülen das Fest vom 24. März auf den 21. April 
verlegt. Diese fast zur Regel gewordene Praxis die frühen Termine aufzugeben, 
wenn sie dem alexandrinischen Cyclus widersprachen, muss schon bei den Zeit- 
genossen, um von den Neueren zu schweigen, die Einsicht in die Consequenz 
und die Structur des 84jährigen Cyclus zerstört haben; als im Jahr 382 sein 
zweiter Umlauf begann, war in Rom schon die Meinung fest geworden dass die 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 53 

alexandrinische Grenze für den Ostersonntag, der 22. März, eine onverbrüchliche 
Regel sei, nnd man hatte sieb so an das Transponiren gewöhnt, dass die frühen 
Termine die bei den Epakten XXVI — XXX hätten angesetzt werden müssen, 
ans den für den zweiten Umlauf des Cyclns berechneten Tabellen verschwanden 
oder sich nur noch in den im Grunde irrationellen und dem Wesen des Cyclus 
widersprechenden Doppeldaten behaupteten. Trotzdem dauerte es noch lange, 
ehe man sich entschloss den Cyclus, den man rieht mehr verstand, zu opfern. 

Diese Lage der Dinge wurde von der ehrgeizigen Politik des Theophilus 
und Cyrill weidlich ausgebeutet. Vielleicht hat Theophilus mit der Publikation 
seiner Ostertafel durch die er sich von der Rücksicht auf Rom loslöste, gewartet 
bis zum Jahre 392, in dem der BOjährige Pinax von Sardica ablief; nach- 
gegeben hat er den Occidentalen schon vorher nicht. Diese haben im Jahr 
890 nicht versucht das echte Datum ihres Cyclus, den 24. März, gegenüber 
dem 21. April der Alexandriner zu behaupten; aber im Jahr 387 wurde 
für sie die Lage schwierig. Der alexandrinische Cyclus verlangte den 
25. April: auf den liess man sich nicht ein. Dem correcten Datum, dem 
21. März, trauten die Römer nicht: denn die alexandrinische Ostergrenze war 
ihnen allmählich so vertraut geworden, dass sie nicht mehr wagten dagegen 
zu opponiren. Nach Analogie des Jahres 330 nahmen sie, trotz des Mondalters 
XV, den 18. April. Es ist von Interesse zu sehen, wie die Computisten sich 
mit diesem Datum abgequält haben. Der Cölner Prolog bewahrt noch eine 
deutliche Spur davon dass der 21. März das correcte Datum des römischen Cyclus 
ist [Krusch, Studien p. 235] ; es war in diesem Falle durch das incorrecte Mond- 
alter des transponirten Ostersonntags geschützt: 

nnlliim san^ pertnoueat eo quod quintus [nach der richtigen Zählung das 6., 
8. oben S. 42] anntis de cyclo designatum diem pcischae habeat, hoc est XII Kl. Ap, 
[21. März], die dominica^ luna XV L hoc semel in annis LXXXIIII faciendum est 
hac ratione, eo qtwd tiiolentia lunae uel lex paschae prohibet ne die V Kl, Ap, 
[28. März] aliquis praestimptiue aestintet se pascha facere, quo die erit luna XXIII 
et super semisse^), maxime cum lege sit cautum ne modum lunae statutum aliquis 
excedat et in grauem offensionem incurrat , sed potius est ut die XII Kl, Ap. cele- 
bretur pascha, uhi leuis reprehensio est, quam criminis nota, sicuti et in ueteri 
laterculo continetur. 

Das Datum gegen das hier in scharfen Worten polemisirt wird, steht im 
Paschale des Cod. Regln. : denn für VI Kai, Apr. ist natürlich V Kai. Apr. zu 
lesen. Das Mondalter XXI ist gefälscht. Es ist derselbe Ausweg den nach 
dem Zeugnis des Paschasinus [vgl. oben S. 49] die römischen Tabellen im Jahr 
360 einschlugen. Während in diesen beiden Ostertafeln der wirklich gefeierte 
Ostersonntag mit keinem Wort erwähnt wird, steht in der Zeitzer Ostertafel, 
einem ephemeren Versuch den 84jährigen Cyclus zu verbessern, zum Jahr 51, 



1) Ueber diese Pseudogenaaigkeit vgl. Emsch, Stadien p. 54. 



Digitized by 



Google 



54 £. SCHWABTZ 

das 387 cyclisch entspricht, eine historische Notiz die den wahren Sachverhalt 
auf den Kopf stellt [Chron. min. 1,B08J: TlieophUus pasc. in XIIII Kai. Mai. 
pronuntiauitf quod forte sü melius, tantum id XII Kai. ApriieSj quod Latini ele-- 
gerantj refutetur. Der Zeitzer Cyclns hat für die Lateiner den 21. März, wie 
der Cölner Prolog, festgesetzt: es ist das der lateinischen Rechnung, nicht 
das in Born factisch gefeierte. Denn dass der Chronograph von 864 
das historisch richtige Datum, den 18. April, giebt, wird im höchsten 
Grade wahrscheinlich gemacht 1) dadurch dass die Cyclen es nicht kennen, 
2) durch die Analogie des Jahres 330, dessen historischer Ostersonntag sicher 
überliefert ist; die Yermuthung ist kaum zu kühn, dass der Pinax von Sardica 
die Schwierigkeit in dieser Weise gelöst hatte, so dass beide Theile nachgaben. 
Dieses Compromissdatum ist von der Zeitzer Ostertafel dem Theophilus zuge- 
schrieben, mit unrecht: denn dass 387 in Alexandrien, ja im Orient überhaupt 
Ostern am 25. April gefeiert ist, steht durch den Brief des Proterius *) und die 
dritte Judenpredigt des Johannes Chrysostomus ^ unbedingt fest. Theophilus 
ignorierte die Abmachungen von Sardica und Hess es darauf ankommen , dass 
die römische Osterfeier auf einen anderen Tag fiel. 

Nach einem unter Ambrosius Namen überlieferten Brief [t. IV 3 ed. Rom.j 
hat sich die mailänder Kirche, im Gegensatz zur römischen, dem alexandrinischen 
Termin anbequemt; das Schreiben ist an die Bischöfe der Aemilia gerichtet und 
will beweisen dass das alexandrinische Osterdatum für das Jahr 387 das richtige 
ist. Aber der Brief ist, wie schon Krusch ausgesprochen hat [Studien p. V], 
eine Fälschung, frühestens des 6. Jahrhunderts: er benutzt den Prolog des 
Dionysius Exiguus zu seinem Cyclus so wie seine Uebersetzung des Briefes des 
Proterius. Aus jenem ist die Behauptung entlehnt, dass das nicaenische Concü 
den 19jährigen Cyclus eingeführt habe. Wie der Brief des Proterius geplündert 
ist, mag folgendes Beispiel zeigen: 

Ps. Ambros. epist. Proter. 

ipse ergo qui per legem locutus est, postea sed qui haec per Moysen locutus est da- 

ueniens per uirginem nouissimis tempori- minus plenitudo legis existens, quando 

bus plenüudinem legis consum^nauity quia dlgnatus est homo fieri, quinta sabbatorüm 

uenit fwn legem soluere, sed implere, et XIIII luna mensis primi in cenaculo cum 

celebrauit pascha hebdomade in qtux fuit disdpulis pascha manducans, paulo post a 

quartadecima luna quinta feria. denique luda traditur et sequenti die XV. luna 

ipsa die, sicut superiora docent, pascha cum cru^nfigitur, id est sexta feria, et ad inferos 

discipulis manducauit ; sequenti autem die, descendens . . . uespere sabbati luciscente 

1) Krusch, Studien p. 273 in centensitno quoqt^e tertio anno ab imperio praefati Diocletiam, 
cum luna paschalia XIIII Parmuthi XKIII die [18. April], qui est XIIII Kl. Mai., esset die 
dominico superuentiMra, Herum sepUmana quaesita est et dominicum pascha XXX. die mensis ipsius 
Parmuthi [25. April], qui est VII Kai. Maias, constat esse celebratum propter angustiam temporis 
imminentem \9im x^v toD %aiQO^ 6XBv6vqta ini%Bi(ikivriv]. 

2) Von dieser wird in einem späteren Abschnitt ausführlicher die Bede sein. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 66 

lioc est sexta feria, crucifixus est luna dominico resurrexit a mortuiSy in quo die 
quinta decima. sabbato quoqiie magno ülo lunam XVIL primi mensis iuxta Hebraeos 
sexta decima ftiity ac per hoc septima de- extitisse manifestum est. 
cima luna resurrexit a fnortuis. 

Die Osterdaten von 373 und 377 die Proterins für sich anführt, kehren in 
dem ambrosianischen Brief wieder, mit den aegyptischen Monatsnamen und den 
Jahren der diokletianischen Aera, einer im Westen unerhörten Datirung. Die 
Behauptung, im 76. Jahre Diocletians [= 360] sei Ostern am 28. Pharmuthi 
= 23. April gefeiert sine tdla dubitatione maiorumy ist eine Schwindelei, die durch 
die occidentalische Ueberlieferung und den Brief des Paschasinus bündig widerlegt 
wird. Das dürfte genügen um das Schreiben abzuthun : es ist historisch wertlos, 
und dem schriftstellerischen Ruf des Ambrosius kann es nur zu Gute kommen, 
wenn die frostigen und unklaren Allegorien mit denen es überladen ist, als das 
Product eines Fälschers sich herausstellen. 

Ueberblickt man die 60 Jahre von 343 — 392 noch einmal im Ganzen, so 
stellt sich zunächst heraus dass trotz der auf dem Concil von Sardica getroffenen 
Vereinbarung die Osterfeier in Rom und Alexandrien sechsmal differirte, in den 
Jahren 343. 350. 357. 360. 373. 387. Von diesen Jahren erledigen sich 343. 360 
ohne Weiteres dadurch dass Athanasius nicht in Alexandrien regierte, 357 waren 
sowohl Athanasius wie Liberius vertrieben; 387 fällt schon in die Zeit des 
Theophilus, der Rom seinen Willen aufzwingen wollte. Die Differenz des Jahres 
350 ist vielleicht durch die Usurpation des Magnentius zu erklären; räthselhaft 
bleibt nur die von 373. TJnt^r diesen Umständen sehe ich nicht, wie man die 
Osterliste des Chronographen von 354 mit dem Argument angreifen will, dass 
sie zu den Verabredungen von Sardica nicht stimme. Ferner hebt sich das 
römische Princip den 21. April nicht zu überschreiten in den Ansätzen für die 
Jahre 349. 360. 387 scharf und deutlich heraus, ebenso die Anerkennung der 
alexandrinischen Ostergrenze in den Terminen von 360 und 371. Das Mondalter 
XV ist verworfen 343. 346. 360, dagegen acceptirt 360 und 387. Am häufigsten 
ist die Schaltung des 84jährigen Cyclus geopfert: 344. 352. 360. 368. 371. 379. 
387. 390; die Construction des Cyclus ist, wie schon gesagt, durch die Compro- 
misse mit Alexandrien zerstört. 

Und die Compromisse trugen nichts ein: denn Theophilus beanspruchte die 
absolute Giltigkeit für seine Tafel, und das alexandrinische Patriarchat hat sich, 
seitdem sie veröffentlicht war, um die Bedenken der Occidentalen nicht ge- 
kümmert; wenn sie Ostern gegen die Regeln der Enneakaidekaeteris ansetzten, 
ßo wars ihre Schuld. Innocenz' und Leos Briefe zeigen, wie man in Rom die 
Ostertafel des Theophilus mit den eigenen, den historischen und den cyclischen, 
verglich. Die Compromisse von Sardica wirkten insofern nach, als man keinen 
Ostersonntag vor dem 22. März anzusetzen wagte und die Schaltung in diesem 
Umlauf des Cyclus so gut ignorirte wie im vorigen; Paschasinus muss Pabst 
Leo das Princip des embolismus nach der Enneakaidekaeteris auseinandersetzen, 
nach dem 84jährigen Cyclus, wie er jetzt gehandhabt wurde, wars nicht mehr 



Digitized by 



Google 



66 E. SCHWABTZ 

möglich. Trotz aller Connivenz blieben die Differenzen nicht aus, ja sie worden 
immer bösartiger, weil allmählig auch die fehlerhafte Constraction des 84jährigen 
Cyclas sich geltend machte und eine neue Schwierigkeit in die Rechnnng hinein- 
brachte. 406 hat man in Rom, nm den 22. April nicht anzunehmen, Ostern volle 
4 Wochen früher, genau nach dem römischen Cyclns gefeiert; sonderbar ist 
wieder der Termin des Jahres 404, 10. April l. XIII I: auch für diese Incorrect- 
heit lassen sich die Ursachen nicht nachweisen. Von 412 ab hören die conti- 
nuirlichen Daten auf. Noch 417 ist der 25. März dem alexandrinischen 22. April 
vorgezogen; aber nach und nach kam auch die Grenze des 21. April, die die 
Römer am zähesten vertheidigt hatten, ins Wanken. Pabst Leo schreibt am 
15. Juni 463, dass der 24. April unerhört sei, der 22. und 23. könnten concedirt 
werden [Erusch, Studien p. 259] : quod enim in decimum et in nonum Kl. Maias uidetur 
nonnumqtiam peruenisse festiuitas, quadam raäone defendUur, quia etsi dies resurrecHonis 
uUra terminum uidetur exisse, dies tarnen passUmis limitem posUum non inuenieiur 
egresstis. ad octauum atUeni KL Maias paschaleni öbseruantiam perducere nimis 
insolens et aperta transgressio est. Der alexandrinische Cyclus fordert den 
22. April im Jahr 428, den 23. 444: es steht fest dass man im letzteren Jahr 
nachgegeben hat^); wahrscheinlich ist damals zuerst Ostern in Rom nach dem 
21. April gefeiert. Auch 455 gehorchte Leo schliesslich dem Kaiser Mardan; 
nach dem Sieg von Chalkedon war diese Niederlage ja auch zu ertragen. 

Für die Jahre 312 — 327 stehen allerdings die Daten der römischen Oster- 
feier fest, nicht aber die der alexandrinischen. Denn, wie oben gezeigt wurde, 
ist es mindestens zweifelhaft, ob die Enneakaidekaeteris damals schon ihre 
kanonische Gestalt erhalten hatte, und es ist mit Sicherheit anzunehmen dass in 
einzelnen Fällen die Alexandriner den Römern zu Gefallen von ihren Regeln 
abgewichen sind. Der Compromiss vom Jahr 333 beweist dass die beiden Päbste 
des Orients und des Ocddents sich schon vor dem Concil von Sardica über das 
anzusagende Osterdatum zu verständigen pflegten, und von der Politik des Theo- 
philus und Cyrill war Alexander noch weit entfernt: im Gregenteil, für ihn wie 
für Athanasius ist die Eintracht mit dem Stuhl Petri der leitende Gesichtspunkt. 
'Einheit der £irche' war das Programm Constanüns schon lange vor 325: das 
occidentalische Concil das 314 auf seinen Befehl in Arles zusammentrat, stellte 
an die Spitze seiner Beschlüsse : at id primo in loco de uita nostra atque utüitaie 
tractandum fuü ut quia unus pro muUis mortuus est et resurrexU^ ab omnibus tempus 
ipsum ita religiosa mente obseruetur, ne diumanes uel dissensiones in tanto obsequio 
deuoticmis possint exsurgere. censemus ergo pascha domini per orbem totum una die 
observari. Es ist von vornherein unglaublich, dass die alexandrinischen Bischöfe 
der neuen Aera, die der 'Christus liebende' E^er im Westen inaugurirte, Oppo- 

1) Krosch [Stadien p. 101] verweist mit Recht auf Prospers Chronik zum Jahr 444 [Chron 
min. 1, 479] : Äoc anno pascha domini Villi Kai. Maias celebratum est nee erratum est, quia in 
die XI Kai, Maias dies passionis fuü. Die officielle Argamentation, die den Papst yor der Ge- 
meinde rechtfertigen sollte, ist in der Chronik mit der Tatsache sasammen überliefert; sie kehrt 
in dem dtirten Brief Leos wieder. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 



57 



sition gemacht hätten in einer Sache die kein dogmatisches Interesse hatte: 
wenn irgendwo, war hier ein kluges und geschmeidiges Nachgeben geboten. 
Dasselbe galt für die Occidentalen: sie machten für die siegreiche Eirche und 
ihren kaiserlichen Protector Propaganda, wenn sie es so viel als möglich dahin 
brachten dass in dem zweigetheilten Reich die Kirche an ihrem Hauptfest 
äusserlich und sichtbar demonstrirte dass sie die eine und die ^katholische' war. 
Es heisst die politischen Verhältnisse gröblich ignoriren, wenn man meint aus 
den römischen Osterfeiern dieser Jahre ohne weiteres Regeln abstrahiren zu 
können und Ausnahmen die durch Compromisse von Fall zu Fall zu erklären 
sind, zu Principien stempelt. 

Nimmt man an, was sich allerdings nicht strict beweisen lässt, dass der 
84jährige Cydus in seiner ausgebildeten Gestalt schon von 312 ab gebraucht 
wurde, so ist in den sechszehn Jahren von 312—327 Ostern nicht weniger als 
sechsmal an einem anderen Tage gefeiert als es der Cyclus verlangte, nämlich 
313. 314. 316. 317. 320. 323. Stets trifft das Datum mit dem des alexandrinischen 
Cyclus zusammen. 314 ist statt des 21. März der 18. April genommen, ein 
Beweis dass der 25. Phamenoth [21. März] damals schon in Alexandrien für un- 
kanonisch galt. Die übrigen Discrepanzen der wirklichen römischen Osterdaten 
vom 84jährigen Cyclus gehen die Mondalter an; eine Tabelle veranschaulicht 
sie am schnellsten und deutlichsten: 



Jahr 


Ostersonntag nach dem 
römischen Cyclus 


Mond 
röm. 


lalter 
alex. 


Ostersonntag historisch 


Mon^ 
röm. 


lalter 
alex. 


313 


5. April 


XXII 


XXIII 


29. März 


XV 


XVI 


316 


1. April 


XXI 


xxn 


25. März 


xnn 


XV 


317 


21. April 


XXII 


xxm 


14. April 


XV 


XVI 


320 


17. April 


XXI 


xxn 


10. April 


xiin 


XV 


323 


14. April 


XXII 


xxm 


7. April 


XV 


XVI 



Um dieser Daten willen ist bis zum Ueberdruss behauptet dass am Anfang 
des 4. Jahrhunderts in £om das Mondalter des Ostersonntags XV, ja sogar 
Xini habe sein können, obgleich nicht nur für die spätere Zeit, sondern durch 
die 112 jährigen Cyclen auch für das 3. Jahrhundert feststeht dass ein geringeres 
Mondalter als XVI für unzulässig galt. Es ist absolut unbegreiflich, wie man 
in Rom mit diesem Princip plötzlich gebrochen haben sollte, um es nach 
wenigen Jahren wieder aufzunehmen und mehr als ein Jahrhundert hindurch 
gegen die Alexandriner zu verteidigen. Die Schwierigkeit löst sich sofort, wenn 
jene Daten nicht als Zeugnisse für eine ältere supputatio Romana — die es nie 
gegeben hat — , sondern als Concessionen an die Alexandriner aufgefasst werden, 
und ich halte die Vermuthung dass schon vor dem Concil von Arles Rom und 

Abhandinngen d. K. Ges. d. Wiss. zn GAttingen PhiL-hüit. KL N. F. Bond 8,e. 8 



Digitized by 



Google 



58 E. SCHWARTZ 

Alexandrien über das Osterfest verhandelten, für leichter nnd wahrscheinlicher 
als die andere dass die continnirliche Tradition über die principiellen Osterregeln 
für ein paar Decennien in Rom unterbrochen worden sei. Mit demselben Rechte 
konnte man ja auch ans der alexandrinischen Osterfeier von 333 ableiten dass 
man in Alexandrien das Mondalter XIV zeitweilig für correct gehalten hätte. 

Dreimal entsprechen die römischen Osterdaten dem 84jährigen Cydns, 
weichen aber vom alexandrinischen ab. Dass man 322 den 22. April nicht 
acceptirte, bedarf keiner Erklämng. 326 haben die Römer ihre Regel über iäs 
Mondalter durchgesetzt. Es ist das Jahr nach dem nicaenischen Concil, auf dem 
der Occident Alexandrien zum Siege verhelfen hatte : ich meine, es ist begreiflich, 
warum diesmal, wie 346, der alexandrinische Bischof nachgegeben hat. Für die 
Geschichte des alexandrinischen Cj-clus wäre es sehr wichtig, wenn das histo- 
rische Datum der alexandrinischen Osterfeier von 319 erhalten wäre. Das ka- 
nonische, der 22. März, widersprach den römischen Regeln über das Mondalter ; 
wenn ich aber mit Recht vermutet habe dass die kanonische Enneakaidekaeteris 
erst später eingelührt ist, so fällt in dies Jahr die einzige Discrepanz zwischen 
dieser und der des Anatolius, die in diesem Zeitraum vorkommen konnte: denn 
Anatolius muss den Ostertag auf den 1. Pachon [26. April] gelegt haben. Es 
ist möglich dass dies Jahr zu der Abänderung seines Cyclus geführt hat, von 
der oben die Rede war. Uebrigens spricht nichts dagegen und die Observanz 
der folgenden Jahrzehnte dafür dass nicht nur 326, sondern auch 819 und 322 
Alexander seine Ansätze gegenüber den römischen nicht aufrecht erhalten hat. 



IV 

Ocddentalische Cyclen des 5. Jahrhunderts 

Die Geschichte des 84 jährigen römischen Cyclus ist die Greschichte einer 
allmählichen Zerstörung. Sie wird ergänzt und fortgesetzt durch die Betrachtimg 
einer ganzen Serie von Theoremen und Cyclen die auf dem Boden jener Zer- 
störung emporgewuchert sind. Geschichtliche Bedeutung hat nur der Ckp^sus 
paschalis des Victorius gewonnen; doch ist es leider bis jetzt nicht möglich die Er- 
örterung auf diesen zu beschränken. Denn einerseits sind die anderen Versuche 
den 84 jährigen Cyclus zu corrigiren oder zu ersetzen fiir das Verständniss des 
Victorius nicht unwichtig, andererseits hat die moderne Forschung, besonders 
Krusch, diese Versuche überschätzt und Folgerungen aus ihnen gezogen, die der 
Geschichte der occidentalischen Osterberechnung verhängnissvoll geworden sind. 
Ich kann es daher mir und, was schlimmer ist, meinen Lesern nicht ersparen 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEßTAFELN 59 

eine kleine Weile sich mit dieser heiklen und unerquicklichen Materie abzugeben 
und die chronologische Ignoranz des Occidents aus nächster Nähe zu betrachten. 

Ln Jahr 397 ^) veröffentlichte Q. lulius Hilarianus eine kleine Schrift De 
ratione paschae^ die noch erhalten ist. Sie ist keine Ostertafel, auch kein Ent- 
wurf zu einer solchen, sondern nur ein Conglomerat von Theoremen über die 
Osterrechnung. Zunächst soll aus der Bibel bewiesen werden dass die Neumonde 
des 'ersten' Monats mit Recht zwischen dem 5. März und 2. April, die Voll- 
monde also zwischen dem 18. März und 15. April liegen. Der Beweis wird dem 
Computisten von 243 entlehnt. Der Mond ist am 4. Tage nach dem 25. März als 
Yolbnond geschaffen. Daraus folgt nun freilich dass der erste Neumond des 
ersten Monats, der erst im zweiten Weltjahr eintreten konnte, auf den 4. März 
föllt : denn der Vollmond am 28. März ergiebt einen Neumond am 16., und die gleichen 
Mondalter müssen im folgenden Jahr 11 Tage früher eintreten. Der Computist 
von 243 erkennt eben die XlVlunae des 17. März noch als correct an; Hilarian 
thut das nicht mehr und muss nun zu einer Schwindelei greifen um zu zeigen 
dass nicht der 4., sondern der 5. März der frühste zulässige OstervoUmond ist. 
Er behauptet, man könne den 4. März nicht nehmen, weil er tricesinia quae et 
prima sei, ein Neumond der zugleich der letzte und erste Tag eines Mondmonats 
sei. Mit diesem Ausdruck benennen die lateinischen Compatisten den ersten Tag 
«ines vollen Mondmonats: die zu Grunde liegende Annahme, als könne man den 
Mondmonat stets zu 30 Tagen rechnen und bei den hohlen Monaten das Plus 
durch Correctur beseitigen, wird gern zu fictiven Rechnungen benutzt. Der von 
.Hilarian angewandte Kniff wäre verhältnissmässig harmlos, wenn er nicht einen 
weiteren Fehler enthielte, der nur durch einen Betrug verdeckt werden konnte. 
Da der erste Monat des ersten Jahres gleich dem Ostermonat ist, muss er hohl 
sein, also ist auch der erste Monat des zweiten Jahres, der mit dem 4. März 
beginnt, hohl. Auf Neumonde der hohlen Monate passt aber die Redensart 
tricensima quae et pritna nicht; in der Fuge der vollen und der hohlen Monate 
beanspruchen die Mondalter XXX und I nicht einen, sondern zwei Tage, um 
nun den 4. März zum Neumond eines vollen Monats zu machen, rechnet Hilarian so : 

Vollmond 28. März; letzter Monatstag 12. ApriL Der Monat ist hohl. 

Letzter Tag des zweiten Monats 12. Mai. Der Monat ist voll. 

Letzter Tag des dritten Monats 11. Juni. Der Monat ist wiederum voll, 
während er hohl sein müßte. 

Von da an wechseln hohle und volle Monate mit einander ab, so dass durch 
den absichtlichen Fehler im dritten Monat der Zweck erreicht wird, den ersten 
Monat des zweiten Jahres aus einem hohlen zu einem vollen zu machen. 

Ferner handelt Hüarian von den Gremeinjahren und den embolismi, den 
Mondschaltjahren. Die Theorie der Schaltung entlehnt er wiederum dem Com- 

1) Die Unterschrift lautet: tarn finem faciatnus nostro sermoni consummauimtMque hoc labo- 
rioswn [IJ opus in die isto HI Nonarum Martiarum posi consulaium Arcadii IUI et Honorii III 
X5. März 397]. Ein Schreiber hat, wie Kmsch p. 24 richtig bemerkt hat, hinzugefügt: Q. ItUiua 
HilarianiM explicuit emendauit die III Nonarwn Martiarum Caesario et Attico consulibus. 

8* 



Digitized by 



Google 



60 K. SCHWARTZ 

pausten von 243 ; es ist die primitive und falsche der Oktaeteris. Wenn er nun 
aber von 29 verschiedenen Ostemeumonden redet, so passt das zu dem Cyclus 
des Computisten nicht, der wie Hippolyt, nur 8 Daten tür die Mondphasen des 
Paschamonats hat: dies verräth vielmehr, dass Hilarian der 84jährige Cyclus 
vorschwebte, in dem entsprechend den zwischen 1 und 30 sich bewegenden 
Epakten 30 verschiedene Daten für die XIV lunae vorkommen können. Er 
nimmt freüich nur 29 an, weil der hohle Ostermonat nur 29 Tage hat, indem 
er nicht daran denkt dass der Schaltmonat mit seinen 30 Tagen die Rechnung 
modificirt. Diese Unklarheit zwingt ihn wiederum zu Schwindeleien. Er sagt 
zunächst richtig, dass auf die 11 Jahre die den Osterneumond vom 5. — 15. März 
haben, ein embolismus folgen muss. Denn vom 15. März kommt man im nächsten 
Jahr auf den 4.; da dieser Neumond zu früh ist, muss er um 30 Tage vorge- 
schoben werden. Für die Neumonde vom 5. — 14. März gilt dasselbe erst recht. 
Umgekehrt müssen diese durch Schaltung vorgeschobenen Neumonde auf den 
24. März — 3. AprU fallen; die Jahre also die einen von diesen Tagen zum Oster- 
neumond haben, folgen auf einen embolismus. Hilarian hätte bei dieser Gelegen- 
heit merken müssen dass er die imtere Neumondgrenze falsch auf den 2. statt 
auf den 3. April gelegt hatte, er geht über diesen Widerspruch stillschweigend 
hinweg. Es kommt aber noch schlimmer. Die 8 Ostemeumonde vom 16. — 23. 
März fallen nach ihm zwischen zwei Gemeinjahre, die 10 vom 25. März— 3. April 
nach embolistni. Er unterdrückt also den 24. März, um nicht 30 statt 29 Oster- 
neumonde zu erhalten. 

Über die Mondalter des Ostersonntags fasst sich Hilarian sehr kurz ; sonder- 
barer Weise folgt er nicht der occidentaüschen , sondern der orientalischen 
Tlieorie: a qiiarta decinia plena ad uesperum usque ad ulccsimam primam in azymis 
sinceritatis et ueritatls, mentis scilicet purltate, pascha doniino celebranms. 

In dem ganzen, jämmerlichen und unwissenden, Geschwätz Hilarians ist nur 
zweierlei von Wichtigkeit. Er rechnet statt mit den XIV lunae ^ wie es die 
Cyclen thun, mit den Ostemeumonden. Das ist in den modernen Handbüchern 
ebenso beliebt wie im Alterthum selten: es kommt fast nur in theoretischen 
Erörterungen vor; da stellt auch Anatolius die erste vov^rivCa an die Spitze. 
Femer stimmt Hilarians Behauptung dass die Osterneumonde zwischen dem 
5. März und 2. April hin und hergiengen, so wenig zu seinen Theoremen, dass 
er sie übernommen haben muss. Sie bestätigt dass am Ende des 4. Jahrhunderts 
die Construction des 84jährigen Cyclus schon nicht mehr verstanden wurde; 
die Vollmonde des 15.— 17. März sind aufgegeben, und die des 14. und 15. April 
zugelassen, auch in der Theorie. 

Demselben Hilarian hat nach dem Zeugniss des karthagischen Computisten 
von 455 der Afrikaner Agriustia aus dem Municipixmi Thimida Regia ein Buch 
De ratione pascJiali dedicirt, das, wie der Titel verräth, keine Ostertalel, sondern, 
wie das des Hilarian, ein theoretisches Werk war. Der karthagische Computist 
hat daraus ein Theorem über den saUtis lunae des 84 jährigen Cyclus erhalten. 
Wie oben auseinandergesetzt wurde, muss im 84 jährigen Cyclus die Epakte 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 61 

sechsmal statt mn 11 am 12 steigen; es geschieht dies regelmässig nach Ablanf 
von 12 Jahren und unterbleibt nur nach dem Ablauf der ganzen Periode. Die 
lateinischen Computisten, die den Sinn der Operation so wenig verstanden wie 
das scheinbare Ignorieren des dies bis sextus, haben nun die Spielerei ersonnen 
den einen überschüssigen Tag in 12 Teile zu zerlegen und zu behaupten dass 

die jährliche adiedio lunaris nicht 11, sondern H-r^ Tag betrage; in 12 Jahren 

Summiren sich die 12 unciae zu einem oä, das dann der Epakte zugelegt wird. 
Sie müssen freilich energisch einschärfen dass im 7. duodecennium des Cyclus 
diese Addition zu unterbleiben hat. Der Schluss lag nahe, dass dann eben der 

Bruch nicht genau — - betrage, und Agriustia kam auf den Gredanken, den wirk- 

. 1 . 1 

liehen Bruch, der natürlich nur —r- sein kann, durch unciae = -— und scripvli 

= auszudrücken. Er bekam heraus als den jährlichen Betrag der Epakte : 

[Krusch, Studien p. 281. 291] undecim dies, semiimcia^ duae selae [vulgärlateinisch 
für sextulae], scriptdum unum seniis, semiuncia^ duae selae, Krusch hat dies Mon- 
strum mit brillantem Scharfsinn erklärt [p. 25] ; die beiden letzten Werte sind 
Brüche nicht der Unze, sondern des Scripels. Auf den Tag als Einheit reducirt, 
lautet der Ausdruck in Zahlen 

12.2 "^ 12.6 "^ 12.24 12.24.2 "^ 12.24.12.2 "^ 12.24.12.6 * 
Schreibt man dafür 



1 ri 1 J[_ J_ 1 1 ] 

l2" * [T "^ "3 "^ "24 ■*" 48" "^ "576" ■*" "864" J 



1 Iß 

und fasst — als das Product von -7ö"*T» ®^ ^^* ^^ ^^ ^®^ Klammer stehende 

Bruchsumme ein Annäherungswert für — , nämlich ^p^Q- statt ^ - In der 

7 17zo 172o 

Rechnung steckt ein Fehler; setzt man statt 1^/2 Scripel V« Scripel ein, so er- 

1 4.ftl 

giebt die Klammer -t^^Tq • Dass dies der Sinn des ganzen Experiments ist und 

17aö 

Agriustia nicht etwa die Dauer des Mondmonats neu berechnet hat, zeigt eine 
andere Rechnung die der karthagische Computist anstellt [p. 286] : Vom 1. Januar 
bis 11. April sind 101 Tage. Das Mondalter des 1. Januar = 2 hinzuaddirt, macht 
103. 103 durch 60 dividirt ergiebt «5, hes, sicilicuSy duae selae, de scripulu trien, 
semiuncia, 8i{ci)lims' 

8 12 4 1 1 



12 ' 4.12 ' 6.12 ' 12.12.24 ' 12.2.12.24 ' 4.12.12.24 

An 

Es ist für jeden klar dass die Bruchsumme annähernd gleich — sein muss ; die 
Rechnung des karthagischen Computisten ist allerdings besser als die Agriustias. 



Digitized by 



Google 



62 E. SCHWARTZ 

Denn setzt man -ttt ^^ ttt ' 8 — und schreibt die Uncien nnd Scripel jenes Aus- 

drucks so: 

1 
12 



111 1 11 



4 ' 3 ' 72 ' 576 



691 691^ 

80 ergiebt die in der Klammer stehende Summe 8— -^5-, während 8 ^ ver- 

llD^ 1152 

langt wird. An einer späteren Stelle [p. 293] giebt der karthagische Computist 
als Resultat der Divisionen 367 : 60 und 732 : 60 an sexis uncia duae sdae 

16 + — + —\jmi dems dipondius sestan due sele \ 12 + — + -—\: wer nachrechnet, 

4 7 7 1 

findet dass einmal -r^ für -^-r-, das andere Mal ^ttt für -=- gesetzt ist. 

ob bU ob ö 

Beda leitet aus dem saltm lunae des 19 jährigen Cyclus ebenfalls eine jähr- 
liche Epakte von 11^1» Tag ab; den Bruch bestimmt er folgendermassen [de 
tempp. rat. 42 p. 228 Giles] : diminutio illa atque ablatio diei unius . . . hora per 
annos singulos et uno puncto et nonadecima parte unius puncti augetur. dies no/tn- 
que XXIIII habet horas, e quibus cum XVIIII totidem annis circuli decennouaiis 
distribueris, remanent V: has per IUI muUiplica, quia uidelicet Jiora IUI punctis 
constaty fiunt XX. da singulos annis singulis, et remanet unus: hunc diuide per 
XVIIII et uidebis quod ad saltum lunas complendum, ut diximus, annu^Uim hora et 
punctus et nona decitna pars puncti unius adcrescit. Das ist, wie immer bei dem 
seltenen Manne, klar, richtig und genau gerechnet; es zeigt wie solche Um- 
setzungen gemacht wurden. In der kürzeren Schrift de temporibus [12 p. 128 
Giles] steht dieselbe Rechnung ; dort ist sie von einem rechenkundigen Grlossator 
in nicht uninteressanter Weise verunstaltet: si naturam qucieras lunae primi 
mensis quae nunc in meridiCt et seciindiy quae nunc in medio noctis accendüur, anno 
futuro hora et uno puncto et [dccem momentis et dimidio nwmenti] nona decima parte 
unius puncti ante tnedium diei uel noctis ülustratur. 1 punctus hat 10 momenta 

[vgl. de tempp. 1 p. 123]; es sind also l^i» punäi = . + Tag in 

der Glosse geglichen mit 10^2 nwmenta = . .. — -+ ^ ^^ ^ ^. , und es ist in 

annähernder Rechnung einmal — für -— genommen. Wer aufmerkt, wird in 

antiken Rechnungen noch mehr Beispiele solcher Bruchrechnungen durch An- 
näherung finden. 

Ein grotesker Unsinn ist es nun, wenn Agriustia seinen falsch angenäherten Bruch 
■^•[y + y +"^ + ^ + W + w] °^* ^ multiplicirt. Denn wenn das Re- 
sultat der Multiplication = 6+~+ ^^ 24 "^ 12 12 24 ^^^^ richtig ist, so ist 
doch diese Bruchsunmie nur durch die Multiplication eines Fehlers entstanden: 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 63 

"bei richtiger Rechnung müssen durch die Multiplication des Bruchtheils der 
jährlichen Epakte mit 84 die 6 saltus lunae des 84 jährigen Cyclus herauskommen, 



und dass schliesslich Agriustia jene Summe gleich 6 dies 3^/« horae 
Tag gerechnet] weniger 2 puncti 



der pundus = der hora 



die hora = */i2 
bestimmt, ist 



nichts als eine eitle Grenauigkeit in der Ungenauigkeit. Ein neuer Cyclus lässt 
sich mit solchen Computistenspielereien nicht construiren, und Agriustia hat das 
auch so wenig gewollt wie Hüarian. Was von seinen Theoremen erhalten ist, 
hat vielleicht ein gewisses Interesse für die Greschichte der antiken Rechenkunst ; 
für die Entwicklung der Ostercyclen ist es bedeutungslos. 

Dagegen ist ein anderes Werk . mit dem der karthagische Computist sich 
auseinandersetzt, wirklich eine Ostertafel gewesen, das des Augustalis. Er theilt 
aus ihm zwei Bruchstücke wörtlich mit, die unter allen Umständen zur Grund- 
lage der Erörterung gemacht werden müssen fp. 290 Krusch] : 

qiiod autem^ inqnUj non ab eo anno quo passus est dominus, annorum ordinati 
sunt ciradi imiestigati adque repperiti, conpendii utilitas siiaslf. a daobus Geminis 
consulihus [29] quo anno passus est dotninus, usque ad annuni consnlatus Äntonini 
quater et Albini [213], qui in hoc opere primus est, anni centum octuginta sex nume- 
rantur, et quia Iwc eodem consule contigit ut omnifariam paschae dies diei passionis 
domini conueniref, utilitas oblata conpendii fastidiri non debuU. 

Das zweite Bruchstück ist der Anfang des Cyclus, die Notate zu seinem 
ersten Jahr = 213: 

Kai. lanuaris liina XX, feria VI, quarta decima primi mensis octauu Kai. 
Apriles [25. März] feria F, dominicum pascae V Kai. Äpriles [28. März] luna 
VII . X. 

Das Jahr 213 entspricht im 84 jährigen Cyclus den Jahren 297. 381- 465; 
es ist das 84. desjenigen Cyclus der nach dem Brief des Paschasinus mit dem 
Jahr 382 begann und den ich eben in ausführlicher Tabelle reconstruirt habe. Die 
Notate des Augustalis stimmen genau mit denen überein, die jener Cyclus zu seinem 
84. Jahr vermerkt [vgl. S. 49). Mit anderen Worten, der laterculus des Augustalis 
ist nichts anderes als eine Ostertafel des 84 jährigen römischen Cyclus, die nur 
um eiu Jahr zurückgeschoben ist, um ein Datum der XIV lunae an die Spitze zu 
stellen, das mit dem occidentalischen Passionsdatum, Freitag 25. März, überein- 
stimmte. Augustalis hütete sich wohlweislich die cyclische Rechnung nach rück- 
wärts bis zum Passionsjahr fortzusetzen: denn cyclisch gleicht dem Jahr 213 
das Jahr 45, das ohne entsetzliche Verwüstungen der Consulliste nicht zu dem 
der beiden Gemini, dem tralaticischen Passionsjahr der Occidentalen, gemacht 
werden konnte. Übrigens war in der von Augustalis benutzten Eponymenliste 
zwischen 29 und 213 wenigstens ein Jahr zu viel, wie die Differenz von 186 
Jahren verräth; wer alle Verfälschungen von Consuln- und Regentenlisten auf- 
zahlen wollte, welche durch die chronologia sacra veranlasst sind, müsste einen 
sehr dicken Folianten zusammenschreiben. Der echte 84 jährige Cyclus ist ebenso 
wie der alexandrinische ohne Rücksicht auf ein bestimmtes Passionsjahr con- 



Digitized by 



Google 



64 E. SCHWARTZ 

struirt: Augnstalis Versuch es hineinzubringen ist verhältnissmässig harmlos; 
aber gerade dass der Versuch so unbeholfen ausgefallen ist, so offen die Ab- 
sicht verräth, zeigt dass Augustalis einem Vorbild folgte. Das erste Beispiel 
eines vom Passionsjahr ausgehenden Cyclus giebt die Zeitzer Ostertafel von 
447; sie ist auch ein laterculus der mehrere Cyclen hinter einander bietet und 
die abgelaufenen mit den Jahreseponymen versieht. Etwas ähnliches muss 
für Augustalis vorausgesetzt werden, wenn seine Tafel mit 213 anfieng; der 
karthagische Computist spricht auch von drciili, nicht einem circulus des Augustalis. 
Ich will nicht behauptet haben dass Augustalis und die Zeitzer Ostertafel in 
directem Zusammenhang mit einander stehen; ihre Vergleichung genügt um 
wahrscheinlich zu machen dass sie in dieselbe Zeit gehören, und davor zu warnen 
Augustalis darum ins 3. Jahrhundert zu rücken, weil sein Cyclus mit dem Jahr 
213 anfängt. 

Es ist möglich, sogar wahrscheinlich dass Augustetlis daraus dass er den 
84 jährigen Cyclus um ein Jahr früher beginnen liess, die Consequenz zog dass 
er auch die 12 jährigen saltus lunae um ein Jahr verrückte, wodurch natürlich 
eine gewisse Verschiebung der Epakten und der XIV lunae entstehen musste. 
Sicher ist aber, dass der laterctdus des Augustalis insofern mit der Construction 
des älteren Cyclus übereinstimmte, als er ebenfalls 6 12jährige saltus lunae 
hatte, und nicht etwa die 84 Jahre des Cyclus in 14 jährige Perioden mit je 
einem saltus abteilte. Der karthagische Computist ergeht sich in weitschweifigen 
Auseinandersetzungen darüber dass jede Epakte jährlich um W\\2 zxuiehme und 
daher alle 12 Jahre um 12 statt um 11 steige, nur am Schluss des Cyclus 
müsse diese Einheit von der Rechnung 'abgelehnt' werden. Er schlägt gegen 
Agriustia einen sehr groben Ton an, weil er mit seiner Scripelrechnung dies 
System in Unordnung bringe [Krusch p. 290]: Agriustia uero, primus prauüatis 
cultor et erroris sui amator assertionisque suae imperitissimus doctor, assem ipsum 
quem dum diximus declinandum, annos per singulos scripulis äissipare conatur. Dieser 
Tadel würde Augustalis in viel höherem Masse treffen, wenn er statt alle 12 
Jahre eine Einheit der Epakte zuzulegen und dies nur einmal zu unterlassen, 
es alle 14 Jahre getan hätte, wobei natürlich kein ^as abgelehnt' werden 
konnte; der karthagische Computist behandelt ihn aber mit der grössten Ach- 
tung [p. 289] : Awfustalis sui [d. h. eines eigenen] laterculi autor, dum et lUterarum 
Sit scientia praeditus et caleulcUionis arte peritus. Ihm missfallt an diesem Vor- 
gänger nicht die Theorie, sondern dass er das Passionsjahr nur scheinbar, nicht 
wirklich an die Spitze seines Cyclus gestellt und dass er die saltus lunae an 
falscher Stelle eingeschaltet hat, d. h. zwar in denselben Intervallen, aber nicht 
in denselben Jahren und bei denselben Epakten wie er selbst: 

p. 281 Krusch: quod si Augustalis sex, ut dixi, asses in laterculi membris 
certis numeris [auf die Worte kommt es an: 'in bestimmten Abständen', 
nämlich von dem Passionsjahr das der karthagische Computist annimmt] inmisisset^ 
mdlatenus in lunari cursu et paschalibus annis uitium incurrisset, quius [quibus Hs.> 



Digitized by 



Google 



OHRISTUCHE UND JODISGHE OSTEBTAFELN 66 

von Erusch verbessert] ex prouenUim erroris huno assem in 8tu> Itinari curso 
superflue uariatim uistis est praerogare. 

p. 280: ergo oäogges qucUer unciae septus [d.h. 84.^18 =» 7] et septies decus 
dipundius [d. h. 7 . 12] haheas annos oäogitUa quaUuor^ quibus sandissimae memoriae 
Augustalis sex de Septem assihus in ocdoadihus et endecadihus suis non prqpriis 
locis ei sedibus adnotauit, quos per annos octoginta quattuor annales unciae inuenerunt. 
ob quam rem in eiusdem circulis error aliquotiens inuenitur, dum annorum numero et 
elementorum cursibus liquidius non adtenditur, quamuis unus assis de Septem in octo- 
ginta qucUtuor annis semper deducitur et paschali numqu^am omnino suppotationi con* 
ceditur. ipsumque assem, nisi fallor, proprium in lunare cursum non intentus inmisit, 
quem potius superuacuum integris adsertionibus declinauit [also 
mnss Augustalis sechs 12jährige saltus gehabt haben]: ipse est qui paschaies errores 
gignendo dinoscitur, sicut annorum serie conscripta nionstratur. 

Der letzte Satz soll nichts anderes heissen als dass AngnstaUs, weil er die 
saltus zu den falschen Jahren setzte, unter Umständen da einen saltus aufführte, 
wo nach dem karthagischen Computisten keiner sein durfte; dass Augustalis 
einen anderen saitiis als den 12jährigen gehabt hätte, kann aus der nicht ganz 
ehrlichen und darum unklaren Polemik nicht herausgelesen werden. 

Augustalis hatte, wie Hippolyt und der Computist von 243, den Mondsch&lt^ 
Jahren ein Zeichen beigefügt, das den embolismus andeutete, und femer den 
84jährigen Cyclns in Ogdoaden und Hendekaden eingetheilt. Das beengt der 
karthagische Computist mit nicht misszuverstehenden Worten; vgl. die eben an- 
geföhrte Stelle und p. 290 Erusch: 

ab hoc igitur conaule [nämlich dem Jahr 213] quo primae oeduadis initia coepia 
sunt, usque ad eum annum quo octogesimus et guartus annus cum suis ewbolismwrum 
signis concluditur^ perfacüe est inspicientibus formcUae cdlculaüoms ueritatem oculie 
quoque testibus conprobare, . . . cum nee diem passionis dominicae in capite primae ocdoadis 
suae in integro defixerit nee certum numerum annorum ueridice termmauerit [d.h. 
nach der Meinung des karthagischen Computisten fängt der Cyclo« nicht im 
richtigen Jahr an und hört nidit im richtigen auf]. 

Das letzte Jahr von Augustalis' Oyclus hatte wirklich einen emboHsm^is. Es 
entspricht dem 83. des römischen, mit der Epakte 9 und der XIV lunae am 
6. AprU. Dieser Vollmond ist in dem Fall gegen den des vorhergehenden 
Jahres durch einen Schaltmonat vorgeschoben, wenn aus der Epakte 28 das 
richtige Vollmondsdatum, der 17. März, abgeleitet und nicht transponirt wird; 
Augustalis kann das jxm so eher gethan haben als diese XIV lunae ein einwand- 
freies Datum des Ostersonntags ergiebt, den 24. März XXI. Wie im Uebrigen 
die Ostergrenzen im laterculus des Augustalis gehandhabt sind, lässt sich nicht 
errathcn, ebensowenig, ob er im Stande gewesen ist Embolismus und Transpo- 
sition richtig zu xmterscheiden. Dagegen war es zweifellos ein Widersinn den 
84 jährigen Cyclus in Ogdoaden und Hendekaden einzuilieUen; denn diese ge- 
hören zum 19 jährigen alexandrinischen Cyclus, der dem 84 jahrigen incommen- 

Abhdlgn. d. K. Oaa. d. Wisi. m GAtUngen. PhU.-]ÜBt. Kl. N. F. Bud 8,«. 9 



Digitized by 



Google 



66 B. SGHWABTZ 

sarabel ist. Correct bemerkt PaschasinuB in seinem Brief an Pabst Leo [p. 248 
Erosch] : 

coepit ergo ogdoas consulatu uirorum clarissimorum Aetii iterum et SegisuuUi [437], 

quae cluditur anno de quo quaestio uidetur exorta [444]. cuius ratio haec est: diw 

sunt priores anni [437. 438] communeSf 111, [439] embolismuSy iterum 1111. et V, 

[440. 441] communeSj VL [442] embolismus, Vll. [443] communis, VI IL emholismus. 

Das Jahr 437 war factisch das Anfangsjahr einer alexandrinischen Enneakai- 

dekaeteris : sie wnrde also derartig eingetheilt, dass die ersten 8 und die darauf 

folgenden 11 Jahre zu einer Ogdoas und Hendekas zusammengefasst wurden. 

Die Einteilung ist eine Spielerei, die mit der Construction der Enneakaidekaeteris 

nichts zu thun hat, ihr freilich auch keinen Schaden zufügt: aber es war eine 

Torheit sie auf den 84jährigen Cyclus zu übertragen. Nach dem Bericht des 

karthagischen Computisten setzte Augustalis das 1. Jahr seines Cyclus = dem 

1. einer Ogdoas: er hat also seinen Cyclus in 4 Ogdoaden und Hendekaden 

eingeteilt, die abwechselnd auf einander folgten, und am Schluss eine Ogdoas 

[= 77. — 84. Jahr] angehängt. Dies ist das sicherste Indiz dass sein Cyclus ein 

junges Product des 5. Jahrh. ist ; eine solche Uebertragung ist im 3. Jahrhundert 

undenkbar und war erst möglich, nachdem durch eine lange Gewohnheit der 

Vergleiche und Compromisse zwischen der Enneakaidekaeteris und dem 84 jährigen 

Cyclus das Verständniss des 84 jährigen Cyclus zerstört war. 

So viel über den laiercuhis des Augustalis. Ich würde über diese Oster- 
tafel, von der nur durch die spärlichen Mittheilungen des karthagischen Compu- 
tisten eine dürftige Kunde sich erhalten hat und die schwerlich jemals praktisch 
etwas bedeutete, nicht soviel Worte verloren haben, wenn nicht Krusch sich 
hätte verführen lassen in ihr eine alte occidentalische Ostertafel des 3. Jahr- 
hunderts zu sehen, die nach einem 84jährigen Cyclus mit 14 jährigem saltus lunae 
construirt worden sei. Grade weil sein vortreffliches Buch für die Erkenntniss 
des 84jährigen Cyclus mehr geleistet hat als die Arbeiten aller seiner Vor- 
gänger zusammengenommen, glaubte ich es ihm schuldig zu sein diesen Irrtum 
zu beseitigen: denn die Meinung es habe im Occident einen alten 84jährigen 
Cyclus mit 14 jährigem saltus gegeben, muss eben so restlos verschwinden wie 
die Hypothese als hätte jemals in Rom die XIV lunae für ein correctes Mond- 
alter des Ostersonntags gegolten, wenn anders die Geschichte der occidentalischen 
Osterberechnung nicht immer wieder in Verwirrung gerathen soll. Sehr mit 
Unrecht beruft sieh Krusch [p. 21] für seine Combinationen auf die Nachrichten 
des Eusebius über das Osterfest von 303, den Anfang der grossen Verfolgung. 
Er durfte nicht so trübe Ueberlieferungen wie die Paschalchronik und Hierony- 
mus TJebersetzung der Kanones zu Grunde legen, sondern musste auf die Stellen 
der KG und der palaestinischen Märtyrer zurückgehn, deren Textüberlieferung 
über jeden Zweifel erhaben ist: 

KG 8,2* hog tovto fyf irvsaxaidixatov tfig jdioxlrj^iavov ßaöilsiag [303], 
J'iöXQog (ii^v, Xdyoito d' &v oitog Md(ftvog xatä 'PaiuUovg, iv &i tflg tov 6anij- 



Digitized by 



Google 



0HRI8TIJ0HE XJND JÜDISOHX OSTERTAFELN 67 

giov nJ^ovq ioQtf^g iicskawoti^rig Vptkono iiavxa%66B ygäniicezccj tag (ihv ixxkffiiag 
slg lSttg>og g>dQ£iv, rag di ygatpäg igjavstg nvgl yspsöd-ai nQ06tÄx%ovta xtk. 

Mart. Pal. pr. 1 hog tovto fyf ivveaTtaiSixatov tijg dioKkrjfciavQv ßa6il8iag^ 
Sav^ixbg (iijv^ bg Uyoit^ ctv '^AxQlXhog x<xxä 'Pa^aiovg, iv i)i tiig tov 6(otfiQiov 
xdd'ovg io(ftfjg imlaiißavoiiöris, ijyBtto fiiv ^kavtccvbg rov töbv üakcuötiv&v i&vovgj 
HxXano tf* id'QÖmg %avxa%&o ygäfi^ccta^ tag fihv ixxXriöiag slg lda(pog (pdQeiv^ tag 
Si yQatpäg iipavstg nvgl ysviöd'ai XQ06tdttovta xtL 

Nach dem anthentischen Zeugniss des Lactanz [de mort. pers. 12], der in 
der kaiserlichen Kesidenz Nikomedien persönlich anwesend war, ergieng das 
Edict die christlichen Kirchen zn zerstören nnd die Bibeln zu verbrennen an 
den Terminalien, d. i. dem 23. Februar 303 ; das zweite welches Euseb mit dem 
ersten verbindet, das über die Christen Degradation in verschiedenen Abstufungen 
verhängte, folgte am 24. An demselben Tage erlitt Euethius, der das kaiserliche 
Edict abriss [Euseb KG 8, 5], das Martyrium, am 11. und 12. März die kaiser- 
lichen Pagen GK)rgoniu8, Dorotheus u. a., am 24. April der Bischof Anthimus ; 
am 28. April fanden die zahlreichen Hinrichtungen statt, die der Brand des 
kaiserlichen Palastes veranlasst hatte [Eus. KG 8,6]: die Daten sind sämmtlich 
durch das s. g. syrische, in Wahrheit constantinopler Martyrologium [Journ. of 
sacred literat. 8 [1866], 4BfF.] tiberliefert. Das erste Martyrium in Palaestina 
datirt Euseb [Mart. Pal. 1, 2] auf den 7. Juni. Daraus geht hervor dass die 
Zeitbestimmung ^m Ostern' an beiden Stellen nur eine ganz allgemeine ist; sie 
wird ja auch das erste Mal mit dem März, das zweite Mal mit dem April com- 
binirt, weil das kaiserliche Edict in den Provinzen zu verschiedenen Zeiten an- 
kam. Auf welchen Tag im Jahr 303 in Nikomedien, Palaestina, Alexandrien, 
Rom Ostern angesetzt war — gefeiert wurde es sicher nicht — , wird immer 
unbekannt bleiben: kein Jahr ist zu Combinationen über die Osterberechnung 
weniger geeignet als dieses. 

Je ausführlicher ich mich, wider meinen Willen, mit Agriustia und Augustalis 
habe beschäftigen müssen, um so kürzer kann ich mich über den Autor fassen, 
durch den allein eine Kunde von diesen beiden armen Schachern erhalten ist 
und der selber nicht mehr geleistet hat, den karthagischen Computisten von 456. 
Die erste Publication dieses Computus durch Mansi^) war so unbrauchbar und 
liederlich, dass man nicht zu viel sagt, wenn man E>usch, der ihn nach der Hand- 
schrift neu herausgegeben hat [Studien 279 ff.], den Entdecker des Werkchens 
nennt: er hat es ausserdem so musterhaft commentirt, dass ich mich damit be- 
gnügen kann seine Resultate kurz anzuführen und in die Zusammenhänge einzu- 
ordnen, in die sie gehören. 

Der Computist, der im Jahre 466 geschrieben haben muss, legt zu G-runde 
eine Ostertafel die factisch im Jahr 439 beginnt: durch eine fictive Rechnung 
wird dies Jahr mit dem geglichen, mit dem der Computist von 243 ebenfalls fictiv 

1) Dieser Abdruck ist, wie so vieles andere trübe Gewässer, in die doaea maxima der Mig- 
neschen Patrologie hineingeleitet, anf die der Pfarrer Katter in Vinelz Hamack [Ghronol. 2,888] 
nicht hätte aofinerksam machen sollen. 

9* 



Digitized by 



Google 



68 



B. BOHWABTZ 



seinen Pinax beginnen läset, dem Jahr des Pascha der £xodas. Die Ostertafel 
ist anfgebaut anf dem 84 jährigen Cydns, dessen 12jährige scUtus im Princip 
beibehalten werden, aber da sie von 439 ab berechnet sind, anf andere Jahre 
fallen. Dadnrch tritt für eine Anzahl von Jahren eine kleine Vermindernng der 
Epakten nnd demzufolge ein späterer Ansatz der XIV hwae ein, und dieses Re- 
snltat ist gewollt: denn der alte 84jährige Cyclus schob in der Mitte des 
B. Jahrhunderts die Vollmonde zu früh. Wenn auch die Tabellen des karthagi- 
schen Computisten verloren sind, so lassen sie sich doch auf Grund seiner An- 
gaben reconstruiren : eine Vergleichung des ersten duodecennium mit dem des 
alten Cyclus zeigt die Correctur: 



II 

i 






Epakte 


XIV lunae 
des Computisten 


Ostersonntag 
des Ck>mputi8ten 


Epakte 


XIV lunae 

des röm. 

Cyclus 


Ostersonntag 
des römischen Cyclus 


1 


58 


439 


n 


12 April 


16. April XVm 


11 


12. Aprü 


16. April XVIII 


2 


69 


440 


XIII 


1. April 


7. April XX 


XIII 


1. April 


7. Aprü XX 


8 


60 


441 


XXIIII 


21. März 


28. März XVI 


XXIIII 


21. März 


28. März XVI 


4 


61 


442 


V 


9. April 


12. April XVII 


VI 


8. April 


12. April XVIII 


6 


62 


443 


XVI 


29. März 


4. April XX 


XVII 


28. März 


4. Aprü XXI 


6 


63 


444 


XXVII 


la M&rz 


26. März xxn 


XXVUI 


17. März 


19. März XVI, transponirt 
16. April XV 


7 


64 


446 


VIII 


6. April 


8. April XVI 


viin 


6. April 


8. April XVII 


8 


66 


446 


xvTin 


26. März 


81. März XV IUI 


XX 


25. März 


31. März XX 


9 


66 


447 


XXX 


16. März, trmspwitrt 
13. April 


20. April XXI 


I 


13. April 


20. April XXI 


10 


en 


448 


XI 


8. April 


11. April XXII 


XII 


2. April 


4. April XVI 


11 


68 


449 


xxn 


23. März 


27. März XVIII 


xxni 


22. März 


27. März XVIin 


12 


69 


450 


in 


11. April 


16. April xvnii 


IUI 


10. April 


16. April XX 


13 


70 


451 


XV 


80. März 


1. April XVI 


XV 


30. März 


1. April XVI 



So wurde für das Jahr 448 der Anschluss an die Alexandriner erreicht nnd 
für das schwierige Jahr 444 ein Osterdatom gewonnen, das zu keinem Anstoss 
Anlass gab. Freilich wnrde das Jahr 451 nicht corrigirt, da erst von 454 an 
nach dem saltus des alten römischen Cyclus die Epakten wieder abwichen, und 
der wirkliche Fehler des 84jährigen Cyclus wurde durch die äusserliche Ver- 
schiebung doch nicht beseitigt. 

Den Cydus dessen er^te 18 Jahre ich eben hingeschrieben habe, nennt der 
Gompntist seinen circulus secundus. Er hat aus ihm einen anderen abgeleitet, 
den er den circulus primus nennt. Die Notate des ersten Jahres waren nach dem 
Selbstzeugniss des Computisten [p. 290] : 

Kalendis lanuariis luna vigesima et secunda, feria septima [d. s. Mondalter und 



Digitized by 



Google 



GHRISTUCHE UND JÜDISOHB OSTERTAPBLN '69 

Fearie des 1. Janaar], quarta dedma primi mensis deämu Kai. Äprües [23. März] 
feria quarta^ dominicum pasehae VI Kl. Apriles [27. März] luna duodeuicesima. 

Anch dieser *erste Cirker war nach dem 84 jährigen Cyclns construirt, und 
nicht nur das, sondern er legte den süUks auf dieselben Jahre wie der zweite; 
er war also nichts anderes als eben dieser Cyclns, der nur so umgeschrieben 
war dass ein anderes Jahr an die Spitze trat. Es ist das Jahr 449, das 10. des 
Yaodalenkönigs Geiserich, zugleich soll es das Passionsjahr sein. Thatsächlich 
liegen zwischen 449 und 29 fünf 84 jährige Cyclen, und der Computist verfehlt nicht 
diesen Vorzug seiner Rechnung vor der des Augustalis energisch hervorzuheben; 
dass der 25. März mit dem MondaJter XVI, statt XIV oder XV, ein incorrectes 
Passionsdatum ist, ficht ihn nicht an. Man darf vermuthen dass die im Grrunde 
überflüssige Verstellung des Cyclus von 439 auf das Jahr 449 nur vorgenommen 
ist um mit Augustalis laterculus zu concurriren. Beide Cyclen des karthagischen 
Computisten sind, wie der des Augustalis, in Ogdoaden und Hendekaden ver- 
kehrter Weise eingeteilt. 

Wie manches andere, so entlehnt der Computist aus Hilarian auch die 
Ostemeomonde vom 5. März — 2. April; die Neumonde vom 24. März— 2. April 
rechnet er den Mondschaltjahren zu. Daneben bestimmt er aber selbständig die 
anni embolismares nach den Epakten des 1. Januar. Die Epakten I — VUI, d. h. 
die Vollmonde vom 6. — 13. April bedingen ein Mondschaltjahr, jene von Villi — 
XXVII, d. h. die Vollmonde vom 18. März — 5. April ein Gremeinjahr. Das ist 
falsch, weil die Vollmonde wie bei Hilarian auf einen Zeitraum von 29 statt von 
30 Tagen beschränkt sind: wenn der 5. April der Vollmond eines Gemeinjahres 
ist, muss der des vorhergehenden Jahres auf den 16. April fallen; das passt 
aber nicht dazu dass der 2. April der späteste zulässige Ostemeumond sein soll. 
Die Epakten XXVIII—XXX fuhren nach strenger Rechnung auf die Vollmonde 
vom 15.— 17. März, gehören also G-emeinjahren an, aber der Computist weist sie 
den Mondschalijahren zu, d. h. er transponirt in solchen Fällen die Vollmonde 
nach der im römischen Cyclus eingerissenen, verkehrten Manier auf den 13. — 15. 
April. 

Es wurde oben auseinandergesetzt wie Hilarian durch eine kleine Betrügerei 
motivirt warum der 5. März statt des 4. als frühester Neumond des ersten 
Monats gerechnet wird. Der Computist zahlt, Hilarian verbessernd, die hohlen 
und vollen Monate richtig ab, erreicht aber dasselbe Resultat auf einem an- 
deren, nicht minder unredlichen Wege, durch eine Berechnung der Mondalter 
nach Sechzigsteln, die er auch sonst anwendet, wenn fictive Rechnxmgen nöthig 
sind oder ihm nöthig scheinen. Die einzelnen Fälle sind von Krusch nachge- 
rechnet und erklärt, so dass ich mich mit ihnen nicht aufzuhalten brauche: 
nur das Princip muss erläutert werden. Zu Grunde liegt die Vorstellung als 
»ei das Vorrücken der Epakte von XXIX zu I in der Fuge der hohlen und 
vollen Monate eine Art saltus^ durch den die Epakte XXX übersprungen werde; 
die thörichte Redensart tricesima qacte et prima hat auch hier Unheil angeriditet. 
Diesen vermeintlichen soUms verteilte man nun auf die einzelnen Tage so dass 



Digitized by 



Google 



70 B. SOHWABTZ 

man das Mondalter täglich um l^eo Tag zanehmen Hess und mit den so ent- 
stehenden Brüchen wie mit einer grossen Grenaaigkeit renommirte, obgleich sie 
eitel Schwindelei waren. Die Regel nach der man mit solchen Sechzigsteln die Mond- 
alter berechnete, mag an einem aas dem Compatisten [p. 286] entlehnten Bei- 
spiel erläutert werden. Es soll das Mondalter des 12. AprU bestimmt werden, 
wenn die Epakte des 1. Januar 11 ist. Vom 1. Januar — 11. Aprü sind 101 Tage; 
die Epakte 2 hinzuaddirt, giebt 103. 103:60 = l"/«o; 103 + l"/6o:30 soll als 
Rest der Division ergeben 14*'/6o, das gesuchte Mondalter des 12. April. Die 
Ganzen sind freilich richtig, aber nur darum weil der durch die Addition von 
1 entstehende Fehler dadurch compensirt ist, dass bei der Tagessumme der ge- 
suchte Tag verkehrter Weise nicht mitgezahlt wird, und weü die Division durch 
60 so lange weniger als 2 ergiebt, als die Rechnung sich in den ersten 120 Tagen 
des Jahres bewegt, was beim computtis paschalis stets der Fall ist. Wird dieser 
Schwindel auf grössere Intervalle angewandt, so müssen auch die Ganzen in den 
Mondaltem falsch werden; der karthagische Computist liefert auch dafür Bei- 
spiele. Die Brüche sind, wie gesagt, nichts als Windbeutelei. 

Diese unerquicklichen ComputistenknifFe kehren wieder in einer Osterberech- 
nung gegen die Maximus Confessor ausführlich polemisirt. Es kehrt auch an- 
deres wieder. Der karthagische Computist hat sieb in seinen verlorenen Tabellen 
die Mühe gemacht den 10. des 4. 5. 7. und 10. Mondmonats zu berechnen, um 
die vom Propheten Sacharja 7,4fF. vorgeschriebenen Fasttage zu bestimmen. 
Maximus Pinakes enthalten den 10. des 7. Monats und den Anfang der Quadra- 
gesima im 10. Monat. Wie der Computist eine eigene Columne angelegt hatte 
für die Ostersonntage die seiner Meinung nach falsch angesetzt waren [p. 287], 
so entwirft Maximus eine Specialtabelle um die Differenz der itsvtccsclovvtsg und 
i^aitXovvtsg von der kanonischen Rechnung zu veranschaulichen. Diese Aehnlich- 
keiten sind darum von Interesse, weil Maximus seinen ComptUtis eccle^iasticus in 
Afrika verfasst haben muss. Er ist nach van Hagens Nachweis [Observatt. in 
Maximi monachi comput. paschal. Iff.] zu Anfang des Jahres 641 geschrieben; 
aus dem aber was über das Leben des Autors überliefert ist [vgl. Erumbacher, 
Gesch. d. byzant. Litt. 61], geht hervor dass er zu dieser Zeit in Afrika ge- 
wesen ist. Femer sind Hilarian, den der karthagische Computist stark plündert, 
höchst wahrscheinlich [vgl. Krusch p. 24], Agriustia sicher Afrikaner. Daraus 
ergiebt sich dass im 5. Jahrh ändert in Afrika die Osterberechnung eifrig, wenn 
auch mit wenig Geschick und Glück, gepflegt ist ; die Loslosung von Rom durch 
die vandalische Eroberung mag die Versuche Ostern neu zu berechnen gefordert 
haben: es ist wenigstens zu beachten dass der karthagische Computist nach 
Regierungsjahren des Geiserich zählt. Wie weit diese Versuche praktische Be- 
deutung gehabt haben, lässt sich nicht aasmachen. 

In ähnlicher Weise, wie in der vom karthagischen Computisten benutzten 
Oster tafel von 439 wurde der römische 84 jährige Cyclus in einem Paschale 
corrigirt, das im Jahr 447 geschrieben wurde und von dem sich dürftige Reste 
auf einigen Blättern erhalten haben, die A. W. Cramer 1816 in Zeitz entdeckte 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜD SCHB OSTEBTAFELN 



71 



und die jetzt in Berlin sich befinden. Sie sind zuletzt von Mommsen in den 
Chron. min. 1, 503 fF. herausgegeben. Der laterculus umfasste fünf 84jährige Cyclen 
und begann mit dem Passionsjahr, 29 n. Chr. Zum 1 . und 5. Cyclus waren hin- 
zugefügt Epakte und Ferie des 1. Januar, sowie die Ostemeumonde, nicht mehr: 
der 2. 3. und 4. Cyclus enthielten nur eine Consulliste, die sehr fehlerhaft ge- 
wesen zu sein scheint. Nach dem verstümmelten und noch dazu in den Zahlen 
öfters verschriebenen Rest des 5. Cyclus zu urteilen, umfasste dieser die Jahre 
365 — 448, hatte also cyclisch das gleiche Anfangsjahr wie der circulm primus des 
karthagischen Computisten. Der Ostersonntag dieses Jahres war nach dem Pro- 
oemium der 27. März: daraus lässt sich durch Combination mit den übrigen 
Resten als XIV lunae der 24. März xmd als Epakte XXI erschliessen, während 
der römische Cyclus zu dem gleichen Jahr die Epakte XXTTT und den 22. März 
notirte ; die Correctur griff also stärker ein als die der Ostertafel von 439 oder 
gar die des Augustalis. Dass der saltics 12 jährig war, kann als sicher angenommen 
werden. Um die Differenz zu zeigen, setze ich die am besten erhaltenen Jahre 
377 — 388 her und vergleiche sie mit dem römischen Cyclus; die Ferie des 
1. Januar habe ich weggelassen, aber die aus den Neumonden berechneten Oster- 
vollmonde eingesetzt. 





Zeitzer Ostertafel 






Römischer 


Cyclus 


Alex. Cyclus 


1 


u 

'S 

? 


Epakte 


Oster- 
neomond 


XIV lunae 


1 

1 


Epakte 


XIV lunae 


< 


Xj V lunae 


1 
















1 




377 


13 


IUI 


29. Mätz») 


10. 


April 


80 


VI 


8. April 


461 


10. April 


378 


U 


XV 


17. März 


30. 


Mftrz 


81 


xvn 


28. M&rz 


462 


30. M&rz 


379 
380 


15 
16 


XXVI 
VU 


4. April 
25. M&rz 


17. 
7. 


April 
April 


82 
83 


xxvm 
vnii 


17. M&rz, 

transponirl 

15. April 

5. April 


463 
464 


18. April 
7. April 


881 


17 


XVIII 


14 März 


27. 


M&rz 


84 


XX 


25. M&rz 


465 


27. M&rz 


382 


18 


xxvmi 


1. April 


14. 


April 


1 


I 


13. April 


466 


15. April 


383 


19 


X 


1. April») 


4. 


April 


2 


XII 


2. April 


467 


4. April 


384 


20 


XXI 


11. M&rz 


24. 


M&rz 


3 


XXIIl 


22. März 


468 


24. M&rz 


385 


21 


11 


1. April») 


12. 


April 


4 


im 


10. April 


469 


12. April 


386 


22 


xm 


19. März 


1. 


April 


5 


XV 


30. M&rz 


470 


1. April 


387 


23 


XXIIII 


8. M&rz 


21. 


M&rz 


6 


XXVI 


19. M&rz 


471 


21. M&rz 


388 


24 


VI*) 


27. M&rz 


9. 


April 


7 


VII 


7. April 


472 


9. April 



1) im K. Apr. die Hs.; nach der Epakte muss es heissen V K. Apr, 

2) So die Hs., es muss heissen XI K. Apr. 

3) So die Hs., die Epakte verlangt /// K. Apr, 

4) Falsch; das Nenmondsdatum fordert die Epakte V. 



Digitized by 



Google 



72 E. SCHWABTZ 

Die Jahre 377—388 entsprechen im 84 jährigen Qj^dus den Jahren 461—472. 
Ein Blick anf die alexandrinischen Osterdaten dieses letzten Zeitranms, die 
natürlich von denen der Jahre 377—388 abweichen, zeigt dass die Zeitzer Tafel 
darum die Epakten des römischen Cyclus herabgesetzt hat, um im 6. Cyclos, der 
von 449 — 532 lief, die üebereinstimmung mit den Alexandrinern zu erzwingen; 
da die Construction des Cyclus durch diese Verschiebung nicht verbessert wurde, 
half auch diese Correctur für die Dauer nichts. Interessant ist aber, dass sie 
in der Weise eingeführt ist, dass das Anfangsjahr ein correctes Fassionsdatum 
ergiebt und dass der Cyclus in historischer Form vorgelegt wurde; denn beide 
Eigenthümlichkeiten charakterisieren auch den laterculus des Augustalis und, 
wenn auch etwas modificirt, den Cursus paschalis des Victorius. 

Es ist von der Zeitzer Ostertafel zu wenig erhalted um sicher feststellen 
zu können, welche Ostergrenzen sie innegehalten hat. Aber es lässt sich doch 
erkennen, dass auch sie das fictive Schalten durch Transposition übte, bei den 
Epakten 26 und 29 werden statt der Vollmonde am 19. und 16. März die des 
17. und 14. Aprü genommen. Daraus folgt weiter, dass die Grenze des Oster- 
neumonds, die Hilarian und der karthagische Computist auf den 5. März setzen, 
um der Alexandriner willen verschoben ist: die Zeitzer Ostertafel hält nicht 
nur den Vollmond des 18., sondern auch den des 19. März für incorrect. 

In der Vorrede wird angekündigt dass in zweifelhaften Fällen Doppeldaten 
angemerkt waren. Es scheint so als wären diese Vermerke zum 1. Cyclus hin- 
zugefügt; wenigstens hat sich zum Jahr 61 einer erhalten, der sich factisch auf 
das Jahr 387 bezieht. Es ist schon oben [S. 53 f.] von ihm die Rede gewesen; be- 
achtenswert ist dass die Bemerkung über den Ansatz des Theophilus fingirt ist, 
wie auch Victorius Notirungen über ^griechische* Osterdaten keineswegs immer 
die alexandrinischen sind. 

Die Ostertafel war, wie die Vorrede beweist, im Jahr 447 Pabst Leo I. 
dedicirt; daraus folgt aber nicht, dass sie die officielle Tafel der römischen 
Curie geworden ist. Wie Mommsen fChron. min. l^BOB] ausführt, war der rö- 
mische Pabst an keine Ostertafel rechtlich gebunden; auch der alte 84jährige 
Cyclus war für ihn nur ein Hilfsmittel, dessen Rath befolgt oder verworfen 
werden konnte. Der Versuch der Zeitzer Tafel durch eine leichte Verschiebung 
des 84 jährigen Cyclus die Discrepanzen, die immer häufiger zwischen diesem 
und dem Pinax des Theophilus eintraten, zu beseitigen, scheint von der Curie 
keiner besonderen Beachtung wert gehalten zu sein: denn Victorius ignorirt 
ihn, und dieser schrieb wirklich in officiösem Auftrag. Alle bisher behandelten 
Abänderungen des alten 84 jährigen Cyclus sind nur Symptome seiner gänzlichen 
Auflösung und kaben keine oder nur eine minimale praktische Bedeutung gehabt. 
Dagegen bedeutet der Cursus paschalis des Victorius in der That eine neue Phase 
der occidentalischen Osterberechnung; er ist der letzte Versuch der römischen 
Curie sich der Uebermacht des alexandrinischen Cyclus zu erwehren und hat 
sich, wie Krusch schön ausgeführt hat [N. Archiv 9, 101 ff.], noch Jahrhunderte 
lang behauptet, nachdem der römische Stuhl längst es für politisch klug gehalten 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 73 

hatte die alexandrinische Osterbereclmang als die allein richtige und kanonische 
zu proclamiren. 

Nach den Niederlagen welche Papst Leo in dem Streit über die Osterfeste 
von 444 und 455 erlitten hatte, kam man in Rom zu der Erkenntnis dass der 
alte 84jährige Cyclus nicht mehr hinreiche um die Traditionen der römischen 
Osterberechnung aufrecht zu erhalten: es galt ein neues Hilfsmittel zu schaffen, 
aus dem der Papst in den Fällen in denen die alexandrinischen Ansätze durch 
Mondalter oder sehr spätes Datum in Rom Anstoss erregten, Ostersonntage ent- 
nehmen konnte, die sich gegenüber den alexandrinischen vertheidigen liessen. 
Der Archidiacon Hilarus forderte im Jahr 467 den im Rechnen bewanderten 
Kleriker Victorius von Aquitanien auf, ihn über die Differenzen der griechischen 
und lateinischen Berechnung gründlich zu unterrichten; das Schreiben das Hi- 
larus an ihn erliess, war der Form nach ein Privatbrief, der Sache nach ein 
officiöser Auftrag. Als Antwort überschickte ihm der geistliche Computist den 
Curstis paschalis^ eine Liste von 532 Osterfesten, mit einer Einleitung über die 
Grundlagen der Berechnung. Das Buch ist von Mommsen nach dem von Krusch 
gelieferten Material in den Chron. min. 1, 677 ff. zum ersten Mal mit diplomatischer 
Treue herausgegeben. 

Victorius wählte die historische Form des Cyclus, wie sie im Ocddent 
damals Mode war. Er begann mit einem — fictiven — Passionsjahr und fügte 
bis 457 zu jedem Jahr die Eponymen hinzu, nach einer freilich sehr mangel- 
haften Consulliste, die erst von 345 an correct wird. Zählt man von da an 
zurück, so ergiebt sich als das factisch erste Jahr des Cyclus 28 n. Chr., das 
falsch nach den beiden Geminij den Consuln des Jahres 29, benannt ist. Der 
Cyclus schliesst mit dem Jahr 559; die Consulate sind von 458 an später nach- 
getragen. Ausser den Eponymen enthält die Tabelle, gemäss dem römischen 
usus, Ferie und Mondalter des 1. Januar, das Datum des Ostersonntags und sein 
Mondalter. 

Es spricht für die Einsicht des Victorius dass er darauf verzichtete an 
dem 84 jährigen Cyclus herumzucorrigiren, sondern das Princip der alexandri- 
nischen Enneakaidekaeteris annahm. Daraus ergab sich zunächst die Osterperiode 
von 532 Jahren = 28 19 jährigen Mondcyclen oder 19 28 jährigen Sonnenkreisen. 
Aber Victorius wollte mit nickten die alexandrinische Rechnung einfach in den 
römischen Kalender übertragen — damit wäre seinen Auftraggebern nicht ge- 
dient gewesen — , sondern er modificirte sie durch Verschiebung des saltua lunae. 
Rechnet man die alexandrinischen Epakten vom 26. Phamenoth [22. März] auf 
den 1. März = 1. Januar um und vergleicht sie mit denen des Victorius, so 
springt die Differenz in die Augen: 

(Tabelle S. 74) 

Es war ein ziemlich simpler Kniff den saltnis lunae zwischen das 6. und 7. 
Jahr zu legen statt ans Ende; Victorius erreichte dadurch, dass in 13 
Jahren die Vollmonde seiner Enneakaidekaeteris einen Tag früher fielen als die 
alexandrinischen, also die alexandrinischen Ostersonntage welche das Mondalter 

Ibhandlnngen d. K. Ges. d. Win. xu Gdttingen. Philolog.-hUtor. Kl. N. F. Band 8, «. 10 



Digitized by 



Google 



74 



B. SnHWABTZ 



Alex. 
Cyclos 


Alex. 
Epakte 

des 
1. Jan. 


id, alexandrinisch 


Epakte 

1. Jan. 

nach 

Vic- 
torioa 


Xir Imtae, nach 
Victorius 


I 


9 


5. April 


9 


5. April 


II 


20 


25. März 


20 


25. März 


m 


1 


13. Aprü 


1 


13. Aprü 


IV 


12 


2. April 


12 


2. Aprü 


V 


23 


22. März 


23 


22. März 


VI 


4 


10. Aprü 


4 


10. April 


vn 


16 


30. März 


16 


29. März 


VllI 


26 


18. April 


27 


17. Aprü 


TX 


7 


7. Aprü 


8 


6. Aprü 


X 


18 


27. März 


19 


26. März 


XI 


29 


15. Aprü 


80 


14. Aprü 


xn 


10 


4. Aprü 


11 


3. April 


XTTI 


21 


24. März 


22 


23. März 


XTV 


2 


12. April 


3 


11. April 


XV 


13 


1. Aprü 


14 


31. März 


XVI 


24 


21. März 


25 


20. März 


xvn 


5 


9. Aprü 


6 


8. Aprü 


xvin 


16 


29. März 


17 


28. März 


XIX 


27 


17. April 


28 


16. Aprü 



XV hatten, zum Mondalter XVI avancirten und die römische Regel nicht mehr 
verletzten. Natürlich trat in anderen Fällen an Stelle des alexandrinischen 
Mondalters XXI das nächst höhere XXII, das dort verpönt, bei den Lateinern 
aber, wenn der Vollmond anf einen Samstag fiel, notwendig war. Nnr in den 
ersten 6 Jahren des alexandrinischen Mondcyclos wurde das Mondalter XV nicht 
von vornherein eliminirt: in diesen Fällen musste die lateinische Osterrechnung 
das Fest um 8 Tage verschieben, und Victorius merkte beide Ansätze an, 
damit der Papst wählen könne [p. 684]: 

ülud praeterea insinaare non distidi propter diuersorum pascludium canditoreSj ubi 
in hoc eodeni cyclo dies paschae gemina designatione posittis inuenitur^ id est ubi lunaXV 
die dominica et post Septem dies uicensitna secunda conscribitur, non meo iudicio alir 
quid definitum, sed pro ecclesiarum pace apostolici pontificis electioni senuxtum, qua- 



Digitized by 



Google 



CHEISTLICBE UND JÜDISCHE OSTEBRAFELN 75 

tenus nee ego qttod ad meum pertinebat ofßcium, praeterirem et in eius consitueretvr 
arbUrio, qui universali ecclesiae praesideret, quaenam potissimum dies in tcdi con- 
dicione sollemmtati praecipuae deputetur. 

Die Stelle ist auch darom wichtig, weil sie deutlich illnstrirt wie der rö- 
mische Pabst rechtlich an die Cyclen deren er sich bediente, nicht gebunden 
war. Solche Doppeldaten nmssten eintreten in folgenden Jahren: 

11. Jahr der victorianischen, 210. der alexandrinischen Periode [570 n. Chr.] : 
6. April XV, lateinisch 13. April XXII. Ebenso im 106. oder 305. Jahr [665], 
im 201. oder 400. Jahr [760], im 448. oder 115. Jahr [476]. 

31. oder 230. Jahr [690] : 26. März XV, lateinisch 2. Aprü XXH. Ebenso 
im 126. oder 325. Jahr [685], im 221. oder 420. Jahr [780J, im 468. oder 135. 
Jahr [496]. 

35. oder 234. Jahr [594]: 11. Aprü XV, lateinisch 18. Aprü XXU. Ebenso 
im 130. oder 329. Jahr [689], im 225. oder 424. Jahr [784], im 472. oder 139. 
Jahr [499]. 

184. oder 383. Jahr [743]: 14 April XV, lateinisch 21. April XXTT. Ebenso 
im 279. oder 478. Jahr [838], im 374. oder 41. Jahr [401], im 469. oder 136. 
Jahr [496]. 

204. oder 403. Jahr [763]: 3. April XV, lateinisch 10. April XXII. Ebenso 
im 299. oder 498. Jahr [858], im 394. oder 61. Jahr [421], im 489. oder 156. 
Jahr [516]. 

224. oder 423. Jahr [783]: 23. März XV, lateinisdi 30. März XXII. Ebenso 
im 319. oder 518. Jahr [878], im 414. oder 81. Jahr [441], im 509. oder 176. 
Jahr [536]. 

Nur in einem Falle, zum 468. Jahr [495] ist nar der lateinisdie, nicht der 
griechische Ansatz in den Handschriften des Cursus paschalis überliefert, sonst 
finden sich stets entweder beide Daten, oder das eine in diesen, das andere in 
jenen Handschriften. Aas diesen echten Doppeldaten haben sich non in den 
Handschriften eine Reihe von falschen entwickelt. Die Ostersonntage die bei 
Victorias das Mondalter XXII erhalten haben, sind verschieden behandelt. Ent- 
weder das Mondalter ist ohne weiteren Zasatz notirt; es entspricht durchweg 
dem alexandrinischen Mondalter XXI. So ist es gehalten in den Jahren der 
victorianischen Periode 

102. 197. 444. 28. März XXII. 

112. 207. 302. 6. Aprü XXII. 

136. 231. 326. 11. Aprü XXU. 

156. 346. 441. 31. März XXII. 

160. 255. 350. 16. Aprü XXII. 

180. 275. 370. 465. 5. Aprü XXII. 

380. 475. 14. Aprü XXU. 

400. 3. Aprü XXn. 

404. 499. 19. Aprü XXII. 

424. 519. 8. Aprü XXII. 

10* 



Digitized by 



Google 



76 E. SOHWABTZ 

In zahlreichen Fällen aber ist der Ostersonntag nm 8 Tage früher gelegt, 
und das correcte Datum hinzogefügt mit dem Vermerk Latini] z.B. heisst es 
znm Jahr 38 [= alexandr. 237 = 597 n. Chr.] in den besten Handschriften: 

pascha VII Id. Apr. lun. XV. Latini XVIII Kai. Mai. lun. XX IL 
Das alexandrinische Osterdatnm ist der 14. April XXI; das erste ist also fin- 
girt. Ich stelle alles was mir in dieser Art aafgestossen ist, tabellarisch zu- 
sammen; die Jahresziffem sind die der victorianischen Periode: 
38. 133. 7. April XV, die ^Lateiner' 14. April XXTT [alexandrinisch 

14. April XXI]. 
82. 177. 1. April XV, die 'Lateiner' 8. April XXII [alexandrinisch 

8. Aprü XXI]. 
116.211.306.401. 15. Aprü XV, die 'Lateiner' 22. April XXII [alexandrinisch 

22. April XXI]. 
157. 12. April XV, die 'Lateiner' 19. April XXII [alexandrinisch 

19. Aprü XXI]. 

Umgekehrt heisst es zum 495. Jahr: 3. Aprü XXII, 'andere' 27. März XV 
alexandrinisch 3. Aprü XXI]. 

In ein paar Fällen findet sich das Doppeldatum in keiner Hs., sondern ein- 
zelne Codices ersetzen das richtige durch ein fictives: 

197. Das alexandrinische Datum des Ostersonntags ist der 28. März XXI. 
In den meisten Hss. des Victorius steht pascha V. Kai. Apr. lun. XXII^ nur die 
Hs. B hat XI Kai. Apr. hin, XVI: mindestens hätte der 21. März XV gesetzt 
werden müssen, freilich ein Osterdatnm das nicht nur nicht alexandrinisch, 
sondern auch für Victorius incorrect war. 

251. Das alexandrinische Datum ist der 31. März XXI. Die Hss. des Cursus 
paschalis haben richtig: pasclui prid. Kai. Apr. lun. XXII] nur LB setzen dafür 
Villi Kai. Apr. lun. XV. 

397. Das alexandrinische Datum ist der 6. April XXI. Die Ueberlieferung 
des Victorius bietet dementsprechend: pascha VIII Idus Apr. lun. XXII, B 
dagegen II Kai. Apr. lun. XVI, falsch, da mindestens der 30. März XV hätte 
notirt werden müssen. 

445. liegt die Sache ebenso. Entsprechend den alexandrinischen Datum 16. 
Aprü XXI ist im Cursus notirt: pascha XVI Kai. Mai. lun. XXII; dafür setzt 
Bj wiederum falsch rechnend III Id. Apr. XVI. 

Man sieht, die Interpolation hat verschiedene Stadien durchgemacht, aber 
dass all diese Doppeldaten oder Correcturen unecht sind, kann nicht zweifelhaft 
sein: der Fehler ist daraus entstanden, dass die richtigen Doppeldaten durch 
ihr Schwanken zwischen den Mondaltern XV und XXTT die Vorstellung hervor- 
riefen, als sei das Mondalter XXII eine den Lateinern eigenthümliche Trans- 
position für XV auch in den FäUen in denen es einem alexandrinischen Mond- 
alter XXI entsprach. 

Die Epakten des Victorius sind nur äusserlich denen des alten 84 jährigen 
Cyclus ähnlich; thatsächlich sind sie die modificirten alexandrinischen, die un- 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 77 

praktischer Weise anf den 1. März = 1. Januar umgerechnet sind. Sie ergeben 
nicht ohne Weiteres durch Subtraction von 45 den Tag des Ostervollmonds wie 
jene, sondern es ist nöthig, die Ostergrenzen zu wissen um unter Umständen 
zu schalten. Victorius rechnet femer in solchen Fällen 30 Tage weiter; die un- 
logischen Transpositionen von 29 Tagen, wie sie in dem zersetzten römischen 
Cyclus Mode waren, hat er verworfen, und die seltenen Fälle in denen die 
Mondalter nach diesem fehlerhaften Princip berechnet sind ^), beweisen gegenüber 
der durch 28 Enneakaidekaeteriden sich abrollenden, constanten Ueberlieferung 
nichts. Als Ostergrenzen der Lateiner bezeichnet Victorius im Prolog die Neu- 
monde des 5. März und 2. April ; also war der früheste Vollmond der 18. März, 
der späteste der 15. April. So rechnen Hilarian und der karthagische Computist, 
und die herrschende Meinung des Occidents hat im 5, Jahrhundert diese Grenzen 
im Grossen und G^mzen anerkannt. Freilich zog man die Consequenzen nicht: 
einen Ostersonntag am 20. März wagte man gegen die Alexandriner nicht zu 
vertheidigen und den 23. April acceptirte Papst Leo erst im Jahr 444. Victorius 
selbst gieng anders vor. Die kritischen Epakten des alten Cyclus waren 25 — 30; 
sie ergaben die Vollmonde vom 20. März bis zurück zum 15. Li der victoriani- 
schen Enneakaidekaeteris kamen von ihnen vor nur 25, 27, 28, 30. Die Epakte 
25 mit dem Vollmond 20. März entsprach immer der alexandrinischen 26 mit 
dem Vollmond am 21.; ein früherer Ostersonntag als der 22. März war im vic- 
torianischen Cyclus unmöglich, und er musste stets das Mondalter XVI haben. 
So war es nicht nur unbedenklich, sondern nützlich, wenn die Verschiebung die 
Victorius mit den alexandrinischen Epakten vornahm, den frühesten Vollmond 
vom 21. auf den 20. März rückte : denn so erhielt der Ostersonntag des 22. März 
das für die Lateiner zulässige MondaJter XVI statt XV. Es ist einfache Ab- 
schreiberweisheit, wenn ein paar Mal aus der Epakte 25 die XVI lunae des 
18. oder 19. April abgeleitet wird*). Dagegen hat bei den Epakten 27, 28, 30 
Victorius immer geschaltet. Am einfachsten liegt die Sache bei Epakte 30. Aus 
ihr ist schon im 84jährigen Cyclus nach 312 nicht mehr der Vollmond des 



1) Ich habe nur folgende Fälle gefanden : £pakte XXYII verlangt nach Victorius den Voll- 
mond am 17. April, dagegen ist das Mondalter nach dem 16. berechnet in den Jahren 37 [22. April 
XX, L hat richtig XVIIII]. 341 [20. April XVUI statt XVII]. Epakte XXVIIl schiebt nach Vic- 
torias den Vollmond auf den 16. April ; das Mondalter ist nach dem 15. berechnet in den Jahren 
257 [20. April XVira, L hat richtig XVIII]. 371 [18. April XVII, B hat richtig XVI]. 447 [21. 
Aprü XX, NB haben richtig XVmi]. 

2) 235. Jahr, alexandrinisch 23. März XVI ; dasselbe Datum bei Victorias mit dem Mondalter 
XVII. Dafür setzt L XII Kai Mai, lun. XVI, als XIV lunae ist der 18. April genommen. 387. 
Jahr; alexandrinisch 22. März XV, Victorius 22. März XVI; dafür B XIII Kai. Mai. lun. XV, 
wiederum vom 18. Aprü ab zählend. 425. Jahr: ebenso wie im 235., nur steht die Variante nicht 
in L sondern in B, Die Daten des 482. Jahres stimmen mit denen des 387. überein : diesmal setzt 
N zu dem regelrechten Datum des Victorius hinzu alii XIII Kai. Mai. lun. XV. Zum 520. Jahr 
ist nach dem richtigen Datum 24. März XVIII [alex. 24. März XVII] in N thörichter Weise hin- 
zugefügt Oraeci XI Kai Mai. lun. XVI, in B hat der Zusatz das Richtige verdrängt. Diesmal 
ist nach dem 19. April gerechnet 



Digitized by 



Google 



78 E. SCHWARTZ 

15. März berechnet, sondern dieser regelmässig auf den 13. April transponirt» 
Victorius nimmt immer den 14. April: die Ueberliefernng zeigt kein Schwanken 
und keine Doppeldaten. Epakte 28 und 27 ergaben einst im unversehrten 
84jährigen Cyclus als XIV lunae den 17. und 18. März: dafür setzt Victorius 
durchweg den 16. und 17. Aprü. Den 22. und 23. April erkannte er als Oster- 
sonntag an : Pabst Leo selbst hatte ja ausgesprochen dass man sie dulden könne, 
weil wenigstens der Charfreitag dann nicht über den 21. April hinausfiele [Brief 
an Kaiser Marcian vom 15. Juni 453, Krusch Studien p. 259]. In einzelnen Hss, 
des Cursus pasclialis treten hier und da Spuren einer anderen Rechnung auf. 
Ich habe folgende Fälle beobachtet: 

Epakte 28: XIV lunae des Victorius 16. April, der durchweg mit dem 
alexandrinischen 17. April correspondirt. 

Jahr 200. 22. April XX [alexandrinisch XIXj. Dafür B: VIII Kai. Apr. 
lun. XXI, indem falsch der 18. März als XIV lunue genommen wird. 

Jahr 295. 390. Die regulären Daten ebenso. Dafür B: VIII Kai. Apr. lun. 
XXII] diesmal ist vom 17. März ab gerechnet. 

Jahr 485. Die regulären Daten ebenso. N setzt an einer falschen Stelle 
hinzu Laüni {VIII} Kai. Apr. lun. XXII. 

Hinzuzunehmen ist der Zusatz von N zu dem regulären Datum des Jahres 
504, 20. April XVIII (alex. XVII], der ebenfalls nicht am richtigen Ort 
steht: Latin l X Kai. Apr. lun. XX, auch hier ist vom 17. März ab gerechnet. 

Wenn bei der Epakte 28 der Ostersonntag auf den 23. April fällt [48. 143. 
238. 333. Jahr], weist die Ueberliefernng keine Doppeldaten auf. 

Epakte 27 : XIV lunae des Victorius 17. April, der durchweg mit dem 
alexandrinischen 18. April correspondirt. 

Jahr 132. 23. April XX [alexandrinisch XIX]. Dafür BZ VII Kai. Apr. 
lun. XXII] es ist vom 18. März ab gezählt. 

Jahr 227. Die regulären Daten ebenso. Dafür B VII Kai. Mai. [richtig 
vermuthet Mommsen Apr.^ lun. XXII. 

Jahr 284. 379. 22. Aprü XIX [alexandrinisch XVIII]. Dafür B VIII Kai. 
Apr. hm, XXI. 

Jahr 417. 23. April XX [alexandrinisch XIX]. In G ist von einer Hand des 
8. Jahrhunderts hinzugeschrieben secun(dum Latinos) VIII [lies VII\ K. {Apr^. 

Jahr 474. 22. April XIX [alexandrinisch XVIII]. N setzt hinzu Rotnani 
VIII Kai. Apr. lun. XXI] dies Datum hat in B das reguläre verdrängt. 

Im 37. Jahr ist der 22., im 322. der 23. April ohne Doppeldatum angemerkt. 
Dagegen ersetzt B im 189. Jahr den regulären 21. April XVIII [alexandrinisch 
XVII] durch VIII Kai. Apr. lun. XXI : es müsste mindestens der 24. März XX 
genonunen sein. 

Gegen die Echtheit dieser Varianten spricht der handschriftliche Befund 
und ihr unregelmässiges Auftreten. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 79 

Dagegen treten echte Doppeldaten auf bei dem 24. nnd 25. April: diese 
Steine des Anstosses konnte auch Victorius der Curie nicht aus dem Wege 
räumen. Die Ueberlieferung ergiebt folgendes Bild: 

Epakte 28. Der Ostersonntag des 24. April hat alexandrinisch das Mond- 
alter XXI, das sich im victorianischen Cyclus auf XXII erhöhen muss. 

Jahr 86. 181. 428. 523. [645. 740. 465. 550 n. Chr.] steht in den guten Hand- 
schriften: pascha XV Kai, Mai. lun. XF, Graeci VIII Kai. Mai. lun. XXI L 

Epakte 27. Der Ostersonntag des 24. April hat alexandrinisch das Mond- 
alter XX, das bei Victorius zu XXI wird. 

Jahr 75. 170. [634. 729 n. Chr.] ist der 24. April XXI ohne Doppeldatum 
notirt. 

Jahr 265 [824 n. Chr.] ersetzen es LB durch das fictive xmd falsche Datum 
XIIII Kai. Mai. lun. XV] den 17. April XIV zu notiren gieng freilich nicht an. 

Jahr 512 [539 n. Chr.] fügt N hinzu: alii XVI Kai. Mai. lun. XV, nonnulli 
VI. Kai. Apr. lun. XXII, quae tertia est. Jenes Datum ist eine unmögliche Com- 
bination welche verschleiern soll, dass die Transposition auf den XV Kai. Mai. 
lun. XIV unausführbar ist; dieses versucht durch den Vollmond des März zu 
helfen. Aber die Epakte 27 ergiebt den 18. März: der Sonntag der 4 Wochen 
vor dem 24. April liegt, der 27. März, muss also das Mondalter XXTI be- 
kommen. 

In diesem Fall kann der authentische Beweis dafür erbracht werden dass 
die Varianten in LB und die Doppeldaten in N den echten Victorius nichts 
angehn. Er bemerkt am Schlüsse des Prologs: 

cum uero contigerit luna uicesvnm septima sahhato uel maxime die Kalendarttm 
lanuariarum prouenire absque hissexto^ nouerit sanctitas tim pascha nisi aut XIII 
Kai. Apr. secundum Latinos, quod numquam celebratum, etiamsi luna conueniat^ 
penitus inuenüur, aut VIII Kai. Maias secundum Aegyptios, quod aiiquotiens ob- 
seruatum est, reperiri non posse. 

Der geistliche Computist spricht von den Jahren 75. 170. 512 seines Cyclus, 
indem er das Schaltjahr 265 auslässt; nur diese Jahre haben die Epakte 27 
und Ferie 7 [265 Ferie 6] am 1. Januar = 26. [im Schaltjahr 25.] März, so 
dass der 17. April auf einen Sonntag fällt. Dieser war durch das Mondalter 
XIV ausgeschlossen; der 20. März XVI, auf den der unversehrte 84jährige 
Cyclus führte, 'war nie gefeiert'. Seit 312 war es allerdings nicht geschehen, 
weil man in diesem Punkt stets den Alexandrinern nachgegeben hatte: Vic- 
torius Bemerkung beweist, nebenbei gesagt, dass die römischen Aufzeich- 
nungen über das Osterfest nicht über 312 zurückliefen oder dass man mit der 
Epoche nicht rechnete, die vor dem Toleranzedict von 311 lag. Schloss nun aber 
Victorius in diesen Jahren jeden Ostersonntag ausser dem 24. April aus, ge- 
mäss der Entscheidung die Pabst Leo im Jahr 455 n. Chr. gefällt hatte, so 
konnte er in der Ostertafel selbst keine Doppeldaten vermerken, am aller- 
wenigsten fingierte. 



Digitized by 



Google 



80 ]>:. SCHWABTZ 

In 4 anderen Jahren erzwingt die Epakte 27 das späteste Oster datam der 
Alexandriner, den 25. AprU: das alexandrinische Mondalter ist XXI, das des 
Victorias XXII: 

Jahr 18. 113 [677. 672 n. Chr.] : 18. April XV, ohne Doppeldatnm. 

Jahr 360. [387 n. Chr.]: 18. April XV; die beste Hs. G fügt hinzu Greci 
siue Machedones VIII Kai. Mai. lun. XXII. Statt VIII Kai. musste es VII Kai. 
heissen. 

Jahr 455 [482 n. Chr.]: 18. April XV: G fügt hinzu LaHni [vorher 4 Buch- 
staben ausradirt, wohl greci] VI Kai. Mai lun. XXI. Dafür setzt N Greci VIII 
Kai. Mai. lun. XXII. Richtig wäre auch hier nur Grreci VII Kai. Mai. lun. XXII 
gewesen. 

Victorius hat also den 18. April trotz des incorrecten Mondalters XV an- 
gesetzt: fraglich ist, ob er das griechiche Datum angemerkt und dies später 
entfernt oder entstellt ist, oder ob er es ursprünglich nicht gehabt hat und es 
erst nachträglich hineingebracht ist. Jenes halte ich für wahrscheinlicher. 

Wenn Victorias seinen Cursus paschalis geschrieben hat um gegenüber den 
alexandrinischen Osterdaten des 24. und 25. Aprü Rath zu schaffen, so hat er um- 
sonst geschrieben. Er wusste keinen besseren Ausweg als in diesen Fällen den 17. 
oder 18. April zu nehmen, trotz des incorrecten Mondalters XV; und in 4 Fällen 
versagte auch dieser, so dass dann nichts anderes übrig blieb als sich den Griechen 
zu fügen. Ich habe oben [S.74f.] die Bemerkung des Prologs ausgesehrieben, die 
sich auf die Jahre bezieht, in denen wegen des Mondalters ein griechischer Oster- 
sonntag 7 Tage später geschoben war. Daran schliessen sich die Worte: 

nam ceteris quae e latere similüer adiecta sunt, non firmatur auctoritas, sed 
uaria signißcalur opinio. cum uero contigerit luna etc.; das Uebrige s. S. 79. 

Gremeint sind die Anmerkungen über die griechischen Ostersonntage des 
24. und 25. AprU; mit ihnen steht der Schluss, der nicht wie in Mommsens 
Ausgabe geschehen ist, besonders abgesetzt werden darf, in unmittelbarem Zu- 
sammenhang. Victorius befürwortet diese Ansätze nicht, wie die Verschiebungen 
der 'Lateiner' wegen des Mondalters, die vorher behandelt sind; er will sie aber 
erwähnt haben. Wer die Thatsachen der im Grossen und Granzen vortrefflichen 
Ueberlieferung des Cursus pasckalis nicht aus dem Auge verliert und die wohl 
abgewogenen Aeusserungen des Prologs mit ihnen combinirt, dem wird sich, 
entgegengesetzt der herrschenden Meinung, der Schluss aufdrängen, dass nur 
sehr wenig Doppeldaten, die zu den Jahren 18. 113. 468, verloren gegangen, recht 
viele aber in den geringeren Hss. thöricht und falsch zugesetzt sind. Die echten 
heben die Differenzen die 457 zwischen Orient und Occident noch bestanden und 
unüberwindlich waren, scharf heraus ; die falschen trüben nur das Bild. 

Victorius Osterrechnung war ein systematisirter Compromiss und ist dem 
Loos verfallen, das allen Compromissen zu Teil wird, der Tagespolitik zu dienen 
und bald weggeworfen zu werden. Aber ihr muss das Zeugniss ausgestellt 
werden, dass sie ehrlich gearbeitet ist und die Differenzen die sie nicht elimi- 
niren kann, nicht versteckt; sie gesteht ihre Mängel und Inconsequenzen offen 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAPEIiN 81 

ein. Man ist nicht überall im Occident so redlich gewesen. Hilarian und der 
karthagische Computist legen Zeagniss dafür ab dass in der Provinz Afrika die 
Fertigkeit Osterberechnungen zu fingiren und zu fälschen schon im 5. Jahr- 
hundert in unverächtlicher Weise ausgebildet war. Im 6. und 7. Jahrhundert 
hat sie weitere Fortschritte gemacht, und was Victorius auf ehrliche Weise 
angestrebt hatte, die alexandrinischen Osterdaten den römischen Regeln anzu- 
passen, wurde dort durch betrügerische Berechnungen der Mondalter versucht. 
Diese Versuche sind, unverdienter Weise, vor der Vergessenheit bewahrt durch 
den Bericht den Maximus Confessor in seinen Comptäus ecclesiasticus über die 
HBvxankovvtsq xai i^cmXovvrBg aufgenommen hat. Ich habe schon oben [S. 70] darauf 
hingewiesen dass der griechische Mönch im Jahr 641, als er seinen ComptUus 
schrieb, in Afrika war, und dass seine Osterrechnung sich in manchen Eigen- 
thümlichkeiten auffallend mit Singularitäten des karthagischen Compntisten zu- 
sammenfindet; am stärksten ist die Aehnlichkeit in der fictiven Sechzigstel- 
rechnung, die sowohl beim karthagischen Compntisten wie bei den nsvtaxXovvtsg 
xal il^anXovvxsg der tric ist, mit dem die Rechnung verfälscht wird. Petavius und 
van Hagen kannten den karthagischen Compntisten nicht und hielten die 'Leute 
die mit 6 und 6 multipliciren^ für ehrlich: darum ist ihnen Maximus Bericht 
ein Räthsel geblieben. Thatsächlich löst sich das Räthsel einfach auf, und so 
mag denn auch dies Blatt aus der umfangreichen Greschichte occidentalischer 
Ignoranz hier einen kurzen Commentar finden. 

Der ComputtAS ecclesiastictis des Maximus ist zum ersten und einzigen Mal 
von Petavius im Uranologium gedruckt ; ich benutze den Antwerpener Druck der 
Doctrina tempomm t. 3 vom Jahr 1703; dort steht die Schrift p. 170 ff. Die 
vatikanische Handschrift, aus der er das Werkchen hat abschreiben lassen, ist, 
wie Gr. Mercati auf meine Bitte mit freundlicher Bereitwilligkeit und be- 
währter Sachkunde festgestellt hat, der Cod. Vat. gr. 505, eine im Jahr 1520 
angefertigte Abschrift eines Originals, das bei eifrigem Suchen sich wohl noch 
finden wird. Es wäre das um so mehr zu wünschen als dann die lückenhafte 
Stelle 2, 2 p. 184, die einen wichtigen Teil des Berichts über die xsvraxXovvtsg 
xai i^axXoi^vtsg trifft, sich ergänzen lassen wird; jetzt ists nur dem Sinne, nicht 
den Worten nach möglich. 

Maximus eigene Osterberechnung ist die alexandrinische, wie auch seine Welt- 
jahre sammt den Mond- und Sonnencyclen die alexandrinischen sind. Nur ver- 
wendet er statt der aegyptischen Monatsdaten die römischen, wodurch die 
Regeln fiir den Rechner sich ändern. Die 'Sonnenepakte' stellt er auf den 
31. März ; man sieht leicht, dass sie mit der des 24. März oder des 30. Mechir 
identisch ist. Fällt die XIV lunae in den April, so braucht die Sonnenepakte 
nur zu dem Datum der XIV lunae addirt und die Summe durch 7 dividirt zu 
werden : dann ergiebt der Rest der Division den Wochentag des Ostervollmonds. 
Gehört aber dieser noch dem März an, so muss die Sonnenepakte durch Addition 
von 4, den XQoöd'szai wie Maximus sagt, auf den 4. April, der in der Wochen- 
rechnang immer dem letzten Februar entspricht, geschoben werden: im 

Abhandlangen d. K. Om. d. Win. zu Göttlngen. Philolog.-hisior. Kl. N. F. Band 8,«. 11 



Digitized by 



Google 



82 E. SCflWARTZ 

TJebrigen gilt die gleiche Regel. Die Mondepakten oder die Epakten im tech- 
nischen Sinne geben nach Maximns das Mondalter ebenfalls des 31. März an, 
sie müssen also am 9 höher sein als die echten alexandrinischen, welche aof 
den 26. Fhamenoth = 22. März gestellt sind. Da nun der 31. März dasselbe Mond- 
alter haben moss wie der 1. and dieser wiederum wie der 1. Janoar, so sind diese 
Epakten nichts anderes als eine occidentalische Modification der alexandrinischen: 
sie können ohne Weiteres mit denen des Victorias verglichen werden. Maximas 
legt femer grossen Wert darauf den Anfang des Qaadragesimalfastens and den 
10. des 7. Monats, d. h. den Tag des jüdischen Versöhnangsfestes, auf den schon 
Chrysostomus die Verkündigung der Geburt Johannes d. T. gelegt hatte, nach 
den Mondepakten zu berechnen. Das ist eine harmlose Spielerei ; weniger harmlos 
ist sein taschenspielerischer Versuch die chronologia sacra des Annianus zu corri- 
giren. Für aU dies verweise ich auf den breiten Commentar van Hagens [Obser- 
uatt. in Maximi monaehi computum paschalem] sowie auf meine Bemerkungen in 
der Pauly-Wissowaschen RE. 3, 2467. 

Über die Leute welche mit B und 6 multipliciren, handelt Maximas 1, 11. 12. 
15 und im ganzen 2. Teil seiner Schrift. Zum besseren Verständniss hatte er 
einen xtJxAoff und zwei xavövta constrairt und beigegeben: da der Abdruck bei 
Petavius viel zu wünschen* übrig lässt, hat Mercati mir eine Lichtpause des 
Blattes verschafft, die ich auf T. I reproduciren lasse. Um die Darstellung 
dieser Nichtigkeiten nicht über Gebühr anschwellen zu lassen, verzichte ich 
darauf die griechischen Worte des Maximus jedesmal anzuführen; meine Be- 
merkungen werden hoffentlich jeden der nachprüfen will, in den Stand setzen 
das Original ohne Mühe zu verstehen. 

Jene Leute zählen zu den Jahren Adams 16 Jabre hinzu, sagt Maximus: 
d. h. sie brauchten nicht die alexandrinische, sondern die constantinopler Welt- 
aera [5509 = 1. Sept. 1. v. Chr. — 31. Aug. 1. n. Chr.]. Dem entsprechend 
zählen sie auch die Jahre des Mondcyclus anders; ihr 1. Jahr ist gleich dem 
4. alexandrinischen. Das ist der aus Dionysius und Beda wohlbekannte Cyclus 
lunaris : die constantinopler Eecbnung ist, wie nach Italien, so auch nach Afrika 
gedrungen. Auf den Occident weist femer unverkennbar, dass ihre Mondepakten 
auf den 1. Januar gestellt waren. Ihre Art zu rechnen lässt sich am besten an 
dem Beispiel auseinandersetzen, das Maximus anführt. Die Aufgabe ist das 
Mondalter der alexandrinischen i8 im 16. Jahr des Cyclus [= dem 19. alexan- 
drinischen] zu berechnen: es ist der 17. April. 

Summe der Tage vom 1. Januar — 17. Aprü (im Cremeinjahr) = 107 

16 Jahre x 5 =80 

(107 + 80): 60 = 3 

16 Jahre x 6 =96 



286:30 giebt 
als Rest 16, das gesuchte Mondalter. 

Auf diese Weise sind auch die Epakten berechnet, die Maximus in dem 
xavöviov links von dem xiixXog verzeichnet; man muss nur als Tagessumme 1 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE 0ST1-:BTAFELN 88 

einsetzen nnd die eben erläuterte Eechnong ansfübren, dann kommen sie heraus. 
Im übrigen kommt auf sie nichts an: denn die Eechnung hat nur Sinn, wenn 
die alexandrinischen Vollmonde als gegeben angenommen werden; sie will nicht 
den Vollmond finden, sondern das überlieferte Mondalter verschieben. Das wird 
durch folgende Betrügereien erreicht, die Maximus im Wesentlichen schon richtig 
durchschaut hat. 

lieber den Kniff jedem Tag Veo zuzuschlagen ist oben [S. 69 f.] schon gehandelt, 
auch schon gesagt dass diese Rechnung, auf den Ostervollmond angewandt, 
regelmässig 1 Einheit fälschlich hinzusetzte. Wie der karthagische Computist 
sie dadurch wieder wegschafft, dass er die Tagessumme um 1 herabsetzt, so 
schieben die «svrcatXoihnsg xal i^oatkovvtsg die Epakte yom 1. Januar auf 
den 31. December. Denn etwas anderes heisst die Multiplication der cyclischen 
Jahresziffer mit 6 + 6 nicht: sie ist aus der Epakte 12 des 1. Jahres [= dem 
4. alexandrinischen] abgeleitet. Diese ergiebt für den 31. Dezember des 1. Jahres 

11 = 1 • [5 + 6], des zweiten 22 = 2 • [5 + 6] u. s. w. Die Deute hatten ihre Gründe, 
wenn sie die Multiplication mit 11 in ein n€vtankoi>v und i^aitloihf zerlegten. 
Wenn nämlich die Cyclennummer mit 5 multiplicirt und mit 60 dividirt wird, 
so bedeutet das, dass jedem Jahr ^/i2 Tag zugeschlagen wird. Mit Recht wird 
dieser Zuschlag von Maximas mit dem saltus lunae zusammengebracht; er ist ein 
alter Bekannter aus den camputi des 84 jährigen Cyclus und für die Theorie des 

12 jährigen saltus erfanden. Es ist einfach Betrug, wenn er in den 19jährigen 
Cyclus eingeschmuggelt wird. Freilich wird durch diesen Zuschlag erst im 12. 
Jahr ein saltm lu7ia€, d. h. die Erhöhung der Epakte und damit jedes anderen 
Mondalters um 1 herbeigeführt; und wenn auch in der vorliegenden Rechnung 
er sinnlos schon dem 1. Jahr zugerechnet wird, so tritt die Erhöhung doch nicht 
vor dem 11. Jahr ein. Anders stellt sich nun aber die Sache durch die Com- 
bination dieses Zwölftels mit den Sechzigsteln der Tagessamme. Dann addiren 
sich die Zwölftel zu den überschiessenden Sechzigsteln xmd erzielen so schon 
im 5. Jahr eine irrationelle Einheit, die das alexandrinische Mondalter von XTV 
zu XV hinauftreibt: */i2 = ^^/eo brauchen nur eine Tagessumme von 95 [= 1. 
Januar — B. Aprü] um bei der Division durch 60 2 herauszubringen, und bei 
jedem folgenden Jahr ist weniger nöthig. Allerdings verliert dieser tric in den 
letzten 3 Jahren des Cyclus in etwas seine Kraft. Da nämlich im 17. Jahr in 
Folge des regulären saltus die alexandrinische Epakte um 12 steigt, die Zwölftel- 
und Sechzigstelrechnung aber diesen saltt^ nicht kennen kann, so bleiben ihre, 
in der Multiplication versteckten Epakten vom 31. Dezember hinter jenen vom 
1. Januar nicht um 1, sondern um 2 zurück ; die Sechzigstelrechnung compensirt 
davon nur 1 Einheit, und die Combination mit den Zwölfteln kann nicht bloss 
addiren, sondern muss auch eine verlorene Einheit wieder einbringen. So kommt 
es dass im 17. 18. und 19. Jahr die Mondalter nicht, wie man denken sollte, 
um 2, sondern nur um 1, oder im 18. Jahr, wo die Tagessumme niedrig ist, gar 
nicht steigen. 

11* 



Digitized by 



Google 



84 E. SCHWABTZ 

Die schlauen Compatisten griffen aber noch zu einem anderen Mittel um die 
Mondalter künstlich zu erhöhen : sie rechneten in den Schaltjahren den Schalttag 
in die Tagessumme mit ein. Das ist nicht besser und nicht schlechter als die 
Zwölftelrechnung. Auf diese Weise wurde eine alexandrinische i8 nicht nur auf 
iB und ic, sondern sogar auf i^ getrieben. Maximos deutet diese Rechnung in 
dem xiixkog auf die Weise an, dass er den Sonnenepakten jährlich ^/i Tag zu- 
schlägt. Das ist in correcten Ostertafeln mit Recht unerhört, aber beim Com- 
putisten von 243, der den julianischen Schalttag bei der Berechnung des Mond- 
alters nicht übergeht, findet sich diese Zählweise auch, zum Beweis dass die 
'Multiplidrenden' aus allen möglichen Winkeln ihre Kniffe znsammeDgesucht 
haben. Nun kommt es ja vor dass Leute betrügen ohne rechten Zweck, nur 
weils ihnen Spass macht: aber das sind Ausnahmen, die den Forscher, wenn 
man das Aufdröseln dieses Unsinns Forschung nennen will, der Nothwendigkeit 
nicht entheben nach dem cui hono zu fragen. Die Antwort habe ich schon ge- 
geben; diese Computisten wollten, wie Yictorius, die alexandrinischen Mondalter 
erhöhen, zunächst um bei einer ganzen Reihe von Ostersonntagen das dem 
Occident widerwärtige Mondalter XY loszuwerden ohne das Glebot des nicaenischen 
Concils zu verletzen, dass Ostern von der Christenheit an einem Tage gefeiert 
werden sollte. Aber sie wollten wahrscheinlich noch mehr. 

Maximus hat in dem xt^idog diejenigen Jahre der 532 jährigen Osterperiode 
zusammengestellt, in denen die Zwölftel- und Sechzigstelrechnnng das Mond- 
alter des Ostersonntags, von XX und XXI auf XXII und XXIII erhöhen 
musste : in der Regel können es nur solche Jahre sein, in denen der OstervoUmond 
auf die 2. oder 1. Ferie fällt. Der xtkAog ist folgendermassen angelegt. Der 
äussere Kreis enthält die Ziffern des alexandrinischen Sonnencyclus, der zweite 
die Sonnenepakten — über die V*, V« ^nd V« + V* s« o. — , der dritte notirt die 
Schaltjahre, der 4. führt die Ziffern des von den Computisten gebrauchten 
Sonnencyclus, d. h. des constantinopler, auf. In den folgenden fuhrt er die 
Nummern der Jahre auf, die er zusanmienstellen will; jedes Segment ist in 2 
Teile geteilt, rechts steht die Ziffer die das Jahr in einem bestimmten Mond- 
cyclus, links die es in dem correspondirenden Sonnencyclus hat. Um die Ziffern 
zu verstehn, muss man sich gegenwärtig halten dass die 532 jährige Periode in 
28 Mondcyclen und 19 Sonnencyclen zerlegt werden kann, die neben einander 
herlaufen. Diese Cyclen können nummerirt werden, die Mondcyclen von I— XX VIII, 
die Sonnencyclen von I— XIX, und diesen Nummern werden die Jahresziffern 
untergeordnet: zum Beispiel kann das 40. Jahr der 632jährigen alexandrinischen 
Periode genannt werden das 2. des III. Mondcyclus und das 12. des 11. Sonnen- 
cyclus. Im xvxkog des Maximus gelten für die Mondcyclen die über dem Segment 
stehenden Jahresziffern des Sonnenkreises; bei den Sonnencyclen in den linken 
Feldern wird die Nummer immer dann über die Jahresziffem geschrieben, wenn 
ein neuer Sonnencyclus anfängt. Zur Ausgleichung mit der alexandrinischen 
Periode muss man wissen dass das 1. Jahr der constantinopler Periode = dem 
517. der alexandrinischen ist. Die einzelnen Jahre waren nun von Maximus ver- 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFKLN 



83 



schieden charakterisirt, mit Hülfe beigesetzter Punkte. Mit einem und zwei 
Punkten sind die Jahre bezeichnet, in denen die Compntisten das alexandrinische 
Mondalter des Ostersonntags anf XXII erhöhten, mit 1 Punkt dann, wenn die 
Erhöhung durch Addition des Schalttags, mit 2, wenn sie schon durch die Com- 
bination der Sechzigstel- und Zwölftelrecbnung zu Stande kam. 3 Punkte sind 
dann hinzugefügt, wenn das Mondalter des Ostersonntags auf XXUI erhöht wird ; 
dabei hat Maximus einen Fall nicht berücksichtigt, in dem sogar XXIV heraus- 
kommt. Die Punkte sind im Cod. Vat. 505 nicht erhalten ; ich habe in der unten 
ausgeführten Tabelle die Sternchen nach Maximus Angaben gesetzt ; nur einmal, 
in dem eben bezeichneten Falle, habe ich zu vier statt zu drei Sternchen ge- 
griffen. 

Ehe ich den in eine Tabelle umgesetzten xvxkog vorlege, wird es für solche 
Leser die in chronologischen Dingen nicht versirt sind, nöthig sein die beiden 
xavöv^a mit ein paar Worten zu erklären. Das linke enthält in der Columne 
a die Notirung der Mondschaltjahre, in ß die Jahresziffern des alexandrinischen 
Mondcyclus, in y die des constantinopler, den die Computisten gebrauchten, in d die 
von ihnen nach dem oben entwickelten Hecept berechneten falschen Epakten des 
1. Januar, in s die von ihnen erzielten Mondalter der alexandrinischen id in 
Gemeinjahren (das erste ist falschlich mit la statt mit lS bezeichnet) ; auf julia- 
nische Schaltjahre ist in diesem xavövLOv keine Rücksicht genommen. Im rechten 
Tucvöviovj dessen Columnen von rechts nach links gezählt werden, enthält ä 
ebenfalls die Jahresziffem des constantinopler Mondcyclus, ß die alexandrinischen 
Epakten des 1. Januar, y und * die Tagesdaten der alexandrinischen XlVlunae^ 
und zwar S die Zahlen *), y die Siglen von Magtiog oder ^Ajcgikliog. Fällt das 
Datum in den April, so braucht nur die aus dem x^hcXog zu entnehmende 
Sonnenepakte — natürlich ohne den Bruch — zu dem Datum addirt und die 
Summe mit 7 dividirt zu werden, damit der Rest den Wochentag der alexandri- 
nischen id ergiebt ; fällt es in den März, so müssen die in a notirten itQoö^BtaCy 
nämlich 4, vor der Division hinzu addirt werden, s. o. 

Ich lege nunmehr die Tabelle vor ; zugesetzt habe ich die Jahre der alexan- 
drinischen Periode, Datum und Wochentag der alexandrinischen td, sowie zur 
Erläuterung der Sternchen, in griechischen Ziffern das Mondalter der Oster- 
sonntage, das die Computisten durch ihre Kniffe erzielten: 



5I 


Mondcyclus 

(constantino- 

politanisch) 


Sonnencyclas 
(constantino- 
poUtanisch) 


Alexandr. 

XIV lunae 

mit üirem 

Wochentag 


Mondalter d. 

Ostersonntags 

nach den 

Compatisten 


525 
628 
532 


I 9** 

I 12* 

I 16*** 


I 9 
I 12 
I 16 


4. Aprü I 

1. Aprü II 

17. April II 


xß 
xy 



1) Z. 10 ist %S, Z, 14 », Z. 17 e, Z. 18 xe za lesen. 



Digitized by 



Google 



86 



E. SCHWABTZ 



II 


Mondryclus 

(constantino- 

politaniscb) 


Sonnencyclas 

(constantino- 

politanisch) 


Alexandr. 
XIV lunae 

mit ihrem 
Wochentag 


' ' 

Mondalter d. 
Ostersonntags 

nach den 
Computisten 


3 


I 19** 


I 19 


13. April I 


^ 


13 


n 10** 


n 1 


24. März I 


xß 


16 


n 13* 


114 


21. März II 


«/J 


17 


n 14** 


U 5 


9. AprU I 


xß 


20 


U 17*** 


n 8 


5.AprüI 


xy 


27 


III 6** 


n 15 


18. April I 


"^ 


37 


m 16** 


II 25') 


29. März I 


4 


47 


IV 6** 


ni 7 


7. Aprü 1 


xß 


67 


V 7** 


III 27 


27. März 1 


xß 


68 


V 8*** 


m 28 


15. Aprü I 


. *y 


71 


V 11** 


IV 3 


12. April I 


*± 


88 


VI 9*** 


IV 20 


4. AprU I 


xy 


91 


VI 12** 


IV 23 


l.AprüI 


xß 


95 


VI 16*** 


IV 27 


17. Aprü I 


xy 


98 


VI 19** 


V 2 


13. Aprü I 


xß 


108 


vn 10*** 


V 12 


24. März I 


xy 


111 


VII 13** 


V 15 


21. März I 


*1 


112 


VU 14*** 


V 16 


9. Aprü I 


xy 


122 


vm 6** 


V 26 


18. Aprü I 


xß 


132 


vniis*** 


VI 8 


29. März I 


%y 


142 


IX 6** 


VI 18 


7. Aprü I 


x/J 


152 


IX 16* 


VI 28 


17.Apriim 


xß 


162 


X 7** 


VII 10 


27. März I 


*ß 


166 


X 11** 


vn 14 


12. Aprü I 


xß 


172 


X 17* 


vn 20 


5. Aprü U 


xß 


186 


XI 12** 


VIU 6 


l.AprüI 


xß 


190 


XI 16*** 


VIII 10 


17. Aprü I 


xy 


193 


XI 19** 


VIll 13 


13. Aprü I 


xß 


206 


XU 13** 


VIII 26 


21. März I 


xß 


217 


xin 5** 


TX 9 


18. Aprü I 


'4 


220 


xni 8* 


IX 12 


15. Aprü II 


xß 


237 


XIV 6** 


X 1 


7. April I 


xß 


240 


XIV 9* 


X 4 


4. Aprü II 


xß 


247 


XTV 16** 


X 11 


17. Aprü II 


xß 


257 


XV 7** 


X 21 


27. März I 


y^ß 



1) Für f ist x€ za lesen. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHK DSD jOdISCHK OSTEBTAFELN 



87 



•^■S 


Mondcyclag 


Sonnencyrlus 


Alezandr. 


Mondalter d. 


^•e 


(constantino- 


(constantino- 


ZIV lunae 


Ostersonntags 


s| 


politaniscb) 


politanisch) 


mit ihrem 


nach den 


5«^ 






Wochentag 


C!ompatisten 


260 


XV 10* 


X 24 


24. März II 


^ 


261 


XV 11** 


X 26 


12.AprüI 


xß 


264 


XV 14* 


X 28 


9. April II 


xß 


267 


XV 17** 


XI 3 


5. April I 


xß 


281 


XVI 12** 


XI 17 


1. Aprü I 


xß 


284 


XVI 16* 


XI 20 


29. März II 


xß 


286 


XVI 16 *** 


XT 21 


17. April I 


xy 


301 


XVII 13 ** 


XTI 9 


21. März I 


xß 


312 


XVIII 5*** 


XTI 20 


18. April I 


xy 


816 


XVIII 8*** 


XII 23 


16. April I 


*^ 


332 


XIX 6 *** 


Xin 12 


7.AprilI 


xy 


336 


XIX 9** 


XIII 15 


4.AprilI 


^ 


342 


XIX 16** 


XIII 22 


17. Aprü II 


xß 


352 


XX 7*** 


XIV 4 


27. März I 


xy 


356 


XX 10** 


XIV 7 


24. März I 


%ß 


366 


XX 11 *** 


XIV 8 


12. Aprü I 


xy 


359 


XX 14** 


XTV 11 


9. Aprü I 


xß 


362 


XX 17** 


XTV 14 


5. April I 


^ 


376 


XXI 12*** 


XIV 28 


1. April I 


xy 


379 


XXI 15 1)** 


XV 3 


29. März I 


x/J 


380 


XXI 16**** 


<XV 4>«) 


17. Aprü I 


.x6 


396 


XXII 13** 


XV 20 


21. März I 


*ß 


410 


xxni 8** 


XVI 6 


15. Aprü I 


xß 


430 


XXIV 9** 


XVI 26») 


4. Aprü I 


"ß 


437 


XXTV16** 


xvn 5 


17. Aprü II 


xß 


440 


XXIV 19* 


XVII 8 


13. Aprü II 


xß 


450 


XXV 10** 


XVII 18 


24. März I 


xß 


454 


XXV 14** 


XVII 22 


9. Aprü I 


xß 


457 


XXV 17** 


XVII 26 


5. Aprü I 


xß 


464 


XXVI 5* 


XVIU4 


18. Aprü n 


xß 


474 


XXVI 16** 


XVIII 14 


29. März I 


*ß 


484 


XXVII 6* 


XVIII 24 


7. Aprü II 


xß 


504 


XXVIII 7 * 


XTX 16 


27. März n 


xß 


605 


XXVIII8** 


XIX 17 


15. Aprü I 


xß 


608 


XXVIIUl** 


XIX 20 


12. Aprü II 


ȧ 



1) Für Ti' lies te. 

2) In der Hs. weggelassen. 
8) Für Ic lies x?. 



Digitized by 



Google 



88 K. SCHWARTZ 

Maximas wirft den Computisten vor, dass in den Fällen in welchen der 
alexandrinische Ostervollmond auf einen Montag fallt und sie diesem das Mond- 
alter 16 geben, sie Ostersonntag streng genommen an dem Sonntag vor dem 
Vollmond feiern müssten. Das ist schwerlich bloss Theorie. Wie Victorius 
ausser dem Mondalter XV auch die Ostersonntage des 24. und 25. April so viel 
als möglich zu eliminiren bestrebt war, so dürften die Computisten bei ihren 
Betrügereien ebenfalls diesen Boppelzweck verfolgt haben. Am klarsten liegt 
die Sache beim 16. JsJir des constantinopler Cyclus [= dem 19. alexandrinischen] 
mit der iS am 17. April. Das Mondalter erhöht sich in Gemeinjahren bei den 
Computisten stets auf 16, im Schaltjahr sogar auf 17. Somit kann in diesem 
Jahr der 24. April immer vermieden werden, da der Ostersonntag dies Datum 
nach dem alexandrinischen Cyclus nur haben kann, wenn der 17. auf einen 
Sonntag fällt, der 17. aber nach den Computisten regelmässig das Mondalter 
XVI, einmal, im Schaltjahr, sogar XVII hatte, also als römischer Ostersonntag 
zulässig war. Beim 25. April glückte die Verschieberei nicht ganz so gut. 
Denn dies Osterdatum ist nur möglich im 8. Jahr des alexandrinischen Cyclus, 
das die Computisten als 5. zählten: hier steigerte die Multiplication das Mond- 
alter nur um 1 Einheit, einmal freilich, wegen des Schaltjahrs, um 2. Fiel also 
der Vollmond des 18. April auf einen Sonntag und nahmen die Alexandriner 
den 25. als Ostersonntag, so konnten die Computisten, wie Victorius, den 18. 
mit dem Mondalter XV ansetzen; einmal hatte er sogar das Mondalter XVI. 
Wenn der 18. April ein Montag war, so ergab sich nach correcter alexandrinischer 
Rechnung der 24. als Ostersonntag. Dies konnten die Computisten nur in einem 
SchaltjsJir vermeiden, wenn das Mondalter des 18. April auf XVI stieg; dann 
war es möglich den 17. April mit dem Mondalter XV zum Ostertag zu machen, 
obgleich dann das ^christliche Pascha' vor das ^hebraeische Pascha' fiel, nach 
Maximus ein unerhörter Grreuel. 

Damit dürften die Kunststücke der XBvtoMkovvxBg xal S^ankovvxeq in der 
Hauptsache aufgeklärt und abgethan sein. Ich will nur noch erwähnen dass 
die betrügerische Zwölftel- und Sechzigstelrechnung auch in der chronologia 
Sacra des Chroniken Paschale auftritt; dort wird auch der 10. des 
7. Monats als Tag der Verkündigung an Zacharias berechnet, wie bei Maximus. 
Hier laufen also die Fäden vom Occident, von Afrika, nach Constantinopel : denn 
dort ist wenigstens die letzte Redaction der Paschalchronik sicher entstanden. 
Meine Leser werden nicht böse sein, wenn ich es bei diesen Hinweisen be- 
wenden lasse. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 89 

V 
Der 84 jährige Gyclus mit 14j&hrigem Saltos 

Ich habe oben nachgewiesen dass der 84 jährige Cyclns der in Rom gebraucht 
wurde, nie einen anderen Saltus gehabt hat als den 12jährigen. Für die im 
B. Jahrhundert auftauchenden Modificationen des Cyclus gilt das gleiche; selbst 
die rechnerischen Hirngespinste des Agriustia beweisen nicht, dass er einen 
Cyclus mit 14 jährigem Saltus construirt hätte. Aber dass einmal und irgendwo 
ein solcher entstanden ist, darf nicht bestritten werden; denn es liegen zwei 
Zeugnisse vor, die sich nicht wegscha£Pen lassen. 

Das erste steht im Prolog des Victorius [Chron. min. 1, 679]: 
tum deinde ü qui cyclutn annorum octoginta et quattuor ediderunt, duodedm 
peractis annis lunam unam, quam per idem tempus certis annua reuoltUione 
minutiis adserunt calculandi lege subcrescere [Anspielung auf die Zwölftel- 
rechnung], adiciendam legUimo cursui esse praecipiunt. item sunt qui hanc 
eandem quinto decimo demum incipiente anno magis annumerari definiunt. 

Auf diese Stelle gehn die Erwähnungen des 14 jährigen Saltus in dem ge- 
fälschten Prologus Cyrilli zurück [Krusch, Studien 96]: beachtenswert ist aber, 
dass dieses, nach Krusch in Spanien entstandene, Machwerk nur einen 84jährigen 
Cyclus mit 14 jährigem, nicht den viel bekannteren mit 12 jährigem Cyclus kennt. 
Danach scheint es als sei dieser im 6. Jahrhundert verschollen gewesen und jene 
Modification in Gregenden die das Paschale des Victorius oder die alexandrinisch- 
constantinopolitaniscbe Berechnung nicht annahmen, aufgekommen. 

Ein zweites Zeugnis ist von Krusch [Studien 10 ff.] in dem s. g. 'Münchener 
Computisten' entdeckt. In dem Cod. Monac. 14456 sec. IX steht eine chrono- 
logische Compilation unter dem Titel Compotus sei Augustini ^ sei Hieron, sei 
Ysidori^ sei Dyonisii, sei Quirilli Gredae et ceterorum, in barbarischem, oft geradezu 
unverständlichem Latein abgefasst; die zahlreichen Corruptelen und Auslassungen 
zeigen dass der Schreiber der Hs. nicht der Verfasser des Computus ist. Da 
das was Krusch aus der Hs. mitgeteilt hat, zur Nachprüfung seiner weittragenden 
Hypothesen nicht ausreichte, habe ich sie mir nach Göttingen schicken lassen 
und mit gütiger Erlaubnis der Münchener Bibliotheksverwaltung die Blätter 
die für mich irgendwie von Interesse waren, photographirt ; Abzüge stehen 
denen die sich danach sehnen diese Barbarei näher kennen zu lernen, gerne zur 
Verfügung. 

Krusch hat die Meinung ausgesprochen, der Computus sei im Jahre 689 ab- 
gefasst. Das ist unrichtig; die Schrift ist jünger. Die Stelle auf welche sich 
Krusch beruft, steht fol. 23': 

annus plenus de hissextis in mille CCCCtis LX continetur. hissexti totius libri 
Viäorii CXXXIIL ab initio mundi III anni de bissextis pleni sunt usque in prae- 
sentem annum sub consulibus Bero \b aus w corrigirt] et Bardoa. 

Das Consulat Vero II et Bradua steht bei Victorius zum 130. Jahr seines 

Abbsndlaogen d. K. Oes. d. WiM. ra OAttingen. PhUolog.-hiitor. Kl. N. F. Band 8, «. 12 



Digitized by 



Google 



90 E. SCHWARTZ 

Cydas, entspricht also dem Jahr 157 der christlichen Aera. um des Adjectivs 
praesentem willen glaubte Kmsch dafür das correspondirende Jahr des folgenden 
Cyclus, 689, einsetzen zu dürfen. Aber die Stelle darf von einer anderen nicht 
getrennt werden [fol. 41"], die Krusch zwar nicht übersehen, aber nicht ver- 
standen hat: 

sdltus in libro Victorii a principio mundi numerantur CCLXXX sub Bero et 
Bardua cc (d. h. coss). 

Da im Paschale des Yictorius der Saltus alle 19 Jahre eintritt, so reprae- 
sentieren 280 Saltus einen Zeitraum von 19 x 280 Jahren = zehn 532 jährigen 
Ostercyclen; es ist aber klar dass bei einer solchen Rechnung die Jahre 157 und 
689 nicht gleichgesetzt werden dürfen. Nun finden sich noch weitere Spuren 
dieser Cyclenrechnung, so fol. 23™ : 

ad iniHum [gemeint ist ab inüio] huius [nämlich mundi] creatwrae per annos 
VCCXXVIII usque ad passionem. 

Danach würde das 92. Jahr der Passion = 5320 der Welt = dem Schluss- 
jahr des 10. Cyclus sein. Das ist die Rechnung die in der ps. augustinischen 
Schrift De mirabilibus sacrae scripturae aufgestellt ist, und die dort aufgeführten 12 
Cyden sind thatsächlich von dem Münchener Computisten f. 45". 46' abgeschrieben: 
es genügt die beiden letzten herzusetzen: 

Ps. Aug. 2, 4 Cod. Mon. 14456 f. 46' _ 

decimus . . . nonagesimo secundo anno post decimus XCII anno post passionem dni 
passionem saluaioris Älia et Sparta consur consumaiur 
libus [119 n. Chr. vgl. Chron. min. 1,694] 
peractis cwrsibus consummatur 

post quem undecimus a consulatu Paterni undecimus in temporihus nostris turrens 
et Torquaii [120] ad nostra u^que tempora [lies currens] Hiberniensium doctore an- 
deeurrens extremo anno [651] Hibernien- chiano [d. i. doctore Manchiano] moriente 
sium moriefUe Manichaeo inter ceteros sor peragitur 
pientes pera^gitur 

et dtu>decimus nunc tertium annum agens duodecimus sua tempora nunc a^ens a no- 
[654] ad futurorum sdentiam se praestans bis quaiem finem habuerity ignoratur 
a nobis qu^lem finem sit habiturus, igno- 
ratur 

Bedenkt man dass sowohl 119 n. Chr. als 157 n. Chr. im Cyclus des Victorius 
Saltusjahre sind und dass sie um genau zwei 19 jährige Cyclen von einander abstehen, 
so leuchtet wohl ein dass an der eben angeführten Stelle f. 41" für CCLXXX zu 
lesen ist CCLXXXII, so dass auch hier die ps. augustinische Cyclenrechnung 
von dem Münchener Computisten befolgt ist. Wahrscheinlich ist nun allerdings, 
dass der Grund der Verschiebung darin liegt, dass der Verfasser der Stellen 
f. 23' und f. 41" in dem Jahr schrieb, das cycUsch mit 157 correspondirte, die 
Datirung Krusch's würde also nur nicht ausreichend motivirt, aber darum doch 
richtig sein: über die nachlässige und incorrecte Ausdrucksweise usque in prae- 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 91 

setUem kann man hinwegsehn. Die Schrift ist aber eine Compilation, und andere 
Stellen zeigen dass jener Hinweis auf die Gegenwart aus einer Vorlage abge- 
schrieben ist. An dem Beispiel des bevorstehenden Osterfestes zeigt der Computist 
umständlich, wie nach der alexandrinischen Regel der Ostersonntag bestimmt 
werden muss, wenn die XIV lunae und die Ferie des 1. Januar bekannt sind 
[f. 32-]: 

qualüer ex his pascha exploranms? — äoc est [= so, die Antwort wird ein- 
geleitet]: scüa XIIII luna {et) ebdomadis diem [soll heissen die] qua XIIII luna 
staij soUicUae qtiaeras cui insequenti dominico in quoctitnqtie die mensis et lunae, nisi 
XXI excedatf pascha faci(is. quod inminentis anni exemplo monstrauimus [gemeint 
ist monstrabitnus]. in (V, wegen des Folgenden sichere Ergänzung) Id. Ap. 
[9. April] XIIII luna est, cuius ebdomadis diem a K. lan. probemus. K. lan. do- 
minico, hinc primo die [am 1. April] sabbaium, id est cum non sit bissexttis. si enim 
fuerit, eodem die K. lan. et Apr. ecce apparebit. deinde K. Apr. sabbatum et VI Id. 
eius [8. April], V Id. [9. April] dominicus, in quo XIIII luna est. hinc in IUI 
[lies XVI] K. Mai. [16. April] sequens dominicus dies et XXI luna. itaque se- 
cundi anni XIIII luna IUI K. Ap. [29. März] et annus bissexti, K. lan. in II 
f{e)r{ia). hinc IIIIo die post, qui est V feria, K. Feb.\ et Mar. [1. März, man 
muss lesen K. Mar, et] VIII Id. Mar. [8. März] et XI Kai. Apr. [22. März] et 
VII [lies IUI] K. [29. März] VI feria, mutante bissexto. inde XIIII luna^ quae 
est IUI K. Ap.; insequenti uero dominico, id est II K. Ap. et luna XVI pascha 
celebrari debet. in IIIo quoque finienti endecadi anno XIIII luna XV K. Mai. 
[17. April], qui annus bissexti secundum [d. h. das erste nach einem Schaltjahr], 
hinc K lan. IUI feria, transgressa IUI [lies III] feria. K. Ap. [II id est] III 
feria et VI Id. lunae XVII [muss heissen et XVII Kai.; es ist ja deutlich dass 
der 1. 8. 15. April auf einen Dienstag fallen, wenn der 1. Jan. ein Mittwoch 
ist]; XVI [16. April] VII [Hes IUI] feria, XV H [Ues V] feria, qui XIIII 
luna. et pascha sequenti dominico die, hoc est XII K. Mai. [20. April] luna XVII 
inesse nemo dubitet. Mit womöglich noch grösserer Umständlichkeit werden f. 
34' ff. die ersten Sonntage der Quadragesima für dieselben Jahre auf den 5. März 
lun. Vnn, den 18. Februar lun. TTTT und den 9. März lun. V berechnet. 

Die 3 Jahre sind so charakterisirt : 

17. Jahr des alexandrinischen Cyclus. 

Ferie des I.Januar: Sonntag. Ostervollmond: 9. April. Ostersonntag: 16. April XXI. 

18. Jahr des alexandrinischen Cyclus. 

Ferie des I.Januar: Montag. Ostervollmond: 29.März. Ostersonntag: 31.MärzXYI. 

19. Jahr des alexandrinischen Cyclus. 

Ferie des 1. Januar: Mittwoch. Ostervollmond: 17 April. Ostersonntag: 20. April XVII. 

Femer ist das zweite Jahr ein Schaltjahr. Von den 532 Jahren der alexan- 
drinischen Osterperiode weisen nur das 359. 360. 361. diese Charakteristika in 
der gleichen Folge auf; sie entsprechen den Jahren 719. 720. 721 n. Chr. Der 
Compilator hat also unmittelbar vor Ostern 719 geschrieben, allerdings unter 

12* 



Digitized by 



Google 



92 E. SCHWARTZ 

anderem eine dreissig Jahre filtere Vorlage benutzt. Beide gehören nach Irland; 
das zeigt die Benatznng der dort entstandenen ps. angostinischen Schrift De 
mirabilibns sacrae scripturae und die Notiz f. 26*: 

communes sunt totius anni dies aepactis^ sed tarnen Oreci in XI K. Apr. 

[22. März = 26. Phamenoth] legitime [d. h., wenn sie nicht auf den 1. Jannar 

nmgereehnet werden], Romani uero in Kl. Jan. epactas enumerant. unde 

Bomani nee minus Scotti [d. h. nach mittelalterlichem Sprachgebrauch die 

Iren] in K. lan. Grecornm öbseruationes epactas rimantur. 

Der Computist vergleicht, in oft schwerfäUigen und dunklen Auslassungen, 

mit einander die Osterberechnung der Griechen, d. h. die für den ocddentalischen 

Gebrauch umgerechnete aJexandrinisch-constantinopolitanische, die des Victorius 

und die eines uetns latercus [so], den er öfter anführt. Er selbst folgt, wie die 

angeführten Beispiele zeigen, dem alexandrinischen Usus, doch polemisirt er nicht 

gegen die beiden anderen. 

Es ist zunächst unzweifelhaft dass der uettis laterctdus in irischen Gemeinden 
gebraucht wurde. Nar diese kennen die Regel dass der Ostersonntag die Mond- 
alter XIY — XX haben müsse; dass sie niemals in Rom gegolten hat, ist oben 
nachgewiesen. Dieselbe Regel findet sich nun aber auch in dem uetus laterculus, 
der nach Krusch in Rom entstanden sein soll. Von der Unwahr scheinlichkeit 
dass eine römische Ostertafel aus dem Anfang des 4. oder gar dem Ende des 
3. Jahrhunderts in einer durch und durch ungelehrten und unwissenschaftlichen 
Compilation, die irische Mönche im 8. Jahrhundert zusammenschrieben, 
plötzlich aus völliger Vergessenheit wieder hätte auftauchen können, will ich 
weiter nicht reden; wenn in einem Computas der nur in Irland verfasst sein 
kann, eine Ostertafel erwähnt wird, die der irischen Regel über die Mondalter 
des Ostersonntags folgt, so ist nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit der 
Schluss nicht abzuweisen, dass diese 'alte Ostertafel' ein irisches Product ist. 
Die beweisende Stelle im Münchener Computisten lautet [f. 33"]: 

Septem aetaies [Mondalter] paschae qttas praediximus. hae siint secundum 
Grecos a XV luna usque in XXI, initii uero [die Mondalter des ersten 
Fastensonntags] a VI [lies ///] singulari in Villi extenditur, secundum 
autem Victorium aetates pasche a X'V [lies XVI'] luna in XXII^ initii a 
IUI singulari in X anni [lies Xam]. iuxta uero latercum a XIIII luna 
in XX et initii a VI [lies //] lun in VIII singularem. Es folgt eine weit- 
läufige Erörterung über die Verschiebungen die Schalttag und Saltus in 
dem Mondalter des Fastensonntags bewirken. 
Die Spielerei das Mondalter des Fastensonntags zu berechnen, scheint, nach 
dem karthagischen Computisten und Maximus Confessor zu urteilen, bei den 
afrikanischen Calculatoren vom 5. Jahrhundert ab Mode gewesen zu sein ; doch folgt 
daraus für den ^latercus^ nichts, da diese Mondalter nicht in ihm gestand^i zu haben 
brauchen und erst von dem münchener Computisten selbst erschlossen sein können 
Ueber die Saltus der verschiedenen Osterberechnungen bemerkt der mttnchener 
Computist : 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHB UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 98 

f. 41" sciendum nbi sit saltus Orecorum? — id est: in nere in mense Mar. — 
in quo die? — id est: in XI K. Äp. [22. März]. — quid demonstrcU ülum? — id 
est: luna. — quomodo? — a luna X Villi [lies XVIII] in lunam XXX in XI 
K. Äp.; in K. lan. uero a luna VIII in XX luna. Letztere Bemerkung ist vom 
1. und 2. Jahr, nicht wie jene vom 19. und 1. Jahr der Enneakaidekaeteris zu 
verstehen: weil der *Saltus der Griechen* auf den 22. März des 1. Jahres gelegt 
ist, kann er bei der Umrechnung der Epakten erst im 2. Jahr zur Erscheinung 
kommen. Folgen confuse Speculationen. 

f. 42' ncbis sciendum in quo tempore fit saltus Victorii? — id est: in hieme, in 
Vo [lies VIo] anno endecadis in mense Nou. in embolismo. — in quo loco? — in XV 
K. Dec. [17. November]. Folgt die Rechnung, aus der hervorgeht dass vom 
17. Nov. lun. XXVim auf den 18. lun. I 'gesprungen* wird, während sonst die 
Lunation des November voll ist. 

f. 42' notandum nobis quod hi II saltus [der 'Griechen' und des Victorius] 
saltus non dicuntur [eine öfters wiederkehrende Behauptung, die darin ihren 
Grund haben wird, dass der Ausdruck aus den 84jährigen Cyclen stammt], inde 
uerius saltus Äegyptiorum. sciendum quomodo fU? — id est a XXVII in K. lan. 
in Vllllam in K. lan. — Lücke, es fehlt eine Frage. — id est: in VIII K. Dec. 
[24. Nov.]. Folgt die Rechnung. Natürlich ist es letzthin eine verkehrte 
Speculation zwischen dem Saltus der 'Aegypter* und dem der 'Griechen' zu unter- 
scheiden, doch ist die Differenzirung nicht ohne alle Berechtigung. Unter den 
'Griechen' sind die Byzantiner zu verstehen, bei denen es üblich ist mit dem 
Datum der alexandrinischen Epakte Spielereien zu treiben, die 'Aegypter' sind 
die Alexandriner: die Verlegung des Saltus in die vorletzte Lunation des 
römischen Jahres ist selbstverständlich eine lateinische Erfindung^). 

1) SoUte jemand aaf den Einfall kommen den münchener Computas in ganzem Umfang ab- 
dra<^en zu lassen, so würde der wesentliche Erfolg der sein, dass Bedas chronologisches Wissen 
und seine nüchterne, nie sich yerwirren lassende Praecision sich von einem dunklen Beispiel occi- 
dentalischer Ignoranz mit wirklich Ehrfurcht gebietender Klarheit abheben. Er schrieb zur selben 
Zeit — das Hauptwerk De temporum ratione ist 725 abgefasst — und die Berührungen zwischen 
ihm und dem münchener Computisten sind zahlreich, weil beide die gleiche calculatorische Praxis 
▼oraussetzen ; um aber den Abstand der Individuen zu zeigen, setze ich Bedas Referat über die 
Saltus im Auszug her [de tempp. rat. 42]: diuersis autem locis circuli deeennoucUis dtuersi quique 
ealcukOorea humc eundem luncte saltum interponendum , id est mensem lunarem qui ceteris annis 
tricenos dies habere eonsueuercU, undetriginta dierum esse faciendum putauere, et ratio quidem 
naturaiis in promptu est cuncta huiusmodi crementa uel detrimenta solis et lunae in partibus 
aequinocHorum, übt primo creata sunt, initium finemque sortiriy solis quidem in uernt, lunae uero 

in atUumnalis loco aequinoctii Victorius tertio ad finem ogdoadis anno hanc interserendam 

censuit, lunam Kalendarum lanuariarum de quarta in sextam decimam conuertens. porro Aegyptii^ 
in quorum sentenüam C€Uholica nunc consentit ecdesia, eandem mutationem primo anno drctdi 
decennoucdis adfigunt, facientes epactas lunae annuas, quarum locus est in XI Kalendas ApriliSj 

de octaua decima in nullam [nicht gut statt in tricesimam, s. o. S. 14] facere saltum 

huiusmodi ergo cogit diuersitas sex solum primos circuli decennotMUis annos aequali nobiscum 
aetate lunam putare Victorium. nam deinceps inserta mutatione saltus, una semper die maiorem 
ncbis eam usque dum etiam nos finito eam drctdo toto inserimus^ habere non cessat. qui profecto 
saUus non alibi aptius quam XII Kalendarum Aprilium [21. März] die uidetur anno reddendus 



Digitized by 



Google 



94 



B. SCHWABTZ 



fol. 42" saltus IcUerci per XII [lies XIIII, so schon Krosch] annos paraiur. 
in IUI anno ogdoadis sU [lies fW] in communis in Novembrio mense. sie fit: a XII 
luna in XXIIII in K. lan, primus. secundtis saltus a XVII in XXVIIIL tertius 
a XV [von Krasch in XXII verbessert] in IUI quartus a XXVII in VIIIL 
quintus a II in XIII [lies XIIII] in K. lan. Der 6. Saltus [a VII in XVIIII] 
ist ausgelassen, vielleicht weil er am Schluss des 84jährigen Cyclus stehend 
nicht bemerkt wurde. 

um die Construction des Cyclus anschaulich darzustellen und das Ver- 
ständnis der weiteren Mittheilungen des mänchener Computisten über den laiercus 
zu erleichtem, ordne ich die Epakten des 1. Januar nach den 'Griechen*, nach 
Victorius und dem uetus latercuhis zu einer Tabelle: 



Alex. Cyclus 


Epakte 

der 
Qriechen 


Epakte d. 
a 


Victorius 


Epakten des uelus laterculus 


I ogd. 


8 sali 


hend. 8 


ogd. 9 




8 


8 


9 


9 


II 


20 


19 


20 


19 


19 


19 


20 


20 


m emb. 


1 


30 


1 


30 


30 


30 


1 


1 


IV 


12 


11 


12 


11 


11 


11 


12 


12 


V 


23 


22 


23 


22 


22 


22 sali 


23 


23 


VI emb. 


4 


3 


4 sali 


3 


3 


4 


4 


4 


VU 


15 


14 


16 


14 


14 


15 


15 


16 


VIU emb. 


26 


25 


27 


25 


25 


26 


26 


26 


IX hend. 


7 


6 


liend.8 


6 


6 


7 


7 


7 sali 


X 


18 


17 


19 


17 


17 sali 


18 


18 


19 


XI emb. 


29 


28 


30 


28 


29 


29 


29 




xn 


10 


ogd. 9 


11 


9 


10 


10 


10 




xin 


21 


20 


22 


20 


21 


21 


21 




XIV emb. 


2 


1 


3 


1 


2 


2 


2 sali 




XV 


13 


12 


14 


12 sali 


13 


13 


14 




XVI 


24 


23 


25 


24 


24 


24 


26 




XVn emb. 


5 


4 sali 


6 


5 


5 


5 


6 




xvin 


16 


16 


17 


16 


16 


16 


17 




XTX emb. 


27 


27 


28 


27 


27 


27 sali 


28 





propter originem uiddicet, quam praefoH sumuSf eondUionis siderum, utjuna mensia MarHi, qtMe 
eo fit die uicesima nona^ dehinc uertcUwr in nouam. sed sunt qui hoc nobis in luna Nouembris 
mensis agendum mtigis auiument, quatenus huiusmodi impedimentis cum praecedentis anni fine ab- 
solutia, nouum de cetero annum Itbero possint computo ingredt iuxta exemplum uidelicet Aegyptiorum, 
qui hoc in paenuUimo anni sui mense^ qui est nosier lulius^ facere perhibentur. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 96 

Die verschiedenen Epaktenreihen werden von dem münchener Computisten in 
folgender Weise mit einander verglichen: 

1. 27' sunt tarnen quidam qui endecadem LaHnorum contra ogdoadem Grecorum 
ponunt [vgl. in der Tabelle Epakten des Victorias a'],* Grecos enim in accensione 
lunae praecedere Latinos ferunt. et ita Latini ab endecade incipiunt: Villi [lies 
Villi XVIII [ües XVIIII]. XXX et rl. 

f. 27" nota saltum Latinorum apparere in K. lan. IUI. XV [lies XVI]. qui 
in XV K. Dec. inponitur. 

f. 29' nobis sciendum est unde Vidorius incipit? — id est: ab initio endecadis. 
secundum endecadis annum cum eo anntis resurredionis est. sie enim inuenies in 
initio cicli eius 'K. lan. V feria. luna XVIIII,^ sie latercus cum Victorio comüatur 
prima uice post resurrecüonem [d. h. nach dem ersten Ablanf] ab VIII luna in 
XX Villi [lies XVIIII] lunam; Grecus uero in initio ogdoam incipit ab VIII 
(in) XX. et ipse est annus resurredionis cum eo: XIIII luna in VIII K. Ap. 
[2B. März, im 11. Jahr des alexandrinischen Cydns] et pascha in V K. Ap. [28. 
März] et luna XVII [natürlich eine aas dem Cjclos des Victorias in den alexan- 
drinischen hineingetragene Spekulation], [f. 29"] Victorius et latercus XIIII luna 
in VII K. Ap. [26. März] faciunt [d. h. im Jahr der Passion] et pascha in V K. 
[28. März] luna XVI. hinc apparet quod Grecus praecepit Latinum in accensione 
lunae. tribus tantum annis [vgl. in der Tabelle 'Epakten des Victorias a*] con- 
ueniunt in a^ccensione lunae^ quando cum Vidorio IUI luna in K. lan.j in anno 
secundo XVI luna pro saltu^ cum Grecus a Vluna in XVI luna. in quo conueniunt 
et in XXVII luna et in VIII luna; hie separat saltus Grecorum. sciendum est 
nobis quod Vidorius et latercus conuenit^ id est usque ad annum in quo luna XII fit 
in K. lan.; in hoc enim anno saltus laterci separat eos, a XII luna in K. lan. in 
XXI III. haec luna conuenit cum Greco et in V luna, inde a V luna in XVI ubi 
cum Victorio conueniunt. inde Grecus precedit Latinos in XIIII luna et in pasclia. 
cum in hanc incongruitatem [lies hanc incongruitaiem] uiderunt^ temptauerunt duas 
ogdoades coniungere et sie fecerunt [vgl. in der Tabelle ^Epakten des Victorias b*] : 
a VII [lies Villi] luna in XX cum Latinis, ab VIII uero luna in XX cum 
Grecis. et in II [lies VI] annis coeunt et tres X annis discrepant. — quid separat 
eos? — id est: scUtus latinorum a IUI luna in XVI lunam, cum Grecus uero a 
IUI in XII [lies XFj; una aetas inter eos XIII annis ** [Lücke von mir an- 
gesetzt, der Compntist kommt auf die Osterdaten die später als der 21. April 
sind, zn sprechen] nisi in duobm anniSj In embolismo, finiente ogdoade in quo luna 
XXVI in K. lan. cuin Grecos^ cum Vidorio uero XXVII, et {in} etnbolismo, finiente 
endecade, [f. SO'] id est luna XXVII cum Grecos, XXVIII cum Vidorio. — quid 
addit alteram aetatem? — id est: quia luna Ap. XXX, cum Victorio uero XX Villi 
[das ist falsch, wie der Compatist selbst im Folgenden bemerkt, aach Victorias 
rechnet den Schaltmonat zn 30 Tagen], hoc tamen (non) uerum est; si enim una 
etas cum utrisque esset in K. lan., non discreparent in XIIII lu. et in pascha. cum 
uiderunt falsum esse, temptauerunt dtms ogdoadas [lies endecadas] caniungere. — quomodo 
fecerunt? - cum Vidorio a Villi [lies VIII] {in) XXVIIII [Hes XVIIII], cum 



Digitized by 



Google 



96 E. SCHWARTZ 

Grecos uero a VII lunu in XVIII [vgl. in der Tabelle 'Epakten des Victorias b*J. 
inde XIIII luna [im Passionsjahr] cum Victorio VII K. Ap. [26. März] VI feria, 
XV sabbato, XVI V K. Ap. [28. März] dominka; cum Grecos uero XIIII luna 
VI K. Ap. [27. März, gemäss der Epakte 18], luna XV V K. Ap. [28. März] dominica. 
hoc tarnen contra epistulam Proteri et Aufjusti [?]. — si est alius locus in quo Grecos 
uideretur precedere Victorium? — ueni ad ßnem ogdoadis. in isto enim anno embo- 
lismum, lunae XV [lies XXVI]] cum Victorio uero XXV [nach Tabelle a] et com- 
munis est in endecade [denn nach Tabelle a ist es das 8. Jahr der Hendekas und 
das ist nach alexandrinischer Anordnung ein Gemeinjahr], inde facit communem 
de embolisnw et dua pa^cha in hoc anno facit^ quia luna XIIII huius anni cum 
Grecos XIIII K. Mai [18. April], cum Victorio uero luna XIIII XIII K. Ap. 
[20. März ; die Behauptung ist unrichtig und der Computist hat ein interpolirtes 
Paschale benutzt] ante aequinoctium. sie inuenies primo endecade: luna VII cum 
Grecls in K. lan. et initium enderadis, cum Victorio uero in hoc anno VI luna in 
K. lan. et embolismum de commune facit et hie annus cum eo sine pascha est. 

Man sieht, der Computist oder richtiger die verschiedenen Computisten die 
der Compilator ausschreibt, sind keine grossen Chronologen gewesen. Die 
Epaktenreihe des victorianischen Cyclus kann correkter Weise nur nach Tabelle 
b mit der Enneakaidekaeteris verglichen werden; so macht es Beda [vgl. S. 93]. 
Wenn der Computist behauptet, dann käme für den Auferstehungstag das Mond- 
alter XV heraus statt XVH [vgl. den Prolog des Theophilus], so liegt das nur 
daran dass er meint, die Epakte die im alexandrinischen Cyclus der Epakte 19 
des Victorius entspräche, müsse auch bei den Alexandrinern die des Auf- 
erstehungsjahres sein. Noch kindlicher ist der Versuch dem victorianischen 
Cyclus falsche Embolismen vorzuwerfen lediglich darum weil der Computist 
selbst die Epaktenreihe des Victorius zuerst falsch in Hendekas und Ogdoas, 
statt umgekehrt, einteilt und nun die Embolismen der alexandrinischen Ogdoas 
und Hendekas zum Massstab nimmt, der selbstverständlich nicht passt. 

Dass der Cyclus des latercus ein 84 jähriger war, folgt aus dem 14jährigen 
Saltus : die mangelhafte Berichterstattung des Computisten und die Corruptelen der 
münchener Hs. haben hier den Tbatbestand nicht zu verdunkeln vermocht. Dazu 
passt dass nach sicheren Zeugnissen in der irischen Kirche spätestens seit dem Ende 
des 6. Jahrhunderts ein 84 jähriger Cyclus im Gebrauch war, vgl. die Zusammen- 
stellung bei Josef Schmid, die Osterfestberechnung auf den britischen Inseln 4 ff. 
Es braucht darum nicht angenommen zu werden dass diese Modification des 
84jährigen Cyclus dort auch entstanden sei; im Gegenteil trage ich Bedenken 
eine Mehrzahl solcher Cyden mit 84 jährigem Saltus anzunehmen und möchte 
glauben dass es nur den einen gegeben hat, den schon Victorius erwähnt. Man 
muss nur annehmen dass er nach den irischen Osterregeln umgearbeitet wurde; 
aber so gut wie in den Cyclus mit 12 jährigem Saltus durch Transponiren die 
alexandrinische Ostergrenze des 21. März hineingekommen ist, können die Iren 
nach ihrer Grenze des 25. März einen Cyclus mit 14 jährigem Saltus verunstaltet 
haben, und ob man die Ostersonntage aus den Vollmondsdaten gemäss den Mond- 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHE UND JÜDISCHE OSTKUTAFELN 97 

altern XVI — XXTT oder XIV — XX ableitet, ist im Grande einerlei. Weiter 
lässt sich mit Sicherheit nicht vordringen; denn es ist unmöglich über einen 
Ostercydus zu urteilen, der nicht auf bestimmte Jahre -gestellt werden kann. 
Nur das eine lässt sich ohne allzu grosse Kühnheit aus der Epakte 19 und der 
XIV lunae am 26. März des ersten Jahres vermuthen, dass als Anfangsjahr wie 
im Zeitzer Paschale und bei Victorius das Jahr der Passion gedacht war; das 
spricht aber vernehmlich dafür dass der Cyclus erst entstanden ist, als der 
Cydus mit 12 jährigem Saltus versagte, also nicht vor der Mitte des 5. Jahr- 
hunderts. Die oben erörterten Speculationen des Agriustia zeigen den Weg auf 
dem man zu dem 14jährigen Saltus kam; erwägt man zugleich, wie isolirt diese 
Speculationen geblieben sind und wie weit dagegen der aus dem 12 jährigen 
Saltus entstandene Unsinn der Zwölftelrechnung um sich gefressen hat, so wird 
deutlich wie der 14 jährige Saltus nur ein vereinzelter Versuch geblieben ist den 
alten 84jährigen Cydus mit 12 jährigem Saltus umzumodeln. Diese Versuche 
sind alle durch die Differenz veranlasst, die zwischen den Osterdaten des alten 
84 jährigen Cydus und denen der alexandrinisch-constantinopolitanischen Ennea- 
kaidekaeteris immer mehr anstieg, und es ist wahrscheinlich kein Zufall dass die 
Epakten des ^uetus latercus* im ersten Umlauf des Cydus immer mehr mit den 
alexandrinischen zusammenfallen, gerade so wie in der Zeitzer Ostertafel; hier 
wie dort hält die üebereinstimmung nicht mehr als einen Umlauf des Cyclus aus. 

Eine seltsame Mittheilung des münchener Computisten über den ^tietus latercus^ 
muss.noch berührt werden. Sie behandelt die Verteilung der vollen und der hohlen 
Mondmonate im Jahr ; um sie zu verstehn, ist es nöthig auch das heranzuziehen, 
was der Computist über die Frincipien bemerkt, welche seiner Meinung nach 
die ^Griechen' und die Lateiner bei dieser Verteilung befolgen. Was er über 
die Lateiner bemerkt [f. 28']: 

qtca ratume LcUinorum epadas imiestigarU? — hoc est: et [lies e\ lunarum mensium 
CLetate quae hoc ordine feruntur: XXX lü lanuarms^ XXVllIl Feb.j XXX Mar.^ 
XXVIIII Äp., XXX Mai., XXriIIl lun., XXX lul, XXVIIII Äug,, XXX 
Sep., XXVIIII Od., XXX Nou., XXVIIII Dec, XXX lan. 
wird durch mehrere Rechnungen, die kein weiteres Interesse bieten, bestätigt 
imd macht keine Schwierigkeiten; dass die Lunationen nach den Monaten benannt 
werden, in den^n sie aufhören, ist bekannt. Weniger schnell wird man mit der 
6. g. griechischen Rechnung fertig ; ich muss die Stellen hersetzen : 

f. 27' Grece menses et aetates in Kcd. mensium per XV IUI annos subtüis 
quique inteüegitur. VIII luna in K. lan.. Villi in K. Feb., VIII lü in K. Ma/r.^ 
saltum, X in K, Äpr. et Mai,, transilü XI et XH in K. lun., XIII in K. lul.^ 
XIllI in K. Aug., transüit XV et XV [lies XVI] in K. Sept. et Od., transilü 
XVII et est XVIII in K, Nou. et Dec, transilü XVIIII, ß XX lü in K lan. huc 
usque primus annus cum saltu, incipit II annus sine saltu. XX luna in K, lan., 
XXI in K. Feh., XX in K. Mar., XXI in K. Apr. et Mai., transüü XXII et XXIII 
in lun., XXIIII in lul., XXV in Aug., transüü XXVI et ß XXVII in Sep. et 
Od., transilü XXVIII et est XXVIIII in Nov. et Dec, transilü XXX et est I in 

Abhundliuigea d. K. Gm. d. Wüs. sn (iöttingen. ThU.-hift. Kl. N.F. Bond 8,t. 13 



Digitized by 



Google 



98 



E. SCHWARTZ 



JT. lixn. huc usque seeundus annus. gut [falsch] annus difjfieilis quidam quem terUo 
ferimus. licet enim tertius annoruf» ordine manet «« [Lücke von mir angesetzt, es 
folgt die Bechnong nicht für das dritte, sondern das elfte Jahr, beide haben 
den Embolismns] XXVIIU in K. lan., XXX [rnnss heiss^ XXX quad ei I] in 
K. Feb.^ XXVnn in Mar., XXX in K. Ap., prima in K. Mai.^ aecunda in Jufi., 
III in lfd., IUI in Aug., transOit V et est VI in 8ep, ei OcA., iransüit VII et 
est VIII in Neu. et Dec, transüü Villi et X in K. lan. qua auctoritate praefata 
in Kl. regulae mensium explora^ hoc est ex aetate lunae menstum. extincta enim et 
aecensa hos praedictas explora epactas. isto enim ordine lunae feruntur secundum 
Orecos: XXX lü in [X., von mir gestrichen] lan., XXVIIII in Feb., XXX la 
in Mar. et Ap., XXVIIII in Mai. et lun., XXX in M., XXVIIII (in) Aug., 
XXX in Sep., XXVIIII in Oct., XXX in Nou., XXVIIII in Dec. 

Dahin gehört endlich noch die Berechnung des saltus Aegtfptiorum [s. o.]: 

f. 42^ sciendum quomodo fit (nämlich der Saltos der 'Aegypter'). — XXVII 

in K. lan. et Mar., XXVIII in K. Ap. et Mai., XXX in K. lun., I in K. M., 

II in K. Aug.. IUI in K. Sep. et Od., VI in X. Nrn., VII in K. Dec. pro saUu. 

Danach lasst sich folgende Tabelle der 'griechischen' Lnnationen entwerfen: 

im Gemeinjahr: 
L Jahr 25. Dec. — 23. Jan. 1 ^^ ^ 
n. Jahr 13. Dec - 11. Jan. l"^ ^^^ 
24. Jan. - 21. Feb. i ^ 
12. Jan. - 9. Feb. f^^ ^^^ 

22. Feb. — 22. März 29 Tage wegen des Saltos 
10. Feb. — 11. März 30 Tage 

23. März — 21. Aprill 
12. März - 10. April 
22. April — 20. Mai 
IL April— 9. Mai 
21. Mai — 18. Joni 

7. Joni 



Mai — 



10 

19. Joni — 18. Joli 

8. Joni — 7. Joli 
19. Joli — 16. Aog. 

8. Joli — 5. Aog. 
17. Aog. — 15. Sept. 

6. Aog. — 4. Sept. 
16. Sept. — 14. Oet. 

5. Sept. — 3. Oct. 
16. Oct. — 13. Nov. 

4. Oct. — 2. Nov. 
14. Nov. — 12. Dec. 

3. Nov. — 1. Dec. 



30 Tage 
29 Tage 

29 Tage 

30 Tage 

29 Tage 

30 Tage 

29 Tage 

30 Tage 
29 Tage 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE DND JÜDISCHE OSTERTAFEI^ 99 

Diese Bechnimg ist falsch, denn sie zählt den Ostermonat voll. Der Fehler 
ist wahrscheinlich daraas entstanden, dass bei den Transpositionen des 84 jährigen 
Cydos die Lnnation, aas welcher transponirt warde, zu 29 Tagen angesetzt zu 
werden pfl^e, während in den regelmässigen Schaltangen der Enneakaidekaeteris 
der Schaltmonat von 30 Tagen sich geltend machte : daram glaabte man dass in 
den griechischen Lanationen zwei volle aaf einander folgten, was dann in den 
2 folg^iden Monaten darch 2 hohle aasgeglichen worde. Falsch ist aach die 
Berechnong des 19. alexandrinischen Jahres mit dem Saltos der ' Aegypter' ; denn 
sie nimmt das Jahr statt eines Schaltjahrs als G-emeinjahr. Das eine Schaltjahr, 
das berechnet ist, scheint die Lanationen sich so folgen za lassen: 

4. Dez. — 2. Jan. 80 Tage 

3. Jan. — 31. Jan. 29 Tage 

1. Febr. — 2. März 30 Tage 
3. März — 1. April 30 Tage 

2. April — 30. April 29 Tage 
1. Mai — 30. Mai 30 Tage 

31. Mai — 28. Jani 29 Tage 

29. Jani — 28. Jali 30 Tage 

29. Jali — 26. Aag. 29 Tage 

27. Aag. — 25. Sept. 30 Tage 

26. Sept. — 24. Oct. 29 Tage 

25. Oct. — 23. Nov. 30 Tage 

24. Nov. — 22. Dez. 29 Tage 
Der Embolismas ist hier in der Weise bewirkt, dass zwischen die 5. and 6. 
Lanation ein Mondmonat von 30 Tagen eingeschoben ist, nicht angeschickt, da 
er vollständig in den Med hineinfällt, so dass die übliche Benennung der Lana- 
tionen darch ihn nicht verändert wird. Beda erzählt dass dies ^römische' Praxis 
sei [de tempp. rat. 45] : porro Bomani, qui dispares habent menses, non uno quolibet 
in loco embolismos computando interponere uoluerutU, sed potius nfbilibet mediis anni 

temporäms tiocuum congnmmque inter Kcdendas hcum inuenire potuissent 

soüerüssime, quantum potuerunt, curatUes, ut cumscumqtie aetatis luna in Kcdendas 
occwrrisset, ipsa eiusdem mensis luna diceretur esse ptUanda. Nimmt man hinzn 
dass bei diesem anlogischen and anpraktischen Verschieben des Schaltmonats 
Eigentümlichkeiten des lateinischen Kalenders die entscheidende Rolle spielen, 
80 leachtet wiedernm ein dass diese Yerteilang der vollen and hohlen Monate 
nicht genain griechisch ist, vielmehr hat lateinische Ignoranz aaf den alexanr 
drinisch - constantinopolitanischen Cyclas ein fremdes Reis gepropft. Einiger^ 
massen ist diese Materie von Beda in Ordnang gebracht, den van der Hagen 
mit gründlichster Breite commentirt hat [Dissert. de cyclo lanari Dionysii et 
Bedae]: ich warne nar davor, die griechischen Chronologen für diese ebenso 
verwickelten wie nnfrachtbaren Spielereien verantwortlich za machen. 

üeber die Folge der Lanationen im 'uettis latercus' bemerkt der Compatist 

[f. 28']: 

13* 



Digitized by 



Google 



100 E. SCHWARTZ 

apud kUercum aepadae in K. lan. VIII [in K. lan. von mir gestrichen]. Villi 
in K. Febr., VUI in Kai. Mart., X Ap., XI Mai., XII lun., XIII lul., XIIII 
Aug., XV Sept., XVI Od., XVIII [lies XVII] Nrn., X Villi [lies XVIII] Dec, 
XX [lies XVIIII] lan. apud laiercum lunas lan. XXX luna, Feb. XXVIIII 
luna, Mar. XXVIIII l, Ap. XXVIIII lu., Mai. XXX U lun. XXVIIII lu., 
lul. XXX lu., Aug. XXX lu., Sep. XXVIIII lu., Oct. XXX lu., Nou. XXVIIII 
lu., Dec. XXX luna. Die Mondalter der Ealenden sind dadurch in ünordnnng 
gerathen, dass der Compatist den griechischen Saltus von 8 auf 20 in den uetus 
IcUercus hineingepfascht nnd darum die drei letzten Lnnationen verwirrt hat; 
die Corrector der Epakte des 1. Janoar von 8 in 9 sollte den Fehler aufheben, 
macht ihn aber schlimmer. Das Sichtige ergibt die zweite Liste, welche die 
Dauer der einzelnen Lnnationen aufführt. Danach lässt sich eine Tabelle ent- 
werfen; ich setze sofort die gleiche des Ps. Anatolius de ratione paschali [Erusch, 
Studien 323] daneben: 

Vetus IcUercus Ps. Anatolius 

2B. Dez. — 23. Jan. 30 Tage 1. Jan. — 30. Jan. 30 Tage 

24. Jan. — 21. Feb. 29 Tage 31. Jan. — 28. Feb. 29 Tage 

22. Feb. — 22. März 29 Tage 1. März — 29. März 29 Tage 

23. März — 20. April 29 Tage 30. März — 27. April 29 Tage 
21. April — 20. Mai 30 Tage 28. April — 27. Mai 30 Tage 
21. Mai — 18. Juni 29 Tage 28. Mai — 26. Juni 29 Tage 
19. Juni — 18. Juli 30 Tage 26. Juni — 25. Juli 30 Tage 
19. Juli — 17. Aug. 30 Tage 26. Juli — 24. Aug. 30 Tage 
18. Aug. — 15. Sept 29 Tage 25. Aug. — 22. Sept. 29 Tage 
16. Sept. — 15. Oct. 30 Tage 23. Sept. — 22. Oct. 30 Tage 
16. Oct. — 13. Nov. 29 Tage 23. Oct. - 20. Nov. 29 Tage 
14. Nov. — 13. Dec. 30 Tage 21. Nov. — 20. Dec. 30 Tage 

Die üebereinstimmung ist ebenso vollständig wie die Methode des Unsinns 
klar: die 31tägigen Monate sollen volle, die 30tägigen hohle Lnnationen erhalten, 
nur die des März ist hohl, weil sie dem 28tägigen Februar einen Tag abgeben 
muss. Erusch hat mit unwiderleglichen Gründen bewiesen dass die Schrift des 
8. g. Anatolius eine auf den britischen Inseln im 6. Jahrhundert entstandene 
Fälschung ist; wenn Dilettanten, die von Chronologie nichts verstehen, es ihm 
nicht geglaubt haben, so kommt auf ihren Widerspruch nichts an. Die Fälschung 
ist ein kindischer Versuch den 19jährigen Cydus nach den irischen Osterregeln 
umzurechnen und kann nie in wirklichem Gebrauch gewesen sein : der 84jährige 
Cydus behauptete sich in Irland, und das elende Machwerk des Ps. Anatolius 
wurde in der irischen Polemik gegen den alexandrinisch-constantinopolitanischen 
Cydus nur darum immer wieder citirt, weil der berühmte Name des Anatolius 
die irischen Osterregeln decken sollte. Da die Verteilung der Lnnationen aus 
den OstervoUmonden und den Epakten des 1. Januar nicht abgeleitet werden 
kann, so ist es ausgeschlossen dass etwa der münchener Computist sie in den 
*u€tus laiercus^ hineininterpretirt haben sollte : sie muss in ihm selbst ebenso drii^ 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHB UND JÖDISCHB OSTERTAFBLN 101 

gestanden haben wie sie im Buch des Ps. Anatolias mit umständlicher Breite 
auseinandergesetzt wird. Damit ist ein weiteres Indicimn dafür gewonnen, dass 
der 'neius IcUerms' in Irland die Form erhalten hat, in der er dem münchener 
Computisten vorlag. 

Nachdem der Compatist mit Hülfe eines Excerpts aus den s. g. Acten des 
Concils von Caesarea, ebenfalls einer irischen Fälschung [Ernsch, Studien 303], 
den 19 jährigen Cyclus als den allein richtigen verteidigt hat, zählt er eine 
Eeihe von verschiedenen Cyclen auf; die Stelle muss im Zusammenhange mit- 
geteilt werden: 

f. 44' ain Latinorum ciclum LXXXIIII annorum conpostierunt, in quo eich 
XVIIII quaier inueniuntwr anni et VIII dies [84—4 x 19 = 8] superflui sunt. 
XXV(J1I u)ero anni ter in eo continentur et nihil superflui habet, in quo ciclo 
scUtus in XIIo anno ß, in quo saltus sol luna VII diebus [19—12] superai, et hie 
saltus incongrui^s est, quia non Xllmam partem diei cum nocte currü [bezieht 
sich auf eine vorhergehende Bruchrechnung, die versucht den Saltus der Ennea- 
kaidekaeteris auf 235 Mondmonate zu verteilen], deinde hie ciclus secundum solem 
congruus est [84 Jahre = 3 Sonnencyden], incongrutis secundum lunam [weil 19 
in 84 nicht aufgeht], hie ciclus seocies conuertit in eich Victorii et VII uice ineipit 
currere et XXXII [lies XXVIII\ anni superflui in ciclo Victorii [6x84 + 28 = 532]. 

alii eiclum CXI [lies CXII] annorum faeiuntj in quo ciclo luna sexies, nisi II 
dies de^intj eonu^U [6 x 19 — 2 = 112], sol uero eonuertit [nisi II dies superflui 
sunt, falsche Wiederholung], deinde congruus est iuxta sclem et (iuxta) lunam 
(in^congraus. in hoc ciclo saltus in XVI anno habetur [eine falsche Auffassung 
des 112 jährigen Cyclus, die der Computist aus dem Prolog des Victorius Chron. 
min. 1, 679 abgeschrieben hat], in quo saltus sol (lunam) VII [lies III = 19 — 16] 
diebus superai. hie eiclus quinquies in ciclo Victorii eonuertit [f. 44^»] et VI uice ineipit 
currere et distant per XXX(JI) annos [die letzte Bemerkung ist verstellt, sie ge- 
hört zum 100 jährigen Cyclus]. 

älii eiclum XCV annos faciunt [die Cyclen des s. g. Cyrill und des Dionysius 
Exiguus]. in quo ciclo luna quinquies eonuertit^ (sol uero ter conuerttt) et XI dies 
superflui [3 x 28 + 11 = 95]. dehinc iuMa lunam congrum, iuxta solem uero incon- 
gruMS. saltus huius cicli in XVIIIIo anno ß, in quo saltus quot dies habet sol, tot 
et luna [d. h. es ist der richtige], hie ciclus quinquies eonuertit in eich Victorii^ 
tarnen anni superflui in eido Victorii LVII inueniuntur [6x95 + 67 = 532], 

alii ciclum annorum C conponunt, in quo eielo luna quinquies eonuertit et quin- 
quies superflui anni sunt in üh [6 x 19 + 6 = 100]. in eo sol eonuertit ter et XVI 
dies superflui sunt [3 x 28 + 16 = 100]. dehinc iuxta solem et lunam incongruus est. 
in quo eich saltus XIIIIo anno fit, in quo numero sol lunam V diebus [19—14] 
supercU. 

eiclus Victorii DXXXII anni constat. hie eiclus certus est et ultra hunc numerum 
non est certus eiclus, quia in hoc numero ad originem sui reuertitur secundum solem 
et lunam. lunaris drculus in eido Victorii uigies septies [Ues oeties] eonuertitj solaris 
uero uigies [lies undeuigies] tantum eonuertit. 



Digitized by 



Google 



102 E. SCHWABTZ 

Der münchener Compatos ist eine Compilation. Während die jfingsten 
Schichten dieses Conglomerats für den Cydas des Dionysins Partei nehmen, ist 
das Excerpt das ich eben mitgetheUt habe, ursprünglich nicht zu G-onsten der 
alexandrinisch-constantinopolitanischen Enneakaidekaeteris verfasst, sondern will 
das Paschale des Victorias, dessen Prolog deutlich das Vorbild ist, empfehlen: 
es ist lehrreich zu sehen wie schwer es gegenüber den 96 jährigen constantinopler 
Cyden zu Gunsten des Victorius in die Wagschale fiel, dass die ganze 532 jährige 
Periode durchgerechnet war. Beda wusste was er that, als er mit einer 
632 jährigen Ostertafel des alexandrinischen Cyclus jenem Vorzug des Victorius 
ein für alle Mal ein Ende machte. 

Erusch [Studien 11] hat die 100 jährige Ostertafel mit 14 jährigem Saltus 
mit dem ^uetus latercus' identificirt, mit Recht; die verschiedene Bezeichnung 
erklärt sich daraus dass der münchener Computus kein einheitliches Werk ist. 
Dagegen hat diese Ostertafel mit der des Augustalis direct nichts zu schaffen: 
diese begann mit der Epakte 20, jene mit 19. Ich halte es für sehr wahrschein- 
lich, wie schon gesagt, dass der uetus latercm derselbe 84 jährige Cydus mit 
14 jährigem Saltus ist, den Victorius im Prolog erwähnt: aber er ist darum 
nidht älter als das 6. Jabrhxmdert, so wenig wie die Ostertafel des Augustalis 
oder die Theoreme Agriustias, sondern gehört der Verfallzeit des 84 jährigen 
Cyclus an. Der 100 jährige Umfang zeigt dass er eine Umarbeitung des offi- 
ciellen Cydus sein wollte, wie sie in der Mitte des 5. Jahrhunderts vielfach 
entstanden. Der Zerfall des occidentalischen Reichs in selbständige germanische 
Staaten wirkte mit dem Mangel eines brauchbaren römischen Ostercydus zu- 
sammen darauf hin dass solche Neu- oder richtiger Missbildungen emporkamen; 
die Weltpolitik Justinians und der Sturz des alexandrinischen Patriarchats, der 
der römischen Curie die Bahn frei machte, sind im letzten Grunde die Factoren 
gewesen, die dieses Wimmeln der Verwesung mit Hälfe des alexandrinisch- 
constantinopolitanischen Cyclus beseitigt haben. 

Eine Beconstruction des ^ueti^s latercus^ ist unmöglich; leider hat sich Krusch 
zu einer solchen verführen lassen [Studien 17. N. Arch. f. alt. deutsche Ge- 
schichtsk. 9, 167], die von Unverständigen als historisches Document missbraucht 
wird; Jos. Schmid wirft in seinem Büchlein über die Osterfestberechnung auf 
den britischen Inseln mit irischen Osterdaten um sich, als seien die ebenso 
sicher überliefert wie die des Victorius oder des alexandrinischen Cyclus. That- 
sächlich ist kein einziger Ostersonntag der irischen Observanz bekannt. Es ist 
ferner bis jetzt nicht möglich festzustellen auf welchem Wege der lietiAS IcUercus 
nach Irland gelangt ist. Denn gemacht ist er für das dortige Osterfest sicher 
nicht, die Fixirung der Epakte auf den 1. Januar = 1. März passt zu der 
irischen Ostergrenze des 25. März so schlecht wie möglich, und man wird sich 
vielmehr die Sache so vorzustellen haben, dass die britisch-irische Ejrche diese 
Ostertafel im 6. Jahrhundert aufgriff, um danach ihre Osterfeste zu bestimmen. 
Sie wollte ihre Eigenart umsomebr bewahren als sie durch die angelsächsische 
Eroberung Englands zur Trägerin der nationalen Opposition geworden war; 



Digitized by 



Google 



CHSISTUCHK UKD JÜDISCHE OSTERTAFELN 108 

das in Grallien herrschende Paechale des Victorias und der Cyclus des Diony- 
sins leisteten das nicht: so griff sie zu dem verschollenen 84jcäirigen Cyclus. 
Dass sie diesen nicht in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern in einer späten 
Modification kennen lernte, ist für die Zeit wie für die Abgeschiedenheit jener 
merkwürdigen Nationalkirche bezeichnend. 

Nach welchem Cyclus and ob man überhaupt nach einem Cyclus in früheren 
Jahrhunderten auf den britischen Inseln Ostern bestimmte, lässt sich nicht 
errathen. Nur das ist ebenso sicher wie wichtig, dass die dortige Kirche sich 
nicht nach Rom gerichtet hat. Denn so jung der Gebrauch des 84 jährigen 
Cyclus mit 14 jährigem Saltus sein muss, so alt sind die Osterregeln selbst, die 
Grenze des 25. März xmd die Mondalter XTV — XX für den Ostersonntag. Sie 
weisen in eine Zeit in welcher weder die alexandrinische noch die römische 
Observanz begonnen hatten die Oster feier der Gemeinden ihren Normen zu unter- 
werfen und in der die Entwicklung des christlichen Pascha in den verschiedenen 
Städten und Provinzen noch sehr mannigfaltige Wege gieng. Die Spuren dieser 
Mannigfaltigkeit sind in der grossen Kirche verwischt, an der Peripherie, bei 
den Sektirem und in abgelegenen Winkeln finden sie sich noch. Jene irischen 
Normen stehen auf derselben Linie wie die Fixirung des Osterdatums bei den 
Montanisten auf den 14. des 7. kleinasiatisohen Monats, bei den Kappadokiem 
auf den 25. März [Epiphan. 60, 1] oder wie der im Orient weit verbreitete Usus, 
der sich in Antiochien und bei den phrygischen und galatischen Novatianem 
hartnäckig behauptete, den Ostersonntag nach dem jüdischen Pascha zu be- 
stimmen ; von den letzteren steht es fest [Soz. 7, 18^^] dass sie das Mondalter 
XrV für den Ostersonntag zuliessen. Der irischen Regel liegt die Auffassung zu 
Grunde, die bei den orientalischen Protopaschiten sich findet, dass Ostern die 
Wiederholung des von Jesus gefeierten Pascha ist [Chron. Pasch, p. 7 Dind. 
Sokr. 6, 22^^ ; sie ist in eigenthümlicher Weise mit dem alten Passionsdatum des 
25. März combinirt, das grade in Kleinasien eine besondere Rolle spielt [vgl. 
Soz. 7, 18" ff.]. Von der römischen Anschauxmg die jedes Mondalter vor der XVI 
verwirft, ist das Festhalten am Paschadatum des A. T. durch eine tiefe Kluft 
geschieden. Auch in der scharfen Forderung Ostern nicht vor dem Aequinoctinm 
zu feiern treffen die montanistische, die alexandrinische xmd die irische Observanz 
zusammen ; die römischen Cyden gehen durchweg über das Aequinoctinm zurück. 
So viel lässt sich also sagen: das Christenthum ist nicht über Rom oder von 
Rom kirchlich abhängige Gebiete zu den britischen Inseln gekommen, und es muss 
schon im 3. Jahrhundert dorthin gelangt sein, vielleicht direct aus dem Orient. 
Erst in der insularen Abgeschiedenheit, dann in der Hartnäckigkeit des natio- 
nalen Kampfes erhielten sich die uralten Reste einer von dem römischen wie 
dem alezandrinischen Pabstthum unabhängigen Observanz, bis die Allianz der 
siegreichen Angelsachsen mit der Curie sie nach und nach zerstörte. Der Streit 
ist ein unerfreuliches Bild; hüben und drüben kämpfen Unwissenheit und Barbarei 
mit den vergifteten Waffen der Fälschung, aber er hat einen Mann gezeitigt, 
der das nicht gering zu achtende Verdienst hat die Chronologie des Mittelalters 



Digitized by 



Google 



104 E. 8CHWABTZ 

vor Yerwirrong und Yerwüstang bewahrt zu haben, ein leuchtendes Vorbild 
fär alle die in trüben Zeiten sich die Aufgabe setzen die nur noch glimmende 
Fackel der Erkenntniss kommenden Geschlechtem weiterzugeben: Beda den 
Angelsachsen. 



VI 
Die Osterfeier am Sonntag nach dem jüdischen Pascha 

Die Ostercyclen welche die christlichen Kirchen seit dem 3. Jahrhundert 
anfiengen sich berechnen zu lassen, sind die letzte Station auf dem Wege den 
das alte jüdische Fest zurücklegen musste um von seinem Ursprung gänzlich 
losgelöst zu werden. Vorher war man schon lange dahin gelangt die Feier auf 
den Sonntag zu verlegen, aber man dachte nicht daran den OstervoUmond selb- 
ständig zu bestimmen, sondern richtete sich darin nach der Synagoge : der Oster- 
sonntag war der Sonntag nach dem Tage den die Juden zum Paschatage machten. 
Und auch nachdem die Cyclen in Rom und Alexandrien aufgekommen waren, 
hielt sich, wenigstens im Osten, die alte Observanz in ganzen Provinzen und 
Dioecesen noch lange Zeit, bis sie sich schliesslich in einzelne von der Gross- 
kirche abgelöste Secten zurückzog, mit diesen ausstarb und völlig vergessen 
wurde. So wichtig sie fär das historische Verständniss des Osterfestes ist, so 
spät ist sie wieder erkannt. Die protestantischen Kirchenhistoriker, die sich 
nur wenig und dann ohne Glück um die Geschichte des Cultus kümmerten, ver- 
wechselten sie mit der quartodecimanischen Observanz und versperrten dadurch 
den Weg zum Richtigen, bis Duchesne in einem epochemachenden Aufsatz^) die 
bekanntesten und zugänglichsten Texte dem Wortlaut gemäss auslegte und ver- 
stehen lehrte, was der Vorwurf *das Pascha mit den Juden feiern' bedeutet. 
Aber der französische Gelehrte hat sich begnügt die Observanz im Grossen und 
Ganzen als eine Thatsache zu erweisen; es wird nicht überflüssig sein sie in 
ihren einzelnen Spuren zu verfolgen xmd die Skizze zum Bild zu erweitern. 

Der smymaeische Presbyter Pionius, der 250 den Märtyrertod erlitt, stellt 
in seiner Vita Polykarps [2J es als apostolisches Gebot hin Ostern unter allen 
Umständen in den Tagen der 'ungesäuerten Brode* zu begehen, dass aber das 
'neue Mysterium der Passion und Auferstehung die Oberhand haben müsse'. Die 
Quartodecimaner, fährt Pionius fort, Verstössen gegen dies Gebot, weil sie den 
Sonntag missachten, die Montanisten, — die Ostern stets am Sonntag nach dem 
14. des 7. asiatischen Monats feierten — , weil sie sich nicht um die rieh** 



1) La question de la Päque au concüe de Nic^, Re?. des questions histor. 28, 5 ff. 



Digitized by 



Google 



0HBI8TUCHE UND JÜDISCHE OSTSBTAFELN 105 

tige Festzeit kümmerten. Fionins kann nur gemeint haben dass das christliche 
Pascha am Sonntag gefeiert werden, der Sonntag aber in die Tage der jüdischen 
Mazzot fallen müsse ^). Von einer Berechnung des wahren 'ersten' Monats, vom 
Aeqninoctinm, vom Irrtnm der Juden, von all den Dingen die bei den Cyden 
immer wieder vorgebracht werden, verlautet kein Wort. Im 2. Jahrhundert 
herrschte in Smyma die quartodecimanische Observanz; sie ist für Polykarp 
ausdrücklich bezeugt [Eus. KG- 6, 24^^]. Pionius lehrt dass im 3. Jahrh., nach dem 
grossen Paschastreit, Ostern nicht mehr am 14/15 Nisan, sondern am Sonntag 
nachher gefeiert wurde. Er beansprucht' für diese Sitte gegenüber den Quarto- 
dedmanem und Montanisten ebensogut apostolischen Ursprung wie der Quarto- 
decimaner Polykrates sich gegenüber den Römern auf die grossen Lichter der 
Kirche beruft, die in Asien schlafen [Eus. KG5,24*fiF.]. 

Ein weiteres Zeugniss für diese Observanz liegt vor in der Didaskalie der 
Apostel. Wo das Werk entstanden ist, ist nicht ausgemacht und lässt sich mit 
unsem Mitteln nicht ausmachen; sicher ist dass es ins 3. Jahrhundert gehört; 
die älteren Teile sind vor dem novatianischen Streit verfasst, der seinerseits 
jüngere Einschübe veranlasst hat. Der griechische Text ist nur in der, sehr 
tief gehenden, Überarbeitung erhalten, die unter dem Titel der apostolischen 
Constitutionen geht und nachnicaenisch ist: an Stelle des Originals muss ausser 
den Bruchstücken einer lateinischen Übersetzung, in der das Ostercapitel fehlt, 
die syrische Übersetzung treten. Von dieser liegen zwei Recensionen vor, die 
des cod. Parisin. syr. 62, die Lagarde 1864 herausgegeben hat, und die einer 
mesopotamischen Handschrift, deren Copie von Harris besorgt und von Miss 
Gibson zum Druck befördert ist [Horae Semiticae I, London 1903]. Wer sich 
über den Inhalt provisorisch orientiren will, kann die Übersetzung von Flemming 
benutzen [TU N. F. 10], wird aber gut thun Lagardes in ihrer Art xmd für ihre 
Zeit vortreffliche griechische Übertragung daneben zu legen: es ist sehr zu be- 
dauern dass man dies erste Beispiel der Methode wie syrische Versionen wissen- 
schaftlich übersetzt werden müssen, zum Schaden der Sache desavouirt hat. Ich 
könnte mich über das Zeugniss der Didaskalia kurz fassen, wenn Achelis Ab- 
handlungen mehr geliefert hätten als den Beweis dass er sich weder die Mühe 
gegeben hat noch im Stande gewesen ist den Text den er behandelt, zu ver- 
stehen; so komme ich nicht darum herum dem Osterkapitel ein paar Seiten zu 
widmen, um an dem einen Beispiel zu zeigen wie viel philologische Probleme, 
wenn nicht gelöst, so doch aufgeworfen werden müssen, damit das ungemein 
wichtige Werk dem historischen Yerständniss aufgeschlossen wird. 

Die Didaskalia ist, wie alle Rechtsbücher, nicht das Werk eines Verfassers. 
Auf einen Grundstock, der sich schwerlich rein herausschälen lässt, ist immer 

1) Vgl. De Pionio et Polycarpo Progr. Gott. 1905,25. Was h taig i)yi,iQaig r&v &tvfK09 
inixsUtv heisst, lehrt aosser der syrischen Didaskalie [s. n. S. 108] Epiphanius Bericht über die 
Andianer [70, 9 p. 820^] : ftfira yaQ 'lovdaüav fio^lovxat rb ndis%a initBUtv , to^ iiftlv c^ 
wuQ&i ot 'lavdai^oi 9roto4>tfi toc oro^' a^oi^g äipika^ %6xe aiycol ^iXovBi%o^6t tb nda%a äyeiv, Chrys. 
t. 1 p. 610« nccl yccQ %al toiko &%oi(o XBy6v%mv noXlAv Zxi fista roD &i6fiav tb ndöxa icrCv. 
Abhudlangen d. K. Ges. d. Wias. ni Gdttingen. Philolog.-histor. Kl. N. F. Band 8, «. 14 



Digitized by 



Google 



1Q$ £. aonwASTS 

wieder Neues daranfgepfropft; die Doublettea xaxi Widerspruche sind zahllos, 
pie Aufgabe die Schichten zu sondern wird dadurch erschwert, dass sei es der 
l,etzte Redactor sei es der Übersetzer die Fugen oft verstrichen hat; schlimmer 
ist, dass um der Znsätze willen sicherlich anch Altes gestrichen ist, was obsolet 
geworden war. Natürlich ist das Buch in sehr verschiedenen Fassungen umg^ 
la,ufen, weil es von Anfang an unpersönlich war und praktischen Zwecken 
diente; die Discrepanzen der beiden syrischen Übersetzungen, des Lateiners, ja 
auch der apostolischen Constitutionen geben nur eine Ahnung von dem ununter- 
brochenen Fliessen und Sichverändem des Textes. Im Ostercapitel [21] hebt 
sich zunächst deutlich eine längere Abhandlung über das Fasten der Passions« 
woche heraus, die beiden syrischen Recensionen, wenn man von kleineren Ab- 
weichungen absieht, gemeinsam ist. Sie beginnt unvermittelt, ohne Anschluss 
ans Vorhergehende ^), mit den Worten [Lag. 91, 28 = G-ibs. oitt^D] {^o^ttf )iii^^ 
{i9l£»^ lU nn\^ Vviiyo»» JL^^^Jw ^^ivi^ ^M^! y^l [xatä tifif ziig öali^rig i^i^iurfiiv^ 
xo^* j}i/ igi^noviiev HönsQ oC niöXBvovteg 'Eßgcctotj iv t^t xccrä öBkiii/tiv dexatrii]. 
Das Paschafasten soll anfangen am Montag vor Ostern, der als der 10. Nisan 
gefasst wird. Das wird durch eine eigenartige Chronologie der Passion motivirt ; 
es versteht sich, nebenbei gesagt, von selbst, dass die Chronologie um des Ritus 
willen erfunden ist, nicht umgekehrt. Am Montag haben die Hohenpriester be- 
schlossen Jesum umzubringen und Judas zum Verrat gedungen. Damit nickt, 
wenn sie ihn am Pascha verhafteten, das von auswärts herbeiströmende Volk 
unruhig würde, verlegen sie den Paschatag vom 14. [Freitag] auf den 11. [Diens- 
tag]; in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch wird Jesus verhaftet. Am 
Freitag wird er gekreuzigt; das Volk das .mittlerweile in die Stadt gekommen 
ist, kann nun an der vollzogenen Thatsache sehen dass es mit dem Messias 
nichts ist. So ist der Verrath begonnen am Montag und am Freitag vollendet : 
daher das Gebot iötai, diatstriQrifuvov vfitv tb ndöxa inb trig d&cdtfig sog rijg 
zsööaQSöxcudsxdtrig [Zusammenziehung von Exod. 12, 3. 6] xal noii^öoxHftv tb 
7tij6%a nag 'lögcciiX, das als Weissagung gefasst wird. Vom Montag bis Donners^ 
t^ soll das Fasten so gehalten werden, dass täglich, nicht vor der 9. Stunde 
[= 3 Uhr Nachmittags], Brod, Salz und Wasser genossen wird; für Freitag und 
Samstag ist vollständiges Fasten vorgesehrieben bis zur 3. Stunde der Nacht 
vom Samstag auf den Sonntag. 

TJn verbunden *) schliesst sich daran das Grebot der Pannychis in der Oster^ 
nacht, die mit gemeinsamem Gebet und Absingen von Psalmen, sowie Vorlesungen 
aus den Propheten und Evangelien gefeiert werden soll. Dem entspricht genau 
die Schilderung Eusebs KG 2,17"* ^^ der diese Osterfeier in Philos Beschreibung 
der Therapeuten wiederfindet: rag il^ i^ovg hi xccl vvv ngbg fni&v imzskoviiivag 
iöxi^ösig^ &g diaq>£Q6vt(og xaxä xi^v tov 6(oti]Qiov nd^ovg ioQtiiv iv &6i,xlaig %al 



1) Jki20Q im Harrieianos ist Schreibfehler fOr jjuix^ wie richtig in der pariser Ha. steht 

2) UJ im Harrisiaoos [p. ..«nnio 7 Gibs.] ist ein törichter Flicken, der in der pariser Becensioa 
[p.93,6 Lag.] fehlt 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTBBTAFELN 107 

di,€cvvxxsQ€ii6$oiv XQoöoxatg ts x(bv d'Bi0>v Xöyov ixteletv BlA%'a^$v. Die apostoli- 
schen Constitutionen lassen Milderungen zn; in ihnen ist die ganze Auseinander- 
setznng zu folgender Regel ^asammengeschnimpft [5, 18] : iv tcctg fifii^ais oSt^ ro^ 
Xiiöxa Vfj6t6v$ts^ iQi6^Bvoi inb devtdgag (i^xqi xf^g naQaöXBxr^g xccl öttßfidtov l| 
il(idQagy ^lövcdi xQ6(iBP0i &Qtmt nal ickl 9t al XaxAvoig jcal noxGa üdccti, otvov dh 
Kcd XQB&v &nixB6^B iv tavtaig . . . xiiv iiivxoi na^aexBry^ xal xb 6<ißßatov bkö- 
xkriQOv vri6TBv<fccXB ' olg d'öva^ig ngöCBöxt. xoiaiixrj, firidBvbg yBvöfiBvoi inixQ^g 
&kBxxoQoq>o}vCagwxx6g' Bi di xcg idvvaxBt xäg d'öo övvdxxBiv bfiov, (pvkccö- 
6ie^(o xotv xb edßßaxov. Im Folgenden wird dann die Feier der Ostemacht 
beschrieben ; der Text der Didaskalie schimmert deutlich durch. Zu beachten ist 
dass die Verbindung mit dem Vorhergehenden in den Hss. der Constitutionen sehr 
verschieden überliefert zu sein scheint; sie hat offenbar auch hier gefehlt. Dass 
über die Zeit in der das Fasten gebrochen werden sollte, Streit herrschte, bezeugt die 
Correspondenz zwischen Dionysius von Alexandrien und Basileides [Feltoe p. 94]. 
Dionysius schreibt: xiväg iilv yäg xdrv äSsktpSiV ksystv fpi^g Zxt xQ^ xoOxo itoiBtv 
ngbg xi(v ikBXXOQOtpmviaVy xiväg dl Zxi &q>* iöitdgag ^pi}. oC iihv yag iv ^floi/tti^t 
&SBk(poC^ &g (paöi, nsQLftivovfSL xbv ikixxoga' ütsgl dl x&v ivxavd'a IkBysg Zxi 
tdxtov. Er selbst [p. 100 f.] entscheidet sich dafür dass das Fasten jedenfalls 
nicht vor Mitternacht aufhören dürfe, dass die Ausdehnung bis zur vierten 
Vigilie eine lobenswerte Leistung sei; zwischen dieseü beiden Zeitpunkten soll 
man Freiheit lassen. In den Festbriefen des Athanasius wird das Brechen des 
Fastens auf den ^Abend des Sabbat' gelegt. 

Zur Motivirung des strengen Fastens und Wachens an den beiden letzten 
Tagen der Charwoche verweisen die Apostel, die in der Didaskalie durchweg in 
erster Person reden, auf ihr eigenes Beispiel: ovxtog yäg xal fj^stg ivrj6xBv6a(iBV 
iv x&v na^Blv xbv xvgiov Big ybagxvgCav x&v xgt&v 'IjfiBg&v xal iygtiyogi^fSafiBv xal 
Bi^d^Bd'a, Was das Zeugniss der drei Tage bedeuten soU, wird sich noch her- 
ausstellen. Unser Gebet, so sagen die Apostel, galt dem Verderben des irren- 
den Volkes, das sich nicht zu seinem Erlöser bekannte: so sollt ibr es auch 
machen xmd beten dass der Herr ihnen ihre Schuld nicht anrechnen möge bis 
zum Ende. Man kann ohne Anstoss weiterlesen bis xai 'HgAvdrig ixikBv6Bv aAxbv 
6xavgm^Hvai [p. i^xqa 1 Gibs. = p. 93, 18 Lag.]. 

Dann setzt die Rede neu ein; es kommt nichts darauf an, ob man die 
Worte xal i^cad'Bv 6 xiigiog inhg ^^&v iv xr^i nagaexBVY^t für ursprünglich hält 
oder in ihnen einen Einschub sieht, der die Fuge verkleben soll. Denn was 
folgt, geht mit dem unmittelbar Vorhergehenden nicht zusammen. Das ver- 
schärfte Fasten am Freitag und Samstag, die Pannychis in der Osternacht 
werden noch einmal befohlen; aber das Gebet soll nicht für die Juden gehalten 
werden, sondern ganz allgemein für die welche gesündigt haben. Das ist eine 
Verallgemeinerung der alten Fürbitte für die Juden, die bei Chrysostomus [t. 1 
p. 611*] als Erklärung der Quadragesima wiederkehrt: ctv ovv igrixai 6b ^lovdaXog 
xal iSkkfiP xlvog Svbxbv vri&tsiiBig^ ^i^ Btxi]ig 5n 6i& xb xdöxcc, (ii^9h Sxi Siä xbv öxav- 
gövj ijul xokkijv ain&i Svömg xifif kaßi^ ' ov yäg diä xb nd(fx<^ vrfiXBiop.BV (yb8\ Siä 

14* 



Digitized by 



Google 



106 E. SCHWABTZ 

xbv ötcevQÖVj iXlä diä tä &(ia(ftiiiiata tä fniitSQaj ixeid^ (idXXoiuv lAv^trigioig 
%Q06iivai. Und nachdem das Brechen des Fastens auf die Hoffnnng der Anf- 
erstehnng gedeutet ist, werden wiederum ganz allgemein die Ungläubigen von 
dieser Hoffnung ausgeschlossen, ein Gedanke, der in der üeberarbeitung der 
apostolischen Constitutionen beibehalten ist. Man muss hier der längeren pariser 
Becension folgen: der Harrisianus kürzt und streicht Stellen die für die Analyse 
wichtig sind. Das Stück setzt die beiden eben charakterisirten Abschnitte, den 
über das Fasten der Charwoche und den über die Pannychis der Ostemacht 
voraus. 

Es folgt wiederum ein Stück in dem die Beziehung zu den Juden stark be- 
tont wird, mit den Worten beginnend [p. 93,28 Lag.; im Harrisianus fehlt die 
Stelle]: vri6tB'66axB oiv tifi; «ccgaöxsviiv di&ti iv aitiii 6 labg ixixtsivsv ainbv 
ötavQAöavrsg thv öonf^ga iui&v. Ganz besonders aber soll am Samstag gefastet 
werden: denn der Sabbat ist schon von Moses als Tag der Trauer eingesetzt. 
In dem alttestamentlichen Sabbatgebot steckt eine Weissagung des Frevels den 
die Juden am Messias begehen werden; in breiter Ausführung werden die 
jüdischen Sabbatbräuche mit dem Gebahren eines Trauernden parallelisirt. In 
sehr merkwürdiger Weise wird dann als actnelles Beispiel die Klage der Juden 
am 9. Ab — dem Tag der Zerstörung des Tempels — angeführt; das Zahl- 
zeichen 6 wiese auf ^sög, und dieser Gott sei Jesus. Darum, so heisst es am 
Schluss, sollt auch ihr am Ostersabbat trauern über die Juden. Wiederum wird 
das Brechen des Fastens geschildert, diesmal concreter: was jeder an den sechs 
Fasttagen erspart hat, soll er dem Herrn darbringen, die Reichen sollen für 
die Erquickung der Armen sorgen. Am Ende des Abschnitts, der mit dem über 
die Pannychis die gleiche Grundanschauung theilt, aber nicht an ihn angeschlossen 
werden kann, sondern ihm parallel läuft, steht die Vorschrift sich in der Be- 
stimmung der Festzeit nach 'dem Volk' zu richten [p. JLikio 10 Gibs. = p. 96, 5 
Lag.]: 

xa^ä oiv ifinijttsi i^ tov Jtdöxa xeööaQSöxaideocdtri, oikag trigi^öats ainijv 
oi yäg 6 (lifv oidl f^ noötuUa xar' hog iv xavt&i övfinixtsi, di,cupdQH di. iiictg 
oiv Ztav 6 Xahg noif^i th %i6%a^ vtiötBvstB öJtovdd^ovtsg Sxmg tijv iyQvxvCav nXr^ 
qAöbxb (i€6ai6vx(ov xStv naff ainolg ä^vinaiv. ist S* iv r^t xvgiaxf^i iiq>Qalve6^s. 
kayi^exai yäg Big &{kaQxCav navxl x&l xaxovvxi xipf iroxi^v aixoi> iv T^t f^i/kigai xiji 
xvQLoxilc. diä xaijxo i^m xov it&6%a oilf i^Böxiv oidsvl vriöxsiinv iv ixsivaig xatg 
xQvölv &Q{ug vvxxsgivatg xatg iiexa^if xov öaßßäxov xal x^g xv^ucxilg^ diöxi f^ vvi 
iöxiv xi^g xvgiaxilg* &kX iv x&i, %d6%a fi6vov vrfixsvüaxB ixsivag xäg XQStg &Qag 
vvxxBQivdgj öwax^ivxeg slg xainö, XqiöxiovoI ol iv x(bi xvQioi. 

Eine etwas abweichende und altertümlichere Recension dieser Vorschrift stand 
in der apostolischen /tidzaiig auf welche die Audianer sich beriefen, die noch 
im 4. Jahrhundert, nach dem nicaemschen Condl, daran festhielten Ostern 'mit 
den Juden' zu feiern. Epiphanius [70, 10.11] teilt daraus folgendes mit: 

p. 822^ bgCiov^iv y&Q iv xfji ccixi^t. Jtaxd^si oC dnööxoXoi Sxi ^iiistg ff ^ ini(p£isxSy 
ilXä noutxB Zxav oC ddeXipol iftStv oC ix itegtxofi^g' fiBx* ccöx&v &^a itoi€txs\ 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 109 

Die 'Brüder ans der Beschneidimg' sind natürlich nicht die Jadenchristen, 
wie Epiphanias meint, sondern die Juden selbst, wie die Aadianer richtig ver- 
standen, vgl. Rom. 4,12 and 4,14 of ix vöfiov. 

p. 823» dyg intfia(fTVQov(Stv [die Apostel] XdyovtBg Stv ^x&v [rs] nkavrfi&6iv^ 

Der Satz hat deutlich eine polemische Spitze, denn die christlichen Oster- 
cyclen weisen regelmässig darauf hin dass die Juden das Pascha nicht mehr 
richtig feiern und es daher selbständig berechnet werden müsse. In weiterer 
Ausgestaltung kehrt derselbe Gedanke wieder in der Schrift eines Tricentius, 
der offenbar die ältere Observanz zu rechtfertigen suchte; sie ist durch die Aus- 
züge aus der Gegenschrift des Petrus von Alexandrien bekannt, die am Anfang 
des Chronicon Paschale stehn [p. 7 Dind.] : 

Bhe oiv 6q>akk6fisvoi ^Iox)datoi xccvä tbv 6slipfi.ccxbv dgöfiov xotl fiiv (t&i) 
^ccfiBvtod' &yov6i TÖ iavt&v nd6%a bIxb xaxä tbv iiiß6Xi.nov nfjva xaxä tQiBtiav t&i 
OccQfiov^ij (yödiv fifitv diaq>iQBi' nQÖXBitai yäg f^fitv oiSlv bxbqov ^ xi^v ivdfivtiöiv 
xov xd^ovg ainov xoiBtöd'ai.^) xaX (ßna^B oder tovto iyivBzo) xaxä xovxov xbv 
xcuQÖv, &g oC &x^ ^QX^S ainönxai jtccgccdBSAxccöi, [die Evangelien] tiqIv AlyvxxCovg 
xt6xBv6aL [d. h. die Evangelien sind älter als die Ausbreitung des Christentums 
in Aegypten]. (yd yäg vvv xq&xov intxriQovvxBg xbv öBktiviaxbv dföfiov &yav6iv 
ainb il^ &viyxii\g Slg iiiv x&i OafiBvcod'j Rna^ d\ xaxä XQUxlav x&i OaQfiov^i' iai 
iQXi\g yäg tucI ngb xijg XQiöxoi) xaQOvöiag xAvxoxb o^mg xoiijöavxBg qxdvovxav 
Z^Bv xal alxiAiiBvog wbxovg 6 &Bbg diä xov XQoqyi^xov ilByBV [Ps. 94,10.11] xal 
bIxov &bI nXav&vxai, xf^i xagSiai,' iog &(io6a iv xf^i i^yf^i (lOVy bI 
Bl6BXBv6ovxai Big x^v xaxdxavöiv iiov. Petrus weist diese Interpretation 
der Psalmstelle ab und sucht, wie vor ihm Anatolius, nachzuweisen dass die 
Juden vor der Zerstörung des Tempels das Pascha richtig gefeiert hätten. 

p. 823* q>d6xovffL [die Apostel] y&Q r^ dyQvnvCav fpiQBiv (iBöaiövxmv x&v 

Der Satz steht fast wörtlich ebenso in der Didaskalie. 

p. 823^ Xiyov6i yäg ot ctAxol ijtööxoXoi Sxi ^Sxav hiBlvoi Bi<o%&vxai^ iiutg 
vri6XB'6ovxBg {)xIq ain&v xbv^bIxb^ Zxv iv rtjt fifiigai xijg io(fx^g xbv Xgufxbv 
iöxat'^QCDöaVj xal Sxav aixot xbv%&6i x& S^vfia iöd'iovxBg iv xixgiöiv [Exod. 12, 8], 

i^Btg Bi(0XBt6d'B\ 

Das dürfte die älteste Motivirung des Paschafastens sein, die erhalten ist 
imd wohl wirklich seine Bedeutung richtig bestimmt. Die jüdischen diaßaxi^QLa 



1) Vgl. Sokr. 5,22'* kiutvo dl (i4vov fprutl Zxi ot <piloiivtsg 'lovdaioig icnoXov^BCv xal Ttsifl 
xohs T^ovff &%QißoXoyo6ik9voi oiÖBvl tQ6n(ot tovtmv hatCnxnv 6q>BCXavciv' el yocg ZXm &%QißolO' 
yitc^i %q9i/ii4frivt(u, o^m hip^Ckovisiv iliiiQas ii6vov %al fttjvag naQoniQHv, &lXä xal %a &XJm Zoa 
h Xguftbs ^b v6fMv ytvöiksvos ^lovdatx&s htQawv ^ hniy^HVBv intb ^lovdaCmv ädi%oi{L9vog ^ 
iijBQytt&v xohg ndvxag twtix&g %at£i(fydtBto. Chrys. t. 1 p. 610^ httl %al 6 Xguftbg diä toOto 
(it^ aiyc&v xb ndc%a inolrictv oi% tva noi&iisv il(iBi:g iisi^ ixsCvtoVj &XX' tva xfy axi&i x^v dXif- 
^Biav inaydyj\i %xX, 



Digitized by 



Google 



110 E« SCHWARTZ 

gelten in hellenistischer ond römischer Zeit als ein Freudenfest zur Erinnerung 
an den Durchzug durchs Bothe Meer; dem stellten die Christen, um ihr Pascha 
zu differenziren, das Fasten entgegen. Umgekehrt heissen die Mazzot schon im 
A. T. [Deut. 16, 3] ein &(ftog xccxmöeog [^^V urh] ; wenn die Juden anfangen sie 
zu essen, sollen die Christen sich des auferstandenen Messias freuen. Das sind 
G-edanken die in urchristliche Zeit zurückreichen. 

p. 823* av^ig airt&v ixovovrsg iv x^i ^icctdisi ort *6 xax&v iaxrcav xijy ^l)v%ifv 
iv xvQiaxf^i, ixixardQatög iexi x&i ^b&C, Das deckt sich inhaltlich mit den Aus- 
führungen in der Didaskalie, aber die Fassung ist altertümlicher. 

Man glaube nicht, dass die von den Audianern benutzte Juka^vg nur diese 
eine Vorschrift mit der Didaskalie teilte. Auf den Abschnitt über das Fasten 
der Charwoche geht folgendes Citat des Epiphanias [70, 12] : 

p. 824* naQatriQBlxfa d\ ^ ixxkrjöia äyaiv xi^v ioQxi^v xov ndoxa, rovr' iöxl 
xijv ißdofidda xiiv i}Qi,6pLivr(if xal {m* [ix' codd.] aix&v x&v iMo6x6X(ov iv xf^i 
/Jicctdl^et^ ixb devxiQag x&v öaßßdxcov. 

Es ist nicht zu bezweifeln dass die Audianer ein von den syrischen Ver- 
sionen abweichendes Exemplar der Didaskalie in Händen hatten, und was davon 
erhalten ist, bestätigt was sich aus der Analyse der syrischen Texte ergab, dass 
die Didaskalie nicht das Buch eines Schriftstellers, sondern eine allmählich ge- 
wordene und in verschiedenen Redactionen umlaufende Sammlung ist. Ihr Wert 
wird durch diese Erkenntniss nur erhöht: sie enthält nicht die Himgespinnste 
eines schriftstellemden Ellerikers — einen Laien als Autor anzusetzen ist eine 
Absurdität — , sondern den Niederschlag von Observanzen und Anschauungen 
die in zahlreichen Gemeinden verbreitet waren. 

Ich führe nunmehr, nachdem die Methode der Untersuchung an sicheren 
Beispielen festgestellt ist, die Analyse des Ostercapitels zu Ende. Wie in den 
bisher behandelten Partien, so liegt auch bei den am Anfang des Capitels 
stehenden Stücken die Schwierigkeit weniger in den Widersprüchen die da stehen, 
als in dem künstlichen Zusammenhang der durch Streichungen und secundäre 
Übergänge hergestellt ist. Das Wichtigste ist stets die Grundanschauungen der 
einzelnen Stücke zu fixiren, mögen sie sich aufheben oder einander parallel 
laufen. 

Das 21. Capitel der Didaskalie beginnt mit einer Diatribe gegen den Götzen- 
dienst. 'Der Christ soll die Namen der heidnischen Götter bei keiner G^egen- 
heit in den Mund nehmen' ; aus seinem Munde sollen hervorgehen [p. 87, 17 
Lag. s= p. Jixou» 4 Gibs.] sikoyicu, xal il)ak^ol xal at xf^g xvQtöxijxog xal d'söxiftog 
yQatpaiy xä xr\g iXtjd'sLg d'Sfidha' [xal ^aA/iol — d'Sfiikia fehlen im Harrisianus]. 
Mit plötzlichem und gewaltsamem Übergang, der nicht ursprünglich sein kann, 
wird nun die Auseinandersetzung über das Fasten angehängt, deren Anfang 
offenbar weggeschnitten ist: 

xal (idkiöxa iv xatg xov %d6%a fifidgaig iv alg vriexB^vüiv ndvxsg oC %i6xa^ 
ovxsg xavxajflv xa%'& ilsysv 6 xv(^og fui&v xal diSdöxakog iQonri^slg ^diä xl ot 
(la^rixal 'Imdvvov vtjöxs'öovöiVj ot 8\ 6ol oi vf^öxBiiovöiv^' xal ixo^ 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UKD JÜDISCHE OSTKRTAFELN 111 

XQid'slg slnsv aitotg 'fti) d'6vavtai oC vCol xo^ vvpqf&vog vri^tsvtiv 
iv &i 6 vvfiipiog (ist^ a'bxibv iffxlv] ilsvöovxai dl fjiiiQai Sxav &7CaQd^ijc 
in* aix&v 6 vvfiq>iog, xal x6xs vri^xBvöovöiv iv ixsivaig xatg fiftd' 
Qaig [Mc. 2,19.20 vgl. Luc. 5,36]. vvv dl diä x&v int6xon3sv [wOioj-^^ood] ccirto^ 
fis^* flfißn^ iöxiv^ xi^i öl liifBv fLaxQäv, insl ivißri alg xä v^ xo^ oifQavov xal 
xd9xix€ci ix ds^tSiv xov xccxQÖg. 

Ich habe nach der pariser Recension fibersetzt; im Harrisianns fehlt äer 
zweite Teil des Bibelspruchs von iXevöovxai — iniigccig^ ferner der Passus von 
xfli Sl 8^'ct an. Durch diese Auslassungen tritt das Seltsame in der Motivirang 
noch schärfer hervor, doch wird es durch die vollere Fassung nicht aufgehoben. 
Denn die einfache AuiFassung, die in den apostolischen Constitutionen durch- 
geführt wird xxm das strenge Fasten am Freitag und Samstag vor Ostern zu 
begründen [5, 18] : 

Xiysi ydg xov 6 xiigiog ycsgl iavxov (piffxmv orai/ inag^f^i, &x' aix&v 6 
vviiq)iog, vri6xBv6ov6iv iv ixsivaig xalg ii^igatg. iv xavxaig ovv Ijgdi] 
iq)^ flfidbv i)xb x&v tlJivdcovvfifov ^lovdaicov xal 6xavg&i xgoösnäyq xal iistä av6^<ov 
ikoytö^fl' dl' 8 yeagaivov^Bv xal i^tv vtjöxsvsiv xavxag 

kann in das ältere Kaisonnement der Didaskalie nicht hineingetragen werden; 
warum wird dann, in beiden Recensionen gleichlautend, aus den 'Heimsuchungen 
des Herrn' gefolgert dass er noch immer bei der Gemeinde ist? Dadxirch wird 
ja die Motivirung die das Herrenwort zu geben scheint, wieder aufgehoben. Mit 
einem G-edankensprung, den nur der unaufmerksame Leser xmbedenklich mit- 
macht, geht es dann weiter [p. 87, 26 Lag. = p. Jioud 9 Gibs.] : 

diä rovto, Zxav vriCxBvvjfts^ Bi%B6^B xal itagaxakBtxB imlg x&v äycolXv^ivayv 
xa^iog xal fiiiBtg i7Conj6afisv iv x&i na6%Biv xhv xvgiov, ixi y&g Bvxog ainoi) ftfiO'' 
il^&v xgb xov ni6%Biv^ 8t* ii6%io^Bv fiBx^ a^dxov xb ni6xa^ IXayBv ^f*Fi/ ^öt^^bqov iv 
xavxrii xfii vvxxl slg il^ ifi&v %agaSd)6Bi ybB. xal iXiyoiiBv ax>x&i slg Sxaexog 
fjli&v *iiij XI iy6 Blfii, xvgis^'j 8 dl &xoxgi9'Blg bI%bv fnitv 6 dgiycov^) 
xiiv xBtga fiar' ifiov slg xb xgvßXiov [Mt. 26,21 — 23]. 

Bis hierhin laufen beide Recensionen zusammen ; dann bricht der Harrisianns 
mit der kurzen Bemerkung, Jesus habe Judas Ischarioth, *einen von den ZwöKen', 
gemeint, ab. Das kann nicht das Ursprüngliche sein, da nicht abzusehen ist was 
durch diese Erzählung begründet werden soll. In der pariser Recension läuft 
sie werter bis dahin wo Judas den Verrath ausführt und Jesus verhaftet wird. 
Es folgt auch hier eine Tagerechnung. Am Dienstag Abend isst Jesus das 
Pascha mit den Jüngern, in der Nacht darauf, die nach jüdischem Usus zum 
Mittwoch gerechnet wird, wird er verhaftet. Am Mittwoch bleibt er gefangen 
im Hause des Kaiaphas, am Donnerstag wird er zu Pilatus gebracht und ver- 
bringt den Tag in dessen Gewahrsam. Freitag früh wird er von Pilatus ver- 
hört, dann gekreuzigt. Nun entwickelt sich eine verwunderliche, aber in sich 



1) p. 88, 2 Lag. .^MJQSO wie im dnaitischen Syrer. Dass im Bibeltext einmal dgiymv für iiifid- 
*ipag gestanden habe, will icb nicht behaupten. 



Digitized by 



Google 



112 E. SCHWABTZ 

geschlossene und klare rechnerische Deatong des Spruches Mt. 12,40: iötm 6 
vtbs ToO iv^Qdmov iv tili TcaQÖCai t^^ yf^^ XQits iin^iQaq xal tQStg viixtag. Die 
Finsterniss von drei Standen [Mt. 27, 46. Mc. 16, 33. Luc. 23, 44] wird als eine 
Nacht, der Freitag zu zwei Tagen gerechnet; so kommen mit dem Samstag zu- 
sammen die 3 Tage heraus, die dritte Nacht steckt in den drei Nachtstunden 
die zwischen Samstag und Sonntag vor der Auferstehung verstrichen sind. Der 
auferstandene Jesus kommt am Sonntag Morgen ins Haus des Levi — davon 
wissen die kanonischen Evangelien nichts — und halt den Aposteln eine Predigt 
[p. 89,2-90,4 Lag.]: 

fti^t SC iy^k ivr}ötsv€xs xavtag tag i^iioag] ^ ifiol XQsia tov d'ltifai ifLäg 

iavtovg] ill' vnhQ t&v idsXip&v {)ii&v nBnoiifptatB tovto xal xoutts iv tatg 

'^(liQaig iv cdg vtiötsvsts^ xal iv ti^i tstdQttji xtd iv tili extrii t&v öaßßtitanf ist 

[xaJ&hg yiygaxtai iv t&i ZaxoQCai [8,19] vqötBCa f^ tstQ&g xal vriötsCa ij 

itifiTCtfi Tothr' iötlv i^ JcaQccöxsvij j diöti iv tili xvQiccxili ovx il^eötiv ifitv 

vfiötBvöcci dut tijfif iviötaöiv iiov iiä tovto f^ xvQiaxii oihc iQid^(uttai iv tili 

iQi^ln^ösi t&v fifiSQ&v tilg ^^"^^ ^^ xi^og vKfitBiag^ ikX^ &Qi^fioi>vt€u inb tilg 

dsvtigag t&v ffaßßdxmv &6t€ xivts 'luidgag ysviö^cu' vriötsia ovv ij tBtgäg 

xal vf^öt sia fi xi^ntiq xal vqötsia f^ ißdöfitixalvtiötsiaiidexAtti 

löovtai Tdt otxcDi ^I^gaijL iacb tilg SsvtiQag oiv t&v öaßßättov vtiötsvsts 

^1 iiliiQag tBktimg fiixQi tilg ^'v^bg tilg f^^^^ ^^ ffißßaxov Tial Xoyiöd^stai viitv 

sCg ißdo^dda' fi dsxdtti dh Siöti &xqov i6tl toi) dvoiiatög ftov tb i iv ^i 

yivstai ^ t^g vxfltBlag &vavi(Offig], &kk^ oi xatä tb i^og tov XQOtigov Aoot;, 

ikXä xatä tifv xaiv^v diad^i^xt^ i}i/ idi^xa ifitv [vgl. die Lehre der 12 Apostel 

8, 1 at dl vr^ötstai vy^&v fiii iötco^av (iBtä t&v vxoxqit&v * vri6tBvov6i yäg 

SaxniQOi 6aßßdt(ov xal xi^xtrii' iiietg dl Vfi6tsv6ate tstgdSa xal xa(fa6x£vi^]^ 

Iva vfiötsvrnts ixlQ ait&v tifv tstdift'qVj di6ti tij^v tstdfyfqif V^qH^avto ixoXiffai 

iavto'ög iiil övkXacßövtsg . . . [folgt der Beweis dass die Nacht vom Dienstag 

auf den Mittwoch zum Mittwoch gehöre] xal xdkiv ai tijv xaga^xsxr^v vriötsvsts 

inlQ aift&v di6ti iv aitf^i iötavgaöav iiil iv iidöai tilg ioQtijg ain&v tilg ^^^ 

d^ii^mv . . . [Citat von Ps. 73, 4. 6]. viutg dl öxrvsx&g vriötevBts tavtag dsl tag 

flliiQag, (idXiöta dl oC dnb t&v i^if&v . . . [denn die Heiden habe ich wegen des 

Ungehorsams 'des Volkes' erlöst und sie angenommen, damit sie durch ihr 

Gebet und ihr Fasten *dem Volk' Vergebung erwirken]. 

So seltsam diese Bede, die dem eben auferstandenen Jesus in den Mund 

gelegt wird, den modernen Leser anmuten mag, sie hängt in sich zusammen und 

schreitet richtig fort, sobald nur das absurde Geschwätz über Zachar. 8,19 

ausgeschieden wird. Die erste Rechnung ist an xmd für sich Unsinn, denn wenn 

vom Montag ab gezählt wird, wird zwar, wie gewollt, der fünfte Tag zum 

sechsten, zugleich aber auch der vierte zum fünften, und dann ist der ganze 

Zweck verfehlt. Die zweite ist ein altes Stück, denn eine Anspielung darauf 

steht bei Epiphanius [p. 826* wohl aus der Jidtal^ig]^ aber es gehört nicht hierher, 

weil es das mit dem 10. Nisan beginnende Fasten der Charwoche hinein bringt, 

von dem in dem ganzen Abschnitt weder vorher noch nachher die Hede ist. Im 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 113 

Gegenteil, dessen gesammtes Eaisonnement gilt überhaupt nicht dem Osterfasten, 
sei es dem der Charwoche, sei es dem am Charfreitag nnd Ostersamstag, sondern 
den beiden wöchentlichen, vom Pascha ganz unabhängigen Fasttagen des Mitt- 
wochs und Freitags, die nach dem Zeugniss der Apostellehre uralt sind^). Um 
ihretwillen ist die Verhaftung Jesu auf den Mittwoch und darum sein Fascha- 
mahl auf den Dienstag verlegt. Die rhetorischen Fragen mit denen Jesus seine 
Predigt beginnt, klären die Aporien auf, die den Anfang des ganzen Abschnitts 
verdunkeln: eben weil Jesus auferstanden ist, gilt das Fasten nicht der Trauer 
xmi ihn, sondern der um die Juden, xmd mit dieser Trauer sind die Apostel der 
Christenheit vorangegangen. Hängt so der ganze Abschnitt zusammen, so folgt 
weiter, dass am Anfang [s. S. 110] in die Worte iv tatg tov n&6%a ij^dgcug die 
Beziehung auf das Paschafasten erst nachträglich hineingebracht ist und tov %a6%a 
entfernt werden muss; der Übergang ist ja so wie so, wie oben gezeigt wurde, 
verkürzt und entstellt. Die Tagerechnung ist in dem Stück über das Fasten 
in der Osterwoche [S. 106] benutzt; in dem über die Osternacht wird mit den 
Worten *zum Zeugniss der drei Tage' [S. 107] auf die Deutung von Mt. 12,40 
angespielt. Dass die Abhandlung über die wöchentlichen Fasttage älter ist als 
die über das Fasten der Charwoche, folgt, von allen anderen Erwägungen abge- 
sehn, schon aus der unkanonischen Erzählung von der Erscheinung des Auf- 
erstandenen im Hause Levis, auch aus der Kühnheit Jesus persönlich die aetio- 
logischen Speculationen über die Fasttage in den Mund zu legen. Sehr zu 
beachten ist ferner, dass die ungläubigen Juden *Brüder' genannt werden. End- 
lich wUl ich nicht versäumen hervorzuheben dass Spuren dieses Abschnitts noch 
in den apostolischen Constitutionen zu finden sind [6, 15] : tetgäda Si xal nagaö- 
XBviiv XQOöitaiev f^Uv viq6xs'6Biv, xijfv [liv Scä xijfv ngodoöCav^ xi(v dl diä xb ütdd'og. 
Petrus .von Alexandrien hat ihn ebenfalls gekannt, vgl. das durch die Kanones- 
Sammlungen erhaltene Stück aus seinem Buch über das Pascha [Pitra, mon. 
iur. eccles. 1, 661] : ovx iyxakiösi, xtg fjiitv xaQccttjQoviidpoig xsxgdSa xal itagaöHsviiVy 
iv alg H(d vrjöxsiisvv fi^itv xaxä nagadoötv BiXöycog ngoöxhaxxcUj x^ filv xsxgdda 
diä xb ysvöiiBvov övfißovktov vnb x&v 'lovöaifov int xflv ngodoeCai xov xvqCov 
(orthodoxe Correctur], ri)i/ dl nagaöxeviiv diä xb nsxovd'ivai, a'öxbv v%Iq ijii&v. 

Das Thema dass die Christen, vor allem die Heidenchristen, für die Juden 
die Jesus gekreuzigt haben, beten und fasten müssen, wird dann^) breit, mit 
Hülfe von Prophetenstellen variirt [p. 90,4 — 91, 23 Lag.]; ich hebe den Anfang 
heraus : 

diä xovxo t6XBy ÜBk^ol fi(i&Vj xijy fjiiBxiQav vqöxBiav r^ ivrfixB'iofjkBV iv x&i 
jtdöxuj di&ti oix i)nifpcov6av ot &dBkq>ol fift&Vj i^ucg vtiöxBv6Biv, x&v yäq iiiöööiv 



1) Meines Erachtens ist das Herrenwort Mc. 2, 19 ff. in der Urgemeinde aus diesem Fasten, 
nicht aus dem des christlichen Pascha hervorgewachsen. Die christlichen Stationstage sind älter 
als die Jahresfeste; jene markiren von vornherein den Gegensatz zu den Juden, diese sind erst 
allmählig christianisirt oder erweislich junge Schöpfungen. 

2) In der deutschen Übersetzung [TU N. F. 10, 108] ist an falscher Stelle abgesetzt, so dass 
die Predigt Jesu nicht abgesondert wird. 

Abhdlgn. d. K. Gm. d. Wiss. la Oöttingaiu Phil.^ist. Kl. N. F. Band S,«. 15 



Digitized by 



Google 



114 E. SCHWARTZ 

ifiaSj Sfimg d' oiv idsXq>oi)g ivoiid^siv aino'bg 6(p£iXo(i6Vj ijtsl ydyQccxtm fiktiv iv 
x&i ^Höaiai [66, B] otJrioff- BÜnatB ^idekipol int&v^ tolg fii6ovOiv iiiäg xal 
ßdeXv66onivoi,g, Iva xh üvo^a xov xvQiov do^aö^'i^i. 

Es ist an dieser Stelle zweifelhaft ob von den wöchentlich wiederkehrenden 
Fasttagen oder vom Paschafasten geredet werden soll, da das Fasten stets in Yer- 
bindong mit dem Fasten der Apostel auftritt, das ja auch im Vorhergehenden 
zwar während des Pascha gehalten ist, aber die wöchentlichen Fasttage moti- 
viren soll; am Schluss wird das Osterfasten aasdrücklich hineingebracht 
[p. 91,21 Lag.]: 

6iä xovxo oiv vrjCxsiiexe xal nagaxaXstxe {mhg ccin&v xal (idliöxa iv xatg xov 
xdöxa fiiiiQaig, Iva diä x&v iiisxdgayv s{>x&v xatalt&vxai xflg iq>d6sa)g xal imöxga- 
fp&öiv ngbg xbv x^gtov *Iri6ovv Xgiöxöv, 

Man kann annehmen dass xal iiihöxa iv xatg xov %i6%a fifiigatg ein Znsatz 
ist, kann aber auch diesen Abschnitt für eine secundäre Variation des vorher- 
gehenden erklären, die die dort entwickelten Gedanken auf das Osterfasten 
übertragen sollte: es kommt nicht viel darauf an, da über das Fasten nur 
raisonnirt, aber nichts Positives vorgeschrieben wird. Dagegen folgt nunmehr 
ein kurzer Abschnitt der sich ausschliesslich auf das Osterfasten bezieht und 
wiederum beiden Recensionen gemeinsam ist [p. 91,23—28 Lag. = p. «a^a^A 
4 — ou&A 1 Gibs.] : 

dßl oiv ifiagj idektpoi, iv xatg rot) ni6%a fi^igaig (ux^ iniiisXsiag il^sxäisiv 
xal [diese beiden letzten "Worte fehlen im Harrisianus] noutv xi^v vriextlav 
ili&v fisxä %d6rig 6%ovdf^g^ SQxsöd'e dl Sxav oC iSsktpol ifi&v ot &no xov Xaov 
xh xdöxa &yfOfH, diöxt tpayhv ii£^^ ^(töbv xb %i6%a 6 xvgiog xal StddöxaXog ijii&v 
sid'icog (iBxä xovxo ycagsdöd'ri inh ^lo'ida xal sid'img '^g^dfie^a XvJCBt6^ai dtixi 
inilQ^ri dtp* fm&v. 

Diese Vorschrift ist unvollständig; aus dem Text ist nicht zu ersehen in 
welchem Verhältniss der Beginn des Osterfastens und der Ostersonntag zum 
14. Nisan der Juden, dessen Wochentag wechselt, stehen sollte. Darüber muss 
eine Regel gegeben sein ; genaue Überlegung bei der Bestimmung der Tage wird 
ja ausdrücklich verlangt. Wahrscheinlich ist sie gestrichen, weil sie anderen 
Abschnitten widersprach. Die Motivirung passt zu dem Herrenwort Mc. 2, 19 f. 
und lässt die Trauer um die Juden aus; sie steht dem oben [S. 111] aus den 
apostolischen Constitutionen angeführten Passus [5, 18] am nächsten. 

Es haben sich durch die Analyse also folgende Abschnitte ergeben, die ich 
zum Schluss noch einmal übersichtlich zusammenstelle, diesmal nach der Reihen- 
folge des Textes: 

A p. 87, 19 — 90, 4 Lag. [im Harrisianus nur p. jüanA 4 — ^^mn 4]. Der An- 
fang ist verstümmelt und entstellt. Die wöchentlichen Fasttage, Mittwoch und 
Freitag, werden durch eine eigentümliche Chronologie der Passionswoche aetio- 
logisch begründet. Das Fasten und Beten gilt nicht der Trauer um Jesus, 
sondern der Fürbitte für die Juden, die vor allem den Heidenchristen ans Herz 
gelegt wird. 



Digitized by 



Google 



CHBI8TUCHE ÜKD JÜDISGHB OSTEBTAFELN 115 

Bp. 90,4 — 91, 23 Lag. Enthalt keine positiven Fastengebote, sondern spinnt 
den Schlussgedanken von A weiter aus. 

C p. 91, 23 — 28 Lag. = p. i^mn 4— o«^ai» 1 Gibs. Nur in verstümmelter 
Form erhalten. Das Osterf asten ist nach dem jüdischen Pascha anzusetzen; 
denn die Trauer der Apostel begann mit dem Verrat des Judas, unmittelbar 
nach dem Faschamahl. Die Trauer um die Juden fehlt; nur dieser Abschnitt 
passt genau zu dem Herrenwort Mc. 2, 19. 

D p. 91, 28—93, 6 Lag. = p. o^mj> 1— ouxbud 7 Gibs. Das Fasten der Char- 
woche, geschieden in das leichtere vom Montag — Donnerstag und das strenge 
am Freitag und Samstag. Die Tagerechnung von A ist benutzt. 

E p. 93, 6—18 Lag. = p. «juxbud 7 — «^.a^a 1 Gibs. Die Pannychis der Oster- 
nacht. Das Fasten wird auf die Trauer der Apostel über die Juden zurück- 
geführt, parallel mit A. 

F p. 93, 18 — 28 Lag. = p. «^.aia 1—5 Gibs. [im Harrisianus unvollständig 
erhalten]. Fasten am Freitag und Samstag der Charwoche und Pannychis, 
parallel zu D und E, aber ohne die Beziehung auf die Juden. 

G p. 93, 28— Ende des Capitels = p. ^^£[^ 5— Ende des Capitels [im Harri- 
sianus am Anfang unvollständig]. Strenges Fasten vornehmlich am Ostersabbat, 
die Beziehimg auf die Juden parallel mit E. Das Brechen des Fastens und die 
Vorschrift sich in der Festzeit nach den Juden zu richten, parallel mit C. 

Die verschiedenen Abschnitte sind insoweit mit einander ausgeglichen als 
sich Vorschriften die einander widersprechen, nicht mehr vorfinden. Das wird 
ursprünglich anders gewesen sein, aber was gestrichen ist, lässt sich durch die 
Analyse nicht wiedergewinnen. Dagegen wechselt das Raisonnement ; man hüte 
sich aber vor falschen Schlüssen. Der Abschnitt D über das Fasten der Char- 
woche ist unzweifelhaft jünger als A; daraus folgt aber noch lange nicht, dass 
er das Fasten der Charwoche habe 'einführen' wollen. Das konnte längst da 
sein, ehe ein Kleriker auf den Gedanken kam es mit einer chronologischen 
Speculation über die Leidenswoche in Zusammenhang zu bringen. Wesentlich 
sind zwei Dinge, die von den Motivirungen unabhängig sind, erstens dass das 
christliche Pascha auf den Sonntag nach dem jüdischen Pascha fallen und 
zweitens dass während der Fastengottesdienste für die jüdischen Brüder gebetet 
werden soll: denn auch das letztere ist deutlich ein Ritus den das Raisonne- 
ment voraussetzt. Beides gehört zusammen und führt zusammen in sehr alte 
Zeiten hinauf, in die Zeiten in denen die Beziehungen zwischen Gemeinde und 
Synagoge, einerlei ob frexmdlich oder feindlich, jedenfalls noch sehr enge waren. 
Das Schlagwort *Judenchristen' führt irre, weil es dazu verleitet Judenchristen 
und Heidenchristen als Parteien zu fassen; von derartigen Parteiungen ist in 
dem Conglomerat der Didaskalie nichts zu spüren. Vielmehr gieng die Ent- 
wicklung den Weg dass die Christengemeinden in verschiedenen Gegenden und 
Provinzen sich in verschiedenem Mass und mit verschiedener Schnelligkeit von 
den Banden lösten, die sie von den Anfängen her noch mit dem Judentum ver- 
knüpften; die Differenzen in den österlichen Observanzen sind zum weitaus 

16* 



Digitized by 



Google 



116 K. SCHWARTZ 

grössten Teil so za erklären. So hielt man in den Kirchen, für nnd in welchen 
die Sammlung der Didaskalie entstanden ist, an den Fastengebeten für die 
Jnden noch fest, mit gatem Grund, weil Juden und Christen ihr Hauptfest wenn 
auch nicht am gleichen Tag, so doch zur gleichen Zeit feierten, während da wo, 
wie in Rom tmd Alexandrien, die Kirche sich von der jüdischen Ansage des 
Pascha emancipirt hatte, auch die Fürbitte für sie aufhorte tmd an ihre SteUe 
die gehässige Polemik trat, die z. B. in Athanasius Osterbriefen zum eisernen 
Inventar gehört. 

Selbst in Aegypten sind am Ende des 3. und im Anfang des 4. Jahr- 
hunderts, nachdem der Cyclus des Anatolius längst officiell eingeführt war und 
schon Dionysius die selbständige Berechnung des OstervoUmonds gefordert hatte, 
deutliche Spuren einer Opposition nachzuweisen, die an der älteren Observanz zäh 
festhielt. Ich habe schon oben [S. 109] die Schrift des Tricentius angeführt, gegen 
den Petrus von Alexandrien die kirchliche Berechntmg verteidigen musste; der 
Satz des Tricentius ijg ot iaC ^Qth'^ aiftöntai jcccQadedfbxaöi nglv AlyvKziovg 
Ttiörsvöat kann nur in Aegj^ten geschrieben sein. Mit diesem sonst verschollenen 
Osterstreit hängt jedenfalls eine Notiz des Epiphanius [70, 9 p. 821^] zusammen 
%oX^otg ipLXoXöyo^s oifx &yvm6tov iv nööotg xaiQotg ^ögvßog ixtvstto iv t&l ixxkif' 
öiaöuxmi xriQvy(iau jcsqI tov tilg ^OQtrjg xavxrig irjftif^iiarog iv xb xQÖvoig IloXv- 
Tcägxov xaL BixxoQog , , . iv äkkoig xs [dh codd.] oöoig Tiatgotg iv xs xg6voig 'AU- 
l^AvÖQOv ini,6x6%ov 'AXel^avögs^ag xal Kgtöxsvxiov. Dass Tgixdvxiog und Kgtöxivxiog 
dieselbe Person bezeichnen, dürfte sicher sein; ob Epiphanius Alexander und 
Petrus verwechselt oder der Streit sich über die Zeit des Petrus hinaus fort- 
gesetzt hat, lässt sich nicht ausmachen. 

Ich habe schon oben [S. 104f.] nachgewiesen dass noch in der Mitte des 3. Jahr- 
hunderts das Osterfest in Smyrna *mit den Juden', d. h. am Sonntag nach dem 
14. Nisan gefeiert wurde. Unter den langen Reden die das Martyrium des Pionius 
enthält, findet sich auch eine in der der Märtyrer Behauptungen der Juden be- 
streitet wie [13] 6 XQtöxbg äv^gconog fjv xal ivsnaiieaxo üg ßio^avi^g^), und die 



1) Vulgäre, in den Lexids fehlende Bildung für ßucio^dvarog. Über diese ist jetzt Nordens 
schöne Ausführung in Tergils Aeneis YP p. 11 f. zu vergleichen. Man rechnete zu der Kategorie 
der ßiautd'dvatoi auch die Hingerichteten, Tgl. z. B. Tertullian. de an. 56 proinde extorres inferwn 
habebuntur quas ui ereptas arbitrantur [der technische Ausdruck ßLaio^dvaroi findet sich im 
folgenden Capitel], praecipue per atrocitates suppliciorum, crucis dico et securis et gladU et ferae, 
nee isti porro exitus uiölenti quos iustitia decernit uiolentiae uindex. et ideo, inquteSj scelestae quo- 
que animae inferis exulant Pionius Behauptung &yvoo^öi 81 Zxi ßio^ccvrjg htiv 6 Id/ai ngoami- 
ösi i^dymv favr^r toü ßCov ist illoyale Polemik. ^Daa gemeinsame Band, das alle Glossen der 
ßiatod'dvatoi verknüpft, ist die Vorstellung dass sie wegen ihres vorzeitigen Todes so lange von der 
Qrobesruhe ausgeschlossen bleiben, bis sie dem Leben den schuldigen Rest an Jahren abgezahlt 
haben'. Die Juden wenden also gegen die Auferatehung Christi ein dass die Erscheinungen des 
Auferstandenen so zu erklären seien, dass wegen der Kreuzigung seine Seele zunächst nicht in die 
Unterwelt, oder wie sie sagten, in den Scheol eingegangen sei. Darum konnte sie auch von 
Nekromanten citirt werden : vgl. Tertull. a. a. 0. 57 aut Optimum est hie räineri secundum aoros 
aut Pessimum secundum biaeothanatos, ut ipsis iam uocabulis utar quibus audrix opinionum ieta- 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTaPELN 117 

eng damit zusaromenliängeiide Xiyovöt di xal vsxvoficcvrsiav TtsTtoirjxevaL xal ivri- 
yBio%ivaL xbv Kgiörbv ^letä rov ötavgov. Das stammt nicht aus Ktterarischer 
Polemik, sondern aus dem actuellen Gezanke zwischen Christen und Juden, bei 
dem populärer Aberglaube ein bequemes Argument lieferte; jedenfalls ist es 
keine von den blassen Theorien welche die christlichen Schriften Kcczä 'lovdaCmv 
sich erst zurecht machen, sondern ein echter Einwand der den Juden jener Zeit 
zugetraut werden kann und muss, wie Pionius selbst sagt [14]: iycb ftit/ oiv 
xovxo xh tifsvöfia 8 Xiyovöiv &g vvv ysyovögj ix natdbg f^lixCag flxovov XayovxfDv 
*Iovdat(ov, In Smyma war im 3. Jahrhundert die Synagoge für die Christen 
keine fremde Welt; die Juden forderten während der decianischen Verfolgung 
die gefallenen Christen geradezu auf zum Judenthum überzutreten [Mart. Pion. 13]: 
ixoiim 8h oxt xal xtvag ifi&v ^lovdatoi xalovötv slg öwayaydg. Das Judentum 
hatte also keineswegs auf Propaganda verzichtet ^) ; schon dadurch ergaben sich 
zahlreiche Berührungen und Zusammenstösse mit den Christen. Und dass es 
nicht gerathen ist jedes Christenthum das die Zusammenhänge mit dem Jüdischen 
noch deutlich aufweist, in oder um Palästina zu localisiren, dafür sind die ange- 
führten Stellen die mitten in das Leben der smymaeisehen Christen hinein- 
führen, ein vollgiltiges Zeugniss: wüssten wir vom Leben der christlichen Ge- 
meinden so viel wie von den Speculationen der christlichen Philosophen, so 
würde dieses Zeugniss nur eins von vielen aus vielen Orten sein. 

Als die Kirche im Kampf mit den Kaisern Siegerin geblieben war und 
durch Constantin Anteil an der Weltherrschaft erhielt, räumte sie mit den 
jüdischen Resten auf; sie waren immer noch kräftig genug um Kämpfe zu ver- 
ursachen. Die Forderung des nicaenischen Concils, und wie man rtickschliessend 
vermuthen kann, schon die des Concils von Arles dass Ostern im ganzen Reich 
an einem und demselben Tag gefeiert werden sollte, richtete ihre Spitze gegen 
die Observanz den Ostersonntag nach dem jüdischen Pascha zu bestimmen*). 

rum magia sonat, Ostanes ei Typhon et Dardanus et Damigeran et Necta<ne>bis et Berenice, 
publica tarn litteratura est, quae animas, etiam iusta aetate sopitas, etiam proba morte disiundaSf 
etiam prompta hunuxtione dispundas, euoccUuram se ah inferum incolatu pcUicetur, 

1) Die laodläofige VorsteUnng dass die Juden nach der Zerstörung des Tempels oder der 
Gründung von Aelia auf die Mission verzichtet hätten, wird schon durch den Koran und die An- 
fänge des Islam als eine unhistorische Construction erwiesen. Neben der echten Propaganda darf 
die unechte der Zauberpfaffen und Beschwörer nicht vergessen werden ; die jüdischen Elemente des 
Synkretismus der in dem Zauberwesen steckt, pflegt man sonderbarer Weise immer bei Seite zu 
schieben, und sie sind die wichtigsten und interessantesten. 

2) Euseb. Vit. Const. 3, 5 nQovnfiQ%B d* äga %a\ ällr] xig ro&coav [der melitianischen und 
arlanischen Streitigkeiten] ngotiga v6aos ägyaleandtri i% fiangov Stsvoxloi^aa^ tfjg 6<ot7iqIov loQtilg 
dicctpmvla^ r&v fihv Bitscd'cei dstv rfjt 'lovdalmv övvrid'süict q>aa%6vta)Vj xmv d\ 7tQ0üif^%uv x^v iiiQißfj 
Tov naiifoü naQatpvXdxxBiv &qclv firidh nlav(o^4vovg %7CBS^ai xotg xilg e^ayysiUxf}^ &lloxQlo^g xdgixog, 
Constantin selbst schreibt [3, 18] iv^a xal ns^l xfjg xov ndexa dyicaxdxrig iii^igag yevoiu'vrig t^xij- 
östog iSo^s %oi.vfji> yv&^rii tiaXdig ^%Biv htl iii&g ijiiBQag ndvxag xo^g dnavtaxo^ inixsXiCv. xC yccQ 
illUv xdXXioVj xC 61 aefivdxsQOv ^ndQ^cei dvvi/iöexai xo^ xijv ioQxr}v xccvxriv, nag t^ xiiv x^g Ma- 
vaöücg slXfjtpafusv iXnCdUy fnäi xd^si. xal (pavsQ&i löyoai nagä näaiv ddutnxSxoig tpvldxxeöd'ai ; xal 
ngäixov filv dvd^iov ^do^Bv slvat. xijv ayuoxdxriv insCvriv BOQxiiv x-^i x&v *lovdaC(ov inofiivovg cvvri* 



Digitized by 



Google 



118 K. SGHWABTZ 

Diese Abhängigkeit der weltbeherrschenden Eirche von der nur geduldeten 
Synagoge sollte eliminirt werden; die Fiction dass die christlichen Ostercyden 
welche die Abhängigkeit schon beseitigt hatten, mit einander übereinstimmten, 
weil sie alle im Gegensatz zur Synagoge aufgestellt waren, war eine consequente 
und zugleich politisch kluge Anwendung des Frincips dass der Greist in der Eirche 
fortlebt. Aus den Documenten des nicaenischen Concils hat Duchesne mit Recht 
erschlossen dass das Centrum der älteren Observanz im Anfang des 4. Jahr- 
hunderts die Dioecese Oriens war, Aegypten tmd Palaestina ausgenonmien ; ich 
setze die Stellen her: 

Brief Constantins über das Osterfest an die christlichen Eirchen, unmittelbar 
nach dem nicaenischen Concil geschrieben [Eus. Vit. Const. 3, 19] : Zd'sv inBidi^ 
tovd' oik(Dg ixavoQ^ovö^ai ngoö^xBv, &s firidhv fLStä tov tc&v natgoxtövmv [parri- 
cidarum] xb xai xvQio)ct6va>v ixBivcav i&vovg slvai xotvöv, iöu dh t<iiig BixQBXiig^ 
^p näöac al t&v dvtix&v xb xal (iB6riiißQtv&v xal iQxrmiav xijg oixov^ivrig ^q&v 
naQtttpvkaxxovövv ixKlr^öiai, Tcal xivig x&v xaxä xrj^ iAiav x6navj oi bvbxbv inl 
xov noQÖvxog xak&g b%bi,v navxBg iiyi^öavxOj xal aitbg dh xiji i(isxiQcci iyx^voiccL 
igiöBiv {)XB6x6(iriVj Zv Ztcbq dav xaxä xi^ 'Ptofiaicov %6kiv ^Ixakiav^ xb xal ^Aq>Qix^ 
ünaöavj Afyvnxovj ZnavCag^ Fakkiag^ BgBxxaviag^ Aißvag, okrjv ""Ekkada, jiöiavi^ 
XB ÖLOtKriöiv xal Uovxixiiv xal Kikixiav fitäi Tud övfi^fbvai ipvkdtxrixai yv6(irii^ 
iöfidvmg xoirco xal f^ ifiBxiQU ngoödi^rixai övvBöig ... 

Schreiben der nicaenischen Synode an die Eirchen Alexandriens und der 
aegyptischen Provinzen [Sokr. 1,9^*]: BvayyBkif^öfLB^a dh ifitv nBgl xfjg 6v(iq>(oviag 
xov äyiandxov Jidöxa Sxl v^Bxigcug sixatg xaxcDQd'd)^ xal xovxo xb iiigog, &6xs 
ndvxag xovg iv xf^i iAiai^ aÖBkqxybg xovg fiBxä x&v lovdaioiv xb xq6xbqov srotow- 
xag 6v(jtq)dnfa}g 'Pto^iaiotg xal ifitv xal xäöiv xotg i^ &Qxaiov fiB^^ 'lifiGtv gyvkdt^ 
xov6i xb ndöxa ix xov öbvqo &yBiv, 

Neben diese urkundlichen Zeugnisse stellt Duchesne mit Recht zwei Aus- 
sagen des Athanasius: 

De synod. B ^ ^iv yäg iv Nixaiai övvodog oix &^k&g yiyovBVj ikk^ bIxb xi^v 
XQBlav xaxBKBiyov6av xal xijv alxtav BÜkoyov. oC ftit/ yäg inb xtig Uvgtag xal Kiki- 
xCag xal MBöonoxafiiag ixd)kBvov nsgl xijv iogxijv xal fiiBxä x&v lovdaioiv ixoCow 
xb ndcxa . . . xal ot (ihv &%b xf^g EvgCag ixBi6d'fi6av. 

Epist. ad Afr. 2 i) filv yäg dtä ri^ ^AQBtavijv aiQBötv xal diä xb xdöxa 
<^in/i2X^i}9 i^BiSii ol Tutxä Svqlov xal Kikixiav xal Msöonoxafiiav diBq>Avow ngbg 
'ffliäg xiv xS)i xatg&i iv m %oiov6iv ot 'lovdatoij inoiovv Tcal ainol. dkkä x^Q^'S ^^ 



^s£at nXriQOüVj o*l vag iavt&v xsCgag Msiiitmi nXrififisl'/iiiati XQdvavteg slnStmg vag ifwxccg ot 
(^i4XQol TvtflSttovciv ' ^^sert. yccQ 7o{> insivav ^d'ovg &7CoßX7id'ivTog AXTi^earigai. Ta|f t, ^v in itgAtrig 
toü nd^ovg iifiigag äxQi' tov nccQOvtog itpvXd^afisv, %al inl tohg (liXXovtag al&vag t^v xf^g htixti' 
Qi^öemg tccvtrig avfiTtXiJQmöiv intsCvsöd'ai. firiShv xoCwv iöxm iiiktv noivbv (^Bxä xoü ix^-^oxov x&v 
'Iov8a£mv öxXov. Man beachte die für Constantin und die ihm unterwürfige Kirche charakteristi- 
sche Rechtsfiction dass es von Anfang an eine und dieselbe selbständige Osterberechnung ge- 
geben hätte. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFEI.N 119 

xvgiiDt, &6%BQ %bqI rflg nCexB&q^ oiizmg Tcal nsgl rtjg icyiag ioQxilg yiyove tfvft- 

Es sind deutlich die von Antiochien abhängigen Provinzen in denen die alte 
Observanz sich noch bis 325 gehalten hatte; Kilikien mag, wie Dachesne meint, 
geteilt gewesen sein ; Palaestina steht seit den Zeiten des Origenes unter aegypti- 
schem Einflnss. Der Bescbluss des nicaenischen Concils drängte die Anhänger 
des Alten in die Opposition. Nicht das einzige, aber ein besonders charakteristi- 
sches Beispiel sind die Audianer [Epiphan. 70]. Audius war ein mesopotamischer 
Anachoret, der, wie die Anachoreten überhaupt, der Verweltlichung der kaiser- 
lich gewordenen Kirche schroff entgegentrat. Als er excommunicirt wurde, 
gründete er eine eigene Mönchskirche; nach *Skythien*, d. h. zu den Gothen 
relegirt, entfaltete er dort eine starke Missionsthätigkeit und stiftete bei den 
Gothen zahlreiche Klöster. Die heidnisch-nationale Reaction unter Athanarich 
machte dieser Möncherei ein Ende und die Audianer giengen nach Syrien zurück; 
zu Epiphanius Zeiten gab es nur noch wenige Klöster bei Chalkis und 
Damaskus*). Von der Recension der Apostellehre, auf die sie sich beriefen um 
die Osterfeier 'mit den Juden' zu rechtfertigen, ist schon die Rede gewesen; für 
ihre Anschauungen von der Staatskirche ist der Vorwurf bezeichnend [Epiphan. 
70, 9 p. 821*] inh KovöxavxCvov dtä tijv ngbg rbv ßaöcXsa ngoöcanokritlfiav xata" 
kskoinaxB xi(v x&v naxBQmv nBQl xov 7cd6%a iogxfjg iKoloyd-iav [Ho^sl^^m] xal xiiv 
ilfidgav fiBxrikXA^axB Big xb xad-fjxov xov ßaöildag tmd noch schärfer Zxb (fjysxo) xä 
yBvi^ha xov Kayi/6xavx(vov, xöxb fiBXBTtotilöaö&B xb %&6%a^). Die Vicennalien Con- 
stantins wurden bekanntlich gefeiert, als das nicaenische Concil tagte [Eus. 
Vit. Const. 3, 15]. 

Aus den angeführten Documenten ergiebt sich dass 325 in der Provinz 
Asien und den Nachbargebieten die ältere Observanz, die zu den Zeiten des 
Pionius noch bestanden hatte, in der Grosskirche aufgegeben war. Sie hielt sich 
aber bei den Novatianem in Phrygien und Galatien*), und wenn Sokrates 
[4, 28*^ ff.; danach Soz. 6, 24® ff.] sich hat erzählen lassen dass eine Synode der 
phrygischen Novatianer in Pazos zur Zeit des Kaiser Valens die Osterfeier 'mit 



1) Gegen die audianische Deutung von Gen. 1,26 polemisiit Chrys. t. 4 p. 653« [386]. 

2) Vgl. Sokr. 5,22** oi)% &e xivsg insd'QvlriaaVj ij inl Kavaravthov avvo^og ri^v eogtiiv 
TcevTTjv naQivQSffysv. 

3) Soz. 7, 18^ xal fidlicta ^gvyag xal Fcdatccg otg ndxQiov &ds t^v iogtiiv tavtriv iieiteXsiif, 
Die Notiz gehört zu den selbständigen Zusätzen mit denen Sozomenos die Berichte des Sokrates 
zu bereichem pflegt. Sie wird bestätigt durch den kleinasiatischen Verfasser der Osterprcdigt von 
887 [Chrys. t. 8 p. 276*>]: Navatucvol donoüai^v £AjUd$ ntog roc %ad'* iifu&g iigifia fiii^eCa^ai' dov- 
Xe6ovöv fthv %€cl aitol xfji nQod's.ö(iCat x&v 'lovdaCmv «al nQ&vov fifjva xal a^ol vofi^ovffi xal 
tSö<iaQS<t%ai,de%drriv natä ösXi/ivriv ti^v jcag* ainoig fustadi&xovtsg * &IX' oixl ^mg tovvov ys Zaxavxai 
[wie die Quartodecimaner], &XX Zxav iv tovtotg ydvmvxai, xal inX x^v XQiijfjLBQov igxovxai,, d xal fta- 
Xi4sxa &%vQ<og xal oi xa^ äq^MifCav ixxXfjcrtaffnxijv, cb; dux^CBxai. Usener [Weihnachtsfest 1, 241] 
versprach vor Jahren den Beweis dass die von Ussher und den Benedictinern nicht mit Glück be- 
handelte Predigt sich auf das Osterfest vom 25. Aprü 887 beziehe; inzwischen hat C. H. Turner 
[Studia biblica 2, 130 ff.] ihn geliefert. 



Digitized by 



Google 



120 F. SCHWABTZ 

den Juden' eingeführt hätte, so ist er einem absichtlichen oder unabsichtlichen 
orthodoxen Missverständniss zum Opfer gefallen : die Synode wollte nichts neues 
einführen, sondern das bestehende sanctioniren und ihm die ganze novatianische 
Kirche unterwerfen; denn die Novatianer in Constantinopel feierten allerdings 
Ostern mit der Grosskirche zusammen. Ein constantinopler Presbyter Sabbatius, 
wie Sokrates behauptet, ein Judenchrist, agitirte für jenen Synodenbeschluss ; 
um kein Schisma aufkommen zu lassen, erklärte einige Jahre später eine zweite 
novatianische Synode in Sangaron die Bestimmung des Ostersonntags für irrelevant 
[Sokr. 5, 21, danach Soz. 7, 18], eine unverständliche Milde, wenn die 'Feier mit 
den Juden' erst vor ein paar Jahren in die novatianische Kirche eingedrungen 
war; dagegen ist es sehr begreiflich dass man den Status quo aufrechtzuerhalten 
sich bemühte. Die von Sokrates [5, 22 "'*• ®*' '*] erwähnten Argumente dass die 
nicaenische Synode den Brauch der Väter abgeschafft hätte und man sich nach 
den Juden richten müsse, weil Jesus das Pascha mit den Juden gefeiert hätte, 
mögen den Debatten die die Novatianer mit einander führten, entlehnt sein, 
sind aber im Grunde dieselben die bei den alexandrinischen Protopaschiten und 
den Audianern vorkommen. Beachtenswert ist dass er in einer langen Auseinander- 
setzung über die Osterstreitigkeiten sich lediglich mit dem lovdcuöfiög beschäftigt, 
der Differenz zwischen den Cyclen aber mit keinem Worte gedenkt. 

Es versteht sich leicht dass in Antiochien selbst, dem Centrum der Pro- 
vinzen in denen die Grosskirche an der älteren Observanz am längsten festge- 
halten hatte, ihre Anhänger nicht sofort den Widerstand aufgaben. Das antioche- 
nische Concil das Eustathius absetzte ^), schärft daher im 1. Kanon die Bestimmung 
des nicaenischen Concils noch einmal energisch ein; den Laien wird mit Excom- 
munication gedroht, den Klerikern mit Absetzung : si de tig t&v ycQOS6t6t(ov ttjg 
ixxXrjöiagj inC6xonog ^ nQBCßvxBQog ^ Siixovog^ ft£rä zbv oqov rovtov tolfiii^Bisv 
inl diaöxQo^iji t&v ka&v xal xaQaxfii t&v ixxkriöL&v ididieiv xccl fistä t&v 'lov' 
daicov initslatv rö nieja^ tovtov f^ &yia övvodog ivtsvd^Bv ^diy ikkötgiov IxQivev 
tf^g ixxXtiöCag . . . xal oi (lövov tovg toiovtovg xad^cuQSt tfig XeLtovgyiag aXXä xal 
tovg tokfi&vtag tovtoig xotvmvstv fistä tijv xad-äigsötv. Aber noch im Jahr 387 *) 
donnerte Johannes Chrysostomus von der Kanzel gegen die allerdings nur noch 
geringe Anzahl [t. 1 p. Q06^] derer welche die Quadragesima nach dem Sonntag 
berechneten, der auf das Judenpascha folgte; da Ostern nach dem damals in 



1) Denn dieses, nicht die Enkaeniensynode hat die Kanones erlassen. Vgl. Nachr. 1905, 281. 

2) Dass die sogenannte dritte Judenrede ins Jahr 387 gehört, hat Usener [Weihnachtsfest 
1,233] mit Recht hetont. Denn von den wenigen Jahren die zur Verfügung stehn, fällt nur in 
diesem der Ostervollmond des alexandrinischen Cyclus auf einen Sonntag [18. April] : der ist mit 
TtQiiitri t&v &ivfi,mv p. 613« gemeint. An das jüdische Fest konnte Johannas nicht appelliren ; er be- 
hauptet ja wie die Alexandriner, dass die Juden das Pascha jetzt falsch feierten [p. 613i>]. Da 
nun der Ostersonntag auf den 25. April verschoben wurde, musste man den Kreuzigungstag, die XF 
lunae, und die Auferstehung, die XVII (nach alexandrinischer Rechnung), vorübergehen lassen, bis 
die Woche zu Ende war. So verstanden, ist die wegen ihrer Dunkelheit verrufene Stelle deutlich 
und klar. 



Digitized by 



Google 



CHRI8TUCHB UND JÜDISCHE 08TERTAFELN 121 

Antiocbien redpirten alexandrinischen Cydas sehr spät, aaf den 25. April fiel, 
die Jaden aber ihr Pascha mn den Vollmond des März hermn feierten'), trat 
die Discrepanz besonders grell hervor. Wie die Andianer, so beriefen sich auch 
diese antiochenischen Protopaschiten auf die früher allgemeine Observanz [t. 1 
p. 608^]: &XXä tig 6 6oq)bg ccin&v Xöyog, Stccv taiha ttötotg ävnXiymiisv; ^ifMg\ 
^fjöivj ^oi renhrqt/ hnfiXBiiBtB tipf vfiötsiav XQiitSQOv\ Chrysostomas hielt ihnen 
das Concil von Nicaea nnd das Q-ebot der Eintracht entgegen. Er hat noch 
einmal, vielleicht schon im Jahr darauf, gegen sie gepredigt; aber die Rede ist 
verloren"). 

Das Ende der Entwicklung ist dass die Synagoge, der die Christen in immer 
steigendem Masse vorwarfen das Pascha falsch anzusetzen, einen neuen Kalender 
einführte, der bis auf den heutigen Tag gUt; damit war der Bruch perfect. 
Aber dieser Kalender ist jung; für die Geschichte des christlichen Pascha ist 
es nothig zu wissen wie die Juden in den ersten Jahrhundarten des Christen- 
thums das Pascha bestimmt haben. Dafür liefert ein bisher unbekanntes Docu- 
ment neues Material, dessen Wert auch von anderen als dem Finder schwerlich 
überschätzt werden kann. 



vn 

Die Ostertafel des orientalischen Ck)ncils von Bardica 

Die Synode welche im Herbst 842 von den Kaisem Constans und Con- 
«tantius nach Sardica, an die Grenze des Westreichs, berufen wurde, sollte eine 
oekumenische sein und wäre es, da aus beiden Reichshalften die Bischöfe in ver- 
hältnissmässig grosser Zahl erschienen, in höherem Masse gewesen als die nicae- 
nische, auf der der Westen nur spärlich vertreten war, wenn es gelungen wäre 
den Zwist zwischen Orient und Occident aus der Welt zu schaffen, der durch 
die Parteinahme des ocddentalischen Kaisers und des römischen Stuhls für den 
abgesetzten Athanasius bedrohliche Formen angenommen hatte. Er wurde nur 



1) An den Vollmond des April ist darum nicht za denken, weil dann die Predigt nach dem 
berühmten Anfstand fallen würde, der mit keinem Wort erwähnt wird. Der astronomische Voll- 
mond des Mftrs fiel aaf Sonntag den 21. M&ns 11^ 31» Morgens (mittlere Zeit von Greenwich). 
Nimmt man an dass die Protopaschiten nach diesem Sonntag die Fastenzeit berechneten, die damals 
in Antiochien die Quadragesima und die Gharwoche, also 7 Wochen omfasst [vgl. Dachesne, Ori- 
gines da calte chr^tien 288], so begann sie am Montag dem 1. Febraar; die Predigt wird danach 
aaf Sonntag den 81. Janaar 887 [ygl. p. 61 1<^] anzusetzen sein. Sie schliesst an die Anhomoeer- 
reden an, s. a. 

2) Vgl. t. 4 p. 91b. Das Jahr der Homilien zur Genesis ist noch nicht sicher bestimmt; doch 
ist 888 nicht anwahrscheinlich. 

AbbandluDgen d. K. Gm. d. WiM. zn Göttingen. Ihilolog.-histor. Kl. N. F. Band 8,t. 16 



Digitized by 



Google 



122 



E. 8CHWARTZ 



schlimmer. Bas Concil theilte sich von Anfang an in ein ocddentalisches, dem 
sich Athanasins nnd seine orientalischen Parteigänger anschlössen, mid ein 
orientalisches; mit dieser Teilung begann eine Kirchenspaltung die erst Theo- 
dosias durch die beiden Concile von Constantinopel 381 und 382 beseitigte. Das 
Schisma fibertrug sich auch, wenigstens zunächst, auf die Osterfeier. Athanasius 
traf auf der occidentalischen Synode mit den Vertretern des rSmisdien Bischofs 
ein Abkommen das für 50 Jahre die Osterdaten festsetzte; wie dies Abkommen 
fanctionirt hat und wie es von dem Bestreben der alexandrinischen Patriarchen 
abgelöst wird ihrem Cyclus die Alleinherrschaft zu sichern, ist oben ausführlich 
auseinandergesetzt. Die Orientalen, an ihrer Spitze der Bischof von Antiochien, 
setzten ihrerseits eine Ostertafel von 30 Jahren fest. Wie diese Nachricht, so 
ist auch die Ostertafel selbst in der Sammlung des Theodosius Diaconus erhalten. 
In meinem Aufsatz über diese Sammlung [Nachr. 1904, 379] konnte ich das nur 
vermuthen ; mittlerweile habe ich durch die Vermittlung des preussischen histo- 
rischen Instituts und die nicht genug zu rfihmende Zuvorkommenheit des Biblio- 
thekars der veroneser Capitelbibliothek, Don A. Spagnolo, Photographien des 
cod. Veron. 60 erhalten, die meine Vermuthung zur Gewissheit erhoben; dass 
dieser Paschalcydus zugleich auch eine Liste genuin jüdischer Paschadaten ent- 
hält, konnte weder ich noch irgend jemand ahnen. Ich setze zunächst die Ur- 
kunde her, das beigegebene Facsimile erspart mir die lästige xmd schliesslich 
doch unmögliche Aufgabe die Anordnung des Cyclus, die in der Handschrift in 
Verwirrung gerathen ist, durch Beschreibung Uar zu machen: 

De pascha a/utem seribsirntts acbis XXX annoSy qtwniam XXX annos fecü do- 
minus noster in came super terram, pascha autem facta est XXX anno XXV die 
Martii mensis. conpu^taiur auiem primus primus [so] annus iriginta annorum scrip^ 
torum in conip(uytationibus in guibus faciunt ludet phascha [so] a prima indictume 
que facta est sub Constantino [328], quo tempore conueni(f) magna synodus in ctui- 
tate Nicaeaj cum diu quaererent episcopi de phascha ut computeiur. prima indictio 
ßndici RbJ a prkno anno conputationis^ et prima indictio inputata post quintam 
decimam est XVI anno positus in conputatione annorum pasche, a primo [mnss heissea 
ab undedmo, im Original waren ^4 und lA verwechselt] anno conputatur numerus 
iste usque ad XXX annum qui est primus mensis Aprüis. possiti [so] a/utem sunt 
distinetiones numeri ludeorum nobis sie: 

Quibus supputaHonibus faciunt ludei pascha 
[328] lan(nus) XI Mar. [336] Villi an. 

[329] n an. XXX Mar. [337] X an. 

[330] III an. XVIIII Mar. [338] XI an. 

[331] IUI an. [X]VIII Mar. [339] XII an. 

[332] Van. XXVII [XXIIIBa.] Mar. [340] XIII an. 
[333] VI an. XVI Mar. [341] XIIII an. 

[334] VII an. V Mar. [342] XV an. 

[33B] Vlllan. XXIIII Mar. [343] XVI an. 

et reliqui XIIII anni 



XIII [XVIEb.] Mar. 
II Mar. 
XXI Mar. 
X Mar. 

XXV{IIII) Mar. 
XVin[I] Mar. 
V{U) Mar. 
[X]XXVI Mar. 



Digitized by 



Google 



CHBtSTUCBB 0ND JÜDISCHS 08TBBTAFKLN 



Quo nuimero fadmus nos Christiani 



;828.368] Ion. 
329. 869] II an. 
830.860] Ulan. 
831. 361] IUI an. 
382.362] Van. 
883. 863] VI an. 
834.364] ril an. 
835. 865] rill an. 
836. 866] Villi an. 
[837. 367] X an. 
338] XI an. 
339] XII an. 
340] XIII an. 
841] XIIIl an. 
842] XV an. 



X Ap. 

XXX Mar. [Ap. Hs.] 
XVI{H) Ap. [Mar. Hb.] 
Fr<2> Ap. 
<Z>XF7<7> Mar. 
XV Ap. 
IUI Ap. 
XXIIII Mar. 
XI(J) Ap. 
<J> Ap. 

XXI Mar. [Ap. Hs.] 
Villi Ap. [Mar. Hs.] 
XXVIIIIMar. \_Ap. Hs.] 
Xr/</> Ap. [Mar. Hs.] 



[343] XVI an. 
[844] XVII an. 
[346] Xr/7/ an. 
[346] Xr/IJI an. 
[347] XX an. 
[348] XXf an. 
[349] XXII an. 
[360] XXJII an. 
[351] (X)XIIII an. 
[362] <X>XF on. 
[353] XXFI an. 
[354] XXVII an. 
[355] XXVUI an. 
[366] XX Villi an. 
[357] XXX an. 



123 



<X>XFI Ifar. [Ap. Hs.] 
XIIZI ^p. [Jfar. Hb.] 
[X-\III Ap. 

XXIII Mar. [Ap. Hs.] 
XI Ap. IMar. Hs.] 
XXX(I) Mar. [J.j». Hg.] 
XVIIII Ap. [Mar. Hs.] 
FIZJ Ap. 

XXVIII Mar. [Ap. Hs.] 
XF7[/] Ap. [Mar. Hs.] 
F. Ap. 

XXV Mar. [Ap. Hs.] 
XIII Ap. [Mar. Hs.] 
I/4p. 
XXII Mar. [Ap. Hs.] 



FI^p. 

Die Corraptelen der Tabelle sind zwar sehr zahlreich, aber darchweg leicht 
und mit Evidenz za verbessern; meist sind Einerstriche falsch zugesetzt oder 
ausgelassen, ab and zu ist Y mit II verwechselt ; in der christlichen Ostertabelle, 
in der März nnd April wechseln, sind die Monatsnamen sehr oft verstellt. Im 
griechischen Original standen statt der lateinischen natürlich die makedonisch- 
antiochenischen Monate, die den römischen genau entsprechen; der üebersetzer 
bat Martius und Aprilis eingeführt, aber die Umrechnung in die römische Batir- 
weise wohlweislich unterlassen. 

Die Tabelle giebt nur die XlVlunae an, nicht die Ostersonntage; vielleicht 
standen diese, wie bei Hippolyt, in einer besonderen Liste die verloren ist nnd 
sieb auch nicht reconstrniren lasst, da in dem Erhaltenen keine Regeln Aber 
das Mondalter des Ostersonntags gegeben werden. Dagegen ist neu dass für die 
ersten 16 Jahre die Faschadaten der Juden mitgeteilt sind ; sie sind das Funda- 
ment der Rechnung. Die Tabelle lehrt auf den ersten Blick, dass die jüdischen 
Daten stets den Vollmond des März (Dystros) treffen sollen; sobald ein Voll- 
mond über den 1. März zurückgeht, wird geschaltet; dagegen findet sich kein 
einziges Aprildatum. Danach sind die christlichen Daten in der Weise berechnet, 
dass die jüdischen beibehalten werden, wenn sie nicht vor den 21. März fallen; 
sobald dies eintritt, schieben die Christen ihre XIV lunae um 80 Tage vor. Sie 
beobachten also die alte Observanz Ostern nach' dem 14. Nisan der Juden zu 
bestimmen gerade so weit wie es die Beschlüsse der ConcUe von Nicaea und 
Antiochien zuliessen, und richten sich zu gleicher Zeit nach der Synagoge und 
der alexandrinischen Aequinoctialgrenze des 21. März. Antiochien war, wie oben 
[S. 119] gezeigt wurde, das Centrum der Provinzen in denen sich die ältere Obser- 
vanz bis ins 4. Jahrhundert hinein erhalten hatte, der Bischof von Antiochien 
unterzeichnet an erster Stelle das Schreiben der orientalischen Synode von 



Digitized by 



Google 



124 V. 80HWABTZ 

Sardica : es kann keinem Zweifel nnterliegen dass sowohl die christlichen als auch 
die jüdischen Daten spedell anf Antiochien za beziehen sind. 

Als 1. Jahr des Cyclns wird in den einleitenden Bemerkungen die 1. In- 
diction unter Constantin angegeben; das ist das Jahr 328, da im Orient die 
Herrschaft Constantins erst von 323 an gerechnet sein kann. Zn diesem Jahr 
passen aach allein die aJexandrinischen nnd astronomischen Vollmonde [s. o. S. 13. 
24nndn.S. 126]. Nur für 16 Jakre, also für 328— 343, sind die jüdischen Termine 
notirt, die Schlnssbemerkong wird griechisch etwa gelautet haben: Isixei oder 
Xoixä t8 hri. Der Gnmd ist leicht ersichtlich: man wasste nur die Tage der 
schon abgelaufenen Paschafeiem und derjenigen die für das Jahr 343 schon an- 
gesagt war ; die Synode von Sardica fand im Herbst 342 statt und das jüdische 
Neujahr fällt in den Herbst. Diese Vermuthung zieht weitere nach sich. EULtten 
die Juden damals einen festen Kalender, einen regelmässig Sopue und Mond aus- 
gleichenden Cydus gehabt, so ist nicht abzusehen warum die jüdischen Ansätze 
nicht für aUe dreissig Jahre hätten mitgeteilt werden sollen. Da das nicht 
geschieht, sie vielmehr grade mit dem Jahr aufhören, vor dem die Tafel fest- 
gesetzt ist, bleibt nichts anderes übrig als zu schliessen dass die Juden damals 
keinen eigentlichen Kalender hatten, sondern sich in Antiochien damit begnügten 
den Dystros des bürgerlichen Kalenders mit dem ersten Monat des A. T. zu 
identifidren und nach dem jedesmaligen Vollmond dieses Monats ihr Pascha und die 
Mazzot anzusagen; die übrigen Feste waren dadurch mitbestimmt. Sie müssen 
dabei so verfahren sein, dass sie einen Vollmond empirisch bestimmen Uessen 
und nun jedes Jahr 11 Tage zurückrechneten, bis eine Schaltung von 30 Tagen 
nöthig wurde; bei der Zählung kümmerten sie sich um die julianischen Schalt- 
tage nicht, setzten also jedes 4. Mondjahr zu 356 oder 385 Tagen an. Sobald 
die Differenz zwischen dem berechneten und dem wirklichen Vollmond des Pascha 
zu gross wurde, wurde der Vollmond neu bestimmt, und das Spiel fieng von 
vorne an. 

Den christlichen Antiochenern genügte das auf die Dauer nicht; sie wollten 
ihr Osterfest im Voraus bestimmen, wie es die Alexandriner machten, und vollends 
nicht zurückbleiben, nachdem Athanasius mit den Occidentalen 60 Ostertermine 
verabredet hatte. Es gehörte nicht viel Mühe und Scharfsinn dazu um zu sehn 
dass wenn man es wie die antiochenischen Juden machte, jedes Jahr um 11 
Tage zurückgieng, 30 Tage einschaltete, sobald die Ostergrenze erreicht war^ 
und die julianischen Schalttage ignorirte, man eine Reihe von Vollmondsterminen 
erhielt, die nach 30 Jahren in sich selbst zurücklief. Durch Vergleich mit der 
Dauer 'des Erdenlebens Jesu' Hess sich diese Periode sehr schon symbolisiren^ 
und da kein saüus lunae störte, so machte die Berechnung keine Schwierigkeiten«. 
Nur wusste man aus der Erfahrung die man in der früheren Zeit, als man noch 
in Bechengemeioschaft mit den Juden stand, gemacht hatte, dass man bei der 
Wiederholxmg dieser Periode sehr bald mit dem Mond auseinander kam ; anderer- 
seits musste man die Tafel zum Teil wenigstens in die Vergangenheit schieben, 
um den Vergleich mit den jüdischen Ansätzen zu ermöglichen. Man nahm also 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE ÜKD JÜDISCHE OSTEBTAFELN 125 

zunächst eine abgelaufene Indiction [328 — 342], wie es durch den Zufall geboten 
wurde, dass das laufende Jahr eine Indiction schloss, und berechnete die nächste. 
Pur den praktischen Grebrauch empfahl man aber die Tafel vom 11. Jahr ab zu 
zahlen und das 10. als letztes zu nehmen ; damit wurde der Ablauf der Tabelle 
von 367 auf 367 hinausgeschoben. Anders vermag ich wenigstens die Bemerkung 
nicht zu verstehen, dass das Jahr in. welchem die XIV lunae auf den 1. April 
fällt, das 30. sein soll, während es nach der Tabelle das 10. ist und sein muss. 
An dem ausgeschriebenen Datum zu ändern ist misslich ; dagegen ist die Con- 
jectur leicht, dass das praktische Ausgangsjahr schon in dem griechischen Exemplar 
das dem Uebersetzer vorlag, falsch mit A statt mit lA beziffert war. Weiss 
jemand eine plausiblere Aenderung vorzuschlagen oder den lateinischen Gali- 
mathias ohne jede Aenderung zu erklären, so soll mirs recht sein, wenn ich der 
Pflicht des editor princeps anderen etwas übrig zu lassen, nachgekommen bin; 
viel kommt auf diese Nebenfrage nicht an, da die Hauptsachen feststehen. Wie 
lange diese Ostertafel in praktischem Gebrauch gewesen ist, wissen wir nicht; 
387 ist sie jedenfalls spurlos verschwunden. Sie war auf eine viel zu primitive 
Manier aufgestellt, zu unselbständig und inconsequent um die Concurrenz des 
alexandrinischen Cydus auszuhalten : es ist als ob sich in dieser jämmerlichen 
Leistung das vergebliche Bemühen des antiochenischen Patriarchats abspiegelte 
neben den Päbsten von Rom und Alexandrien eine £olle in den Machtkämpfen 
des 4. Jahrhunderts zu spielen. Dagegen mag die nur schwach verdeckte Ab- 
hängigkeit von der Synagoge mit dazu beigetragen haben dass die alte Obser- 
vanz Ostern durchweg am Sonntag nach dem jüdischen Pascha zu feiern, sich 
in der orientalischen Dioecese fast zwei Menschenalter halten konnte, nachdem 
sie von Kirche und Kaiser verurteilt war. 



vm 

Die jüdisöhe Paflöharechniing und das Martyrium Polykarps 

Wie die Ostertafel des orientalischen Concils von Sardica lehrt, haben die 
Juden in Antiochien im 4. Jahrhundert nicht nach dem sogenannten reformirten 
E[al6nder, sondern nach dem julianischen gerechnet. Eine Tabelle welche die in 
jener Ostertafel fiberlieferten jüdischen Daten, die astronomischen Vollmonde 
(in mittlerer Zioit von Oreenwich) xmd die dem 15. Nisan des reformirten j8di« 
sehen Kalenders entsprechenden Tage für die Jahre 328—843 zusammenstellt» 
veranschaulicht am besten die Resultate die aus dem neugefundenen Docoment 
sich ergeben haben: 



Digitized by 



Google 



126 



K. 8CHWA.BTZ 



1^ 


Pascha der 
Juden in 
Antiochien 


16. Nisan des 

refonnirten 

jad. Kalenders 


Astrononüscher Vollmond 


328 


11. März 


11. Aprü 


12. März 2^ 24- Mittags 


329 


30. März 


1. April 


31. März 1^ 26.4- Mittags 


330 


19. März 


21. März 


21. März 4^ 83.6- Morgens 


331 


8. MSrz 


8. April 


10. März 10* 4.8- Abends 


332 


27. MSrz 


28. März 


28. März 9* 7.2- Abends 


383 


16. März 


17. Aprü 


18. März 5* 16.8- Morgens 


834 


6. März 


7. April 


7. März 6>> 57.6 - Morgens 


336 


24 März 


26. März 


25/6. März 12* Nachts 


336 


13. März 


13. April 


14. März 2* 52.8- Nachts 


337 


2. März 


3. April 


3. März 12» 57.6- Nachts 


338 


21. März 


23. März 


22. März 12» 57.6- Mittags 


339 


10. März 


10. April 


12. März 5» 31.2- Morgens 


340 


29. März 


29. März 


30. März 6" Morgens 


341 


18. März 


19. März 


19. März 7»' 26.4- Abends 


342 


7. März 


9. April 


9. März 1» 40.8- Nachts 


343 


26. März 


27. März 


27. März 7" 12- Abends 



Das gleiche Princip regnlirte die Pascharechnnng auch in den übrigen Pro- 
vinzen, wo irgend Juden ansässig waren. Man setzte einen bestimmten Zeitraum 
des julianischen Kalenders gleich dem Paschamonat und rechnete nach dem Voll- 
mond der in diesen Monat fiel; die bei der Mondrechnung nothige Schaltung 
wurde auf diese Weise vom bürgerlichen Kalender mitbesorgt. Aber wenn auch 
das Princip der Rechnung das gleiche war, so konnte es doch sehr verschieden 
angewandt werden, da der julianische Kalender im Osten mannigfaltige Formen 
angenommen hatte, und das ist wirklich geschehen: die Judenschaften legten 
keinen Wert darauf das Pascha überall am gleichen Tag zu feiern. In Antiochien 
war der dem römischen März genau entsprechende Dystros der Paschamonat, 
weU in ihn das Aequinoctium fiel ; dass er aramaeisch nicht Nisan, sondern Adar 
hiess, scheint den dortigen Juden gleichgiltig gewesen zu sein. In Alexandrien 
wurde der Zeitraum so gewählt, dass die Gemeinjahre den Vollmond im Pha- 
menoth, die Schaltjahre ihn im Pharmuthi hatten. So stellt wenigstens der 
Oegner des Petrus von Alexandrien die jüdische Ordnung dar, die zu seiner Zeit 
galt und die nach ihm auch für die Christen verbindlich sein soll [Chron. Pasch« 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHX ÜKD JÜDISCHE 08TEBTAFELN 127 

f. 7]: ai yäQ vvv xgibtov ixiti^Qaihnsg xbv öslriviaubv dQ6fiov &yav6iv oAtb i| 
ipiy%fig dlg [ihv %(bi 0afkav<o^j &xc^ d\ xatä xquxIov t&i 9aQiiovd'i. Danach darf 
man vermuthen dass die aegyptischen Juden 19 Tage ihres Paschamonats in den 
Phamenoth, 11 in den Pharmathi fallen liessen, ähnlich wie der älteste 84 jährige 
Cydiis der Römer 11 Tage vor nnd 19 Tage nach dem Aeqninoctinm des 26. 
März ansetzte [s. o. S. 39]. Das früheste Datmn des 16. Nisan ist danach der 
12. Phamenoth [8. März]. Ob es ein Zufall ist, dass der Anfangstag im Cydos 
des Anatolins, der 26. Phamenoth [22. März], genau in die Mitte dieses Zeit- 
raums fällt, will ich dahingestellt sein lassen. Das wichtigste ist dass auch für 
die alexandrinischen Juden im Grunde der bürgerliche Kalender das Fundament 
der Rechnung hergiebt und dass sie in Folge dessen ihr Pascha anders bestimmen 
als die antiochenischen ; die DifiPerenz ist empfindlicher als die Abweichungen der 
christlichen Ostertafeln, weil hier die Verlegung auf den Sonntag bis zu einem 
gewissen Grade die Unterschiede der Mondberechnung ausgleicht. 

Wiederum anders, obgleich ebenfalls im engsten Ansehluss an den juliani- 
schen Kalender, rechneten die kleinasiatischen Juden. Für ihre Observanz liegt nur 
ein Zeugniss vor, aus dem zweiten Jahrhundert ; da die dortigen Christen damals 
noch Quartodecimaner waren, trifft es das christliche Pascha mit. Dies Zeugniss 
ist nichts anderes als die Datierung des Martyriums des Polykarp. Denn in dem 
Briefe in welchem die Smymaeer das ^erreiche Ende ihres Bischofs der Q^ 
meinde von Philomelion berichten, wird ausdrücklich erzählt dass Polykarp an 
einem Freitag verhaftet und am 'grossen Sabbat' verbrannt sei^). Der christ- 
liche Sprachgebrauch, der den Samstag vor Ostersonntag den grossen Sabbat 
nennt, kommt für die Erklärung des Ausdrucks nicht in Frage: denn er passt 
nur auf die Osterfeier am Sonntag, und wenn etwas feststeht, so ist es das dass 
die smymaeischen Christen zur Zeit Polykarps Quartodecimaner waren [Irenaeus 
bei Eus. KG 6, 24^^. Bei den Juden wird noch jetzt der Sabbat vor dem Pascha 
so genannt; der Sprachgebrauch ist fireilich vor dem Mittelalter nicht nachzu- 
weisen [Lightfoot, apostoL fathers 11 1 p. 690]. Aber das vierte Evangelium, 
das, weil von einem Juden geschrieben, über jüdische Dinge ausgezeichnet unter- 
richtet ist, nennt den Sabbat der unmittelbar auf die Paschanacht folgt, den 
'grossen' [19, 81]. So viel dürfte also feststehen, dass diese Bezeichnung mit 
dem Pascha zusammenhängt und ein solcher Sabbat dicht vor oder nach einem 
Vollmond liegen muss ; denn nach dem Monde und zwar nach dem wirklich sicht- 
baren haben sich die Juden immer mit der Pascbafeier gerichtet, er war ihnen 
sehr viel wichtiger als die Sonne. 

Di e Datierun g des Martyrinjfis lautet ip der. besten und in diesem Fall allein 
massgebenden moskauer Handschrift: 

fu^ytvQst 81 6 luatifiog üoliixaQXog fiijvö^ Sttvd'ixoi^ [richtiger Savd^xodj die 
echtmakedonische Form] divrigoi tötaiiivov xgb ixtä Kakavd(bv Mofftimv 6aßßd%m^ 

1) Martyr. 7, 1 ci]i «a^o^MtHJ» «c^l iiCnvov S^v iifjl^v diwyy^xui %al Uatnii . . . «al 



Digitized by 



Google 



128 £. 80HWABTZ 

Xucvov iv^vxccTsiiovtog Dtaxtov Koigitov, ßaöils'öovtog di sig toi>g cUSvag toO 
xvifiav ii(Ubv ^Irfiov XQtöxov, folgt die Doxologie. 

Die Nenordnong des asiatischen Kalenders steht jetzt fest durch das in 
mehreren Exemplaren erhaltene Decret das die asiatischen Griechenstädte zur 
Zeit des Aogostos anf die AufPordernng des Froconsnls Panllns Fabins Mazimus 
erlassen haben. Bas Neujahr soll der Geburtstag des Augustus [28. September] 
sein , die Monate erhalten den römischen entsprechend 31 oder 30 Tage, nur der 
Dystros [24. Januar bis 20. Febr.] 28. Die entscheidenden Stellen des Deorets 
lauten [Dittenberger, SylL inscript. orientis 468]: 

&ys6d'(u xhv XQatov^iiifva KtU^aQa • . , &q%6^bvqv itxh xgh iwia fikv KaXavddiv 
^OxtmßglioVy ysvsd'liov 8i i^ft^pa^ KcUöagog .... äxdi^öopttu oC iiifvsg xatä tdös' 
KatöoQ iiiUQAv Xa' 'AxsXkatog iifUQdhf k ' Aidvatog iuisgav Xa * IleQitwg ^fiap<dv Xa* 
A'AfSxQog xti* IScnfdixbg la' *Jift€(ii6ihv iifLBQdiv X' Jaieiog Xa' üavtjfiog X'Jäog 
Xa' FoQXiatog Xa' TiceQßsQStatog X' öfiot> i^idQai t^s. if^ hog di diä ti^v ivtsg^ 

xaXdgiov 6 Savdixbg &x^66tai iuugdiv Xß i^di ivßöXifiog fu/^dga l6tai xAih- 

tats x(bv IvtBQxaXoQimv KaXavdäv toO fiai/'ixoi) fitivög. 

Nach üseners Nachweis [BulL delL Inst. 1874, 73 ff.] werden, um die Afiok- 
wärtszählung von der XQiaxdg ab zu ermöglichen, die Anfugstage der 31tägigea 
Monate Sißa^xi^ genannt und erst dann die Zählung mit a ~ß usw. begonnen ; im 
Dystros zählte man vom 21. ab dsxdvri iiiövxog, iß86(ifi i^iivxog usw., um audi 
hier bei der Zahl 30 am Schluss anzukommen. 

Danach ordnen sich im G^meinjahr die Gleichungen der ersten Tage des 
Xandikos so: 

Zsßa^ii = Villi Kai. Mart. = 21. Febr. 
a = Vlll Kai. MaH. = 22. Febr. 
ß = Vll Kai. Mart. = 88. Febr. 
Y = VI Kai. Mart. = 24. Febr. 
8 = r Kai. Mart. = 2B. Febr. 
Im julianischen Schaltjahr müssen sie sich verschieben. Denn dann erhält 
der Xandikos nach dem Decret Kalendae intercalareSf d. h. es wird zwisch^i 
JSeßaexii und xgdnti ein Tag eingeschoben. Griechisch hiess der Tag ß Ikßaöxifj 
nach einer Inschrift von EphesiLs aus dem Jahre 104 [Greek ins er. in the Brit. 
Mus. in 2 p. 133]: xgb ij KaXavdmv Maffximv . . fLtivbg ^Av^B6xriQi(bvog [der ephesi- 
schen Bezeichnung des Xandikos] ß £6ßa6x^t: die Inschrift lehrt zugleich, was 
freilich sich so gut wie von selbst verstand, dass die Schaltjahre des julianischen 
Kalenders in Rom und Asien gleich laufen. Im Sdialtjahr also entsprechen sich : 
_ SBßaöxi = Villi Kai. Mart. = 21. Febr. 
ß Zsßaöxi = Vlll Kai. MaH. = 88. Febr. 
a = Vll Kai. Mart. = 23. Febr. 
ß = VI Kai. Mart. = 84. Febr. 
y = bis VI Kai Mart. = 25. Febr. 
* = V Kai. Mart. = 26. Febr. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEßTAFEIJf 129 

Nun ist das^Datmu^es Martyriums zwar richtig und echt^ aber es ist doch 
nichts anderes als das Datum des Festtages mit dem die smyrnaeische Cre- 
meinde jahrlich das Andenken ihres Märtyrerbischofs feierte. Dies mnss nm so 
mehr angenommen werden als die ganze Datirnng nicht zom ursprünglichen 
Brief der Smymaeer gehört, der jchoncp^. 20^2 deutlich m it der Do xologiejjb- 
schliesst^ sondern in einer der Abschriften des Briefes, nach denen Pionius ihn 
herausgab ^), hinzugekommen ist, freilich in früher Zeit : denn der Statthalter 
Statins Quadratus entstammt actueller Kenntniss. Es konnte den Asiaten einerlei 
sein welchem römischen Datum der 2. Xandikos im Schaltjahr entsprach; und 
was sollten sie vollends machen, wenn der wahre Todestag die ß Usßccötij ge- 
wesen war, ein Tag der nur alle 4 Jahre vorkam? So folgt aus der Grleichung 
2. Xandikos = VII Kai. Mart. nicht, dass das Jahr in dem Polykarp starb, 
wirklich ein Gremeinjahr war, und es muss ausserdem noch die Möglichkeit er- 
wogen werden dass wegen der jährlichen G-edenkfeier die ß Sccväixoi) an Stelle 
der ß Zsßaötii Sccvdiocov getreten ist. Man durfte also nicht behaupten dass 
Polykarp nur in einem Jahr hingerichtet sein könne, iiji, jieai. der 23. Februar 
auf einen Samstag fällt; man muss aacH den 24. und den. 22« Februar berück- 
sichtigen. Um alle Möglichkeiten vorzuführen, habe ich einen Sonnencyclus von 
28 Jahren, nach dessen Ablauf die Daten zu demselben Wochentag zurücklaufen, 
für den Zeitraum von 140 — 167 entworfen; dass Polykarp nicht vor und nicht 
nach diesem Zeitraum gestorben sein kann, darüber sind alle einig: 

(TabeUe S. 130) 

Welche s der sechs möglichen Jahre das richtige ist, wird durch die Mond- / 
rechnung aatsclueden : es muss dasjenige sein, in dem ein Vollmond in die Nähe 
des 22—24. Februar fallt, weil der Samstiig ein 'grosser Sabbat' war. Schon 
die antiken Abschreiber begriffen nicht, wie ein Paschasabbat auf VII Kai. Mart. 
fallen könne und änderten daher Mcc(fti<ov in MaCmv od^r ^ATcgikklmv. Jetzt 
ändert man nicht mehr, sondern verzichtet entweder darauf den Ausdruck zu 
erklären oder bringt ihn mit dem Purimf est zusammen; Turner [Stud. bibL 
2, 105] hat daraufhin gewagt das VoUmondsdatum in die Rechnung einzuführen 
und so auf einem falschen Wege das richtige Datum gefunden: er ist auch der 
einzige der bis jetzt richtig mit dem asiatischen Kalender hantiert hat. Nach- 
dem durch die Ostertafel des orientalischen Concils von Sardica herausgekommen 
ist wie die Juden vor ihrer Kalenderreform das Pascha bestimmten, lässt sich 
nicht mehr zweifeln dass der 'grosse Sabbat' wirklich den Paschasabbat be- 
deutet. Die kleinasiatischen Juden sahen in dem Xandikos des asiatischen Ela- 
lenders [21. Febr. bis 23. März] den Nisan, an dessen Vollmond das Pascha zu 
feiern war. Sie konnten das um so eher als im antiochenischen und edessenischen 
Kalender Nisan der syrische Name des griechischen ^v^ix6q ist; ferner ent- 
spricht der asiatische Xandikos dem Dystros der Antiochener, nach dem dort 
das Pascha bestimmt wurde. Und das julianische Datum des Eintritts der Sonne 



1) Vgl. De Pionio et Polycarpo, Gott. Progr. von 1905. 

Abhandlungen d. K. Ges. d. Wim. tn GAttin^en Phil.-liitt. Kl. N. F. Band 8.». 17 



Digitized by 



Google 



lao 



K. 8CHWABT! 





22.Febr. 


Ferie des 
2S.Febr. 


24. Febr. 


140 


1 


2 


3 


141 


3 


4 


5 


142 


4 


6 


6 


143 


6 


6 


7 


144 


6 


7 


1 


146 


1 


2 


3 


146 


2 


3 


4 


147 


3 


4 


6 


148 


4 


6 


6 


149 


6 


7 


1 


160 


7 


1 


2 


151 


1 


2 


3 


162 


2 


3 


4 


163 


4 


6 


6 



^ Ja 




Ferie dei 




p 


22.Febr. 


28.Febr. 


24.Febr. 


164 


6 


6 


7 


155 


6 


7 


1 


156 


7 


1 


2 


157 


2 


3 


4 


158 


3 


4 


6 


169 


4 


5 


6 


160 


6 


6 


7 


161 


7 


1 


2 


162 


1 


2 


3 


163 


2 


3 


4 


164 


3 


4 


6 


166 


6 


6 


7 


166 


6 


7 


1 


167 


7 


1 


2 



in den Widder, der 19. März, fällt in diesen Monat hinein, wenn auch nicht das 
des Aeqninoctinms, der 25. Wie dem aber auch sei, das Martyriom Polykarps 
beweist dass regebnässig am den VoUmond hernm, der in den Xandikos, zwischen 
den 21. Febroar nnd den 23. März fiel, die Jnden ihr Pascha assen nnd das 
Osterfasten von den qnartodecimanischen Christen gebrochen wurde. Dieser 
Vollmond fiel in den ans der Tabelle herausgehobenen Jahren auf folgende Tage, 
nach mittlerer Zeit von Greenwich: 

144 : 7. März 9\ B0.4« Morgens 
149 : 12. März 12»» 14.4» Nachts 
1B5 : 6. März 10^ 19.2» Abends 
156:84. Februar 3* 60.4» Morgens 
160 : 10. März 1* 26.4» Nachts 
166 : 4. März 4^ 48» Nachmittags 

Das Resultat ergiebt sich mit Sicherheit : Pol yk^ro ist ^am 82. Februar 166 
^ Ag4jyi»|y a|Ty A fiiV ß Zsßaaxii Savdixav, grade am SchalttagTdieser neckische Zufall 
hat die Rechnung fort und fort irre geleitet. 

Man hat bis jetzt seit Wadc^^'ngtons glänzender Arbeit, den Fastes des pro- 
vinces Asiatiques, das Todesdatum Polykarps dadurch zu gewinnen yersucht, 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTBBTAFBLN 131 

dass man den Froconsnlat des L. Statins Qnadratns, des Consnls von 142, nach 
der Chronologie der heiligen Geschichten des Aristides bestimmte. Waddingtons 
Eechnung lief anf das Jahr 156 hinaus; damit war das Datum des 23. Februar 
gegeben. Bei diesem Resultat, das in der That vom Richtigen nicht weit ab- 
liegt, beruhigte man sich, bis Scbmid es einfiel die Chronologie des Aristides 
umzustürzen: er fand unverdienten Beifall. Seine Kartenhäuser sind wiederum 
von Corssen [Zeitschr. f. neutest. Wiss. 3, 61 ff.] umgeblasen, der sich bemüht 
hat die Waddingtonsche Datierung mit neuen Argumenten zu stutzen. Jetzt wo 
das Martyrium Folykarps und damit der Proconsulat des Statins unabhängig 
von Aristides bestimmt sind, lohnt es sich den umgekehrten Weg einzuschlagen 
und von diesem festen Punkt aus die Chronologie der ^heiligen Geschichten' auf- 
zurollen: war das Resultat wirklich richtig, so muss es sich wirksam bewähren. 
Ajristides will m den ^heiligen Geschichten', diesem seltsamen Gemisch von 
blödem Aberglauben, naiver Eitelkeit und hysterischer Sorge um den eigenen 
lieben Leib, die Grossthaten erzählen, welche Asklepios, daneben auch Sarapis und 
Athena, an ihm vollbracht haben. Die Geschichten nehmen sich die längst üblichen 
Friesteraufzeichnnngen der Asklepiosheiligtümer zum Vorbild, von denen grosse 
Bruchstücke im Hieron zu Epidauros zum Vorschein gekommen sind ; das Wesent- 
liche ist die Geschichte, nicht ihre Zeit. Ajristides 'verschönert' die alte Form 
mit aller Kosmetik der classicistischen Rhetorik und hat es namentlich in den 
späteren Büchern für ein Stilgebot gehalten nicht der Reihe nach zu erzählen, 
sondern die einzelnen Offenbarungen und Gnadenbeweise des Gottes in bunter 
Unordnung durcheinander zu wirbeln. Als er anfieng zu schreiben, im Jahr 
des Quadratus, teilte er noch ein Tagebuch aus der Gegenwart mit, mit Ein- 
Schüben freilich, griff aber im Verlauf der Erzählung auf älteres zurück. Die 
Fortsetzxmg begann er erst 20 Jahre später, als Salvius Consnl war [175; vgl. 
48,9], mit dem 2. Buch ; das 3.-6., von denen das letzte bis auf den Anfang 
verloren ist, schliessen an dieses an und sind wahrscheinlich in einem Zuge ge- 
schrieben. Trotz aller Buntheit, obgleich er sich um die Zeitfolge nicht kümmert 
und in den Schatz seiner Erinnerungen beliebig hineingreift, bedarf er doch 
einiger fester Funkte, an denen er und der Leser sich orientiren können. Diese 
werden ihm gegeben durch den Anfang und das Ende seiner 10jährigen Krank- 
heit, die in dieser Abgrenzung erst vom 2. Buch an erscheint ; was er in früherer 
Zeit, im 1. Buch, von der Heilung eines Geschwürs erzählt hatte, gehört wohl 
in diese Krankheit hinein, darf aber nicht mit ihr identificirt werden. Die zehn- 
jährige Krankheit begann nach seinen Aussagen [50, 2. 48, 60] unmittelbar vor 
seiner Reise nach Rom; sie hörte auf unter dem Proconsulat des Severus [60,12], 
der Quadratus Vorgänger war [50,71.63 vgl. auch 47,22]. Sie ist offenbar 
identisch mit den '10 Jahren die ihm Asklepios gab' nach dem Traum den er 
48, 18 erzählt. In diesem Traum wurden ihm zugleich '3 Jahre von Sarapis' 
iUDgekündigt und die Finger des Gottes schienen dabei 17 statt 13 zu zählen: 
was das bedeuten soll, hat Aristides nicht aufgeklärt, obgleich er behauptet 
dass alles in Erfüllung gegangen seL Man thut daher gut von einer 'zweiten* 

17* 



Digitized by 



Google 



13B E. SCHWARTZ 

Krankheit nicht zu bestimmt zu reden; nnr das steht fest dass er die Pest be- 
kam, als jener Tranm sich vollständig erfüllt hatte [48, 37. 46]. Die Statthalter 
der senatorischen Provinzen waren durch ein Decret des Claudias [Dio 60, 17*] ge- 
halten sich vor Mitte April, d. h. sobald die Schiffahrt offen war, in ihre Provinzen 
zu begeben, kamen also durchschnittlich in Asien im Mai an. Durch das Mar- 
l^nrium Polykarps ist der Proconsulat des Quadratus auf Mai 156 bis Mai 156 
festgelegt ; der des Severus fallt also Mai 154 bis Mai 155. Nach diesen Orientiren- 
den Vorbemerkongen lege ich meine weiteren Schlüsse in tabellarischer Form vor. 

145. Im Winter, doch gegen sein Ende hin, weilte Aristid^ in den warmen 
BSdern am Aesepos und holte sich seine Krankheit bei einem heftigen Regen- 
schauer, als er am Abend von den Bädern auf sein Gxit zurückkehrte. Er gab 
auf die Erkältung nicht Acht und reiste wenige Tage danach nach Italien ab 
[50, 2], offenbar in der Erwartung dass er bei dem nahen Frühjahr ohne be- 
sondere Beschwerde Thrakien und Makedonien würde passiren können. Diese 
Erwartung täuschte ihn; er kam unterwegs in einen bösen Nachwinter hinein 
[48, 60 ff.] und langte in übler körperlicher Verfassung in Rom an. Dort ver- 
brachte er den Sommer; er erlebte die liMli ApolUnares [50,31] am 13. JulL 
Natürlich hat er Kaiser Pius und den Kronprinzen Marens damals gesehen; 
jener war 58, dieser 24 Jahre alt. Dieser Eindruck blieb ihm; und noch im 
Jahr 156 erschien ihm Kaiser Pius, wenn er ihn im Traum sah, als ein Mann 
auf der Höhe des Lebens, und Marcus sehr jung [47, 36. 47]. Orade weil ein 
solches Aeussere der Wirklichkeit nicht mehr entsprechen konnte, beschreibt 
Aristides so genau wie sie im Traum ausgesehen haben. Im Herbst kehrte er 
zurück; noch vor dem Aequinoctium passirte er den korinthischen Meerbusen 
[48, 67]. Der Winter brach an, als er nach mancherlei FährHchkeiten in Smyma 
eintraf [48, 68]. Er benutzte die warmen Bäder in der Nahe der Stadt [48, 7]. 

146. Im Frühjahr, ein Jahr und etwa zwei Monate nach dem ersten Aus- 
bruch seiner Krankheit, wurde Aristides auf den Lehrstuhl der Rhetorik nach 
Pergamon berufen [48,7. 70. 60,14]. Er muss noch vor dem Mai des Jahres 
dort gewesen sein ; denn er traf mit dem Proconsul lulianus zusammen [50, 107]. 
Durch eine Inschrift ^) steht fest dass dessen Proconsulat z. Th. mit dem 8. Jahr 
des Pius [10. Dec. 144 — 9. Dec. 145] zusammenfällt; aus der Erwähnung bei 
Aristides folgt dass er von Mai 145— Mai 146 läuft. Denn wenn es auch an 
und für sich möglich wäre ihn ein Jahr früher, 144/5, zu legen, so wird dies 
dadurch unmöglich dass Aristides im Frühjahr 145 nicht in Pergamon, sondern 

1) Dittenberger syll. inscr. Gr. 405*. Sie enthält einen Brief des Kaisers Pins an die Ge- 
meinde von Ephesos; der Name des Statthalters steht am Schloss: tä yodft^Mjntt fn^ijfev [Kl. 
*Iov]luevbs 6 %Qdriatog &v^j[itatog' s4ftvx8i:t]8. Er kehrt wieder auf einer smyrnaeiichen Mttnse 
mit dem Bild des Marcus und der Faustina, die 145 Hochzeit hielten [v. Rohden, Pauly-Wissowa 
Beal-Enc. 1,2286], und der Umschrift ObfiQog KaXcag ^avarslva ZB(ßa<fTi^). 'Eni [JQX 'lovXtavo^. 
'Etpsöiav. Waddingtons Combination der Inschrift mit der Münze konnte bezweifelt werden, so 
lange sie das Fundament der Berechnung yon Statins Proconsulat war; nachdem dieser foststeht'und 
lulians Statthalterschaft sich glatt in die daraus zu ziehenden Schlfisse einfftgt, dürfte die von 
Bchmid aufgebrachte Skepsis ihren Daseinsgrund eingebüsst haben. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISOHB 08TBBTAFBLN 133 

auf der Reise nach Rom war. In dies Jahr, 146, ist die Reise nach Chios zn 
setzen, die der Grott Aristides anbefahl; er wnrde durch widrige Winde in 
Phokaia zurückgehalten [48, Uff.]! ^™ ^^- ^^^ ^' (asiatischen) Monats = 6. No- 
vember war er noch da [48,16]. Dann geht er nach Smyma und erhält das 
Traumorakel über die Jahre seiner Krankheit [48,18], von denen fast zwei 
schon verflossen waren, femer wird ihm befohlen im Meles bei Smyrna [vgl. 
17, 14] zu baden. Diesen Befehl führt er aus, als es noch mitten im Winter 
war [48,19]. 

Für die folgenden Jahre liegen keine Angaben vor, die sich für die Zeit- 
rechnung verwerten lassen; sicher ist nur, dass PoUio 163/4 Proconsul war [50, 94]. 

155. Bald nach der Wintersonnenwende des Jahres 154, als das 10. Jahr 
der Krankheit sich dem Ende näherte, erhielt Aristides, der damals, wie oft, im 
Heiligthum des olympischen Zeus bei Baris sich aufhielt, ein Traumorakel, aus 
dem er schloss, wenn er sich zu den warmen Bädern am Aesepos begebe, wo 
vor zehn Jahren seine Krankheit ausbrach, werde er Heilang finden. 
Er reiste hin, bei gutem Wetter, und glaubte wirklich zu genesen. Das 
geschah, als Severus Statthalter war [50, 1 ff. 12]. Daran schlössen sich die Ver- 
handlungen mit dem Proconsul, in denen der Rhetor durchsetzte dass er von 
der Verpflichtung entbunden wurde in Hadrianothera zwei Aemter, das des 
Eirenarchen und des Prytanen übernehmen zu müssen [50, 71 ff.; die Erzählung 
ist schon 50,12 angekündigt]. Er erhielt um diese Zeit Briefe von dem alten 
Kaiser und seinem Sohn; damit können nur Pius und Marcus gemeint sein^). Am 
Dionysienfest traf Aristides mit Severus in Smyrna zusammen, der Statthalter 
war wegen des Festes dort [50,85; vgl. Keils Note zu 29 p. 191]. Es wurde 
im allerersten Frühling gefeiert [17, 5]. Unmöglich wäre es nicht, dass im nächsten 
Jahr Quadratus aus demselben Grunde in Smyma weilte und die Heiden die 
Dionysien — in Athen heissen sie Anthesterien — zur gleichen Zeit feierten 
wie die Juden und Christen das Pascha. Im siebenten Monat, dem Artemision 
[24. März— 22. April] hielt Aristides in Baris ^ beim Heiligtum des olympischen 
Zeus die Rede auf Athena, deren Glanzstellen ihm ein Traum offenbart hatte 
[60,26. 37,1. 8]. Sein Gebet am Schluss [87,29]: didov fikv tiiiäg nag" ifLqxniQmv 
t(Dv ßMLXiav ist mit den Briefen die er kurz vorher von ihnen erhalten hatte 
[60,75], zusammenzustellen. Zeit und Ort der Rede stehn fest durch die Unter- 
schrift [p. 312 Keil]: !jQi&c8t8ov j4^riväi iv BdgsL inl &viiQOv ^y^^tfvo^, hOv 
ixdgxwtog Xs xat iitivög: nach der Subscription zum 'Ek£%}6ivtog [22 p. 31 Keil] 



1) 60,75 i^ffti^fff <yb noXXai:g i{ 'ItccXücg &fpi%voihtgai htictoXccl fMi nagä t&v fiaciliaiv to4^ 
Tfi a^on^dto^g oe^oi) %al ro4> naMg. Schmid setzt den Proconsolat des Severus anter Marcus; 
an dieser Stelle scheitert seine Theorie. 

2) Ueber die Lage ygl. Eefl, Bey. de philol. 1901, 128 ; er hat damit seine früheren Aof- 
steUongen Herrn. 25, 815 ff. corrigirt 



Digitized by 



Google 



134 K. SCflWAKTZ 

war er im 6. Monat, dem Xandikos, geboren. Als Greburtsjahr ergiebt sich also 
120. Das will allerdings zu der Constellation die Aristides 60,58 für die Zeit 
seiner Gebart angiebt, nicht passen ; die Astronomen berechnen sie anf das Jahr 
117. Ich fürchte aber, aof dies Horoskop passt das Wort des alten Cato: 
Chaldaetim ne consulUo. Auch vorausgesetzt dass die Astrologen die Aristides 
fragte, sich nicht verrechneten, muss doch Verdacht erregen, dass die Constellation 
anf einen Tranm passen soll. Aristides hat erfahren dass zwei Träume ihm zu 
Teil geworden sind um des Planeten Jupiter willen, der zur Zeit seiner Ge- 
burt colminirt hätte; zur Erklärung dessen sagen ihm die Astrologen, dass da- 
mals das Sternbild des Löwen im Meridian gestanden habe ond der Jupiter sei 
grade 'anter dem Löwen* gewesen. Die Nachricht über die Constellation zerlegt 
sich also in zwei, und ob diese wirklich zu einander passten, oder ob sie nicht 
sei es mit Absicht oder durch Jrrtum auf einander abgestimmt sind, ist minde- 
stens fraglich. Jedenfalls reicht dieser Widerspruch nicht aus das feste Funda- 
ment das darch den Todestag Folykarps für das Jahr des Severus gegeben ist, 
umzustürzen. Im Mai 165 schrieb Aristides an den eben eingetroffenen Pro- 
consul Quadratus, der, wie er, Rhetor war, und erhielt von ihm eine Antwort 
die ihn ausserordentlich befriedigte [60, 63 ff.]. 

156. Mit dem 4. Januar beginnt das Tagebuch [47,6] das Aristides im 
1. Buch der ^heiligen Geschichten' mitteilt [vgL 47,22]; das letzte Datum das 
vorkommt, ist der 22. JiCnaeon [47, 63] = Dystros = 14. Februar. Bald danach 
war sein Magenleiden, zunächst wenigstens, curirt. Er erzählt von einer £ede 
die er an Pius geschickt hatte, der damals in Syrien weilte [47,33]; am 2. liC- 
naeon = 26. Januar bezieht sich ein Traum auf diese Rede, der 'G-eburtstag' 
wird als bevorstehend erwähnt. Das dürfte der dies imperii des Pius, der 26. 
Febraar, sein. Am 12. desselben Monats [4. Februar] träumt er von einer Zu- 
sammenkunft zwischen Pius und dem Partherkönig Vologaeses in Syrien [47, 36 ff.]: 
daraus darf man schliessen dass der Kaiser damals in Syrien war und mit den 
Parthem verhandelte. Auf Marens kann die Stelle nicht bezogen werden, und 
ebenso wenig kann der Kaiser der nach 47, 33 wirklich in Syrien war, L. Verus 
sein. Denn dann bliebe für Quadratus Proconsulat nur 161/2 übrig; der des Severus 
seines Vorgängers, muss ja unter allen Umständen noch in die Regierungszeit 
des Pius fallen [s. o.]. Nun war aber L. Verus [Pauly-Wissowa, flealenc. 3, 1842] 
im Winter 161/2 noch nicht nach Syrien abgereist; ausserdem passt der Traum 
des Aristides von einer friedlichen Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und 
dem Partherkönig übel in eine Zeit in der ein Krieg mit den Parthem un- 
mittelbar vor der Türe stand und die römische Regierung durch einen Angriff 
schwer provocirt war. Auch der Zusammenhang empfiehlt an und für sich 
dringend unter dem 'älteren Antoninus' Pius zu verstehen. Aristides hat un- 
mittelbar vorher [47,35] einen Idvtmvtvog 6 IIv^odÜQOv erwähnt; dann fährt er 
fort : dtoSexatr^L idöxovv 'AvToavtvov tbv cdnoTtgitoga, tbv nQ86ßvt6Q0Vj xccl tbv t&p 
noXanifov ßaöLlda 6novdäg xal fpikCav %s%oi,if^6%'ai, xgbg ikknIXovg. Offenbar soll 
der Zusatz tbv ainoxQdtOQa den Elaiser von dem vorher genannten Antoninua 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHK UND JÜDISCHE OSTKRTAPELN 135 

unterscheiden ; dann erst wird zbv ngseßikBQOv angehängt am Pins im Gegensatz 
zn Marens deutlich zu bezeichnen. Handelte es sich um Marcus und Verus, so 
war der Zusatz fiberfliissig; Yerus hiess nie Antoninus. 

167. In diesem Jahr spielte die Geschichte mit der Aristides das 6. Buch 
beginnt [62,1]; nur der Anfang ist erhalten. 

An und für sich würde diese Tabelle für meine Zwecke genügen; indess 
will ich die Gelegenheit benutzen und noch einiges über die beiden Reisen des 
Aristides nach Eyzikos hinzufügen. Sie sind zwar schon von Corssen richtig datirt, 
doch glaube ich seine Ansätze durch weitere Argumente stützen zu können. 

161. Aristides reiste 'einen Monat vor dem Ablauf des Jahres *)', d. h. im 
Gorpiaeos [24. Juli— 23. August], natürlich in Folge eines Traums, nach Eyzikos 
um bei der Einweihung des grossen, endlich fertig gewordenen Apollotempels 
die Festrede zu halten. Er preist in ihr die Sammtherrschaft des Marcus und 
Yerus [27, 22 ff.] ^) in solchen Tönen, dass Corssen mit Recht vermuthet hat, es 
könne noch nicht lange her gewesen sein dass Marcus seinen Adoptivbrnder zum 
Mitregenten berief; da femer die Rede mit keiner Sylbe den Partherkrieg er- 
wähnt, der 162 ausbrach, muss sie in den August 161 gesetzt werden. Es giebt 
noch ein drittes Argument. Eyzikos wurde in dieser Zeit von einem schweren 
Erdbeben heimgesucht, das besonders den grossen Apollotempel, den Stolz der 
Stadt, verwüstete. Es wird erwähnt von Xiphilinos, in einem Stück das seiner 
Angabe nach [p. 669, 3 Boiss.] nicht aus Dio stammt [p. 669, 16] : inl toi> Idvtto- 
vlvov XsyBtai xal q>oß6Qdn:atog xsqI tä i^igi] tfjg Bid'wiag xal toi} ^ EkkffinAvtov 
6Bi6iibg yBviöd'aL xal &XXag ts xökaig xccfistv iöxvQ&g xal %B6Btv bkotfxsQ&g xal 
iiaigdtmg tifv K^^txov Xid thv iv aift^i vabv ftiyt,6t6v ts xal xdkktötov va&v ixiv- 
x(av xataQQt.q>Hvai.y £t x£XQdo(^ot (ihv xi%og ot xiovsg ^6av^ üifog 8h nBvti^xovxa 
nrixi(ov^ exatftog TcixQog fiti^äg, xcct t&kka tä iv a'öt&i Sxaötov ^aviiäeai xkiov 1j 
ixaivdöai. Dasselbe steht, offenbar aus demselben Autor, bei Zonaras 12 p. 
693<^ff. unter 'dem grössten und schönsten aller Tempel' einen anderen zu 
verstehen als den des Apollo, an dem lange Zeit gebaut war und der erst durch 
das Eingreifen des Reichsregiments fertig wurde, ist unmöglich. Sonderbar aber 
ist dass er durch ein Erdbeben schon unter Fius zerstört sein soll. Nach 
Aristides unanfechtbarem Zeugniss wurde er erst unter Marcus und Verus fertig, 
und selbst wenn man annehmen wollte dass jener Historiker den Xiphib'n und 
Zonaras ausschreiben, von dem unfertigen Tempel redete, so bleibt immer noch 
die Schwierigkeit dass Aristides des Erdbebens in der Rede nirgend gedenkt, 
obgleich es erst vor wenigen Jahren die Stadt verwüstet haben müsste, wenn 



1) 51, 11 %Bifi6vti TAi hsi, %a\ \vqv\ fuHufta ^ävtov, ^&ttov = Mher, wie oft; ein paar 
Zeflen weiter steht iisarnißgiag oi noXX&t tivi ^ärtov, 

2) 27,88 %al t6 ye ^^ttfToi^ tfi9 htivoüts, ^^sq ya^ nQ&vBQOv to^g %at' hiavthv &Qxovt€c$ 
%atic cvtvyUiv [%aifB(%omo\ dvofidtetv [toig] i^fjv [I{<d codd.], ovtto v^v to4>s divivi%it9 iieativ 6fu>4> 
nargd^iv ts %al ahv &U,ifiXoi9 dvofidtHv, M. L. Aurelii konnte man schon vorher sagen, aber es 
war neu dass sie mit einander als gleichen Ranges genannt werden konnten, wie es sonst bei Con- 
soln vorkam, die das gleiche Gentüe führten. 



Digitized by 



Google 



136 E. SCHWARTZ 

es wirklieh anter Pias stattfand. An einer anderen Stelle erwähnt er es, wie 
Keil [Herrn. 32, 497 ff.] entdeckt hat, in der Tranerrede aaf Eteoneas, einen vor- 
nehmen jungen Kyzikener, den er zn seinen Schülern rechnete [31,13]: & tov 
dstndgov xtmfLcttogj olog iq>^ otmi t&i vsht XBt6(u. & rfjg ini^^ifpcrig^ olov ai rö 
ÖBiitBQOv iif/Llv i66i6€v .... & 6viiq>0Q(d KOLval Xoyimv xal x^ovCmv &£&v. Aach hier 
kann mit ^dem Tempel', den kein Genetiv determinirt, nor der berühmteste ge- 
meint sein, der des ApoUon, den die Kyzikener als ihren xcctQ&tog [31, 15] and 
invy^^VS [^f^] feierten. Das Unglück der x^6vmi. ^boC ist einfach das Erd- 
beben, diese Erklärang fordert der Zasammenhang. Zar Zeit also als Aristides 
diese Tranerrede nach Kyzikos schickte [31, 14], h^ der stolze Baa in Trümmern. 
Za diesen beiden Zeagnissen kommt ein drittes hinza, nach welchem schon 
£ohden [Paaly-Wissowa, Realencycl. 1, 2293] die Zeit des Erdbebens bestimmt 
hat. Fronto spricht in einem Brief an den Kaiser Marens von einer jüngst 
vergangenen Senatssitzang, in der der Kaiser für die schwer heimgesnchten 
Kyzikener eine Rede gehalten hätte: die Worte [p. 98] ut non ocius aid vehe- 
meniim terra urbem ülam quam animos audientium ttm oratio tnouerU beweisen, wenn 
es noch nöthig wäre, dass es sich am das Erdbeben handelt. Der Brief lässt 
sich fast bis aaf den Tag datiren. ptdlus noster [p. 99], d.h. Commodns oder 
sein Zwillingsbrnder, ist noch an der Brnst: sie waren am 31. Angast 161 ge- 
boren. Fronto antwortet aaf den Brief den ihm der Kaiser zn seinem Grebnrts- 
tag geschrieben hatte [p. 94] ; nan hatte aber der Lehrer seinen Grebartstag an- 
mittelbar nach dem seines kaiserlichen Schülers, dem 27. April, wie Naber mit 
Becht ans den beiden Briefen 5,54.55 [p* 91] erschlossen hat; also mnss Fronto 
jenen Brief Ende April oder Anfang Mai 162 geschrieben haben. Danach fallt 
das Erdbeben in den Anfang des Jalires 162, frühestens Ende 161 ; bei Xiphilin 
und Zonaras ist der Name Antoninas falsch gedeatet. Aristides redet in seiner 
Einweihangspredigt von dem Erdbeben nicht, weil es noch nicht eingetreten ist; 
da der Monat in dem er nach Kyzikos reiste, bekannt ist, die Rede femer 
Marcos and Veras Sammtherrschaft preist, so ist ihre Datirang aaf den Aagast 
161 einer der festesten Pnnkte den es in der Chronologie des Aristides über- 
haupt giebt. Es war ein besonderes Unheil dass der angewöhnlich grosse and 
schöne Tempel sofort nachdem er endlich fertig geworden war, wieder za- 
sammenstürzte; natürlich ist er restaarirt, and wenn wirklich [vgl. Keil a.a.O.] 
die Masse der noch vorhandenen Rainen mit denen die Xiphilin und Zonaras 
angeben, nicht stimmen, so spricht das nnr für die G-enaaigkeit jenes Historikers; 
er beschrieb den zerstörten Tempel, nicht den der in etwas anderen Verhält- 
nissen wieder anfgebaat warde. 

166. Im Hochsommer [48, 38 ff.] erkrankte Aristides an der Fest, die da- 
mals in Asien wüthete. Sie war eine Folge des Partherkriegs, ahnlieh wie die 
bei den arabischen Historikern so berühmte Test von Emaas' [Jahr der Higra 
18 = 639 1 sich an die syrischen Feldzüge der Maslim anschloss. Dass sie zar 
Zeit der Rückkehr des Veras and beim Beginn des Markomanenkriegs das rö- 
mische Reich heimsachte, steht darch andere Zengnisse fest [Stein, Paaly-Wissowa 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE T7ND JÜDISCHE OSTBRTAFELN 137 

Realenc. 9; 1848]. Nachdem Aristides, natürlich durch spedeües Eingreifen einer 
Gottheit, die diesmal Athena ist, dem Tode durch die Pest entronnen war, er- 
freute er sich sechs Monate lang eines besonderen Wohlseins [50, 9] : es war das 
die Zeit in der er zum zweiten Mal nach Kyzikos reiste [51,48], in demselben 
Monat wie vor 5 Jahren [51,42], als die Olympien herannahten. Er trat nicht 
öffentlich auf, hielt aber in seiner Wohnung Vorträge vor etwa fünfzig Zu- 
hörern aus den angesehensten Familien. Damals dürfte er den jungen Eteo- 
neus kennen gelernt haben; auf G-rund dieses Zusammenseins nimmt er ihn als 
seinen Schüler in Anspruch [31, 7 ff.]. 

Etwa 100 Jahre nach Polykarp wurde in Smyma^ während der decianischen 
VerfolffungT der P rftaby t^r T^i^^j ^is hingerichtet. Sein Martyrium ist mit dem 
des Poly karp litterarisch verbnn dgnj_aiLda3 .CQgpB.s_f^^s PioTiins «,7^^ jfyif^ Rripf 
PolykftTpSj dejr_yQn ihm verfassten Vita nnd dftm "Rrjftf jjpir fiTnym^p.iRfihp.u (jU- 
meinde n^r fl^^ ]\ffl,|>f^rinTn ynoi^TnniftTigftfif^ftnf hattc^ Jst dflJS „Martyrium, jies 
Pioniafi..Angehäiigti). Aber die Verbindung greift auch in die Erzählung hinein. 
P ionios soll an einem ^grosse n^abba t*, genau am Todes t%ge^olykarps^jifiin^J2* 
d es 6. Monats verhaftet sein [M art. Pion. 2,1. 3,6]. Da nur die Jahre 250 oder 
251 in Frage kommen können, die beide G-emeinjahre sind, ist der 2. des 6. Mo- 
nats der 23. Februar; er fällt 250 auf einen Samstag. Die Christen hatten zu 
Pionius Zeit die quartodecimanische Observanz allerdings längst aufgegeben, 
richteten sich aber mit der Bestimmung des Ostersonntags nach dem jüdischen 
Pascha [s. S. 105], xmd es ist wahrscheinlich dass die Juden der Provinz Asien 
im 8. Jahrhundert ihr Pascha noch ebenso bestimmten wie im 2. Im Jahr 250 
trat der Vollmond am 6. März 10^ 48" Abends (mittlere Zeit von Greenwich) 
ein: das stimmt also nicht. Im nächsten Jahr fiel er auf den 23. Februar 2^ 
52.8™ Mittags. Da der 22. Februar ein Samstag ist, könnte dies Datum gemeint 
sein; nur wäre dann das Monatsdatum incorrect. Aber auch das Datom des 
Todestags macht Schwierigkeiten. Es_^oll_Sj5Mte^ der 19. des 6.^ ^^ = 

a. d. IUI Id. Mart. gewesen sein ; die Gleichung ist richtig und die Ueber- 
lieferung damit gesichert. Nur der Wochentag ist falsch; der 12. März war 
260 ein Dienstag, 251 ein Mittwoch. Das Consulat ist entstellt; in der Hs. 
steht {)%c[XBv6vt(ov cpbxonQixoifOQ th xqIxov iisö^ov liivxov XQcuavoi) xul dskxiov 
ygatov xgatavov SbxIov 6sßa6xov xaL dsXxioi) ygatov xb deiksgov. Doch Ifisst 
sich allerdings das Consulat von 250 Decio II Vettio (xrato coss. mit erheblich 
grösserer Probabilität herauslesen als das von 251 Decio III Decio Oaesare 
C0S8., besonders wenn man xb xfitov als falsche Auflösung von y(€Uov) fasst. 
Steht aber die Sache so, dann mag Pioni^wirklich am 23. Februar ver- 
haftet sein, der ^grosse Sabbat* ist aber Erfindung^ ManHEiEmn Ihn nicht 



1) Vgl. de Pionio et Polycarpo. Sokrates setzt das Martyrium Polykarps unter Gordian 
[5, 22'^, weil er die am Schlass des Bandes stehende Datinmg von Pionios Martyrium aof das 
Polykarps mitbezog; die Yerwechselong von Dedas mit Qordian beruht darauf dass er eine fehler- 
hafte CoDsulliflte benutzte. 

▲bkaadhugeB d. E. Oat. d. Wisi. ni GOtttngwi. PhUolog.-liigtor. Kl. N. F. Bud 8,«. 18 



Digitized by 



Google 



138 E. SCHWABTZ 

beseitigen ; er hängt 3, 6 fest mit der ErzShlnng zusammen. Dass in dem Mar- 
tyriam Vieles litterariscbe Mache ist, vor allem die Reden, leachtet auf den 
ersten Blick ein; dieser chronologische Fehler liefert den abschliessenden Beweis. 



IX 

Die jüdische Pascharechiiring vor der Zerstörung des Tempels 

Die Christen fiengen im dritten Jahrhundert an den Vollmond des Pascha 
selbständig zn berechnen, weil sie sich gegenüber der Synagoge als eine Macht 
empfanden; es ist bezeichnend dass diese Emancipation zuerst in den grossen 
Centren der Hierarchie, in Rom und Alexandrien sich durchsetzt. Im ongebil- 
deten und anwissenden Westen gestand man einfach ein dass man die Rechnung 
neu mache nm sich von den Juden zu emancipiren ^) ; Anatolius giebt sich die 
Mühe nachzuweisen dass die Juden der Gegenwart es verlernt hätten das Pascha 
richtig zu bestimmen. Ihre eigenen G-elehrten hätten mit aüen Mitteln gezeigt 
dass der Paschavollmond nicht vor das Aequinoctium fallen dürfe; darin steckt 
der Vorwurf, den Petrus von Alexandrien geradezu ausspricht, dass die Juden 
jetzt ihr Pascha verkehrter Weise vor dem Aequinoctium feierten*). Der Vor- 
wurf trifft für das 2. — 4. Jahrhundert zu. In Antiochien, in Alexandrien, in 
Eleinasien fiel der Paschavollmond der Juden öfter vor die Frühlingsnachtgleiche 
als später, wenn gleich es deatlich ist dass die Monate oder Zeiträume, inner- 
halb deren er sich bewegte, mit Rücksicht auf das Aequinoctium gewählt sind. 
Ueber die Observanz der römischen Synagogen ist nichts überliefert, aber hier 
treten die alten römischen Cyclen ergänzend ein : auch sie legen Ostervollmonde, 
wenn auch nur in beschränktem Masse, vor das Aequinoctium; die Grenze des 
84 jährigen Cydus ist auf 11 Tage vor dem 25. März festgesetzt. Rigoros 
durchgeführt ist die Aequinoctialgrenze oder was man dafär hielt, nur im christ- 
lichen Alexandrien, und wie die alexandriuische Osterberechnung am consequentesten 
beansprucht das 'typische' Pascha nach den Regeln des A. T. zu bestimmen, so be- 
ruft sich Anatolius [Eus. KG 7,32^*] für den Orondsatz dass der PaschavoU- 
mond unter keinen umständen vor die Frühlingsnachtgleiche fallen dürfe, auf 

^) [Cyprian.] de pascha comp. 1 in qua re non derdicti, sed poHus ab ip80 deo ifiapiraH 
uciumus amafUibus et €ulpetentibu8 studia diuina ostendere numquam poaae ChnsHanca a uia um- 
toHa errare et tamquam ignoratUes quae eü dies pasthae, poet ludaeoa caecoa et hebetes ambukure, 

2) Ghron. pasch, p. 6, 17 . . . ro4) ngAtov iv toCg firicl vo^ iviavtoü, oi ti^v tsecoifBcna^dena' 
taiav ot ndXui ntXi%Qiv&£ initrigo^vreg (AStcc tijv lerifiSQÜtv i^ov x6 nde%a %axa tiiv ^siav na- 
QayyilCav. ot yäg v^ ngb ImifikBQiag aitb noto^i ndw &t'^iX&s lutl xarsapalitipag, &yvooiHft8gf 
&C9t8Q ohf %al in* itog inoirißavj Sg %al a^bg [der Gegner, der an der alten Observanz festhalten 
wül den Ostersonntag nach dem Pascha der Synagoge zu bestimmen] avvoiM)XoYAv iv toikoig [das 
Citat folgt] yodtpsig. 



Digitized by 



Google 



CHRI8TUCHB UND JÜDISCHE OSTESTAFELN 139 

alte jüdische Gewährsmänner. Unter diesen erscheinen auch Philo und Josephns, 
die wir noch besitzen; Anatolios Angabe lässt sich also controliren. 

Philos Zetemata znr Exodus sind zwar nicht im griechischen Original, aber 
doch in einer armenischen üebersetzong erhalten, durch die der griechische Text 
deutlicher durchschimmert als es Avkhers gewöhnlich benutzte üebersetzung er- 
kennen lässt, nicht durch seine Schuld: das Latein ist eben die schlechteste 
üebersetzungssprache die es geben kann. Gleich das erste Capitel handelt über 
Exod. 12,2 6 (lijv oitog ifLtv iQxii fLrj^v&v^ iCQSyt6g itfti^v ifitv iv totg [iti^l toi> 
ivi^avtov. Die wichtigen Stellen lauten, so wörtlich wie möglich ins Ghriechische 
übersetzt : 

i^tb tilg iccQLvilg i^riiisgiag ri)t/ tä^v [ifjv&v xbqCoöov i^i^ot igt^fLijöaL. rö 8h 
TCQ&tog xal tb iQxii xatä 6w(ovvfi£av stQtitaL ^axigov ^cctigooL öatprjvi^lofiivov 
%o %Q&Tov y&Q i6^ Z%6 xcctä tditVj i6ff Sr« 8% xarä diiva^iv XiyBtai. &6avt(og xoH 
^Qth ^>c^^vBxai 6 iacb xf^g iagtrilg IfSriiiBQCag XQ6vog xal xdl^si xccl dwäitai »poi^T'ot^ 
fLBvogj bv XQÖnov iv xotg ^Aioig ^ 7uq>aXii. xoLyccQOvv xovxo ol tsbqI xifv iffxQOVo^Lav 
60(pol xb Zvo(ut x&L %QOBiQri^iv(oi, xQÖvmt. XQo^xt^daöiv. kiyovfH, y&Q xov ^(oidiaxoi^ 

xeq>akiiv xbv xqiöv, iv &l q>ai,v6(isvog 6 tjliog yswäv xijv iaQt^vijy l6rjiiSQ{av 

xijv d^iaQivijfif l^rnisgiav ijcoxid'Btf^cu cdnbv iQX'h^ ^^^ ^^^ ^rj[v&v xsqlööov dijXov 
ix x&v xQ^^i^ '^^ xatakaiißavo^ivayv xaxä xijy ixdexov l9vovg xd^iv xal xccgd^ 
do6t,v^). x(d ixQLßAöBUv &v xig xoiho ix x&v TtQihxmv dgayfidtiov & iCQ06q>iQBLV 
inixätxst, iv r^t iBvxigai xr^g ioiytif^g ii^idgat Big xijy x&v XaxQBvövxmv %p€^av [Lev. 
23, 10 ff.]- xov dh ^BQi6^ov XQ^^^S '^b iag. 

*Der Kreislauf der Monde soll von der Frühlingsnachtgleiche ab gerechnet 
werden'. Dieser Grundsatz der christlichen Osterrechnung findet sich also schon 
bei Philo, ebenso wie die Behauptung, die Welt sei zur Zeit des Frühlings- 
aequinoctiums geschafften, eine Behauptung welche in der christlichen Speculation 
und im christlichen Kalender sich üppig entwickelt hat'). Aus jenem Grund- 
satz folgt zwar, dass der Paschavollmond gemäss dem Aequinoctium angesetzt 
werden, aber nicht dass er unter allen umständen nach ihm fallen muss ; auf Philo 
durfte Anatolius sich nicht berufen. Wichtiger als das ganz im allgemeinen 
ausgesprochene Princip sind die Beweise. Ausser dem astronomischen Usus das 
Zeichen des Widders den Kopf des Thierkreises zu nennen führt Philo zwei 
ändere Gründe an. Der eine dass am zweiten Tage der Mazzot die ersten 
Garben dargebracht werden, ist aas dem Festritus geschöpft: das Bewusstsein 
war in der Judenschaft noch nicht geschwunden, dass die Azyma ein Erntefest 



1) Da es auf diesen Satz besonders ankommt, setze ich ihn annenisch her : ^t. qh fo^P- 

2) Das julianische Aequinoctium, der 26. März, wird zum Datum der Schöpfung, der Passion 
und der Empfängniss Christi 9 Monate vom 25. März weitergerechnet, ergehen den 26. December^ 
den Geburtstag Christi 

18* 



Digitized by 



Google 



140 K. SCHWARTZ 

sind. Zwischen diesem historisch-rituellen nnd dem astronomischen Beweis steht 
ein dritter, der allerdings auf den ersten Blick sehr dnnkel ausgedrückt zu sein 
scheint. So viel leuchtet aber sofort ein: Philo kann nicht gemeint haben, als 
Anfang des Jahres sei das Aequinoctinm darum anzusehen, weil das Neujahr 
der verschiedenen Kalender danach bestimmt werde. Denn das war weder in 
der Zeit Philos noch in den Jahrhunderten vorher der Fall. Das aegyptische 
mit dem julianischen Kalender ausgeglichene Jahr fangt mit dem 29. August 
an; die makedonischen Kalender die den hellenistischen Orient beherrschen, 
gehen alle im letzten Grrunde auf ein Jahr zurück, das die Monate vom Neu- 
mond nach der Herbstnachtgleiche zählte. Dann aber sehe ich keinen anderen 
Ausweg als dass unter 'den Zeiten' die Termine des Paschafestes selber ver- 
standen werden, wie ja auch gleich nachher jener Ritus der mit dem Pascha 
verbundenen Azyma erwähnt wird: die Termine werden 'genommen' — das ar- 
menische IrJgMiki^ ist genau das griechische xatocXccfißdvsiv — 'nach eines jeden 
Volkes Ordnung und Ueberlieferung', d.h. sie werden mit Rücksicht auf die 
verschiedenen bürgerlichen Kalender bestimmt, die in den einzelnen Provinzen 
des Reiches gelten, und jede solche Bestimmung geht immer vom Aequinoctinm 
aus. Philo beruft sich also auf die jüdische Tradition, die, obgleich nach ver- 
schiedenen Kalendern gerechnet wird, doch in dem einen, wesentlichen Princip 
übereinstimmt. Da nun jedenfalls das Pascha auch nach dem Monde gefeiert 
wurde, kommt heraus dass unter den julischen Kaisern, als der Tempel noch 
stand, die Juden einen Zeitraum der bürgerlichen Kalender sich auswählten, 
dessen Vollmond den Paschatag hergab, ferner dass die Diaspora weder mit 
einander übereinstimmte noch sich nach Jerusalem richtete: wie sollte sonst 
Philo sagen können ^xatä tijv ixäötov Sd^ovg td^tv xal %aQd8o6i,v\ Das ist aber 
in der Hauptsache keine andere Observanz als die welche sich im 2. — 4. Jahr- 
hundert in Kleinasien, Alexandrien xmd Antiochien nachweisen lässt; ja diese 
wird geradezu dadurch gerechtfertigt, dass sie bis in die Zeiten zurückreicht, 
in denen der Tempel noch stand. Andererseits ergiebt diese Observanz ein 
merkwürdiges Bild von dem Zustand in dem sich die jüdische Diaspora in der 
ersten Kaiserzeit befand« Sie hielt den Zusammenhang mit Jerusalem, wie durch 
die CoUecten xmd die Tempelsteuer, so auch durch die Pilgerfahrten zum Pascha- 
fest von Jerusalem energisch aufrecht; um dieser Pilgerfahrten willen müssen 
die Juden draussen wenigstens ungefähr gewusst haben wann in der heiligen 
Stadt das nationale Fest begangen wurde: und doch war die Judenschaft da- 
mals in gewissem Sinne nicht so centralisirt wie jetzt, wo ihr seltsamer und 
complicirter Kalender in der ganzen Welt befolgt wird. Die Judengemeinden 
fügten sich überall in das bürgerliche Leben ein, sie wollten auf die Bequem- 
liohkmt des julianischen Kalenders so wenig verzichten wie die Heiden, und das 
war ihnen so wichtig, dass sie nach den verschiedenen Kalendern ihre Monde 
verschieden beobachteten, unbekümmert um die Brüder in der nächsten Stadt 
oder Provinz, unbekümmert um Jerusalem selbst. Die innere Antinomie des 
Judenthums jener Zeit, das zugleich eine nationale Religion sein will und der 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEKTAFBLN 141 

heidnischen Welt nicht aufhört zn predigen, das mit recht realen Mitteln den 
Qlanz Jerusalems nnd des Tempels aufrecht erhält und draossen fortwährend 
mit der bürgerlichen Ordnung des Reichs pactirt, spiegelt sich in dieser wider- 
spruchsvollen Paschalobservanz wieder. 

So wenig wie Philo, sagt Josephus an irgend einer Stelle, dass als Pascha- 
Vollmond stets derjenige genommen werden muss, der auf das Aequinoctium 
folgt. Aber was er von dem Paschamonat mittheilt, kommt thatsächlich darauf 
hinaus. Die Stellen sind: 

AI 1,80 6wißri di rothro th nd^og [die Sintflut] xatä tb il^tixo6io6tbv hog 
^dij Nd>xov tijg iQxflSy iv (irivl devrigmi, ^Imi yiiv imb Maxs86vmv leyo(iivat, 
MaQ6ovdvtiL d^inb 'Eßgaiiov. otkcD y&Q iv AlyvKttoi xbv ivLocvrbv ^av 8iatBtax6tss. 
Mayvöfjg dh xbv Ni6av^ Sg iön Eav^ixög, fiij^a nQ&tov ijcl tatg io(ycalg &Qt6e, xatä 
tovtov ig Alyi&%tov toi)g ^Eßgaiovg XQoayaymv. Das ist die bekannte doppelte 
Ordnung des jüdischen Jahres, in dem sich der alte Anfang nach dem Herbst- 
aequinoctium noch behauptete, nachdem die babylonische Sitte aufgekommen war 
die Monate vom Frühling abzuzählen [Wellhausen, Prolegomena 106 f.]. Aus der 
Stelle geht zugleich hervor dass Josephus den Tischri, mit dem das Jahr im 
Herbst beginnt, gleich dem makedonischen Hyperberetaeos setzt, vgl. 3,239. 

2,311 6 dh ^sbg... [bei der Exodus aus Aegypten] ixiUvs Mnv6^ nagay- 
yBlkm %&t ka&i %'v6lav hoifMfjv i%Biv xoQoöxevatfaii^vovg tili Ssxdttit roO Sav^ixov 
fjtrivbg Big ti^v T£6€aQ86xai8ixdtfiv * 8^ nagä fikv jilyvnxloig ^aQfiov^i [27. März — 
26« April] xaXsttcci, Ni6av 8% naq^ ^Eßoatoig, Maxsdövsg itainbv Sav^uibv n(fO0a- 
yoQeiiov6i.v .... 

3, 201 agxo^dvov dh xov devrigov Itovg fifjvl Savi^vx&i. %axä Maxsdövecgj Ntikcv 
ih xatä 'EßQcUovg vov^rivlaL ti^v 6xrj[vij[v iq>t€Q0i}6i . . . 

3,248 t&t dl ftf^vl t&i Savd'ix&t, bg Nl^ccv %a^ i^iitv xalsttai xal tov Sxovg 
ietlv iQX"^, t$06ccQi0xaLd$xAtrii xatä ^aXi^vip/ iv xq^&v tov fjliov xa^sötß^og^ t(y6tan 
yä(^ t&i ftf^vl t^g i^ Alyvxtiovg dovXstag ^Isv&BQtbd'fifitsVy ical tifv ^0Cwy ^ t6t^ 
ä^v6vtag iii Aly^tov W6cu XQOstnov iuA&g xi^xa XByoyLivqv, d^' hovg hLd0tov 
d^eiv ivöftLöBv... 

11,109 iv0td6r^g 81 tf^g t&v i^iifUDv io(^ilg fii}i;l rd>i XQAtmi xaxä (tiv Moxb^ 
iivag Sccv^tx&i. kayoiUvm^ xoetä dh '^iiäg Nt0av.... 

Deutlich ist zunächst, dass Josephus die hebraeischen oder richtiger die 
aramaeischen Monatsnamen mit den makedonischen ebenso ausgleicht, wie es 
die Syrer machen, wenn sie den antiochenischen Kalender, den sie und die He- 
merologien den griechischen nennen, in ihre Bezeichnungen umsetzen. Auch da 
ist der Tischri oder, wie die Syrer sagen, der erste Tischri = Hyperberetaios 
s= October (genau entsprechend), der zweite Tischri = hebraeisch Marcheschwan 
= Dios = November, der Adar = Dystros = März, der Nisan = Xanthikos 
= April. Gegen den altmakedonischen Kalender, der mit dem Dios begann, ist 
das Neujahr um einen Monat zurückgeschoben, so dass der Xanthikos von der 
6. an die 7. Stelle in der Reihe der Monate rückt. Der Grund kann nur der 
gewesen sein, dass, als der julianische Kalender in der Provinz Syrien eingeführt 



Digitized by 



Google 



142 E. 8CHWARTZ 

wurde, man den makedonischen Jahresanfang nach dem Herbstaeqainoctiam fest- 
halten wollte, das lonisolare Jahr aber sich dnreh falsche Schaltung so ver- 
schoben hatte, dass der Hyperberetaios an Stelle des Dios getreten war. Nach 
alledem könnte man vermnthen, Josephns rechne nach dem hellenischen, d.h. 
nach dem antiochenischen Kalender, und sich dafür anch darauf berufen, dass er 
den Nisan «» Xanthikos mit dem Pharmuthi zusammenstellt, der sich zum 
grossten Teil mit dem April deckt. Dem ist aber nicht so. Niese [Herm. 28, 197 ff.] 
hat mit xmwiderleglichen Gründen bewiesen dass die Daten die er in der G^ 
schichte des jüdischen Kriegs angiebt, auf den tyrischen Kalender redudrt 
werden müssen. Das wichtigste Argument ist dass Josephus Yitellius Todes- 
tag, den 20. December [vgl. Tac. bist. 3, 67 ff.], auf den 3. Apellaios setzt ; das 
passt zu dem Kalender von Tyros, aber nicht zu dem von Antiochien, nach 
welchem es der 20. Apellaios sein müsste. Es ist von vornherein wahrschein- 
lich dass Josephus nicht aus persönlicher Liebhaberei diesen Kalender angewandt 
hat, sondern dass er den nahm, der in Palaestina der gebräuchlichste war. In 
diesem Fall, aber auch nur in diesem, war es gerechtfertigt dass er nirgendwo 
angiebt nach welchem der sehr von einander abweichenden makedonischen Ka- 
lender er datirt. Angaben nach jüdischen Monaten kommen nie vor: man muss 
aus Josephus schliessen dass die Juden keinen eigenen Kalender hatten. 

Es ist eine Liste von *Freudentagen des Hauses Israel' [Judith 8, 6 ; vgl. Well- 
hausen, Pharisaeer und Sadducaeer 56] erhalten, die s. g. Megillat Ta'nit [Anecdota 
Oxon. Semit. Ser. I 6, 2], die nicht jünger sein kann als das 2. Jahrhundert ; in ihr 
erscheinen zwei Ereignisse aus dem römischen Krieg, die Vertreibung der Steuer- 
beamten aus Judaea und Jerusalem am 26. Siwän, und die Entfernung der *Sol- 
daten'^) aus Jerusalem am 17. Elul. Sie gehören beide in die Anfange des 
Aufstandes, ins Jahr 66 ; es ist charakteristisch dass das Verschwinden der ver- 
hassten Träger der Fremdherrschaft, der Zöllner und der Soldaten, in dankbarer 
Erinnerung geblieben ist; die verhängniss volle Niederlage des Cestius hat keinen 
Gedenktag gefunden. Nach den Gleichungen des Josephus ist der Siwän = Daesios 
[19. Juni — 19. Juli], der Elul = Gorpiaeos [19. Sept. — 18. Oct.] ; in die makedonischen 
Monate des tyrischen Kalenders umgesetzt, fügen sich die Daten mühelos in die 
Darstellung des Josephus ein. Der Aufstand fieng an in Caesarea an einem 
Sabbat des Artemisios 66 [BI2, 284. 289], vermuthlich am 6. [24. Mai]. Am 16. 
und 17. Artemisios [3. und 4. Juni, BI2, 315] hauste Florus in Jerusalem. Es 
folgen nach Josephus [2, 333 ff.]: ein Bericht des Synhedrion an den Statthalter 
von Syrien, sowie ein Bericht des Florus an denselben. Cestius schickt einen 
Offizier um zu rapportiren, dieser trifft in lamnia mit dem König Agrippa zu- 
sammen, der von Alexandrien kam. Dort erscheint das Synedrion; der König 
und der römische Offizier reisen nach Jerusalem. Agrippa xmd das Synhedrion 



1) Das heisst "tttxnn im Aramaeischen wie im Syrischen sehr h&ofig; die allgemeine Beden- 
tong 'P^^uciol passt nicht 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 143 

versnehen den Frieden wiederherzustellen, aber vergeblich; nnter Führung des 
Eleazar besetzen die Aufständischen die Unterstadt und den Tempel. Das nächste 
Datum des Josephus [2, 430] ist der 16. Leos [3. September] ; die Aufständischen 
beginnen den Angriff auf die Antonia. Er erzählt nicht ausdrücklich, dass die 
Juden die romischen Steuerbeamten vertrieben, aber er setzt es voraus. In der 
langen Rede die Agrippa in Jerusalem hält, nachdem der römische Offizier 
wieder zum syrischen Statthalter abgereist ist [2,341], wirft er den Juden vor 
dass sie dem Kaiser die Steuern verweigert hätten [2,403]. Das jüdische Sjn- 
hedrion zieht die Steuern ein oder versucht es wenigstens [2,405]; es geht auf 
Agrippas Rath nach Caesarea zu Florus [2, 407], damit er aus ihnen die Steuer- 
beamten ernenne : also waren die vorhandenen verjagt oder ermordet. Nach der 
Megillat Ta'nft soll das am 25. Siwän — Daisios [13. Juli] gewesen sein: es macht 
gar keine Schwierigkeiten anzunehmen dass Agrippa um diese Zeit nach Jeru- 
salem kam. Für Josephus Tendenz ist es bezeichnend dass er sich so gut es 
geht, um dies Ereigniss herumdrückt: es lehrt dass der Aufstand schneller all- 
gemein wurde und früher gefährliche Formen annahm als es nach seiner Dar- 
stellung scheint, die alle Schuld auf Florus Grausamkeiten und die Ultras in 
Jerusalem schiebt. Der Sturm auf die Königsburg begann am 18. Loos [6. Sept.; 
2, 430 f.]. Am 6. Gorpiaeos [24. Sept.; 2,440] capitulirten die Truppen Agrippas 
und die Milizen; die römische Besatzung musste sich in die festen Burgtürme 
werfen. Es folgt die Ermordung Menahems ; Eleazar setzt die Belagerung fort, 
bis, an einem Sabbat [2,456], die Römer capitulirten und sämmtlich niederge- 
macht wurden, mit Ausnahme des Commandeurs Metilius der sich beschneiden 
Hess. Der 16. Gorpiaeos [4. Okt.] fiel im Jahr 66 auf einen Samstag; der jü- 
dische Gedenktag ist scheinbar einen Tag später gelegt, auf den 17. Elnl — Gor- 
piaeos. Die gleiche Differenz findet sich noch einmal. Josephus legt das Fest 
der Xylophorien auf den 14. Loos [2. Sept.; vgl, 2,426.430]; am Tag danach 
beginnt der Sturm auf die Antonia: es ist ganz unmöglich hier mit einem an- 
deren Kalender zu operiren als mit dem den Josephus immer gebraucht. Die 
Megillat Ta'nit setzt dasselbe Fest auf den 16. Ab: der Ab muss nach Josephus 
Gleichungen der Loos sein. Der unterschied verschwindet, wenn man bedenkt 
dass bei den Juden der Tag mit dem Sonnenuntergang des vorhergehenden Tages 
beginnt, Josephus aber sich der allgemeinen und natürlichen Zählweise gefügt 
hat. Man braucht nur die Xylophorien auf den Abend des 14. Loos, die Er- 
mordung der römischen Besatzung auf den Abend des 16. Gorpiaeos nach ge- 
wöhnlicher Tagesrechnung zu legen, dann stinmien Josephus und die Megillat 
Trfnit genau überein. 

Die Anwendung des tyrischen Kalenders schliesst nicht aus dass Mondfeste 
wie das Pascha nebst den Mazzot und Laubhütten immer nach dem Monde ge- 
feiert wurden; umgekehrt folgt daraus dass dies wirklich geschah, nicht, dass 
die Juden ihr nationales lunisolares Jahr noch festhielten. Wie man sich half, 
zeigen die Observanzen der jüdischen Diaspora in den folgenden Jahrhunderten, 
um von dem Zeugniss Fhilons zu schweigen. Wenn Josephus in seiner Erzählung 



Digitized by 



Google 



144 £• SCHlfARTZ 

unter dem Xanthikos den tyrischen [18. April — 18. Mai] versteht, so mnss er 
denselben meinen, wenn er die Gleichung Nisan = Xanthikos aufstellt : mit anderen 
Worten, die palaestinischen Juden feierten nach der Einführung des julianischen 
Sonnenjahrs, die höchst wahrscheinlich schon unter Augustus erfolgte — Herodes 
war ein Mann des Culturfortschritts — das Pascha an dem Vollmond der in 
den Xanthikos fiel, zwischen dem 18. April und dem 18. Mai^). 

Josephus überliefert für die Faschafeste von 66 und 70 die Daten, ohne 
mit einer Sylbe anzudeuten dsiss sie einem anderen Kalender entnommen sind 
als die nach denen er Kriegsereignisse datirt. Rechnet man sie in profane Daten 
um, so ergiebt sich folgendes: 

6,290 xgb r^g ixoördösmg xal toD XQog rbv xöXefiov xiviffiorog i^Qoitoiiivov 
ToO Xaov n:Qbg tijv t&v itiificav ioQtijVj öyddiq tf' ^v Sccv^lxov iiip^ög. Nur das 
Jahr 66 kann gemeint sein; kurz nach dem Pascha, im Artemisios, begann der 
Aufstand [2,284]. Der 8. Xanthikos des tyrischen Kalenders entspricht dem 
25. April. Der YoUmond trat in dem Jahr ein am 28. April 11^ 31.2** Mittags 
mittlerer Zeit von G-reenwich. Übrigens passt schon die Tageszahl, der achte, 
nicht zu der Annahme dass Josephus hier nach Mondmonaten rechne: in diesem 
Fall müsste das Pascha auf den 15. fallen, und 7 Tage vorher sammelte sich 
das Volk noch nicht zum Fest. 

Das Pascha regiert die jüdische Festordnung ebenso wie Ostern das christ- 
liche Eärchenjahr. Laubhütten beginnt am 15. Tischri des Mondjahres: man darf 
annehmen dass es regelmässig 6 Mondmonate ^= 177 Tagen nach dem Pascha 
gefeiert wurde. "Wurde im Jahr 66 das Pascha am 8. Xanthikos = 25. April 
gefeiert, so musste Laubhütten auf den 1. Hyperberetaeos = 19. October fallen,- 
der wahre Vollmond trat am 21. October 11** 16.8" Nachts mittlerer Zeit von 
Oreenwich ein. Als Cestius im Herbst des Jahres nach Lud kam, fand er die 
Stadt leer, weil die Bewohner zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gegangen 
waren [2, 515]. Da für die Reise von Lud nach Jerusalem höchstens 2—3 Tage 
nöthig sind, die Leute von Lud also vor dem 16. October nicht wegzugehn 
brauchten, muss Cestius ungefähr am 19. October dort eingetroffen sein. Das 
für die Juden glückliche Treffen in der Gegend von Gibeon soll am 'ruhigen 
Sabbat' stattgefunden haben, die Juden hätten die Festfeier wegen des Krieges 
abgebrochen [2, 517]. Der 25. October = 7. Hyperberetaeos war ein Sabbat und 
gehörte zum Laubhüttenfest, wenn dies am 19. October begann: man kann die 
Stelle des Josephus *) nicht gut anders verstehen als dass der Sabbat der ins Laub- 
hüttenfest fiel, der 'ruhige' hiess. Am 27. Hyperberetaeos [14. November] lagerte 
Cestius unmittelbar vor Jerusalem, am 30. [17. Nov.] rückte er ein [2, 528]. Das 

1) Danach mag man yersnchen den Todestag Jean von neuem zu berechnen. Ich lasse mich 
darauf nicht ein; da das Jahr sich nicht bestimmen l&sst und der Freitag durchaus nicht sicher 
bezeugt ist, fehlen die nothwendigen Praemissen der Rechnung. 

2) Jos. BI 2, 517 ot dl 'lovdatöi . . . &q>i(i,£voi ti^v lo^^v ix^tgovv inl tic ZicXa xal . . . 
iiinifidmv htl ti\v (uixnv (irj^h tfjg igyijg ißdofiddog ivvoutv Xaß6vteg' ^v yuQ dii r6 iidUüta 
nup* aitotg ^ifTii6%iv6(isvov cdßßatov. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEBTAPELN 145 

sehr langsame Vorrücken kann auffallend erscheinen, ist aber bei näherem Zu- 
sehn gerechtfertigt. Es wurde durch Agrippa mit den Aufständischen in Jeru- 
salem verhandelt [2, 523 ff.] und Cestius musste sich den Weg durch aufständi- 
sches Land bahnen [vgl. 522. 527] : Josephus verschleiert hier wie schon vorher 
die Thatsache dass der Aufstand keineswegs das Werk einer Faction in Jerusalem 
war, sondern die gesammte Landbevölkerung ergriffen hatte. Dadurch erklärt 
sich auch das was Josephus als unbegreiflich hinstellt und woraus er dem Cestius 
einen so schweren Vorwurf macht, dass er es nicht wagte Jerusalem mit einem 
Handstreich zu nehmen und den Rebellen den Tempel zu entreissen [2, 531. 540], 
sondern sich zu dem Rückzug entschloss, der für ihn so übel ablief. Cestius 
wagte nicht in Jerusalem zu bleiben und zu kämpfen, weil die aufständischen 
Juden des platten Landes seine Rückzugslinie bedrohten. Er war mit einer zu 
geringen Macht in Judaea eingerückt und hatte das versäumt und wegen dieser 
geringen Macht versäumen müssen, was Vespasian nachher gründlich nachholte: 
das Land zu padficiren, ehe er die Hauptstadt angriff. Man muss femer be- 
denken, was ebenfalls Josephus nicht deutlich erkennen lässt, dass er keines- 
wegs erst von Antiochien aufgebrochen war, als die römische Besatzung von 
Jerusalem capitulirt hatte, am 4. October. Bann wäre er in 14 Tagen von 
Antiochien nach Lud marschirt, was unmöglich ist. Er muss vielmehr schon 
abmarschirt sein, als er den Rapport des von ihm abgesandten Offiziers erhielt, 
spätestens in der zweiten Hälfte Juli; anders sind all die Märsche und Opera- 
tionen die Josephus [2, 499 ff.] berichtet, gar nicht unterzubringen. In jener 
Zeit konnte er noch hoffen mit einer verhältnissmässig geringen Macht die 
römerfreundliche jüdische Aristokratie zu stützen; als er ins Land kam, musste 
er immer mehr merken dass die Revolution im vollen G-ange war und überall 
triumphirte. Es mag leichtsinnig gewesen sein, dass er unter solchen umständen 
Hberhaupt bis Jerusalem vorrückte: aber der schliessliche Rückzug war kein 
Fehler mehr, sondern eine üble Nothwendigkeit. 

Das Pascha des Jahres 68 wird erwähnt [4,402] bei G-elegenheit der Briganten- 
streiche welche die Sicarier in Masada ausführten. Bald darauf [4,413] erzählt 
Josephus, dass Vespasian am 4. Dystros [21. März] in G-adara eingerückt sei. 
Daraus darf man aber nicht schliessen dass das Pascha dieses Jahres vor den 
21. März gefallen wäre. Der Bericht über Masada 4, 398 ff. ist eine Episode; 
die Meldungen welche nach Josephus Vespasian dazu veranlassen den Feldzug 
von neuem zu beginnen [4, 410 ff.], beziehen sich, wie der Zusammenhang deutUdh 
zeigt, auf die Ereignisse in Jerusalem. 

Dagegen bereitet die Datierung des letzten Pascha das im Tempel gefeiert 
wurde, ernsthafte Schwierigkeiten. Der Tag den Josephus angiebt [5,99], der 
14. Xanthikos [1. Mai], fügt sich in seine Darstellung ein, so dass er nicht aus 
irgend einem anderen Kalender entnommen sein kann. Das nächste Datum das er 
mittheilt [5,302], ist der 7. Artemisios [25. Mai]; es war der 15. Tag nachdem die 
eigentlichen Belagerungsarbeiten begonnen hatten: das war also am 24. Xanthikos 
[11. Mai]. Der Bericht des Josephus darüber beginnt 5,258; passend hat er die 

AbkudloiigtB d. K. G««. d. WiM. m GAtÜngeii. PhlL-hiit Kl. N. F. Baad 8^. 19 



Digitized by 



Google 



146 S. SCHWABTZ 

J^chreibiuig der Stadt und des Tempels voransgesehickt [6, 136 ff.]. Zwischen 
disn 14. und den 24. Xanthikos fallen die Yerlesimg des Lagers yon der Warte bis 
dicht vor die Stadt, das Sasiren des Terrains zwischen dem Lager nnd der 
Stadtmauer, das 4 Tage in Ansprach nahm, die Beeognoscirnng des Titos nnd 
die Auf stellang der Belagernngsmaschinen [2, 106 ff. 130. 268 ff.]: der Zeitraum 
von 10 Tagen wird grade ausgefällt. Am Ende des Buches [6, 567] wird nach 
dem Bericht eines Überläufers die Anzahl der Toten angegeben, die vom 14« 
Xanthikos bis zum 1. Panemos [1. Mai— 20. Juli] aus einem Tor der Stadt hin- 
ausgeschafft seien. Jener Termin wird bezeichnet als der Tag &ip* {^ «Atolq 
iff^iQ^Q xaQsötQotontdsiiöocto. Das ist das Lager an der 'Warte', von der aus 
man die Stadt vor sich sah [6, 67 ff.]; an den Bericht von der Ankunft des 
Titus und dem darauf folgenden Ausfall der Juden schliesst sich die Erzählung 
von dem Gemetzel an, das Johannes bei Gelegenheit des Mazzotfestes am 14. 
Xanthikos im Tempel anrichtete [6, 98 ff.]. So scharf also das Datum in die Er- 
zählung hineinpasst, so wenig fügt es sich zum Mondlauf: der Vollmond trat 
im Jahre 70 am 13. Mai 8^ 62.8™ mittlerer Zeit von Greenwich ein, also am 
26. Xanthikos. Eine Differenz von 8 — 4 Tagen kann conoedirt werden, aber 
nicht von zwölf. Entweder also sind die Mazzot in Folge des Krieges unregel- 
mässig angesetzt oder Josephus hat das Fest mit dem Gemetzel combinirt^): 
ich halte die zweite Alternative für die richtige. Als ob die Katastrophe seines 
Volks, der er im Lager des Feindes zusah, nicht schon fürchterlich genug ge- 
wesen wäre, erhöht Josephus die Verlustzahlen ins ungeheuerliche. Schon dass 
zwischen dem 14. Xanthikos und dem 1. Panemos, also in 80 Tagen, 116880 
Leichen aus einem einzigen Stadttor herausgeschafft sein sollen, ist einfach eine 
abgeschmackte Aufschneiderei: dem naheliegenden Eiuwand dasa, diese. Zahl eine 
enorme Bevölkerung der Stadt voraussetzt, begegnet die Erfindung dass wegen 
des Pascha gewaltige Volksmengen hineingeströmt seien. Am Schluss des 
6. Buches rechnet er aus dass das Pascha in Jerusalem in Friedenszeiten von 
etwa 2700000 Männern gefeiert sei, und fügt hinzu, den Zweck dieser Zahlen- 
Bchwelgerei aufdeckend [6, 428] : t6%s ys nijv üöitsQ slg sC(fxviiP ixb t^g $[iwcQndwt^ 
xav öw^Xsiödifi rö l^og %vl vMtiiv 6 «tfJUfto^ r^ nöXiv ivdg&v ixvxXihöato* 
Man soll ihm also glauben, es seien bei der Belagerung 1100000 Menschen um- 
gekommen [6,420]: es wären eben sehr viele zu den Mazzot in die Stadt g^ 
kommen und dann von der Einschliessung überrascht, so dass sie nicht mehr 
herausgekonnt hätten. Nun ist das Unsinn: nachdem der Krieg 8^/s Jahr im 
Land getobt hatte, als die römische Armee schon dicht vor Jerusalem stand, 
sind nicht Hunderttausende von Bauern zur Festfeier in die Stadt geeilt. Um 
aber die Sache etwas glaublicher zu machen, schob der Schriftsteller die Mazzot* 
feier so früh, dass sie wenigstens nicht mit dem Beginn der eigentlichen Be- 
lagerung zusammenfiel. Dies Paschadatum ist also als unglaubwürdig bei Seite 



1) Tftc. bist. 5, 12 mox loannei mistis per $peeiem aacrificandi qui EUoMwmm mannm^ 
ime mu8 öb&unearmt, temph pcUktr. Von einem grossen Volksfest ist keine Rede. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTESTAFELN 147 

ZU lassen und darf nicht so erklärt werden, als rechne Josephns bald naeh 
diesem, bald nach jenem Kalender. Das wäre eine Confasion ohne Sinn nild 
Zweck gewesen; wenn er lägen nmsste oder wollte, hatte er seiBe (Gründe. 

Man hat schliesslich noch zwei Daten auf den chimaerisohen nlt jitdinrihon 
Kalender zarückfilhren wollen, das Aufhören des täglichen Opfers am 17. Pa- 
nemos und den Brand des Tempels am 10. Loos. Aber diese Daten lösen sicdi 
einfach auf. Am 6. Panemos [24. Juli] wurde die Antonia genommen [6,67fi.]. 
Titas befahl die Ruinen zu planiren um den Tempel stürmen zu können [6,93]; 
das dauerte 7 Tage [6, 149], also bis zum 12. [81. Juli]. Dann mussten die Be- 
lagerungswerke aufgeführt werden: am 22. [6,165], 24. [6,166], 27. [6,177], 
28. [6, 192] » 10., 12., 16., 16. August steckten theils die Juden, thails die 
Römer die Tempelhallen in Brand. Am 2. Loos [6, 220 f.] ^ 21. August begann 
der Angriff auf die Tempelmaner mit der Helepolis, am 8. [27. Aug.] mit dem 
Widder. Das läuft alles klar und folgerichtig ab; nur jenes Datum des 17. Pa- 
nemos [5. August] scheint zu stören; denn es steht unmittelbar hinter dem Be- 
fehl des Titus den Schutt der Antonia wegzuräumen [6, 94] : Titog dh . . , xtna- 
<s%i%tBi/if nQo6itai6 taifg tsfuXiovQ t^gUvrayi^^ag . . ., aitbg da tbv ^lA^rpuiv noQOr 
^tffidftwog* ixinveto y&Q i%* inaivriq tf^g ii^igag [d. h. an dem Tage an dem er 
dem Josephus zu reden befahl, nicht etwa als die Aufräumungsarbeiten begannen], 
IJavifiov d' ^ ixraxaidexdttij tbv ivöeJUx^^t^ xakcöiuvov ivdg&v &noQicu duc* 
kBkoLxivai x&i, ^8&L X€ci tbv dijuov inl toikaL isiv&g &&viM,£tv* Xdysiv t&i 'JoNfwijt 
niXiv htikBvfSBv & xal xqöxsqov xxL Josephus hat die schöne Rede welche die 
Menschlichkeit seines prinzlichen Protektors und seine eigene Vortre^chkeit 
illnstriren sollte, an diese Stelle des Berichts geschoben um den Eindruck zu 
erwecken als hätten er und Titus den Tempel retten können, wäre Johannes 
nicht ein so hirnverbrannter Fanatiker gewesen. Das ist aber nichts als ein 
schriftstellerischer Ejiiff: die militärischen Operationen zeigen dass der Sturm 
auf den Tempel beschlossene Sache war und damit auch die Zerstörxmg. 

Dass das Datum des Tempelbrandes, der 10. Loos [29. August], in der Er- 
zählung [6, 250] fest wurzelt, giebt auch Niese [Herm. 28, 206] zu, obgleich er sich von 
der Vorstellung eines von dem tyrischen abweichenden jüdischen Kalenders nicht 
hat frei machen können. Im jetzigen jüdischen Kalender ist der 9. Ab-Loos der 
Tag, nicht der 10. ; er war es schon im 3. Jahrhundert, wie die Didaskalie zeigt 
{vgl. oben S. 108]. Die eintägige Differenz tritt hier wieder auf, wie bei den 
Daten der Megillat Ta*nit im Vergleich mit Josephus; sie lässt sich diesmal 
aber nicht auflösen. Dass man über den Anfang des Tempelbrandes nicht ganz 
gleicher Meinung war, ist leicht zu begreifen; da der geringe unterschied nur in 
so fem wichtig ist, als er beweist dass das jüdische Datum selbständig fiber- 
liefert und andererseits Josephus nicht von dem kalendarischen Datiun abhängig 
ist, schliesse ich aus der wesentlichen Übereinstimmung, dass sich das Datum 
4es tyrischen Kalenders im Gedächtniss der Juden erhalten hat; sie haben den 
Loos Ab genannt. Nach den verschiedenen Kalendern die sie gebrauchten, nahm 
das Datum eine verschiedene Bedeutung an. Die Frage wann der salomonische 

19* 



Digitized by 



Google 



148 Ifi« SCHWARTZ 

Tempel zerstört wurde, lasse ich bei Seite; an diesem Datum dürfte herum 
corrigirt sein um ein Zusammentreffen herbeizuführen, nicht umgekehrt. 

Es ist nicht überliefert wann die Juden den tyrischen Kalender officiell 
annahmen. Aber wahrscheinlich ist es dass sie seine dem julianischen Kalender 
adaptirte Form deshalb annahmen, weil sie ihn in seiner ursprünglichen luni- 
soluren Gestalt schon vorher hatten. Bedenkt man dass Tyrus 126 v. Chr. eine 
Ereiheitsaera einführte und dass die Hasmonaeer sich in derselben Zeit, nach 
Antiochos Sidetes Tod [129/8], völlig vom Seleukidenreich emandpirten, so ist 
man versucht hier einen Zusammenhang zu ahnen: näher praecisiren lässt er 
sich nicht. 

Die julianischen Kalender der Hellenen, d. h. der Antiochener und der Tyrier, 
zeigen beide, wie schon gesagt, eine Verschiebung des echten makedonischen 
Kalenders, durch welche der Hyperberetaeos zum ersten Monat statt des Dios 
wurde. Da nun die Juden den Tischri »» Hyperberetaeos setzten, so musste der 
Nisan zum Xanthikos werden. Zum leichteren Yerständniss, auch des Folgenden, 
schiebe ich eine Tabelle ein; die Gleichungen sind die des julianischen Kalenders; 
die Namen der asiatischen Monate habe ich nach der Einfuhrungsurkunde 
[Dittenberger, Orient, inscr. or. 458], ihre Zahlen in griechischen Buchstaben 
nach der spSter üblichen Datirungsweise gegeben: 

(s. nebenitehende Tabelle) 

Wenn auf diese Weise die Feier des Pascha und der Mazzot spat fiel, 
später als es uns zulässig erscheint, denen die Aequinoctialgrenze in Fleisch und 
Blut übergegangen ist, so war das den realen Verhältnissen nur angemessen. 
Die Ernte war sicher im Gang, so dass am zweiten Tag der Mazzot die G-arben 
dargebracht werden konnten ; noch wichtiger war dass die Schiffahrt längst offen 
war und die Pilger aus der Diaspora unter allen Umständen die Möglichkeit 
hatten nach Jerusalem zu reisen, ein wichtiges Moment bei der Tendenz zu 
centralisiren und der energischen Propaganda die das Judenthum der Hasmonaeer 
und der römischen Zeit kennzeichnet. Was die alexandrinische Judenschaft be- 
stimmt hat den Pharmuthi gleich dem Nisan zu setzen, lässt sich nicht sagen, 
vielleicht war der Grund einfach der dass nach der Reform des aegyptischen 
Kalenders dieser Monat dem tyrisch-palaestinischen Xanthikos am nächsten kam; 
so viel ist sicher dass Josephus [AI. 2,811] nur den Pharmuthi des festen 
aegyptischen Jahres gemeint haben kann; wie die Judenschaft des Tempels in 
Leontopolis sich mit dem Wandeljahr abfand, kann man nicht einmal ahnen. 

Bei diesen Observanzen, der palaestinischen sowohl wie der alexandrinischen, 
{ipielt das Aequinoctium keine Bolle. Dagegen tritt es in der Speculation schon 
auf; sowohl Philo [s. o. S. 139] als Josephus [AI. 3, 248] erwähnen es, um zu 
rechtfertigen dass Moses den Monat des Pascha den ersten nennt. So viel 
bei der dürftigen Überlieferung, die durch das scholastische Geschwätz der 
talmudischen Rabbinen in keinem Punkt ergänzt wird, dunkel bleibt und einst- 
weilen bleiben muss : das lässt sich doch erkennen dass nach der Zerstörung de^ 



Digitized by 



Google 



r 



CHRISTUCHB ÜVD JÜDISCHE 08TERTAFELN 



149 



t5 
O 



> 
o 



I I T 



P 



09 



Q 
d 

I 



I 



■'^ ^ I I 



s 



s ^ ^ ^ ^ g 



^ 



o 

^ 



5 -^ 






3 



•3 



bo 



'S 



e3 (N 



CS3 






1^ 



i 



I « 






^ 



^ 



IQQ. 

CA 

1 



I »« 

Ca 



I L* 

1- » 






X3 






I CA 

-B I er 

3. 2 



1^ 

CA 

1 



'3 



>2 




:3 



^ 'S 












l 



H S W <2) 



I .1 s I 

■< ^ K» CO 



i 






•3 



ö 2 



& 



.1 ^ 












13 



il 



:?; 



^ 



s 






o 
O 


i 




1 








1 


1-^ 




-< 


CO 


t-i 


ö 


1— J 


1-H 


od 


i-J 


ö 


pH 


o 


pH 


pH 


ö 


CO 

1. 

1-i 


CO 


CO 

1. 


CO 


Ol 

1. 


00 

1 


CO 


CO 

1 

T-4 


CO 

1. 

1—1 


CO 

1 

pH 


CO 

pH 


CO 
pH 



^ 



u 


Ä 


a 


,£1 


o 


3 


ü 






.lä 


H 


cd 


H 


^ 


W 


Jh 


Ä 


hl 


S 


.ts 


<El 


•«-> 


a> 


'*-» 


g 


^ 


00 

hl 


<y 


eg 


V 


Ca 






»2 






%s 






k» 




CA 



a 



5Zi 



s 

.fcl 



a 






-3 



'& 



^ 



»2 




r< 


;k 


ry 


» 




•o 


n 


sa 


.^ 


^ 



-43 



« ^2 






^^ 






;?; 



o 

^ 



g 



'8 



-I 



9f 



Digitized by 



Google 



160 IL 80HWABTZ 

Tempels die realen Momentei Erntezeit und Pilg«trei8en, ihre Kraft verlieren 
and die Abstraction der Aeqninoctialgrenze vordringt, nnd zwar in der Weise 
dass der Pascbamonat in den Abschnitt des bürgerlichen Jahres gelegt wird, 
der die Frühlingsnachtgleiche einschliesst. Am klarsten tritt das hervor, wenn 
man die spätere alexandrinische Observanz, wie sie Petms für den Ainfi^ng des 
4. Jahrhunderts bezeugt, neben die Identification des Paschamonats mit dem 
Pharmnthi bei Josephas hält: in jener Zeit ist der Vollmond des Phamenoth der 
des Festes, nnd nur durch Embolismus rückt er in den PharmuthL In Asien ist 
zwar der Xandikos gleich dem Nisan, aber das bedeutet etwas anderes als die 
alte palaestinische Gleichung. Denn der asiatische Xandikos ist nicht der 7., 
sondern der 6. Monat des Jahres und liegt zwei Monate früher als der tyrische : 
er fasst den Eintritt der Sonne in das Zeichen des Widders noch grade, wenn 
man dafür das julianische Datum des 18. März ansetzt. Die antiochenische 
Judenschaft macht sogar statt des Xanthikos- Nisan den Dystros-Adar zum 
Festmonat, schwerlich aus einem anderen Gbunde als weil das Aequinoctium in 
ihn fiel. Diese Tendenz ist in die Christenheit, die lange Zeit sich nach den 
jüdischen Observanzen richtete, übergegangen; die ältesten römischen Cyclen 
lassen noch erkennen wie man bestrebt war die Frühlingsnachtgleiche in, nicht 
vor den Paschamonat zu legen. Anatolius that den entscheidenden Schritt: er 
verlangte dass der Vollmond nach dem Aequinoctium fallen müsse. Lange nach- 
dem dies Prindp in der gesammten Christenheit triumphirt hatte, drang es auch 
in den jüdischen Kalender ein: denn der ist nichts als eine mit den sonder- 
barsten rabbinischen Schrullen ausgestattete Modification des alexandrinisch- 
constantinopolitanischen Ostercyclus. 



X 
Der verbesserte jfldische Kalender 

Es ist nicht meine Absicht das System des geltenden jüdischen Kalenders 
ausführlich zu erörtern. Das ist oft genug geschehen, da seine verzwickte An- 
lage den Ehrgeiz technischer Chronologen anspornen musste; mathematische und 
rechnerische Talente haben immer wieder versucht seinem verwirrenden Gang 
mit Formeln und Tabellen beizukommen, es auch erreicht dass es jetzt eine 
leichte Sache ist jüdische Daten auf den julianischen Kalender umzurechnen oder 
umgekehrt^). Dagegen sind bis jetzt einige Momente nur wenig oder gar nicht 



1) Die aosflüirlichste Darttellimg des jüdischen Kalenders, die sicher in die intricate Materie 
einführt nnd ausserdem mit bequemen Tabdlen ausgestattet ist, hat ein englischer Geistlicher yet* 
fasst, dem offenbar das Beohnen Spass machte: Bnmaby, elemmts of the Jewish nnd Mohammedan 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE Xmj> JÜDISCHE OSTEBTAFELK 161 

berührt» die teetmisch kein besonderes Interesse haben, aber den Weg zeigen^ 
auf dem sich einige Eonde über die Entstehung dieses wonderlichen Monstroms 
gewinnen lässt: nnd für die Geschichte ist das wichtiger als das Technisch- 
mathematische. 

Die kanonische Darstellnng des jüdischen Kalenders, aaf der die Neueren 
lassen, steht in den ttTXxn wnp rfD^n des Maimnni, gewöhnlich Maimonides ge- 
nannt; ich muss, da ich kein Neohebraeisch lesen kann, die lateinische X)ber- 
Setzung yon L. de Compiegne de Yeil [Mqfemonidae tractaius de consecratione edlen* 
darum, London 1683] benutzen. Cap. 11, 16 nennt er als Fundament astronomi- 
scher Rechnungen den 3. Nisan des gegenwärtigen Jahres, des 17. im 260. 
Cydus: is est annus a constittdo mundo queUer mtUesimus et nongentesimus et 
tricesimus octauus; idem est perscriptionum seu tabularum miüesimus quadringente* 
simus octogesimus nonus, idemque müleswms centesimus et nonus est annus a distur- 
lato templo secundo. Der 8. Nisan 4938 A. M. = 1489 der Seleukidenaera ent- 
spricht dem 23. März 1178 n. Chr. Mehr als anderthalb Jahrhxmderte früher 
war die jüdische Zeitrechnung und Festordnung ausführlich von einem Nicht- 
juden beschrieben, nämlich von Abu 'lBai;i^än Muhammad b. Ajpnad al BSrünl, 
gewöhnlich AI Biruni genannt, in seinen ^Denkmälern der Yergangenheif ). AI 
Biruni nennt in einem Beispiel [p. 194] das Seleukidenjahr 1311 [= 999/1000 
n. Chr.] 'unser Jahr', d. h. das gegenwärtige [vgL Sachau p. XXV]; damit ist 
die Zeit bestimmt, in der das Buch verfasst ist. Der gelehrte Muslim aus 
Ghorasmien übertrifft den jüdischen Rabbi, der fünf Menschenalter nach ihm 
schrieb, in jeder Beaiehung; wenn man vollends das Buch mit dem vergleicht, 
was um 1000 im Occident, auch in Constantinopel, geleistet werden konnte, so 
staunt man über die ungeheure Überlegenheit der orientalisch-islamischen CuHur 
über die kirchliche Barbarei: hier lebt hellenistische Wissenschaft fort, dort ist 
alles von dogmatischer Ignoranz verwüstet. Als Astronom von Fach ist AI 
Biruni den technischen Schwierigkeiten seines Gegenstandes durchaus gewachsen; 
aber ihm sind die Acren und Festkalender der Tränier, der heidnischen und der 



ealendart, LosdoB 1901. Aus A. Schwäre, der jüdische Kalender, historisch und astronomisch 
untersucht, Breshui 1872, erf&hrt man wie sich der Kalender yom orthodoz-rabbinischen Standpunkt 
ans betrachtet ausnimmt Die bequemsten Umrechnungstabellen sind nach meiner Erfahrung die 
Schramschen Hilfstafeln für Chronologie (Denkschr. d. Wiener Akad. math.-nat CL Bd. 45). Isidor 
Loebs Einleitung zu den Tables du calendrier juif ist für den Uneingeweihten etwas zu kurz, 
zeichnet sich aber durch historisches Urteil vor den sonstigen rabbinischen und jüdischen Dar- 
stellungen aus. Idelers Capitel über 'die Hebraeer' ist unübertrefflich schön geschrieben, aber ver» 
altet: er hält den Kalender für ehrwürdiger als er ist. 

1) Das Original, nach dem ich dtire, ist herausgegeben von Sachau, Chronologie orientalischer 
Völker, Leipzig 1878 ; derselbe hat das Werk ins Englische übersetzt und mit Noten versehen [The 
chronology of ancient nations, an English version of . . . Albtrunt, London 1879]. So grosse Ver- 
dienste sich Sachau um den oft verdorbenen Text und seine Erklärung erworben hat, so darf doch 
darum nicht verschwiegen werden dass in die Noten, wenigstens zu den Capiteln über den jüdischen 
Kalender, sich allerhand Versehen eingeschlichen habmi, durch die ein Anfänger leicht irre- 
geführt wird. 



Digitized by 



Google 



162 E. SCHWABTZ 

mnbammedanischen Araber, der Jaden und der Christen mehr als eine GMegen- 
heit Rechenkünste zn üben. Sie sind ihm geschichtlich merkwürdige D^ikmäler, 
die er scharf und objectiv beobachtet, aach wenn dies oder jenes, wie die scho- 
lastischen Spielereien der jüdischen and der christlichen Chronologen, seinen kühlen 
and vornehmen Spott heraasfordert ; and diese historische Objectivität, die an nichts 
vorübergeht and nar sachliche Kritik übt, ist amso erstaanlicher, als das Bach 
von einem Achtandzwanzigjährigen geschrieben ist. Eine Fülle von Nachrichten 
and Traditionen ist hier von einem angewöhnlich arteilsfahigen Grelehrten ge- 
sammelt: das Wenigste ist bis jetzt verarbeitet, sehr vieles gar nicht beachtet^). 
Nar darch seine Berichte ist es möglich wenigstens etwas über die erstarrte 
Form in welcher der jüdische Kalender schon bei Maimonides erscheint, hinaas 
za dringen. 

Der jüdische Kalender bernht aaf drei Fandamenten : dem synodischen Mond- 
monat, dem 19 jährigen Schaltcyclus von 236 Mondmonaten and der siebentägigen 
Woche die vom Anfang des Sonntags, der nach jüdischer Rechnnng am Samstag 
Abend 6 Uhr beginnt, gezählt wird. Der synodische Monat wird gerechnet 
[Maim. 6, 3 p. 368. Albir. 145, 19] za 29* 12>» 793 ^alaq, das sind 44' 3" 20'"; denn 

ein pbn [Theil] ist -j^ der Stande = 3" 20'". Wie Ideler gesehen hat, haben 

die Jaden die Berechnnng Hipparchs übernommen : er setzte den synodischen Monat 

nach Ptolem. Synt. math. 4,2 p. 271 Heib. an za 29<» + ^^ + |^ + -^ + |^, 

was bis aaf die letzte Tertie sich mit dem synodischen Monat der Jaden deckt. 
Wenn die Christen ihr Pascha nach dem kallippischen Cyclas berechneten, so 
wollten die Jaden es noch besser haben and riditeten sich nach Hipparch, der 
Kallippas corrigirt hatte. Maltiplicirt man den Betrag des synodischen Monats 
mit 12, so ergiebt sich das G-emeinjahr von 354"^ 8^ 876 x; das Schaltjahr moss 
einen Monat länger sein, 383"^ 21^* 689 %> Der Cyclas setzt sich aas 12 Gemein* 
Jahren and 7 Schaltjahren zasammen: seine Daner ist 236*29^ 12^ 793 ;t ™ 6939^ 
16>»B9Bx. 

um die jüdische Zeitrechnang za verstehen, darf man nie aas dem Aage 
verlieren dass sie mit zwei verschiedenen Jahren operirt, dem bürgerlichen, nach 
dem datirt wird and die Feste gefeiert werden, and dem astronomischen, aaf 
Grand dessen immer das bürgerliche berechnet wird. Wenn es gilt die Con- 
stractipn des Kalenders za verstehen, darf znnächst nar dies, das astronomische, 
berücksichtigt werden. 



1) Kirchenhistoriker wül ich auf den Festkalender der syrischen Christen aufmerksam ge- 
macht haben. Johannes Chrysostomus hat einmal über einen sonst anbekannten Märtyrer Jolianns 
gepredigt [t. 2 p. 671]; aus Albimni 299,2 erfahren wir dass sein Tag der 13. Mai war. Noch 
wichtiger ist der Festkalender der Nestorianer. Den grossen griechischen Wetterkalender hat 
Wachsmath in seiner Aasgabe des Lydos nar einer flüchtigen Erwfthnang ftlr wert gehalten. Ich 
mass mich selbst anklagen dass mir das Excerpt aas Eosebs Chronik p. 86 ff. entgangw ist 
a. s. w. a. s. w. 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 153 

Kein lnnisolarer Kalender der nicht gleich in Unordnung geraihen soll, 
kommt mit Jahren von 354 oder 384 Tagen ans. Da der synodische Monat 
beinah '/« Stunden mehr beträgt als 29^/s Tage, sammelt dieser überschnss sich 
sehr rasch zu einem Tag an, der einen Platz im Kalender verlangt: min- 
destens die G-emeinjahre müssen in regelmässigen Abständen von 354 auf 355 
Tage erhöht werden. Es ist oben gezeigt dass die auf dem kallippischen Cyclns 
beruhende alexandrinische Enneakaidekaeteris factisch mit Jahren von 354, 
855, 383, 384, 385 Tagen rechnet. Während aber dort die julianischen Schalt- 
tage and der saUus lunae in der Stille die Aufgabe besorgen das Mondjahr 
richtig zu verkürzen oder zu verlängern, muss das astronomische Neujahr der 
Juden immer von Neuem berechnet werden, indem die Dauer des Gemein- oder 
Schaltjahres mitsammt den Bruchteilen zum Neujahr des Vorjahres hinzuaddiert 
wird. Da dieser Process ununterbrochen fortläuft, addiren sich die Stunden und 
;i^alaq zu Tagen, und das Jahr von 354 Tagen wird zu einem von 355 ; beim Schaltjahr 
werden die 384 Tage in der Regel voll werden, doch müssen natürlich auch Fälle 
eintreten, in denen der Ueberschuss von 21^589;i; nicht zu einem ganzen Tag 
aufgefüllt wird. Somit würden sich Jahre von 354, 355, 383, 384 Tagen er- 
geben, wenn das astronomische Neujahr mit dem bürgerlichen zusammenfiele. 

Die eben skizzirte Addition bedarf, um von Neujahr zu Neujahr fortzulaufen, 
unbedingt einer Aera und eines Ausgangspunktes: davon wird noch ausführlich 
zu handeln sein, hier nehme ich einstweilen vorweg dass im geltenden jüdischen 
Kalender die Rechnung gestellt ist auf eine Aera Mundi, den D^Wi "pÄ der 
jüdischen Chronologen; sie läuft vom 1. Tischri [= Montag 7. October] des 
Jahres 3761 v. Chr. ab. Es werden nun aber niemals die gesammten Tages- 
summen addirt, sondern sie werden durch Auswerfen der vollen Wochen auf 
den Ueberschuss über eine Woche reducirt : man berechnet also von dem Wochen- 
tag eines bestimmten Neujahrs aus, auf welchen Wochentag das gesuchte Neujahr 
fallt. Während die ungefähre Dauer eines Jahres, 35^ oder 383 Tage, durch die 
Stellung im Cyclus bedingt und von vornherein bekannt ist, liefert die Wochen- 
rechnung die genaue Dauer und stellt fest, ob ein Tag zugewachsen ist oder 
nicht; es ist eine wesentliche Eigenschaft des jüdischen Kalenders, dass er die 
Woche zum Träger der Construction macht. Die centrale Stellung die der Sabbat 
immer mehr usurpirt hat, findet hierin ihren praecisen Ausdruck. 

Das Instrument der Wochenrechnung ist der möled [nbnta = Geburt, nämlich 
des Mondes]. Jeder Moled setzt sich aus drei Zahlen zusammen; die erste be- 
deutet den Wochentag, die zweite die Stunde, die dritte den xbIaci. Z. B. ist 
der Moled des 1. Tischri des Jahres 4865 AM. [1104 n. Chr.] 4* 18>»244x, d.h. 
der Neumond der das Neujahr 4865 bestimmt, trat ein an einem Mittwoch 
18»» 244 X, nach unserer Rechnung 12»» 13' 33" 20'" Mittags. Genau definirt, 
bezeichnet also der Moled die Zeit welche vom Anfang der Woche, d.i. von 
Samstag Abend 6 Uhr nach unserer, von Beginn des Sonntags nach jüdischer 
Tageszählung, bis zum Eintritt der Conjunction verflossen ist. Die Additionen 
vollziehen sich nun so, dass zu dem Moled des 1. Tischri eines Jahres, oder wie 

Abku41uff«n d. K. 6m. a. WiM. ni GötÜnffeiL PhUoloff.-hiftor. El. N. F. Band 8,«. 20 



Digitized by 



Google 



154 E. 8CHWARTZ 

man abgekfirat sagt, zu dem Moled eines Jahres x der Ueberscfatnss eines Ge- 
meinjahres über eine Woche = 4* [364 — 50 • 7] 8^ 876 Xf oder eines Schaltjahres 
it=± 5* [883—64 • 7] 21^ 589 % addirt werden um den Moled des Jahres x + 1 
m finden. Der Moled des Jahres 4866 ist z.B. 4*18* 244^ + 4* 8* 876 % ^ 
2* 3** 40 jj : daran dass der Neumond des Neujahrs nicht 4, sondern 5 Wochen* 
tage fortschreitet, von Mittwoch zum Montag, erkennt man dass dies Jahr, 
asttonomisch betrachtet, nicht 354, sondern 355 Tage beträgt. 

Diese Rechnung lässt sich auch auf grosse Zeiträume übertri^en und man 
spricht von dem Moled des 19jährigen Cyclus, d.h. von dem Ueberschuss der 
TagesBumme eines Cyclus über volle Wochen : er beträgt 2* 16** 596 % [vgL 
Albir. 54, 10. Maimon. 6, 12 p. 370]. Man sieht daraus, dass die jüdischen Daten 
nach Ablauf eines Cyclus keineswegs genau wiederkehren, sondern die Additionen 
gehn immer über die Cyclen weg. Das Jahr 4865 mit dem astronomischen Neujahr 
am Mittwoch ist das 1. eines Cyclus. Der folgende Cyclus beginnt mit desd 
Neujahr des Jahres 4884 [1123/4 n. Chr.]: der Moled ist 4* 18«» 244 x + 2* 16^ 
iSl^ jU = 7* 10^ 839 X' Das Neujahr rückt nicht um zwei, sondern durch die 
Addition der Tagesbruchteile um 3 Tage, vom Mittwoch zum Samstag vor. 
Dieser Qydus umfasst also, astronomisch gerechnet, nicht 6939, sondern 6940 
Tage. 

Umgekehrt gilt die Mondrechnung auch für die einzelnen Monate des Jahres. 
Sie betragen bürgerlich 30 oder 29 Tage; bei astronomischer Rechnung muss 
aber der Ueberschuss eines synodischen Monats über eine Woche = 1* 12^ 793 j; 
zu Grunde gelegt werden. Das wird besonders wichtig für die astronomische 
Bestimmung des 1. Nisan; man findet diesen Moled, wenn man 2^m Moled des 
1. Tischri im Gemeinjahr 6.1*12>»793x = 2^ 4»^ 438 x, im Schaltjahr 7.1M2^ 
t^8 jt = 8* 17^ 151 X addirt. Denn der Schaltmonat des jüdischen Jahres liegt 
vor dem Nisan: es wird zwischen dem 5. und 6. Monat, dem Schebet und dem 
Adar, ein Monat eingelegt. Eine Schrulle ist es dass dieser Schaltmonat Adar 
heisst, während der folgende den Namen TJnd-Adar' [*^*W1] erhält, der eigent- 
lich dem Schaltmonat zukäme; diese Schrulle wird historische Gründe haben. 
In früherer Zeit schaltete man vor dem Paschamonat; denn der 15. Nisan war 
der Funkt des Jahres, nach dem sich alles andere richten musste; daher hiess 
in Schaltjahren der Mondmonat vor dem Nisan der 'neue Adar*. Dass man den 
Söhaltmonat vor den Adar schob, hängt wahrscheinlich mit den noch zu er- 
wähnenden Regeln zusammen, welche für den bürgerlichen 16. Nisan wie für 
den 14. Adar, den Tag des Purimfestes, bestimmte Wochentage ausschliessen. 
Diese Regeln verlangen dass 15. Nisan und 14. Adar genau 2 Wochentage aas- 
einanderliegen, was nur möglich ist, wenn dem Nisan ein 29tägiger Monat vor- 
hergeht; der bürgerliche Schaltmonat hat aber 30 Tage. So wurde die Schaltxmg 
verlegt, aber die älteren Namen blieben. 

Damit die Moledrechnung ein Fundament hat, muss der Moled des Neu- 
mondes von dem ausgegangen wird,J also der des 1. Tischri des Jahres 1 A. M. 
feststehen. Er ist nicht, wie harmlose Seelen meinen könnten, = 0, sondern ^ 2' 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHK UND JÜDISCHB OSTEBTAPELN 166 

6^204x [Maimon. 6,8 p. 369]; schreibt man die Zahlen in hebraeischen Buch- 
staben, so kommt die technische Sigle für diesen Moled heraus Tira. 

TJm an einem Beispiel zu veranschaulichen wie die Dauer des astronomischen 
jüdischen Jahres wechselt, um femer zu zeigen wie sich die Vollmonde des Pascha 
hin und herschieben, habe ich für einen Cyclus die Daten des astronomischen 
1. Tischri und 1. Nisan nach den Moledot berechnet und in den julianischen 
Kalender umgesetzt, femer die alexandrinischen OsteryoUmonde hinzugefügt. 
Als Beispiel habe ich den 257. Cyclus genommen, der zwischen AI Biruni und 
Maimonides etwa in der Mitte liegt. Das 1. Jahr dieses Cyclus ist 4865 A. M. 
= 1104/5 n. Chr. = 1416 sei. [beginnt mit dem 1. October]. Da vor ihm 256 
Cyclen verflossen sind, so ist sein Moled = 256 - 2* 16»» 595 ;t = 2*13>*40;t» dazu 
der Moled T\nj hinzugezählt, ergiebt 4* 18^ 244 %- Die Schaltjahre bezeichne ich 
mit 6; ein Stern neben dem 1. Tischri und 15. Nisan bedeutet dass im bürger- 
lichen Jahr das Neujahr oder der 15. Nisan um einen, zwei Sterne dass sie um 
2 Tage vorgeschoben sind. 

(TabeUe S. 156) 

Zum Vergleich mag folgendes dienen. Nach jüdischer Rechnung, die für den 
Meridian von Jerusalem [+ 2"* 21" von Grreenwich] Richtigkeit beansprucht, treten 
die Conjunctionen ein, wenn man die Zahlen in unsere Ausdrucksweise umsetzt: 
21. Sept. 1104 12»^ 13' 38" 20'" Mittags 
17. März 1105 4>» 37' 53" 20'" Nachmittags 
29. März 1123 12^ 22' 16" Nachts. 
Nach den Oppolzerschen Syzygientafeln, die bis auf 2 Minuten genau sein 
sollen, berechne ich als wahre Conjunctionen für den Meridian von Jerusalem: 
21. Sept. 1104 5^43.2« Morgens 
18. März 1105 1>»8.3» Nachts 
29. März 1123 9>»8.4° Morgens. 
Ein derartiger Kalender ist alles andere als einfach, und doch haben ihn die 
Rabbinen noch verzwickter gemacht durch die berüchtigten De^ijot [H'^m = pro- 
motio]. Diese Regeln finden sich bei Maimonides cap. 7 zusammengestellt; sie 
sind schon AI Biruni bekannt, nur erwähnt* er die sogenannte astronomische Ver- 
schiebung des Neujahrs nicht besonders, sondern rechnet sie in seine Tafel der 
Orenzen des Moled8.[p. 156 f.] mit hinein. Die anderen Verschiebungen zählt er 
in einem besonderen Abschnitt auf [p. 283 ff.], der Terminus ^Ttl [176,5] kommt 
ebenfalls schon vor^). 

Die sogenannte astronomische Verschiebung ist die harmloseste. Sie besteht 
darin dass, wenn der Moled eines Jahres in den Stunden auch nur einen x^^ 
mehr als 18 [=: 12 Uhr Mittags] anzeigt, das Neujahr auf den folgenden Tag 
gelegt, das schliessende Jahr also um einen Tag verlängert, das beginnende um 
einen Tag verkürzt wird. Viel tiefer greift die andere Regel ein, die verbietet 
dass der 1. Tischri auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag fallt und ver- 



1) 302, 12 'Das richUgste ist die Termini gu gebrauchen^ die in jeder Gemeinschaft ObUeh sin^. 

20* 



Digitized by 



Google 



166 



K. SCHWABTZ 



ixx. 






3 






WÖOQDgpaDOOQOOOaoaOQOOOQOQDODOOOOOÖQO 

tOfcOfcOi— H-H-h-i— ^ — H-H-h-QOOQOQ 
* * ♦ ♦ 



Jüd. 
Weltjahr 



Jahr 
n. Chr. 




il|i'sl|i||l§|iiilf^^- 

3 S N N 



gl 



Jahr 
n. Chr. 










Digitized by 



Google 



CHRISTUCHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 167 

langt dass in einem solchen Falle das Neujahr um einen Tag vorgeschoben wird. 
Von dieser Regel hängen die anderen, welche für Pascha, Kippftr, Purim usw. 
bestimmte Wochentage verbieten, so fest und unverrückbar ab, dass es über- 
flüssig ist sie besonders zu erwähnen. Sie tritt auch in Kraft bei der astrono- 
mischen Verschiebung; wenn diese z.B. das Neujahr von einem Dienstag auf 
einen Mittwoch rückt, so verlangt die Dechijah dass statt des Mittwochs der 
Donnerstag eintritt; das Neujahr wird also um 2 Tage verschoben. Mehr als 
zwei Tage darf die Verschiebung nicht betragen, sie darf auch niemals ein Neu- 
jahr vor den durch den Moled angezeigten Wochentag zurückbewegen. Auf 
diese Weise treten zu den durch die astronomische Construction des Kalenders 
gegebenen Jahreslängen von 354, 355, 383, 384 Tagen noch zwei neue Arten 
von Jahren hinzu, ein solches von 353 und eins von 385 Tagen. Die Verkürzung 
und Verlängerung wird so bewirkt, dass in den Jahren von 353 und 383 Tagen 
der Kislew statt 30 Tage 29, in denen von 355 und 385 Tagen der Marcheschwan 
statt 29 Tage 30 erhält: der Schaltmonat hat immer 30 Tage. Eine einfache 
Ueberlegong lehrt und die obenstehende Tabelle demonstrirt dass die Ver- 
schiebungen so häufig eintreten, dass das bürgerliche Jahr meist nicht mit dem 
astronomischen zusammengeht, sondern um 1—2 Tage difierirt; man darf sich 
dadurch nicht irre machen lassen. Das astronomische Jahr bleibt trotz der 
Dechijot in unaufhörlicher Function; immer wird nur vom astronomischen, nie 
vom verschobenen Neujahr ab die Conjunction berechnet, und der Moled des 1. 
Tischri muss erst bestimmt sein, ehe der zulässige Wochentag gesucht wird. 

lieber den Grund dieser sonderbaren Methode den Kalender zu verwirren 
haben die jüdischen Rabbinen von Maimonides an die abgeschmacktesten und 
absurdesten Sophismen zu Tage gefördert. Die einfache Wahrheit steht in sach- 
licher, knapper Fassung bei AI Biruni [p. 283 f.]. Am 1. Tischri, dem Neu- 
jahrstag, und am 10., der grossen vriöteia, ist durch das Gesetz [Lev. 23, 24 ff.] 
jede Arbeit verboten. Fällt der 1. Tischri auf einen Freitag oder Sonntag, so 
bilden Neujahrsfest und Sabbat zwei ununterbrochene Ruhetage, und dasselbe 
tritt ein, wenn der 1. Tischri ein Mittwoch ist: denn dann muss der 10. ein 
Freitag sein. Das hat aber Unzuträglichkeiten zur Folge : ^es wird\ wie AI Biruni 
sagt [283, 11] */wr den Juden eine verwickelte Sache sich seinen LebensunterhaÜ eu 
schaffen und er geräth in eine Lage der er schwer begegnen und abhelfen kann\ 

Moled und Dechijah hängen zusammen ; diese ist nur möglich, weil jener die 
Wochentage bestimmt. Beide entspringen einer Wurzel, dem Sabbat und der 
Sabbatverehrung. Schon im N. T. geberden sich die Pharisaeer so als sei der 
Mensch nur für den Sabbat geschaffen, und bei den Rabbinen hat das am sich 
gefressen wie ein böses Geschwür. Nun soll auch der Mond dem Sabbat ge- 
horchen und muss wegen des Sabbats corrigirt werden : die mühselige Rechnung 
die mit lächerlicher Pedanterie die Neumonde fixirt, muss immer wieder gestört 
werden um mit dem Sabbat nicht zu collidiren, und fangt immer wieder von 
Neuem an unerlaubte Neujahrstage zu erzeugen. Wochenrechnung ist beides, 



Digitized by 



Google 



158 £. SCHWABTZ 

Moled und Dechijah: es wird nicht zu viel gesagt sein, wenn ich behaupte dasa 
beide zusammen und in Wechselwirkung mit einander erfunden sind. 

Wie der Tischri für die Dechijot, so ist der Nisan der wichtige Honat für 
die Schaltung. Ihr Zweck den Gang des Mondes mit dem der Sonne auszu- 
gleichen, lädst sich an den Daten des jüdischen Kalenders nicht erkennen; in 
ihm gehn die festen Funkte des Sonnenjahres hin und her, wie die Hond* 
phasen im reinen Sonnenjahr. Man muss den 15. Nisan in julianische Daten 
umrechnen um den Factor herauszubekommen, der für die Schaltung der 
wesentliche ist. Jedes Datum eines Mondjahrs läuft, wenn es aufs Sonnen«- 
jahr übertragen wird, nach rückwärts. Wenn das nicht, wie beim muham- 
medanischen Jahr, immer weiter gehn soll, muss für ein bestimmtes Datum 
des Mondjahres im Sonnenjahr ein fester Punkt gesetzt werden, den es nicht 
überschreiten darf und dessen Ueberschreitung durch das Einlegen eines Schalt- 
monats verhindert wird. Im alexandrinischen Ostercyclus ist dieser Punkt der 
21. März. AI Biruni und Maimonides^) sprechen beide bestimmt den Grrundsatz 
aus dass der 15. Nisan nicht vor das Frühlingsaequinoctium fallen dürfte. Das 
wird durch die Construction des jüdischen Kalenders bestätigt. So einfach wie 
bei der alexandrinischen Enneakaidekaeteris ist die Untersuchung hier freilich 
nicht. Dort ist das 16. Jahr des Cyclus dasjenige in dem der OstervoUmond 
am frühesten angesetzt ist; sein Datum ist ein für alle Mal der 21. März. Im 
jüdischen Schaltcydus, wie er seit Maimonides feststeht, erscheint das früheste 
julianische Datum für den 16. Nisan ebenfalls im 16. Jahr, das dem 19. alexan- 
drinischen entspricht. Im Jahr 1120 war^ der 16. März; aber dem war nicht 
immer so und dies Datum ist auch nicht geblieben. Denn im jüdischen Cyclus 
steckt ein durchschnittliches Sonnenjahr das kürzer als das julianische von 
365^6^ ist. Seine Dauer ist schon von den Juden selbst gefunden, einfach durch 
Division des Cyclus von 6939* 16** 595 % mit 19 : die Division ergiebt nach AI Bi- 
runi [54,12. 146,1] 365* 5"•V4104^ nach Maimonides [10,1 p. 382J 365*5>»997x 
48 regrf [= ^^h^x}] beide, nur im Ausdruck abweichende Summen sind in mo- 
demer Zählweise = 365* b^ 55' 25" 26«/i9'". Es muss daher der jüdische 15. Nisan, 
am julianischen Kalender gemessen, allmählich immer früher fallen. Andererseits 
ist das jüdische Sonnen jähr immer noch länger als das wirkb'che^, wenn auch der 

1) AI Biruni 144, 12 : ^Der 1, Tischri bewegt «cÄ tn jenen Tagen (Tom 27. Aagast bis 24. 
September) lediglich darum hin und her, weil das jüdische Pascha sieh durchachnitüich in dem 
Zeitraum vom 18. Adar nach syrischer Bezeichnung [= 18. M&rz] bis eum 15, Nisan [syrisch =b 
15. April] immer hin und herbewegt] das ist die Zeit in der die Sonne im Zeichen des Widders 
steht, und es wird als ein für das Pascha nothwendiger Umstand gefordert, dass der Vollmond in 
diese Zeit fälW. Maimon. 4, 2 p. 356 tribus de causis annus intercalaris instituebatury primo 
propter aequinoctium . . . . ut si ex tabularum ratione consilium intellegeret aequinoctium aui 
XVI die Nisan futurum esse aut etiam posterius, aUerum anno mensem Adar addereL 

2) Der Fehler war AI Binmi bekannt. £r nimmt als mittlere Länge des tropischen SocmeB- 
Jahres an [p. 144,16]: 365^ 46' 20'' 56'", etwa 2Vt Minute zu wenig. Die Yergleichnng dieser Grösse 
mit dem jüdischen Sonneigahr ist in den Hss. arg verstümmelt , doch glaube ich wenigstens den 
Schluss in Ordnung bringen zu können. Wörtlich übersetzt lautet die Stelle : Die Sonne trifft nach 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE 08TERTAFELN 



169 



Fehler nicht so gross ist wie beim jnliaiiiscben : somit rücken im Lanf der Jahr- 
hunderte auch die frühesten Daten des 15. Nisan immer weiter vom wirklidien 
Aequinoctinm ab in den Sommer hinein. Stellt man sich die jnlianischen Daten 
für den (astronomischen) 15. Nisan der Jahre XVI des jüdischen Cyclus zu- 
sammen und rechnet zum Vergleich einige Aequinoctien aas, so lässt sich die 
allmähliche Verschiebung anschaulich darstellen: 



Der 15. Nisan (astronomisch) des 
XVL Jahres ftllt auf den 



18. M&rc 
im Jahr 
n. Chr. 



417 
486 
455 
474 
493 
512 
581 
550 
569 
607 
626 
688 
759 



17. Mftrs 
im Jahr 
n. Chr. 



588 
645 
664 
702 
721 
740 
778 
797 
816 
835 
854 
873 
911 
980 
987 
1068 



16. M&rz 
im Jahr 
n. Chr. 



892 
949 
968 
1006 
1025 
1044 
1082 
1101 
1120 
1139 
1158 
1177 
1215 



15. Ml^z 
im Jahr 
n. Chr. 



1196 



Aequinoctinm 
in mittlerer Zeit von Greenwich 



898: 20. M&rz 3^ 58.9m Morgens 
486 : 19. März 9^ 9.2» Morgens 



498 : 19. M&rz 41^ 25.7* Morgens 
512 : 18. M&rz e^ 58.7» Abends 
588: 18. M&rz ^^.1^ Morgens 
626 : 18. Mftrz 9ii 43.8"^ Morgens 
740: 16. M&rz IIb 58.4- Abends 
1006 : 15. M&rz lOii 84.6« Morgens 



Aus der Tabelle geht so viel mit Evidenz hervor dass der Kalender ur- 
sprünglich so angelegt ist, dass der früheste Paschavollmond mit dem Aequi- 
noctinm zusammenfiel. Das ist der Fall im 6. und 7. Jahrhundert; vom 8. Jahr- 
hundert an tritt dieser Vollmond zu spät, vor dem 6. zu früh ein. Das ist noch kein 
Beweis, aber doch ein unverächtliches Indiz für die Zeit in welcher der Kalender 
construirt ist; es ist nicht mehr als wahrscheinlich dass seine Aequinoctialgrenze 



der beöbadhUien Oeschwindigheit an einem Ort des Zodiakus in jeden 165 einen vollen Tag früher 
ein €lIs nach der Oeschioindigkeit nach toekher sie (n&mlich die Jnden) rechnen. Der Exponent zu 
^jeden 16S* können nnr Jahre sein; es ist also mindestens ju^» ausgefallen. Aber anch die Zahl 
ist verschrieben, falls sich AI Biruni nicht verrechnet hat. Die Differenz zwischen seinem und 
dem jüdischen Sonneigahr betr&gt, wenn man die Bmchteüe der Tertien weglftsst, 9' 4'' SO"' ; molti- 
)>Iicirt man sie mit 159, so kommt 24>> 2^ 55" 80"', also ein voller Tag heraas. Ich lese also f&r 
s:jAmy Ciy**-^^ [so in R überliefert]: JCJU» eÄs*«M^^ <t*^^>' '^^ ^^^^ ^^^ Jahren\ 



Digitized by 



Google 



160 K. SCHWABTZ 

ebenso dorcli Beobachtong gefunden ist wie die Neumonde die den Moledot za 
Gmnde liegen, einmal mit Hilfe astronomischer Observation fixirt sein müssen. 
Nun ist aber das Princip das früheste Datum des 19 jährigen Paschalkreises aof 
das Aequinoctinm zu legen, dem alexandrinischen Ostercyclns eigentümlich; weder 
die übrigen Cyclen welche die Christen gebrauchten, befolgen dies Princip noch 
hat sich die ältere jüdische Observanz danach gerichtet. Hier ist es mit Händen 
zu greifen wie die jüdischen Kalenderverbesserer dem Vorwurf der vom alexan- 
drinischen Cyclus beherrschten Kirche begegnen wollten, die Juden könnten ihr 
eigenes Pascha nicht mehr zu richtiger Zeit feiern. Wie jene klugen Leute den 
kallippischen Mondmonat durch den genaueren hipparchischen ersetzten, so über- 
trumpften sie die alexandrinische Schaltordnung dadurch dass sie durch genauere 
Beobachtung der Frühlingsnachtgleiche und Verlegung der Schaltjahre das er- 
reichten, was die christlichen Alexandriner gewollt hatten. Mochten sie stolz 
auf ihr Werk sein: sie vergassen nur, dass sie dem verhassten Gegner das 
Princip abgeguckt hatten. Es ist mit dem verbesserten Kalender so wie mit den 
Synagogen, die alle christlichen Embleme peinlich vermeiden und doch jedem 
Beschauer sofort verrathen dass sie irgend einen christlichen Baustil mit mehr 
oder weniger Mangel an Geschmack imitiren. 

Ich habe schon oben erwähnt dass der 19 jährige Schaltcyclus des geltenden 
jüdischen Kalenders an die Weltaera geknüpft ist, die mit dem 1. Tischri 1 — 
Montag den 7. October 3761 v. Chr. und dem Moled "nna [2* 5»» 204 x] beginnt. 
Das Jahr 1 A. M. ist zugleich das erste Jahr des Cyclus; die Schaltjahre sind 
das 3. 6. 8. 11. 14. 17. 19, in hebraeischen Buchstaben tDn»m3i. Dem ist nicht 
immer so gewesen. AI Biruni kennt diese Aera Mundi nicht, sondern schreibt 
den Juden eine Aera Adams zu, die von ihr abweicht. Er bemerkt darüber 
[144, 6 ff.]: ^Nach der Aera Adams — Heü über ihn — rechnen die Jaden und 
nach der Aera Alexanders ^) die Christen. Wenn der (jüdische) 1. Tischri auf den 
1. des (syrischen) ersten Tischri [= 1. Oct.] fiele^ dann wäre die Aera Adams gleich 
der Aera Alexanders + 8448: soviel beträgt nach dem was die Juden sagen, das 
Intervall zwisclien Adam und Alexander. Well aber der (jüdische) 1, Tischri im 
Durchschnitt in den Zeitraum vom 27. Ab [August] bis zum 24. Hui [September] 
zu fallen pflegt, ist das Jahr der Aera Alexanders + dem Intervall zunschen Adam 
und Alexander (nur dann) gleich dem vollen Jahr der Aera Adams, wenn von ihm 
die Zeit in der die Juden abweichen^ abgezogen wird^: d. h. das Jahr x Alex, ist 
nicht vom 1. October bis zum 30. September gleich dem Jahr x + 3448 jüdischer 
Rechnung, sondern nur bis zu dem Tage der dem jüdischen 1. Tischri entspricht 
und der noch in den September fällt : in diesen letzten Tagen trifft es mit dem 
jüdischen Jahr x + 3449 zusammen. Für die Gleichungen gilt natürlich als Regel 
dass das jüdische Jahr demjenigen der Seleukidenaera gleichgesetzt wird, dessen 
Neujahr am 1. October nach dem jüdischen 1. Tischri eintritt. 3448 + 312 ergeben 



1) D. L die Seleukidenaera in der jnlianischen Form, die mit dem 1. October 312 ▼. Chr» 
beginnt. Durch ein Versehen hat Sachau in der Uebersetzung [141, 14] Aera Düuvü eingesetit 



Digitized by 



Google 



CflRI8TLICH9 UNO JÜDISCHE OSTSBTAFELN 161 

3760: die Aera Adams die A\ Binmi bei den Juden im Gebrauch fand, fängt 
ein Jahr später an als die noch jetzt gebräuchliche Weltaera, nach der schon 
Maimonides rechnet. Der Grund der DifPerenz ist der dass nach einer bei AI 
Biruni [185, 16J erwähnten Anschauung Sonne und Mond am 1. Nisan 3760 v. Chr. 
geschaffen wurden : die Aera Adams rechnet von dem 1. Tischri der diesem Tage 
folgt, die Weltaera yon dem der ihm vorausgeht. Dass jene Rechnung natur- 
gemässer und urspronglicher ist als diese, leuchtet ein. Umgekehrt haben die 
syrischen Christen, bei denen AI Bironi eine Weltaera fand, die mit dem 
1. October 5492 v. Chr. beginnt [5180 Jahre vor der Seleukidenaera, p. 302, 15 ff.] 
und die schon XSMä b. Jaztd b. Mu'awija b. Abu Sufiän [zur Zeit des Cbalifen 
*Abd al Malik 685—705, vgl. Wellhausen, das arabische Reich 139] bekannt ist, 
die reguläre aJexandrinische Weltaera um ein Jahr hinuntergeschoben, damit der 
OstervoUmond des julianischen Aequinoctiums, der 25. März, in das erste Jahr 
fallt [vgl. Pauly-Wissowa, Real-Encyclop. 3, 2467]. Es unterliegt keinem Zweifel 
dass die beiden Acren der Juden, die ältere wie die jüngere, Nachbildungen 
der christlichen Paschalaeren sind: diese aber kamen frühestens im 5. Jahr- 
hundert auf. 

Der MoJed des 1. Tischri 3760 v. Chr. = 1 Aera Adams = 2 A. M. ist 
6* 14«» [2^ 6^ 204 x + 4* B^ 876 ;r]; merkwürdiger Weise giebt AI Biruni 146,18 
5^ 14^ an, sei es durch eigenes Yersehn, sei es durch Schuld der Abschreiber. 
Bei den jüdischen Chronologen heisst dieser Moled Tn [A. Schwarz, jiid. KaL 60]. 
Ihm entspricht das julianische Datam Freitag der 26. September; da der Freitag 
als Neujahrstag unzulässig ist, wird der 1. Tischri auf den 27. September ver- 
schoben. Es muss doch Methode im Unsinn sein, sonderlich wenn der Unsinn 
rabbinisch ist. 

Wenn die Aera ein Jahr später anfängt, so thuts auch jeder 19jährige 
Cyclus der mit der Aera correspondirt. Dann aber treffen die Schaltjahre auf 
andere Nummern der einzelnen Cyclusiahre: so giebt denn AI Biruni auch an 
dass im 2. 5. 7. 10. 13. 16. 18. Jahre geschaltet wurde, oder in hebraeijschen 
Buchstaben ausgedrückt, nach der Regel m:i*)7ni. Nach dieser Regel und nach 
der Aera Adams rechnet er selbst, falls er nicht ausdrücklich eine andere 
Zählung angiebt. Er folgt darin, wie er sagt, dem Gebrauch der syrischen 
Juden. Eine zweite Schaltregel, welche die Schaltjahre ins Ü . 4. 6. 9. 12. 16. 17. 
Jahr legte [mata^T«], wurde ebenfalls von den syrischen Juden gebraucht; sie 
wird so zu erklären sein, dass das Jahr 1 Adams » gesetzt wurde, und scheint 
keine besondere Bedeutung gehabt zu haben. ^ Ursprünglich sind beide Schalt- 
regeln sicher nicht, sondern erst der Adamsaera adaptirt. Denn es ist Unsinn 
8chon im zweiten oder gar im ersten Jahr des Cyclus zu schalten; erst im 
-dritten summt sich der Überschuss des Sonnenjahrs über das Mondjahr zu einem 
vollen Monat auf. Darum verdient die Schaltregel der babylonischen Juden, die 
AI Biruni an dritter Stelle erwähnt, besondere Beachtung: sie macht das 3. 5. 
3. 11. 14. 16. 19. zu Schaltjahren. Ihre Sigle ist auch merkwürdig, denn die 
kebraeischen Buchstaben bezeichnen nicht die Nummern, sondern die Abstände: 

Ablumdliingra «. K. Gm. d. Wist. tu GökÜDsen TbiL-bisL Kl. N. F. Band 8,«. 21 



Digitized by 



Google 



162 



]£. 8GHWARTZ 



3Qt3^^). Diese Regel war zur Zeit AI Bimxiis anter den Jaden am meisten ver- 
breitet; die Regel Maimxmis [tamirTUi], die jetzt allein gebraacht wird, ist ihm 
völlig anbekannt. Damit man bequem übersehen kann, wie sich die Nonmiem 
der Schaltjahre nach den verschiedenen Regeln verschieben — die Schaltang 
selbst bleibt die gleiche — , ordne ich sie tabellarisch: 



Maimonides 






AI Birom 






Alexandrimscher 


Cyclus 


Schalt- 
regel 


Aera 
Mandi 


Schalt- 
regel 


Schalt- 
regel 

TnaxarTÄ 


Schalt- 
regel 


Aera 
Adams 


Seleu- 
kiden- 
aera 


gewOhn- 
Uch 


nach 

AlBinmi 

803,4 


Constan- 
tittopler 
Cyclus*) 


I 


1 


XIX 


XVIU 


XVII 


19 


10 


IV 


ni 


I 


II 


2 


I 


XIX 


XVIII 


1 


11 


V 


IV 


n 


me 


8 


II e 


le 


XIX e 


2 


12 


VIe 


Ve 


me 


IV 


4 


m 


n 


I 


8 


18 


vn 


VI 


IV 


V 


6 


IV 


in 


u 


4 


14 


vnie 


VII e 


Ve 


VIe 


6 


Ve 


IVe 


nie 


5 


16 


IX 


vni 


VI 


vn 


7 


VI 


V 


rv 


6 


16 


X 


IX 


vn 


VlUe 


8 


vne 


VIe 


Ve 


7 


17 


Xle 


Xe 


vine 


IX 


9 


vm 


VII 


VI 


8 


18 


xn 


XI 


IX 


X 


10 


IX 


VIII 


vn 


9 


19 


xra 


xn 


X 


Xle 


11 


Xe») 


IX e 


vnie 


10 


1») 


XlVe 


xnie«) 


Xle 


XII 


12 


XI 


X 


IX 


11 


2 


XV 


XIV 


xn 


XIII 


18 


XII 


XI 


X 


12 


8 


XVI 


XV 


xm 


XlVe 


14 


xine 


Xüe 


Xle 


18 


4 


xvne 


XVIe 


XV e 


XV 


15 


XIV 


XIII 


xn 


14 


5 


xvni 


xvn 


X 


XVI 


16 


XV 


XIV 


xin 


15 


6 


XIXe 


xvnie 


XVIe 


XVII e 


17 


XVI e 


XV e 


XIV e 


16 


7 


I 


XIX 


xvn 


XVIU 


18 


XVII 


XVI 


XV 


17 


8 


11 


I 


xvm 


XIX e 


19 


xvnie 


XVII e 


XVle 


18 


9 


me 


ne 


XIX e 



Wenn der Cydas der babylonischen Jaden im Jahr 4 der Welt, im Jahr 3 
Adams anfängt, hat er mit diesen beiden Aeren nichts zn than. Das spricht 
von vornherein dafür dass er älter als sie ist. AI Birani verbindet ihn mit der 
Seleakidenaera darch die Regel von deren laafendem Jahr 12 abzuziehen and 
den Rest darch 19 za dividiren: dann bedeatet der Qaotient die Anzahl der 



1) 5i = m, n = 2, d. h. m + 2, « 9, d. h. V -f 3 (Vm) + 8 (XI) + 8 (XIV), n = 2, d. h. 
XIV + 2, a = 8, d. h. XVI -1- 8. AI Biruni giebt selbst die ErklÄrung. 

2) AI Bimni 802,9: Nach den Juden isi das Jahr 1 der Aera Alexanders das X. des 
Ma%spQT [s Cyclus], aber nach den Christen ist es. nicht so, sondern es ist das XIIL 

8) Ich habe die constantinopler Verschiebung des alexandrinlschen Cyclus in die Tabelle auf- 
genommen, weil sie dem seit Maimonides üblichen jüdischen Schaltcyclus genau parallel läuft; viel- 
leicht ist dieser jenem nachgebildet. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLIOHI UND JÜDISCHE OSTERTAFELN * 163 

abgelaufenen Oyden^ der Best der Division die Nummer des Jahres im laufenden 
Cydus. Auf dem Holed des Jahres 12 sei. [«* 301/300 v. Chr.] baut er dann 
seine Tafel zur Berechnung des Moled eines jeden Jahres auf, sowohl des jüdi- 
schen^) als eines anderen, den er auf eine erneute Berechnung des Neumonds 
gründet, der dem 1. Tischri des Jahres 12 seL entspricht^. Das Anfangsjahr 
des Cyclus ist in beiden Tabellen das Jahr 13 sei. 300/299 v. Chr. Es ist nicht 
zufallig gewählt. AI Biruni erzahlt an einer 'anderen Stelle [176, 19 ff.], dass 
ausser dem 19 jährigen Schaltcydus bei den Juden auch noch die siebenjährigen 
Cyclen der Sabbatjahre und die 60jährigen der Jobeljahre im Gebrauch ge- 
wesen seien. Sie sind nicht nur dem 19 jährigen Schaltcyclus, sondern auch dem 
julianischen Kalender an Alter erheblich überlegen; denn das Sabbat- und Jobel- 
jahr ist eine Institution des Priestercodex; das Sabbatjahr reicht sogar über 
ihn hinauf [vgl. Wellhausen, Prolegomena 116 ff. Composition des Hexateuch 
1,166 ff.]. Zugleich griffen diese Zeitrechnungen in das bürgerliche Leben ein, 
Yor allem das Jobeljahr, auf das die Eaufcontracte nach Lev. 26, 16 ff. gestellt 
wurden. * Und diese ihnen vorgeschriebenen Zustände machten die beiden Cyclen noth- 
wendig; denn die Kaufpreise sind höher oder niedriger^ je nach den Jahren die von 
dem Cydus noch übrig sind* [AI Biruni 177, 16 ff.]. Beide Cyclen sind schon im 
Priestercodex so verbunden, dass das Jobeljahr immer dann eintritt, wenn 
7 Sabbatjahre verstrichen sind [Lev. 26, 8]. So wurden beide Cyclen zu einem 
grossen von 360 Jahren vereinigt, der zu AI Birunis Zeit so mit der Aera 
Adams verknüpft war, dass vom laufenden Jahr dieser Aera 1010 subtrahirt 



1) P. 147, 1 ff. , 147, 8 bezeichnet er den Moled des 12. Jahres Alexanders, das dem 1. des 
Oyclns unmittelbar vorangeht, ausdrflcklich als die Basis die zu den Moledot der einseinen Jahre 
[vgl. die Tafel p. 149] addirt werden moss. Dieser Moled ist in den Hss. aasgefallen und von 
8achaa p. 407 der Übersetzung falsch berechnet. Das Jahr 12 sei. ist = 3460 Adams ; 3460 : 19 
= 182, Rest 2. Also sind 182 Cyclen verflossen; 182 * 2^ 16^ 595 ;t (d. L der Moled des 19 jährigen 
Cyclus) ergiebt 6^ 121» 290 x* Da 3460 das zweite Jahr eines Cyclus der Aera Adams ist, muss 
hierzu addirt werden 1) der Moled eines Qemeiiijahres = 4^ S^ 876 ;( (nicht wie Sachan seltsamer 
Weise ansetzt, die Somme der Moledot eines Gemeinjahres and eines Schalljahres) and 2) der 
Moled vom Jahr 1 Adams = 6^ 14ii, was Sachaa vergessen hat Die Summe ist 3^ 11^ 86 % 
[5^ 4' 46'' 40"' Morgens nach unserer Z&hlung]; der astronomische und der bürgerliche 1. Tischri 
301 V. Chr. [=: 12 seL] würde nach dem jüdischen Kalender auf Dienstag den 4. September ge- 
fallen sein. 

2) Die Berechnung steht p. 151 ff. * Wir hdbm die Basis berechnet^ das ist die (wahre, nicht 
die jüdische) Zeü der Cof^tmctUm für das verflossene Jahr 12 der Aera Alexanders* [p. 151, 8], 
d. h. für das Jahr das verflossen ist, wenn dieser neu berechnete Cyclus im Jahr 13 anfängt 
Sachaus Paraphrase [p. 146, 38 der Übersetzung] ai the heginning of the 13th year of the Aera 
Alexandri führt gründlich irre: die Basis ist auch hier der Moled des Jahres 12 sei., nicht des 
Jahres 13. Übrigens hat sich AI Biruni bei der Berechnung der Coi^junction verrechnet. Er 
giebt an, sie sei 3^ 20^ 24' 50" 14" 29"" nach 12 Uhr Mittags erfolgt, das ist nach unserer 
Zählung, da die astronomische Tageszählung der Araber der unsrigen um 24 Stunden voraus ist 
[vgl. Bumaby, Jewish cal. p. 882], am Dienstag Morgen 8 Dhr und den Sexagesimalteilen; der 
Dienstag führt auf den 4. September [s. o. Anm. 1]. Nach den Oppolzerschen Syzygientafeln fand 
die Conjunetion nach jerusalemer Zeit statt am Montag 3. Sept. 71^ 9, 9« Abends. 

21* 



Digitized by 



Google 



164 K. 8CHWARTZ 

oder 740 hinznaddirt and das Sesultat mit 860 dividirt wurde: der Rest ergab 
das Jahr des grossen Cyclns nnd zugleich den Abstand von einem Sabbat- oder 
Jobeljahr [AI Bfnmi 177,18]. Die nngef&ge Addition oder Snbtraction zeigt 
dass der C^dos erst nachträglich der Aera Adams adaptirt ist. Bei den Jaden 
heisst die Selenkidenaera die Aera der Contracte [vgl. z. B. Haimonides 11, 16 
p. 887]; anf sie ist jener Cydas arsprunglich gestellt. Der Beweis lasst sich 
mit arithmetischer Sicherheit führen: das Jahr 13 sei. ist gleich dem Jahr 8461 
Adams, [8461 — 101^]: 86^) ergiebt als Rest 1. Es mag immerhin zweifelhaft sein, 
ob der Cyclns factisch 300 y. Chr. angefangen hat, obgleich zn beachten ist dass 
das Jahr in der Greschichte Palaestinas von Bedentang ist; mit ihm beginnt die 
danemde Herrschaft der Ptolemaeer. Das aber durfte sicher sein, dass die 
19 jährigen Cyden des verbesserten Kalenders von diesem Jahr darum ausgehn, 
weil es längst als das erste des Cydus der Sabbat- und Jobeljahre galt, und 
ebenso wenig kann zweifelhaft sein dass diese Construction älter ist als die 
Acren Adams oder der Wdt. 

Freilich insofern gleicht dieser Anfangspunkt der Holedotrechnung dem Jahr 
1 Adams oder der Wdt, als auch sein Neumond nur durch Rechnung nach rück- 
wärts bestimmt sein kann. Einmal aber muss die Coujunction factisch beobachtet 
sein, auf der die sich fortspinnende Reihe der Holedot beruht. Das Jahr in 
dem das geschehen ist, ist noch nicht gefunden. Eine im 11. Jahrhundert nach- 
weisbare Tradition behauptet [vgl. A. Schwarz, der jüd. E[al. 37] dass R. Billd 
b. Juda im Jahr 670 sei. [= 368/9 n. Chr.] den Kalender eingeführt hätte. 
Wenn das wahr wäre, müsste der verbessei*te Kalender im TaJmud deutlich 
nachzuweisen sein, was nach Aussage vorurteilsfreier Kenner nicht der Fall 
ist^). Es ist ausserdem höchst unwahrscheinlich dass man damals schon die 
Concurrenz mit dem alexandrinischen Ostercyclus aufgenommen hätte: der war 
im Jahr 359 alles andere als allgemein anerkannt. Es war ja noch nichl; einmal 
die hundertjährige Tafel des Theophilus erschienen, und das Kirchenregiment 
lag in den Händen der antinicaenischen Partei, die keinen Grund hatte für die 
alexandrinische Enneakaidekaeteris Propaganda zu machen. Ausser dieser, sicher 
verkehrten, Nachricht finde ich noch eine zweite'), deren Alter und Beglaubigung 
sich nur von dem nachprüfen lässt, der in dieser Sorte Litteratur besser Be- 
scheid weiss als ich: der Kalender sei im Jahr 4260 A. H. [= 811 sei. = 499/500 
n. Chr.] eiogeführt [A. Schwarz, der jüd. Kai. 39]. Das Uesse sich eher hören. 



1) Iddor Loeb, Tables p. 6 Ire calendrier (Mtuel a done iti aehevi aprha Vipoque ialmudique^ 
c'ut'drdire apres le ¥• sibcle, 

2) Nacb einer von A\ Binmi p. 58, 14 berichteten Tradition hätte ElT&zar b. F&rft% sich be- 
sonders um den Kalender verdient gemaeht Man weiss nichts von ihm. Der Name VTH^ kommt 
nur einmal im A. T. vor, 1. £öa. 4,17: Josaphat, der Statthalter Salomos in Issachar, heisst 
TTHSi p* Die 'Kinder Issac^iar' gelten bei den Juden als Kalendennacher [vgl. Bnmaby, Jewish 
Caleudieur 21 f.] nach 1 Paralip. 12,82; bezeichnender Weise weiss Joseph. AI7, &7 vom Kalender- 
machen nichts und übersetzt U^t^yo TXT*2 *^7TP mit ot ngoyiifSüTiovttg tic iLiXXo9ta, Ich förchte» 
*der Sohn Faruchs' ist eine Fiction. 



Digitized by 



Google 



CHRI8TUCHB UNO JOOISCHE OSTEBTAFELN 165 

Wenigstens spricht nicht dagegen, dass nach Isidor Loeb ITables p. 6] die erste 
Datimng nach dem verbesserten Kalender im Jahr 1029 sei. = 717/8 n. Chr. 
vorkommt. Anch die christlichen Paschalaeren dringen erst spät in die Datie- 
rangen ein; and es mass beträchtliche Zeit vergangen sein, ehe der neue 
Ealerder sich in der Jndenschaft verbreitete und durchsetzte. Die Erzähinngen 
AI Birunis p. 57 ff. 284 ff. lassen deutlich erkennen dass er auf Widerstand 
stiess; und wenn es auch richtig ist, dass er die Absonderung und den Zu- 
sammensch]uss der Judenschaft mächtig gefördert hat, so ist eben diese Einheit 
erst das Eesultat eines langen historischen Processes, dessen Acten zu ver- 
nichten die Rabbinen mit Erfolg bestrebt gewesen sind. Um zu jenem Datum 
zurückzukehren, es muss mindestens auffallen, dass das Jahr 811 sei. wirklich 
das 1. jenes Cyclus ist, der vom Jahr 13 sei. ab lief und nach dem noch zu AI 
Birunis Zeit die meisten Juden zu rechnen pflegten: denn [811— 12]: 19 ergiebt 
als Hest 1. 

Es bleibt noch ein intricates Capitel des jüdischen Kalenders zu besprechen, 
dem meist geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil es bei der Berechnung 
jüdischer Daten gleichgiltig ist, die Bestimmung der Teqäfah. ntnpn [Kreis- 
lauf] ') bezeichnet nach der kanonischen Auffassung die 4 Jahrpunkte; es kommt 
wesentlich auf die beiden Aequinoctien an. Bis auf den heutigen Tag werden 
zwei Methoden sie im jüdischen Kalender zu fixiren unterschieden, die des R. 
Samuel und die des R. Adda. Maimonides erklärt im 0. und 10. Capitel des 
V'inn Itmp beide. Die Rechnung des R. Samuel legt das julianische Jahr zu 
Grunde*). Jede Teqfifah beträgt 365* 6^4 = 91* 7V«^ ihre Berechnung geht aus 
von der Teqöfat Nisan. Der Moled des 1. Nisan im Jahr 1 der Welt ist 4* 9^ 
642 x: das julianische Datum ist Mittwodi der 2. April 3760 v. Chr. Die Teqöfat 
Nisan soll nun 7*9^642;|^ früher fallen als der Moled des 1. Nisan; sie ist also 
im Jahr 1 der Welt = 4*; das bedeutet Mittwoch den 26. März (fi" 0%, oder, 
wie wir zählen, Dienstag den 25. März Abends 6 Uhr. Die anderen Teqöfot 
werden durch Addition von 91* 7^«^ gewonnen, die des Tischri, Jahr 2 der 
Welt, ist also 182* 15** später, Mittwoch den 24. September 15*, nach unserer 
Rechnung 9 Uhr Morgens. Wie die einzelnen Teqüfot Viertel des julianischen 
Jahres sind, so schreiten sie auch nach dem jalianischen Jahr fort, um 1* 6^ ge- 
mäss dem Überschuss des julianisehen Jahres über volle Wochen. Z. B. hat die 
Teqöfat Nisan Jahr 2 der Welt den 'Charakter' 5* &" und fällt auf Donnerstag 
den 26. März 6^, d. i. nach unserer Zählung auf die Mittemacht 25/6 März. 
Rechnet man immer so weiter, so ergiebt sich dass nach einem Cyclus von 28 
Jahren, dem julianischen Sonnencyclus, die Teqüfa zu demselben Wochentag und 
derselben Stunde zurückkehrt. Die Recepte die Maimonides für die Bestimmung 
der Teqüfa nach dem jüdischen Kalender giebt, sind nichts anderes als Lösungen 

1) Exod. 34,22 nDVH rt&ipn genau wie griechisch nsQt6vti. «Ai Irct, ygl. T\S07y nME^in der 
ParallelsteUe Exod. 23, 16. 

2) 182, 18 *Be% der Berechnung der Teqüfot nehmen sie nicht die genaue Länge des Jahres 
die, wie ich früher gesagt habe^ 365^ 5 •'•V4it4 Stunden beträgt^. 



Digitized by 



Google 



166 E* SGHWABTZ 

der Aufgabe für ein bestimmtes Jahr das jüdische Datum zu finden, das in 
jolianischen Gemeinjahren dem 26., in jnlianischen Schaltjahren dem 26. März 
entspricht. Es leuchtet ein dass diese ganze Teqöfahrechnung, die nach £. 
Samuel heisst, im Grunde dem jüdischen Kalender fremd ist. Das Aequinoctium 
ist das julianische und hat mit der jüdischen Aequinoctialgrenze welche die 
Schaltung regulirt, nichts zu thun; das julianische Jahr ferner, auf dem die 
ganze Rechnung fusst, ist dem jüdischen incommensurabel. Diese Thatsache ist 
auch von den Rabbinen begriffen; dem verdankt die Teqüfah des B. Adda ihre 
Entstehung. Diese Rechnung setzt die Teqüfat Nisan des Jahres 1 der Welt 
auf 9^ 642 % vor dem Moled des 1. Nisan. Indem sie nun das Sonnenjahr zu 
Gründe legt, das im jüdischen 19 jährigen Cyclus steckt [s. o. S. 158], behauptet 
sie, ganz consequent, dass nach Ablauf eines jeden 19jährigen Cyclus die Sonne 
genau an denselben Punkt zurückkehrt, femer dass die einzelnen Teqüfot des 
Jahres um den 4. Teil des jüdischen Sonnenjahres, nicht um ein Viertel des 
julianischen, von einander abstehn. Die Teqüfat Nisan eines jeden 1. Jahr des 
Cyclus — die Nummer passt nur auf die jüngste, seit Maimonides übliche Be- 
züTerung der Cydusjahre — , ist also immer = Moled 1. Nisan weniger 9^ 642 %. 
Für die übrigen Jahre des Cyclus muss sie durch die Differenz zwischen dem 
jüdischen Sonnen- und Mondjahr gefunden werden; es stellt sich für jedes Jahr 
eine bestimmte Summe von Tagen, Stunden, Xalaq und Rega^ heraus, die zu dem 
Moled bestimmter Monate addirt werden muss um die Teqüfah zu ergeben. Eine 
bequeme Tabelle findet man bei A. Schwarz, jüd. Eal. 71. Es ist nun aber die 
ganze Rechnung des R. Adda nichts als eine secundäre Correctur. Wäre sie 
ursprünglich, so bliebe es unerklärlich wie die Rechnung nach julianischen Jahren 
aufkommen konnte, obgleich sie dem jüdischen Kalender fremd ist; umgekehrt 
lässt sich begreifen wie diese sich hielt, wenn sie die ältere und hergebrachte 
war, auch nachdem die Rechnung des R. Adda es unternonunen hatte den Fremd- 
körper des julianischen Jahres aus dem Organismus des Kalenders hinaus- 
zuschafien. Trotz ihrer grässlichen Genauigkeit bringt sie übrigens keine Grrösse 
heraus, die für die Construction des jüdischen Kalenders irgend etwas bedeutete* 
Sie giebt mit Nichten das Datum des Aequinoctiums, das die Schaltung regulirt, 
wie eine Betrachtung des 16. Jahres im Cyclus sofort lehrt. Die Teqüfat Nisan 
dieses Jahres nach R. Adda soll um 15* 3** 457*^/76 % vom Moled Nisan abstehn, 
muss also immer um mindestens einen Wochentag später fallen als der Neu- 
mond des 1. Nisan. Aber der 15. Nisan muss derselbe Wochentag wie der 
1. Nisan sein; wäre also die Teqüfah gleich dem Aequinoctium, so rückte dieses 
vor das Pascha. Das ist für den verbesserten jüdischen Kalender ein principieller 
Fehler. 

Den positiven Beweis dafür dass die Teqüfah nach Rabbi Adda erst im 11. 
oder 12. Jahrhundert erfunden ist, liefert AI Biruni; er kennt sie nicht, sondern 
nur die Berechnimg nach julianischen Jahren^). Aber auch diese ist mit der 

1) Um an emem Beispiel zu zeigen, wie weit sich die Teqüfat Tischri vom Aeqoinoctinm 
entfernt, berechnet AI Biruni sie für das Jahr in dem er schreibt, p. 194, 1 ff. Der 1. Tischri dea 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 167 

B. g. des R. Samnel nicht identisch. Sie setzt die Teqüfat Nisan 9^ 642 ^ vor 
dem Moled Nisan [4^ 9^ 642 %], der der Aera Adams 6 Monate voraosliegt, also 
ins Jahr 1 der Weltaera ; in diesem Zeitpunkt sei die Sonne geschaffen. Das ist 
7 Tage später als die erste samaelische Teqüfah and entspricht dem jolianischen 
Datnm Mittwoch den 2. April 0^ Xi oder nach unserer Zählweise Dienstag den 
1. April Abends 6 Uhr. Die weitere Recbnang verlauft genau so wie die des 
R. Samuel; nur werden im jüdischen Kalender nicht die Daten des 26. und 
26. März, sondern des 2. und 1. April gesucht. Daneben führt AI Biruni noch 
eine andere Überlieferung an, die aber auf dasselbe Resultat hinauskommt. 
^Einige von ihnen meinen, die Sonne sei am Mittwoch 27^ Ilül geschaffen, und die 
Teqüfat Tischri wäre am Mittwoch 5. Tischri am Ende der 3. Tagesstunde [15^ nach 
jüdischer, 9 Uhr Morgens nach unserer Rechnung]. Nun durchschreitet nach ihrer 
Ansicht die Sonne die Quartale des Frühlings und des Sommers in 182^ lo\ da 
sie, wie gesagt, nicht genau rechnen [sondern das julianische Jahr nehmen]. Macht 
man diese eu Wochen, so fallen die Tage forf [denn 182:7 giebt keinen Rest] 
^und es bleiben nur die 15^ übrig. Rechnen wir nun von der Teqüfat Tischri rüch- 
wärts und wählen die 15^ mit, so kommen wir beim Anfang des Mittwochs an' [d. i. 
Dienstag Abend 6 Uhr nach unserer Zählung] ^und das ist der Ausgangspunkt 
der erwähnten Berechnung^ [nämlich der Teqüfot]. Man muss die Rechnung in 
julianische Daten umsetzen um sie zu verstehen. Das Jahr 1 Adams [= 2 der 
Welt] hat den Moled 6* 14"'; der 1. Tischri wird von Freitag dem 26. auf 
Samstag den 27. September verlegt [vgl. S. 161]. Dann ist Mittwoch der 27. 
Ilül jüdisch :^ Mittwoch 24. September jul.; das ist das julianische Datum der 
Herbstnachtgleiche [Plin. 18,311]. Der 5. Tischri IB»» jüdisch ist = Mittwoch 
den 1. October^) 9 Uhr Morgens nach unserer Zählung; rechnet man 182* IB** 
zurück, so kommt man auf Dienstag den 1. April Abends 6 Uhr nach unserer 
Zählung oder Mittwoch den 2. April 0^0% nach jüdischer = 1. Nisan des Jahres 
der Aera Adams. Das ist aber, wie AI Biruni sagt, der Ausgangspunkt der 
Teqüfotrechnung: er ist genau identisch mit dem der aus dem Moled Nisan 
des Jahres der Aera Adams [= 1 A. M.] berechnet wird. 

Die Teqüfat Nisan des 2. April, die vom 1. Nisan des Jahres Adams 
nach julianischen Jahren weiter rechnet, ist alter als die seit Maimonides 



Jahres 4760 Adams [= 4761 A. M.] hat den Moled 1^ 211" 268 %, 21^ ist = 8 Uhr Nachmittags 
nach unserer, 9 Uhr des Tages nach arabischer Rechnung ; 194, 15 ist för otL« ilm^ zQ lesen 
O^Lm» lum^' Sachaus Conjecturen p. 413 sind Scblimmbesserungen. Das astronomische Neujahr des 
Jahres 4760 Adams = 1812 sei. fäUt auf Sonntag den 1. September 1811 sei = 1000 y. Chr. 
AI Biruni berechnet nun die Anzahl von Tagen die seit der Teqüfat Tischri des 5. Tischri Jahr 1 
Adams verflossen sind, und dividirt sie mit 365^ 6^; denn die Teqüfah wird nach julianischen 
Jahren berechnet Der Rest ergiebt 885^ 18^ 258 ;(; dies von 865<> 6^^ subtrahirt ergiebt 29^ 11h 
827 X- Addirt man diese Grösse zum Moled Tischri 4760 Adams, so erhält man die Teqüfat 
Tischri = Dienstag den 1. October 9^^ [nach unserer Zählung 8 Uhr Morgens] 1312 sei. = 1000 
n. Chr. 

1) Siehe Note 1 auf voriger Seite. 



Digitized by 



Google 



168 S. SCHWABTZ 

Übliche, welche sich um 7 Tage zurückschiebt. Denn AI Binini kennt diese so 
wenig, ¥de die des B. Adda. Femer geht die Corrector des B. Adda offenbar 
Yon der Bechnnng ans, die bei AI Bimni steht; denn sie legt ebenfalls den 
1. Nisan des Jahres 1 der Welt = Adams zu Grande, nicht wie B. Samuel, 
ein 7 Tage früheres Datum. Damit ist der Beweis geliefert dass die beiden 
Teqüfot, die des B. Samuel und die des B. Adda, junge Correcturen jener 
älteren Teqäfah sind, die AI Biruni überliefert ; diese kommt fdr die historische 
Betrachtung ausschliesslich in Frage. Da ergiebt sich nun sofort, dass diese 
Bechnung älter sein muss als der verbesserte Kalender. Denn sie passt nicht 
zu ihm und hat sich doch erhalten, weil sie zu fest sass um durch den neuen 
Kalender verdrängt werden zu können; datür zeugt am besten der Aberglaube, 
der sich an die Teqüfot knüpfte: AI Biruni erzählt, die Babbmen [iJ^] hätten 
dem Volk verboten in der Stunde der Tequfah etwas zu essen; denn sie be- 
haupteten, das sei dem Leibe schädlich^). Dann aber beweisen die auf dem 
julianischen Kalender basirten Teqüfot dass dieser früher bei den Juden im Ge- 
brauch war, ehe das ungeheuerliche Product rabbinischen Scharfsinns ihr ge- 
quältes Dasein mit einer neuen Kette bereicherte und es vom bürgerlichen Leben 
abschloss: das ist genau das was die Untersuchung der wirklichen Nachrichten 
über die ältere jüdische Zeitrechnung ergehen hat. Es leuchtet ferner ein 
dass die Teqüfot ursprünglich nicht die Aequinoctien oder Solstitien bedeutet 
haben. Die Teqüfat Nisan fallt auf den 2. April, die Teqfifat Tischri auf den 
1. October. Beide Daten sind von den Tagen auf welche der julianische 
Kalender den Eintritt der Sonne in die Zeichen des Widders und der Wage 
legt, dem 18. März und dem 17. September [Colum. 9,14,1.10], 15 Tage ent- 
fernt: die Teqüfah zeigt mithin den Zeitpunkt an, in dem die Sonne in der 
Mitte eines der vier Zodiakal zeichen steht, die ihren Jahresweg vierteln. Das 
hängt mit astrologischen Vorstellungen zusammen: die Jaden haben in spät- 
hellenistischer und römischer Zeit wie den aegyptischen Zauberern so den 
chaldaeischen Astrologen mit Eifer und Erfolg Concurrenz gemacht. Nach 
AI Biruni [186, 2] hat jede Teqüfah des 28 jährigen Sonnenkreises einen ^Herm 
der Stunde, den die Juden mit der Tequfah eusaramen anführen und ihr Horoskop 
nennen' ; in dem Cydus der Teqüfot den er mitteilt, stehen die Planeten in der 
regelmässigen Beihenfolge Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Mercur, Mond 
daneben, und die hebraeischen Namen verrathen dass er jüdische Überlieferung 
wiedergiebt*). 



1) Et fügt hinzu [182, 6] : 'Das ist nichU anderes als eine von den Fallen und Netzen die 
sie dem Volk stellen, und sie fangen es darin und zwingen es nur ihren Meinungen su folgen und 
sid^ nach ihren Plänen mu richten ohne sieh Baths eu erholen, als wären sie die Herren und nicht 
Aüah} aber Allah wird ihnen die Bechnung tnachen. Das Urteil des grossen Gelehrten und Ge- 
schichtsschreibers gilt nicht nur für die Teqüfahrechnong, sondern für den ganzen jüdischen Ka- 
lender und noch recht viel dazu. 

2) Der 28jäbrige Cyclus beginnt mit der Teqüfat Nisan 4^ 18^, und rollt von Teqüfah zu 
Teqüfah um 7^ 540%, von Jabr zu Jahr um 1^ 6^^ weiter. Der Anfang ist aber mit Nichten 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAFELN 169 

Wer den jüdischen Kalender nnr stadirt um jüdische Daten in jolianische 
umrechnen zu können, braucht von der Teqüfah nichts zu wissen. Für den 
Historiker ist dieses Überbleibsel einer älteren Epoche merkwürdig; es ragt 
wunderlich hinein in den wunderlichen Kalender, den der Sabbatcultus und die 
Concurrenz mit der Kirche geschaffen und in dem sich die Babbinen ein ge- 
räuschloses, aber sicheres Werkzeug ihrer Macht über das Volk des Herrn 
bereitet haben. 



XI 
Die Predigten des Johannes Ghrysostomus gegen die Juden 

Montfaucon hat im 1. Band der Benedictinerausgabe des Ghrysostomus acht 
Predigten ^gegen die Juden' zusammengestellt. Die 3. trägt den Titel mit Un- 
recht; sie polemisirt nicht gegen die Juden, sondern gegen die Protopaschiten, 
d. h. diejenigen welche das Brechen des Osterfastens und den Ostersonntag 
nach dem Pascha der Synagoge bestimmten. Dagegen bekämpft der beredte 
Presbyter in den übrigen [1.2.4—8] die Gewohnheit, die unter den antiocheni- 
schen Christen eingerissen war, aus Neugierde oder Aberglauben die Synagoge 
zn besuchen, und sonderlich die Sitte an den grossen jüdischen Festen des 
Tischri teilzunehmen, dem Neujahr, dem grossen Fasttag und Laubhütten. Die 
Chronologie dieser Keden ist von Tillemont [M^moires 11], Montfaucon [in den 
Einleitungen zu den Predigten] und zuletzt von üsener [Weihnachtsfest 1,227 ff.] 
behandelt. Es wird gestritten erstens, in wie viel Gruppen von gleichzeitigen 
Predigten die überlieferten 7 Reden zu zerlegen sind, zweitens, in welche Zeit 
man diese G-ruppen setzen soll. Für die Ordnung der jüdischen Feste wird das 
Problem darum wichtig, weil nach Chrysostomus eigener Aussage in der Weih- 
nachtspredigt [t. 2 p. 361®] Kippür und Laubhütten im vergangenen September 
gefeiert waren; er habe damals gegen die Juden gepredigt. Umgekehrt hängt 
an diesem Selbstcitat die Bestimmung des Jahres in dem eben diese Weihnachts- 
predigt gehalten ist, und das bedeutet für die Geschichte des Weihnachtsfestes 
nicht wenig; denn in ihr steht die berühmte Stelle dass die Feier des 25. De- 
cember in Antiochien vor noch nicht 10 Jahren eingeführt sei [t. 2 p. 355». 356*]. 
TJsener hat die Daten der jüdischen Feste für die Jahre 386 — 388 nach dem 



die Teqüfat Nisan des Jahres Adams, sondern diese = 4^ steht erst zum 6. Jahr. Der Cyclus 
beginnt also mit dem Jahr 23 Adams, was p. 185,22 hätte bemerkt werden müssen und wohl nur 
durch Schreiberversehn ausgefallen ist. Zur Seleukidenaera verhält sich der Cyclus so, dass sein 
1. Jahr immer dem Jahr 19 sei. (-(- 28n) entspricht. 

Abhaadlimreii d. E. Gm. d. Wi«. to GötUngen. PhUolog.-hlBtor. Kl. N. F. Band 8,«. 22 



Digitized by 



Google 



170 S. SCHWABTZ 

yerbesserten Kalender berechnet und weil er fand dass die Ansätze Tillemonts 
und Montfaucons sich mit diesen Daten nicht vereinigen lassen, die Zeit der 
Jadenpredigten nen bestimmt. Nach dem was ich im yorigen Capitel ansge- 
f&hrt habe, existirte der jüdische Kalender am Ende des 4. Jahrhunderts noch 
nicht. Chrysostomns heftige Polemik beweist dass der Verkehr der christlichen 
Laien mit den Jaden eng and lebhaft war; es ist noch keine Spar davon 
za merken, dass die Jaden sich ängstlich abgeschlossen hätten, im Gegenteil, sie 
feiern ihre Feste so öffentlich wie möglich and rechnen sichs zam Vorteil, wenn 
die Christen za ihnen kommen. Das passt nicht zu der straffen Concentration 
and strengen Abgeschlossenheit der Jadenschaft, wie sie in dem jüdischen 
Kalender drastisch hervortritt; es lässt sich das Bild von dem Treiben der 
antiochenischen Juden, das sich aus den Angriffen des christlichen Presbyters 
ergiebt, viel besser mit der älteren Observanz zusanunenreimen, die einfach den 
jalianischen Kalender der Festordnung zu Grunde legte. Es spricht also von 
vornherein nicht gegen Tillemonts und Montfaucons Chronologie, wenn sie sich 
dem jüdischen Kalender nicht fügen will ; der muss vielmehr ganz aus dem Spiel 
bleiben, und das einzige Fundament der Untersuchung sind nach wie vor die 
Reden selbst. Freilich die Jiidenreden allein geben für die sichere Datirung nicht 
genug aus; wie überall bei Chrysostomus, so ist auch hier nur zum Ziel zu 
gelangen, wenn es glückt lange, fortlaufende Reihen von Predigten zusammen- 
zubekommen. Für das erste Jahr seiner Thätigkeit ist das möglich. 
Die festen Punkte von denen ausgegangen werden muss, sind: 

1. Die s. g. 3. Judenrede gegen die Protopaschiten, die sicher Ende Januar 
387 gehalten ist. 

2. Der durch Johannes Kanzelberedsamkeit berühmt gewordene antiocheni- 
sche Aufstand, der in den Anfang des Jahres 387 fallen muss. Der Beweis 
dafür ist von Tillemont [bist. d. emp. 5, 741 ff.] klar und übersichtlich zusammen- 
gestellt. Nach Libanius actuellem Zeugniss *) war der Anlass des Aufstands eine 
exorbitante Steuer, die ausgeschrieben war um das aufzubringen, was bei Ge- 
legenheit der Quinquennalien des Arcadius an die Truppen gezahlt werden 
musste. Diese Feier fand nach den Fasten des Hydatius [Chron. min. 1, 244] 
imd der Chronik des Marcellinus Comes [Chron. min. 2,62] am 16. Januar 387 
statt; der Tag war wirklich der fünfte Jahrestag der Erhebung des Arcadius 
zum Mitkaiser. Wenn Libanius vom 10. Jahr des Theodosius spricht, so ist das 
so zu verstehn, dass der Kaiser um zu sparen seine Decennalien mit den Quin- 
quennalien seines Sohnes zusammenlegte. 

Es sind ferner die Wochentage zu beachten, an denen in der Zeit des Jo- 
hannes in Antiochien gepredigt wurde. Während der Pastenzeit war täglich, 
am Abend, eine <fvvaltg: die Predigten nach dem Aufstand liefern zahlreiche 
Beweise. Das gilt aber nicht für das übrige Jahr. Johannes selbst sagt [t. 1 



1) 22,4 x^f^^oov iSiriCB ßaaXtC ngög tijif xStv Zltov catriQiav xal (uiXiina dii t&i (ihv iig 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDI8CHK OSTERTAFELN 171 

p. 611^], dass in der £egel drei, manchmal vier Gottesdienste in der Woche 
abgehalten worden. Damit können nur der Sonntag und die beiden, von Alters 
her geheiligten Stationstage des Mittwoch und Freitag gemeint sein, gelegent- 
lich kam der Samstag hinzu. Märtyrertage sind natürlich von der Woche unab- 
hängig. 

Ich stelle nunmehr die Predigten aus dem ersten Jahr von Johannes Pres- 
byteramt in chronologischer Folge zusammen, indem ich an passender Stelle die 
Beweise für die Datirung beibringe. Geht es aach nicht ganz ohne Verweisungen 
ab, so wird doch das lästige Hin- und Herspringen vermieden, das solche chrono- 
logischen Raisonnements unlesbar macht; wer nachprüft, wird finden dass in 
dem ganzen Gebäude eine Combination die andere trägt, auch wenn es nicht 
immer ausdrücklich gesagt ist. 

1. 1. 1 p. 436®. Predigt nach der Weihe zum Presbyter. Anfang 386. In 
der 16. Predigt aus der Zeit des Aufstands, die Mitte März 387 gehalten sein 
muss, sagt Johannes [t. 2 p. 162*] : Idoi) devtsgov itog i%(o roi)ro icgh^ tijv v^srigav 
diodsyoiiBvog iy&nriv xal oiSl ixatbv 6xC%ovg t&v ygccq)&v ifitv t6xv6a il^riyij6a6d'€u. 
Er muss vor dem Beginn der Quadragesima 386 [16. Febr.] Presbyter geworden 
sein; vgl. zu 3. 

2. t. 4 p. 645*. Predigt über Genesis 1, am Beginn der Quadragesima, Montag 
den 16. Februar 386. Über das Jahr s. zu 3. Genesis 1 war der 'prophetische' 
Text, der in Antiochien beim Beginn der Fastenzeit verlesen wurde, vgl. t. 2 
p. 86'. Auch die Homilien zur Genesis sind Fastenpredigten. 

3. t. 4 p. 651^. 2. Predigt über Genesis 1,1. Sie ist nicht am Tage nach 2 ge- 
halten [vgl. Äpcotiyv 651^], aber sicher nach ihr, wie das Fortschreiten im Text zeigt ^), 
und im selben Jahr, vgl. die Paraenese am Schluss p. 654« [xdhv'] mit p. 650». 
Die Worte am Anfang slg ro^yovroi/ ijfiäg inovoCag xal töXiitig iiciJQate^ Ag xal Jiy- 
xrilidTtov i^dri xataroXfi&v, fiäkkov di ovx av etri töXfirjg o'ödh &novoCag tovto. oi y&Q 
oixsCai, dwdfist ^ccQQi^öavteg^ ikkä tcctg sixatg tcbv ütgodägcov xal xalg viierdgaig rö 
nav imggitlfavtsg [vgl. t. 4 p. 683®] &jis8v6&ii,B^a %ghg rö 6td8iov werden mit 
Kecht seit Tillemont [Möm. 11, 563] für ein Anzeichen genommen, dass dies die 
ersten Fastenpredigten des eben ordinirten Presbyters sind, vgl. die Antritts- 
rede t. 1 p. 437^ 439^. 443^ 

4. t. 4 p. 655*. 3. Predigt über Genesis 1, 1 und 2. Die Rückbeziehung 
p. 655®f. geht auf eine verlorene Rede, in welcher ein Gedanke der in 3 [p. 654*] 
nur angeschlagen wird, ausgeführt war. 

5. t. 4 p. 658^ 4. Predigt über Genesis 1, 1 und 2. Am Tage nach 4, vgl. 
die Verweisung am Anfang, p. 662*^ zeigt dass die Fastenpredigten am Abend, 
zur Zeit des Lampenanzündens und vor dem täglichen Brechen des Fastens, 
gehalten wurden. Vgl. p. 668*. 673\ 682«. 686\ 



1) Aach t. 2 p. 86«'« folgt auf das Gitat von Gen. 1, 1 eine Zasammenfassong, dann das Gitat 
▼on Gen. 1, 26. 

22* 



Digitized by 



Google 



172 K. SCHWARTZ 

6. t. 4 p. 664«. 5. Predigt über Grenesis 1, 2 ond 3. Directe Fortsetzung von 
5, am Tage nachher gehalten [p. 664*rvp. 659» fF. p. 665«rvp. 660»]. 

7. t. 4 p. 670^. 6. Predigt über Genesis 1, 2. Das Versprechen p. 671* hat in 
einer verlorenen Rede gestanden. 

8. t. 4 p. 674». 7. Predigt über Genesis 1, 2. Am Tage nach 7 gehalten; vgL 
ausser dem Anfang p. 676^ p. 683» greift auf 6 p. 668« ff. zurück. 

9. t. 4 p. 683«. 8. Predigt über Genesis 1,2. Am Tage nach 8 gehalten; vgl. 
p 683«. Merkwürdig ist die genaue Wiederholung des Schlusses von 8. 

10^). t. lp.444*. 1. Predigt gegen die Anhomoeer. Sie soll einen längeren Cyclus 
einleiten [p. 450*], mit dem Johannes sich seit einiger Zeit getragen hat. Er 
hats immer wieder verschoben, weil er sah dass viele Eunomianer an seinen 
Predigten Gefallen fanden und er dies *Wild nicht verscheuchen* wollte; jetzt 
haben sie ihn selbst aufgefordert über die Lehrdifferenz zu predigen [p. 4B0«]. 
Die Partei war mächtig und der Bischof Flavian verstand sich auf die Diplo- 
matie: der Presbyter hatte die Ordre bekommen müde Saiten aufzuziehen. 

11. t. 1 p. 587». 1. Predigt gegen die Juden. Kaum war der Cyclus gegen 
die Anhomoeer begonnen, so sah sich Johannes genöthigt ihn zu unterbrechen 
[588»]. Er citirt am Anfang unverkennbar 10; vgl. p. 449». 448°. 449«. 450« ; 11 
schliesst unmittelbar an die erste Anhomoeerpredigt an. Die antijüdische Phi- 
lippika war, wie schon [S. 169] gesagt, veranlasst durch die bevorstehenden 
jüdischen Feste, Neujahr am 1. Tischri [ödXmyysg], Kippür am 10. [vi^örsialj ^^^ 
Laubhütten vom 15. — 21. [ffxrivoTcayia], an denen zahlreiche Christen teils als 
Zuschauer, teils activ teilzunehmen pflegten. Man hüte sich die Namen mit denen 
Johannes die Feste bezeichnet, zu streng auf die einzelnen Daten zu beziehen. 
Er zählt sie allerdings in einer späteren Rede [t. 1 p. 662^] in richtiger chrono- 
logischer Folge auf, aber in dieser Predigt [p. 588*] stellt er um: iogtal t&v 
a^XCiov Kai takai^fOQCOv ^lovdaC(ov iidklovöi ütgoffekavvstv öwB^^tg xal iTtdXkrjXoiy 
at 6&k%iyyEg^ at 6xrivoüti]yicu^ at vriötstaL. Ja noch mehr, weil er alle drei Feste 
als ein Ganzes betrachtet, vertauscht er gelegentlich die Namen mit einander 
oder braucht einen collectiv. Hier [p. 590** vgl. 593»] schildert er die Zügel- 
losigkeit des jüdischen Fastens : ij filv i7c6^s6ig vrjötsvövtofVj rö di <fxW^ fiB^vöv- 
x(Dv .... oxnot d^ %OQoi)g fiakaxa>v öwayayövrsg xal noXirv X£7C0QV€Vfidva)v ywaix&v 
6vQq)€r6v, tb ^iaxQov Sxav xal tovg inb xfig ffxrjvrlg Big r^v öwaycoyiiv iniCvQovöL : 
die Parallelstelle einer späteren Predigt zeigt dass er nicht nur an den Fasttag 
des 10. Tischri denkt [t. 1 p. 662**] &6nsQ avt&v at ödXiciyyBg t&v iv xolg ^Ba- 
XQOig fi6av xaQavofJi(oxBQat xal aC vri^xBlat fii^rig xal xafiov navxbg fjöav ai6%Q6- 



1) Das SDkomion der Domnina und üirer beiden Töchter Berenike und Prosdoke [t. 2 p. 634»], 
deren Martyriam, nebenbei gesagt, auch von Eusebius KG 8, 12, 3. 4 erzählt wird, ist nach dem 
8. g. syrischen Martyrologium auf den 20. April zu setzen. Johannes citirt am Anfang seine noch er- 
haltene [t. 2 p. 397»] Charfreitagspredigt ; seit ihr seien *noch nicht 20 Tage' vergangen. Das passt 
auf das Jahr 386, dessen Charfreitag auf den 3. April fiel; aber die Jahre 391 mit dem 4. und 
897 mit dem 3. April haben die gleichen Anrechte, und ich vermag kein Indiz zu finden, das 
zwischen den 3 Jahren entschiede. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE 'OSTEBTAFEIiN 173 

ngaij oürfo xal cct öxrival at vvv itag^ cct)t&v nrj^vv^Bvai t&v %av8o%EC(ov t&v jcögvag 
i%6vx(ov xal ailrjtQldag oidiv afistvov dicixBivtect, Für die chronologia sacra 
die in der Weihnaehtspredigt entwickelt wird, kommt alles darauf an zu zeigen 
dass Zacharias die Weissagung Luc. 1, 13 ff. an dem Tage des grossen Fastens 
erhielt, dem einzigen an dem der Hohepriester das AUerheiligste betreten durfte; 
zu dem Zweck muss ja Zacharias gegen die evangelische Erzählung zum Hohen- 
priester befördert werden. Trotzdem* scheut sich Johannes nicht den Tag des 
Versöbnungsfestes zu dem Laubhütten zu rechnen [t. 2 p. 361''^]. Nachdem er 
Lev. 16, 29 ff. über den 10. Tag des 7. Monats angeführt hat, fährt er fort: 
mgl tilg ^f^V^OTtriy^ag ivxav^a diakiystai' x6xb yäg ana^ tov iviavtov 6 &qx^^Q^'^9 
bIötIisi . , . bI xoivvv iv x&i xatQ&i xijg 6xrivo%riyiag Bl6iQ%Bxai Big x& Syia t&v 
&yC(ov 6 &QXiBQBi)g (lövog^ (pigB kotnbv anodel^oiiBv ort xöxb &(p%'ri 6 SyyBlog tm 
Zaxagiat rivCxa Big tä Syia t&v &yi(ov i^tsv [i}i/ die Texte] . . . und am Schluss 
dieses Beweises [p. 361®] : 6 dl xaiQog tov BiayyBkiönov b tfig öxrivonr^ylag ^v xal 
trjg vtjötBtag' tovto ydg i6ti ro ta%Biv&6BtB tag ifvxäg vfiöv [Lev. 16,29]. 
Die 7. Judenpredigt ist nach der oben angeführten Stelle t. 1 p. 662^ am ersten 
Tag der Laubhütten gehalten. An sie schliesst die 8. unmittelbar an: vgl. 
p. 681* bItcI tiiv nagavoiilav a%a6av fjv iv talg iy^ngoöd^Bv fffidgaig 
diflX^ov %Qhg tiiv vfiBtigav iydTcrjv, tiiv inb tov tÖTCov, ri)v aTcb rov xaigov, rijv 
inb tov CbqoVj f^v &nb tfjg itQOQQijöBaig t&v XQOfprit&v ikByxofjidvipf mit p. 663* 
bgaig airb tov töxov ri)i/ löxvv ixovta tbv vöfiov ; . . . 664' XoiTcbv fj &x6dBi^ig tov 
liT^xitt 6tifi6B6d^ai tbv va6v. &67tBQ y&Q oi)x Svtog toikov vvv ndvta iviJLQtitai, x&v 
doxr]i tv yCvBö^aty xaQavöfiog toXfiätai, oikcag dicodBil^avtog tov Xöyov Srt ovdi- 
notB inavu^^Bi nQbg tb oIxbIov <fxW^i x&xbIvo 6wanodidBtxtai Srt oütB ij koi^ij 
XatQBla %Qbg tiiv ngotsQav i^avi/j^Bt xatd6ta6LV ndkiv^ oi)X CBQBifg iötai tig, oÄ 
ßaöiXsvg: es folgt ein umständlicher Beweis aus prophetischen Stellen. Trotz- 
dem beginnt die 8. Rede mit den Worten [p. 673*^] TCccQtiXd'Bv fi vq^tBCa t&v 
'lovdalaiVj fiäXXov 8i ri ued^rj t&v lovdalav^ als sei nicht schon das Laubhütten- 
fest, sondern erst das grosse Fasten vorbei. Dieser laxe Sprachgebrauch des 
christlichen Predigers muss also bei der Datierung berücksichtigt werden. 

12. t. 1 p. 60P [unvollständig erhalten]. 2. Predigt gegen die Juden. Sie 
verweist auf 11 [vgl. p. 605*r\^p. 596^ ff.] und ist ^mehr als 10 Tage* nach dieser 
gehalten [p. 601*'], fünf Tage vor dem 'Judenfasten* : nach den Ausführungen zu 
11 lässt sich nicht ohne Weiteres bestimmen welches Fest speciell gemeint ist. 
Nach der Rückverweisung in der Weihnachtspredigt [t. 2 p. 361®] sind diese 
Reden am Ende des *Gorpiaeos' [September] gehalten. 

13. t. 2 p. 585». Predigt auf die h. Pelagia. Ihr Andenken wurde nach 
dem 8. g. syrischen, in Wahrheit constantinopler Martyrologium [Journ. of 
sacred litt. 8, 45 ff.] in Antiochien am 8. October [im Jahr 386 ein Donnerstag] 
gefeiert. Das Jahresdatum ergiebt sich aus dem was zu 14 xmd 15 bemerkt wird. 

14. t. 2 p. 592*. Predigt auf den h. Ignatius. Sein Tag war in Antiochien 
nach dem eben angeführten Martyrologium der 17. October [im Jahr 386 ein 
Samstag]; damit stimmen die Worte am Anfang der Predigt überein: iCQmiriv 



Digitized by 



Google 



174 £. SCHWABTZ 

yovv iifuig x6Qri xofitd^t via ütccl insvQÖyaiiogj fj ^ccxagia fidgtvg IlskayCa^ fistä xoXXHg 
tilg svipQOöiiprig stötiaöe* 67J(i6Q0v nihv tijfv ixaC%*rig ioQviiv 6 yMWXQiog oitog xaL 
ysvvalog ftdgtvg ^lyvätiog dudi^ato. 

15. t. 1 p. 452**. 2. Predigt gegen die Anhomoeer. Gleich im Anfang giebt 
Johannes an, sein eben begonnener Kampf gegen die Ketzer [vgl. p. 452* ngAiriv.. . 
flvCxa Big tb 6xa8iov xSyv l6y<Dv rovrcov xad^afisv iavtovg mit p. 451»] sei durch 
die Reden gegen die Juden xmterbrochen worden. Dann seien weitere Stönmgen 
eingetreten: iifxä toi>g ngog ixeivovg iy&vag ndhv duSil^aro itatdQiDv %aQ0v6la 
nvevfiarix&v itokX&v noXXaxi^sv ivxav^a i(piy(iiv<Dv ^ da habe er nicht reden 
können ; xal fierä rifv ixsCvfov 8b iTtodrifiCav fiagriiQiov i'X'i^vxriCav iTtdlXi^Xoi fjLvfjfiat 
xal öwBXBtg, Das klingt so an den Anfang von 14 [t. 2 p. 592»J an of äoAv- 
tBlBtg xal ipMtifioi t&v iöxiarÖQCOv xvxväg xal inaXlrilovg noiovvxai tag BöziaCBig . . . 
ovro) xal fi rot) jcvBvi^atog %AQig . . . 6wB%Blg 'Ijfitv xal iicalXT^kovg tag t&v iiaQtvQOv 
%aQatC%^Btai tQani%ag^ dass es kaum zu kühn ist darin ein Citat zu sehn und 
13 und 14 dem Jahr 386 zuzuweisen. Freilich bleibt eine Schwierigkeit die ich 
nicht verschweigen darf. lieber die provinzialen Herbstsynoden bestimmt der 
5. nicaenische Kanon, dass sie stattfinden sollen nBgl thv rot) hbtojcAqov xaiQÖv. 
Der 20. antiochenische Kanon giebt ein praecises Datum, das in der bis jetzt 
bekannten Ueberlieferung freilich sonderbar verwirrt ist: ri)i/ 8h SBvtdgav övvo- 
8ov yivB6^ai BtSovg 'Oxtaifigiaig, ^tig iötl 8BxdTri [so der griechische Text, Diony- 
sius Exiguus übersetzt quinto decimo die mensis Octöbris quem Hyperberetaeon Graeci 
cognominant] ^VjiBQßBQBtalov, Der 37. apostolische Kanon schreibt den 12. Hyper- 
beretaeos vor: handschriftliche Glossen dazu [Pitra, monum. iur. eccles. 1,39] 
notiren entweder den 20. antiochenischen Kanon in der angeführten, sicher fehler- 
haften Fassung oder den 9. Hyperberetaeos = 12. Phaophi = 9. October. Ist 
die Stelle am Anfang der 2. Anhomoeerpredigt richtig auf die Enkomien 
der Pelagia und des Ignatius bezogen, so ist die Herbstsynode des 
antiochenischen Metropolitansprengeis damals, sei es nur in jenem Jahr sei es 
überhaupt, früher gelegt, als die Kanones angeben, was um so eher glaublich 
ist als die Ueberlieferung jener schwankt: wer trotzdem Bedenken trägt das 
anzunehmen, muss die Datirung von 13 und 14 auf das Jahr 386 ablehnen. Da- 
gegen steht unbedingt fest dass die 2. Anhomoeerrede die 1. fortsetzt und in 
das Jahr 386 gehört: vgl. die Rückverweisung p. 465*' und 466® mit 450^ ff. Die 
Geschichte von Zacharias Verkündigung, die in der Weihnachtspredigt einen so 
breiten Raum einnimmt [s. o.], wird hier [p. 464** ff.] zwar anders verwandt, aber 
sie schliesst mit einer Ankündigung [p. 465'] &XX ot filv ^bqI yBvvi^öBcog XöyoL 
toi)g ngoöi^xovtag ivaiiBvhaxfav xat.QO'dg, die nur auf eben jene Predigt gehen 
kann. 

16. t. 1 p. 462*. 3. Predigt gegen die Anhomoeer. Bestimmte Rückver- 
weisxmgen fehlen ; aber das Prooemium zeigt dass die Rede eine im Gang befind- 
liche Polemik fortsetzt, und das specielle Thema dass das Sein Gottes auch den 
höheren Wesen unerkennbar ist [p. 463*], ist in den beiden ersten Predigten 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTERTAPELN 175 

[p. 450'» ff. p. 456*] angeschlagen, während in den späteren Johannes orthodoxe 
Speculation in andere Bahnen geräth^). 

17. t. 1 p. 471*^. 4. Predigt gegen die Anhomoeer. Der Anfang schliesst 
deutlich an 16 an, femer wird 471* die Interpretation von Daniel 10 citirt, die 
dort [p. 466** ff. J gegeben war; p. 472<^ wird 465« ff. recapitnlirt ; vgl. ferner 
p. 472* mit p. 464% p. 472* mit p. 467<^ff., 477»ff. mit p. 469<'ff. 470*. Das p. 473» 
474** erwähnte Versprechen steht p. 468'*. 

18. t. 1 p. 480«. 5. Predigt gegen die Anhomoeer. Sie setzt 17 fort, vgl. 
p. 481* mit p. 474« ff. Am Anfang [p. 481*] steht: *wir haben schon vier oder 
fünf Tage über das Unerkennbare — d. h. gegen Ennomius [vgl. p. 455*] — 
geredet*; das soll nur heissen dass die vorangegangenen Reden bei vier oder 
fünf Gottesdiensten gehalten sind, nicht an ebenso viel aufeinanderfolgenden 
Tagen ^. Denn sonst müsste bei den Verweisungen %^b^^ nicht ngAttiv stehn. 
Die Zahl wird undeutlich angegeben, weil zwischen der 1. und der 2. Anhomoeer- 
predigt ein längerer Zwischenraum liegt, andererseits beweist sie dass die mit 
16 einsetzende Reihe wirklich 15 fortsetzt. Der Vergleich p. 489* spricht dafür 
dass es Winter ist. 

1) Um dieses Themas wülen hat Montfaucon die Predigt IIbqI tov fi,rj Ssiv &vtt^ByMx{^uv 
[t. 1 p. 691a] an die 3. Anhomoeerrede angeschlossen. Aber die Recapitulation am Anfang ngAiriv 
fihv nsffl &%axaXiffitxov yvdtctoas d^so^ dtccXsyöftsvog Ttgbg ^(i&g . . &7t8ds{%wov &n6 ts yQ€C(pi%&v 
(fiov&v %al &nb q>vcni&v XoyiC(i&v ^Ttag %ccl aiftaig taig &OQdtoig dvifdftsaiv &vi^i%x6g hxi navxi- 
X&g ii rot) ^süyv %axdX7i'ti>ig passt nicht, denn ^die natürlichen Gründe' fehlen dort. Man könnte 
allenfalls eine Stelle der 2. Anhomoeerpredigt heranziehen [p. 456^] ngAiriv fi>hv olv aifxo^ &nb xAv 
&v(o dwafisoav iacatpQOv^oitsv . . ., vijv dh &nb xr^g ävcciödi^xov %xia8<og : aber anch dort ist das 
Object des Beweises ein anderes. Vollends entspricht dem was in der Predigt über das Verfluchen 
folgt xal dxt iv ndcr\i xavvAast xal (6aft ß^ov t&vxsg iiftefg xal ngbg n&cav i^svtxd-ivxsg xanücv 

x6 xal xoig &OQäxoig oi)o{aig navxBX&g &yvoo^f/ksvov inixstQO^fi^sv Xaßsiv f/ki/jxs xb i/kixQOv xfjg 

iavx&v (p'dasmg x&i XoyiCft&t, nsQiygdtpovxBg (f^xs xf^i d'siai ygatpi^i xal xoig ntxxffdciif Bn6(L8voi,y 
&XXä di%T\v Zlaxog xBiiisgiov xrjt q>Q6vixtSi xijg savx&v ngoXritpetog {moavQ6fisvoi ttg xocwoxriv a^ucQ- 
xlav ixitSTCxAna^sv bei Johannes trotz der Anklänge p. 461(1. 47 le nichts: denn er spricht von den 
Anhomoeem stets in der zweiten Person und schliesst sie nie in die Gemeinde mit ein [vgl. nament- 
lich t. 1 p. 508«. 518b]. Die Rede selbst wendet sich deutlich gegen Kleriker welche mit Bann- 
flüchen zu Yerschwenderisch umgegangen sind, nicht nur gegen Eunomianer, sondern auch gegen 
Anhänger des Paulinus und Apollinaris: so viel darf man trotz der Corruptelen aus der Stelle 
p. 694» schliessen. Sollte aber ein Presbyter gegen seine Amtsbrüder eine so autoritative Sprache 
führen können wie z. B. p. 695« o^x 'ff^tlg x&v xoii Xao^ äyvorifiaxcav xäg tuexriQ^ag nQ06q>iQ0fiiv\ . . . 
^^0^ xijv dovXtiav TeXriQOüfisVy Idov naguxaXo^fitv ^{i&g' ij x^i'QOxovüic oitx slg i^ova^av (pigH, oim 
»ig Z^og inaigsi, oi Ssimoxs^av nag^x^i' ndvxsg xb a^mb nve^fuc iXdßofteVy Tzdvxsg sig vCod'eciav 
iKXi/jd7i(i8V' o^ dh 6 nccxiig idott^fuccsv, xovxovg %ax* i^ovciav xoCg Idtoig &dsXq>oCg ÖovXb^hv 
^^Aotfev. So redet kein Presbyter; täuscht mich nicht alles, so ist die Predigt nicht von Johannes, 
dessen glatten und flüssigen Stil sie empfindlich vermissen lässt, sondern von Flavian und illustrirt 
in sehr merkwürdiger Weise dessen ^renische' Eirchenpolitik. Das singulare und wichtige Docu- 
ment verdient eine eingehende Behandlung, vor allem muss mit handschriftlichem Material der arg 
zerrüttete Text hergestellt werden. 

2) Ebenso heisst es am Anfang der 5. Lazarusrede [t. 1 p. 762i>] *. ijfiigag xheagag dvriXAüafitv 
xijv naxic xbv Adtagov nagaßoXiiv i&fitv i^yo^fisvoi: und doch steht nichts fester als dass die 4 
ersten Lazarusreden nicht an vier auf einander folgenden Tagen gehalten sind, vgl. p. 752». 



Digitized by 



Google 



176 K. SCHWARTZ 

19. t. 3 p. 300». Predigt über Phil. 1, 18. Sie greift auf den Schlnss der 
5. Anomoeerpredigt [t. 1 p. 489** ff.] mit ausdrücklicher Verweisung zurück. Die 
Polemik wird nicht direct fortgesetzt, aber der Text der verlesenen Epistel 
dient dazu einen Kniff der Haeretiker abzuwehren [p. 302»» ff. 307^. 308«]. 

20. t. 1 p. 492**. Rede auf Philogonius, in den Handschriften insofern nicht 
mit Unrecht als die 6. Predigt gegen die Anhomoeer bezeichnet, als sie aus- 
drücklich angiebt dass sie den Cyclus *der Ketzerpredigten' unterbricht; t& 
cctQStLx&v naXaiö^ata bezieht sich am bequemsten auf 19, zugleich wird mit rö 
kstnöiisvov Tov xQiovg angekündigt dass 18 eine Fortsetzung erhalten soll. Die 
Predigt ist am 20. December 386 [vgl. p. 498*. 499*^] gehalten; der Tag war ein 
Sonntag. In Antioehien wurde, wie in Rom, das Andenken der verstorbenen 
Bischöfe gefeiert; so hat Johannes ausser auf Philogonius, auf Eustathius [t 2 
p. 603*] und auf Meletius [t. 2 p. B18*] geredet. In das s. g. syrische Martyro- 
logium sind von diesen Bischofstagen übergegangen, wenn man von den Märtyrer- 
bischöfen Ignatius und Babylas absieht: Eros [5. Mai], Maximinus [4. Februar], 
Asklepiades *) [4. März], Philetos^ [27. März], Zebennos [13. Januar]. So erklärt 
es sich auch dass in Eusebius Märtyrerpredigt [Joum. of sacr. litt. B,408] eine 
Liste der antiochenischen Bischöfe von Asklepiades bis Cyrill aufgenommen ist: 
sie ist wohl nur durch Schuld der Überlieferung mit einem Verzeichniss antioche- 
nischer Märtyrer geistlichen Standes confundirt. 

21. t. 2 p. 3B4». Weihnachtspredigt, am Freitag 2B. December 386; p. 364« 
wird auf 20 [t. 1 p. 498» ff.] zurückverwiesen. Das Citat p. 361« tsXsttac dh i} 
ioQzii avtri zoig 'lovdavoLg tcsqI tä iöxata tov Pogniacov [September] firivög^ xad'hg 
xal ifielg iiaQTVQSixs' x6xs yäg toi)g nokloi)g xal ^axgovg ngbg lovScUovg ai/ijAcS- 
ödusv Xöyovgj tfig ixaigov avrövi/i^tftfitagxari^yopowrf^ schlägt auf 11 und 12 zurück. 

22. t. 2 p. 367*. Epiphaniaspredigt, Mittwoch 6. Januar 387. Die Ermah- 
nungen p. 373^. 374* bringen frühere in Erinnerung, aus 20 ft. 1 p. 499* ff.] und 
21 [2 p. 364«]»). 

1) Der Name steckt zweifellos in ,9>rK>Y>*9>io). 

2) Cberliefert ist ^po9^,\*9», das ist griechische Corruptel, ^CXIIIog für ^UHTog. 

3) Der Versuch die Phüippika gegen die Feier des 1. Januar [t. 1 p. 697»] dem Jahr 387 
zuzuschreiben ist von Montfaucon mit triftigen Gründen zurückgewiesen. Sie bildet eine zusammen- 
hängende Reihe mit den ersten fünf Lazarusreden [t. 1 p. 707^ ff.]; zwischen die 3. und 4. [vgl. 
t. 1 p. 752«] sind die Enkomien auf Babylas [t. 2 p. 531»; 24. Januar] und die beiden Märtyrer 
aus der Zeit lulians, luventinus und Maximinus [t. 2 p. 578»] eingelegt. Der Kaiendenpredigt 
gieng ein Enkomion auf Paulus voraus [t. 1 p. 698»]. Von diesen sind 7 erhalten [t. 2 p. 477* ff.], 
die keinen Cyclus bilden, sondern jedesmal am Jahrestag des Apostels gesprochen sind [vgl. p. 491*. 
506<^. 512^], höchst wahrscheinlich dem 28. December, den das s. g. syrische Martyrologium als den 
Peter- und Paulstag anführt. Jene Reihe lässt sich im Anfang des Jahres 387 nicht unterbringen ; 
in den Predigten die sicher in diesen Zeitraum gehören, wird nie auf ein Glied dieser Reihe ver- 
wiesen. Dagegen verlangte Tillemont [M^m. 11,566] mit Recht dass die Ealendenpredigt und die 
unmittelbar darauf folgende 1. Lazarusrede einem Jahr zugewiesen würden, dessen 1. und 2. Januar 
auf gottesdienstliche Tage fallen. Das war nur möglich, wenn das Jahr mit einem Samstag oder 
allenfalls mit einem Freitag begann [vgl. t. 1 p. 611»>]. Auf einen Samstag fiel der 1. Januar in 
den Jahren 388 und 393: sie kommen allein für die aufgewiesene Reihe in Frage. Denn die mit 



Digitized by 



Google 



CHBISTUOHE UND JÜDISCHE 08TSBTAFBLN 177 

28. t. 2 p. 524*. Predigt auf den Märtyrer Lndan. Sein Tag war in Ni- 
komedien, wo er das Martyrium erlitten hatte, der 7. Januar, wie das s. g. sy- 
rische Martyrologinm angiebt; ans dem Anfang nnd einer zweiten Verweisung 
p. 626* geht hervor dass das Enkomion am Tage nach 22 gehalten ist. 

24. t. 1 p. 601^. 7. Predigt gegen die Anhomoeer. Der Anfang wiederholt 
die Klage von 23 über schlechten Kirchenbesuch: zwingender nnd wichtiger ist 
die Verweisung p. B02«, die nur auf 18 [p. 481 "^fF.] bezogen werden kann. Sie 
beweist dass die antiochenischen Anhomoeerreden wirklich einen Cydus bilden 
und nicht über mehrere Jahre verstreut werden können. Damit ist auch die 
Weihnachtspredigt auf das Jahr 386 festgeschmiedet; denn wenn es auch frag- 
lich sein kann, ob das Citat der Eetzerreden am Anfang speciell auf 19 bezogen 
werden muss, so sind doch die Eunomianer die einzigen Haeretiker gegen die 
Johannes in Antiochien zusammenhängend gepredigt hat; und wenn diese einen 
Cydus bilden, der vom ersten Jahr seines Predigtamts nicht losgerissen werden 
kann, so lässt sich die Weihnachtspredigt nicht mehr verschieben. Das Thema 
der Polemik wechselt [p. 503"*] : Sts tbv ^bqI ixaxaXi/imov Xöyov imvovfiev, ifpi^Xo- 
i^«6(ow Savtotg Siexö^icstv roOro, 8 tov iiovoysvovg fyf iiövovy tb tbv &sbv oCtag 
€idivM iTCQ^ßibg &g ecitbg iccvrbv olds [vgl. p. 455*]. vvv dh iitstdij itsgl tijg 
ToO iiovoysvoi) g dö^rig i^fitv iöti^v 6 Xoyog, qjtkovsLOcovö^v aitbv eis Tijy olxeiav 
sitilB^av xatayayetv Xiyovteg 8r& xol iifietg vCol l€y6iud'a. Die Paraenese p. 
Bll^fP. wiederholt die Ermahnungen am Schluss von 18 [t. 6 p. 488^ flF.] und 19 
[t 3 p. 308* flP.]. 

25. t. 1 p. 513*. 8. Predigt gegen die Anhomoeer. Sie ist am Tage nach 
24 gehalten, auch der schlechte Kirchenbesuch, über den 24 klagte, wird er- 
wähnt; man ist daher versucht die beiden Predigten Samstag dem 16. und 
Sonntag dem 17. Januar zuzuweisen; am 16. wurden die Quinquennalien des 
Arkadius gefeiert [Chron. min. 1,244]. Das Citat p. 514^ iitHÖ'^ ngAirfv nsi^l 
tfjg tov novoyevovg i^ovöiag SuXsyoiied'a ÖB^xvuvtsg t6itiv ovöav tifif i^ovifiav rot) 
ysyswrpuitog ainbv natgog geht auf 18 [p. 482* fP.]: das in 24 gestellte Thema 
wird zurückgeschoben, weil am Tag vorher so wenig dagewesen sind. 

26. t. 1 p. 606*. Predigt gegen die 'welche nach dem Pascha der Juden 
fasten'. Ich habe schon oben [S. 121] nachzuweisen versucht dass sie Sonntag den 31. 
Januar gehalten ist, und fuge noch hinzu dass der 24. Januar ausgeschlossen 
ist: am Tage des h. Babylas würde Johannes von dessen Martyrium nicht völlig 
geschwiegen haben. Der Anfang ndXcv XQsia t^g ivayxaCa xal xatsxsfyovöa tGw 
ngA^ipf siQfjliivav t^ ixoXov&iav diaxötl^aöa xgbg iavf^ ijt^öicätiu tbv X6yov xal 
tibv itffbg toi>g atQet^xoi>g '^iiäg indysL nakcuöiiattov ti^iiSQOV' fui^tg {ihv y&Q ndXiv 
xsqI tfjg tov Iiovoysvovg dö^'qg diaX6xdij;i/iu ^gbg tijfv i^istdifav iyäzt^v nuQSöxBva- 
t6ii$d'a verlangt dass mindestens die Reden 24. 25, vielleicht auch 27 — 29 [vgl. 
t. 1 p. 530^] vorangegangen sind. Es giebt ausser den Anhomoeern keine Ketzer 
gegen die Chrysostomus über ^die Herrlichkeit des Eingeborenen' in Antiochien 

einem Freitag anfangenden Jahre 887 und 898 sind beide ausgeschlossen, jenes ans dem ange- 
gebenen Qnmd, dieses, weil Johannes schon am 26. Febraar in Constantinopel inthronisiri wurde. 

UMIffs. 4. K. 0«t. d. WiM. n 0«tlliffM. PkU.-Uiit. Kl. N. F. Band 8,«. 28 



Digitized by 



Google 



178 B. SCHWABTZ 

gepredigt hat und hat predigen können, und das Thema welches die drei letzten 
der antiochenischen Anhomoeerreden sich stellen, ist so deutlich in diesen und 
in der sie unterbrechenden Predigt bezeichnet, dass es eine unzulässige Skepsis 
ist die Beziehung zu leugnen. Stellt man diese Unterbrechung an den Schluss 
der Reihe, so muss man erstens annehmen dass Johannes entweder seine Absicht 
den Cydus fortzusetzen aufgegeben hat oder eine Rede verloren ist. Dem steht 
entgegen dass Johannes selbst 29 als 'die volle Einlösung der Schuld' [t. 1 p. 
530^], also als Abschluss des Cyclus bezeichnet« Femer heisst es dass die Fredigten 
gegen die Ketzer 'wieder^ unterbrochen werden müssen ; sie sind es also schon einmal. 
Setzt man die Unterbrechung nach 29, so correspondiren die Anfangs worte von 26 mit 
denen von 29 [s.u.]. Aber die Unterbrechung durch die Perikopenexegese von 27 und 28 
war keine nothwendige. Wird hingegen die Unterbrechung nach 24. 25 eingeschaltet, 
so geht ihr der grosse Zwischenraum zwischen 18 und 24 unmittelbar vorher : er 
wird durch Predigten ausgefüllt, die durch die Fest- und G-edenktage geboten 
waren, und der Anfang von 20 [t. 1 p. 492*^] iyh {ihv xal tiifUQov itagsöKsva^öiiffv 
XQbg tä t&v alQBxtx&v nakcUöpLoxa &3tod'66a6^ai, xal %h kB^xöfisvov ifitv iatodovvai, 
%w xgiovg' ikX^ 4 ^^^ (ucKaQiov 0Uoyoviov 'll^idgccj oi tiiv ijfidQav äyo^isv vijv, 
ngbg tiiv tärv ixBivov xaTOQ^m(idt(ov ä^i^ö^v tipf yk&ttav fifi&v ixdXsös steht den 
oben ausgeschriebenen Worten näher als der von 29. Daher habe ich diese s. g. 
dritte Judenrede hierhin gerückt. Sie ist, wie schon gesagt, keine Rede gegen 
die Juden oder gegen solche welche Judenfeste mitmachen, und ist von Mont- 
faucon nicht gut unter die Judenreden gestellt: es war etwas ganz anderes am 
Versöhnungstag oder dem Laubhüttenfest sich unter die Juden zu mischen oder 
der alten Observanz in der Bestinmiung des Osterfestes zu folgen. Es ist daher 
auch nur natürlich, wenn Johannes auf die Predigten die er im September gegen . 
die Juden gehalten hatte, in dieser nicht verweist. 

27. t. 1 p. 525*. Predigt über den verlesenen Text Jo. 11 von der Aufer- 
weckung des Lazarus. Johannes hält sich zur Abwechslung an die Perikope und 
stellt durch keine Rückverweisung die Rede in den Cyclus der Anhomoeer- 
predigten; thatsächlich setzt er die Polemik fort, indem er sie mit einem Aus- 
fall gegen die Juden verquickt [p. 525*]: xal yäg oix olif Snag tö ivdyv(D0^a 
xavto xal tolg alQttLXotg didaxa kaßijfv xal tolg 'lovdaloLg ävtiloylag iq>OQiii^ . . 
nokkol iihv yäg t&v aCQBttx&v kiyovöiv 5tl oix ^l^^o^og 6 vtbg x&l itatgL 
Lihaltlich hängt die Exegese von Jo. 11, 22. 41 fP. mit 24 zusammen: denn auch 
da wird die Frage gelöst, wie der Sohn zum Vater beten könne, wenn er ihm 
wesensgleich sei ft. 1 p. 504*]. Als er den Cyclus fortsetzte [28], ordnete er 
diese Predigt mit ein: vgl. die Citate p. 630». 532»»«. 

28. t. 2 p. 422*. Paraenese über den verlesenen Text 2 Kor. 5 [p. 424*]. 
Der Anfang erwähnt ausdrücklich das Thema das 24 angeschlagen und 25 fort- 
gesetzt ist: itegl doyiidtfov ifiXv Siingoö^sv duXix^fjfisv xal ti^g rot) fioi^o- 
yavoi^g vtod rov d-eoi) ^tf|i]ff, im6to(Uiovtsg toig xad-cugcihnag oAtov tiiv 
ä^iav xal toi> ysyewrix6zog aitbv ikkotQiovvtag : heute soll die Paraenese die 2 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHE UND JÜDISCHE OSTEEtTAFBLN 179 

Eor. 6, 1 an die Hand gab, den Inhalt der Predigt bilden 6ii(i6Qov tbv '^^xAvsqov 
ßcAXoiiat yvfkvdöai, X&yov x<d xsqI ßiov xal xol^tsiag Snaöav noLiiöaö&m ri)v itaffcU" 
veö^v lUtXXov dh &bx ii^i^xoq iötai, iiöpov, iXXä xal äoyfiatMbg oitog 6 Xöyog' sig 
yäQ tijy nsgl ttjg ivaötdösag imö^söiv xu'&stvat naQaöxsvdioiicu. 

29. t. 1 p. 629*. Letzte Predigt gegen die Anhomoeer. Der Anfang er- 
wähnt die Pause die durch 28 eingetreten ist Cxav&g iv xalg ifiXQoö&sv ixavtfyv^ 
Ql6ufLBv iuiigatg t&v ä^karv ixUaß6ii&i/ot. tdnf &xo6tokix&v xal xf^L dirjyiiösi. rätv 
xvsvfiati^x&v ivtQVipännsg xatOQ^aiuttav : die E^mpfe der Apostel [vgL t. 2 p. 
425« — 127*] und die Grossthaten des heiligen Geistes [p. 436* fP.] sind, das eine 
ein hervorstechendes Mittelstück, das andere der Schlnss jener Rede. Jetzt, nach 
längerer Zeit, will er die Schnld einlösen, die er durch 24 eingegangen ist: das 
Thema xsqI tfjg tov fiovoyavoi^g dö^tig wird wiederholt [p. 630*] und auf seine 
spedelle Ausfülurung in 24 zurückgegriflFen [vgl. p. 630* mitp. hOPS. 505*. 606*; 
p. 630*, wo XQb ccötov tov ötavgov zu lesen ist, mit p. 606* flF. 608*. 610*], indem 
27 mit hineingezogen wird [s. c, vgl. auch p. 631* mit p. 626^]. Die Schluss- 
paraenese dtirt 28 [vgL p. 638* mit t 2 p. 422^ 436*, wo ebenfalls Wandel 
und Rechtgläubigkeit zusammengestellt werden]. 

30. t. 2 p. 518*. Predigt auf Meletius. Nach der Stelle gleich am Anfang 
xal yäg nii^ntov ixog ffiri itaQiÖQa^svj S^ o6 ngbg tbv nod'oiifuvov insdi^^tfisv 
li^öovv ixstvog gehört die Rede ins Jahr 386/7, denn Meletius starb im Sommer 
381, während des Condls von Constantinopel. Die Martyrologien geben ihm als 
Gedenktag den 12. Februar; aber ihr Zeugniss ist nicht über jeden Zweifel er- 
haben, und das s. g. syrische Martyrologium versagt, da es erheblich vor 381 
zusammengestellt ist. 

Auf die Chronologie der Predigten die den Aufstand von 387 behandeln, 
gehe ich nicht ein: sie würde zu weit abführen und giebt für den Zweck dieses 
Capitels nichts aus. Nur das eine will ich kurz nachweisen, dass sie zeitlich 
genau an die letzten Anhomoerreden anschliessen. Die erste von ihnen die sich 
auf den Tag datiren lässt, ist die welche unmittelbar nach der Abreise Flavians 
gehalten ist [t. 2 p. 36*], Sonntag den 7. März: am Tag nachher begannen die 
Fasten [p. 39*fF., vgl. 37*]. Sie kann nur wenige Tage, schwerlich eine ganze 
Woche später sein als die erste Rede, mit der Johannes sieben Tage nach dem 
Aufstand das erste Schweigen brach [t. 2 p. 20*]: der Aufstand muss also in 
die letzten Tage des Februar fallen. Jene erste Predigt über den Aufstand 
schliesst wiederum unmittelbar an die Exegese der Perikope 1 Tim. 6,22fP. an 
[t. 2 p. l*fP.]: denn sie setzt die Perikope fort [t. 2 p. 26*] und dtirt jene aus- 
drücklich [vgl. p. 24^ mit p. 18* ff.]. Umgekehrt ist es mindestens sehr wahr- 
scheinlich dass die Predigten 27 — 29 in den Februar des Jahres 387 fallen. So 
rücken sie nah an den Cyclus der Aufstandspredigten heran und alles schliesst 
zusammen. 

Es bleibt noch übrig die zweite Reihe der s. g. Judenpredigten [4 — 8] zu 
besprechen. Sie bilden wirklich eine zusammenhängende Reihe, wie die Ver- 

28* 



Digitized by 



Google 



180 B. SOHWABTZ 

Weisungen zeigen; dass der Ansdrack vtiötsia vorsichtig interpretiri werden 
moss, habe ich oben [S. 172 f.] erörtert. 

A. t. 1 p. 616*. 4. Predigt gegen die Juden, 10 oder mehr Tage^ vor der 
vrfixBla gehalten. Sie erö&et deutlich einen Cyclas [p. 625^] und unterbricht 
exegetische Predigten [p. 616*]; was für welche, ist nidht zu sagen. 

B. t. 1 p. 627^. 5. Predigt gegen die Juden. Der Anfang greift auf das 
in A [p. 62B^] gegebene Versprechen zurück ^ {kkv ovv xgbg ^lovdaiovg (isvitm 
zsmg (lixri. 6ii(i€Q0v yäg 'ijXQoßoXLöd^s^a XQbg cdtoiig, iiövov toöovtov 
ilndvzBg Zöov Ijqxbv ngbg iöfpdXsiav totg idsXfpotg totg iifietiQOLg: dem entsprechend 
wird jetzt die Recapitulation von A mit den Worten abgeschlossen [p. 628**] : ngbg 
fikv oiv rb tilv tcbv ^Iov8al(ov ivcuöxwriccv ixcötofiiöcu xal dsl^cu naQovoiiovvrag 
tedtoiig, Cxavä xal tä tfjL %QoxiQai diakS^Bi ngbg r^ iydnrj^v {)fi&v alQvniiva, Das Thema 
der recapitulirten Predigt [p. 628*] zb yäg önovda^d^evov fyf fifUv ixodst^ai 8rt 
tä yLvöfisva vvv ij^ ccöt&v xagavofiicc tlg i<fti xal nagißaöig xal &v%'q&7C(ov itgbg 
^sbv fidxfj xal xölBfiog' xal toirco 6i)v d's&L fistä ixQißaCag indötig insdsl%tri deckt 
sich genau mit dem von A [p. 620^] naQavoyilav dl Xiym^ ixBidii xagä tbv XQOöi/j' 
xovxa taiha yCvBxai, itavQbv. fyf nots xaigbg Srs xavta fpvkixtB6^ai idai,^ iXkä vi)v 

oix i6xL, dtä Tovro rö Äori Svvoiiov nagdvonöv iöxi vvv [p. 620*] ixe^dii äh 

9ud itffbg ixsLvovg inoxsivaö^ai ßovXoiiai, 86xb fio& iiaxQOxigav itQOösvsyxstv xiiv 
d^daöxaUav xccl dst^at. x&g xbv v6(jlov ixLfid^ovöLv ot ^lovdaloi, vtiöxsiiovtsg vvv 
xal xä xov (^6ov xttxaxaxovöi xgoöxdyfiaxaj dii ivavxiag xotg iouivmt^ doxovö^ 
ndvxa xoioirvtsg &bC. Auch das Beispiel von den 3 Jünglingen und Daniel 
[p. 628*] findet sich in A [p. 621» ff., vgl. besonders p. 622»]. A kann also 
nicht aus der Reihe herausgenommen werden; ein weiterer Beweis wird sich bei 
E ergeben. 

C. t. 1 p. 649^. 6. Predigt gegen die Juden, am Tage nachher gehalten; 
Johannes ist von der ungewöhnlich langen Predigt [vgl. p. 649»] des vorigen 
Tages heiser fp. 650»]; p. 650« ff. wird der Inhalt von B recapitulirt Es hätten 
eigentlich Märtjn'er gefeiert werden sollen [p. 650*]. Für die Chronologie nützt 
das nichts , denn es ist nicht zu errathen welche Märtyrer gemeint sind. Auch 
das s. g. syrische Martyrologium lässt im Stich, da es für Ende August und 
den ganzen September keine antiochenischen Gedenktage notirt. 

D. t. 1 p. 662». 7. Predigt gegen die Juden, am ersten Tag des Laubhütten- 
festes, p. 662« ff. werden die Themata von A [p. 621» ff.] und B [p. 628°] wieder- 
holt, p. 671^ wird eine Fortsetzung angekündigt. 

E. t. 5 p. 150». Predigt über den 41. Psalm. Sie ist von Montfaacon mit 
Recht in diese Reihe gestellt. Am Anfang weist sie auf eine lange Predigt 
über Melchisedek zurück; D gipfelt aber in einer breiten Exegese von Hebr. 5 
[p. 667« ff.] und wird abgebrochen, weil die Zuhörer nicht mehr können [p. 671*]. 
Johannes will die Gremeinde die ihm damals so geduldig zugehört hat, jetzt da- 
mit belohnen dass er das Thema wechselt: xo^xiXlsvv xgij xb xrlg dida€xaXiag 
sldog x(d vvv {ihv 7CavrfyvQi,xaniQ(ov^ vi)v dh dyoDVLöxixaniQon; &xxB6%ai l&ymv. Die 



Digitized by 



Google 



CHBI8TLI0BE UND JÜDISCHE 08TEBTAFELN 181 

Wendnng lehrt die Unterbrechung der Anhomoerreden durch Predigten die sich 
an die Perikope des Tages halten, wie 19. 27. 28, verstehen : ^panegyrisch' werden 
diese Predigten aach am Anfang von 29 [t. 1 p. 629<^] genannt. Er giebt dann 
an was für einen Cydns er unterbricht: &6%bq oiv t&ts ilsyov Sri ot xoLfidvsg 
t&v liixan; im&inaw r^t xoCpLvrn tipf öiigtyya äip^ivtBq xijfv 6fp6vd6vrpf (letaxstQi^ovtat^ 
o{;roi vih^ Sil xaQsl^ovö&v x&v io^&v xdrv lovdacx&v^ oT X'6x(ov iativtenv slöl %aXe- 
nAtSQOLj tipp 6q)Bvd6vxiv TcäXtv äipivtBg, inl tifif öigiyya ixavicofisv. Das Citat 
geht auf A, die Predigt welche den zweiten Cyclus der Judenpredigten eröffnet, 
und verbindet sie unauflöslich mit D, von dem B und C nicht zu trennen sind: 
vgl. t. 1 p. 616* ixsl x<d xoifidvsSf etos fihv &v ^ridhv ^vo^AiJt d^giovy heb Sqvv 
^ n6vxi]v £avt(ybg ^l^avxBg x&i xakdiioi övgi^ovöcv &q)^vrsg ix* i^oviflag &nd6rig 
tä itQÖßccta vifiBöd'cu. ixsidäv dl Xvxav xaxadgo^iiv atö^cavxm yivofiivriv, xöxs xbv 
xAXaiiov ^(ilfavxsg xijv 6q)6vd6vrjv (iBxaxsvgC^ovxai .... oüxa) dii xal i^iistg iv fikv xalg 
ifiXQoöd'Bv fifüdgcug^ &6%bq iv Ibl(i&v£ xlvi, xf^i, x&v yga^p&v dcrjyijöBL öxigx&vxBg, 
oiÖBvbg fitlpdiiB&a iymvtöxixov Xöyov . . . ixBcäii äh 0iifABQOv ot ktixmv &%ivx(ov %akB' 
ndytBQOi 'lovSatot TCBgUöxaö^ou, fi^&v xä ngößaxa (liXXovöLVy iviyxvi ^vxxsiiBtv xal 
Hdxsö^ai^ Sycfog firidlv ijfilv dTjQLdXaxov yivrixav. 

F. t. 1 p. 673^. 8. Predigt gegen die Juden. Schon E wurde gehalten, als 
die Feste des jüdischen Tischri vorbei waren: ebenso beginnt diese Predigt mit 
den Worten xaQfjX&Bv fi vriöXBCa röv *Iovdaimv: darunter ist nicht speciell der 
Fasttag des 10. Tischri zu verstehen, sondern das Laubhüttenfest ist mit inbe- 
begrifFen. Ich habe schon oben [S. 173] gezeigt dass die Verweisung p. 681* 
auf D und die D vorausgehenden Reden zurückschlägt ; zu &7cb xov Ibqov vgl. 
spedell das in D [p. 664*] gestellte Thema lombv i^ i^cödBL^Lg xov fiipcixi 6xi^6B6^ai 
xbv vaöv. Die Predigt erfüllt das in D [p. 671*] gegebene Versprechen und 
schliesst den ganzen Cyclus mit einer eigentümlichen Paraenese ab, die nicht 
für sich gestellt werden kann; sie erhält ihre Kraft erst durch die vorherge- 
gangenen dogmatischen Auseinandersetzungen. 

Es versteht sich von selbst, dass dieser Cyclus in ein späteres Jahr gehört 
als 11. 12; zum Ueberfluss beweist die Erwähnung des antiochenischen Auf- 
stands in C [p. 659^], dass er frühestens dem Herbst des Jahres 387 zugewiesen 
werden kann. Andererseits greift Johannes am Anfang dieser zweiten Polemik 
ausdrücklich auf die frühere zurück [p. 616*] : ndXt,v ot ÖBtlaiOL xal jtdvxmv iv- 
d'gAyccav dd'XvdnBQOt vqöxB'dBiv {likkovffiv 'lovdatot, xal ndkiv &6<paki6a6(^at xifv rot) 
Xqiöxov notfivifv dvayxatov. Versteht man diese Worte so wie es das natürlichste 
ist, dass nämlich Johannes die Gemeinde an die Predigten 11 und 12 erinnert, 
so wird man allerdings geneigt sein den Cyclus den sie einleiten, in das Jahr 
887 zu setzen: es ist nicht eben wahrscheinlich dass Chrysostomus sich auf Pre- 
digten zurückbezog, die zwei oder mehr Jahre zurücklagen ; zum Mindesten hätte 
er wohl etwas darüber gesagt. 

Das vorhandene Material ist nun soweit geordnet, dass die Frage aufge- 
worfen werden kann: nach welchem Kalender haben die antiochenischen Juden 
am Ende des 4. Jahrhunderts ihre Feste angesetzt? Es kann von vornherein 



Digitized by 



Google 



182 



E. SCHWARTZ 



nicht bestritten werden, ja es ist wahrscheinlich dass die alte Observanz, das 
Pascha nach dem von Zeit zu Zeit empirisch festgestellten Vollmond des März 
zu bestimmen und für jedes Jahr anzusagen, am Ende des Jahrhunderts noch 
fortdauerte. Durch das Pascha waren dann auch die Feste des folgenden Tischri 
bestimmt; zwischen dem 15. Nisan und dem 16. Tischri müssen 6 Mondmonate 
=s 177 Tage liegen. Wenn also der 15. Nisan nicht vor den 1. und nicht später 
als der 31. März fallen konnte, musste der 15. Tischri, der erste Tag des Laub- 
hüttenfestes, sich zwischen dem 24. August und dem 24. September hin und her- 
bewegen. Für die Jahre 386 — 388 stellen sich die Daten so : 



Jahr 



386 
387 
388 



Vollmond (Greenwicher Zeit) 



24. Sept. 12^U.4r Mittags 
13. Sept. 10^19.2« Morgens 
2. Sept. 8»^ 24- Abends 



Sonntage 



6. 13. 20. 27. Sept. 
5. 12. 19. 26. Sept. 
3. 10. 17. 24. Sept. 



Nach der Weihnachtspredigt [t. 2 p. 361«] fielen im Jahr 386 Eippür und 
Laubhütten, in das Ende des September: 6 dl wuQbg tov siayyeliöfiov 6 tilg 
öxfivonrjyiag fjfv %aL xf^g vijötBiccg* tovto yA(f iöt^ tb [Lev. 16,29] tana^vAösts 
tag tlfvx^g iii&v tsksttai dh ^ ioQtij oGtri tolg 'lovdcUoig xsqI tä i6%ata rot) 
Vo^uxiov iitivög, xa^iag xal ifistg iia(^vQStts * t6t$ yäg toi>g xoXXoi>g xal fiaxQoi>g 
ngbg ^lovdcUovg ivtiX(b6a(iBv Xöyovg tijg ixaiQOv ait&v vrfitBlag nccttiyoQoi^vtsg. 
Damit stimmt die Tabelle überein, und folgende Ueberlegung führt weiter. Jo- 
hannes will in der Weihnachtspredigt den Schriftbeweis dafür liefern, dass der 
25. December [Apellaios] das richtige Datum der Geburt Christi ist. Nach Luk. 
1,26 war Elisabeth bei der Empfängniss der Maria am 25. März, von wo aus 
der 25. December berechnet ist, im 6. Monat schwanger; das giebt als Datum 
der Conception des Täufers den 25. September. Nun wurde die Verkündigung 
des Zacharias auf den 10. Tischri gelegt, den Tag an dem der Hohepriester das 
Allerheiligste betritt. Im verbesserten Kalender kann dies Datum sehr leicht 
auf den 25. September und darüber hinausfallen ; nach der älteren antiochenischen 
Observanz ist das späteste bürgerliche Datum des Yersöhnungsfestes der 19. 
September : selbst der 1. Tag des Laubhüttenfestes kann nicht über den 24. Sep- 
tember hinunterrücken. Unter diesen Umständen wird es begreiflich dass Johannes 
um seiner Conceptions- und Geburtschronologie willen das Laubhüttenfest mit 
dem Eippür zusammenwirft; er muss ja das Datum der Verkündigung an Zacharias 
so nah als möglich an den 25. September hinanbringen. 

Die 1. Judenrede [Nr. 11 meiner Liste] sagt ausdrücklich dass die drei 
Judenfeste, Neujahr, Eippür und Laubhütten bevorständen [t. 1 p. 588^] : io(ftal 
t&v id'Xüov xal taXammQoyv ^lovdcUmv iiikkovöi. nQOöslaiivsLV öwsxstg «ol hciX^ 



Digitized by 



Google 



CHBI8TLICHB UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 183 

Ai}Aot, a[ öikmyyBgf td 6xtivonf]yiat ^ at vvflxstai,. Trotz der falschen Anordnung 
lässt sich das nur so verstehen, dass diese Fredigt vor dem 1. Tischri 386 ge- 
halten ist. Zwischen ihr und der zweiten [Nr. 12] liegt ein Zwischenraam von 
mehr als 10 Tagen; diese wiedemm sagt [p. GOl^»]: ii (ihv oiv itagAvoiiog air&v 
vfjötata fistä nivts XoLitbv 'fffiigag ifpiötcctai. Das Intervall zwischen beiden Pre- 
digten passt so gnt zu dem Intervall zwischen dem jüdischen Neujahr nnd dem 
Yersöhnnngstag am 10. Tischri, dass man annehmen darf, an dieser Stelle sei 
nnter ^ vrfixBla wirklich das grosse Fasten des 10. Tischri verstanden. Führt 
man nnn den Septembervollmond des Jahre 386 in die Eechnnng ein nnd be- 
rücksichtigt dass Mittwoch, Freitag nnd Sonntag die regelmässigen gottesdienst- 
lichen Tage sind, so lassen sich mit einiger, wenn auch keineswegs unbedingter 
Wahrschdnlichkeit folgende Daten ansetzen ^) : 

386 Mittwoch den 2. Sept. 1. Jndenrede [Nr. 11]. 

Mittwoch den 9. Sept. 1. Tischri. 

Sonntag den 13. Sept. 2. Jndenrede [Nr. 12], 

Freitag den 18. Sept. 10. Tischri. 

Mittwoch den 23. Sept. 16. Tischri. Laubhütten. 
Man vergesse nicht dass in der Weihnachtspredigt Johannes nur die Zeit 
von Eippur und Laubhütten angeben will, nicht die seiner Predigten, die seiner 
eigenen Angabe nach vor den Festen des 1. und 10. Tischri gehalten sind [vgl. 
besonders t. 1 p. 601^]; er verweist auf diese um dem Gedächtniss seiner Zu- 
hörer einen Anhalt zu geben. 

Auf eine genauere Datierung des zweiten Cyclus verzichte ich lieber, da 
die Factoren der Rechnung hier zu unsicher sind. Johannes erklärt in der 
Weihnachtspredigt des Jahres 386, das Fest des 26. December sei in Antiochien 
vor noch nicht 10 Jahren aus Rom eingeführt [t. 2. p. 366\366^]. Seine Be- 
hauptung, in der westlichen Reichshälfte [p. 366^ xolg änh 9QdiXfjg iidxQt radiiQmv 
oixavöi] sei das Fest uralt, ist ein Irrtum den Hippolyts Ostertafel widerlegt: 
über Ajitiochien selbst ist er natürlich orientirt. Aber für eine bis aufs Jahr 
genaue Berechnung reicht seine Angabe nicht aus : er hat von der antiken Rhe- 
torik die leidige Gewohnheit geerbt die Zahlen zu 'stilisiren' und sie auf Zehner 
abzurunden. Vgl. Nr. B [t. 1 p. 646^] ixl ßaöLkimg [luUan] itgb stxoöi. h&v y$' 
ysvijiiivov ixl tilg ysvB&g x^<6 fifiBtiQccgj es müsste wahrscheinlich 26 Jahre heissen, 
aber man darf nicht ändern. Von der Stelle in Nr. 12 [t. 1 p. 601>»] ngb Sixa 
fl^iSQßw 1j %al nXeiöveav ist schon die Rede gewesen. In der Predigt auf Domnina 
und ihre Töchter [t. 2 p. 634^] heisst es oi^(o büxoöi iiiidgag ixoiiBv öxavQoi) iivsiav 
invxeXiöavxsg xal ldoi> iia(fxvQ€9v [iveiav hcixsXoi^iiBv, In 1. 1 p. 630* sollen nur 
'zehn' dabei gewesen als die Sünderin über Jesus die Salbe ausgoss: man er- 
wartet dass mindestens zwölf gezählt werden. So lässt sich das Jahr in dem 

1) Die Daten des verbesserten Kalenders für 886 würden sein: 1 Tischri [Moled 5d ISh 291 %] 
= Donn. 10. Sept ; Kippür Samstag 19. Sept. ; Laubhütten Donn. 24. Sept Danach würde Nr. 12, 
die 2. Jndenrede, nach t 1 p. 601^ anf Montag den 14. Sept. fallen, und Montag ist kein gottes- 
dienstlicher Tag. 



Digitized by 



Google 



184 K. 8CHW4BTZ 

zum ersten Mal in Antiochien Weihnachten gefeiert wurde, nur ungefähr be- 
stimmen: es mnss zwischen 377 und 380 gewesen sein. Ich vermnthe dass das 
antiochenische Schisma hier eine Bolle spielt. Wie Chrysostomns selbst sagt, 
schloss man sich mit dieser Festfeier an Rom an. In nächster Verbindung mit 
Bom stand Paulinus. Er wurde zum Schismatiker, als Theodosius 379 Meletius 
anerkannte, der gleich nach Valens Tod und dem Edict Gratians 378 zurück- 
gekehrt war. Umgekehrt haben Meletius und seine Partei den grössten Wert darauf 
gelegt fiir ebenso orthodox zu gelten als Fabst Damasus; und es duldet nach 
Useners Untersuchungen keinen Zweifel dass Weihnachten ein Fest ist, das im 
Wesentlichen von der homousianischen Orthodoxie geschaffen ist. Chrysostomus 
femer, den Meletius zxun Diakon gemacht hatte, und sein Bischof Flavian können 
als die legitime antiochenische Gemeinde nur die angesehn haben, die zu Me- 
letius gehalten hatte; diese hatte aber erst seit 378 regelmässige Gottesdienste 
abhalten können. So spricht viel dafür dass das erste Weibnachtsfest, von 
welchem ab Chrysostomus das des Jahres 386 zählt, das von 378 oder 379 ge- 
wesen ist, und dass die Meletianer es officiell eingeführt haben um hinter den 
Schosskindem Boms, den paulinianischen Schismatikern nicht zurückzubleiben. 

Ich habe mir diese Abschweifung nicht verstattet um an Useners grossem 
Werk zu mäkeln, möchte auch nicht, dass meine Untersuchung über die Zeit von 
Chrysostomus Beden gegen die Juden und Anhomoeer so aufgefasst würde als 
wollte ich damit seinen G^egnern Waffen liefern. An dem grossen Bau seiner 
Combinationen wird dadurch nicht gerüttelt, dass ein paar Steine verschoben 
werden müssen und die Daten sich um wenige Jahre ändern: er kanns ver- 
tragen und steht dadurch nur fester. Mit dem s. g. Zeugniss Hippolyts soll 
man ihm nicht kommen; es ist und bleibt ein falsches. 

Die Vertheidigung des schönsten Buches das über ein christliches Fest 
geschrieben ist, möge meine Ausführungen beschliessen ^). Die Geschichte 
der Faschaberechnung ist im Grunde die Geschichte einer menschlichen Ver- 
irrung, die dadurch nicht besser wird, dass sie ein ehrwürdiges Alter erreicht 
hat und unser bürgerliches Leben noch jetzt unter ihr leidet. Aber jede ge- 
schichtliche Institution ist ein historisches Document; und Institutionen bilden 
das geschichtliche Leben schärfer und treuer ab als Berichte. Wenn der Satz 
gilt dass die Geschichte nach Documenten geschrieben werden muss, kann sich 
der Historiker der Pflicht nicht entziehen sich auch in solche Documente zu 
vertiefen, die langweilig und abstrus zu sein* scheinen : seine Sache ist es, auch 
darin das Leben zu suchen. 



1) So hatte ich geschrieben, als Usener noch lebte ; das letzte Capitel ist darum so breit ans- 
gefaUen, weü ich hoffte Usener selbst zu überzeugen. Nun ist er todt, und jene Worte können 
nichts anderes mehr sein als ein Kranz auf dem Grabe &ifdifbg hv oi)9* alvsCv xoici %a%ot9i ^iiug. 



Digitized by 



Google 



CHBISTUCHB UND JÜDISCHE 08TEBTAFELN 



186 



IBeilag^ 

Ich glaube Chronologen nnd Historikern einen Dienst zu erweisen, wenn 
ich die alexandrinischen Osterdaten für eine ganze Periode zosammenstelle nnd 
die wichtigsten Acren hinzufüge. Die Epakten sind die alexandrinischen, welche 
auf den 26. Phamenoth [22. März] gestellt sind; die Ferie ist die des 30. Mechir 
und muss für den römischen Kalender auf den 24. März bezogen werden. Jahres- 
zahlen der christlichen Aera die später als das Schlussjahr der Periode sind, 
lassen sich durch Subtraction von 892 oder 1424 leicht auf die alexandrinische 
Osterperiode reduciren. 



'S.» 

U 



1^ 



1 


384 


77 


2 


386 


78 


3 


836 


79 


4 


387 


80 


5 


888 


81 


6 


339 


82 


7 


340 


83 


8 


341 


84 


9 


342 


85 


K) 


348 


86 


11 


344 


87 


12 


345 


88 


18 


346 


89 


14 


347 


90 


15 


348 


91 


16 


849 


92 


17 


350 


93 


18 


351 


94 


19 


352 


95 


20 


858 


96 


21 


354 


97 


22 


355 


98 


28 


356 


99 


24 


357 


100 



5853 
5854 
5855 
5856 
5857 
5858 
5859 
5860 
5861 
5862 
5868 
5864 
5865 
5866 
5867 
5868 
5869 
5870 
5871 
5872 
5878 
5874 
5875 
5876 



II 

a 



5869 
5870 
5871 
5872 
5878 
5874 
5875 
5876 
5877 
5878 
5879 
5880 
5881 
5882 
5888 
5884 
5885 
5886 
5887 
5888 
5889 
5890 
5891 
5892 



§ 
'S 






672 
678 
674 
675 
676 
677 
678 
679 
680 
681 
682 
683 
684 
685 
686 
687 
688 
689 
690 
691 
692 
698 
694 
695 



361 
362 
363 
364 
365 
366 
367 
368 
869 
370 
371 
372 
373 
374 
375 
876 
377 
378 
379 
380 
381 
382 
383 
384 



I 



las 



I 
II 
m 

TV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xra 

XIV 

XV 

XVI 

xvn 

XVIII 
XK 

I 

II 
III 

IV 
V 



I 
II 
III 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 
X 
XI 
XII 

xm 

XIV 
XV 
XVI 
XVII 

xvm 

XIX 
XX 
XXI 

xxn 

XXIII 
XXIV 



a 

I 

J3 



IV 

V 

VI 

vn 

VIII 
IX 
X 
XI 

xn 
xm 



XIV 

XV 

I 

n 

m 

IV 
V 
VI 
VII 

vm 

IX 

X 

XI 

xn 



Oster- 
ToUmond 



5. April 
25. März 
13. April 

2. April 
22. M&rz 
10. April 
80. M&rz 
18. April 

7. April 
27. M&rz 
15. April 

4. April 

24. M&rz 

12. April 
I.April 

21. M&rz 
9. Aprfl 

29. M&rz 
7. Aprü 

5. April 

25. M&rz 

13. April 
2. April 

22. Mftrz 



OsterBonntag 

und 

Mondalter 



AbUndlnngen d. K. Gm. d. Win. zu Gftttingen PhUw-Uat. Kl. M. F. Bud 8,». 



8. April 
81. M&rz 
20. April 

4. April 

27. M&rz 

16. April 
1. April 

20. April 
12. April 

28. M&rz 

17. April 

8. April 
81. M&rz 

18. April 

5. April 

27. M&rz 

16. April 
1. April 

21. April 
12. April 

28. M&rz 

17. April 

9. April 
24. M&rz 

24 



xvn 

XX 

XXI 

XVI 

XIX 

XX 

XVI 

XVI 

XIX 

XV 

XVI 

xvm 

XXI 
XV 

xvm 

XX 
XXI 

xvn 
xvm 

XXI 
XVII 

xvm 

XXI 
XVI 



Digitized by 



Google 



186 



I. SCHWABTS 



^3 


gl 

H 


00 

'S ^ 
p 


1 

M 
< 


II 

1* 


s 

'S 

Ci 
I 




II 
11 


1« 

1« 
sl 


a 
o 

5 


m 


1 


Oster- 
vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


26 


868 


101 


5877 


6898 


696 


885 


VI 


XXV 


xni 


26 


2 


10. April 
80. Mftrz 


18. April xvn 


26 


869 


102 


5878 


6894 


697 


386 


vn 


XXVI 


xrv 


6 


8 


6. April XX 


27 


860 


108 


6879 


5895 


698 


387 


vm 


xivn 


XV 


17 


4 


18. April 


26. April XXI 


28 


861 


104 


6880 


5896 


699 


388 


IX 


xxvin 


I 


28 


6 


7. April 


9. April XVI 


29 


862 


106 


6881 


6897 


700 


889 


X 


I 


n 


9 


7 


27.M&n 


1. April XIX 


80 


868 


106 


5882 


6898 


701 


890 


XI 


n 


m 


20 


1 


16. April 


21. April XX 


31 


864 


107 


5688 


6899 


702 


391 


xn 


m 


rv 


1 


2 


4. April 


6. April XVI 


82 


866 


108 


5884 


5900 


708 


392 


XIII 


rv 


V 


12 


4 


24.M&n 


28. M&n xvm 


88 


866 


109 


5886 


5901 


704 


393 


XIV 


V 


VI 


28 


6 


12. April 


17. April XIX 


84 


867 


HO 


5886 


5902 


706 394 


XV 


VI 


VII 


4 


6 


I.April 


2. April XV 
25. M&rz xvm 


85 


368 


111 


5887 


5903 


706 396 


XVI 


vn 


vm 


16 


7 


21. M&n 


86 


869 


112 


6888 


6904 


707 896 


xvn 


xm 


IX 


26 


2 


9. April 


18. April xvm 


87 


370 


118 


5889 


5906 


708 


897 


XVUI 


XIV 


X 


7 


8 


29. Mftn 


6. April XXI 


88 


371 


114 


5890 


5906 


709 


398 [XIX 


X 


XI 


18 


4 


17. April 


18. April XV 


89 


872 


116 


6891 


6907 


710 


399 


I 


XI 


xn 


30 


6 


6. April 
25. Mftn 


10. April XIX 


40 


873 


116 


5892 


6908 


711 


400 


[I 


XII 


xm 


11 


7 


1. April XXI 


41 


874 


117 


5898 


5909 


712 


401 


ni 


xm 


XIV 


22 


1 


18. April 


14. April XV 


42 


876 


118 


5894 


6910 


718 


402 


rv 


XIV 


XV 


8 


2 


2. April 
22. Mftrz 


6. April xvm 


48 


876 


119 


5896 


6911 


714 


403 


V 


XV 


I 


14 


8 


29. Man XXI 


44 


877 


120 


6896 


5912 


716 


404 


VI 


XVI 


n 


25 


6 


10. April 


17. April XXI 


46 


878 


121 


6897 


5913 


716 


405 


VII 


xvn 


in 


6 


6 


80. Mftrz 


2. April xvn 


46 


879 


122 


5898 


6914 


717 


406 


VIII 


XVIII 


IV 


17 


7 


18. April 


22. April xvm 


47 


380 


128 


5899 


6915 


718 


407 


IX 


XIX 


VI 


28 


1 


7, April 
27. M&n 


14. April XXI 


48 


881 


124 


5900 


5916 


719 


408 


X 


XX 


VI 


9 


8 


29. M&n XVI 


49 


882 


125 


6901 


6917 


720 


409 


XI 


XXI 


vn 


20 


4 


16. April 


18. April XVII 


60 


888 


126 ' 5902 


5918 


721 


410 


xn 


xxn 


vm 


1 


5 


4. April 
24. Mftn 


10. April XX 
26. Mftn XVI 


51 


884 


127 , 6908 


6919 


722 


411 


xni 


xxm 


IX 


12 


6 


62 


885 


128.6904 


6920 1 728 1 


412 


XIV 


XXIV 


X 


28 


1 


12. April 


14. AprU XVI 


63 


886 


129 


5905 


5921 ! 724 1 


418 


XV 


XXV 


XI 


4 


2 


1. April 
21. Mftn 


6. April XIX 
22. Mftn XV 


64 


887 


130 


5906 


6922 


725 


414 


XVI 


XXVI 


xn 


15 


8 


56 


888 


181 


5907 


5923 


726 


415 


XVII 


XXVII 


xm 


26 


4 


9. April 
29. Mftn 


11. April XVI 


66 


389 


182 


6908 


6924 


727 


416 


xviu 


xxvin 


XIV 


7 


6 


2. April xvm 


67 


890 


188 


6909 


6925 


728 


417 


XIX 


I 


XV 


18 


7 


17. April 


22. April XIX 


68 


391 


184 


5910 


5926 


729 


418 


[ 


II 


I 


80 


1 


5. April 
26. M&n 


7. April XVI 


69 


892 


135 


5911 


5927 


780 


419 


II 


in 


n 


11 


2 


30. Mftrz XIX 


60 


898 


136 


5912 


5928 


731 


420 


III 


rv 


in 


22 


4 


13. April 


18. April XIX 


61 


394 


187 


5913 


6929 


732 


421 


IV 


V 


rv 


8 


5 


2. April 
22. Mta 


3. April XV 


62 


896 


138 


5914 


6930 


733 


422 


V 


VI 


V 


14 


6 


26. Mftn xvm 


68 


396 


139 


5916 


5931 


734 


423 


VI 


vn 


VI 


26 


7 


10. April 


15. April XIX 


64 


897 


140 


5916 


5932 


735 


424 


vn 


vin 


vn 


6 


2 


80. Mftn 


6. AjHril XXI 


66 


898 


141 


5917 


5933 


736 


425 


vm 


IX 


vm 


17 


8 


18. April 


19. April XV 


66 


899 


142 


5918 


5934 


737 


426 


IX 


X 


IX 


28 


4 


7. April 


11. April xvm 


67 


400 


143 


5919 


5985 


738 


427 


X 


XI 


X 


9 


5 


27. Mftn 


8. April XXl 


68 


401 


144 


5920 


59»6 


789 


428 


XI 


xn 


XI 


20 


7 


15. April 


22. April XXI 


69 


402 


145 


5921 


5937 


740 


429 


XU 


xm 


xn 


1 


1 


4. April 
24. Mftn 


7. April XVII 


70 


408 


146 


5922 


5938 


741 


480 


xm 


XIV 


xm 


12 


2 


80. Mftn XX 


71 


404 


147 


5928 


6989 


742 


481 


XIV 


XV 


XIV 


28 


8 


12. April 


19. April XXI 


72 


406 


148 


5924 


5940 


748 


432 


XV 


XVI 


XV 


4 


5 


I.April 


3. April XVI 


73 


406 


149 


5926 


5941 


744 


438 


XVI 


xvn 


I 


15 


6 


21. M&n 


26. M&n XIX 


74 


407 


150 


6926 


5942 


745 


434 


xvn 


xvm 


n 


26 


7 


9. April 


15. April XX 


76 


406 


151 


6927 


5948 


746 


485 


XVIU 


XIX 


III 


7 


1 


29. Mftn 


31. M&n XVI 



Digitized by 



Google 



CHBI8TUCHK UMD iÜQISOBB OfStKRTARLN 



167 



1 


.11 


0,1 

S 


1 
< 


•äs 
t 


s 

a 


5 




-SS 

< 


a 
© 


t 


Oster- 
▼ollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondaller 


76 


409 


162 


5928 


5944 


747 


486 


XTX 


XX 


IV 


18 


3 17. April 


19. April XVI 


77 


410 


153 


5929 


5945 


748 


437 


1 


XXI 


V 


30 


4 5. Aprü 


11. April XX 


78 


411 


154 


5930 


5946 


749 


438 


[I 


XXII 


VI 


11 


5 25. März 


27. März XVI 


79 


412 


155 


5931 


5947 


750 


439 


III 


xxm 


VII 


22 


6 13 April 


16. Aprü XVII 


60 


413 


156 


5932 


6948 


751 


440 


IV 


XXIV 


vm 


3 


1 2. April 


7. April XiX 


81 


414 


157 


5933 


5949 


752 


441 


V 


XXV 


IX 


14 


2 22. März 


23. März XV 


82 


415 


158 


5934 


5950 


753 


442 


VI 


XXVI 


X 


25 


3 10. April 


12. April XVI 


63 


416 


159 


5935 


5951 


754 


443 


VII 


XXVII 


XI 


6 


4 30. März 


4. April XIX 


84 


417 


160 


5936 


6952 


765 


444 


VIII 


XXVIII 


XII 


17 


6 18. April 


23. April XIX 


65 


418 


161 


5937 


5953 


756 


445 


IX 


I 


XIII 


28 


7 7. Aprü 


8. April XV 


86 


419 


162 


5938 


5954 


757 


446 


X 


II 


XIV 


9 


1 27. März 


31. März XVin 


87 


420 


163 


5939 


6955 


758 


447 


XI 


III 


XV 


20 


2 15. April 


20. April XIX 


88 


421 


164 


5940 


5956 


759 


448 


XU 


IV 


I 


1 


4 4. April 


11. Aprü XXI 


69 


422 


165 


5941 


6957 


760 


449 


XIII 


V 


II 


12 


5 24. März 


27. März XVII 


90 


423 


166 


5942 


5958 


761 


450 


XIV 


VI 


in 


23 


5 12. April 


16. April XVIII 


91 


424 


167 


5943 


5959 


762 


451 


XV 


VII 


IV 


4 


7 1. April 


8. Aprü XXI 


92 


425 


168 


5944 


5960 


763 


452 


XVI 


VIII 


V 


15 . 


2 21. März 


23. März XVI 


93 


426 


169 


5945 


5961 


764 


453 


XVII 


IX 


VI 


26 ; 


5 9. Aprü 


12. April XVII 


94 


427 


170 


5946 


5962 


765 


454 


xvm 


X 


VII 


7 ^ 


i 29. März 


4. April XX 


95 


428 


171 


5947 


6963 


766 


455 


XIX 


XI 


VIII 


18 l 


j 17. April 


24. Aprü XXI 


96 


429 


172 


5948 


5964 


767 


456 


[ 


XII 


IX 


30 - 


5. April 


8. April XVII 


97 


430 


173 


5949 


5965 


768 


457 


II 


XIII 


X 


11 ] 


L 25. März 


31. März XX 


98 


431 


174 


5950 


5966 


769 


458 


III 


XIV 


XI 


22 i 


> 13. April 


20. April XXI 


99 


432 


175 


5951 


5967 


770 


459 


IV 


XV 


XII 


3 i 


i 2. April 


5. Aprü XVII 


100 


433 


176 


5952 


5968 


771 


460 


V 


XVI 


XIU 


14 l 


> 22. März 


27. März XIX 


101 


434 


177 


5953 


5969 


772 


461 


VI 


XVII 


XIV 


26 i 


) 10. April 


16. April XX 


102 


435 


178 


5954 


5970 


773 


462 


va 


XVIII 


XV 


6 ^ 


' 30. März 


1. Aprü XVI 


103 


436 


179 


5955 


5971 


774 


463 


VIII 


XIX 


I 


17 ] 


18. April 


21. Aprü XVII 


104 


437 


180 


5956 


5972 


775 


464 


IX 


XX 


II 


28 2 


7. April 


12. Aprü XIX 


105 


438 


181 


5957 


5973 


776 


465 


X 


XXI 


III 


9 4 


L 27. März 


28. März XV 


106 


439 


182 


5958 


6974 


777 


466 


XI 


XXII 


IV 


20 £ 


15. April 


17. April XVI 


107 


440 


183 


5959 


5975 


778 


467 


XII 


XXIII 


V 


1 e 


4. April 


9. Aprü XIX 


108 


441 


184 


5960 


5976 


779 


463 


xm 


XXIV 


VI 


12 1 


24. März 


31. März XXI 


109 


442 


185 


5961 


5977 


780 


469 


XIV 


XXV 


VII 


23 2 


12. April 


13, Aprü XV 


110 


443 


186 


5962 


5978 


781 


470 


XV 


XXVI 


VIII 


4 3 


I.April 


5. April XVIII 


111 


444 


187 


5963 


5979 


782 


471 


XVI 


XXVII 


IX 


15 4 


21. März 


28. März XXI 


112 


445 


188 


5964 


5980 


783 


472 


XVU 


XXVIII 


X 


26 6 


9. April 


16. April XXI 


113 


446 


189 


5965 


5981 


784 


473 


XVIII 


I 


XI 


7 7 


29. März 


1. April XVII 


114 


447 


190 


5966 


5982 


785 


474 


XIX 


II 


XII 


18 1 


17. Aprü 


21. April xvm 


115 


448 


191 


5967 


5983 


786 


475 


E 


m 


XIII 


30 2 


5. April 


6. Aprü XV 


116 


449 


192 


5968 


5984 


787 


476 


II 


IV 


XIV 


11 4 


25. März 


28. März XVII 


117 


450 


193 


5969 


5986 


788 


477 


m 


V 


XV 


22 5 


13. Aprü 


17. Aprü XVIII 


118 


451 


194 


5970 


5986 


789 


478 


IV 


VI 


I 


3 6 


2. April 


9. Aprü XXI 


119 


452 


195 


5971 


5987 


790 


479 


V 


VII 


II 


14 7 


22. März 


25. März XVII 


120 


453 


196 


5972 5988 


791 


480 


VI 


VIII 


III 


25 2 


10. April 


13. Aprü XVII 


121 


454 


197 


5973 , 5989 


792 


481 


vn 


IX 


IV 


6 3 


30. Mäxz 


5. Aprü XX 


122 


455 


198 


5974 5990 


793 


482 


vm 


X 


V 


17 4 


18- Aprü 


25. Aprü XXI 


123 


456 


199 


5975 


5991 


794 


483 


IX 


XI 


VI 


28 5 


7. Aprü 


10. Aprü XVII 


124 


457 


200 


5976: 


5992 


795 


484 


X 


XII 


VII 


9 7 


27. März 


1. April XIX 


125 


458 


201 


5977 1 


5993 


796 


485 


XI 


XIII 


VIII 


20 1 


15. Aprü 


21. Aprü XX 


126 


459 


202 

1 


5978 


5994 


797 


486 


XII 


XIV 


IX 


1 2 


4, Aprü 

1 


6. Aprü XVI 



24* 



Digitized by 



Google 



188 



E. 8UBWABTZ 









S 


ä 


«8 


1 


1 


ä 

•SS 

.2*0 

1 

< 












s 


^3 

SM 


J 


u 

00 

|2 

l| 
gl 


§^2 


1 


ja 
o 

1^ 


II 

§§ 


o 


1 


t2 


Oster- 
Vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


127 


460 


208 


5979 


5995 


798 


487 


xm 


XV 


X 


12 


8 


24. M&rz 


29. M&rz XIX 


128 


461 


204 


5980 


5996 


799 


488 


XIV 


XVI 


XI 


23 


5 


12. April 


17. April XIX 


129 


462 


205 


5981 


5997 


800 


489 


XV 


XVII 


xn 


4 


6 


I.April 


2. April XV 


180 


463 


206 


5982 


5998 


801 


490 


XVI 


XVIII 


XIII 


15 


7 


21. M&rz 


25. M&rz XVin 


181 


464 


207 


5983 


5999 


802 


491 


XVII 


XTX 


XIV 


26 


1 


9. April 
29. M&rz 


14. April XIX 


182 


465 


208 


5984 


6000 


803 


492 


xvin 


XX 


XV 


7 


3 


5. April XXI 


133 


466 


•209 


5985 


6001 


804 


498 


XIX 


XXI 


I 


18 


4 


17. April 


18. April XV 


184 


467 


210 


5986 


6002 


805 


494 


I 


xxn 


n 


80 


5 


5. April 


10. April XIX 


185 


468 


211 


5987 


6003 


806 


495 


[I 


XXIII 


m 


11 


6 


26. M&rz 


26. M&rz XV 


186 


469 


212 


5988 


6004 


807 


496 


(II 


XXIV 


IV 


22 


1 


13. Aprü 


14. April XV 


187 


470 


213 


5989 


6005 


808 


497 


IV 


XXV 


V 


3 


2 


2. April 


6. April XVIII 


138 


471 


214 


5990 


6006 


809 


498 


V 


XXVI 


VI 


14 


3 


22. März 


29. M&rz XXT 


139 


472 


215 


5991 


6007 


810 


499 


VI 


xxvn 


vn 


25 


4 


10. April 


11. April XV 


140 


473 


216 


5992 


6008 


811 


500 


vn 


xxvni 


vin 


6 


6 


30. M&rz 


2. April xvn 


141 


474 


217 


5993 


6009 


812 


501 


vin 


I 


IX 


17 


7 


18. April 


22. April XVim 


142 


475 


218 


5994 


6010 


813 


502 


IX 


II 


X 


28 


1 


7. April 


14. April XXI 


143 


476 


219 


5995 


6011 


814 


508 


X 


III 


XI 


9 


2 


27. M&rz 


30. M&rz xvn 


144 


477 


220 


5996 


6012 


815 


504 


XI 


IV 


xn 


20 


4 


15. April 


18. April XVII 


145 


478 


221 


5997 


6013 


816 


505 


xn 


V 


xm 


1 


5 


4. April 


10. April XX 


146 


479 


222 


5998 


6014 


817 


506 


xm 


VI 


XIV 


12 


6 


24. M&rz 


26. M&rz XVI 


147 


480 


223 


5999 


6015 


818 


507 


XIV 


VII 


XV 


28 


7 


12. April 


15. April xvn 


148 


481 


224 


6000 


6016 


819 


508 


XV 


VIII 


I 


4 


2 


1. Aprü 


6. April XIX 


149 


482 


225 


6001 


6017 


820 


509 


XVI 


IX 


n 


15 


3 


21. M&rz 


22. M&rz XV 


150 


483 


226 


6002 


6018 


821 


510 


XVII 


X 


HI 


26 


4 


9. April 


11. April XVI 


151 


484 


227 


6003 


6019 


822 


511 


XVIII 


XI 


IV 


7 


5 


29. M&rz 


3. April XTX 


152 


485 


228 


6004 


6020 


823 


512 


XIX 


XII 


V 


18 


7 


17. April 


22. April XIX 


153 


486 


229 


6005 


6021 


824 


513 


I 


XIII 


VI 


30 


1 


5. April 


7. April XVI 


154 


487 


230 


6006 


6022 


825 


514 


II 


XIV 


vn 


11 


2 


25. M&rz 


30. M&rz XIX 


155 


488 


231 


6007 


6023 


826 


515 


m 


XV 


VIII 


22 


3 


13. April 


19. April XX 


156 


489 


232 


6008 


6024 


827 


516 


IV 


XVI 


IX 


3 


5 


2. April 


3. April XV 


157 


490 


238 


6009 


6025 


828 


517 


V 


XVII 


X 


14 


6 


22. M&rz 


26. M&rz XVm 


158 


491 


234 


6010 


6026 


829 


518 


VI 


XVIU 


XI 


25 


7 


10. April 


15. April XIX 


159 


492 


235 


6011 


6027 


830 


519 


VII 


XIX 


xn 


6 


1 


80. M&rz 


31. M&rz XV 


160 


493 


236 


6012 


6028 


881 


520 


vin 


XX 


xm 


17 


3 


18. April 


19. April XV 


161 


494 


237 


6013 


6029 


882 


521 


(X 


XXI 


XIV 


28 


4 


7. April 


11. April xvm 


162 


495 


238 


6014 


6030 


833 


522 


X 


XXII 


XV 


9 


5 


27. M&rz 


3. April XXI 


163 


496 


239 


6015 


6031 


834 


523 


XI 


XXIII 


I 


20 


6 


15. April 


16. April XV 


164 


497 


240 


6016 


6032 


835 


524 


XII 


XXIV 


u 


1 


1 


4. April 


7. Aprü xvn 


165 


498 


241 


6017 


6083 


836 


525 


XIII 


XXV 


in 


12 


2 


24. M&rz 


30. M&rz XX 


166 


499 


242 


6018 


6034 


837 


526 


XIV 


XXVI 


IV 


23 


3 


12. April 


19. Aprü XXI 


167 


500 


243 


6019 


6035 


838 


527 


XV 


XXVII 


V 


4 


4 


I.April 


4. Aprü XVII 


168 


501 


244 


6020 


6036 


839 


528 


XVI 


XXVIII 


VI 


15 


6 


21. M&rz 


26. M&rz XIX 


169 


502 


245 


6021 


6037 


840 


529 


xvn 


I 


vn 


26 


7 


9. April 


15. April XX 


170 


503 


246 


6022 


6038 


841 


530 


XVIII 


n 


vm 


7 


1 


29. M&rz 


31. M&rz XVI 


171 


504 


247 


6023 


6039 


842 


531 


XIX 


III 


IX 


18 


2 


17. April 


20. Aprü xvn 


172 


505 


248 


6024 


6040 


848 


532 


i 


rv 


X 


30 


4 


5. April 


11. Aprü XX 


173 


506 


249 


6025 


6041 


844 


538 


II 


V 


XI 


11 


5 


25. M&rz 


27. M&rz XVI 


174 


507 


250 


6026 


6042 


845 


534 


III 


VI 


xn 


22 


6 


13. April 


16. Aprü XVII 


175 


508 


251 


6027 


6043 


846 


535 


IV 


vn 


xm 


3 


7 


2. April 


8. April XX 


176 


509 


252 


6028 


6044 


847 


536 


V 


vm 


XIV 


14 


2 


22. März 


23. M&rz XV 


177 


510 


253 


6029 


6045 


848 


537 


VI 


IX 


XV 


25 


3 


10. April 


12. April XVI 



Digitized by 



Google 



CBRISTUCHB UND JÜDISCHE OSTERTAFBLN 



189 







1 


fc 


g 




'S s 


Is 












•i 


II 


(0 

S |2 


Ig 


c 


2 




U 








Oster- 


Ostersonntag 


11 

S 

OD 

o 


u 


5 CS 

IUI 

Q < 




3 
IS 

SS 


11 

6 




±1 o 


c 

1 


w 


c2 


YoUmond 


und 
Mondalter 


178 


511 


254 


6030 


6046 


849 


538 


VII 


X 


I 


6 


4 


30. März 


4. Aprü XIX 


179 


512 


255 


6031 


6047 


850 


539 


vm 


XI 


II 


17 


5 


18. Aprü 


24. April XX 


180 


513 


256 


6032 


6048 


851 


540 


IX 


xn 


III 


28 


7 


7. April 


8. April XV 


181 


514 


257 


6033 


6049 


852 


541 


X 


xm 


IV 


9 


1 


27. März 


31. März XVIII 


182 


515 


258 


6034 


6050 


853 


542 


XI 


XIV 


V 


20 


2 


15. April 


20. Aprü XIX 


183 


516 


259 


6035 


6051 


854 


543 


xn 


XV 


VI 


1 


3 


4. April 


5. Aprü XV 


184 


517 


260 


6036 


6052 


855 


544 


xm 


XVI 


vn 


12 


5 


24. März 


27. März XVII 


185 


518 


261 


6037 


6053 


856 


545 


XIV 


xvn 


vm 


23 


6 


12. April 


16. April XVra 


186 


519 


262 


6038 


6054 


857 


546 


XV 


xvm 


IX 


4 


7 


I.April 


8. April XXI 


187 


520 


263 


6039 


6055 


858 


547 


XVI 


XIX 


x 


15 


1 


21. März 


24. März XVII 


188 


521 


264 


6040 


6056 


859 


548 


xvn 


XX 


XI 


26 


3 


9. April 


12. April xvn 


189 


522 


265 


6041 


6057 


860 


549 


xvin 


XXI 


xn 


7 


4 


29. März 


4. April XX 


190 


523 


266 


6042 


6058 


861 


550 


XIX 


XXII 


xm 


18 


5 


17. April 


24. Aprü XXI 


191 


524 


267 


6043 


6059 


862 


551 


I 


xxm 


XIV 


30 


6 


5. April 


9. Aprü XVin 


192 


525 


268 


6044 


6060 


863 


552 


II 


XXIV 


XV 


11 


1 


25. März 


31. März XX 


193 


526 


269 


6045 


6061 


864 


553 


in 


XXV 


I 


22 


2 


13. April 


20. April XXI 


194 


527 


270 


6046 


6062 


865 


554 


IV 


XXVI 


n 


3 


3 


2. April 


5. April XVII 


195 


528 


271 


6047 


6063 


866 


555 


V 


xxvn 


m 


14 


4 


22. März 


28. März XX 


196 


529 


272 


6048 


6064 


867 


556 


VI 


XXVIII 


IV 


25 


6 


10. April 


16. April XX 


197 


530 


273 


6049 


6065 


868 


557 


vn 


I 


V 


6 


7 


30. März 


1. Aprü XVI 


198 


531 


274 


6050 


6066 


869 


558 


vm 


n 


VI 


17 


1 


18. Aprü 


21. April xvn 


199 


532 


275 


6051 


6067 


870 


559 


IX 


III 


VII 


28 


2 


7. April 


13. April XX 


200 


1 


276 


6052 


6068 


871 


560 


X 


IV 


vm 


9 


4 


27. März 


28. März XV 


201 


2 


277 


6053 


6069 


872 


561 


XI 


V 


IX 


20 


5 


15. Aprü 


17. April XVI 


202 


3 


278 


6054 


6070 


873 


562 


XII 


VI 


X 


1 


6 


4. April 


9. April XIX 


203 


4 


279 


6055 


6071 


874 


563 


xm 


VII 


XI 


12 


7 


24. März 


25. März XV 


204 


5 


280 


6056 


6072 


875 


564 


xrv 


vm 


xn 


23 


2 


12. April 


13. April XV 


205 


6 


281 


6057 


6073 


876 


565 


XV 


IX 


xm 


4 


3 


1. Aprü 


5. April XVin 


206 


7 


282 


6058 


6074 


877 


566 


XVI 


X 


XIV 


15 


4 


21. März 


28. März XXI 


207 


8 


283 


6059 


6075 


878 


567 


xvn 


XI 


XV 


26 


5 


9. April 


10. April XV 


208 


9 


284 


6060 


6076 


879 


568 


xvm 


xn 


I 


7 


7 


29. März 


1. April XVII 


209 


10 


285 


6061 


6077 


880 


569 


XIX 


XIII 


n 


18 


1 


17. April 


21. April XVin 


210 


11 


286 


6062 


6078 


881 


570 


I 


XIV 


m 


30 


2 


6. Aprü 


6. Aprü XV 


211 


12 


287 


6063 


6079 


882 


571 


II 


XV 


IV 


11 


3 


25. März 


29. März XVra 


212 


13 


288 


6064 


6080 


883 


572 


III 


XVI 


V 


22 


5 


13. Aprü 


17. April xvra 


213 


14 


289 


6065 


6081 


884 


573 


IV 


xvn 


VI 


3 


6 


2. Aprü 


9. Aprü XXI 


214 


15 


290 


6066 


6082 


885 


574 


V 


xvm 


vn 


14 


7 


22. März 


25. März xvn 


215 


16 


291 


6067 


6083 


886 


575 


VI 


XIX 


vm 


25 


1 


10. Aprü 


14. Aprü xvm 


216 


17 


292 


6068 


6084 


887 


576 


VII 


XX 


IX 


6 


3 


30. März 


5. Aprü XX 


217 


18 


293 


6069 


6085 


888 


577 


vm 


XXI 


X 


17 


4 


18. Aprü 


25. April XXI 


218 


19 


294 


6070 


6(]fÖ6 


889 


578 


IX 


xxn 


XI 


28 


5 


7. Aprü 


10. Aprü xvn 


219 


20 


295 


6071 


6087 


890 


579 


X 


xxm 


xn 


9 


6 


27. März 


2. April XX 


220 


21 


296 


6072 


6088 


891 


580 


XI 


XXIV 


xm 


20 


1 


15. Aprü 


21. Aprü XX 


221 


22 


297 


6073 


6089 


892 


581 


xn 


XXV 


XIV 


l 


2 


4. April 


6. Aprü XVI 


222 


23 


298 


6074 


6090 


893 


582 


xm 


XXVI 


XV 


12 


3 


24. März 


29. März XIX 


223 


24 


299 


6075 


6091 


894 


583 


XIV 


xxvn 


I 


23 


4 


12. April 


18. Aprü XX 


224 


25 


300 


6076 


6092 


895 


584 


XV 


xxvm 


n 


4 


6 


1. Aprü 


2. April XV 


225 


26 


301 


6077 


6093 


896 


585 


XVI 


I 


m 


15 


7 


21. März 


25. März XVIH 


226 


27 


302 


6078 


6094 


897 


586 


xvn 


II 


rv 


26 


1 


9. Aprü 


14. Aprü XIX 


227 


28 


303 


6079 


6095 


898 


587 


xvm 


III 


V 


7 


2 


29. März 


80. März XV 


228 


29 


304 


6080 


6096 


899 


588 


XIX 


IV 


VI 


18 


4 


17. Aprü 


18. April XV 



Digitized by 



Google 



190 



& 8CHWABTZ 




ll 



!l 



Oflter- 
ToUmond 



OstenoBiitH 

«und 

MoadaKer 



5229 

280 

281 

282 

288 

284 

286 

286 

287 

288 

289 

240 

241 

242 

248 

244 

245 

246 

247 

248 

249 

250 

251 

252 

258 

254 

255 

256 

257 

258 

259 

260 

261 

262 

263 

264 

265 

266 

267 

268 

269 

270 

271 

272 

273 

274 

275 

276 

277 

278 

279 



80 

81 

82 

88 

81 

85 

86 

37 

38 

89 

40 

41 

42 

48 

44 

45 

46 

47 

48 

49 

50 

51 

52 

53 

54 

55 

56 

57 

58 

59 

60 

61 

62 

68 

64 

65 

66 

67 

68 

69 

70 

71 

72 

73 

74 

75 

76 

77 

78 

79 



305 
806 
307 

308 
309 
310 
311 
312 
318 
314 
315 
316 
317 
318 
819 
320 
321 
822 
828 
324 
325 
326 
327 
328 
829 
380 
331 
332 
388 
334 
335 
386 
387 
338 
389 
340 
341 
342 
343 
344 
345 
346 
347 
348 
349 
350 
351 
352 
353 
354 
80 1355 



6061 
6062 
6088 
6084 
6085 
6086 
6087 
6068 
6089 
6090 
6091 
6092 
6093 
6094 
6095 



6097 
6098 
6099 
6100 
6101 
6102 
6103 
6104 
6105 
6106 
6107 
6108 
6109 
6110 
6111 
6112 
6113 
6114 
6115 
6116 
6117 
6118 
6119 
6120 
6121 
6122 
6123 
6124 
6125 
6126 
6127 
6128 
6129 
61301 
6131 



6097 



6099 

610Q 

6101 

6102 

6103 

6104 

6105 

6106 

6107 

6108 

6109 

6110 

6111 

6112 

6113 

6114 

6115 

6116 

6117 

6118 

6119 

6120 

6121 

6122 

6123 

6124 

6125 

6126 

6127 

6128 

6129 

6130 

6131 

6132 

6133 

6134 

6135 

6136 

6137 

6138 

6139 

6140 

6141 

6142 

6143 

6144 

6145 

6146 

6147 



900 

901 

902 

903 

904 

905 

906 

907 

908 

909 

910 

911 

912 

913 

914 

915 

916 

917 

918 

919 

920 

921 

922 

923 

924 

925 

926 

927 

928 

929 

930 

931 

932 

933 

934 

935 

936 

937 

938 

939 

940 

941 

942 

943 

944 

945 

946 

947 

948 

949 

950 



589 

590 

591 

592 

593 

594 

595 

596 

597 

598 

599 

600 

601 

602 

606 

604 

605 

606 

607 

608 

609 

610 

611 

612 

613 

614 

615 

616 

617 

618 

619 

620 

621 

622 

623 

624 

625 

626 

627 

628 

629 

680 

631 

632 

638 

634 

635 

636 

637 

638 

639 



I 
U 

in 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xni 

XIV 

XV 

XVI 

xvn 
xvra 

XIX 

I 

II 

in 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xin 

XIV 

XV 

XVI 

xvn 
xvm 

XIX 

I 

n 

III 

IV 

v 

VI 

vn 
vra 

IX 

X 

XI 

XII 

XIII 



V 
VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xm 

XIV 

XV 

XVI 

xvn 
xvm 

XIX 

XX 

XXI 

xxn 
xxin 

XXIV 

XXV 

XXVI 

XXVII 

XX vm 

I 

II 

m 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xra 

XIV 

XV 

XVI 

xvn 
xvm 

XIX 
XX 
XXI 
XXII 

xxm 

XXIV 

XXV 

XXVI 

xxvn 



vn 
vm 

IX 
X 
XI 
XII 

xm 



XIV 
XV 

I 

n 

m 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 
xm 

XIV 
XV 

k 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 
X 

XI 

xn 
xm 

XIV 
XV 

I 

n 

m 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 



80 

11 

22 
8 
14 
25 
6 
17 
28 
9 
20 
1 
12 
23 
4 
15 
26 
7 
18 
80 
11 
22 
3 
14 
25 
6 
17 
28 
9 
20 
1 
12 
23 
4 
15 
26 
7 
18 
SO 
11 
22 
3 
14 
25 
6 
17 
28 
9 
20 
1 
12 



6. Aprfl 
25. MAn 
18. Aprfl 

S. April 
22. Mkri 
10. April 
80. M&n 
18. April 

7. April 
27. M&rz 
15. April 

4. April 

24. M&n 
12. April 

1. April 
21.Mftn 

9. April 

29. M&ri 

17. April 

5. April 

25. März 

18. April 

2. April 
22. März 
10. April 

30. März 
18. April 

7. April 
27. März 
15. April 

4. April 

24. März 

12. Aprü 
I.April 

21. März 
9. April 

29. März 

17. April 

5. April 

25. März 

13. April 
2. April 

22. März 
10. April 

30. März 

18. April 
7. April 

27. März 

15. April 

4. April 

24. März 



15. 

7. 
22. 
11. 

8. 
28. 

7. 
30. 
19. 

4. 



10. April XIX 
26. mn XV 

15. Aprü XVI 
6. April xvm 

29. Man XXI 

11. Aprfl XV 

8. April xvm 
22. Aprfl xvm 

14. Aprfl XU 

30. Man xvn 

19. Aprfl xvm 

10. Aprfl XX 
26. Man XVI 

Aprfl XVII 
Aprfl XX 
Man XV 
Aprfl XVI 
Aprfl XIX 
April XX 
Aprü XVI 
März XIX 
Aprfl XX 
Aprfl XVI 

26. Man xvm 

15. Aprfl XIX 

31. März XV 

20. April XVI 

11. Aprü XVin 
3. Aprfl XXI 

Aprü XV 
Aprfl xvm 
März XX 
Aprfl XXI 
April XVÜ 

27. Man XX 
15. Aprfl XX 

März XVI 
Aprfl XVII 
Aprfl XXI 
Man XVI 
April XVÜ 
Aprü XX 
Man XVI 
April XVI 
Aprü XIX 
April XX 
Aprü XVI 
Man XVin 
Aprü XIX 
5. Aprü XV 

28. Man xvm 



16. 

8. 
80. 
19. 

4. 



31. 
20. 
12. 
27. 
16. 

8. 
24. 
12. 

4. 
24. 

9. 
31. 
20. 



Digitized by 



Google 



CHRISTLICHE UND JÜDISCHE OSTEBTAFELN 



191 



gl 

1 


|l 
51 


•§•2 

•-3 o 


5 

'S «4 
-gl 

< 


.s «> 

ed 'öS 

6 


ä 

1 




a § 

SS 


h 

.S u 

-ÖS 

< 


i 


w 


P^ 


Oster- 
vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


280 


81 


356 


6182 


6148 


951 


640 


Liv 


xxvra 


xm 


23 


6 


12. April 


16. April xvm 


281 


82 


857 


6138 


6149 


952 


641 


&v 


I 


XIV 


4 


7 


1. Aprü 
21. März 


8. Aprü XXT 


282 


88 


358 


6184 


6150 


953 


642 


KVI 


n 


XV 


15 


1 


24. März xvn 


288 


84 


859 


6185 


6151 


954 


643 


Kvn 


m 


I 


26 


2 


9. April 


13. Aprü xvm 


284 


85 


860 


6186 


6152 


955 


644 


xvm 


IV 


II 


7 


4 


29. März 


4. April XX 


286 


86 


861 


6137 


6158 


956 


645 


XIX 


V 


m 


18 


5 


17. April 


24. April XXT 


286 


87 


362 


6138 


6154 


957 


646 


I 


VI 


IV 


30 


6 


5. Aprü 
25. März 


9. Aprü xvm 


287 


88 


868 


6139 


6155 


958 


647 


u 


vn 


V 


11 


7 


1. Aprü XXI 


288 


89 


364 


6140 


6156 


959 


648 


in 


vra 


VI 


22 


2 


18. April 


20. April XXT 


289 


90 


865 


6141 


6157 


960 


649 


rv 


IX 


vn 


3 


8 


2. April 


6. April xvn 


290 


91 


866 


6142 


6158 


961 


650 


V 


X 


vm 


14 


4 


22 März 


28. März XX 


291 


92 


367 


6143 


6159 


962 


651 


VI 


XI 


IX 


25 


5 


10. April 


17. April XXI 


292 


98 


368 


6144 


6160 


963 


652 


vn 


xn 


X 


6 


7 


30. März 


1. April XVI 


298 


94 


369 


6145 


6161 


964 


653 


vm 


xm 


XI 


17 


1 


18. April 


21. April xvn 


294 


95 


870 


6146 


6162 


965 


654 


IX 


XIV 


xn 


28 


2 


7. April 


18. April XX 


295 


96 


871 


6147 


6163 




655 


X 


XV 


xm 


9 


3 


27. März 


29. März XVI 


296 


97 


372 


6148 


6164 


967 


656 


XI 


XVI 


XIV 


20 


5 


15. April 


17. Aprü XVI 


297 


98 


378 


6149 


6165 


968 


657 


xn 


xvn 


XV 


1 


6 


4. April 
24. März 


9. Aprü XIX 


298 


99 


874 


6150 


6166 


969 


658 


XTTT 


xvm 


I 


12 


7 


26. März XV 


299 


100 


875 


6151 


6167 


970 


659 


XIV 


XIX 


n 


28 


1 


12. April 


14. April XVI 


800 


101 


376 


6152 


6168 


971 


660 


XV 


XX 


m 


4 


8 


I.April 


5. April xvm 

28. März XXI 


801 


102 


877 


6158 


6169 


972 


661 


XVI 


XXT 


IV 


15 


4 


21. März 


802 


103 


378 


6154 


6170 


973 


662 


xvn 


xxn 


V 


26 


5 


9. April 


10. Aprü XV 


808 


104 


379 


6155 


6171 


974 


663 


xvm 


xxm 


VI 


7 


6 


29. März 


2. April xvm 


804 


105 


380 


6156 


6172 


975 


664 


XTX 


XXTV 


vn 


18 


1 


17. April 


21. April xvm 


805 


106 


381 


6157 


6173 


976 


665 


I 


XXV 


vm 


80 


2 


5. April 


6. Aprü XV 


806 


107 


882 


6158 


6174 


977 


666 


n 


XXVI 


IX 


11 


8 


25. März 


29. März xvm 


807 


108 


388 


6159 


6175 


978 


667 


ni 


xxvn 


X 


22 


4 


18. April 


18. April XIX 


808 


109 


384 


6160 


6176 


979 


668 


IV 


xxvra 


XI 


3 


6 


2. April 


9. April XXT 


809 


110 


385 


6161 


6177 


980 


669 


V 


I 


xn 


14 


7 


22. März 


25. März xvn 


810 


111 


386 


6162 


6178 


981 


670 


VI 


n 


xm 


25 


1 


10. April 


14. Aprü xvm 


811 


112 


387 


6163 


6179 


982 


671 


vn 


ra 


XIV 


6 


2 


80. März 


6. Aprü XXI 


812 


118 


888 


6164 


6180 


983 


672 


vm 


IV 


XV 


17 


4 


18. April 


25. April XXT 


818 


114 


389 


6165 


6181 


984 


673 


IX 


V 


I 


28 


5 


7. April 


10. April xvn 


814 


115 


390 


6166 


6182 


985 


674 


X 


VI 


n 


9 


6 


27. März 


2. Aprü XX 


815 


116 


391 


6167 


6188 


986 


675 


XI 


vn 


m 


20 


7 


16. April 


22. Aprü XXI 


816 


117 


392 


6168 


6184 


987 


676 


xn 


vm 


IV 


1 


2 


4. April 


6. Aprü XVI 


817 


118 


898 


6169 


6185 


988 


677 


xm 


IX 


V 


12 


8 


24. März 


29. März XIX 


818 


119 


894 


6170 


6186 


989 


678 


IX 


X 


VI 


23 


4 


12. April 


18. April XX 


819 


120 


895 


6171 


6187 


990 


679 


X 


XI 


vn 


4 


5 


1. Aprü 


3. April XVI 


820 


121 


396 


6172 


6188 


991 


680 


XI 


xn 


vm 


15 


7 


21. März 


25. März xvm 


821 


122 


397 


6173 


6189 


992 


681 


xn 


xm 


IX 


26 


1 


9. April 
29. März 


14. Aprü XIX 


822 


123 


398 


6174 


6190 


998 


682 


XTTT 


XIV 


X 


7 


2 


30. März XV 


828 


124 


399 


6175 


6191 


994 


683 


XIX 


XV 


XI 


18 


8 


17. Aprü 


19. April XVI 


824 


125 


400 


6176 


6192 


995 


684 


I 


XVI 


xn 


30 


5 


6. April 
25. März 


10. April XIX 


825 


126 


401 


6177 


6193 


996 


685 


II 


xvn 


xm 


11 


6 


26. März XV 


826 


127 


402 


6178 


6194 


997 


686 


III 


xvm 


XIV 


22 


7 


18. Aprü 


15. April XVI 


827 


128 


403 


6179 


6195 


998 


687 


IV 


XIX 


XV 


3 


1 


2. Aprü 


7. Aprü XTX 


828 


129 


404 


6180 


6196 


999 


688 


V 


XX 


I 


14 


8 


22. März 


29. März XXI 


829 


180 


405 


6181 


6197 


1000 


689 


VI 


XXT 


n 


25 


4 


10. April 
30. März 


11. Aprü XV 


880 


131 


406 


6182 


6198 


1001 


690 


VII 


XXTI 


m 


6 


5 


3. Aprü xvm 



Digitized by 



Google 



190 



K. 8CHWABTZ 



.111 

So" 



229 
230 
281 
232 
233 
234 
236 
236 
237 
238 
239 
240 
241 
242 
243 
244 
245 
246 
247 
248 
249 
250 
251 
252 
253 
254 
255 
256 
257 
258 
259 
260 
261 
262 
263 
264 
265 
266 
267 
268 
269 
270 
271 
272 
273 
274 
275 
276 
277 
278 
279 



«'S 



g o8 
X ^ 

< 



1^ 

O 

o 



80 

31 
32 
33 
81 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 



305 


6081 


806 


6062 


307 


6088 


308 


6084 


809 


6065 


310 


6086 


311 


6087 


312 


6088 


313 


6089 


314 


6090 


315 


6091 


316 


6092 


317 


6093 


318 


6094 


319 


6095 


320 


6096 


321 


6097 


322 


6098 


323 


6099 


324 


6100 


325 


6101 


326 


6102 


327 


6103 


328 


6104 


329 


6105 


330 


6106 


331 


6107 


332 


6108 


388 


6109 


334 


6110 


835 


6111 


386 


6112 


337 


6113 


338 


6114 


339 


6115 


340 


6116 


341 


6117 


342 


6118 


343 


6119 


344 


6120 


345 


6121 


346 


6122 


347 


6123 


348 


6124 


349 


6125 


350 


6126 


351 


6127 


352 


6128 


353 


6129 


354 


6130 


355 


6131 



6097 
6098 
6099 
610Q 
6101 
6102 
6103 
6104 
6105 
6106 
6107 
6108 
6109 
6110 
6111 
6112 
6113 
6114 
6115 
6116 
6117 
6118 
6119 
6120 
6121 
6122 
6123 
6124 
6125 
6126 
6127 
6128 
6129 
6130 
6131 
6182 
6133 
6134 
6135 
6136 
6137 
61H8 
6139 
6140 
6141 
6142 
6143 
6144 
6145 
6146 
6147 



'M 

CO 






PO 13 

c a 

<B O 



a 
X 

s 

< 



900 


589 


k 


901 


590 


n 


902 


591 


in 


903 


592 


IV 


904 


598 


V 


905 


594 


VI 


906 


595 


vn 


907 


596 


vm 


908 


597 


IX 


909 


598 


X 


910 


599 


XI 


911 


600 


xn 


912 


601 


xni 


918 


602 


XIV 


914 


606 


XV 


915 


604 


XVI 


916 


605 


xvn 


917 


606 


xvra 


918 


607 


XIX 


919 


608 


I 


920 


609 


II 


921 


610 


in 


922 


611 


IV 


923 


612 


V 


924 


613 


VI 


925 


614 


vn 


926 


615 


vm 


927 


616 


fix 


928 


617 


X 


929 


618 


XI 


930 


619 


xn 


931 


620 


xni 


932 


621 


XIV 


933 


622 


XV 


934 


623 


XVI 


935 


624 


XVII 


936 


626 


xvm 


987 


626 


XIX 


938 


627 


I 


939 


628 


n 


940 


629 


III 


941 


630 


IV 


942 


631 


V 


943 


632 


VI 


944 


633 


vn 


945 


634 


vm 


946 


635 


IX 


947 


636 


X 


948 


637 


XI 


949 


638 


XII 


950 


639 


XIII 



V 
VI 

vn 
vin 

IX 

X 

XI 

xn 
xin 

XIV 
XV 
XVI 
XVII 

xvni 

XIX 
XX 
XXI 
XXII 

xxin 

XXIV 

XXV 

XXVI 

xxvn 
XX vm 
I 

II 
III 

IV 

V 

VI 

vn 
vm 

IX 

X 

XI 

xn 

XIII 
XIV 
XV 
XVI 

xvn 
xvm 

XIX 
XX 

XXI 

xxn 
xxm 

XXIV 

XXV 

XXVI 

xxvn 



s 
o 

a 



vn 


30 


5 


vm 


11 


6 


IX 


22 


7 


X 


3 


2 


XI 


14 


3 


XII 


25 


4 


xm 


6 


5 


XIV 


17 


7 


XV 


28 


1 


I 


9 


2 


n 


20 


3 


m 


1 


5 


IV 


12 


6 


V 


23 


7 


VI 


4 


1 


VII 


15 


3 


vm 


26 


4 


IX 


7 


5 


X 


18 


6 


XI 


30 


1 


xn 


11 


2 


xm 


22 


3 


XIV 


3 


4 


XV 


14 


6 


I 


25 


7 


s 


6 

17 


1 
2 


IV 


28 


4 


V 


9 


5 


VI 


20 


6 


vn 


1 


7 


vm 


12 


2 


IX 


23 


3 


X 


4 


4 


XI 


15 


5 


xn 


26 


7 


xm 


7 


1 


XIV 


18 


2 


XV 


30 


3 


I 


11 


5 


n 


22 


6 


in 


3 


7 


IV 


14 


1 


V 


25 


3 


VI 


6 


4 


vn 


17 


5 


vm 


28 


6 


IX 


9 


1 


X 


20 


2 


XI 


1 


8 


xn 


12 


4 



Oster- 
ToUmond 



,2 • 

'C i 



6. April 
25. Man 

18. April 
2. April 
22. M&rz 
10. April 
80. Mftn 
18. April 

7. April 
27. März 
15. April 

4. April 

24. März 
12. April 

1. April 

21. März 
9. April 

29. März 

17. April 

5. April 

25. März 

18. April 

2. April 

22. März 
10. April 

30. März 
18. April 

7. April 
27. März 
15. April 

4. April 

24. März 

12. April 

1. AprU 
März 

9. April 

29. März 

17. April 

5. April 

25. März 

13. April 

2. April 
22. März 
10. April 

30. März 

18. April 
7. April 

27. März 

15. April 

4. April 

24. März 



21 



Ostersonnt&g 

und 

Mondalter 



10. April 
26. mn 

15. April 

6. April 

29. März 

11. April 
3. April 

22. April 

14. April 

30. März 
19. April 

10. April 
26. März 

15. April 

7. April 

22. März 

11. Aprfl 

3. April 

23. April 

7. Aprü 

80. März 

19. April 

4. April 

26. März 

15. April 

81. März 

20. Aprü 

11. April 

8. AprU 

16. April 
8. April 

30. März 

19. April 
4. April 

27. März 

15. Aprü 

31. März 

20. April 

12. April 

27. März 

16. April 

8. April 

24. März 
12. April 

4. April 
24. April 

9. April 
31. März 
20. Aprü 

5. Aprü 

28. März 



XIX 

XV 

XVI 

xvra 

XXI 
XV 

xvra 
xvra 

XU 

xvn 
xvra 

XX 

XVI 

XVII 

XX 

XV 

XVI 

XIX 

XX 

XVI 

XIX 

XX 

XVI 

xvra 

XIX 

XV 

XVI 

xvin 

XXI 

XV 

xvra 

XX 
XXI 

xvn 

XX 
XX 

XVI 

xvn 

XXI 
XVI 

xvn 

XX 

XVI 
XVI 
XIX 
XX 

XVI 

xvm 

XIX 

XV 

xvin 



Digitized by 



Google 



CHRI8TLICHB UND JÜDISCHE 08TEBTAFELN 



191 









s 


& 


^ 




^. 


ll 












•i 


II 




•2. 


.s <^ 


ei 


o 










Oster- 


Ostersonntag 


«'S 

^ 


fc-2 

51 


II 
"1 


< 


r 


1 


11 


£3 a 


Ig 

< 


a 
1— 1 


B 


fS 


Vollmond 


und 
Mondalter 


280 


81 


356 


6132 


6148 


951 


640 


XIV 


xxvm 


xm 


23 


6 


12. April 


16. April xvm 


281 


82 


357 


6133 


6149 


952 


641 


XV 


I 


XIV 


4 


7 


1. April 
21. März 


8. Aprü XXI 


282 


83 


358 


6134 


6150 


953 


642 


XVI 


n 


XV 


15 


1 


24. März xvn 


2as 


84 


359 


6135 


6151 


954 


643 


xvn 


m 


I 


26 


2 


9. April 


13. Aprü xvm 


284 


85 


360 


6136 


6152 


955 


644 


xvm 


IV 


II 


7 


4 


29. M&rs 


4. Aprü XX 


286 


86 


361 


6137 


6153 


956 


645 


XIX 


V 


m 


18 


5 


17. April 


24. April XXI 


286 


87 


362 


6138 


6154 


967 


646 


I 


VI 


IV 


30 


6 


5. April 
26. M&rz 


9. April xvm 


287 


88 


368 


6189 


6155 


968 


647 


u 


vn 


V 


11 


7 


1. Aprü XXI 


288 


89 


364 


6140 


6156 


959 


648 


in 


vm 


VI 


22 


2 


13. April 


20. Aprü XXT 


289 


90 


365 


6141 


6157 


960 


649 


IV 


IX 


vn 


3 


3 


2. April 


5. Aprü xvn 


290 


91 


366 


6142 


6158 


961 


650 


V 


X 


vm 


14 


4 


22 März 


28. März XX 


291 


92 


367 


6143 


6159 


962 


651 


VI 


XI 


IX 


26 


5 


10. April 


17. April XXI 


292 


93 


368 


6144 


6160 


963 


652 


vn 


xn 


X 


6 


7 


30. März 


1. April XVI 


298 


94 


869 


6145 


6161 


964 


653 


vm 


xm 


XI 


17 


1 


18. Aprü 


21. April xvn 


294 


95 


370 


6146 


6162 


965 


654 


IX 


XIV 


xn 


28 


2 


7. April 


13. April XX 


295 


96 


371 


6147 


6163 


966 


655 


X 


XV 


xm 


9 


3 


27. März 


29. März XVI 


296 


97 


372 


6148 


6164 


967 


656 


XI 


XVI 


XIV 


20 


5 


15. April 


17. Aprü XVI 


297 


98 


373 


6149 


6165 


968 


657 


xn 


xvn 


XV 


1 


6 


4. April 
24. März 


9. Aprü XIX 
25. März XV 


298 


99 


374 


6150 


6166 


969 


668 


xm 


xvm 


I 


12 


7 


299 


100 


375 


6151 


6167 


970 


659 


XIV 


XIX 


n 


23 


1 


12. April 


14. April XVI 


300 


101 


376 


6152 


6168 


971 


660 


XV 


XX 


m 


4 


3 


I.April 


5. Aprü xvm 


801 


102 


377 


6153 


6169 


972 


661 


XVI 


XXI 


IV 


15 


4 


21. März 


28. März XXI 


802 


103 


378 


6154 


6170 


978 


662 


xvn 


xxn 


V 


26 


5 


9. April 


10. Aprü XV 


303 


104 


879 


6155 


6171 


974 


663 


xvm 


xxm 


VI 


7 


6 


29. März 


2. April xvm 


304 


105 


380 


6156 


6172 


975 


664 


XIX 


XXTV 


vn 


18 


1 


17. April 


21. April xvm 


305 


106 


381 


6157 


6173 


976 


665 


I 


XXV 


vm 


30 


2 


5. April 
25. März 


6. Aprü XV 


306 


107 


382 


6158 


6174 


977 


666 


n 


XXVI 


IX 


11 


3 


29. März xvm 


307 


108 


383 


6159 


6175 


978 


667 


ni 


xxvn 


X 


22 


4 


13. Aprü 


18. April XIX 


308 


109 


384 


6160 


6176 


979 


668 


IV 


xxvm 


XI 


3 


6 


2. Aprü 


9. April XXI 


309 


110 


385 


6161 


6177 


980 


669 


V 


I 


xn 


14 


7 


22. März 


25. März xvn 


310 


111 


386 


6162 


6178 


981 


670 


VI 


II 


xm 


25 


1 


10. April 
30. März 


14. April xvm 


311 


112 


387 


6163 


6179 


982 


671 


vn 


m 


XIV 


6 


2 


6. Aprü XXI 


312 


118 


888 


6164 


6180 


983 


672 


vm 


IV 


XV 


17 


4 


18. April 


25. Aprü XXI 


313 


114 


389 


6165 


6181 


984 


673 


IX 


V 


I 


28 


5 


7. April 


10. April xvn 


314 


115 


390 


6166 


6182 


985 


674 


X 


VI 


n 


9 


6 


27. März 


2. April XX 


315 


116 


891 


6167 


6183 


986 


675 


XI 


vn 


m 


20 


7 


16. April 


22. Aprü XXI 


316 


117 


392 


6168 


6184 


987 


676 


xn 


vm 


IV 


1 


2 


4. April 


6. Aprü XVI 


317 


118 


893 


6169 


6185 


988 


677 


xm 


IX 


V 


12 


3 


24. März 


29. März XIX 


318 


119 


394 


6170 


6186 


989 


678 


IX 


X 


VI 


23 


4 


12. April 


18. April XX 


319 


120 


395 


6171 


6187 


990 


679 


X 


XI 


vn 


4 


5 


1. Aprü 


3. April XVI 


320 


121 


396 


6172 


6188 


991 


680 


XI 


xn 


vm 


15 


7 


21. März 


26. März xvm 


321 


122 


397 


6173 


6189 


992 


681 


xn 


xm 


IX 


26 


1 


9. April 
29. März 


14. Aprü XTX 


322 


123 


398 


6174 


6190 


993 


682 


xni 


XIV 


X 


7 


2 


30. März XV 


323 


124 


399 


6175 


6191 


994 


683 


XIX 


XV 


XI 


18 


3 


17. April 


19. April XVI 


324 


125 


400 


6176 


6192 


995 


684 


I 


XVI 


xn 


30 


5 


5. Aprü 
25. März 


10. Aprü XTX 


325 


126 


401 


6177 


6193 


996 


685 


n 


xvn 


xm 


11 


6 


26. März XV 


326 


127 


402 


6178 


6194 


997 


686 


m 


xvm 


XIV 


22 


7 


13. Aprü 


16. Aprü XVI 


327 


128 


403 


6179 


6196 


QOQ 


687 


IV 


XIX 


XV 


3 


1 


2. Aprü 


7. Aprü XIX 


328 


129 


404 


6180 


6196 


999 


688 


V 


XX 


I 


14 


3 


22. März 


29. März XXI 


329 


130 


405 


6181 


6197 


1000 


689 


VI 


XXI 


n 


26 


4 


10. April 


11. April XV 


830 


131 


406 


6182 


6198 


1001 


690 


vn 


xxn 


m 


6 


5 


30. März 


3. April xvm 



Digitized by 



Google 



192 



K. 8CHWABTZ 



1 

6 


'S Ö 

II 


J 

Q 


■s 

■i- 

■§1 

< 


In 

6 


2 

1 

1 


11 


u 

IJ 
■gl- 

es O 
< 


< 


s 


w 


1 


Oster- 
vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


831 


132 


407 


6183 


6199 


1002 


691 


VUl 


xxm 


IV 


17 


6 


18. April 


23. 


April XIX 


882 


133 


408 


6184 


6200 


1003 


692 


IX 


XXTV 


V 


28 


1 


7. April 


14. April XXI 


888 


134 


409 


6185 


6201 


1004 


693 


X 


XXV 


VI 


9 


2 


27. M&n 


30. 


März xvn 


834 


135 


410 


6186 


6202 


1005 


694 


XI 


XXVI 


vn 


20 


3 


15. April 


19. 


April xvm 


335 


136 


411 


6187 


6203 


1006 


695 


xn 


XX vn 


vm 


1 


4 


4. April 


11. 


April XXI 


886 


187 


412 


6188 


6204 


1007 


696 


xra 


xxvni 


IX 


12 


6 


24. März 


26. 


März XVI 


837 


138 


413 


6189 


6205 


1008 


697 


XIV 


I 


X 


23 


7 


12. April 


15. 


April xvn 


838 


139 


414 


6190 


6206 


1009 


698 


XV 


n 


XI 


4 


1 


I.April 


7. 


April XX 


889 


140 


415 


6191 


6207 


1010 


699 


XVI 


m 


xn 


15 


2 


21. M&rz 


23. 


März XVI 


840 


141 


416 


6192 


6208 


1011 


700 


XVII 


IV 


xm 


26 


4 


9. April 
29. M&rz 


11. 


April XVI 


841 


142 


417 


6193 


6209 


1012 


701 


xvni 


V 


XIV 


7 


5 


3. 


April XIX 


842 


143 


418 


6194 


6210 


1018 


702 


XIX 


VI 


XV 


18 


6 


17. April 


23. 


April XX 


843 


144 


419 


6195 


6211 


1014 


703 


i 


VII 


I 


30 


7 


5. April 


8. 


April xvn 


844 


145 


420 


6196 


6212 


1015 


704 


II 


vm 


II 


11 


2 


25. März 


30. 


März XIX 


846 


146 


421 


6197 


6213 


1016 


705 


III 


IX 


m 


22 


3 


13. April 


19. 


April XX 


846 


147 


422 


6198 


6214 


1017 


706 


IV 


X 


IV 


3 


4 


2. April 


4. 


April XVI 


347 


148 


423 


6199 


6215 


1018 


707 


V 


XI 


V 


14 


5 


22. März 


27. 


März XIX 


848 


149 


424 


6200 


6216 


1019 


708 


VI 


xn 


VI 


25 


7 


10. April 


15. 


April XIX 


849 


150 


425 


6201 


6217 


1020 


709 


VII 


xm 


vn 


6 


1 


30. März 


81. 


März XV 


350 


151 


426 


6202 


6218 


1021 


710 


vm 


XIV 


vm 


17 


2 


18. April 


20. 


April XVI 


351 


152 


427 


6203 


6219 


1022 


711 


IX 


XV 


IX 


28 


3 


7. April 


12. 


April XIX 


352 


153 


428 


6204 


6220 


1023 


712 


X 


XVI 


X 


9 


5 


27. März 


3. 


April XXI 


353 


154 


429 


6205 


6221 


1024 


713 


XI 


xvn 


XI 


20 


6 


15. April 


16. 


April XV 


354 


155 


430 


6206 


6222 


1025 


714 


XII 


xvm 


xn 


1 


7 


4. April 


8. 


April xvm 


855 


156 


431 


6207 


6223 


1026 


715 


xm 


XIX 


xm 


12 


1 


24. März 


81. 


März XXT 


856 


157 


432 


6208 


6224 


1027 


716 


XIV 


XX 


XIV 


23 


3 


12. April 


19. 


April XXT 


857 


158 


433 


6209 


6225 


1028 


717 


XV 


XXI 


XV 


4 


4 


1. April 


4. 


April XVII 


858 


159 


434 


6210 


6226 


1029 


718 


XVI 


xxn 


I 


15 


5 


21. März 


27. 


März XX 


859 


160 


435 


6211 


6227 


1030 


719 


XVII 


xxm 


n 


26 


6 


9. April 


16. 


April XXI 


860 


161 


436 


6212 


6228 


1031 


720 


XVIII 


XXIV 


m 


7 


1 


29. März 


81. 


März XVI 


361 


162 


437 


6213 


6229 


1032 


721 


XIX 


XXV 


IV 


18 


2 


17. April 


20. 


April xvn 


862 


163 


438 


6214 


6230 


1038 


722 


I 


XXVI 


V 


30 


3 


5. April 


12. 


April XXI 


863 


164 


489 


6215 


6231 


1034 


723 


II 


xxvn 


VI 


11 


4 


25. März 


28. 


März xvn 


364 


165 


440 


6216 


6232 


1035 


724 


III 


XXVIII 


vn 


22 


6 


18. April 


16. 


April xvn 


365 


166 


441 


6217 


6233 


1036 


725 


IV 


I 


vm 


3 


7 


2. April 


8. 


April XX 


866 


167 


442 


6218 


6234 


1037 


726 


V 


n 


IX 


14 


1 


22. März 


24. 


März XVI 


367 


168 


443 


6219 


6235 


1038 


727 


VI 


in 


X 


25 


2 


10. April 


13. 


April xvn 


868 


169 


444 


6220 


6236 


1039 


728 


vn 


IV 


XI 


6 


4 


80. März 


4. 


April XIX 


869 


170 


445 


6221 


6237 


1040 


729 


VIII 


V 


xn 


17 


5 


18. April 


24. 


April XX 


870 


171 


446 


6222 


6238 


1041 


730 


IX 


VI 


xm 


28 


6 


7. April 


9. 


April XVI 


371 


172 


447 


6223 


6239 


1042 


731 


X 


VII 


XIV 


9 


7 


27. März 


1. 


April XIX 


872 


173 


448 


6224 


6240 


1043 


732 


XI 


Vlll 


XV 


20 


2 


15. April 


20. 


April XIX 


873 


174 


449 


6225 


6241 


1044 


733 


XII 


IX 


I 


1 


3 


4. April 


5. 


April XV 


374 


175 


450 


6226 


6242 


1045 


734 


xni 


X 


n 


12 


4 


24. März 


28. 


März xvm 


875 


176 


451 


6227 


6243 


1046 


735 


XIV 


XI 


m 


23 


5 


12. April 


17. 


April XIX 


876 


177 


452 


6228 


6244 


1047 


736 


XV 


xn 


IV 


4 


7 


I.April 


8. 


April XXI 


877 


178 


453 


6229 


6245 


1048 


737 


XVI 


xm 


V 


15 


1 


21. März 


24. 


März XVII 


878 


179 


454 


6230 


6246 


1049 


738 


xvn 


XIV 


VI 


26 


2 


9. April 


13. 


April xvm 


879 


180 


455 


6231 


6247 


1050 


739 


xvm 


XV 


vn 


7 


3 


29. März 


6. 


April XXI 


880 


181 


456 


6232 


6248 


1051 


740 


XIX 


XVI 


vm 


18 


5 


17. April 


24. 


April XXI 


381 


182 


457 


6233 


6249 


1052 


741 


I 


xvn 


IX 


30 


6 


5. April 


9. 


April xvm 



Digitized by 



Google 



CHRISTUCHS DMD JÜDISCHE OSTEBTArSLN 



193 





« Ol 




1 


u 

OD 


u 




1^ 

•3s 


-SS 












4) 

'S 

i 


'S 3 


03 

*^ o 

a 


00 

< 


•II 

o 


1 




.s5 

r 


.2 u 

< 



1 


t 


t2 


Oster- 
vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


382 


183 


458 


6234 


6250 


1053 


742 


II 


xvm 


X 


11 


7 


25. M&rz 


1. Aprü XXI 


883 


184 


459 


6235 


6251 


1054 


743 


m 


XIX 


XI 


22 


1 


13. April 


14. April XV 


384 


185 


460 


6236 


6252 


1055 


744 


IV 


XX 


XII 


3 


3 


2. April 


5. April xvn 


386 


186 


461 


6237 


6253 


1056 


745 


V 


XXI 


xm 


14 


4 


22. März 


28. März XX 


386 


187 


462 


6238 


6254 


1057 


746 


VI 


xxn 


XIV 


25 


5 


10. April 


17. April XXT 


387 


188 


463 


6239 


6255 


1058 


747 


vn 


xxm 


XV 


6 


6 


30. März 


2. April xvn 


388 


189 


464 


6240 


6256 


1059 


748 


vin 


XXIV 


I 


17 


1 


18. April 


21. Aprü xvn 


889 


190 


465 


6241 


6257 


1060 


749 


IX 


XXV 


u 


28 


2 


7. April 


13. April XX 


890 


191 


466 


6242 


6258 


1061 


750 


X 


XXVI 


UI 


9 


3 


27. März 


29- März XVI 


391 


192 


467 


6243 


6259 


1062 


751 


XI 


xxvu 


IV 


20 


4 


15. April 


18. April xvn 


892 


193 


468 


6244 


6260 


1063 


752 


XII 


xxvra 


V 


1 


6 


4. April 


9. April XIX 


393 


194 


469 


6245 


6261 


1064 


753 


xm 


I 


VI 


12 


7 


24. März 


25. März XV 


394 


195 


470 


6246 


6262 


1065 


754 


XIV 


n 


vn 


23 


1 


12. April 


14. April XVI 


395 


196 


471 


6247 


6263 


1066 


755 


XV 


m 


vm 


4 


2 


1. April 


6. April XIX 


396 


197 


472 


6248 


6264 


1067 


756 


XVI 


IV 


IX 


15 


4 


21. März 


28. März XXI 


397 


198 


473 


6249 


6265 


1068 


757 


xvn 


V 


X 


26 


5 


9. April 


10. April XV 


898 


199 


474 


6250 


6266 


1069 


758 


xvm 


VI 


XI 


7 


6 


29. März 


2. April XVin 


399 


200 


475 


6251 


6267 


1070 


759 


XIX 


vn 


xn 


18 


7 


17. April 


22. April XIX 


400 


201 


476 


6252 


6268 


1071 


760 


I 


vm 


xm 


30 


2 


5. April 


6. April XV 


401 


202 


477 


6253 


6269 


1072 


761 


n 


IX 


XIV 


11 


3 


25. März 


29. März xvm 


402 


203 


478 


6254 


6270 


1073 


762 


in- 


X 


XV 


22 


4 


13. April 


18. April XIX 


403 


204 


479 


6255 


6271 


1074 


763 


IV 


XI 


I 


3 


5 


2. April 


3. April XV 


404 


205 


480 


6256 


6272 


1075 


764 


V 


xn 


n 


14 


7 


22. März 


25. März XVH 


405 


206 


481 


6257 


6273 


1076 


765 


VI 


xm 


m 


25 


1 


10. April 


14. April XVin 


406 


207 


482 


6258 


6274 


1077 


766 


vn 


XIV 


IV 


6 


2 


30. März 


6. April XXI 


407 


208 


483 


6259 


6275 


1078 


767 


vin 


XV 


V 


17 


3 


18. April 


19. April XV 


408 


209 


484 


6260 


6276 


1079 


768 


IX 


XVI 


VI 


28 


5 


7. April 


10. April XVII 


409 


210 


485 


6261 


6277 


1080 


769 


X 


xvn 


vn 


9 


6 


27. März 


2. April XX 


410 


211 


486 


6262 


6278 


1081 


770 


XI 


xvm 


VIII 


20 


7 


15. April 


22. April XXI 


411 


212 


487 


6263 


6279 


1082 


771 


xn 


XIX 


IX 


1 


1 


4. April 


7. April XVH 


412 


213 


488 


6264 


6280 


1083 


772 


xm 


XX 


X 


12 


3 


24. März 


29. März XIX 


413 


214 


489 


6265 


6281 


1084 


773 


IX 


XXI 


XI 


23 


4 


12. April 


18. Aprü XX 


414 


215 


490 


6266 


6282 


1085 


774 


X 


xxn 


xn 


4 


5 


I.April 


3. April XVI 


415 


216 


491 


6267 


6283 


1086 


775 


XI 


xxni 


xm 


15 


6 


21. März 


26. März XIX 


416 


217 


492 


6268 


6284 


1087 


776 


XII 


XXIV 


XIV 


26 


1 


9. April 


14. April XIX 


417 


218 


493 


6269 


6285 


1088 


777 


xm 


XXV 


XV 


7 


2 


29. März 


30. März XV 


418 


219 


494 


6270 


6286 


1089 


778 


XTX 


XXVI 


I 


18 


3 


17. April 


19. April XVI 


419 


220 


495 


6271 


6287 


1090 


779 


I 


xxvn 


n 


30 


4 


5. April 


11. Aprü XX 


420 


221 


496 


6272 


6288 


1091 


780 


n 


xxvm 


m 


11 


6 


25. März 


26. März XV 


421 


222 


497 


6273 


6289 


1092 


781 


ni 


I 


IV 


22 


7 


13. April 


15. April XVI 


422 


223 


498 


6274 


6290 


1093 


782 


IV 


n 


V 


3 


1 


2. April 


7. Aprü XIX 


423 


224 


499 


6275 


6291 


1094 


783 


V 


m 


VI 


14 


2 


22. März 


23. März XV 


424 


225 


500 


6276 


6292 


1095 


784 


VI 


IV 


vn 


25 


4 


10. April 


11. April XV 


425 


226 


501 


6277 


6263 


1096 


785 


vn 


V 


vm 


6 


5 


30. März 


3. Aprü xvm 


426 


227 


502 


6278 


6294 


1097 


786 


vm 


VI 


IX 


17 


6 


18. April 


23. Aprü XIX 


427 


228 


503 


6279 


6295 


1098 


787 


IX 


vn 


X 


28 


7 


7. April 


8. Aprü XV 


428 


229 


504 


6280 


6296 


1099 


788 


X 


vm 


XI 


9 


2 


27. März 


30. März XVII 


429 


230 


505 


6281 


6297 


1100 


789 


XI 


IX 


xn 


20 


3 


15. April 


19. Aprü XVIII 


430 


231 


506 


6282 


6298 


1101 


790 


xn 


X 


xm 


1 


4 


4. Aprü 


11. April XXI 


431 


232 


507 


6283 


6299 


1102 


791 


xm 


XI 


XIV 


12 


5 


24. März 


27. März xvn 


432 


233 


508 


6284 


6300 


1103 


792 


XIV 


xn 


XV 


23 


7 


12. April 


15. Aprü xvn 



Abhudliingeii d. K. Ges. d. Win. zu GAttingen PhlUhist El. N. F. Band 8,«. 



25 



Digitized by 



Google 



194 



K. SCHWABTZ 



äf 

o 


u o 

51 




ii 

< 


II 

«9 o 

o 


i 


0) 

II 


1. 

II 


Ii 

< 


1 


w 


•g 
1 


Oster- 
Tollmond 


und 
Mondalter 


433 


234 


509 


6285 6301 


1104 


793 


XV 


XIII 


I 


4 


1 


I.April 


7. April XX 


434 


235 


510 


6286 6302 


1105 


794 


XVI 


XIV 


II 


15 


2 


21. M&rz 


23. März XVI 


435 


236 


511 


6287 


6303 


1106 


795 


xvn 


XV 


ni 


26 


3 


9. April 


12. April XVII 


436 


237 


512 


6288 


6304 


1107 


796 


XV m 


XVI 


IV 


7 


5 


29. März 


3. April XTX 


437 


238 


513 


6289 


6305 


HOB 


797 


XIX 


xvn 


V 


18 


6 


17. April 


23. April XX 


438 


239 


514 


6290 


6306 


1109 


798 


I 


xvni 


VI 


30 


7 


5. April 


8. April xvn 


439 


240 


515 


6291 


6307 


1110 


799 


II 


XIX 


vn 


11 


1 


25. März 


31. März XX 


440 


241 


516 


6292 


6308 


Uli 


800 


m 


XX 


vm 


22 


3 


13. April 


19. April XX 


441 


242 


617 


6293 


6309 


1112 


801 


IV 


XXI 


IX 


3 


4 


2. April 


4. April XVI 


442 


243 


518 


6294 


6310 


1113 


802 


V 


xxn 


X 


14 


5 


22. März 


27. März XIX 


443 


244 


519 


6295 


6311 


1114 


803 


VI 


xxni 


XI 


25 


6 


10. April 


16. April XX 


444 


245 


520 


6296 


6312 


1115 


804 


vu 


XXIV 


XII 


6|1 


30. März 


31. März XV 


446 


246 


521 


6297 


6313 


1116 


805 


vni 


XXV 


xm 


17 


2 


18. April 


20. April XVI 


446 


247 


522 


6298 


6314 


1117 


806 


IX 


XXVI 


XIV 


28 


3 


7. April 


12. April XIX 


447 


248 


523 


6299 


6315 


1118 


807 


X 


xxvn 


XV 


9 


4 


27. März 


28. März XV 


448 


249 


524 


6300 


6316 


1119 


808 


XI 


xxvin 


I 


20 


6 


15. April 


16. Aprü XV 


449 


250 


525 


6301 


6317 


1120 


809 


XII 


I 


II 


1 


7 


4. April 


8. April xvm 


450 


251 


526 


6302 


6318 


1121 


810 


xm 


II 


m 


12 


1 


24. März 


31. März XXI 


451 


252 


527 


6303 


6319 


1122 


811 


XIV 


in 


IV 


23 


2 


12. April 


13. April XV 


452 


253 


528 


6304 


6320 


1123 


812 


XV 


IV 


V 


4 


4 


I.April 


4. April xvn 


453 


254 


529 


6305 


6321 


1124 


813 


XVI 


V 


VI 


15 


5 


21. März 


27. März XX 


454 


255 


530 


6306 


6322 


1125 


814 


XVII 


VI 


vn 


26 


6 


9. April 


16. April XXI 


455 


256 


531 


6307 


6323 


1126 


815 


xvm 


VII 


vm 


7 


7 


29. März 


1. April xvn 


456 


257 


532 


6308 


6324 


1127 


816 


XIX 


vin 


IX 118 


2 


17. April 


20. April XVII 


457 


258 


533 


6309 


6325 


1128 


817 


I 


IX 


X 30 


3 


5. April 


12. April XXI 


458 


259 


534 


6310 


6326 


1129 


818 


II 


X 


XI 


11 


4 


25. März 


28. März XVII 


459 


260 


535 


6311 


6327 


1130 


819 


m 


XI 


xn 


22 


5 


13. April 


17. April xvm 


460 


261 


536 


6312 


6328 


1131 


820 


IV 


xn 


xm 


3 


7 


2. April 


8. Aprü XX 


461 


262 


537 


6313 


6329 


1132 


1821 


V 


XIII 


XIV 


14 


1 


22. März 


24. März XVI 


462 


263 


538 


6314 


6330 


1133 


822 


VI 


XIV 


XV 


26 


2 


10. April 


13. April XVII 


463 


264 


539 


6315 


6331 


1134 


823 


vn 


XV 


I 


6 


3 


30. März 


5. April XX 


464 


265 


540 


6316 


6332 


1135 


824 


vm 


XVI 


n 


17 


5 


18. AprU 


24. April XX 


465 


266 


541 


6317 


6333 


1136 


825 


IX 


xvn 


m 


28 


6 


7. April 


9. April XVI 


466 


267 


542 


6318 


6334 


1137 


826 


X 


xvm 


IV 


9 


7 


27. März 


1. April XIX 


467 


268 


543 


6319 


6335 


1138 


827 


XI 


XIX 


V 


20 


1 


15. April 


21. April XX 


468 


269 


544 


6320 


6336 


1139 


828 


xn 


XX 


VI 


1 


3 


4, April 


5. Aprü XV 


469 


270 


545 


6821 


6337 


1140 


829 


xni 


XXI 


VII 


12 


4 


24. März 


28. März XVin 


470 


271 


546 


6322 


6338 


1141 


830 


XIV 


XXII 


vm 


23 


5 


12. April 


17. April XIX 


471 


272 


547 


6323 


6339 


1142 


831 


XV 


xxra 


IX 


4 


6 


1. April 


2. April XV 


472 


273 


548 


6324 


6340 


1143 


832 


XVI 


XXIV 


X 


15 


1 


21. März 


24. März xvn 


473 


274 


549 


6325 


6341 


1144 


833 


xvn 


XXV 


XI 


26 


2 


9. April 


13. April xvm 


474 


275 


550 


6326 


6342 


1145 


834 


xvm 


XXVI 


XII 


7 


3 


29. März 


5. April XXI 


475 


276 


551 


6327 


6343 


1146 


835 


XIX 


xxvn 


xm 


18 


4 


17. April 


18. April XV 


476 


277 


552 


6328 


6344 


1147 


836 


I 


xxvra 


XIV 


30 


6 


5. April 


9. Aprü xvm 


477 


278 


653 


6329 


6845 


1148 


837 


n 


I 


XV 


11 


7 


25. März 


1. April XXI 


478 


279 


554 


6330 


6346 


1149 


838 


m 


n 


I 


22 


1 


13. April 


14. April XV 


479 


280 


555 


6331 


6347 


1150 


839 


IV 


III 


II 


3 


2 


2. April 
22. März 


6. Aprü xvm 


480 


281 


556 


6332 


6348 


1151 


840 


V 


IV 


m 


14 


4 


28. März XX 


481 


282 


557 


6333 


6349 


1152 


841 


VI 


V 


IV 


25 


5 


10. April 


17. Aprü XXI 


482 


283 


558 


6334 


6350 


1153 


842 


vn 


VI 


V 


6 


6 


30. März 


2. April xvn 


483 


284 


559 


6335 


6351 


1154 


843 


vra 


vn 


VI 


17 


7 


18. April 


22. Aprü xvm 



Digitized by 



Google 



CBBISTLICBE UND JÜDISCHE 08TEBTAPELN 



195 



. .2 


O; CO 

.2 'S 

P-.2 

li 


CO 

a 

4g 


4> 


ii 
1^ 


1 
1 


li 

ja 


IM 

p a 

ci O 

2S 


u 

ja 00 

!•§ 

's « 


1 


t 




Oster- 
vollmond 


Ostersonntag 

und 

Mondalter 


o 


5 


< 


ü 


ro 


O 


< 


< 


^ 


^ 


fe 






484 


285 


560 


6336 


6352 


1166 


844 


IX 


VIII 


vn 


28 


2 


7. April 


13. April XX 


485 


286 


561 


6337 


6353 


1156 


845 


X 


IX 


vin 


9 


3 


27. März 


29. März XVI 


486 


287 


562 


6338 


6364 


1167 


846 


XI 


X 


IX 


20 


4 


15. April 


18. April xvn 


487 


288 


563 


6339 


6356 


1158 


847 


xn 


XI 


X 


1 


6 


4. April 


10. Aprü XX 
25. März XV 


488 


289 


564 


6340 


6366 


1169 


848 


XIII 


XII 


XI 


12 


7 


24. März 


489 


290 


566 


6341 


6357 


1160 


849 


XIV 


xni 


xn 


23 


1 


12. April 


14. Aprü XVI 


490 


291 


567 


6342 


6368 


1161 


850 


XV 


XIV 


xin 


4 


2 


I.April 


6. Aprü XIX 


491 


292 


568 


6343 


6359 


1162 


861 


XVI 


XV 


XIV 


16 


3 


21. März 


22. März XV 


492 


293 


668 


6344 


6360 


1163 


862 


XVII 


XVI 


XV 


26 


5 


9. April 


10. April XV 


49S 


294 


669 


6346 


6361 


1164 


853 


XVIII 


xvn 


I 


7 


6 


29. März 


2. Aprü xvm 


494 


295 


570 


6346 


6362 


1166 


854 


XIX 


xvm 


II 


18 


7 


17. April 


22. Aprü XIX 


495 


296 


671 


6347 


6363 


1166 


855 


i 


XIX 


ni 


30 


1 


6. April 


7. Aprü XVI 


496 


297 


672 


6348 


6364 


1167 


856 


II 


XX 


IV 


11 


3 


25. März 


29. März XVin 


497 


298 


673 


6349 


6366 


1168 


867 


[II 


XXI 


V 


22 


4 


18. April 


18. Aprü XIX 


498 


299 


574 


6360 


6366 


1169 


858 


IV 


xxn 


VI 


3 


5 


2. April 


3. Aprü XV 


499 


300 


576 


6361 


6367 


1170 


859 


V 


xxni 


vn 


14 


6 


22. März 


26. März XVIU 


500 


301 


676 


6362 


6368 


1171 


860 


VI 


xxiv 


VIII 


25 


1 


10. April 


14. April XVni 


501 


302 


577 


6353 


6369 


1172 


861 


vn 


xxv 


IX 


6 


2 


80. März 


6. Aprü XXI 


602 


303 


578 


6364 


6370 


1173 


862 


VIII 


XXVI 


X 


17 


3 


18. April 


19. Aprü XV 


503 


304 


579 


6356 


6371 


1174 


863 


IX 


XXVII 


XI 


28 


4 


7. April 


11. Aprü xvm 


504 


305 


680 


6356 


6372 


1176 


864 


X 


xxvm 


XII 


9 


6 


27. März 


2. April XX 


506 


306 


581 


6367 


6373 


1176 


866 


XI 


I 


xni 


20 


7 


16. April 


22. April XXI 


506 


307 


682 


6368 


6374 


1177 


866 


xn 


II 


XIV 


1 


1 


4. April 


7. Aprü XVU 


507 


308 


683 


6359 


6376 


1178 


867 


XIII 


m 


XV 


12 


2 


24. März 


30. März XX 


508 


309 


584 


6360 


6376 


1179 


868 


XIV 


IV 


i 


23 


4 


12. April 


18. Aprü XX 


609 


310 


685 


6361 


6377 


1180 


869 


XV 


V 


II 


4 


5 


I.April 


3. April XVI 


510 


311 


686 


6362 


6378 


1181 


870 


XVI 


VI 


in 


15 


6 


21. März 


26. März XIX 


511 


312 


687 


6363 


6379 


1182 


871 


XVII 


VII 


IV 


26 


7 


9. Aprü 


16. April XX 


512 


313 


588 


6364 


6380 


1183 


872 


XVIII 


vin 


V 


7 


2 


29. März 


30. März XV 


513 


314 


689 


6366 


6381 


1184 


873 


XIX 


IX 


VI 


18 


3 


17. April 


19. Aprü XVI 


514 


316 


690 


6366 


6382 


1186 


874 


[ 


X 


vn 


30 


4 


6. April 


11. Aprü XX 


615 


316 


591 


6367 


6383 


1186 


876 


II 


XI 


vin 


11 


5 


26. März 


27. März XVI 


616 


317 


592 


6368 


6384 


1187 


876 


m 


XII 


IX 


22 


7 


13. April 


15. Aprü XVI 


617 


818 


593 


6369 


6385 


1188 


877 


IV 


xin 


X 


3 


1 


2. Aprü 


7. Aprü XIX 


518 


319 


694 


6370 


6386 


1189 


878 


V 


XIV 


XI 


14 


2 


22. März 


23. März XV 


519 


320 


696 


6371 


6387 


1190 


879 


VI 


XV 


xn 


25 


3 


10. April 


12. Aprü XVI 


520 


321 


696 


6372 


6388 


1191 


880 


vn 


XVI 


xin 


6 


5 


30. März 


3. Aprü XVIII 


521 


322 


597 


6373 


6389 


1192 


881 


vni 


xvn 


XIV 


17 


6 


18. April 


23. April XIX 


522 


323 


698 


6374 


6390 


1193 


882 


IX 


XVIII 


XV 


28 


7 


7. April 


8. April XV 


523 


324 


699 


6376 


6391 


1194 


883 


X 


XIX 


I 


9 


1 


27. März 


31. März xvm 


524 


325 


600 


6376 


6392 


1196 


884 


XI 


XX 


II 


20 


3 


15. April 


19. Aprü XVIII 


525 


326 


601 


6377 


6393 


1196 


886 


XII 


XXI 


III 


1 


4 


4. Aprü 


11. Aprü XXI 
27. März XVli 


526 


327 


602 


6378 


6394 


1197 


886 


XIII 


xxn 


IV 


12 


5 


24. März 


527 


328 


603 


6379 


6396 


1198 


887 


XIV 


xxin 


V 


23 


6 


12. April 


16. Aprü xvm 


628 


329 


604 


6380 


6396 


1199 


888 


XV 


XXIV 


VI 


4 


1 


1. Aprü 


7. April XX 


529 


330 


605 


6381 


6397 


1200 


889 


XVI 


xxv 


VII 


16 


2 


21. März 


23. März XVI 


530 


331 


606 


6382 


6398 


1201 


890 


xvn 


XXVI 


vra 


26 


3 


9. April 


12. April xvn 


531 


332 


607 


6383 


6399 


1202 


891 


XVIII 


XXVII 


IX 


7 


4 


29. März 


4. April XX 


532 


333 


608 


6384 


6400 


1203 


892 


XIX 


xxvni 


X 


18 


5 


17. April 


23. Aprü XX 



26* 



Digitized by 



Google 



Register 



Agriostia 


60 ff. 64 


Hipparch 




152 


Ambrosiiu, gefälschter Brief 


54 f. 


ffippolyt 




cap. n 


AnatoUns 9. 15 ff. 58. 


127. 138. 150 


Irische Osterrechnong 


83. 


92. 96. 100. 102 f. 


Ps. Anatolios 


100 


Issachar 




164 


Antiochien, Aofstand von S87 


170. 177. 179 


Johannes Chrysostomns 




8. 120. cap. XI 


Bischöfe 


176 


Ps. Chrysostomns 




119. 175 


Schisma 


175. 184 


Josephos 




141 ff 


Aristides, Chronologie 


130 ff. 


Judenchristentam 




115 ff. 


emendirt [27, 33] 


135 


Jüdischer Krieg, Chronologie 


142 ff. 


Astrologie, jüdische 


168 


Kalender, antiochenischer 


123. 141. 148 f 


Audianer 


108 ff. 119 






128. 148 f. 


Allgastalis 


63 ft. 


tyrischer 




142. 148 f. 


Ps. Angostin de mircibüibus $, scripturae 90 


Kallippos 




10. 152 


euiyma = Ostervollmond 


8 


Laubhütten 




144. 182 


Beda 62. 93 


. 99. 102. 104 


Maimonides 




cap. X 


ßucio^difarog 


116 f. 


Martyrologiom, das s. g. 


syrische 67. 172. 


AI Biruni 


cap. X 






173. 176. 177. 179 


emendirt 


158 f. 167 


Märtyrertage 


67. 


172. 173. 177. 179 


Brachrechnnng der Alten 


61 ff. 


Maximas Confessor 




70. 81 ff. 


cena pura 


34 


MegiUat Ta^nit 




142 f. 


Ghronicon Paschale 


88 


Montanisten 




7. 83. 104 


Compatist, karthagischer 


67 ff. 81 


Novatianer 




105. 119 f. 


münchener 


89 ff. 


Ogdoas und Hendekas 




65 f. 95 f. 


von 243 [= Ps. Cyprian] 82. 


Petras von Alexandrien 


lOS 


1. 116. 126. 188. 150 




36 ff. 60. 84 


Pfingsten 




6. 33 f. 


nsvtanXoihnsg xol tianXoihftsg 81 ff. 


Phüo 




139 ff. 


Concil von Antiochien 


120. 123 


Pionias 




104 f. 137 f. 


Arles 


56. 117 


Predigttage 




170 


Nicaea 


117 ff. 123 


^vtirm 




142 


Sardica 27. 51. 52. 53 


.54.55. 121 ff. 


Sabbat, grosser 




127. 129 


Constantin 


56. 117 ff. 


Sabbatcultos 




157 


Cyrill, gefälschte Ostertafel 


22 f. 


Stationstage 




113 f. 171 


Didaskalie der Apostel 


105 ff. 


Synoden 




174 


Dionysios Exiguos, Aera 


22 


Theophilus, Ostertafel 




4. 28f. 55 


Paschalargomente 


20 


Victorias 




72 ff. 95 f. 102 


Eusebios v. Caesarea, M&rtyrerpredigt 176 


Weihnachten 139. 169. 174. 176. 177. 182 ff. 


Flavian, Patriarch v. Antiochien 


172. 175. 184 


Weltaera 


21. 


82. 90. 158. 160 ffl 


HerakUos 


20 


Wochentage, Namen 




4 


Pilftii^n 


59 ff. 


Zeitzer Ostertafel 




32. 53 f. 64. 70 ff. 



Digitized by 



Google 



Inhalt 



Soite 

I Der alexandrinische Cyclos 3 

n Der römische 112jährige Cyclus 29 

III Der römische 84 jährige Cyclas 40 

IV Occidentalische Cyclen des 5. Jahrhunderts 68 

V Der 84jährige Cyclus mit 14 jährigem Saltus 89 

VI Die Osterfeier am Sonntag nach dem jüdischen Pascha 104 

VII Die Ostertafel des orientalischen Concils von Sardica 121 

Vm Die jüdische Pascharechnung und das Martyrium Polykarps 125 

IX Die jüdische Pascharechnung vor der Zerstörung des Tempels 138 

X Der verbesserte jüdische Kalender löO 

XI Die Predigten des Johannes Chrysostomus gegen die Juden 169 

Beilage 186 

Tafel I (aus Cod. Vat. 505) zu S. 82 ff. 

Tafel n. m (aus Cod. Veron. 60) zu S. 122 ff. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Abhdlgn. d. K. Ges d.Wiss. zu Göttingen. Phil. bist. Kl. N. F. Bd. VIII. No. 6. 



Tafel IL 




/r<? ^^. 



p*\scHA>Cjrc^owpii-i-emift.,pv.icY>j\itsjAiciApiu 

mo AK5 NO ooN pi.» rATicyMis > crppv^LcnAiN»^ icno 

U>*po^^vrApo.<n>9...xr-rAcv.aecimA^*.<ni*Vi 
ATSiTso p of; n^isix cotvpxnAn^ovoXi>JKon:^,«> 

p.AScKe-fV7>iVior%0£WKoeovpi.-rJCTUlivurr>e 

*^^TP'''''-^'«*ON?iß>pxei«VP«MA€'ipAscKA> 
I T AN ; ^ i : 



m- A1^: 
im: ATV' 
Vim: Av: 

^: ak: 

vTi-: AN! 

A*!!", an; 

ATI«: At^J: 

'^Vi! An: 



IM 



or>ATft.; 
0>AK.y 

nriAR!; 



vi; 

>Vv»:an':^ AV%vt; €>t>Aiv: 
[ gr pLeLi < ci uprtHi: aä ^ 

\H»scbnji^riA VI W? 
jl: Aiv* .^; Ap*>c^t 

i 



V % AN : Air* II i: a^ Anl 
vi; AN:>rvi% ar>Ai^- 
Vi«: aö5» v/^, cvjaK: 

v^i', an; Ax*n a p; 
.A*!»; A*^: VII»»: <T>ARr; 

.T»»»: AT^: jicxvMji; AP : 

^Mif;Ai«c; ^Xrvi: cp.w . 

A"v: An? vi ' •^P* 
,^cvi; aäT: /cvi.'Ap; 

jevii 1 ;anY>/*ciii; Ap/ 
>r\/iui 7 A^';JlcnnrAF^; 
An.', ^I; <*>AR.J:*' ' 

ANj ^jea-, Ap ; 

AtnT: ^evnii/xiÄÄ'n'f^, . 










....^k 



*<? j» üt, 



/ 



6- 



'4§ 






Weidmannsche Buihhandlunp, Bcilin. 



Digitized by 

ichtdruck von / 




Licht 



Albert Frisch. feeJiin W. 



Digitized by 



Google 



Abhdlgn. d. K. Ges d.Wiss. zu Göttingen. Phil. hist. Kl. N. F. Bd. VIII. No. 6. 



Tafel II. 




<r>o.VKNOcoN pt» rAricvMis > CfTpvti.cnAiPO^ leno 
tX^pii-f^vrA|io5n*9tiiv-rc\rY>aecim.\^<?sni*Vi 

mei»öÄisApH.iLisvpa3sniAci-i'e<*>5vurvi»di5 
XiKcrnoKGS Weimer fCMUcSooi^u«>»CK5»ic»Qüi 
^^^^•pp*»'r.\TiOWiß>p\ei«x^»M6€»ipAscKA* 

AK^T AW:; o>AK.v vi; Ää3:>^i% qt^awl: 

v«: aiS» x/**, otjaK: 

Jon A"K: ViM«: <v>afl;; 

^1 1 »; AI«; >>cv • : y -w: 
,Avi; A^: ycvi: .^]p; 



ir. _ 

in-: Ai^. 
im: AX": 
Vim: am; 

^ri-: an: 

A*!!-; an; 

acim: ai*j: 



AVI', 

AX:v; 

VI". 



fVkAjJ 

nnA«[; 

cvfcAn: 
«viAiir. 



>Vvi:an:^ .^«vct; €>t>Aiv: 

N'<icr>e^-njO|;Acim xir.* 
\u»scbnji^riAVi W: 
r. Atv' .A-; Ap*>Rrft 






>T^/lul7A^^'>«nlt:AK•' > 

an; >»- Ap"; 
Aiv: >^fVHN;4^A^ 




-T 





Weidmannsche Buchhandlung^, Berlin. 






Digitized by 



Google 



AbhdIgn.d.K. Ges. d.Wiss. zu Göttingen. Pliil. bist. Kl. N. F. Bd. VIII. No. G. 



Tafel III. 




/;^' 



yfiiv: AM. 



A>c: 


^^vin:^* ; 


Ax: 


^vi; nr>.\u: 


.\>r: 


V . A p: 


Ate": 

Av: 


;XXV ; AP j^ 


ATC : 


n: Ap', 


XXii 


. ^P' 



.^Li. 



vi: Ap*; >^^ ^ 

^ACM Ao>AY^rrN:ie€.Act>>Olc<>v-sc-xsc?R<»'vroor>Nc^^j 

, J , ' ' r ' / 

oLci6A'ViiriL«OHticv>spoLMio>errvepiAL.vrior^^' . 
€xloT^Jc;.on.e^ppNe^.epR•oI^covr,c?^.lieNTres.^ [ 



Digitized by 



Google 



L 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



jjöt±:=:^' 



-#j# 



9 



Digitized by 



Google 




3 2044 052 727 526 



i